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Abenteuer Sport

mit Stefan Nestler

Einwinterung

Köln hat sein Karnevalskostüm wieder abgelegt – vorerst jedenfalls. Vor dem Beginn des Narrenjahres 11 im zweiten Jahrtausend hatte sich die Stadt als Wintersportort verkleidet. 30 Zentimeter Schnee in der Rheinebene, dazu eisige Temperaturen.


Schneehaube in Colonia

Wie überzeugend die Maskerade gelungen war, erlebten wir nach den Weihnachtsfeiertagen beim Skiurlaub in den Osttiroler Alpen: An unserem sehr gemütlichen Bauernhof in Huben nahe Matrei, immerhin auf gut 800 Metern gelegen, türmte sich der Schnee bei weitem nicht so hoch wie in der Domstadt, 50 Meter über dem Meeresspiegel. Und während wir in Köln doch tatsächlich an Heiligabend die Schneeketten aufgezogen hatten, konnten wir in Österreich komplett auf sie verzichten.

Kaiserwetter

Doch auf den umliegenden Bergen hatten Frau Holle und ihre Kanonen ausreichend weiße Pracht rieseln lassen. So sausten wir acht Tage lang ausgiebig auf unseren Brettern in Matrei, Lienz oder St. Jakob im Defereggental talwärts – und das stets bei angenehmen Temperaturen, ohne den für Osttirol so typischen Nordwind. Mehr als einmal trällerte ich, ungefähr bei Tempo 60, Wolfgang Ambros’ Klassiker „Skifoan“ vor mich hin: „Und wenn der Schnee staubt, und wenn die Sonn’ scheint, dann hoab i alles Glück in mir vereint …“.


Den Glockner im Blick

Kaiserwetter – und seine Majestät, der 3798 Meter hohe Großglockner, verzog nicht einmal eine Miene. Mit dem höchsten Berg Österreichs verbinde ich wegen eines gescheiterten Besteigungsversuchs (die Geschichte erzähle ich euch ein andermal) durchaus zwiespältige Gefühle, doch sein Anblick begeistert mich immer wieder aufs Neue.

Hinternheizung

Zur Jahreswende wurde es dann aber doch noch einmal richtig eisig. Auf minus 14 Grad fiel das Quecksilber. Da lernt man die Sessellift-Heizung unter dem Allerwertesten, eigentlich ja ein Ausbund an Dekadenz, wirklich schätzen. Ehe Zehen und Fingerspitzen endgültig zu Gefrierwürsten mutierten, beendeten wir den Skitag vorzeitig und ließen die eine oder andere zünftige Schlittenfahrt folgen. Denn merke: Bergauf steigen wärmt mehr als Lift fahren.


Schlittengaudi

Gläserner Skifahrer

Und dazu sabotieren Rodelpartien auf einfachen Forstwegen die elektronische Überwachung des Wintersportlers. Auf den Skipisten ist er nämlich inzwischen nahezu gläsern. Im Internet konnten wir nach Eingabe unserer Skipass-Nummer genau nachvollziehen, wann wir mit welchem Lift gefahren, wie viel Höhenmeter und Pistenkilometer wir hinter uns gebracht hatten. Der waagerechte Balken auf der Zeitleiste dokumentierte unsere Einkehr in die Hütte. Wie viele Germknödel wir dort verzehrten, war noch nicht dokumentiert. Aber auch das dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein. Insgesamt raste ich laut Internet-Dokumentation an den acht Skitagen 70.653 Höhenmeter hinunter, macht jeden Tag ziemlich genau einmal den Mount Everest vom Gipfel bis zur Meereshöhe. So beeindruckend kann Unsinn klingen. Aber Spaß hat es trotzdem gemacht.

Ende der weißen Pracht

Inzwischen sind wir an den Rhein zurückgekehrt. Schnee und Eis schmolzen innerhalb von zwei Tagen fast völlig weg. Eine neue „Einwinterung“ sei vorerst nicht zu erwarten, erklärte uns heute ein Wetterexperte im Radio. Den Begriff muss ich mir merken. Damit ich ihn sofort wieder auspacken kann, wenn Köln sich wieder verkleidet.

Datum

7. Januar 2011 | 16:23

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Ich bin dann mal kurz weg

Ich wünsche euch allen ein friedliches, frohes und besinnliches Weihnachtsfest. Lasst nichts anbrennen, vor allem nicht den Baum! Und natürlich auch einen guten Rutsch und ein schönes, erlebnisreiches, vor allem gesundes Jahr 2011 – getreu dem Namen des Blogs mit zahlreichen Abenteuern und viel Sport!


Ich werde mich nach den Feiertagen Richtung Berge absentieren oder (für alle, die dieses Wort nicht mehr kennen und zu faul sind, im Duden nachzuschlagen, aber die Harry-Potter-Bücher gelesen haben) disapparieren. Aber ich melde mich wieder, versprochen!

Datum

23. Dezember 2010 | 16:01

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Mit 24 schon ein Oldie

Als ich heute mit dem Zug zur Arbeit fuhr und auf die zwar tauenden, aber immer noch dick verschneiten Felder sah, fragte ich mich: Was machen bei diesem Wetter eigentlich die Slackliner? Spannen die auch jetzt im Park ihre Leine zwischen die Bäume und schlagen in der Daunenjacke ihre Saltos, um bei einem Fehlversuch in den weichen Schnee zu purzeln? Oder gibt es wie bei den Fußballern eine Winterpause für Slackliner?


Bernd Hassmann kann derzeit vom Slacklinen leben

Datum

22. Dezember 2010 | 13:34

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Gelesen: Eiszeit

Der Verkehr brach zusammen. Nichts ging mehr. Das passiert im Rheinland, wenn innerhalb kurzer Zeit mehr als zehn Zentimeter Schnee fallen. Mich ließ das kalt, hatte ich doch frei, konnte mich im warmen Wohnzimmer mit Blick auf den verschneiten Garten in den gemütlichen Lesesessel fläzen und zu einem Buch greifen. Passend zum Wetter wählte ich „Eiszeit“ von Alexander und Thomas Huber.


Datum

21. Dezember 2010 | 16:50

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Happy Birthday, Gerlinde

Willkommen im Club! Jetzt hat auch Gerlinde Kaltenbrunner die 30er-Zone des Lebens verlassen. Die Topbergsteigerin aus Österreich feiert heute ihren 40. Geburtstag. Ihr großes Projekt, alle 14 Achttausender ohne Atemmaske zu besteigen, nimmt Gerlinde mit ins neue Lebensjahrzehnt.


Noch immer fehlt ihr der K 2 in der Sammlung. In diesem Jahr stand sie wieder einmal kurz davor, dem „König der Achttausender“ in Pakistan auf das Haupt zu steigen – als sie von einem tragischen Unfall gebremst wurde. Der Schwede Fredrik Eriksson, mit dem Gerlinde am geplanten Gipfeltag aufgebrochen war, stürzte vor ihren Augen 1000 Meter tief in den Tod.

Datum

13. Dezember 2010 | 7:31

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Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Es gibt ein paar untrügliche Zeichen, die mich daran erinnern, dass ich älter werde. Etwa, dass ich mich blind wie ein Maulwurf fühle, wenn ich meine Lesebrille verlegt habe. Oder dass ich mich dabei ertappe, von alten, besseren Zeiten zu schwärmen. Krzysztof Wielicki ist da schon viel weiter, sprich weiser. „Ich will nicht behaupten, dass es heute schlechter ist, nur anders“, sagt die lebende polnische Bergsteigerlegende.


Krzysztof Wielicki, Pionier des Extrembergsteigens im Himalaya

60 Jahre alt ist Wielicki. Vor gut 30 Jahren, im Februar 1980, gelang Krzysztof mit seinem Landsmann Leszek Cichy die erste Winterbesteigung des Mount Everest. 1984 am Broad Peak war er der erste Bergsteiger, der einen Achttausender an einem Tag bestieg. Und Wielicki setzte weitere Marken: 1986 bestieg er mit Jerzy Kukuczka erstmals den Kangchendzönga im Winter. 1988 ließ er die erste Solobesteigung des Lhotse folgen, und dann noch im Winter, auch das eine Premiere. 1990 bestieg Wielicki als Erster im Alleingang den Dhaulagiri. 1996 war der Pole der fünfte Mensch, der alle 14 Achttausender bestiegen hatte, lediglich am Everest hatte er Flaschen-Sauerstoff benutzt.

Datum

12. Dezember 2010 | 10:49

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Neue Routen


Roraima Tepuis, ein Tafelberg im Grenzgebiet Venezuelas

Datum

7. Dezember 2010 | 15:28

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Mit dem Yeti gefrühstückt?

Wahre Schönheit braucht keine Seife – aber einen Spiegel. Insofern erfüllt diese Waschstelle einer Lodge im Dorf Dzongla in der Nähe des Mount Everest – fotografiert von Blogleser Jürgen – doch wirklich alle Bedingungen für einen Model-Wettbewerb. Man stelle sich vor, die Kandidatinnen müssten sich dort, in dünner Luft, gerade dem Schlafsack entkrochen, in Form bringen. Sprich auf neudeutsch: Sie müssten sich für ein Foto-Shooting stylen. Das Wasser für die Haarwäsche steht, gut gekühlt, im weißen Plastikkanister bereit. Das Urteil der Jury könnte lauten: „Du siehst aus, als hättest du mit dem Yeti gefrühstückt.“

Datum

2. Dezember 2010 | 11:03

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Steve House, im Herzen ein Purist

„Du kraulst wie ein alter Kahn“, pflegte einst mein Sportlehrer zu mir zu sagen, wenn er mich schwimmen sah. Ähnlich verhält es sich mit meinem Englisch. Genug, um nicht unterzugehen, zu wenig, um zu glänzen. Dennoch, also auf die Gefahr hin, mich als Grammatikmuffel und Vokabelwinzling zu offenbaren, stelle ich euch unten mein Interview mit Steve House ohne Übersetzung bereit. In diesem Fall, glaube ich, ist es wirklich ein Mehrwert, den Spitzenbergsteiger aus den USA im Original zu hören, weil er bei unserem „Wander-Gespräch“ beim International Mountain Summit in Brixen extrem offen war.


Steve House, für Reinhold Messner der derzeit „weltbeste Extrembergsteiger“

Datum

29. November 2010 | 17:27

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Rustikal, aber ehrlich

Die Wahrheit liegt in den Bergen – zuweilen begraben, manchmal aber auch offen zutage. Ein Beispiel dafür hat Blogleser Sven dokumentiert. Er ist gerade von einer dreiwöchigen Reise ins Solu Khumbu, das Gebiet um den Mount Everest in Nepal, zurückgekehrt. Nachdem er den Cho La, den 5420 Meter hohen Pass zwischen dem Gokyo- und dem Khumbu-Tal überquert hatte, nächtigte er in einer, so Sven wörtlich, „sehr rustikalen“ Lodge. Wer schon einmal in dieser Gegend unterwegs war, ahnt, was sich dahinter verbirgt: Mit „Komfort-Trekking“ dürfte das in etwa so viel gemein gehabt haben wie ein Matratzenlager mit einem Fünf-Sterne-Hotel. Immerhin aber waren die Besitzer – wie unten zu sehen – ehrlich und haben nicht mit Klebeband gespart, um der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen.

P.S. Ich habe hier immer noch vier Gerlinde-Kaltenbrunner-Bücher für euch liegen. Schickt mir weitere lustige Bergfotos!

Datum

26. November 2010 | 10:27

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Im Himalaya des Rheinlands

Holländer sind Europas Bergnomaden der Gegenwart. Jedenfalls habe ich immer diesen Eindruck, wenn ich – egal eigentlich zu welcher Jahreszeit – mit dem Auto in die Alpen fahre.


Hochsauerland mit Puderzucker

Datum

25. November 2010 | 16:07

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Mitmachen!

Weihnachten beginnt schon im Oktober. Spätestens dann tauchen in den Auslagen der Supermärkte erstmals Vanillekipferl, Marzipankartoffeln und andere Diätspeisen auf. Auch ich will da nicht nachstehen. Bei mir ist schon jetzt, gut einen Monat vor dem Heiligen Abend, Bescherung angesagt. Der Verlag Piper Malik hat mir, weil ich für die aktuelle Auflage das unten stehende Foto zur Verfügung stellte, …


Ralf und Gerlinde bringen Hiro 2005 zurück ins Everest-Basislager

… fünf Exemplare des Gerlinde-Kaltenbrunner-Buchs „Ganz bei mir“ überlassen, die ich jetzt unters Blogvolk bringen will. Einfach so? Nicht ganz. „Vun nix kütt nix“ (Von nichts kommt nichts), sagt der Kölner. Schickt mir doch einfach per Mail (Adresse findet ihr in der Leiste rechts) ein von euch geschossenes lustiges Bergfoto. Die ersten fünf Einsender, die mich zum Lachen bringen, haben ein Buch sicher. Die lustigsten Bilder werde ich dann, euer Einverständnis vorausgesetzt, auch an dieser Stelle präsentieren, selbstverständlich mit Copyright-Vermerk. Denn schon der gute, alte Immanuel Kant wusste: „Das Lachen ist der Lebenskraft zuträglich, denn es fördert die Verdauung.“ Im Gegensatz zu Vanillekipferl, Marzipankartoffeln und anderen Diätspeisen.

Datum

20. November 2010 | 19:07

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Gelesen: Über alle Berge

Der Hügel, der nach einem Bergfresser benannt ist, taugt kaum für eine SMS: Der „Taumatawhakatangihangakoauauotamateaturipukakapikimaunga- horonukupokaiwhenuakitanatahu“ bringt es auf satte 85 Buchstaben. Die Übersetzung sprengt vollends den SMS-Rahmen: „Der Vorsprung des Berges, wo Tamatea, der Mann mit den großen Knien, der rutschte, kletterte und die Berge verschlang und der durch das Land reiste, für seine Liebste Flöte spielte.“ Der 305 Meter hohe Hügel in Neuseeland mit dem Lindwurm-Namen gehört zu den vielen Bergkuriositäten, die Sebastian Herrmann in seinem lesenswerten Handbuch „Über alle Berge“ zusammengetragen hat.

Datum

18. November 2010 | 14:19

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(Fast wie) Vettel

Warum ich hier über Sebastian Vettel schreibe? Weil ganz Deutschland über ihn redet und ich nicht so tun kann, als wäre der Sonntag für den deutschen Sport ein Tag wie jeder andere gewesen. Wobei ich eigentlich permanent mit mir kämpfe, ob ich die Formel 1 wirklich als Sport werten soll. Denn Letztgenannter setzt doch eigentlich Chancengleichheit voraus, und die ist in der Königsklasse des Automobil“sports“ ja nun nicht gerade gegeben. Oder um es in die Sprache der Alpinisten zu übersetzen: Der beste Bergsteiger wäre dann jener, der den schnellsten Lift baut, um den Gipfel zu erreichen.


Abgasmärchen aus 1001 Nacht

Datum

15. November 2010 | 8:46

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Lampenfieber und Adrenalinkick

Einen Preis als „Vater des Jahres“ wird Denis Urubko mit dieser Aussage wohl kaum gewinnen: Er sei sich zwar der Verantwortung für seine drei Kinder bewusst, aber „sie wachsen so oder so auf, mit oder ohne meine Hilfe“.
Natürlich, so der Kasache, wäre er lieber stets da, um sie zu unterstützen. „Aber es ist mein Leben, in dem ich mein Bestes geben muss, nicht nur für die Kinder, auch für mich selbst. Vielleicht klingt das egoistisch, und andere verstehen es nicht. Aber das ist nun einmal meine Meinung.“


Denis Urubko

Datum

11. November 2010 | 13:18

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