Wolf – Abenteuer Sport https://blogs.dw.com/abenteuersport Blog über Expeditionen und Grenzerfahrungen Wed, 06 Mar 2019 10:38:57 +0000 de-DE hourly 1 Gewitter am Manaslu https://blogs.dw.com/abenteuersport/gewitter-am-manaslu/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/gewitter-am-manaslu/#comments Tue, 29 May 2012 14:22:24 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=14953

Alix von Melle im Aufstieg zum Gipfelversuch

Niemals habe ich mehr Schnee geschaufelt als 2007 am Manaslu. Kein Tag verging, ohne dass Frau Holle es aus Nepals Himmel weiß auf unser Basislager rieseln lies. Höhepunkt war ein Wettersturz mit so heftigem Schneefall, dass unser großes Kuppelzelt nachts unter den Massen zusammenbrach. Während die anderen am Berg unterwegs waren, verbrachten Koch Sitaram Rai, seine Küchenhelfer und ich die Nacht damit, die Zelte freizuschaufeln. Auch fünf Jahre später hat der Manaslu seinem Ruf als Achttausender des Schnees und der Gewitter wieder alle Ehre gemacht. Nach Angaben der deutschen Bergsteiger Luis Stitzinger und Alix von Melle erreichten in diesem Frühjahr nur fünf westliche Bergsteiger und einige Sherpas den 8163 Meter hohen Gipfel, alle nutzten Flaschen-Sauerstoff. Ein Iraner, der mit vier Landsleuten ebenfalls oben war, stürzte beim Abstieg ab und wird seitdem vermisst. Viel fehlte nicht, und es hätte noch mehr Opfer gegeben.

Haare standen zu Berge

Luis auf dem Weg zu Lager 4 auf 7400 Metern

Luis, Alix und drei weitere Expeditionsmitglieder befinden sich am 12. Mai 200 Meter unterhalb des Gipfels, als ein Gewitter losbricht. „Unter der Mütze stehen uns die Haare zu Berge, Pickel und Skistöcke summen, elektrische Schläge zucken schmerzhaft auf Schultern und Kopfhaut. Graupel setzt ein, ein orkanartiger Wind bricht los“, schreiben Luis und Alix auf ihrer Internetseite. „Fluchtartig treten wir den Abstieg an. Aus der genussvollen Bergtour von vor noch einer halben Stunde ist ein Überlebenskampf geworden.“ Bei null Sicht erreicht die Gruppe nur mit Hilfe des GPS das Lager auf 7400 Metern. Später bricht der bayrische Bergsteiger Christian Ranke zusammen. Er ist schneeblind, bei ihm zeigen sich außerdem Symptome eines Höhenhirnödems. Christian erhält Notfallmedikamente. Den anderen Expeditionsmitgliedern gelingt es, ihn ins nächste Lager hinunterzubringen und dort mit Flaschen-Sauerstoff zu versorgen. Er erholt sich so weit, dass die Gruppe am nächsten Tag bis ins Basislager teils absteigen, teils mit Skiern abfahren kann. Das war knapp. Damit bleibt es zunächst für Luis und Alix bei fünf bestiegenen Achttausendern. Alix ist damit die erfolgreichste deutsche Höhenbergsteigerin.

Hauptsache gesund 

Auch die vom Österreicher Herbert Wolf geführte Gruppe kehrte ohne Gipfelerfolg, aber gesund vom Manaslu heim. Der umsichtige Bergführer hatte im Oktober 2011 unsere Expedition zum Siebentausender Putha Hiunchuli (einfach in der oberen Leiste auf „Putha Hiunchuli 2011“ klicken) geleitet. Dort war Schneefall nicht die Regel, sondern die Ausnahme gewesen.

P.S. Die Leiche der in Nepal geborenen kanadischen Bergsteigerin, die vor anderthalb Wochen im Gipfelbereich des Mount Everest ums Leben gekommen war, ist von Lager 2 auf 6500 Metern aus per Hubschrauber nach Kathmandu geflogen worden. Sherpas hatten den Körper der Verstorbenen aus etwa 8400 Metern heruntergebracht.

P.P.S. Hier findet ihr eine Hintergrundstory, die ich für die DW über das Geschehen am Everest geschrieben habe.

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Auf dem Weg in die Annalen https://blogs.dw.com/abenteuersport/auf-dem-weg-in-die-annalen/ Tue, 17 Apr 2012 20:07:20 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=14103

Hirotaka Takeuchi

So viele Daumen habe ich nicht, wie ich in diesem Frühjahr drücken muss. Über Gerlinde, Ralf, Rolf und Richie, die sich an Nuptse, Lhotse und Everest tummeln, hatte ich euch ja schon berichtet. In die Gruppe „Alte Freunde“ gehört auch Hiro: Hirotaka Takeuchi, mit dem ich 2005 am Everest und  zwei Jahre später am Manaslu unterwegs war, versucht sich mit seinem japanischen Landsmann Nakajima am 8167 Meter hohen Dhaulagiri. Erreicht Hiro den Gipfel, wäre der 40-Jährige der erste Japaner, der alle 14 Achttausender bestiegen hat. Um sich zu akklimatisieren, turnt sich Hiro am Sechstausender Island Peak warm, einem beliebten Aussichtsberg in Blickweite des Mount Everest.

Älteste Everest-Alte

Auf der tibetischen Nordseite des höchsten Bergs der Erde wird seine Landsfrau Tamae Watanabe erwartet. Die 73 Jahre alte Japanerin will einen neuen Seniorinnenrekord am Everest aufstellen. Dabei hält sie ihn bereits. Seit 2002 wird die damals 63-jährige Watanabe als älteste Everest-Besteigerin in den Berg-Annalen geführt. Was ihr neuerlicher Anlauf soll, erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht. Da hätte sie auch noch vier Jahre länger warten können. Dann hätte Watanabe den ältesten Everest-Alten überhaupt übertreffen können, den Nepalesen Min Bahadur Sherchan. Der war fast 77 Jahre alt, als er 2008 den Gipfel erreichte. Eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis sich dort oben auf 8850 Metern auch ein Methusalem mit Rollator ablichten lässt.

Als Paar auf den Manaslu

Alix und Luis auf dem Gipfel des Broad Peak

Wer hält eigentlich den Seniorenrekord am Manaslu? Das interessiert (Gott sei Dank) noch niemanden. Der achthöchste Berg der Erde produziert medial deutlich weniger Schlagzeilen als der Everest. In diesem Frühjahr will das deutsche Höhenbergsteiger-Paar Alix von Melle und Luis Stitzinger den Manaslu besteigen. Anschließend ist – wenn es die Verhältnisse erlauben, eine Skiabfahrt vom Gipfel geplant. Für beide wäre es der sechste Achttausender. Die in Hamburg geborene Alix darf sich bereits jetzt „erfolgreichste deutsche Expeditionsbergsteigerin“ nennen. Ebenfalls auf den Manaslu will Herbert Wolf, mein umsichtiger Expeditionsleiter vom Putha Hiunchuli. Der Österreicher führt erneut eine kommerzielle Expedition. Womit wir wieder bei den vielen Daumen sind, die ich drücke, obwohl ich nur zwei habe.

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