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An der Grenze des Erträglichen


Halb-Nordpolisten

Zweite Tagesrast. Plötzlich wurde Thomas ganz ernst: „Ich habe euch etwas Offizielles mitzuteilen. Wir haben mehr als die Hälfte der Strecke zum Nordpol geschafft. Und das in nur vier Tagen. Reife Leistung bei der Kälte.“ „Nicht bei, sondern wegen der Kälte“, korrigierte Arnold. Und Frank fügte hinzu: „Ich laufe nur so schnell, weil ich auf Spitzbergen ein Pfeffersteak essen will.“ Eugen freute sich still. Er hatte seinen Spruch des Tages schon am Morgen geliefert. „Ein Triathlon ist doch gar nichts gegen das, was wir hier machen. Wir sind nicht die Ironmen, wir sind die Diamondmen.“ Mit anderen Worten die ganz Harten.

Poldi bockt


Schwierige Passage

Da ahnte Eugen wohl schon, was auf uns zukommen würde. Wir mussten so viele Presseis-Rücken, willkürlich aufgeschichtete Eisblöcke, überwinden, wie an keinem der ersten Tage. Mehrfach bockte mein Schlitten Poldi. Ob er schon für die Geissböcke trainierte? Er verkantete sich so im Eis, dass ich ihn ohne Hilfe nicht freibekam. Als Zugesel sah ich in diesem Augenblick sicher ziemlich dämlich aus. Meist eilte dann Thomas zu Hilfe.

Pfadfinder Thomas


Suche nach dem besten Weg

Ohne ihn wären wir hier verloren. Er sucht den am besten begehbaren Weg durch das Eislabyrinth. Immer nach Norden. Dabei benutzt er nur von Zeit zu Zeit das GPS-Gerät, um die Position zu überprüfen. Ansonsten navigiert er nach der Sonne. Die bewegt sich in der Stunde auf einem gedachten Kompass um 15 Grad. Um 0 Uhr steht sie genau im Norden. Man muss nur die genaue Ortszeit des Längengrads kennen und schon kann man leicht die eigene Gehrichtung überprüfen. Thomas hat uns auch erklärt, dass man auf dunkle Streifen am arktischen Himmel achten sollte. Dabei handelt es sich um Lichtreflektionen offenen Wassers. Und das sollte man nach Möglichkeit meiden.

Leicht wie eine Feder

Wir mussten heute auch wieder eine heikle Stelle überwinden. „Trampolineis“ nannte Thomas den wackligen Untergrund. Bevor ich hinüberfuhr, gab er mir noch mit auf den Weg: „Wenn du zu hart belastest, liegst du drin.“ Daraufhin glitt ich leicht wie eine Feder über das dünne Eis.

Nordpol als Ostergeschenk?

Nach achteinhalb Stunden bei minus 30 Grad Celsius krochen wir erschöpft in die Schlafsäcke. Thomas hatte uns ganz schön gefordert. „Hart an der Grenze des Erträglichen“, urteilte Eugen. 17,9 Kilometer sind wir dem Nordpol näher gekommen. Noch fehlen 47,3 Kilometer. Sollte das Wetter stabil bleiben und wir das Tempo durchhalten, könnten wir den Pol bereits am Sonntag erreichen. Das wäre doch ein feines Ostergeschenk.

P.S. Um unsere genaue Position zu verfolgen, einfach auf die Karte rechts oben klicken.

Datum

1 09.04.2009 | 20:50

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