Heuberg – Abenteuer Sport https://blogs.dw.com/abenteuersport Blog über Expeditionen und Grenzerfahrungen Wed, 06 Mar 2019 10:38:57 +0000 de-DE hourly 1 Trauter Berg https://blogs.dw.com/abenteuersport/trauter-berg/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/trauter-berg/#comments Wed, 14 Aug 2013 16:56:17 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=22865

Gipfelkreuz am Heuberg

Seit drei Tagen atme ich Bergluft. Wieder hat es uns nach Walchsee in Tirol verschlagen, auf einen Bauernhof, der fast so etwas wie unsere zweite Heimat geworden ist. Mit lieben Gastgebern, einem tollen Ausblick vom Balkon, einem Kraftplatz und rundherum Bergen, mit denen wir unsere ganz persönlichen Erinnerungen verbinden. Heute haben wir wieder einmal unseren „Familienberg“ bestiegen. 1603 Meter misst der Heuberg, den ich euch ja schon einmal im Blog vorgestellt habe. Er ist mir so vertraut, dass der Aufstieg fast etwas Rituelles, Meditatives hat. Ich benötige keine Wegmarken mehr, muss einfach nur steigen und kann mich in meinen Gedanken verlieren. Irgendwann stehe ich oben, Blick und Herz öffnen sich. Wunderbar.

Wetterfahne als Konstante

Im letzten Jahr warf ich auf der Wetterfahne, einem anderen Berg im Kaiserwinkl, einen Blick ins Gipfelbuch. Immer wieder tauchte dort derselbe Name auf, einfach nur mit Datum versehen. Fast jeden zweiten Tag hatte dieser Mann den eher kleinen, unscheinbaren Berg bestiegen, der für ihn eine große Bedeutung gewonnen haben muss: als Konstante. Keine Fahne, die sich mit jedem Wind dreht, sondern eine 1284 Meter hohe Wetterfahne, um die sich sein Leben rankt.

Dämlicher Gipfelbuch-Eintrag

Wie weit entfernt von diesem innigen Verhältnis zum Berg ist doch jenes holländische Pärchen, das jetzt 2300 Euro für eine überflüssige Bergung blechen musste. Die beiden hatten den Gipfel des Kleinen Göll (1753 Meter) bestiegen und dann per Handy die Salzburger Bergrettung alarmiert. Angeblich sei der Weg zu nass und rutschig, um abzusteigen. Die Retter fanden den Pfad trocken und gut begehbar vor, flogen die Touristen aber doch ins Tal, um auf Nummer sicher zu gehen. Der Eintrag ins Gipfelbuch entlarvte die beiden schließlich vollends: „M. und H. aus Holland waren am Gipfel. Zurück ‚gehen’ wir mit dem Helikopter.“ Wie dämlich!

P.S.: Bis Ende nächster Woche mache ich noch Urlaub, bis dahin gibt es (wahrscheinlich) nur das eine oder andere Geschichtlein von hier. Danach widme ich mich wieder den Extrembergsteigern. Versprochen.

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Heuberg https://blogs.dw.com/abenteuersport/heuberg/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/heuberg/#comments Wed, 28 Jul 2010 17:06:04 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport2/2010/07/28/heuberg/ Es gibt besondere Berge, auch wenn sie nicht 8000 Meter hoch sind. Erinnerungen machen sie dazu. Für mich zählt etwa der Heuberg zu den besonderen, obwohl er doch eigentlich ein ganz normaler, eher kleiner Berg ist: gerade einmal 1603 Meter hoch, bis weit nach oben bewaldet, nicht sonderlich steil, von einer etwa zehn Meter hohen Felskuppe gekrönt, auf der das Gipfelkreuz steht. Der Heuberg ist gewissermaßen das Entrée zur Felsgruppe des „Zahmen Kaisers“, dem kleinen Bruder des „Wilden Kaisers“.


Heuberg, dahinter der Zahme Kaiser

Blickfang

Zum elften Mal machen wir in diesem Jahr Urlaub auf dem Jagerhof in Walchsee – und der Heuberg gehört ganz einfach dazu. Bei gutem Wetter können wir ihn schon von der Autobahn aus am Irschenberg hinter München sehen. Wenn wir später von Oberaudorf ins Walchseer Tal abbiegen, fahren wir direkt auf ihn zu. Und wenn wir schließlich auf dem Jagerhof auf den blumengeschmückten Balkon heraustreten, grüßt uns der Heuberg von der Seite.
Unsere jüngsten Kinder waren auf dem Gipfel, ehe sie schreiben konnten. Acht Stunden haben wir damals für die Wanderung gebraucht – und anschließend einen Ruhetag. Inzwischen sind die Kinder erwachsen. Die Tour dauert nur noch fünfeinhalb Stunden, aber die Waden brennen noch immer, wenn wir aus den Bergschuhen schlüpfen.


Abklatschen am Gipfelkreuz

Fassungslos

Heute waren wir wieder oben. Die Wanderung weckt zahllose Erinnerungen. So gibt es eine bestimmte Stelle, an der wir wie beim ersten Aufstieg traditionell die Schokolade auspacken, um den Kalorienspeicher wieder aufzufüllen. Wir passieren die Jöchlalm, oder besser gesagt das, was noch von ihr übrig geblieben ist. Im vergangenen Jahr hat eine Lawine die Alm zerstört. Als wir 2009 erstmals die Ruine sahen, stand der Almwirt vor den Trümmern, noch immer fassungslos, obwohl die Schneemassen schon Monate zuvor die Hütte fast bis auf das Fundament weggefegt hatte.

Gipfelfliegen

Wenig später erreichen wir den Heubergsattel, das Jöchl. Hier öffnet sich der Blick auf den „Wilden Kaiser“. Zahlreiche Picknicks haben wir in den vergangenen Jahren an dieser Stelle gemacht: Landjäger, Käse, Semmeln und „Milchlaible“. Schließlich die letzten Höhenmeter, auf einem kleinen Steig über eine von Schafen bevölkerte Wiese, dann über die Felsnase zum Gipfelkreuz. Dort leben jede Menge Schmeißfliegen, die sich offenbar wie wir an der Aussicht nicht satt sehen können. Zu unseren Füßen liegt der Walchsee, wir blicken Richtung Inntal, auf die knapp 2000 Meter hohe Pyramidenspitze, den markanten Geigelstein und viele andere Berge, die wir in all den Jahren bestiegen haben.


Gipfelblick

Im vergangenen Jahr haben wir eine Mondscheintour auf den Heuberg gemacht. Start um 2.30 Uhr, pünktlich zum Sonnenaufgang waren wir oben, nur wir – ein unvergessliches Erlebnis. Auch diesmal sitzen wir – abgesehen von den Fliegen – wieder allein auf dem Brett am Gipfelkreuz und schwelgen in Erinnerungen: „Weißt du noch?“

Käse und Schinken

Immer wieder haben wir am oder auf dem Heuberg Neues entdeckt oder erlebt. Als wir heute vom Gipfel Richtung Tal abstiegen, lud uns der Bauer auf der Hageralm in seine vom Rauch tiefdunkle Holzhütte ein. „Sie hat schon dreihundert Jahre auf dem Buckel“, erzählte uns der alte Mann. Wir kosteten von seinem leckeren Bergkäse, den er ein Jahr lang gelagert hatte. Ein dicker Klotz davon sowie ein Stück des Schinkens, den der Bauer auf der Alm geräuchert hat, liegen jetzt im Kühlschrank unserer Ferienwohnung. Als kulinarisches Andenken vom Heuberg, unserem Familienberg, einem besonderen Berg.

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