Fels wie Marmorkuchen
Nachdem sie an den Felswänden Großbritanniens und der Alpen zu starken Kletterern gereift sind, schließen sich MacIntyre und Porter Ende der 70er Jahre – mitten im kalten Krieg – mit den polnischen Bergsteiger-„Freibeutern“ um Wojciech, genannt „Voytek“ Kurtyka zusammen, um gemeinsam den Hindukusch und den Himalaya unsicher zu machen. 1977 durchsteigen sie als Erste die Nordostwand des über 6800 Meter hohen Kuh-e Bandaka, über Fels „wie krümeliger alter Marmorkuchen“ (Porter), während um sie herum so viele Steine herunterdonnern, dass sie sich vorkommen wie in einem „Zyklotron“, einem Teilchenbeschleuniger. Beinahe noch gefährlicher wird das Nachspiel der Expedition in Afghanistan, über das ich an dieser Stelle jedoch nichts verrate.
Nur Pech?
MacIntyre wird als Kletterer immer besser, besonders im Eis. Er progagiert und praktiziert den Alpinstil: sauber, schnell, leicht, im kleinen Team. Weitere Erfolge schließen sich an: Die Erstbegehung des Südsporns am Changabang in Indien (6864 Meter), der Ostwand des Dhaulagiri (8167 Meter) – und der Südwand der Shishapangma (8027 Meter). Spätestens mit diesem letztgenannten Coup ist Alex in der absoluten Weltspitze der Kletterer angekommen. Und er will noch eins draufsetzen: an der Annapurna-Südwand. Ist es wirklich nur Pech, dass ihn ein Stein tödlich am Kopf trifft? Zu Füßen des Achttausenders erinnert eine Gedenktafel an Alex MacIntyre, darauf die Aufschrift: „Es ist besser, einen Tag als Tiger gelebt zu haben, als tausend Jahre lang als Schaf.“ Die Kurzfassung dieser tibetischen Weisheit („Lieber Tiger als Schaf“) ist der Titel von John Porters Buch, das ihr euch wirklich nicht entgehen lassen solltet.
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