Speedbesteigung – Abenteuer Sport https://blogs.dw.com/abenteuersport Blog über Expeditionen und Grenzerfahrungen Wed, 06 Mar 2019 10:38:57 +0000 de-DE hourly 1 Zwei schnelle Männer am Everest: Jornet und Steck https://blogs.dw.com/abenteuersport/zwei-schnelle-maenner-am-everest-jornet-und-steck/ Tue, 25 Apr 2017 15:02:38 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=35923

Kilian Jornet (r.) und Emilie Forsberg (l.) in Kathmandu

„Ich fühle mich wirklich akklimatisiert und stark in der Höhe“, sagte Kilian Jornet. Und das schon bevor er am Wochenende Richtung Himalaya startete. Als Training für seine Achttausender-Expedition war der Speed-Spezialist mit seiner schwedischen Freundin Emelie Forsberg in Norwegen geklettert und am Tag vor dem Abflug noch bei der Trofeo Mezzalama gestartet, einem der klassischen Rennen für Skibergsteiger. Dabei hatte Kilian im Team mit den Schweizern Martin Anthamatten und Werner Marti bei den Männern den zweiten Rang belegt, Emelie hatte den Wettbewerb der Frauen an der Seite der Schweizerin Jennifer Fiechter und der Französin Laetitia Roux gewonnen. Über die nepalesische Hauptstadt Kathmandu reisten Jornet und Forsberg nach Tibet. Innerhalb der nächsten zwei Wochen wollen sie den Cho Oyu besteigen, mit 8188 Metern der sechsthöchste Berg der Erde. „Wenn alles klappt, könnten wir etwa am 7. oder 8. Mai auf dem Gipfel stehen“, sagte Emelie, für die es die erste Erfahrung an einem Achttausender ist. Und Kilian ergänzte: „Für mich wird es eine gute Vorbereitung für den Everest, weil ich dann bei der Ankunft dort noch besser akklimatisiert sein werde.“

Leicht und schnell

Kilian Jornet 2016 am Everest

Der 29 Jahre alte Katalane präzisierte seinen Plan für eine Speed-Besteigung des höchsten Bergs der Erde. Die peilt er für Ende Mai an. Begleitet wird Jornet diesmal am Everest nur von Kameramann Sébastien Montaz-Rosset. Er wolle entweder über das Norton- oder das Hornbein-Couloir zum Gipfel aufsteigen, sagte Kilian, „natürlich abhängig von den Bedingungen am Berg“. Zunächst plant er weitere Akklimatisierungstouren vom vorgeschobenen Basislager auf 6300 Metern aus. Dann will Jornet für seinen Speedversuch zum Kloster Rongbuk auf 5000 Metern zurückkehren, der letzten dauerhaft bewohnten Siedlung unterhalb des Gipfels. Von dort aus will er den Berg, wenn möglich, in einem Zug besteigen, ohne Flaschensauerstoff. „Leicht und schnell. Es gibt Leute, die meinen, das ist Wahnsinn“, sagt Kilian. „Aber für mich ist der Berg ein Raum, in dem jeder frei sein sollte, das zu tun, was er meint, schaffen zu können. Ich mag es, leicht unterwegs zu sein. Auf diese Weise verbringt man weniger Zeit in der Höhe und wird nicht so schnell müde, auch wenn einem bewusst sein sollte, dass die Expedition risikoreicher wird.“ Im Herbst vergangenen Jahres hatten die Schneemassen am Everest verhindert, dass Jornet überhaupt einen ernsthaften Speed-Versuch machen konnte.

Steck: „Sehr gute Bedingungen“

Ueli Steck oberhalb von Lager 2

Auch Ueli Steck ist ein schneller Mann, der übrigens auch schon mit Jornet gemeinsam im Eiltempo bergsteigen war. Der Schweizer Topbergsteiger ist schon seit fast zwei Wochen auf der Südseite des Mount Everest. Gerade hat der 40-Jährige zwei Nächte in Lager zwei auf 6400 Metern verbracht. „Schönes Wetter und warm“, schreibt Ueli auf Facebook. „Ich habe die Chance ergriffen und einen Blick Richtung Westschulter geworfen. Bisher sind die Bedingungen sehr gut. Aber das kann sich innerhalb eines Monats natürlich ändern.“ Sein Kletterpartner Tenjing Sherpa hat sich nach Uelis Worten Erfrierungen zugezogen. „Hoffentlich heilen sie bald aus, so dass wir wieder gemeinsam am Berg unterwegs sein können.“ Steck hat sich für dieses Frühjahr die Everest-Lhotse-Überschreitung vorgenommen. Wenn es die Bedingungen zulassen, will er über den selten begangenen Westgrat und das Hornbein-Couloir den Gipfel erreichen, dann zum Südsattel ab- , und (über die vom gebürtigen Kasachen Denis Urubko 2010 eröffnete Variante) zum 8611 Meter hohen Gipfel des Lhotse aufsteigen – wie immer bei seinen Achttausender-Projekten ohne Flaschensauerstoff. In dieser Aneinanderreihung ist die Traverse noch nie versucht worden. „Das wäre mein Traumding“, sagte mir Ueli vor der Expedition. „Aber ich bin auch realistisch und habe genug Erfahrung, um zu wissen, dass es nur klappen kann, wenn sehr, sehr viel stimmt. Es müssen perfekte Verhältnisse herrschen, das Wetter muss gut und stabil sein. Ich glaube, es ist wichtig, dass man Ideen hat, aber am Ende am Berg entscheidet, was möglich ist und was nicht.“

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Everest-Herbstlinge im Frühjahr https://blogs.dw.com/abenteuersport/everest-herbstlinge-im-fruehjahr/ Thu, 20 Apr 2017 19:01:14 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=35857

Kuriki (2.v.l.) im Everest-Basislager

Eigentlich wollten beide erst im Herbst zum höchsten Berg der Erde zurückkehren. Doch die Chinesen machten ihnen einen Strich durch die Rechnung. Im kommenden Herbst werden die chinesischen Behörden nämlich keine Permits für den Mount Everest ausstellen. Aus diesem Grund reihen sich sowohl der Japaner Nobukazu Kuriki als auch der Spanier Kilian Jornet in die Schar derer ein, die den Everest in diesem Frühjahr von der tibetischen Nordseite aus besteigen wollen. Der 34 Jahre alte Kuriki ist bereits im „Chinese Base Camp“ auf 5200 Metern eingetroffen. Kuriki hat angekündigt, auf der Normalroute bis auf eine Höhe von 7500 Metern aufzusteigen, um sich zu akklimatisieren. Anschließend will er erneut versuchen, im Alleingang und ohne Flaschensauerstoff durch die Nordwand zu klettern.

Siebter Anlauf

Kuriki im Herbst 2016 in der Everest-Nordwand

Im Herbst 2016 hatte Kuriki auf einer Höhe von 7400 Metern vor den Schneemassen in der Wand kapituliert. Es war sein erster Versuch auf der Nordseite des Bergs gewesen. Zuvor war er auf der nepalesischen Südseite fünfmal gescheitert, immer im Herbst. 2012 hatte er sich bei einem Versuch über den Westgrat so schwere Erfrierungen zugezogen, dass neun Finger fast auf ganzer Länge hatten amputiert werden müssen. „Es ist noch nicht vorbei“, verkündete Kuriki fast trotzig vor seinem nun schon siebten Versuch.

Im Eiltempo auf den Gipfel?

Kilian Jornet 2016 am Everest

Kilian Jornet hat noch alle seine Finger. Der 29 Jahre alte Katalane war im vergangenen Herbst bei seinem ersten Anlauf am Everest gescheitert. Kilian hatte ursprünglich vorgehabt, nach erfolgter Akklimatisierung den höchsten Berg in einem Zug zu besteigen,vom Kloster Rongbuk aus (das rund 30 Kilometer vom vorgeschobenen Basislager unterhalb des Nordsattels entfernt liegt), im Eiltempo, ohne Flaschensauerstoff und Sherpa-Unterstützung. Zu einem Speedversuch war es gar nicht erst gekommen. Auf der Normalroute war er nach eigenen Angaben mit seinen Begleitern bis auf eine Höhe von 7950 Metern aufgestiegen, ehe auch ihn die Schneemassen am Everest gestoppt hatten.

Auch die Freundin ist dabei

Kilian Jornet

An seinem Plan hat sich nichts geändert. Wie Jornet die geplante Speedbesteigung umsetzen will, wenn so viele Gipfelaspiranten am Berg sein werden wie in diesem Frühjahr, bleibt vorerst noch sein Geheimnis. Erneut wird Jornet von dem spanischen Topbergsteiger Jordi Tosas begleitet. Zum Team gehört diesmal auch Kilians Freundin, die schwedische Bergläuferin und Skibergsteigerin Emelie Forsberg. Am Wochenende geht es los.

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