Tenzing – Abenteuer Sport https://blogs.dw.com/abenteuersport Blog über Expeditionen und Grenzerfahrungen Wed, 06 Mar 2019 10:38:57 +0000 de-DE hourly 1 Gelesen: Everest 1953 https://blogs.dw.com/abenteuersport/gelesen-everest-1953/ Fri, 26 Apr 2013 07:56:51 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=21249 Wäre ich ein Lehrer und behandelte im Unterricht die Erstbesteigung des Mount Everest 1953, würde ich dieses Buch zur Pflichtlektüre machen. Viel mehr als der Gipfelerfolg an sich und die Tatsache, dass die Meldung darüber rechtzeitig zur Krönungsfeier von Queen Elizabeth II. in London eintraf, ist im allgemeinen Bewusstsein kaum hängen geblieben. Das dürfte sich nach der Lektüre von „Everest 1953“ ändern. Der Schriftsteller, Filmemacher und Bergsteiger Mick Conefrey hat in bester britischer Reportermanier alle Fakten der Expedition zusammengetragen, die letztlich am 29. Mai 1953 zur Erstbesteigung durch den Neuseeländer Edmund Hillary und den Sherpa Tenzing Norgay führte.

Nicht gentlemanlike

Conefrey schildert detailreich die Begleitumstände der Expedition, die alles andere als geradlinig verlief: Fast wären den Briten die Schweizer 1952 zuvorgekommen. Dann wurde der ursprünglich als Expeditionsleiter vorgesehene große Entdecker Eric Shipton auf eine Weise ausgebootet, die nicht gerade gentlemanlike war. Der neue Mann an der Spitze, der Offizier John Hunt, erwies sich letztlich jedoch als Glücksfall. Es gelang ihm, allen Spannungen und Widrigkeiten zum Trotz eine schlagkräftige Mannschaft an und auf den Everest zu bringen.

Politischer Spielball

Doch auch nach dem Gipfelerfolg wurde nicht nur gefeiert, sondern auch gestritten. Plötzlich wurde Tenzing Norgay zum Spielball politischer Interessen. Nepal und Indien wollten den Sherpa für sich vereinnahmen und den Briten die Erstbesteigung abspenstig machen. Sie lancierten die Behauptung, Tenzing sei vor Hillary am Gipfel angekommen. Auch wenn dies nicht der Wahrheit entsprach, knisterte es gewaltig innerhalb des Expeditionsteams.

Gefährliches Katapult  

Conefrey hat die Geschichte der Expedition 1953 sauber recherchiert und spannend erzählt. Dabei hat er einige Details zu Tage gefördert, die selbst Everest-Fans verblüffen dürften. Schmunzeln musste ich über die skurrilen Vorschläge, die Tüftler und Erfinder vor dem Beginn der Expedition machten. Einer wollte eine Gummischlauchleitung vom Südsattel bis zum Gipfel verlegen, um die Bergsteiger mit Sauerstoff zu versorgen. Ein anderer regte an, mit einem Katapult ein Seil mit Enterhaken über Gletscherspalten hinweg zu schießen. Bei einem Test in London verhinderte nur ein Baum, dass sich der Haken in ein vorbeifahrendes Taxi bohrte. Das Katapult blieb zu Hause.

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Pinnwände zum Everest-Jubiläum https://blogs.dw.com/abenteuersport/pinnwande-zum-everest-jubilaum/ Thu, 07 Feb 2013 11:32:17 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=19543

Tibetische Nordseite des Mount Everest

Der Mount Everest rundet zum sechsten Mal. Nicht in puncto Alter, da rechnet der Chomolungma in Jahrmillionen statt Jahrzehnten. Am 29. Mai jährt sich zum 60. Mal der Tag, an dem der Neuseeländer Edmund Hillary und der Sherpa Tenzing Norgay als erste Menschen ihre Füße auf den höchsten Punkt der Erde setzten. Seit 1953 ist der Mount Everest über 6000 Mal bestiegen worden, allein 4500 Mal in den letzten zehn Jahren. 

Nicht unabänderlich 

Wenn ich darüber nachdenke, wie sich das Bergsteigen am Chomolungma in den vergangenen zwei Jahrzehnten entwickelt hat, fällt es mir schwer, diesen 60. Geburtstag unbeschwert zu feiern. Dabei hätte er es durchaus verdient. Die Erstbesteigung durch Edmund Hillary und Tenzing Norgay war eine Pionierleistung zweier außergewöhnlicher Abenteurer. Beide leben nicht mehr, und das Rad der Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Doch müssen wir uns deshalb mit den aktuellen Zuständen am Everest abfinden? Für die Probleme dort sind Menschen verantwortlich. Also können Menschen sie auch lösen. 

Everest 60 

Unter dem Titel „Everest 60“ eröffne ich zwei Pinnwände zum Everest-Jubiläum. Ihr findet sie ab sofort auf der rechten Seite des Blogs. Auf der ersten lade ich euch ein, kurz zu schildern, wie ihr den Mount Everest seht. Auf der zweiten Pinnwand könnt ihr dem „Jubilar“ Chomolungma eure Wünsche für die Zukunft senden. Schreibt einfach „elektronische Zettel“ und schickt sie mir an: stefan.nestler(ad)dw.de. Ich „pinne“ sie dann an die Wände. Eine Bitte: keine Romane! Wenn doch, nehme ich mir das redaktionelle Recht, die Texte zu kürzen. 

Ich habe bei meinen Begegnungen auf der ISPO damit begonnen, auch prominente Bergsteiger zu bitten, Beiträge beizusteuern. Diese Everest-Ansichten findet ihr demnächst – teilweise auch hörbar – sowohl in Blog-Artikeln als auch auf der Pinnwand. Und ich sammle weiter.

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Pinboards for the Everest jubilee https://blogs.dw.com/abenteuersport/pinboards-everest-jubilee/ Thu, 07 Feb 2013 11:25:06 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=19539 Mount Everest is celebrating a 60-years-jubilee. Not concerning his real age. Chomolungma counts millions of years, not decades. 60 years ago on the 29th May Edmund Hillary from New Zealand and Sherpa Tenzing Norgay were the first to set their feet on the the highest point of the earth. Since 1953 Mount Everest has been climbed more than 6000 times, about 4500 times in the last ten years.  

Not unchangeable 

Tibetan side of Mount Everest

Thinking about how climbing of Chomolungma has changed in the past two decades, it’s difficult for me to celebrate this 60th birthday light-hearted – although it would deserve it. The first climb of Everest by Edmund Hillary and Tenzing Norgay was a pioneering achievement of two outstanding adventurers. Both are dead and we cannot turn back time. But do we have to accept the current situation? The problems are caused by human beings and they can be solved by human beings. 

Everest 60 

I open two pinboards titled „Everest 60“. You find them now on the right side of the blog. I invite you to write on the first pinboard how you consider Mount Everest. On the second you can send „birthday-boy“ Chomolungma your wishes for the future. Send your notes by email to stefan.nestler(ad)dw.de! I pin them to the board. Please don’t write a novel. In this case I claim the right to shorten the text.

During my visit on the trade fair ISPO in Munich I started to ask famous mountaineers to contribute their views on Everest. You will find these statements soon in blog-posts and on both pinboards too. And I’ll keep on collecting.

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Ueli und der Everest https://blogs.dw.com/abenteuersport/ueli-und-der-everest/ Sat, 24 Nov 2012 20:31:03 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=18275

Uelis Blick geht meist nach oben

Das war erst der Anfang. Ueli Steck bestieg am 18. Mai mit seinem Kletterpartner, dem Sherpa Tenzing, den Mount Everest ohne Flaschensauerstoff – eine absolute Ausnahme unter den 565 Gipfelerfolgen in diesem Frühjahr. „Ich wollte mich an die großen Höhen herantasten“, sagt Ueli (das Gespräch könnt ihr euch unten anhören). „Diese Erfahrung habe ich jetzt. Ich weiß, wie mein Körper funktioniert.“ Er wolle nun Sachen probieren, „wo du danach keine Diskussion hast, ob da Fixseile sind oder nicht.“

„Technisch einfach“

Der Topbergsteiger aus der Schweiz stieg auf der nepalesischen Südseite des Bergs über den Normalweg zum 8850 Meter hohen Gipfel auf. Er habe sich nicht in die Fixseile eingehängt, sagt der 36-Jährige. „Der Berg ist technisch so einfach. Wenn du ein bisschen gescheit mit Steigeisen gehen kannst, brauchst du kein einziges Fixseil. Auch am Hillary-Step kannst du rechts vorbeigehen, wenn du ein bisschen klettern kannst.“

Ueli füllt Hallen

Überhang, na und?!

Ich treffe Ueli in einer Kölner Kletterhalle. Hier will er sich noch ein bisschen bewegen, bevor er am Abend einen Vortrag hält. Die Veranstaltung ist ausverkauft. Längst ist Steck nicht mehr nur Insidern bekannt. Schon seine Solo-Durchsteigung der Shishapangma-Südwand 2011 in nur zehneinhalb Stunden sorgte für viel Aufsehen. Und seit seiner Besteigung des Mount Everest ohne Atemmaske ist Ueli erst recht gefragt – vor allem wegen der diesjährigen Todesfälle am Everest und deren Begleitumstände: Lange Schlangen von Gipfelanwärtern, Stau an den Schlüsselstellen.

Massen umgangen

Hoch hinaus

„Mich hat dieser Trubel gar nicht gestört, weil ich immer azyklisch unterwegs war“, erzählt Ueli. „Wir haben bewusst probiert, die Massen zu umgehen.“ Mit Erfolg. Beim ersten Aufstieg zum knapp 8000 Meter hohen Südsattel zwecks Akklimatisierung seien Tenzing und er ganz alleine dort oben gewesen. Und auch am Gipfeltag „mit perfekten Wetterverhältnissen“ hätten sie einen Tag Vorsprung vor den vielen anderen gehabt. Erst im Abstieg passierte Ueli die schier endlose Schlange. „Ich habe nur gedacht, zum Glück war ich schon oben und kann jetzt runtergehen.“

Gehen, bis sie tot umfallen

Sicher herunter

Ihm sei zu diesem Zeitpunkt schon klar gewesen, dass einige der Gipfelanwärter nicht zurückkehren würden. „Da sind viele Leute, die den Mount Everest unbedingt besteigen wollen, aber keine Bergsteiger sind“, sagt Ueli. „Die verlassen sich auf den Sauerstoff, die Sherpas und die Infrastruktur. Und wenn das Kleinste passiert, sterben sie halt. Viele sind auch einfach nicht fit und gehen wirklich, bis sie tot umfallen.“ Die Kanadierin Shriya Shah-Klorfine etwa, die später ihren Gipfelversuch mit dem Leben bezahlte, habe schon für den Aufstieg nach Lager zwei etwa sieben bis acht Stunden gebraucht. „Da bist du, wenn du gemütlich läufst, in dreieinhalb Stunden oben. Diese Leute sind einfach fehl am Platz.“

„Everest gehört niemandem“

Kein Problem!

Ueli hält trotzdem nichts vom Vorschlag, den Zugang zum Mount Everest zu beschränken: „Das finde ich absoluten Schwachsinn. Der Berg gehört niemandem.“ Wen die Massen auf dem Normalweg störten, solle eben auf eine andere Route ausweichen. „Da ist kein Mensch, da kannst du für dich alleine gehen.“ Die Kommerzialisierung des Everest-Bergsteigens, findet Ueli, habe nicht nur Nachteile. „Viele einheimische Sherpas und Träger können gut davon leben, die sonst vielleicht nichts zu essen hätten.“

Im nächsten Frühjahr will Ueli zum Everest zurückkehren. Was genau er plant, verrät er nicht. „Man soll über das sprechen, was man gemacht hat und nicht, was man vorhat. In meinem Kopf habe ich noch so viele Ideen. Die werde ich nie alle umsetzen können.“

Ueli Steck und der Everest

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