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	<title>Bildungsreform &#8211; Bildungswege</title>
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	<description>Fünf Blogger, fünf Länder, ein Dialog. In diesem Blog diskutieren fünf junge Leute aus Irak, Deutschland, Argentinien, Russland und Kenia über Bildungschancen in ihren Heimatländern und über ihre eigenen Bildungswege.</description>
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		<title>Interview: Die Bedürfnisse von Schülern mit Behinderung</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Jul 2012 12:56:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[reucherg]]></dc:creator>
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				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2965" aria-labelledby="figcaption_attachment_2965" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Katharina-vorneweg.jpg" rel="lightbox[2985]"><img class="size-medium wp-image-2965" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Katharina-vorneweg-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Katharina-vorneweg-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Katharina-vorneweg-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Meine Freundin Katharina vorneweg</p></div>
<p>Auf dem Global Media Forum (GMF) habe ich <a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/?p=2855">Isabelle und Hendrik</a> getroffen, die auf eine Schule für Kinder mit körperlichen und motorischen Schwierigkeiten gehen und an einem Austauschprogramm ihrer Bonner Schule mit einer tunesischen Schule teilgenommen haben. Momentan wird in Deutschland sehr viel über das Thema Bildung für Menschen mit Behinderungen diskutiert. Denn seit zwei Jahren gilt die UN-Behindertenrechtskonvention – auch in Deutschland. Sie sieht vor, dass auch Kinder mit Behinderung auf die sogenannten Regelschulen gehen. Behinderte sollen so nicht länger aufgrund ihrer Handicaps ausgeschlossen werden. Das Fachwort dafür ist „Inklusion“. Momentan haben Nicht-Behinderte aber noch wenige Berührungspunkte mit Behinderten. Auch ich meist nur durch meinen Onkel, der selbst vor Jahrzehnten auf eine Regelschule ging, heute aber in einem Wohnheim für Behinderte lebt und in einer Behindertenwerkstatt arbeitet. <span id="more-2985"></span>Auch meine Freundin Katharina gibt mir ab und zu Einblicke in den Alltag von Menschen mit Behinderung. Sie macht gerade einen Vorbereitungsdienst, um Förderschullehrerin zu werden, also als Lehrerin mit Schülern zu arbeiten, die eine Behinderung haben. Die richtige, um sich über das Thema Bildung mit Behinderung in Deutschland zu unterhalten.</p>
<p><strong>Katharina, auf dem GMF meinte eine tunesische Lehrerin, dass Schüler mit geistiger Behinderung auf einer Regelschule Nachteile haben im Vergleich zu einer Förderschule. Was sagst du dazu? </strong></p>
<p>Ich denke, sie hat recht. In meiner Klasse habe ich zwei Kinder mit Trisomie 21, also Down-Syndrom, gehabt. Sie kamen nach der vierten Klasse von einer Regelschule zu uns auf die Förderschule. Beide haben z.B. die Technik des Lesens gelernt. Aber sie verstehen nicht was sie lesen; also nicht den Sinn des Textes. Sie sind zu sehr mit dem Prozess selbst beschäftigt. Auch beim Rechnen ist das so: Es sind keine Grundlagen da.</p>
<p><strong>Wäre das denn anders, wenn sie schon früher auf eine Förderschule gegangen wären?</strong></p>
<p>Wahrscheinlich schon. Denn hier machen wir sehr individuellen Unterricht. Die ganze Klasse arbeitet an einem Thema, jeder aber nach seinen Kompetenzen. Wenn man merkt, dass z.B. bei einem Schüler keine Grundlagen in Mathe da sind, wird ihm kein Rechnen beigebracht, denn das ist dann noch gar nicht relevant in seiner Entwicklung. An Regelschulen werden aber bestimmte Grundlagen und Entwicklungsstadien vorausgesetzt. Die Lehrer haben dort gar keine Zeit, sich auf die Kinder mit Behinderung einzustellen und ihnen diese Grundlagen beizubringen.</p>
<p><strong>Welche Grundlagen bringt ihr denn den Kindern bei, bevor sie rechnen lernen können?</strong></p>
<p>Wichtig ist das Erkennen von Regeln. Wir arbeiten sehr spielerisch. Z.B. fädeln unsere Schüler Perlen nach einer vorgegebenen Reihenfolge auf, um mathematische Grundfähigkeiten zu erlernen. Ziel ist es dann erst einmal, dass sie erkennen, dass die Perlenfarbe einem Schema folgt: Immer wieder folgt auf die gelbe Perle die rote, dann die blaue usw. Später dann können die Schüler auch Zahlenreihenfolgen erkennen.</p>
<div id="attachment_2967" aria-labelledby="figcaption_attachment_2967" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Wanderung.jpg" rel="lightbox[2985]"><img class="size-medium wp-image-2967" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Wanderung-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Wanderung-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Wanderung-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Auf einer Wanderung</p></div>
<p><strong>Ihr arbeitet ja nur mit Kindern mit Behinderungen. Nach der UN-Behindertenrechtskonvention sollen aber zukünftig behinderte und nicht-behinderte Kinder zusammen unterrichtet werden. Denkst du, das ist eine richtige Entscheidung?</strong></p>
<p>Grundsätzlich ist diese gesellschaftliche Entscheidung überfällig. In Deutschland hat man als Nicht-Behinderter keinen wirklichen Bezug zu Behinderten. Aber diese Menschen sind Teil unserer Gesellschaft! Unser Staat hat sie über mehrere Jahrhunderte sehr ausgegrenzt. Auch durch bestimmte Institutionen: Förderkindergarten, Förderschule, Behindertenwerkstatt, etc. So dass man bloß nicht mit ihnen in Berührung kommt. Das finde ich nicht richtig.</p>
<p><strong>Findest du, dass die Politik jetzt auch in der Umsetzung die richtigen Wege geht?</strong></p>
<p>Es ist gut, dass der Handlungsbedarf erkannt wurde. Doch dadurch, dass kein zusätzliches Geld investiert wird in den Bildungszweig, kann nicht jedes Kind so gefördert werden, so dass es einen Schulabschluss bekommt. Die Schulen besitzen oft nicht genügend Mittel, um alle Kinder anzusprechen &#8212; auch an Regelschulen. Ich sehe bei allen Reformen noch kein durchdachtes Konzept.</p>
<p><strong>Was bräuchte es, um Kinder mit Behinderungen auch an Regelschulen richtig zu fördern?</strong></p>
<p>Viel kleinere Klassen! 15 Schüler wäre ideal. Es ist wissenschaftlich belegt, dass davon alle Kinder profitieren. Außerdem ist gerade bei Kindern mit Behinderung mehr Personal nötig. Neben dem Regelschullehrer, sollte es einen Sonderschullehrer und am besten noch eine pädagogische Fachkraft geben. Wäre das möglich, dann wäre Inklusion keine Frage, sondern ganz normal. Es sollte erreicht werden, dass jeder nach seinen Möglichkeiten lernen kann. Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. In der Schule wird das Problem jetzt angegangen. Aber wir müssen Behinderte auch außerhalb des Klassenzimmers in unserer Gesellschaft voll akzeptieren.</p>
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		<title>Russland braucht weniger Gerede, mehr konkrete Veränderungen</title>
		<link>https://blogs.dw.com/bildungswege/?p=2745</link>
		<pubDate>Wed, 27 Jun 2012 10:00:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[dahmannk]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Pavel | Russland]]></category>
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<dl><a href="http://blogs.dw.com/educationblog/files/Observe-the-situation-from-above-or-stay-on-the-ground.jpg" rel="lightbox[2745]"></a></dl>
</div>
<div id="attachment_2743" aria-labelledby="figcaption_attachment_2743" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Observe-the-situation-from-above-or-stay-on-the-ground.jpg" rel="lightbox[2745]"><img class="size-medium wp-image-2743" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Observe-the-situation-from-above-or-stay-on-the-ground-300x201.jpg" alt="" width="300" height="201" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Observe-the-situation-from-above-or-stay-on-the-ground-300x201.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Observe-the-situation-from-above-or-stay-on-the-ground.jpg 1000w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Wir brauchen keine hochfliegenden Abstraktionen sondern gut geerdetes Handeln</p></div>
<p>Maria hat in <a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/?p=2647">ihrem letzten Eintrag</a> geschrieben, dass der soziale Dialog in Argentien ihrer Meinung nach in die falsche Richtung geht. Ich glaube, jedes Land hat in einer bestimmten Entwicklungsphase mit solchen Problemen zu kämpfen. Wenn ich auf meine Studienzeit zurückblicke, war das so eine Phase. </p>
<p>Manchmal wird einfach zu viel geredet,  statt dass wirklich gehandelt wird (ich spreche jetzt gar nicht nur vom Bildungssektor; das kann man auch überall anders im politischen und wirtschaftlichen Leben Russlands feststellen).<span id="more-2745"></span></p>
<p>Bei allem notwendigen Respekt gegenüber den talentierten und brillianten Lehrern und Professoren, die frühere Generationen unterrichtet und mehreren russischen Genies (dem Mathematiker Grigori Perelman zum Beispiel) geholfen haben, ihr Potenzial zu entwickeln &#8211; ich würde dennoch gerne Veränderungen im Bildungssystem sehen. Interessant ist, dass viele meiner Kommilitonen genauso denken; ich glaube, der Wunsch nach einem neuen Bildungsmodell liegt in der Luft. Gleichzeitig sind aber die Verantwortlichen in den sozialen Institutionen ein wenig verwirrt, was die Zukunft bringt &#8211; und Ergebnis des Ganzen ist, dass sich die Gesellschaft mal voran und mal zurück bewegt. Das erinnert mich an eine Fabel: Drei Tiere unternehmen wahnsinnige Anstrengungen, um einen Karren zu bewegen, aber der rührt sich nicht vom Fleck, weil sich die Tiere nicht einigen können, in welche Richtung sie denn ziehen sollen.</p>
<div id="attachment_2741" aria-labelledby="figcaption_attachment_2741" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/A-final-year-research-in-linguistics.jpg" rel="lightbox[2745]"><img class="size-medium wp-image-2741" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/A-final-year-research-in-linguistics-300x186.jpg" alt="" width="300" height="186" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/A-final-year-research-in-linguistics-300x186.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/A-final-year-research-in-linguistics.jpg 800w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Abschlussarbeiten bedeuten immer viel Papierkram</p></div>
<div>
<dl>Was meine ich mit diesen Rückwärtsbewegungen? Ein Beispiel ist diese ganze Bürokratie, dieser ganze Papierkram, den man etwa als Student einreichen muss, wenn es um die Abschlussarbeit geht. Aber auch hier kann man schon sehen, dass die fortschrittlichen Kräfte stärker sind. Ich freue mich jedes Mal, wenn Leute etwas nicht aus abstrakten bürokratischen Gründen tun sondern für konkrete Ziele. Wenn ich zum Beispiel von Freunden höre, dass sie für ganz konkrete Menschen arbeiten (zum Beispiel wenn sie als Tutor für Studenten tätig sind oder eigene soziale Projekte starten). Das finde ich viel besser, als wenn sie für solche Abstraktionen arbeiten wie &#8222;Kunden&#8220; oder &#8222;Unternehmen&#8220;. </dl>
<dl>Ich hoffe, dass das Global Media Forum, das in Deutschland stattfindet und sich dieses Jahr mit dem Thema Bildung beschäftigt, auch konkrete Aktionen anstößt. Denn nicht nur meine Mitblogger sind dort dabei sondern auch viele andere Teilnehmer aus allen Teilen der Erde. Und ich hoffe, dass kleinere Organisationen und Einzelaktivisten, die in der Bildung aktiv sind, neue Motivation für ihre Arbeit schöpfen. Damit sie vielen anderen Menschen helfen zu lernen, sich weiterzubilden, und sie ermutigen, nicht nur einer unter vielen zu bleiben sondern für ihre eigenen Ideen und Ziele einzustehen.  </dl>
<dl>Es ist wie beim Schachspielen: Du lernst vorauszudenken, damit du nicht verlierst. Und wenn du erst einmal die Strategie des Schachspiels auf das richtigen Leben anwendest, wirst du sehen: Es hilft! </dl>
</div>
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