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	<title>Deutschland &#8211; Bildungswege</title>
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	<description>Fünf Blogger, fünf Länder, ein Dialog. In diesem Blog diskutieren fünf junge Leute aus Irak, Deutschland, Argentinien, Russland und Kenia über Bildungschancen in ihren Heimatländern und über ihre eigenen Bildungswege.</description>
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		<title>Interview: Die Bedürfnisse von Schülern mit Behinderung</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Jul 2012 12:56:43 +0000</pubDate>
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				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2965" aria-labelledby="figcaption_attachment_2965" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Katharina-vorneweg.jpg" rel="lightbox[2985]"><img class="size-medium wp-image-2965" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Katharina-vorneweg-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Katharina-vorneweg-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Katharina-vorneweg-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Meine Freundin Katharina vorneweg</p></div>
<p>Auf dem Global Media Forum (GMF) habe ich <a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/?p=2855">Isabelle und Hendrik</a> getroffen, die auf eine Schule für Kinder mit körperlichen und motorischen Schwierigkeiten gehen und an einem Austauschprogramm ihrer Bonner Schule mit einer tunesischen Schule teilgenommen haben. Momentan wird in Deutschland sehr viel über das Thema Bildung für Menschen mit Behinderungen diskutiert. Denn seit zwei Jahren gilt die UN-Behindertenrechtskonvention – auch in Deutschland. Sie sieht vor, dass auch Kinder mit Behinderung auf die sogenannten Regelschulen gehen. Behinderte sollen so nicht länger aufgrund ihrer Handicaps ausgeschlossen werden. Das Fachwort dafür ist „Inklusion“. Momentan haben Nicht-Behinderte aber noch wenige Berührungspunkte mit Behinderten. Auch ich meist nur durch meinen Onkel, der selbst vor Jahrzehnten auf eine Regelschule ging, heute aber in einem Wohnheim für Behinderte lebt und in einer Behindertenwerkstatt arbeitet. <span id="more-2985"></span>Auch meine Freundin Katharina gibt mir ab und zu Einblicke in den Alltag von Menschen mit Behinderung. Sie macht gerade einen Vorbereitungsdienst, um Förderschullehrerin zu werden, also als Lehrerin mit Schülern zu arbeiten, die eine Behinderung haben. Die richtige, um sich über das Thema Bildung mit Behinderung in Deutschland zu unterhalten.</p>
<p><strong>Katharina, auf dem GMF meinte eine tunesische Lehrerin, dass Schüler mit geistiger Behinderung auf einer Regelschule Nachteile haben im Vergleich zu einer Förderschule. Was sagst du dazu? </strong></p>
<p>Ich denke, sie hat recht. In meiner Klasse habe ich zwei Kinder mit Trisomie 21, also Down-Syndrom, gehabt. Sie kamen nach der vierten Klasse von einer Regelschule zu uns auf die Förderschule. Beide haben z.B. die Technik des Lesens gelernt. Aber sie verstehen nicht was sie lesen; also nicht den Sinn des Textes. Sie sind zu sehr mit dem Prozess selbst beschäftigt. Auch beim Rechnen ist das so: Es sind keine Grundlagen da.</p>
<p><strong>Wäre das denn anders, wenn sie schon früher auf eine Förderschule gegangen wären?</strong></p>
<p>Wahrscheinlich schon. Denn hier machen wir sehr individuellen Unterricht. Die ganze Klasse arbeitet an einem Thema, jeder aber nach seinen Kompetenzen. Wenn man merkt, dass z.B. bei einem Schüler keine Grundlagen in Mathe da sind, wird ihm kein Rechnen beigebracht, denn das ist dann noch gar nicht relevant in seiner Entwicklung. An Regelschulen werden aber bestimmte Grundlagen und Entwicklungsstadien vorausgesetzt. Die Lehrer haben dort gar keine Zeit, sich auf die Kinder mit Behinderung einzustellen und ihnen diese Grundlagen beizubringen.</p>
<p><strong>Welche Grundlagen bringt ihr denn den Kindern bei, bevor sie rechnen lernen können?</strong></p>
<p>Wichtig ist das Erkennen von Regeln. Wir arbeiten sehr spielerisch. Z.B. fädeln unsere Schüler Perlen nach einer vorgegebenen Reihenfolge auf, um mathematische Grundfähigkeiten zu erlernen. Ziel ist es dann erst einmal, dass sie erkennen, dass die Perlenfarbe einem Schema folgt: Immer wieder folgt auf die gelbe Perle die rote, dann die blaue usw. Später dann können die Schüler auch Zahlenreihenfolgen erkennen.</p>
<div id="attachment_2967" aria-labelledby="figcaption_attachment_2967" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Wanderung.jpg" rel="lightbox[2985]"><img class="size-medium wp-image-2967" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Wanderung-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Wanderung-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Wanderung-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Auf einer Wanderung</p></div>
<p><strong>Ihr arbeitet ja nur mit Kindern mit Behinderungen. Nach der UN-Behindertenrechtskonvention sollen aber zukünftig behinderte und nicht-behinderte Kinder zusammen unterrichtet werden. Denkst du, das ist eine richtige Entscheidung?</strong></p>
<p>Grundsätzlich ist diese gesellschaftliche Entscheidung überfällig. In Deutschland hat man als Nicht-Behinderter keinen wirklichen Bezug zu Behinderten. Aber diese Menschen sind Teil unserer Gesellschaft! Unser Staat hat sie über mehrere Jahrhunderte sehr ausgegrenzt. Auch durch bestimmte Institutionen: Förderkindergarten, Förderschule, Behindertenwerkstatt, etc. So dass man bloß nicht mit ihnen in Berührung kommt. Das finde ich nicht richtig.</p>
<p><strong>Findest du, dass die Politik jetzt auch in der Umsetzung die richtigen Wege geht?</strong></p>
<p>Es ist gut, dass der Handlungsbedarf erkannt wurde. Doch dadurch, dass kein zusätzliches Geld investiert wird in den Bildungszweig, kann nicht jedes Kind so gefördert werden, so dass es einen Schulabschluss bekommt. Die Schulen besitzen oft nicht genügend Mittel, um alle Kinder anzusprechen &#8212; auch an Regelschulen. Ich sehe bei allen Reformen noch kein durchdachtes Konzept.</p>
<p><strong>Was bräuchte es, um Kinder mit Behinderungen auch an Regelschulen richtig zu fördern?</strong></p>
<p>Viel kleinere Klassen! 15 Schüler wäre ideal. Es ist wissenschaftlich belegt, dass davon alle Kinder profitieren. Außerdem ist gerade bei Kindern mit Behinderung mehr Personal nötig. Neben dem Regelschullehrer, sollte es einen Sonderschullehrer und am besten noch eine pädagogische Fachkraft geben. Wäre das möglich, dann wäre Inklusion keine Frage, sondern ganz normal. Es sollte erreicht werden, dass jeder nach seinen Möglichkeiten lernen kann. Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. In der Schule wird das Problem jetzt angegangen. Aber wir müssen Behinderte auch außerhalb des Klassenzimmers in unserer Gesellschaft voll akzeptieren.</p>
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		<title>Viele neue Ideen, viel &#8222;Gedankenfutter&#8220;&#8230;</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jun 2012 16:00:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[dahmannk]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[ [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2865" aria-labelledby="figcaption_attachment_2865" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/GMF_Bootsfahrt1.jpg" rel="lightbox[2855]"><img class="size-medium wp-image-2865" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/GMF_Bootsfahrt1-300x156.jpg" alt="" width="300" height="156" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/GMF_Bootsfahrt1-300x156.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/GMF_Bootsfahrt1-1024x534.jpg 1024w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/GMF_Bootsfahrt1.jpg 1176w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Emmy, María, Hellgurd und ich auf Bootstour</p></div>
<p>Nach drei Tagen Global Media Forum erinnern mich meine Gefühle ein bisschen an die nach einer Klassenfahrt oder einem großen Fest: Ich bin sehr müde, aber gleichzeitig ziemlich aufgekratzt.</p>
<p>Emmy, María und ich haben ja schon ein bisschen erzählt, bei welchen Workshops wir waren. Manche Themen waren zu komplex, um sie in 90 Minuten wirklich tiefgehend zu beleuchten. Gleichzeitig habe ich aber aus allen Veranstaltungen &#8222;Gedankenfutter&#8220; mitgenommen, habe neue Organisationen, Lösungsansätze und Menschen entdeckt. Wie zum Beispiel die beiden Schüler Isabelle van der Valk und Hendrik Rösler von der Christophorusschule in Bonn, einer Schule für Kinder mit körperlichen und motorischen Schwierigkeiten. <span id="more-2855"></span></p>
<p>Diese Schule organisiert ein ganz tolles Austauschprogramm mit einer tunesischen Schule für Kinder mit Behinderungen. Es ermöglicht den deutschen Schülern, zumindest ein mal im Leben die salzige Mittelmeerluft zu schnuppern &#8211; und den Tunesiern, Deutschland zu sehen. Zum Global Media Forum waren der Bonner stellvertretende Schuldirektor, der Leiter der Organisation UTAIM el May, die die Partnerschule betreibt, und eine tunesische Lehrerin nach Bonn gekommen. Sie waren extra von der Insel Djerba angereist.</p>
<p>Den gleichen Weg sind übrigens auch Isabelle und Hendrik schon geflogen &#8211; nur in umgekehrter Richtung, nach Tunesien und zurück. Isabelle gefiel besonders die Medina, die arabischen Altstadt. Hendrik hatte viel Spaß auf den gemeinsamen Busfahrten: &#8222;Es war zwar eng, aber in dem kleinen Bus waren wir uns alle ganz nah.&#8220;</p>
<p>Lehrer Jürgen Hammerschlag-Mäsgen hat vom gegenseitigen Lernen geschwärmt: In Tunesien hätte er entdeckt, dass dort Baulösungen aus Deutschland umgesetzt werden. Ihm haben die tunesischen Kollegen gezeigt, wie man Schüler im regulären Arbeitsmarkt unterbringen kann. Ohne Behindertenwerkstätte sind die Tunesier darauf angewiesen, andere Arbeit für ihre Schulabgänger zu finden. &#8222;Wir haben weniger finanzielle Mittel, deshalb müssen wir uns neue Wege überlegen, kreativ zu sein&#8220;, sagte Rabiaa Ouerimi, Lehrerin in El May. Es gibt einen wichtigen Unterschied zur deutschen Partnerschule: Die tunesische Einrichtung bekommt &#8211; außer dem Lehrergehalt &#8211; keine staatliche Förderung.</p>
<div id="attachment_2971" aria-labelledby="figcaption_attachment_2971" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Panel1.jpg" rel="lightbox[2855]"><img class="size-medium wp-image-2971" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Panel1-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Panel1-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Panel1-1024x768.jpg 1024w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Panel1.jpg 1492w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Jürgen Hammerschlag-Mäsgen von der Bonner Christophorus-Schule beim Workshop</p></div>
<p>Die deutschen Kinder nehmen viel aus dem Programm mit: Sie lernen eine neue Kultur kennen, üben Englisch und können ganz besondere Dinge machen &#8211; zum Beispiel Oliven im Rollstuhl ernten. Und natürlich kommen auch Medien wieder ins Spiel. Denn über Skype lernen sich die tunesischen und deutschen Kinder kennen, halten Kontakt. Per Mails werden Nachrichten und Bilder verschickt. Klar, dass die Teenager sich auch über Facebook verbinden.</p>
<p>Das Projekt hat mir wieder gezeigt, wie wichtig das Engagement einzelner Personen ist. Hätten die Lehrer nicht so viel Energie in ihren Traum eines deutsch-tunesischen Austauschprogramms gesteckt, wäre er wohl nie wahr geworden. Dazu gehört auch Spendensammeln und Förderanträge stellen, um das nötige Geld zusammenzubekommen. Und natürlich Überzeugungsarbeit. Denn viele Eltern waren zu Anfang skeptisch. Doch nach zehn Jahren Partnerschaft hat sich herumgesprochen, was für eine Chance der Austausch ist &#8212; und jetzt fragen die Eltern nach, ob auch ihre Kinder teilnehmen können. Auf deutscher Seite gibt es nun Unterstützung von ENSA, dem Schulaustauschprogramm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.</p>
<p>Ouerimi meint, dass geistig behinderte Kinder an Regelschulen diskriminiert würden. Darüber und über das Programm insgesamt möchte ich unbedingt mit meiner Freundin Katharina sprechen, die Sonderschullehrerin wird. Ich bin gespannt, was sie sagt.</p>
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		<title>Mit Hilfe die Hürden des Uni-Einstiegs meistern</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Jun 2012 14:02:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[beuthnerb]]></dc:creator>
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				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2193" aria-labelledby="figcaption_attachment_2193" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Ersti-Begrüßung2011.jpg" rel="lightbox[2213]"><img class="size-medium wp-image-2193" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Ersti-Begrüßung2011-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Ersti-Begrüßung2011-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Ersti-Begrüßung2011-1024x768.jpg 1024w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Ersti-Begrüßung2011.jpg 1600w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Zwei Mitstreiterinnen von ArbeiterKind.de und ich an unserem Stand an der Uni Mainz</p></div>
<p>Vor vier Jahren habe ich die Mainzer Gruppe von ArbeiterKind.de aufgebaut. Die gemeinnützige Organisation setzt sich dafür ein, dass mehr Kinder aus Familien, in denen noch niemand studiert hat, ein Studium beginnen und erfolgreich zu Ende führen. Nachdem ich einen Artikel über ArbeiterKind.de gelesen hatte, habe ich mich aus zwei Gründen entschlossen, mich unbedingt gerade für diese Organisation zu engagieren.<span id="more-2213"></span></p>
<p>Den ersten Grund lieferte Katja Urbatsch, die Gründerin von ArbeiterKind.de.  Sie hatte beschrieben, auf welche typischen Probleme Kinder aus nicht-akademischen Familien nach ihrem Abschluss stoßen. Viele Hürden kamen mir bekannt vor: Die Unsicherheit über den Wert eines (geisteswissenschaftlichen) Studiums. Ich habe mich gefragt: Wäre es nicht besser, doch etwas zu machen, mit dem ich sofort Geld verdiene? Dann kam mit den ersten Hausarbeiten ein großes Fragezeichen: Wie fange ich hier am besten an?</p>
<p>Den zweiten Grund für mein Engagement bei ArbeiterKind.de lieferten Zahlen: Statistiken zeigen, dass Kinder aus nicht-akademischen Familien in Deutschland eine vielfach geringere Chance haben, Abitur zu machen. Und selbst bei denen, die das Abi bestehen, entscheiden sich wesentlich weniger Kinder aus nicht-akademischen Familien für ein Studium, als Akademikerkinder das tun. Begabtenförderungswerke, die finanzielle und ideelle Unterstützung sowie ein starkes Netzwerk bieten, verschärfen diese Ungleichheit noch: Nur bei durchschnittlich 30 Prozent der Stipendiaten, die in einem der vom Bund mitfinanzierten Studienförderungsprogrammen sind, haben die Eltern kein Abitur. Dies sind Durchschnittswerte. Bei einigen Werken liegen die Zahlen bei gerade mal zehn bis 20 Prozent! Es kann doch nicht sein, dass Talent, Wissenshunger und Intelligenz in einem so viel höheren Maße bei Akademikerkindern vorhanden sind, als bei Kindern, deren Eltern nicht studiert oder kein Gymnasium besucht haben. Das hat mich wütend gemacht: Irgendetwas lief in unserem Bildungssystem falsch. Und ich sah bei ArbeiterKind.de die Möglichkeit, etwas dagegen zu tun.</p>
<div id="attachment_2187" aria-labelledby="figcaption_attachment_2187" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Workshop_rechtsKatjaUrbatsch.jpg" rel="lightbox[2213]"><img class="size-medium wp-image-2187" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Workshop_rechtsKatjaUrbatsch-300x207.jpg" alt="" width="300" height="207" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Workshop_rechtsKatjaUrbatsch-300x207.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Workshop_rechtsKatjaUrbatsch.jpg 505w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Mitglieder von ArbeiterKind.de bei einem Workshop</p></div>
<p>Viele haben ihre ganz eigenen Gründe gefunden, sich bei unserer Organisation zu engagieren. So haben wir mittlerweile über 4.000 Mitglieder. Außerdem wurde letztes Jahr ArbeiterKind.at in Österreich gegründet. Um Schülerinnen und Schülern eine wirkliche Entscheidung für oder gegen ein Studium zu ermöglichen, setzen wir unter anderem auf Informationsarbeit. Denn für Kinder, die als erste in ihrer Familie den Schritt an die Uni wagen, ist das Studium keine Selbstverständlichkeit. Sie müssen − sich selbst, aber auch ihren Familien gegenüber − begründen, warum sie sich für ein Studium entscheiden, so wie Kinder aus akademischen Familien oft erklären müssen, warum sie nicht studieren wollen, wenn sie von dem Weg ihrer Familie abweichen.</p>
<p>Wir gehen an Schulen und halten dort Vorträge über die verschiedenen Möglichkeiten, zu studieren und ein Studium zu finanzieren. Auch poste ich täglich auf Facebook Tipps rund ums Studium. Außerdem nehmen wir an Messen und Veranstaltungen zum Thema Bildung teil. Und zu guter Letzt bieten wir ein Online-Netzwerk, über das wir Fragen beantworten und Infos bereitstellen.</p>
<p>Viele Menschen beruhigen sich damit, dass es in Deutschland keine (bzw. in Bayern und Niedersachsen geringe) Studiengebühren gibt und dass BAföG (Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz) jedem, der es braucht, zur Verfügung steht. Allerdings greift das viel zu kurz. Vor allem kann BAföG nicht als Allheilmittel betrachtet werden. Diese staatliche finanzielle Förderung reicht bei weitem nicht, um gleiche Chancen zu schaffen. Mehr über BAföG und Unterstützung an anderen Stellen im Bildungssystem werde ich beim nächsten Mal schreiben.</p>
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		<title>Kathrin auf Skype: &#8222;Kinder sollten viel länger gemeinsam unterrichtet werden&#8220;</title>
		<link>https://blogs.dw.com/bildungswege/?p=2171</link>
		<pubDate>Tue, 12 Jun 2012 14:27:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[beuthnerb]]></dc:creator>
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		<title>Musik: Ein „Nebenfach dritter Ordnung“?</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jun 2012 13:51:11 +0000</pubDate>
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<p>&nbsp;</p>
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</div>
<div id="attachment_2003" aria-labelledby="figcaption_attachment_2003" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Hab-nicht-alles-vergessen.jpg" rel="lightbox[1993]"><img class="size-medium wp-image-2003" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Hab-nicht-alles-vergessen-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Hab-nicht-alles-vergessen-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Hab-nicht-alles-vergessen-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Erinnerungen an den Musikunterricht</p></div>
<p>In einem ihrer Einträge haben <a href="../?p=1753">Emmy</a> und <a href="../?p=1571">Hellgurd</a> jeweils über den geringen Stellenwert geschrieben, den Musik in der kenianischen und irakischen Gesellschaft einnimmt. Das hat mich an einen ironischen Spruch meines ehemaligen Musiklehrers erinnert: „Ja, ja, ich weiß, ich bin nur Nebenfachlehrer dritter Ordnung.“ Trotz dieser Worte ist er ein sehr engagierter Lehrer, bereitet viele Schulkonzerte vor und musiziert selbst.<span id="more-1993"></span></p>
</div>
<p>Auch wenn ich meinen Lehrer mochte, hat mich der Musikunterricht doch meist frustriert. Da ich selbst kein Musikinstrument spiele, kannte ich Musiknoten nur aus den Gesangsbüchern der Kirche, bevor ich mich in der Unterstufe des Gymnasiums bei diesem Lehrer damit beschäftigen musste. Den Unterschied zwischen hohen und tiefen Tönen verstand ich ja noch, aber Dreiklänge näher bestimmen?! Ich verstand nur Bahnhof. Wahrscheinlich blockierte ich innerlich auch und heimste mir so meine erste Fünf und die erste und einzige Sechs meiner Schullaufbahn ein. Es wollte einfach nicht in meinen Kopf, was unser Lehrer da vorne erklärte. Warum konnten wir nicht einfach nur zusammen singen? Das langt doch für Musikunterricht.</p>
<p>Rückblickend denke ich, dass mich die Situation überfordert hat. Und unser Lehrer kam mir und der Einstellung meiner Eltern mit der Aussage, dass Musik ein Nebenfach dritter Ordnung sei, wahrscheinlich sehr nahe. Eine Fünf in Mathe oder Englisch hätte ich nicht so einfach weggesteckt &#8211; und meine Eltern hätten sie in einem dieser Fächer auch nicht so einfach ignoriert.</p>
<p>Ich glaube, der Musikunterricht an der Schule müsste viel praktischer sein. Es wäre toll, wenn jedes Kind die</p>
<div id="attachment_2005" aria-labelledby="figcaption_attachment_2005" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Posaune_FOTORobertTernes.jpg" rel="lightbox[1993]"><img class="size-medium wp-image-2005" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Posaune_FOTORobertTernes-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Posaune_FOTORobertTernes-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Posaune_FOTORobertTernes.jpg 960w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Die Posaune eines Schulfreundes</p></div>
<p>Möglichkeit hätte, im Laufe seiner Schullaufbahn auch ein Instrument zu erlernen. Privater Musikunterricht ist sehr teuer &#8211; und gerade Familien, die finanziell schlechter gestellt sind oder für die Musik keinen hohen Stellenwert hat, investieren das Geld lieber in andere Dinge. Aber wenn ich dreizehn Jahre lang zur Schule gehe, sollte es doch möglich sein, mir zumindest ein Instrument näher zu bringen.</p>
<p>Ich weiß noch, dass wir in der Grundschule in einer AG nachmittags Blockflöte spielen konnten. Wenn ich mich recht erinnere, meinte meine Mutter, dass ich schon genügend andere Hobbies hätte. Später, in einem Alter, in dem ich selbst hätte Entscheidungen treffen können, gab es diese Möglichkeit in der Schule nicht mehr. Klar, hätte ich mir extern Wege eröffnen können. Aber warum muss ich außerhalb der Schule suchen, wenn ich Klavier spielen lernen möchte, aber nicht, wenn es um ein Reimschema oder eine chemische Formel geht?</p>
<p>Dadurch, dass es an den meisten Schulen keine Regelangebote gibt, ein Instrument zu lernen, liegt eine klare Wertung vor. Eine gewisse Basis an Bildung wird allen an der Schule geboten. Doch Musik ist nicht für alle da. Dass klassischer Musik etwas Elitäres anhaftet, sieht man nicht nur, wenn man sich anschaut, wer seinen Kinder Musikunterricht ermöglicht, sondern auch wenn man auf klassische Konzerte geht: Alle sind sehr steif angezogen, die meisten älter und mit dem Durchschnittsbürger hat das Publikum generell wenig zu tun. Dabei werden deutsche Staatsorchester doch aus Steuergeldern mitfinanziert. Ich glaube, man sollte an Schulen intensiver versuchen, schon Kindern die Ehrfurcht vor &#8211; und teils auch Ablehnung von &#8211; klassischen Konzerten zu nehmen und ihnen das Ausdrucksmittel und Kulturgut der Musik näher bringen.</p>
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