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	<title>Orchester &#8211; Bildungswege</title>
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	<description>Fünf Blogger, fünf Länder, ein Dialog. In diesem Blog diskutieren fünf junge Leute aus Irak, Deutschland, Argentinien, Russland und Kenia über Bildungschancen in ihren Heimatländern und über ihre eigenen Bildungswege.</description>
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		<title>Musik: Ein „Nebenfach dritter Ordnung“?</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jun 2012 13:51:11 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Kathrin | Deutschland]]></category>
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<div id="attachment_2003" aria-labelledby="figcaption_attachment_2003" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Hab-nicht-alles-vergessen.jpg" rel="lightbox[1993]"><img class="size-medium wp-image-2003" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Hab-nicht-alles-vergessen-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Hab-nicht-alles-vergessen-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Hab-nicht-alles-vergessen-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Erinnerungen an den Musikunterricht</p></div>
<p>In einem ihrer Einträge haben <a href="../?p=1753">Emmy</a> und <a href="../?p=1571">Hellgurd</a> jeweils über den geringen Stellenwert geschrieben, den Musik in der kenianischen und irakischen Gesellschaft einnimmt. Das hat mich an einen ironischen Spruch meines ehemaligen Musiklehrers erinnert: „Ja, ja, ich weiß, ich bin nur Nebenfachlehrer dritter Ordnung.“ Trotz dieser Worte ist er ein sehr engagierter Lehrer, bereitet viele Schulkonzerte vor und musiziert selbst.<span id="more-1993"></span></p>
</div>
<p>Auch wenn ich meinen Lehrer mochte, hat mich der Musikunterricht doch meist frustriert. Da ich selbst kein Musikinstrument spiele, kannte ich Musiknoten nur aus den Gesangsbüchern der Kirche, bevor ich mich in der Unterstufe des Gymnasiums bei diesem Lehrer damit beschäftigen musste. Den Unterschied zwischen hohen und tiefen Tönen verstand ich ja noch, aber Dreiklänge näher bestimmen?! Ich verstand nur Bahnhof. Wahrscheinlich blockierte ich innerlich auch und heimste mir so meine erste Fünf und die erste und einzige Sechs meiner Schullaufbahn ein. Es wollte einfach nicht in meinen Kopf, was unser Lehrer da vorne erklärte. Warum konnten wir nicht einfach nur zusammen singen? Das langt doch für Musikunterricht.</p>
<p>Rückblickend denke ich, dass mich die Situation überfordert hat. Und unser Lehrer kam mir und der Einstellung meiner Eltern mit der Aussage, dass Musik ein Nebenfach dritter Ordnung sei, wahrscheinlich sehr nahe. Eine Fünf in Mathe oder Englisch hätte ich nicht so einfach weggesteckt &#8211; und meine Eltern hätten sie in einem dieser Fächer auch nicht so einfach ignoriert.</p>
<p>Ich glaube, der Musikunterricht an der Schule müsste viel praktischer sein. Es wäre toll, wenn jedes Kind die</p>
<div id="attachment_2005" aria-labelledby="figcaption_attachment_2005" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Posaune_FOTORobertTernes.jpg" rel="lightbox[1993]"><img class="size-medium wp-image-2005" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Posaune_FOTORobertTernes-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Posaune_FOTORobertTernes-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Posaune_FOTORobertTernes.jpg 960w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Die Posaune eines Schulfreundes</p></div>
<p>Möglichkeit hätte, im Laufe seiner Schullaufbahn auch ein Instrument zu erlernen. Privater Musikunterricht ist sehr teuer &#8211; und gerade Familien, die finanziell schlechter gestellt sind oder für die Musik keinen hohen Stellenwert hat, investieren das Geld lieber in andere Dinge. Aber wenn ich dreizehn Jahre lang zur Schule gehe, sollte es doch möglich sein, mir zumindest ein Instrument näher zu bringen.</p>
<p>Ich weiß noch, dass wir in der Grundschule in einer AG nachmittags Blockflöte spielen konnten. Wenn ich mich recht erinnere, meinte meine Mutter, dass ich schon genügend andere Hobbies hätte. Später, in einem Alter, in dem ich selbst hätte Entscheidungen treffen können, gab es diese Möglichkeit in der Schule nicht mehr. Klar, hätte ich mir extern Wege eröffnen können. Aber warum muss ich außerhalb der Schule suchen, wenn ich Klavier spielen lernen möchte, aber nicht, wenn es um ein Reimschema oder eine chemische Formel geht?</p>
<p>Dadurch, dass es an den meisten Schulen keine Regelangebote gibt, ein Instrument zu lernen, liegt eine klare Wertung vor. Eine gewisse Basis an Bildung wird allen an der Schule geboten. Doch Musik ist nicht für alle da. Dass klassischer Musik etwas Elitäres anhaftet, sieht man nicht nur, wenn man sich anschaut, wer seinen Kinder Musikunterricht ermöglicht, sondern auch wenn man auf klassische Konzerte geht: Alle sind sehr steif angezogen, die meisten älter und mit dem Durchschnittsbürger hat das Publikum generell wenig zu tun. Dabei werden deutsche Staatsorchester doch aus Steuergeldern mitfinanziert. Ich glaube, man sollte an Schulen intensiver versuchen, schon Kindern die Ehrfurcht vor &#8211; und teils auch Ablehnung von &#8211; klassischen Konzerten zu nehmen und ihnen das Ausdrucksmittel und Kulturgut der Musik näher bringen.</p>
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		<title>Musiker, Lehrer oder beides?</title>
		<link>https://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1729</link>
		<pubDate>Sat, 02 Jun 2012 10:00:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hodalid]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Hellgurd | Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
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				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1737" aria-labelledby="figcaption_attachment_1737" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Lana-playing-in-a-Concert-of-Ranya-Symphony-Orchestra.jpg" rel="lightbox[1729]"><img class="size-medium wp-image-1737" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Lana-playing-in-a-Concert-of-Ranya-Symphony-Orchestra-300x199.jpg" alt="Hellgurd Ahmed" width="300" height="199" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Lana-playing-in-a-Concert-of-Ranya-Symphony-Orchestra-300x199.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Lana-playing-in-a-Concert-of-Ranya-Symphony-Orchestra-1024x680.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Lana spielt auch im Ranya Orchester </p></div>
<p>Wenn man im fünften Studienjahr ist, muss man an einer Grundschule oder einem Kindergarten einige Lehreinheiten geben. Einen guten Monat lang unterrichtet man dort, und immer wieder kommen unsere Dozenten und Lehrer in die Klassen, um unsere Lehrmethoden zu bewerten. Es ist besonders wichtig, dass wir die Klassen vorbereiten und auch Tests ansetzen, damit sie sehen können, was wir in den vergangenen Jahren an der Uni gelernt haben. Was allerdings ein bisschen verwirrend ist, ist, dass man von uns verlangt, gute Lehrer zu sein und gleichzeitig aber auch gute Musiker.</p>
<p>Es macht Spaß, das was man gelernt hat, weiterzuvermitteln. Aber wir lernen sehr wenig Theorie und auch keine Lehrmethoden. Das gehört nicht in unser Bildungskonzept. Und so kommt es dann dazu, dass jeder von uns andere Themen unterrichtet – und das auf unterschiedliche Art und Weise.</p>
<p><span id="more-1729"></span></p>
<p>Daher kommt es oft zu Missverständnissen zwischen der Hochschule und dem Bildungsministerium: Sie müssten sich mal endlich einig darüber werden, was sie von uns wollen. Das Ministerium wünscht sich gut ausgebildete Lehrer, die Hochschule will beides – Lehrer und Musiker, hat aber dafür und davon keinen richtigen Plan.</p>
<p>Ich habe mit zwei meiner Freunde darüber gesprochen. Lana ist 22 Jahre alt und spielt Querflöte. 2010 hat sie ihren Abschluss gemacht. Sie hat mir davon erzählt, dass sie heil froh war, dass ihre Familie sie nicht davon abgehalten hat, Musik zu studieren. Als sie allerdings im dritten Jahr war, hat sie sich an der Hochschule gelangweilt. Sie hatte eine andere Vorstellung von ihrem Studium der Musik „Ich verstehe nicht, warum ich noch so viele andere Fächer, wie Sprachen, belegen muss. Wozu brauche ich das, wenn ich doch eh Musikerin werden will?“, sagte Lana zu mir. Über ihre Zeit im Kindergarten erzählte sie mir dann, dass sie alles in einer Person war. Sie musste mit den Kindern musizieren, ihnen vorlesen, sie zum Sport animieren und natürlich auf sie aufpassen. „Ich hatte keine Probleme damit, das alles zu tun“, sagte Lana. „Aber das ist eigentlich nicht mein Job.“ Trotzdem sei sie ganz glücklich dort gewesen, denn die Kinder seien so zufrieden gewesen. Letztendlich ist Lana jetzt aber auch Mitglied im „Ranya Symphony Orchestra“.</p>
<div id="attachment_1735" aria-labelledby="figcaption_attachment_1735" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Lana-in-kindergartens-sport-event.jpg" rel="lightbox[1729]"><img class="size-medium wp-image-1735" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Lana-in-kindergartens-sport-event-300x225.jpg" alt="Hellgurd Ahmed" width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Lana-in-kindergartens-sport-event-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Lana-in-kindergartens-sport-event-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Lana im Kindergarten bei einem Sport-Event</p></div>
<p>Ein anderes Mädchen, dessen Namen ich nicht nennen darf, erzählte mir, dass ihre Familie einverstanden war mit ihrem Musikstudium. Das sei alles kein Problem. Aber als es dann das erste Mal darum ging, dass sie mit der Uni in eine andere Stadt reisen sollte, seien ihre Eltern strikt dagegen gewesen. Sie musste zu Hause bleiben. Dafür habe sie sich sehr geschämt. Sie hat dann vorgetäuscht krank zu sein und deshalb nicht mitfahren zu können. Ihre Familie habe sie zunehmend von allen musikalischen Aktivitäten ferngehalten, obwohl sie eigentlich dem Studium zugestimmt hatten. Leider hat sie dann auch einen schlechten Abschluss gemacht.</p>
<p>Wir Künstler sind froh darüber, wenn wir das Interesse anderer Menschen an der Kunst und der Musik wecken können. Ich würde mir nur wünschen, dass noch mehr Frauen die Möglichkeit dazu bekommen.</p>
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