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	<title>Reform &#8211; Bildungswege</title>
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	<description>Fünf Blogger, fünf Länder, ein Dialog. In diesem Blog diskutieren fünf junge Leute aus Irak, Deutschland, Argentinien, Russland und Kenia über Bildungschancen in ihren Heimatländern und über ihre eigenen Bildungswege.</description>
	<lastBuildDate>Fri, 20 Jul 2012 11:55:22 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Wir müssen offen für Reformen sein</title>
		<link>https://blogs.dw.com/bildungswege/?p=3063</link>
		<pubDate>Mon, 09 Jul 2012 13:12:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Claudia Unseld]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Kathrin | Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gymnasium]]></category>
		<category><![CDATA[Hauptschule]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Reform]]></category>
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		<description><![CDATA[ [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_3045" aria-labelledby="figcaption_attachment_3045" class="wp-caption alignleft" style="width: 225px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Kathrin-003.jpg" rel="lightbox[3063]"><img class="size-medium wp-image-3045" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Kathrin-003-225x300.jpg" alt="Wahlplakat der FDP in Nordrhein-Westfalen (Foto: Kathrin Biegner)" width="225" height="300" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Kathrin-003-225x300.jpg 225w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Kathrin-003.jpg 675w" sizes="(max-width: 225px) 100vw, 225px" /></a><p class="wp-caption-text">FDP-Wahlplakat im nordrhein-westfälischen Wahlkampf</p></div>
<p>Das ist der letzte Blogeintrag für mich. In den zwei Monaten, in denen wir fünf unseren Blog geführt haben, habe ich viel über Bildung in anderen Staaten erfahren &#8211; und mich auch mit dem deutschen System intensiver auseinandergesetzt.</p>
<p>Was mir auffällt bei allen Diskussionen über Bildungssysteme ist: Oft wird die Leistung des Systems nur darin gesehen und bewertet, ob Schüler, Schülerinnen und Studierende höhere Abschlüsse und bessere Noten erhalten und sie so (scheinbar) besser auf das Berufsleben vorbereitet sind. Aber es gibt eine andere Sache, die das Bildungssystem unglaublich wertvoll für eine Gesellschaft macht. Und die hat mit dem <a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/?p=2985">Gespräch</a> zu tun, das ich mit meiner Freundin Katharina geführt habe: Insbesondere Kindergärten und Schulen bieten die wahnsinnig wichtige Chance, eine Gesellschaft näher zusammenzubringen. Diese Chance wird in Deutschland nicht ausreichend genutzt. Im Gegenteil: Unser &#8211; in vielen Bundesländern noch dreigliedriges &#8211; Schulsystem spaltet die Gesellschaft.<span id="more-3063"></span></p>
<p>In meiner Grundschulzeit in einem Dorf hatte ich noch Kontakt zu allen Gleichaltrigen. Der ging dann in meiner Gymnasialzeit verloren. Erst mit 17 kam ich wieder mit denjenigen zusammen, die ich auf dem Gymnasium aus den Augen verloren hatte und die mittlerweile ihren Hauptschul- oder Realschulabschluss hatten. Denn in unserem Dorf wird das Kerbefest (ein traditionelles Volksfest) immer von den 18-Jährigen organisiert. So trafen wir uns dann also alle wieder. In vielen Städten gibt es solche Feste nicht, die Menschen unterschiedlicher Schichten zusammenführen, denn auch Wohngebiete und Vereine sind oft nach sozialen Schichten unterteilt. Die Schule wäre also der einzige Ort, der diesem sozialen Auseinanderbrechen unserer Gesellschaft entgegenwirken könnte.</p>
<p>Das wird auch von Politikern oft nicht bedacht. In Rheinland-Pfalz haben sie die Hauptschule, in der Schüler mit einem schlechten Notendurchschnitt landeten, abgeschafft. Das lief mit wenig Widerstand. Das Gymnasium, das zur Hochschulreife führt, ließen sie unangetastet. Schließlich empfinden Gymnasiasten und deren Eltern ihre Schule nicht als Makel, sondern als Auszeichnung oder gar als Statussymbol. Dabei verlieren auch Gymnasiasten viel an sozialen Lernmöglichkeiten in ihren ausgesiebten Klassen. Der Bezug zu anderen Lebenswirklichkeiten in ihrem Land kann schnell verloren gehen. Doch, verständlicherweise, stört es Eltern nicht, so lange ihre Kinder hier die Voraussetzungen für bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bekommen. Sie denken, in diesem geschützten Umfeld fiele ihren Kindern das Lernen leichter. Ergebnisse von Untersuchungen, die das Gegenteil zeigen, haben hier weniger Argumentationskraft als Gefühle. Deshalb organisierten in Hamburg auch viele Eltern Proteste, als das Gymnasium dort abgeschafft werden sollte. Und FDP-Politiker plakatierten im NRW-Wahlkampf stolz: &#8222;Gymnasium erhalten!&#8220;</p>
<div id="attachment_3043" aria-labelledby="figcaption_attachment_3043" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Gymnasium3.jpg" rel="lightbox[3063]"><img class="size-medium wp-image-3043" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Gymnasium3-300x225.jpg" alt="Mein Gymnasium, ein katholisches Mädchengymnasium (Foto: Kathrin Biegner)" width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Gymnasium3-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Gymnasium3-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Mein Gymnasium bot ein sehr behütetes Umfeld: Es war ein katholisches Mädchengymnasium.</p></div>
<p>Ist es also Wahltaktik, dass Politiker das Gymnasium oft unangetastet lassen? An Gymnasien sind schließlich die Kinder der politisch aktivsten Menschen. In den sozial benachteiligten Schichten, deren Kinder es oft nicht an das Gymnasium schaffen, gibt es sehr wenige, die Demonstrationen oder Unterschriftenaktionen organisieren oder vor einer Kamera ihren Standpunkt überzeugend argumentieren würden. Diese Menschen gehen auch viel seltener wählen als Bessergebildete und Besserverdienende.</p>
<p>Ich wünsche mir, dass trotzdem überzeugte Politiker in Zukunft das Gymnasium nicht mehr als unantastbar ansehen. Dass sie sich für eine Reform einsetzen, die tatsächlich für mehr Chancengerechtigkeit und einen besseren Zusammenhalt in der Gesellschaft steht. Schließlich haben wir in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern sehr viele finanzielle Ressourcen. Sollte es da nicht möglich sein, meinem Traum näher zu kommen?</p>
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		<title>Gut gedacht &#8211; schlecht gemacht!</title>
		<link>https://blogs.dw.com/bildungswege/?p=2247</link>
		<pubDate>Thu, 14 Jun 2012 09:55:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[beuthnerb]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Emmy | Kenia]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechtergerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kenia]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentliche Schulen]]></category>
		<category><![CDATA[Privatschulen]]></category>
		<category><![CDATA[Reform]]></category>
		<category><![CDATA[Schulgebühren]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Schichten]]></category>

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		<description><![CDATA[ [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2253" aria-labelledby="figcaption_attachment_2253" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Free-education-has-led-to-more-girls-visiting-schools-2.jpg" rel="lightbox[2247]"><img class="size-medium wp-image-2253" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Free-education-has-led-to-more-girls-visiting-schools-2-300x198.jpg" alt="" width="300" height="198" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Free-education-has-led-to-more-girls-visiting-schools-2-300x198.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Free-education-has-led-to-more-girls-visiting-schools-2-1024x678.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Endlich gehen auch mehr Mädchen zur Schule</p></div>
<p>Anfang 2003 hat die kenianische Regierung eine Neuerung im Bildungsprogramm eingeführt:  FPE – Free Primary Education. Schulgebühren für die öffentlichen Grundschulen und  die weiterführenden Schulen wurden abgeschafft. Eltern und Lehrer waren  begeistert. Endlich hatte die Regierung etwas für ihre Bürger getan – endlich konnten alle Kinder zur Schule gehen. Nur die Schuluniform musste noch gekauft werden.<span id="more-2247"></span></p>
<p>Plötzlich wurden auch mehr Mädchen eingeschult. Die Eltern konnten nicht mehr sagen, dass ihnen das Geld fehlt, um die Schulgebühren zu bezahlen, oder dass ihnen die Gebühren zu hoch sind. Die Regierung hat gleichzeitig Informations-Kampagnen durchgeführt und die Eltern aufgefordert, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Die Zahl der Einschulungen ist also gestiegen.</p>
<p>Als Folge dieses  Zustroms sind die öffentlichen Schulen auf einmal sehr voll geworden. Die Zahl und die Größe der Klassenzimmer blieben allerdings gleich und es  gab auch kein zusätzliches Lehrpersonal. An „Details“ hatte scheinbar niemand gedacht. Vielleicht hatte die Regierung auch einfach nicht erwartet, dass so viele begeisterte Eltern ihre Kinder zur Schule schicken würden.</p>
<div id="attachment_2255" aria-labelledby="figcaption_attachment_2255" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/More-students-one-teacher2.jpg" rel="lightbox[2247]"><img class="size-medium wp-image-2255" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/More-students-one-teacher2-300x163.jpg" alt="" width="300" height="163" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/More-students-one-teacher2-300x163.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/More-students-one-teacher2-1024x559.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Nach der Reform: Anstieg der Klassengröße</p></div>
<p>So hat die Reform also eine Menge Nachteile gebracht. Das muss man sich mal vorstellen: Ein Lehrer auf 40 Kinder! Natürlich leidet die Qualität darunter. Das Lehrpersonal war auch nicht darauf vorbereitet, Kinder zu unterrichten, deren Wissenstand grundverschieden war. Schüler, die niemals zuvor eine Schule besucht hatten wurden gemeinsam mit Kindern unterrichtet, die ein fundiertes Vorwissen hatten.  Eine gutes Beispiel ist der älteste Schüler der Welt, Kimani Maruge, der sich wegen des kostenfreien Zugangs mit 84 Jahren einschulen ließ und die Schulbank gemeinsam mit Kindern drückte,  die seine Urenkel hätten sein können. Es gibt sogar ein Film über ihn: <a href="http://www.thefirstgrader-themovie.com/trailer/">http://www.thefirstgrader-themovie.com/trailer/</a></p>
<p>Einen unerwarteten Effekt, den der Wegfall der Schulgebühren ausgelöst hat &#8211;  und mit dem die Regierung meiner Meinung nach auch nicht gerechnet hat -, ist die Zunahme an privaten Schulen.  Privatschulen haben einen regen Zulauf bekommen, weil viele Eltern sich um die Qualität der Schulbildung Sorgen machen, seit die Schulgebühren weggefallen sind. Wer genug Geld hat, schickt seine Kinder lieber auf Privatschulen – und die sind wegen der gestiegenen Nachfrage sehr teuer geworden, fast unbezahlbar.</p>
<p>Aber auch das Bildungsangebot der öffentlichen Schulen ist nicht ganz kostenfrei – haben die Eltern der Schulkinder herausgefunden. Es gibt versteckte Kosten, die einfach nicht als Schulgebühren deklariert werden, die aber die Bemühungen der Regierung torpedieren.</p>
<p>All das hat zu interessanten Diskussionen geführt, nicht nur unter Eltern, Schülern und Lehrern.  Fragen über Gleichheit und den Zugang zu Bildung werden in der Öffentlichkeit nun anders gestellt. Es geht nicht mehr vorrangig um Geschlechtergerechtigkeit, sondern auch um die Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen Schichten. Einen Zugang zu Bildung gibt es für alle, aber wie steht es um die Qualität der Bildung?</p>
<p>Klar, dieses Thema ist umstritten und noch lange nicht ausdiskutiert. Was sich aber sagen lässt: Die Reform hat einen guten Ansatz – die Umsetzung ist allerdings schlecht gelungen!</p>
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