Nordpol Just another Deutsche Welle Blogs site 2015-08-19T12:58:01Z https://blogs.dw.com/nordpol/?feed=atom Stefan <![CDATA[Bilder, Töne und das große Geschäft]]> http://blogs.dw.com/nordpol/bilder-toene-und-das-grosse-geschaeft/ 2009-04-24T10:47:01Z 2009-04-24T10:47:01Z Wie versprochen werden jetzt noch einmal die Sinne bedient. Hier (einfach auf das Wort klicken) gibt es für die Augen eine kleine Bildergeschichte unserer Expedition zum Nordpol. Für die Ohren steht unten die zehnminütige Deutsche Welle-Sendung „Hautnah“ vom 25. April, meine Radio-Reportage zur Expedition. Viel Spaß beim Sehen und Hören.


Extrem-Reportage

Polarmannsgarn

Immer wieder wurde ich nach meiner Rückkehr aus dem Eis gefragt, wie wir eigentlich unsere täglichen Bedürfnisse bei der extremen Kälte erledigt hätten. Daher hier eine nachträgliche Aufklärung: Das Urinieren war kein Problem. Die Suche nach Klein-Stefan dauerte zuweilen ein wenig länger, weil er sich bei minus 30 Grad verständlicherweise zurückgezogen hatte. Ansonsten aber unterschied sich das Wasserlassen im Eis nicht von dem im Schnee. Es bildeten sich gelbe Löcher. Keine gelben Eistürmchen, das ist Polarmannsgarn. Nachts benutzten wir, um nicht in die Kälte hinaus zu müssen, Pinkelflaschen.

Betonung auf kurz

Das große Geschäft gestaltete sich weitaus schwieriger und wollte gut vorbereitet sein. Bereits im Zelt zog ich mir die Hosenträger herunter, dann wieder die Daunenjacke darüber. Nun musste alles sehr schnell gehen: In die Schuhe, aus dem Zelt, hinter den nächsten Eisblock, fallen lassen, kurz (!) abputzen, zurücksprinten, in den Schlafsack kriechen. „Dass ihr mir ja nicht versucht, euch so abzuwischen, wie ihr es von zu Hause gewohnt seid“, hatte uns Expeditionsleiter Thomas eingeschärft und von einem Nordpol-Kandidaten erzählt, der seine übertriebene Reinlichkeit mit Erfrierungen an der Hand und dem vorzeitigen Rückflug bezahlt hatte. Wir waren also vorgewarnt – und froren uns weder Finger noch den Allerwertesten ab.
Wenn es draußen allzu sehr stürmt, gibt es übrigens noch die von Thomas am Nordpol demonstrierte Alternative, das Vorzelt als Toilette zu nutzen. Details spare ich mir an dieser Stelle. Nur so viel: Ein Genuss für die Sinne sieht anders aus – zumindest für die übrigen Zeltbewohner.

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Stefan <![CDATA[Heimkehr]]> http://blogs.dw.com/nordpol/heimkehr/ 2009-04-17T08:12:04Z 2009-04-17T08:12:04Z
Via Oslo in die Heimat

Und wieder schließt sich ein Kreis. Ich sitze am Frankfurter Flughafen und warte auf meinen Zug Richtung Köln. Ich freue mich riesig darauf, meine Lieben wieder in die Arme schließen zu können. Zurückkehren ist um so vieles leichter als Abschiednehmen.

Aus den Augen, nicht aus dem Sinn

Die Mitglieder unseres Nordpol-Teams gehen jetzt wieder getrennte Wege. Am Flughafen in Oslo sagten wir einander Adieu. Thomas wird das Wochenende noch in Norwegen verbringen. Arnold und Eugen flogen nach Zürich in die Schweiz, Frank und ich nach Frankfurt. Nicht notwendigerweise, aber doch wahrscheinlich werden wir uns mit der Zeit aus den Augen verlieren. Jeder führt wieder sein eigenes Leben.


Adieu sagen (v.l.): Thomas, Frank, Arnold, Eugen und Stefan

Doch ganz sicher werden wir immer wieder an diese Woche im arktischen Eis zurückdenken, an die Eiseskälte, an die weiße Wüste um uns herum, an den Augenblick, an dem wir bei starkem Wind den Nordpol erreichten, …. Und in diesen Erinnerungen werden wir wieder ein Team, das diese unvergesslichen Momente gemeinsam erlebt hat.

Danke!


Unsere Spuren sind längst verweht, die Erinnerungen nicht

Ich bedanke mich bei allen, die dieses Abenteuer und auch diesen Blog möglich gemacht haben: bei unserem Expeditionsleiter Thomas, der uns professionell, und umsichtig ans Ziel geführt hat, bei Arnold, Frank und Eugen, die mich als Teammitglied unterstützten und mir als Journalist immer offen gegenüber standen, bei unseren Lieben daheim, die uns trotz ihrer Bedenken und Ängste fahren ließen – und nicht zuletzt bei den Lesern und Hörern dieses Blogs, die uns mit ihren Kommentaren motivierten, uns die Daumen drückten und trotz der Kälte, in der wir unterwegs waren, mitfieberten.

P.S. Voraussichtlich Ende der kommenden Woche werde ich noch den Link zu einer Bildergalerie sowie ein zehnminütiges Radio-Feature über unsere Nordpol-Expedition in den Blog stellen. Also, bis dahin!

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Stefan <![CDATA[Tschüss, Arktis]]> http://blogs.dw.com/nordpol/tschuess-arktis/ 2009-04-16T09:02:02Z 2009-04-16T09:02:02Z
Nach dem nächsten Sonnenuntergang über Spitzbergen fliegen wir heim

Morgens gönnen wir uns regelmäßig ein Frühstück in einem guten Hotel. Wenn wir dann an unserem Tisch bei Rührei, Speck, Brötchen und Kaffee sitzen, ertappe ich mich dabei, dass ich mir die Gäste an den anderen Tischen genau ansehe. Haben sie Frostbeulen? Waren sie auch auf Expedition zum Nordpol, sind sie auf dem Weg dorthin? Oder gehören sie zur Kategorie der Sessel-Abenteurer, die sich per Hubschrauber zum Pol fliegen lassen, dort ein Glas Champagner trinken, sich mit einer Fahne ablichten lassen und zu Hause stolz erzählen, sie seien am Nordpol gewesen?

Logistisch schwieriger als der Everest

„Haben wir die Kindertour gemacht?“ frage ich Thomas, als wir unsere Last-degree-Expedition noch einmal Revue passieren lassen. Schließlich dauert eine ´richtige´ Nordpol-Expedition von der Küste aus bis zum nördlichsten Punkt nicht nur eine Woche, sondern etwa 50 Tage. „Nein, keine Kindertour“, antwortet Thomas, „aber wenn du vom Festland aus losmarschierst, reicht es nicht, einige Monate im voraus zu planen.“ Das sei ein größeres Unterfangen. „Einen Mount Everest kann man sicher schneller anpeilen als eine Nordpolexpedition. Nicht von der Leistung her, aber logistisch, weil es viel schwieriger ist, sich in der Arktis zu bewegen.“

Sieben Tage weiter machen

Thomas ist „glücklich, dass wir alle am Nordpol waren, alles super funktionierte und alle zufrieden nach Spitzbergen zurückkamen.“ Die Verantwortung eines Expeditionsleiters werde häufig unterschätzt, sagt der 41-Jährige. Denn es ist eine Gleichung mit so vielen Unbekannten, wie die Expedition Teilnehmer hat. „Ich kann nicht wochenlang mit diesen Leuten Trainingscamps machen.“


Thomas – Riesen-Verantwortung im Eis

Erst auf dem Eis stelle sich wirklich heraus, ob der Einzelne mit den Bedingungen zurechtkomme und ob das Team als Einheit funktioniere. Mit unserer Gruppe war Thomas zufrieden. „Nach sieben Tagen waren wir ein gutes Team und hätten am besten noch einmal sieben Tage weiter gemacht.“

Immer konzentriert bleiben

Am meisten Kopfschmerzen hat unserem Expeditionsleiter die außergewöhnliche Kälte mit Temperaturen stets unter 30 Grad Celsius bereitet. „Ich hatte schon extremen Respekt davor, dass sich jemand eine Frostbeule zuzieht, die er zu spät bemerkt, oder sich einen Finger abfriert. Das war diesmal sicher das größte Risiko.“ Nach dem Erreichen des Nordpols sei bei allen die Anspannung abgefallen, „und damit auch ein wenig die Konzentration. Dabei waren wir immer noch im arktischen Ozean, Tausende Meter von Wasser unter uns. Es kann dort immer ein Sturm aufkommen und man sitzt eine Woche lang fest.“

Ab in den Süden

Umso erleichterter ist Thomas, dass alle wohlbehalten nach Longyearbyen zurückgekehrt sind. Der Flur unseres Ferienhauses füllt sich allmählich mit Gepäck. In der kommenden Nacht (zeitlich gesehen, denn hier ist es ständig hell) fliegen wir ab in den Süden. Von Spitzbergen mit aktuell minus 20 Grad Celsius nach Deutschland und in die Schweiz mit voraussichtlich 20 Grad plus. Ein weiterer Klimaschock. Diesmal jedoch ein angenehmerer.

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Stefan <![CDATA[Nicht mehr als eine GPS-Lesung?]]> http://blogs.dw.com/nordpol/nicht-mehr-als-eine-gps-lesung/ 2009-04-15T14:17:03Z 2009-04-15T14:17:03Z Vor drei Tagen stand Frank am Nordpol. Hat er seitdem schon einmal davon geträumt? „Nein, davon nicht!“, sagt Frank und lacht. Wir sitzen im warmen Ferienhaus in Longyearbyen auf Spitzbergen und reden darüber, was wohl von dieser extremen Woche im Eis hängen bleiben wird. „Viele Erinnerungen“, meint Frank. „Ich konnte das noch gar nicht verarbeiten. Ich denke, beim Anschauen der Fotos wird das alles noch einmal hochkommen.“


Karawane zum Nordpol

Der 34-Jährige war schließlich zum ersten Mal in der Arktis. Als Frank den Pol erreichte, empfand er es als weniger spektakulär, als es Außenstehende vielleicht vermuten würden: „Ich hatte kein euphorisches Gefühl. Ich war endlich da, wo ich sein wollte. Wir hatten geschafft, worauf wir alle hingearbeitet hatten.“ Dann habe er wegen des eisigen Windes nur noch ans Zeltaufbauen gedacht.

Der Natur ausgeliefert

Auch Arnold war am Nordpol nicht in überschwänglichen Jubel ausgebrochen. „Eigentlich mag ich diese imaginären Ziele nicht so.“ Arnold würde zum Beispiel lieber vom Pol aus Richtung Festland marschieren. „Wenn du den Fuß an Land setzt, weißt du, jetzt bist du dort.“ Das Erreichen des Nordpols ist für ihn nicht mehr als „eine GPS-Lesung. Alles andere schaut irgendwie gleich aus.“ Eben wie eine Wüste aus Eis.
„Außer dem Team ist dort niemand“, zeigt sich Eugen auch Tage danach noch von der Einsamkeit beeindruckt. „Man fühlt sich richtig hilflos der Natur ausgeliefert. Man kann nicht in irgendein Hotel gehen, wenn es einem kalt ist. Es ist schon extrem.“

Konditionswunder

Arnold wollte genau diese extremen Verhältnisse antesten. Denn nachdem er die „Seven Summits“, die höchsten Gipfel aller Kontinente bestiegen hat, würde er schon gerne auch noch den Nord- und den Südpol von Land aus erreichen. „Konditionell hatte ich keine Probleme“, sagt Arnold. Mit seiner Fitness hatte der 60-Jährige uns Jüngere immer wieder verblüfft und nicht selten alt aussehen lassen. „Schwierigkeiten hatte ich nur mit der Kälte“, räumt Arnold ein, „dieses Problem ist auch nicht gelöst.“


Wärme, schmerzlich vermisst

Die Entscheidung, ob er wirklich zu den Polen aufbrechen soll, schiebt Arnold noch ein wenig auf. „Wenn man jetzt wieder in der Wärme sitzt, erinnert man sich nur noch an die guten Dinge und beginnt zu vergessen, was unangenehm war.“ Damit er auch weiterhin kühlen Kopf behält, will Arnold in alten Expeditionsberichten nachlesen, wie extrem die Temperaturen, die wir erlebt haben, wirklich waren.

Sacken lassen

Während das Kapitel Eis für Arnold also noch nicht abgeschlossen sein muss, hat der 26 Jahre alte Eugen die Nase vom Nordpol erst einmal voll. „Ich habe mich über ein halbes Jahr darauf vorbereitet. Der Nordpol war eigentlich mein Hauptthema. Jetzt ist mir ein Stein vom Herzen gefallen und ich kann mich wieder auf andere Sachen konzentrieren.“ Auch Frank kann sich „nicht vorstellen, jetzt gleich noch einmal heraus zu müssen. Das muss erst einmal sacken.“


Vielfältige Formen, aber doch immer nur Eis

Mir selbst geht es ähnlich. Noch erscheinen mir die sieben Tage im Eis fast wie ein Film, in dem ich mitspielen durfte. Doch meine Eindrücke, Gedanken, Emotionen und auch die körperlichen Anstrengungen waren keine Fiktion, sondern real und viel zu extrem, um direkt wieder zur Tagesordnung überzugehen. Ich werde sie wieder und wieder in der Erinnerung durchleben. Vielleicht macht gerade das den Suchtfaktor von Abenteuern aus.

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Stefan <![CDATA[Warmduscher]]> http://blogs.dw.com/nordpol/warmduscher/ 2009-04-14T13:46:02Z 2009-04-14T13:46:02Z In den letzten Tagen auf dem Eis witzelten wir häufig: „Eigentlich fehlt uns jetzt zu unserem Glück nur noch ein Eisbär!“ Doch ganz ehrlich, wenn sich uns wirklich ein hungriges, ausgewachsenes Raubtier genähert hätte, wäre wahrscheinlich auch der letzte bei der Kälte verbliebene Rest an Farbe aus unseren Gesichtern gewichen und wir hätten uns vor Angst in die atmungsaktive Hose gemacht. Dieser Gedanke kam mir jedenfalls, als ich heute gemeinsam mit Frank das Svalbard Museum in Longyearbyen besuchte. Dort kann man einem Eisbär gegenüber treten, ohne Gefahr zu laufen, zum Frühstück verschlungen zu werden.


Putzig ist anders

Gleich nach unserer Ankunft auf Spitzbergen hatten wir ein Informationsblatt der Behörden erhalten. „Nehmen Sie die Eisbärgefahr ernst!“, stand dort in roten Lettern über einem Bild, das zwei Eisbären vor einem großen blutigen Kadaver zeigte. Die Botschaft dahinter lautete: Der Fleischklumpen könntest du sein. Dann gab es einige Tipps, wie man sich bei einem unfreiwilligen Rendezvous zu verhalten habe. Vor allem sollte man die richtigen Waffen mit sich herumtragen und auch damit umgehen können. Eisbären sind zwar seit 1973 vor der Jagd geschützt, doch zur Selbstverteidigung ist es erlaubt, sie zu töten.

Eintritt für Pistolen und Gewehre verboten!

2000 bis 3000 Eisbären leben derzeit auf Spitzbergen. Kein Wunder also, dass die Einheimischen nicht ohne Waffen die Ortschaften verlassen. Offenbar müssen sie jedoch immer wieder daran erinnert werden, dass die Gefahr, in einem Hotel oder Supermarkt in Longyearbyen auf einen Eisbären zu treffen, relativ gering ist. Auch vor dem Gebäude, in dem die Post und die Bank untergebracht sind, wird auf Schildern daran erinnert, die Knarren gefälligst draußen zu lassen.


Schilder für Schildbürger?

Die Angestellten wollen wohl doch ganz gerne wissen, ob sie es mit einem Bankräuber oder einem vergesslichen Kunden zu tun haben, der gerade von einem Ausflug mit dem Motorschlitten heimkehrt.

Hut ab vor den Pionieren

Im Museum wird mir wieder schlagartig bewusst, wie einsam wir auf unserer Wanderung durch das Eis zum Nordpol waren. Die Walrosse, Robben und Seevögel, die mich hier ausgestopft mit glasigen Augen anblicken, treiben sich am Nordpol wohl nicht oder nur äußerst selten herum. Sie wissen wohl intuitiv, wie lebensfeindlich die Umgebung dort ist.


Franks Blick in längst vergangene Zeiten

Doch auch auf Spitzbergen war das Leben früher extrem hart. Das dokumentieren die im Museum ausgestellten Hütten samt Einrichtung, die im Vergleich zu heute klobig erscheinende Schutzkleidung gegen die Kälte oder auch die Lanzen, mit denen die Menschen früher auf Waljagd gingen. Dagegen sind wir Hobby-Abenteurer der Gegenwart geradezu Warmduscher – auch wenn wir eine Woche lang ohne heißes Wasser ausgekommen sind. Ich gestehe: Am besten hat mir im Svalbard-Museum die Ruhezone mit Robben-Fellen und Kissen gefallen. Frank und ich hatten Schwierigkeiten, uns von dort wieder zu erheben. Fast wären uns die Augen zugefallen. Wir befinden uns nämlich immer noch im Schwarzen Nordpol-Loch, das unsere Energie aufzusaugen scheint. Unsere Körper schreien nach Ruhe. Warmduscher eben.


Auch Schreiberlinge dösen gerne

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Stefan <![CDATA[Poldi am Pol]]> http://blogs.dw.com/nordpol/poldi-am-pol/ 2009-04-14T05:24:03Z 2009-04-14T05:24:03Z Versprochen ist versprochen. Ein Rätsel gilt es noch zu lösen. Die Fahne, die ich zum Nordpol mitgenommen habe, war natürlich die meines lebensbegleitenden Fußballvereins 1. FC Köln. Einige Kommentatoren des Blogs hatten das ja schon vermutet. Da mir mein Schlitten Poldi im Polareis wirklich sehr gute Dienste erwiesen hat (Hoffentlich spielt er in der nächsten Saison auch auf diesem Niveau in Köln Fußball!), war die Wahl auch gerechtfertigt.


1. FC Köln am Nordpol

Der Nordpol scheint jedoch einen anderen Lieblingsclub zu haben. Am Tag unserer Ankunft kollabierten unsere Digitalkameras in Serie. Und auch am nächsten Morgen wehte ein eiskalter Wind. Doch ich hatte so oft davon geredet, wie wichtig dieses Foto für den Blog sei, dass sich Thomas erbarmte und mit blanken Fingern den Auslöser betätigte. Wieder streikte zunächst die Kamera. Eugen und ich hatten zudem Schwierigkeiten, die Fahne im Wind vernünftig zu halten. Erst im dritten Anlauf und nach mehreren deftigen Flüchen war das Bild „im Kasten“. Ein Extremfoto.

Kurzvisite auf Borneo

Wir hatten von Victor Boyarsky, dem Leiter der russischen Eisstation Borneo und einem der besten Arktiskenner weltweit, per Satellitentelefon die Information erhalten, dass wir gegen 10.30 Uhr abgeholt würden. Doch schon eine halbe Stunde früher hörten wir das Dröhnen des Helikopters.


Nach einer Woche wieder Motoren-Lärm

In Windeseile packten wir unsere Schlitten und bauten die Zelte ab. Wenig später eilte uns Victor grinsend entgegen und gratulierte uns zu unserem Erfolg. Und schon entschwebten wir Richtung Borneo.
Victor, ein Freund von Thomas, hatte es irgendwie organisieren können, dass wir innerhalb von zwei Stunden einen Anschlussflug nach Spitzbergen erhielten. Die Zeit reichte gerade aus, um die noch gefüllten Benzinflaschen für die Kocher zu leeren und eine heiße Tasse Kaffee zu trinken.


Die russische Eisstation Borneo aus dem Helikopter

In der Antonow-Düsenmaschine verabschiedete sich Victor von uns. Ich fragte ihn, was er davon halte, dass wir die 120 Kilometer in sieben Tagen geschafft hätten. „Eine gute Zeit“, antwortete der Russe. „Ihr hattet sehr tiefe, wenig angenehme Temperaturen, dafür aber ganz gutes Eis, wenig Drift – und einen guten Expeditionsleiter.“

Unrasiert zum Pfeffersteak

Nach Spitzbergen flogen viele Passagiere mit, die, wie wir, mit Skiern auf dem Eis unterwegs gewesen waren. Einige hatten Frostbeulen im Gesicht davongetragen. Fast alle wirkten müde. Das lag zum einen sicher daran, dass die freiwillig auf sich genommenen Strapazen nun hinter allen lagen, zum anderen aber auch an der heißen Luft in der Kabine. „28 Grad war es warm“, meinte Eugen nach der Landung kopfschüttelnd. Der Geruch im Innern war streng, um es vorsichtig auszudrücken. Wenn sich 20 Männer eine Woche lang anstrengen und sich nicht waschen können, müffelt es eben.
Auf Spitzbergen fuhren wir direkt in Thomas´ Lager. Unser Ferienhaus war noch abgeschlossen, der Vermieter hatte uns nicht so früh zurückerwartet. Wir packten unsere Schlitten aus, sortierten die übrig gebliebenen Lebensmittel, hängten die Zelte zum Trocknen auf. Da wir immer noch auf unseren Hausschlüssel warten mussten, beschlossen wir, unser Festmahl vorzuziehen.


Die Nordpolisten: (v.r.) Eugen, Frank, Arnold, Stefan, Thomas

Zum Glück heißt das Restaurant Basecamp und niemand wird schräg angeschaut, wenn er unrasiert, ungeduscht und in Expeditionskleidung dort auftaucht. Wir schlemmten genüsslich (mehrheitlich das von Frank erträumte Pfeffersteak) und tranken dazu ein Bier. Das Leben kann so süß sein.
Inzwischen hatte Thomas auch den Vermieter ausfindig gemacht und wir bezogen wieder das kleine Haus, das in den nächsten zwei Stunden eigentlich nur aus einem Zimmer bestand: dem Bad mit einem vernünftigen WC und einer Dusche, die trotz ausgiebiger Nutzung auch beim Letzten immer noch heißes Wasser versprühte.
Jetzt sehen alle wieder fast wie vor einer Woche aus, vielleicht ein wenig ausgezehrter, aber um unvergessliche Erlebnisse und Eindrücke reicher. Unten sind unsere letzten Meter zum Nordpol auch zu hören.

P.S. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an mein „Hometeam“, meinen Sohn Jan, der während unserer Zeit auf dem Eis meine Texte, Bilder und Audios in den Blog gestellt hat.

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Stefan <![CDATA[Eilmeldung]]> http://blogs.dw.com/nordpol/eilmeldung-2/ 2009-04-13T14:05:05Z 2009-04-13T14:05:05Z Das Team ist gut in Spitzbergen gelandet. Zur Zeit sind die Teilnehmer noch mit dem Ausladen des Gepäcks beschäftigt. Bericht folgt später (evtl. erst morgen).

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Stefan <![CDATA[90 Grad Nord!]]> http://blogs.dw.com/nordpol/90-grad-nord/ 2009-04-12T12:40:03Z 2009-04-12T12:40:03Z
Fünf Männer am Nordpol – [v.r.] Thomas, Frank, Arnold, Eugen, Stefan (und Poldi)

Um 13.08 MESZ rammt Thomas den Skistock in den Schnee. Das GPS-Gerät zeigt 89 Grad, 59 Minuten, 59,9 Sekunden. Wir stehen am Nordpol.

Verdammter Wind

Die ganze vergangene Nacht über hat der Wind an unserem Zelt gerüttelt, wir haben wegen der Eiseskälte kaum geschlafen. „Meinst du wirklich, wir sollten das Risiko von Erfrierungen auf uns nehmen?“, fragt Eugen nach dem Wecken um sechs Uhr besorgt. „Können wir nicht warten, bis sich der Wind legt?“ Thomas schüttelt den Kopf. „Das wird eher schlimmer als besser. Ihr müsst nur darauf achten, dass ihr draußen immer die dicken Handschuhe anbehaltet und dass die Neoprenmaske richtig sitzt.“
Um 9.30 Uhr sind Zelte und Gepäck verstaut. Wir brechen zur letzten Etappe auf. Gott sei Dank bläst der Wind, der immer stärker wird, in unseren Rücken. Drei Rinnen müssen wir überqueren. Man sieht, dass hier vor kurzem noch offenes Wasser war. Doch die Eisdecke ist dick genug, dass sie uns trägt. Wir kommen gut voran.


Letzte Rinne – zugefroren

Bloß keine Wasserrinne

Wir machen die letzte Rast vor dem Pol. Kein Vergnügen bei diesem Wetter. „Dieser Scheißwind!“, flucht Arnold. „Hoffentlich stoßen wir jetzt nicht noch auf eine Wasserrinne“, sagt Frank. Das wäre so kurz vor dem Ziel wirklich bitter. Eugen ist inzwischen optimistischer. „Noch fünf Kilometer, dann werde ich jubeln.“
Der letzte Abschnitt stellt uns keine schweren Hindernisse mehr in den Weg. In immer kürzeren Abständen blickt Thomas auf sein GPS-Gerät. Die letzen 200 Meter laufen wir nicht mehr hinter-, sondern nebeneinander. Wir wollen als Team am Nordpol eintreffen.

Rote Leuchtraketen

Als wir dort ankommen, dauert es einen Augenblick, bis wir realisieren, dass wir unser Ziel erreicht haben. Wir jubeln, klatschen uns ab und gratulieren uns gegenseitig. Thomas schießt zwei rote Leuchtraketen in den Himmel über dem Nordpol. „Schön ist das hier“, sagt der Expeditionsleiter. „Ein Glück, dass wir am Pol kein offenes Wasser haben.“
Wir versuchen noch, ein Gruppenfoto zu machen. Zwei von drei Kameras geben den Geist auf. Der Wind ist auch ihnen zu eisig. Als wir sicher sind, dass wir ein, zwei brauchbare Bilder haben, schlagen wir schnell unsere Zelte auf. Denn auch der schönste Augenblick der Expedition, das Erreichen des Ziels, ist es nicht wert, dass wir uns schwere Erfrierungen zuziehen.

„Härteste Last degree-Expedition“


Anstoßen auf das Erreichen des Pols

Knapp 120 Kilometer liegen hinter uns, sieben extreme Tage auf dem Eis. „Das war die härteste Last degree-Expedition, die ich bisher geleitet habe“, resümiert Thomas im Zelt. Wir stoßen mit Kaffee, Tee und heißer Schokolade auf den Erfolg an. Ich ziehe zur Feier des Tages ein Paar frische Strümpfe an. Die richtige Nordpolfeier holen wir auf Spitzbergen nach, in einem gemütlichen, warmen, windstillen Restaurant. Jetzt warten wir auf den russischen Helikopter, der uns voraussichtlich morgen zur Eisstation Borneo zurückfliegen wird.

P.S. Das Rätsel mit der Fahne kann ich heute noch nicht auflösen. Ich hoffe, dass ich morgen bei hoffentlich weniger Wind das erhellende Foto machen kann. Also bitte Geduld!

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Stefan <![CDATA[Eilmeldung]]> http://blogs.dw.com/nordpol/eilmeldung/ 2009-04-12T11:10:01Z 2009-04-12T11:10:01Z 13:08 Uhr
Das Team erreicht den Nordpol. Alle sind wohlauf und freuen sich wie satte Eisbären. Bericht folgt später.

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Stefan <![CDATA[Nordpol, wir kommen!]]> http://blogs.dw.com/nordpol/nordpol-wir-kommen-2/ 2009-04-11T19:09:02Z 2009-04-11T19:09:02Z
Polwärts

Ich kann den Nordpol fast schon riechen. Das liegt nicht an meiner dicken leistungsfähigen Nase, sondern an meinem Zeltnachbarn Eugen, der eben seine Füße gelüftet hat. Unsere riechen übrigens auch nicht besser. Schließlich stecken sie tagsüber in Plastiktüten, die als Dampfsperre dienen.
Doch würde der Nordpol einen angenehmeren Duft verströmen, könnten wir ihn vielleicht hier schon wahrnehmen, denn wir sind nur noch zwölf Kilometer vom magischen Punkt entfernt, dem Ziel unserer Reise durchs Eis.

Polarexpress rollt


Schlittenzug

20 Kilometer haben wir heute hinter uns gebracht, so viel wie an keinem Tag zuvor. Der Polarexpress mit Thomas als Lokomotive und vier Waggons rollte. Die Bedingungen für eine Expressfahrt waren zunächst auch ideal: flaches Eis, kaum Presseisrücken als Hindernisse, keine Wasserrinnen, minus 34 Grad Celsius und – sehr wichtig – kein Wind. Doch gegen Ende des Tages frischte er auf und das ausgerechnet, als wir wieder, wie am Vortag, vor einer Rinne standen, diesmal ca. 30 Meter breit, unpassierbar. Thomas suchte nach einer Möglichkeit, die Rinne gefahrlos zu überqueren.


Eugen isst durch die Nase

Erste Hilfe

Währenddessen versuchten wir, uns mit Armkreisen und anderen gymnastischen Übungen warm zu halten. Doch es wollte nicht gelingen. Der Wind drang durch. Als Thomas zurückkehrte und wir ihm zu einer schmalen Stelle der Rinne folgten, merkte ich plötzlich, dass sich an meinem Kinn Eis bildete und ich dort kein Gefühl mehr verspürte. Die Neoprenmaske war verrutscht. Ich bat Frank nachzusehen. Er blickte mich entsetzt an. „Dein Kinn ist ja schneeweiß, das erfriert dir!“ Schnell zog er einen Handschuh aus und presste seine warme Hand auf mein Kinn. Frank begann, die betroffene Stelle warm zu reiben. Dabei hielt ich meine Wollhandschuhe über seine Finger, damit ihnen nicht das Gleiche widerfuhr wie meinem Kinn. Die Farbe kehrte zurück, das Kinn wurde wieder richtig durchblutet. Erste Hilfe in Nordpolnähe. Danke, Frank!

Nächste Nacht am Pol?

Nachdem wir die Rinne unfallfrei passiert hatten, schlugen wir vor Kälte schlotternd die Zelte auf. Wir sind wild entschlossen, die nächste Nacht am Ostersonntag auf 90 Grad Nord zu verbringen. Wenn uns nichts Unvorhersehbares stoppt.

P.S. Vielleicht hat sich der eine oder andere bei dem Foto der Halb-Nordpolisten vor zwei Tagen gefragt, wer sich hinter den Neoprenmasken verbirgt. Hier die Lösung des Rätsels: [v.r.] Eugen, Arnold, Frank, Stefan

P.P.S. Um unsere genaue Position zu verfolgen, einfach auf die Karte rechts oben klicken.

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Stefan <![CDATA[Badetag mit Hindernissen]]> http://blogs.dw.com/nordpol/badetag-mit-hindernissen/ 2009-04-10T15:21:04Z 2009-04-10T15:21:04Z Alles spricht für einen Routinetag. Ich habe mich schon gedanklich darauf eingestellt, etwas über den Expeditionsalltag zu schreiben. Gut, die Temperatur ist auf minus 37 Grad gefallen, Kälterekord während unserer Expedition. Doch was machen schon ein paar Grad mehr oder weniger in diesem Tiefkühl-Bereich? Eine Steigerung für saukalt gibt es nicht.
Wir spulen also Kilometer um Kilometer ab. Ich habe das Gefühl, dass ich inzwischen meinen Laufrhythmus gefunden habe. Allein der Kräfteverschleiß macht sich bemerkbar. Poldi muss sich einige Flüche anhören.

Ab ins Wasser


Strandbad mit Nordpolnähe

Plötzlich stehen wir vor einer großen dampfenden Wasserrinne. Thomas klettert auf einige grössere Eisblöcke, um nach einer Möglichkeit zu suchen, das offene Wasser zu umgehen. Keine Chance.
Der Plan unseres Expeditionsleiters sieht so aus: Wir befestigen an seinem Schlitten, der im Vergleich zu unseren länger und an den Seiten höher ist, vorne und hinten Seile. Dann schwimmt Thomas in einem Polarmeer-tauglichen Ganzkörperanzug aus Plastik ans andere Eisufer. Er entleert den Schlitten, damit wir ihn wie eine Fähre nutzen können. Die Passagiere sollen sich flach mit dem Gesicht nach oben hineinlegen. Das Schlittenboot muss dann hin- und hergezogen werden. Auch unsere Schlitten sollen in ihrem großen Bruder liegend das andere Ufer erreichen.

Verdammte Knoten


Bademode der Arktis

Thomas schlüpft in den Spezialanzug und sieht nun aus wie aus einem Science Fiction-Film entsprungen. Wir gehen zur schmalsten Stelle der Rinne, etwa zehn Meter breit. Da die Seile zu kurz sind, verlängern wir sie mit einer Schnur, die mich an eine Drachenschnur erinnert. Und dann geschieht genau das, was sicher jedem widerfährt, der häufiger Drachen steigen lässt. Genau in dem Augenblick, in dem Thomas ins Wasser gestiegen ist, verheddert sich die Schnur. Zu dritt versuchen wir, das Knäuel zu entwirren. Dazu müssen wir die Handschuhe ausziehen. Immerhin gelingt es uns, so viel Schnur zu retten, dass Thomas mitsamt Schlitten das andere Ufer erreichen kann.


Bad im Polarmeer

Rennen gegen die Zeit

Als erster Passagier steigt Eugen ein, legt sich auf den Rücken, mit angeschnallten Skiern. Der Schlitten neigt sich bedenklich zur Kopfseite, bleibt jedoch über Wasser. Als nächster bin ich an der Reihe. Thomas mahnt zur Eile, da sich die Rinne weiter öffnet. Die Überfahrt ist sehr angenehm. Ich liege auf dem Rücken, blicke in den strahlend blauen Himmel und könnte fast vergessen, wo ich mich befinde. Bis es unter dem Boden schrappt und ich schnell hinausklettern muss.
Die Rinne verbreitert sich zunehmend. Während Thomas auf der einen und Frank auf der anderen Seite den Schlitten hin- und zurückziehen, suchen die anderen fieberhaft nach Möglichkeiten, das Seil zu verlängern. Ich löse die Zeltschnüre, mit bloßen Fingern, da es mit Handschuhen unmöglich wäre.

Eine lustige Seefahrt

Inzwischen haben alle Schlitten und auch Arnold übergesetzt. Jetzt fehlt nur noch Frank. Doch ausgerechnet jetzt gehen uns die Schnüre aus. „Bringt Skistöcke!“, ruft Arnold. Gemeinsam mit Thomas knotet er sie an das gestückelte Seil. Es ist gerade lang genug, dass Frank den Schlitten zu sich ziehen und einsteigen kann. Auf der Überfahrt singt er: „Eine Seefahrt, die ist lustig…“ Als auch er sicher gelandet ist, löst sich die Spannung in Jubelgeschrei. Das war knapp. Die Distanz zwischen beiden Ufern hat sich mittlerweile fast verdoppelt. Gut, dass ich vor der Expedition eine Kerze im Kölner Dom entzündet habe.

Eiskalte Finger

Nach der Adrenalin treibenden Aktion versuchen wir alle, unseren eiskalten Fingern wieder Leben einzuhauchen. Kurz darauf machen wir uns erneut auf den Weg. Nach neun Stunden, in denen wir 15 Kilometer zurückgelegt haben, schlagen wir die Zelte auf. Bis zum Nordpol fehlen uns noch 32 Kilometer. Der heutige Zwischenfall wird uns sicher immer in Erinnerung bleiben. „Beim nächsten Mal packe ich längere Seile ein“, sagt Thomas und grinst.

P.S. Um unsere genaue Position zu verfolgen, einfach auf die Karte rechts oben klicken.

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Stefan <![CDATA[An der Grenze des Erträglichen]]> http://blogs.dw.com/nordpol/an-der-grenze-des-ertraeglichen/ 2009-04-09T18:50:05Z 2009-04-09T18:50:05Z
Halb-Nordpolisten

Zweite Tagesrast. Plötzlich wurde Thomas ganz ernst: „Ich habe euch etwas Offizielles mitzuteilen. Wir haben mehr als die Hälfte der Strecke zum Nordpol geschafft. Und das in nur vier Tagen. Reife Leistung bei der Kälte.“ „Nicht bei, sondern wegen der Kälte“, korrigierte Arnold. Und Frank fügte hinzu: „Ich laufe nur so schnell, weil ich auf Spitzbergen ein Pfeffersteak essen will.“ Eugen freute sich still. Er hatte seinen Spruch des Tages schon am Morgen geliefert. „Ein Triathlon ist doch gar nichts gegen das, was wir hier machen. Wir sind nicht die Ironmen, wir sind die Diamondmen.“ Mit anderen Worten die ganz Harten.

Poldi bockt


Schwierige Passage

Da ahnte Eugen wohl schon, was auf uns zukommen würde. Wir mussten so viele Presseis-Rücken, willkürlich aufgeschichtete Eisblöcke, überwinden, wie an keinem der ersten Tage. Mehrfach bockte mein Schlitten Poldi. Ob er schon für die Geissböcke trainierte? Er verkantete sich so im Eis, dass ich ihn ohne Hilfe nicht freibekam. Als Zugesel sah ich in diesem Augenblick sicher ziemlich dämlich aus. Meist eilte dann Thomas zu Hilfe.

Pfadfinder Thomas


Suche nach dem besten Weg

Ohne ihn wären wir hier verloren. Er sucht den am besten begehbaren Weg durch das Eislabyrinth. Immer nach Norden. Dabei benutzt er nur von Zeit zu Zeit das GPS-Gerät, um die Position zu überprüfen. Ansonsten navigiert er nach der Sonne. Die bewegt sich in der Stunde auf einem gedachten Kompass um 15 Grad. Um 0 Uhr steht sie genau im Norden. Man muss nur die genaue Ortszeit des Längengrads kennen und schon kann man leicht die eigene Gehrichtung überprüfen. Thomas hat uns auch erklärt, dass man auf dunkle Streifen am arktischen Himmel achten sollte. Dabei handelt es sich um Lichtreflektionen offenen Wassers. Und das sollte man nach Möglichkeit meiden.

Leicht wie eine Feder

Wir mussten heute auch wieder eine heikle Stelle überwinden. „Trampolineis“ nannte Thomas den wackligen Untergrund. Bevor ich hinüberfuhr, gab er mir noch mit auf den Weg: „Wenn du zu hart belastest, liegst du drin.“ Daraufhin glitt ich leicht wie eine Feder über das dünne Eis.

Nordpol als Ostergeschenk?

Nach achteinhalb Stunden bei minus 30 Grad Celsius krochen wir erschöpft in die Schlafsäcke. Thomas hatte uns ganz schön gefordert. „Hart an der Grenze des Erträglichen“, urteilte Eugen. 17,9 Kilometer sind wir dem Nordpol näher gekommen. Noch fehlen 47,3 Kilometer. Sollte das Wetter stabil bleiben und wir das Tempo durchhalten, könnten wir den Pol bereits am Sonntag erreichen. Das wäre doch ein feines Ostergeschenk.

P.S. Um unsere genaue Position zu verfolgen, einfach auf die Karte rechts oben klicken.

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Stefan <![CDATA[Poldis Foul]]> http://blogs.dw.com/nordpol/poldis-foul/ 2009-04-08T17:46:04Z 2009-04-08T17:46:04Z
Schön, aber kalt

Schon auf den ersten Metern spürte ich: Das wird nicht mein Tag. Alpine Skifahrer kennen den ominösen dritten Tag. Die Euphorie der ersten beiden Tage ist plötzlich verflogen. Man schlüpft in die Skier und sie gehorchen nicht mehr. Ständig setzt man sich auf den Hosenboden. Genau so erging es mir. Dazu hatte ich noch ein flaues Gefühl in den Beinen. Mein Schlitten Poldi schien plötzlich mit Blei beladen. Erst nach der ersten Rast ging es etwas besser. Bei einem Skiurlaub kann man sich in die Hütte setzen, hier musst du dich durchbeißen.

Wie eine Dampflok

Es war der Tag der Premieren. Erstmals hörten wir das Eis arbeiten. Es klang wie das Schnauben einer altersschwachen Dampflokomotive. Wir konnten auch sehen, wie sich eine dünne Eisscholle langsam vorschob. Das Spektakel ereignete sich auf einer Eisfläche, die wie ein frisch zugefrorener Weiher aussah. Thomas ermahnte uns, genau auf ihn zu achten. Wenn er den Skistock höbe, sollten wir wegen der dünnen Eisdecke Abstand zueinander halten. Der Stock blieb unten, das Eis hielt.

Nicht allein in der Eiswüste

Premiere Nummer zwei waren Tierspuren. Für einen Eisbären waren sie eindeutig zu klein. Sie gehörten zu einem Polarfuchs, der hier vor kurzem vorbeigelaufen war. Wir sind also nicht allein in der Eiswüste. „Heute ein Fuchs, morgen ein Eisbär“, meinte Frank mit einem breiten Grinsen.


Tägliche Hindernisse

Vorsicht, Wasser!

Und noch eine Neuigkeit gab es. Zum ersten Mal mussten wir offenes Wasser überqueren, eine etwa zwei Meter breite Rinne. In der Mitte war ein kleines Stück zugefroren, über das wir ans andere Ufer gelangen sollten. Thomas legte seinen langen Schlitten quer über die Rinne und meinte lakonisch: „Wenn ihr einbrecht, zieht euch auf den Schlitten.“ Ich muss ehrlich gestehen, dass ich ein leicht mulmiges Gefühl hatte. Schließlich verbirgt sich unter dem Eis ein 4000 Meter tiefes Meer. Als ich meinen Schlitten namens Poldi hinter mir her in die Rinne zog, rutschte er mir in die Hacken. Ich wurde nach vorne geschoben und landete mit den Skispitzen im Wasser. Gott sei Dank rutschte ich nicht weiter und so konnte ich mich wieder rückwärts auf sicheren Boden zurückziehen. Das war ein übles Foul Poldis. Auf dem Fussballplatz hätte er wegen des Tritts von hinten mindestens die gelbe Karte gesehen. Im zweiten Anlauf gelangte ich sicher über die Rinne.
Bisher sind alle von Schäden verschont geblieben. Noch hat sich keiner eine Frostbeule zugezogen, auch wenn das Thermometer immer noch minus 30 Grad und darunter anzeigt.
Unsere Tagesbilanz kann sich sehen lassen: 17,8 Kilometer in acht Stunden. In der Zeit machten wir nur zwei Pausen. „Die sind zum Kotzen“, sagte Arnold, „weil es verdammt kalt ist und man ganz schnell auskühlt.“
Nach dem heutigen Kraftakt werden wir sicher bestens schlafen. Und vom Nordpol träumen, der noch 65,5 Kilometer entfernt ist. Oder von einem heißen Bad oder von den Lieben daheim.

P.S. Franks Freundin Sylvia, nach der er seinen Schlitten benannt hat, feiert heute Geburtstag. Das Nordpol-Team gratuliert herzlich und schenkt ihr ein besonderes Foto von Frank.


P.P.S. Um unsere genaue Position zu verfolgen, einfach auf die Karte rechts oben klicken.

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Stefan <![CDATA[Träumen von der heißen Dusche]]> http://blogs.dw.com/nordpol/traeumen-von-der-heissen-dusche/ 2009-04-07T20:10:01Z 2009-04-07T20:10:01Z Eugen hat sich schon angemeldet. „Wenn wir wieder auf Spitzbergen sind, gehe ich als Erster lange heiß duschen.“ Sagt es und kriecht wieder ein Stück tiefer in den Schlafsack hinein. Die Kälte bleibt für uns das beherrschende Thema. Auch heute hat sie uns wieder tüchtig zugesetzt.

Wir lachen doch über Tiefkühlschränke


Eiswandern

Es begann schon in der Nacht. Trotz Arktis-Spezialschlafsack froren wir. Tiefkühlschränke sind gegen die Kälte hier ein Witz. Während die Elektrogeräte meist bei minus 18 Grad Celsius betrieben werden, schlagen wir uns mit Temperaturen jenseits von minus 30 Grad herum.

Hühnertanz

Alle fürchten vor allem um ihre Finger. Mehrfach wedelten wir wie aufgescheuchte Hühner mit unseren Armen, um die Blutzirkulation wieder in Gang zu bringen. Hätte uns ein Eisbär dabei beobachtet, hätte er uns wahrscheinlich den Vogel gezeigt. Apropos – weder von Eisbären, noch von Vögeln, noch von anderen Lebewesen gibt es hier eine Spur. Nichts, nur wir und das Eis.

Faule Sonne

Langsam, aber sicher verliere ich nicht nur das Gefühl für den Raum, sondern auch für die Zeit. 24 Stunden lang scheint die Sonne und wärmt doch nicht. Wahrscheinlich wird sie hier nur fürs Leuchten bezahlt.


Eisimpressionen

Das Laufen durch die Eiswüste hat fast etwas Meditatives. Die Gedanken kreisen, landen aber doch immer wieder bei der alles beherrschenden Kälte. Acht Stunden lang haben wir ihr heute getrotzt.

Ein Lob zur rechten Zeit

15,3 Kilometer haben wir hinter uns gebracht – Luftlinie wohlgemerkt. 83 Kilometer fehlen noch bis zum Nordpol.
„Ihr schlagt euch wacker“, hat Expeditionsleiter Thomas nach der heutigen Etappe gesagt. Sicher wollte er uns auch ein bisschen Mut machen. Damit wir uns die warme Dusche auf Spitzbergen so richtig verdienen. Erst Eugen, dann wir anderen.

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Stefan <![CDATA[Muskelspiele der Arktis]]> http://blogs.dw.com/nordpol/muskelspiele-der-arktis/ 2009-04-06T17:15:02Z 2009-04-06T17:15:02Z Auf den Tag genau vor 100 Jahren will Robert Peary als erster Mensch den Nordpol erreicht haben. Am Jubiläumstag machen auch wir uns auf den Weg zum Pol.
Für Frank beginnt der Tag mit einem Fehlgriff. Er schaut in sein Frühstücksmüsli und ruft aus: „Da ist ja nur Schokolade drin!“ „Kein Wunder“, sagt Zeltnachbar Arnold, „du hast ja auch die Mousse au Chocolat genommen, den Nachtisch für abends.“

Eiszapfen an der Nase


Selbstporträt

Drei Stunden nach dem Wecken sind die Zelte abgebaut und die Schlitten gepackt. Wir starten bei minus 32 Grad Celsius. Dazu bläst ein leichter, aber durchdringender Wind. An der Neoprenmaske über Nase und Mund bilden sich kleine Eiszapfen. Die Sonnenbrillen packen wir schnell weg. Sie beschlagen von unserem Atem, der sofort gefriert.

Fleischeis

Die Kälte kriecht förmlich von allen Seiten in den Körper. Ich versuche ständig, Finger und Zehen zu bewegen, doch wärmer werden sie davon auch nicht. Linderung verschaffen die Pausen. Ich trinke warmes Wasser und esse Schweizer Schokolade sowie gefriergetrocknetes Fleisch, das zu einem einzigen Klumpen zusammengefroren ist.


Kräfte tanken trotz Kälte

Die Landschaft ist beeindruckend. Eis, so weit das Auge reicht, glatt, verweht oder aufgepresst, Brocken wie willkürlich hingestreut.

Braver Poldi

Mein Schlitten Poldi pariert übrigens prächtig. Er läuft fast wie am Schnürchen, ohne zu kippen, wie sein Namensgeber in Bestform.
Nach sechs Stunden erklärt Thomas die erste Tagesetappe für beendet. In Rekordzeit bauen wir die Zelte auf. Nur heraus aus der Kälte, hinein in den warmen Schlafsack!
Zwölf eiskalte Kilometer sind wir heute dem Nordpol näher gekommen. Die Arktis hat ein wenig die Muskeln spielen lassen. Was, wenn sie einmal richtig ernst macht?

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