Wüste – ohne https://blogs.dw.com/ohne Fasten - drei DW-Reporter im Selbstversuch Tue, 29 Apr 2014 14:57:54 +0000 de-DE hourly 1 Wolfgang: Ändere Dein Leben! https://blogs.dw.com/ohne/2014/03/19/wolfgang-aendere-dein-leben/ Wed, 19 Mar 2014 15:36:54 +0000 http://blogs.dw.com/ohne/?p=525 Wolfgang ThielmannLieber Stefan,

ja: Sie haben von uns den schwersten Part. Sie üben einen Verzicht, dessen Absicht weiter reicht als die 40 Tage. Am Ende steht kein Fastenbrechen, sondern eine Wendung. Das sieht zunächst nicht nach dem herkömmlichen Fasten aus. Doch auf einer tieferen Ebene erfüllt Ihr Weg genau das, wohin uns das Fasten führt.

Beim Fasten begeben wir uns auf den Weg zu uns selbst. Je weiter wir gehen, desto genauer lernen wir uns selbst kennen. Sie erleben das gerade mit allen Schmerzen, die dazu gehören. Zu mir gehören meine Gewohnheiten, meine Erwartungen und meine Abhängigkeiten. Sobald ich mich ihnen verweigere, erfahre ich in aller Konsequenz, wie sehr sie ein Teil von mir sind, wie sehr sie mich beeinflussen, wie abhängig ich bin. Wie sehr sie meine Wahrnehmung beeinflussen. Sie schreiben vom Genuss einer Zigarette zum Wein. Vielleicht werden Sie in einiger Zeit feststellen, wenn Sie einen guten, finessenreichen Wein kosten, wie viel mehr Aromen Sie wahrnehmen, weil kein Nikotin die Papillen betäubt.

Mir selber zu begegnen – das hat ein Ziel. In der Bibel heißt es Metanoia und ist ein Schlüsselwort des Christentums. Martin Luther hat es mit Buße übersetzt. In seinen 95 Thesen kommt es oft vor. Das Wort ist heute korrumpiert wie eine Raucherzunge. Für uns klingt es nach Gegenleistung, nach Ausgleich für eine Verfehlung. Wir zahlen eine Geldbuße.

Metanoia bedeutet aber: Den Sinn woandershin wenden, neue Erkenntnis gewinnen, dem Leben eine Wendung geben. Peter Sloterdijks Buchtitel „Du musst dein Leben ändern“ trifft es (fast) ganz gut. Es kommt aber mehr noch auf die innere Bereitschaft an, die Änderung zuzulassen. Denn die Bibel sagt, dass wir selber die Änderung nicht bewirken können. Das ist Gottes Sache. Unser Part ist es, den Willen und die Bereitschaft dazu zu entwickeln.

Ihr Fasten, Stefan, zielt auf Lebensänderung. Sie wollen aus Abhängigkeiten heraus. Und Sie erfahren gerade schmerzhaft, wie tief diese Absicht Ihr Leben verändert, wie viele Leerstellen es erst einmal schafft. Ihr Fasten führt, wie das, das Jesus praktiziert hat, in die Wüste. Die Veränderung kommt nicht schnell. Sie erleben, dass man sich den Weg erkämpfen muss, mit dem Geschmack von Staub im Mund und mit Sand in den Augen und unter den Füßen, der unter dem Gewicht nachgibt und jedem Schritt größere Mühe abfordert. Und Sie werden deutlicher als wir gewahr, dass wir den Weg zu uns selber zu Ende gehen müssen. Jesus trifft in der Wüste den Teufel. Wir vielleicht auch, weil er in uns steckt und von uns mehr Besitz ergriffen hat, als uns lieb ist.

Die Verheißung, die am Ende des Weges leuchtet, liegt darin: Wer sich selber richtig kennen gelernt hat, der kann bewusster umdenken und sich auf eine neue Lebensrichtung einstellen. Zu Jesu kamen am Ende die Engel und dienten ihm.

Davor liegt der Weg durch die Wüste. Den nimmt Ihnen niemand ab. Vielleicht machen Sie die Erfahrung des Propheten Elia. Der floh entmutigt in die Wüste und wollte sterben. Eigentlich sehnte er sich danach, Gott zu sehen. Er erlebt Sturm, Erdbeben und Feuer. Am Ende kommt ein stilles, sanftes Sausen. Daraus spricht Gott.

Das würden wir gern mit Ihnen erleben.

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Stefan: Allein in der Wüste https://blogs.dw.com/ohne/2014/03/18/schrei-in-der-wueste/ Tue, 18 Mar 2014 14:43:52 +0000 http://blogs.dw.com/ohne/?p=519 Stefan Dege, DW-RADIO/Deutsches Programm, Zeitgeschehen, 19.07.2007Schon, oder besser: erst 14 Tage währt mein heroisches Unterfangen, das Rauchen aufzugeben. 14 Tage ohne blauen Dunst, ohne Aschenbecher, dafür mit Übellaunigkeit, mit allerlei Gegenstrategien und Ersatzbeschäftigungen, vor allem natürlich mit viel Sport. Geht so Fasten? Ist das, was ich mir und meiner Umwelt da zumute, eigentlich Fasten? Und was hat diese Art des Fastens mit einem, nein: meinem Weg zu mir oder zu Gott zu tun? Fragen über Fragen!

Fasten, wie ich es verstehe, ist ein Verzicht auf Zeit. Wer, bitteschön, ist so blöd, nach neun Wochen des Nichtrauchens, was einem Martyrium gleichkommt, wieder anzufangen? Ich müsste doch, wie Journalisten gerne schreiben, „mit dem Klammerbeutel gepudert“ sein. Zur Beruhigung aller: Bin ich nicht. Für mich ist diese Fastenaktion eine Absprunghilfe. Ich möchte von der Droge loskommen. Über Ostern hinaus. Punkt.

Verbindungen zum „klassischen“ Fasten gibt es dann aber doch: Weil ich nach dem Rauchstopp nicht fett werden möchte, ergreife ich Vorsichtsmaßnahmen. Ich stille mein Verlangen nicht ersatzweise mit Süßigkeiten. Ich meide Alkohol und Kaffee, sind es doch solche Verknüpfungen, die mich vom Pfad der Tugend abbringen können: Gehört zur Tasse Kaffee nicht die leckere Zigarette? Raucht es sich nicht wunderbar beim Glas Wein? Sex ohne die berühmte „Zigarette danach?“ Autofahren ohne Glimmstengel? Alles ziiiiiemlich gefährlich. Also sollte ich mein Verhalten ändern und mein Belohnungssystem umstellen.

Betrachte ich meine Mit-Faster Astrid und Klaus, so schwant mir: Die ärmste Sau bin eigentlich ich. Als Raucher auf Abwegen verordne ich mir einen weiter reichenden Verzicht. Ein Richtungswechsel. Jesus ging zum Fasten in die Wüste, heißt es in der Bibel. Er dürfte sich ziemlich allein gefühlt haben – abgesehen von seiner Begegnung mit dem Teufel…

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Klaus: Auf in die Wüste! https://blogs.dw.com/ohne/2014/03/18/klaus-auf-in-die-wueste/ Tue, 18 Mar 2014 14:18:45 +0000 http://blogs.dw.com/ohne/?p=505 KlausWarum ging Jesus zum Fasten in die Wüste? Damit er nicht hilflos suchend zwischen Schokoladenregal, Mettbrötchenbüffet und Kaffeeautomat herumtigern musste wie ich heute. In der Cafeteria reduziert sich meine Auswahl seit Aschermittwoch auf Orangensaft, Naturjoghurt und Obst. Dass der Fastenverzicht auf Kaffee, Fleisch und Zucker bedeutet, sich so elend gesund zu ernähren, hätte ich mir eigentlich vorher denken können. Hab ich aber nicht.

Geb ja zu: Die sprühende Freundlichkeit, mit der mich Kollegen zum Cappuccino einladen wollen, geht mir immer noch wahnsinnig auf die Nerven. Wenn ich dann die Augenbrauen strafend schräg stelle und stechende Blicke zurückschieße, ernte ich empathievolle Kommentare wie „Oh, entschuldige, ich hab vergessen, dass du das nicht darfst“. Da läuft der Waldschrat in mir zu Höchstform auf: „Ich DARF, aber ich WILL nicht!“

Und nun auch noch Astrids Vorschlag, „pragmatisch“ zu fasten: „Verzicht in Maßen, mit einer persönlich-flexiblen Leidensgrenze“! Das klingt wie „ein bisschen schwanger“. Entweder ich verzichte ganz – oder gar nicht. Ich will ja meine Grenzen erfahren, will, dass das Fasten „wirkt“, dass ich mich meinen Schwächen stelle. Um sie dann hoffentlich zu überwinden.

Auch wenn ich wohl den Scherbenhaufen, den ich in diesen sieben Wochen im Umgang mit meinen Mitmenschen anrichte, nach Ostern mühsam wieder zusammenkehren muss. Jesus hatte es ja in der Wüste wenigstens mit dem Teufel zu tun, der ihn in Versuchung führte, bei dem musste er sich danach nicht entschuldigen.

Warum hat eigentlich noch kein Reisebüro „Sahara-Fasten mit Teufelserscheinung“ im Programm? Könnte ein Renner werden!

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