K 2 – Abenteuer Sport https://blogs.dw.com/abenteuersport Blog über Expeditionen und Grenzerfahrungen Wed, 06 Mar 2019 10:38:57 +0000 de-DE hourly 1 Winterexpeditionen: Warten auf Ende des Schneefalls https://blogs.dw.com/abenteuersport/winterexpeditionen-warten-auf-ende-des-schneefalls/ Tue, 22 Jan 2019 13:04:04 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=43323

Iglus im K2-Basislager

Schlechtes Wetter zwingt die Bergsteiger der Winterexpeditionen an den Achttausendern K 2 und Nanga Parbat in Pakistan und am Manaslu in Nepal zur Untätigkeit. Das von Vassiliy Pivtsov angeführte Team aus Kasachstan, Russland und Kirgisien kehrte gestern ins K2-Basislager zurück, nachdem die sieben Bergsteiger nach eigenen Angaben auf der Route über den Abruzzi-Sporn bis auf eine Höhe von 6300 Metern Fixseile gelegt hatten. Die Mannschaft des Spaniers Alex Txikon stieg noch nicht auf, sondern baute im Basislager drei Iglus, in denen insgesamt zehn bis 14 Personen schlafen können. Alex war nach seiner ersten Iglu-Nacht begeistert.

„Beste Nacht meiner acht Winterexpeditionen“

Alex Txikon vor seiner Schlafstätte

„Im Esszelt hatten wir Temperaturen von minus 13 Grad Celsius, im Zelt minus 26 Grad, im Iglu aber schliefen wir bei minus fünf Grad“, berichtete der 37-Jährige. „Ich muss sagen, es war die beste Nacht meiner acht Winterexpeditionen. Wenn du vom Esszelt zum Iglu gehst, frieren alle deine Muskeln ein, deine Hände versteifen sich und der Wind weht dir ins Gesicht. Betrittst du jedoch das Iglu, kehrt Stille ein, das Rauschen des Windes verschwindet.“ Das Team erwägt, auch im vorgeschobenen Basislager Iglus zu bauen.

Noch länger Schneefall am Nanga Parbat

Daniele Nardi im Aufstieg

Am K 2, dem zweithöchsten Berg der Erde, ist noch mindestens bis Mittwochvormittag Ortszeit Schneefall vorhergesagt, am Nanga Parbat möglicherweise sogar bis zum Wochenende. Dort waren der Italiener Daniele Nardi und der Brite Tom Ballard in der vergangenen Woche bei ihrem Versuch, erstmals die so genannte „Mummery-Rippe“, einen markanten Felssporn in der Diamirwand, komplett zu durchklettern, bis auf eine Höhe von 6200 Metern gelangt. „Was habt ihr erwartet? Es ist Winter am neunthöchsten Berg der Erde. Das ist kein Picknick“, schrieb Tom auf Facebook.

Spalte stoppt Moro und Pemba

Hier geht es nicht weiter

Auch am Achttausender Manaslu in Nepal kein anderes Bild: „Schnee, Schnee, Schnee …“, schreibt Simone Moro heute aus dem Basislager. „Hoffentlich hört es bald auf, aber nach der Wettervorhersage von Karl Gabl wird es noch bis zum 29. schneien.“ Am Sonntag hatte der 51 Jahre alte Italiener wissen lassen, dass er und sein nepalesischer Kletterpartner Pemba Gyalje Sherpa wegen des schlechten Wetters gezwungen seien, sich auszuruhen und über einen neuen Plan nachzudenken: „Vielleicht gibt es ja einen Weg, die Probleme zu umgehen, denen wir heute begegnet sind.“ Die beiden waren hinauf auf 6400 Meter geklettert, dann aber von einer Spalte gestoppt worden, die, so Simone, „nur mit Leitern (die wir nicht haben und auch unter keinen Umständen benutzen würden) überwunden werden kann.“

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Nanga Parbat: Nardi und Co. erneut in Lager 3 https://blogs.dw.com/abenteuersport/nanga-parbat-nardi-und-co-erneut-in-lager-3/ Tue, 15 Jan 2019 19:01:33 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=43243

Daniele Nardi in Lager 3

Während die Winter-Expeditionsteams an den Achttausendern K 2 und Manaslu gerade erst ihre Basislager bezogen haben, sind der Italiener Daniele Nardi und seine drei Mitstreiter am Nanga Parbat schon deutlich weiter. Daniele stieg heute mit dem Briten Tom Ballard und den beiden pakistanischen Bergsteigern Rahmat Ullah Baig und Karim Hayat erneut nach Lager 3 auf 5700 Metern auf, direkt unterhalb der Mummery-Rippe. Vor fünf Tagen hatten die vier Bergsteiger dort ein Zelt deponiert und waren dann wieder ins Basislager abgestiegen.

Zweiter Anlauf

Position von Lager 3, darüber die markante Mummery-Rippe

Tom und Karim hätten gespurt, Daniele und Rahmat seien mit dem schweren Gepäck gefolgt, ließ Nardis Team heute auf Facebook wissen. „Es war heute wirklich schwer, von Lager 1 nach Lager 3 zu gelangen, mit einem 30 Kilogramm schweren Rucksack auf den Schultern und dem Wind, der uns nicht gerade half“, gab Daniele per Funk durch. „Als wir das Zelt erreichten, fanden wir es tief im Schnee vor. Wir arbeiteten hart daran, alles wieder in Ordnung zu bringen.“

Nardi und Co. wollen die Mummery-Rippe erstmals vollständig durchklettern. Der britische Pionier Albert Frederick Mummery hatte 1895 über den markanten Felssporn in der Diamir-Wand den ersten ernsthaften Besteigungsversuch überhaupt an einem Achttausender gewagt. Mit dem Gurkha Ragobir war er bis auf eine Höhe von 6100 Metern gelangt. Nardi versucht sich bereits zum zweiten Mal an dieser Route: Im Winter 2013 kletterte er mit der Französin Elisabeth Revol bis auf eine Höhe von rund 6400 Metern.

K2-Basislager erreicht

K2-Team aus Russland, Kasachstan und Kirgisien

Derweil haben die sieben Bergsteiger der K2-Winterexpedition aus Russland, Kasachstan und Kirgisien ihr Basislager auf rund 5200 Meter Höhe zu Füßen des zweithöchsten Bergs der Erde aufgeschlagen. Nachdem sie dort gestern eingetroffen waren, machten sich vier Teammitglieder auf den Weg Richtung vorgeschobenes Basislager, konnten den dafür vorgesehenen Platz wegen schlechten Wetters noch nicht erreichen.

Mit den beiden Polen Marek Klonowski und Pawel Dunaj haben heute auch die ersten beiden Bergsteiger aus dem Team des Spaniers Alex Txikon das Basislager erreicht. Das Gros der Teilnehmer, inklusive Txikon, wird am Mittwoch dort erwartet. Mit Waldemar Kowalewski wird in einigen Tagen ein dritter polnischer Bergsteiger zum Team stoßen. Der 45-Jährige hat bisher drei Achttausender bestiegen: 2014 den Mount Everest, 2017 den Lhotse und den Broad Peak. Am Manaslu erreichte er 2016 laut der Chronik „Himalayan Database“ den Vorgipfel auf 8125 Metern.

Moro und Pemba Sherpa im Manaslu-Basislager

Basislager am Manaslu

Der Italiener Simone Moro und der Nepalese Pemba Gyalje Sherpa haben ihr Basislager am Achttausender Manaslu im Westen Nepals bezogen. Nachdem sie zuvor den Sechstausender Mera Peak im Khumbu-Gebiet bestiegen hatten, um sich zu akklimatisieren, ließen sie sich gestern mit dem Hubschrauber von Kathmandu aus direkt ins Basislager auf 4800 Metern fliegen. „Wegen des Schnees können die Träger nicht hierhin gelangen”, schrieb Simone am Montag auf Facebook. „Die Wetterbedingungen sind gut, definitiv besser als 2015. Natürlich ist es ein bisschen kalt, heute minus 25 Grad Celsius. Möge das Abenteuer beginnen!“ 2015 war der 51-Jährige mit der Südtirolerin Tamara Lunger am Manaslu an den gewaltigen Schneemassen jenes Winters gescheitert.

Update 16. Januar: Daniele Nardi und Tom Ballard kletterten an der Mummery-Rippe bis auf eine Höhe von 6200 Metern und deponierten dort Material. Alex Txikon und Co. haben das K2-Basislager erreicht.

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Winterexpeditionen gestartet https://blogs.dw.com/abenteuersport/winterexpeditionen-gestartet/ Fri, 04 Jan 2019 12:20:52 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=43185

Alex Txikon (l.) und Simone Moro in Lhukla

Mehrere Winterexpeditionen im Himalaya und Karakorum sind in den ersten Tagen des Jahres angerollt. In Lhukla in Nepal trafen sich zwei der drei Wintererstbesteiger des Nanga Parbat von 2016, die diesmal unterschiedliche Ziele haben: Der Spanier Alex Txikon will sich am K 2 in Pakistan versuchen, dem letzten in der kalten Jahreszeit noch unbestiegenen Achttausender, den Italiener Simone Moro zieht es erneut zum Manaslu. An dem 8167 Meter hohen Berg im Westen Nepals war der 51-Jährige 2015 mit der Südtirolerin Tamara Lunger an den gewaltigen Schneemassen jenes Winters gescheitert. In diesem Jahr will Moro nach Informationen der in Kathmandu erscheinenden Zeitung „The Himalayan Times“ mit dem Nepalesen Pemba Gyalje Sherpa ohne Flaschensauerstoff über die Normalroute aufsteigen. Um sich zu akklimatisieren, wollten die beiden den 6476 Meter hohen Trekkinggipfel Mera Peak im Khumbu-Gebiet besteigen.

Auch zwei Polen in Txikons K2-Team

Alex Txikon reiste inzwischen mit seinem Sherpa-Team nach Islamabad. Dort trifft er seinen spanischen Kletterpartner Felix Criado und weitere Landsleute aus dem K2-Expeditionsteam – außerdem die Polen Marek Klonowski und Pawel Dunaj. Beide haben mehrmals an Winterexpeditionen zum Nanga Parbat teilgenommen. „Wir werden sicherlich nicht die erste Geige spielen, wenn wir überhaupt Geige spielen“, sagte Pawel in einem Interview des polnischen Radiosenders „RMF 24“. „Aber wir werden versuchen, so viel wie möglich zu helfen.“

Nur noch sieben Bergsteiger in Pivtsovs Mannschaft

Pivtsovs Team in Islamabad

Während Txikons Team also anwuchs, schrumpfte die Mannschaft der K 2-Winterexpedition aus Russland, Kirgisien und Kasachstan. Es fehlte an Geld, um – wie ursprünglich geplant – mit elf Bergsteigern den zweithöchsten Berg der Erde (8611 Meter) anzugehen. Nun wird der erfahrene Kasache Vassily Pivtsov, der bereits alle 14 Achttausender bestiegen hat, sechs weitere Kletterer anführen: die Russen Artem Brown, Roman Abildaev und Konstantin Shepelev, die Kasachen Tursunali Aubakirov und Dmitry Muraviov sowie den Kirgisen Mikhail Danichkin. Das Team aus den früheren GUS-Staaten hat sich auf den Weg nach Nordpakistan gemacht.

Nardi und Ballard in Lager 1

Daniele Nardi am Nanga Parbat

Noch im alten Jahr waren der Italiener Daniele Nardi und der Brite Tom Ballard im Basislager zu Füßen des Nanga Parbat eingetroffen. Sie wollen – wie berichtet – zusammen mit den beiden pakistanischen Bergsteigern Rahmat Ullah Baig und Kareem Hayat den 8125 Meter hohen Berg auf neuer Route besteigen – über die bisher noch nicht gemeisterte Mummery-Rippe in der Diamir-Wand. Die Bergsteiger stiegen bereits zu Lager 1 auf 4700 Metern auf.

 

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Kommerzielle Everest-Winterexpedition abgeblasen https://blogs.dw.com/abenteuersport/kommerzielle-everest-winterexpedition-abgesagt/ Wed, 05 Dec 2018 10:30:57 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=42885

Mount Everest (l.)

Im kommenden Winter wird es nun doch keine kommerzielle Winterexpedition zum höchsten Berg der Erde geben. Der nepalesische Veranstalter „Seven Summit Treks“ (SST) verschob nach eigenen Angaben sein Everest-Projekt um ein Jahr auf den Winter 2019/2020. „Wir sind in diesem Winter personell ausgelastet“, schreibt mir Vorstandsmitglied Chhang Dawa Sherpa. Ein starkes SST-Team werde den Spanier Alex Txikon auf dessen anstehender Winterexpedition zum K 2 in Pakistan begleiten.

Interessenten abgesprungen

Alex Txikon im Winter 2017 am Everest

Zuvor hatte der US-Bergsteiger und Blogger Alan Arnette unter Berufung auf SST-Geschäftsführer Tashi Lakpa Sherpa berichtet, dass zwei der ursprünglich fünf Interessenten für die Winterexpedition abgesagt hätten und das Projekt deswegen um ein Jahr vertagt worden sei. Erstmals überhaupt war – wie berichtet – eine Everest-Winterexpedition als kommerzielle Veranstaltung ausgeschrieben worden. Alex Txikon hatte mit Hinweis darauf seinen ursprünglichen Plan aufgegeben, den dritten Winter in Folge zum höchsten Berg der Erde aufzubrechen, um zu versuchen, ihn ohne Flaschensauerstoff zu besteigen. „Ganz ehrlich, die Aussicht, eine kommerzielle Expedition mit am Berg zu haben, hat mich abgeschreckt“, hatte der 36-Jährige gesagt.

Letzter Erfolg vor 25 Jahren

Die Bergsteiger-Chronik „Himalayan Database“ verzeichnete bisher erst 15 Everest-Gipfelerfolge im meteorologischen Winter. Für die Wetterforscher beginnt die kalte Jahreszeit bereits am 1. Dezember, während der kalendarische Winter erst mit der Wintersonnenwende am 21. oder 22. Dezember startet. Die erste Winterbesteigung gelang am 17. Februar 1980 den beiden Polen Krzysztof Wielicki und Leszek Cichy. Der Einzige, der den höchsten Berg der Erde im Winter ohne Atemmaske bestieg, war Ang Rita Sherpa am 22. Dezember 1987. Das Wetter an jenem Tag war ungewöhnlich gut. Die große Kälte im Winter sorgt normalerweise dafür, dass der Luftdruck im Gipfelbereich noch weiter absinkt. Ein Aufstieg ohne Atemmaske liegt dann im absoluten Grenzbereich des Möglichen.

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Verborgene Helden des Bergsteigens in Pakistan https://blogs.dw.com/abenteuersport/verborgene-helden-des-bergsteigens-in-pakistan/ Wed, 21 Nov 2018 13:38:53 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=42779

Dreimal K 2 ohne Atemmaske: Fazal Ali

Entschuldigung, Fazal Ali – dass mir im vergangenen Sommer deine außergewöhnliche Leistung am K 2 einfach durchgeflutscht ist! Die erste Skiabfahrt vom zweithöchsten Berg der Erde durch den Polen Andrzej Bargiel habe ich gewürdigt. Auch dass Muhammad Ali „Sadpara“, der pakistanische Wintererstbesteiger des Nanga Parbat, am K 2 seine Sammlung der fünf Achttausender seines Heimatlandes vervollständigte, habe ich registriert – und dass es eine Rekordsaison am „Chogori“ war, wie ihr Einheimischen den Berg nennt. Aber dass du, Fazal, als erster Bergsteiger weltweit zum dritten Mal nach 2014 und 2017 ohne Flaschensauerstoff den 8611 Meter hohen Gipfel des „Königs der Achttausender“ erreicht hast, ist mir entgangen. Umso tiefer ziehe ich jetzt meinen Hut!

Keine Wertschätzung

K 2

Dass ich Alis Leistung nicht registriert habe, ist ärgerlich, kommt aber nicht von ungefähr. Über die sozialen Netzwerke erfahren wir in der Regel sehr schnell, wenn etwa der bisher jüngste Brite den K 2 bestiegen hat, die erste Frau aus der Schweiz, aus Mexiko, der Mongolei … Doch über die pakistanischen Begleiter der Achttausender-Expeditionen im Karakorum wird eher selten geredet. „Ich bin glücklich“, sagte Fazal Ali nach seinem K2-Triple jüngst einem Reporter der Nachrichtenagentur AFP. „Aber ich bin auch untröstlich, weil meine Leistung nie wirklich geschätzt wird.“ So wie dem 40-Jährigen aus dem Shimshal-Tal dürfte es den meisten pakistanischen Hochträgern und Bergführern in Diensten kommerzieller Expeditionen gehen: Zum Arbeiten sind sie gut genug, doch auf das Gipfelfoto sollen sie nicht. „Diese verborgenen Helden tragen zum Erfolg vieler westlicher Bergsteiger bei und unterstützen auch den Abenteuertourismus im Land“, schreibt mir Mirza Ali Baig. „Aber sie werden weder von den westlichen Kunden der Expeditionen noch von der (pakistanischen) Regierung dafür wertgeschätzt.“

Weniger Jobs durch Einsatz von Sherpas

Mirza Ali Baig

Mirza Ali Baig ist 35 Jahre alt und kommt wie Fazal Ali aus Shimshal. Seine Schwester Samina Baig war 2013 die erste pakistanische Frau, die den Gipfel des Mount Everest erreichte. Mirza Ali ist Chef des pakistanischen Veranstalters „Karakorum Expeditions“. Der Bergsteiger, Filmemacher und Fotograf legt den Finger in eine weitere Wunde: „Die meisten westlichen Unternehmen engagieren für ihre Expeditionen Sherpas aus Nepal. Damit sinken die Chancen für Einheimische, einen Job zu bekommen. Sherpas arbeiten jetzt in Pakistan, aber kein einziger Pakistani in Nepal.“ Für die  Einheimischen, so Baig, gehe es schließlich bei „solchen Abenteuern“ nicht wie bei den westlichen Bergsteigern um Spaß oder Selbstverwirklichung, sondern „um den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien und darum, die Bildung ihrer Kinder zu finanzieren“.

Bergausbildung fehlt

Träger auf dem Baltoro-Gletscher

Er räumt ein, dass die Sherpas im Schnitt erfahrener und trainierter seien als die Einheimischen. „Über Jahrzehnte haben westliche Bergsteiger in Nepal ihre alpinistischen Fähigkeiten an die Sherpas weitergegeben und sie angeleitet. Eine vergleichbare Chance haben die pakistanischen Hochträger – ich würde sie eher Höhenbergführer nennen – nicht erhalten. In Pakistan gibt es zudem kein einziges Institut, an dem Bergsteigen oder auch Outdoor-Tourismus gelehrt wird.“  Hier sieht Baig die pakistanische Regierung in der Pflicht: „Sie hat die Tourismusindustrie noch nie wirklich ernst genommen.“  Dem Einsatz nepalesischer Sherpas könnte Mirza Ali auch Gutes abgewinnen, „wenn sie mit den Einheimischen zusammenarbeiten und deren Fähigkeiten verbessern, besonders beim Anlegen von Fixseilen und bei anderen Diensten in großer Höhe. Das wäre für beide gut.“

Vorbilder für junge Menschen

Vielleicht würde den pakistanischen Bergsteigern dann auch eines Tages jene Wertschätzung zuteil, die Sherpas in Nepal schon seit Jahrzehnten genießen und die einigen von ihnen in der Folge auch bescheidenen Wohlstand beschert hat. Bemerkenswerte Erfolge wie jener von Fazal Ali am K 2, sagt Baig, seien „wahrhaft inspirierend und haben eine Vorbildfunktion für junge Leute – nicht nur im Bergsteigen, sondern auch darüber hinaus“. Aber nur, wenn man auch davon erfährt.

P.S.: Liebe Freunde in Pakistan, ich bin immer auf der Suche nach Informationen aus erster Hand und dankbar, wenn ich sie erhalte. Also lasst mich bitte wissen, wenn wieder jemand so einen tollen Erfolg im Karakorum feiert wie Fazal Ali!

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K 2-Winterexpedition: „Demokratie schwächt das Team“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/k-2-winterexpedition-demokratie-schwaecht-das-team/ Mon, 19 Nov 2018 23:14:34 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=42745

K 2, der „König der Achttausender“

Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass der K 2 solange regelmäßig im Winter belagert wird, bis auch er in der kalten Jahreszeit bestiegen ist. Der zweithöchste Berg der Welt ist der letzte verbliebene Achttausender, dessen Gipfel im Winter noch unberührt ist. Nach der gescheiterten polnischen Expedition Anfang dieses Jahres wird sich im kommenden Winter ein Team aus drei Staaten der früheren Sowjetunion am „Chogori“, wie die einheimischen Balti den Berg nennen, versuchen: Fünf Russen, vier Kasachen und zwei Kirgisen. „Wir müssen spätestens am 2. Januar in Islamabad sein“, schreibt mir Artem Brown. Der 1976 geborene Russe organisiert die Winterexpedition.

Ohne Flaschensauerstoff

Pivtsov und Zhumayev auf den letzten Metern zum Gipfel des K 2 (2011)

Expeditionsleiter wird Vassiliy Pivtsov sein. Der 42 Jahre alte Kasache hat alle 14 Achttausender bestiegen. Im August 2011 komplettierte er seine Sammlung am K 2: Mit seinem Landsmann Maxut Zhumayev, dem Polen Darek Zaluski und der Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner erreichte er damals den Gipfel über die selten begangene Nordpfeiler-Route auf der chinesischen Seite des Bergs. Zhumayev und Kaltenbrunner vervollständigten damals ebenfalls ihre Achttausender-Sammlungen, sie hatten an allen Bergen auf Flaschensauerstoff verzichtet. Pivtsov hatte lediglich beim Abstieg vom Mount Everest zur Atemmaske gegriffen, weil es ihm schlecht gegangen war. Die erste Winterbesteigung des K 2 will Pivtsovs Team ohne Flaschensauerstoff schaffen. Nur für mögliche Notfälle ist Sauerstoff im Gepäck.

Wie ein Leuchtturm am Rande des Ozeans

Blick auf den K 2 vom Basislager aus

Die Bergsteiger aus Russland, Kasachstan und Kirgisien wollen über die klassische Route der Erstbesteiger, den Abruzzi-Sporn aufsteigen. „Das ist ziemlich sicher“, sagt Artem Brown. „Im Laufe der Expedition daran etwas zu ändern, wäre ein Faktor, der die Sache komplizierter machen würde.“ Kompliziert genug ist das Vorhaben ohnehin schon. Der K 2 ist nicht umsonst der letzte verbliebene im Winter noch unbestiegene Achttausender. „Er ist der nördlichste Achttausender, der dazu noch wie ein Leuchtturm am Rande des Ozeans liegt, voll im Wind. Das Wetter ist unberechenbar“, erklärt Artem. Dennoch ist er zuversichtlich, dass die Bergsteiger aus drei Nationen am Ende den Winter-Coup landen können. „Wir haben ein gutes Team, mehrere Winterexpeditionen liegen hinter uns. Wir haben genug Erfahrung, um einen Versuch zu starten. Der K 2 wird uns prüfen.“

„Bergsteigen populärer machen“

Artem Brown

Die Entscheidungen am Berg werde Expeditionsleiter Pivtsov treffen, macht Artem Brown klar. Es werde keine demokratischen Abstimmungen über die Taktik geben: „Demokratie auf einem U-Boot? Demokratie im Krieg? Das schwächt das Team.“

Anfang des Jahres fieberte ganz Polen mit den Bergsteigern der K2-Winterexpedition mit. Eine ähnliche Begeisterung in Russland, Kasachstan und Kirgisien erwartet Artem nicht. „Es gibt schon ein paar Leute in unseren Ländern, die uns bewundern. Aber landesweit ist es eher ein Jammer. Vielleicht gelingt es uns ja, das Bergsteigen populärer zu machen.“

Kommt auch Alex Txikon?

Möglicherweise trifft Artem Brown am K 2 einen alten Bekannten wieder. Auch der Spanier Alex Txikon hat für diesen Winter eine Besteigungsgenehmigung der pakistanischen Regierung für den 8611 Meter hohen Berg im Karakorum. Txikon, der in den vergangenen beiden Wintern am Mount Everest gescheitert war, hat allerdings bisher noch offen gelassen, ob er das K2-Permit auch wirklich nutzen wird. Brown und Txikon hatten im Frühjahr 2014 gemeinsam mit den Russen Denis Urubko und Dmitrii Sinev sowie dem Polen Adam Bielecki eine neue Routenvariante durch die Nordwand des Achttausenders Kangchendzönga eröffnet. Urubko hatte damals als einziger des Teams den Gipfel auf 8586 Meter erreicht.

P.S.: Die Mitglieder der internationalen K2-Winterexpedition kommunizieren via Instagram:@winterk2exp2019.

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Erste komplette Skiabfahrt vom K 2 geglückt https://blogs.dw.com/abenteuersport/erste-komplette-skiabfahrt-vom-k-2-geglueckt/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/erste-komplette-skiabfahrt-vom-k-2-geglueckt/#comments Mon, 23 Jul 2018 15:41:01 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=41475

Andrzej Bargiel zurück im K 2-Basislager

Der Pole Andrzej Bargiel hat K 2-Geschichte geschrieben. Dem 30-Jährigen gelang gestern nach eigenen Angaben die erste vollständige Skiabfahrt vom zweithöchsten Berg der Erde. Er sicherte sich damit den „Heiligen Gral“, an dem vorher einige der besten Skibergsteiger der Welt – wie 2001 der Südtiroler Hans Kammerlander – gescheitert waren. Nachdem Andrzej am Sonntag den Gipfel auf 8611 Metern erreicht habe, sei er mit seinen Skiern in einem Zug über eine Kombination mehrerer Routen bis ins Basislager abgefahren, teilte sein Sponsor mit, ein Brausehersteller aus Österreich: „Vom Gipfel fuhr er entlang der Schulter Richtung Cesen-Route (auch als Basken-Route bekannt), an riesigen Seracs vorbei, dann über die extrem schwierige Messner-Traverse und schließlich über die Kukuczka-Piotrowski-Route (die von den beiden Polen 1986 eröffnet worden war). Am Ende musste er noch einige Schneefelder voller Spalten meistern. Er überwand alle Schwierigkeiten und erfüllte sich seinen Traum, indem er das eigentlich Unmögliche erreicht hat.“

Einfach nur froh“

Auf der Abfahrt

„Ich bin einfach nur froh, dass ich nicht mehr wieder herzukommen brauche“, sagte Andrzej im Basislager, von den Strapazen sichtlich gezeichnet, aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Beim Aufstieg war er von seinem Landsmann Janusz Golab und einem Sherpateam unterstützt worden. „Der  K 2 ist sicher der anspruchvollste und auch gefährlichste Achttausender, den man mit Skiern befahren kann“, sagte mir Luis Stitzinger vor einem Jahr, als erst der Slowene Davo Karnicar und später auch Bargiel ihre Versuche einer vollständigen Abfahrt aufgegeben hatten. Der 49 Jahre alte Stitzinger – der vor wenigen Tagen mit dem Gasherbrum I seinen achten Achttausender bestiegen hatte – war 2011 am zweithöchsten aller Berge aus einer Höhe von 8050 Metern bis ins Basislager gefahren.

Keinen flachen Meter

Andrzejs Skiroute

„Am K 2 musst du ein guter Steilwandfahrer sein  und immer hundert Prozent Einsatz bringen, weil es nicht einen flachen Meter gibt.“ Ein weiterer Gefahrenfaktor seien die immer wärmeren Temperaturen im Karakorum als Folge des Klimawandels. „Da fährst du oben auf knackhartem Schnee los und kommst unten im butterweichen an. Gerade im unteren Bereich drohen dann auch Nassschneelawinen, die durch die Rinnen donnern.“

 

Rekordsaison und ein Todesfall

Muhammad Ali „Sadpara“ auf dem Gipfel des K 2

Am Samstag und Sonntag erreichten insgesamt 63 Bergsteiger den Gipfel des K 2, so viele wie noch nie zuvor in einer Saison. Darunter war auch der Pakistani Muhammad Ali „Sadpara“, der im Februar 2016 zu den Wintererstbesteigern des Nanga Parbat gehört hatte. Der 42-Jährige vervollständigte mit dem K 2 seine Sammlung der fünf Achttausender in seinem Heimatland Pakistan. Auch eine traurige Nachricht wurde vom K 2 gemeldet: Der 41 Jahre alte Japaner Kojiro Watanabe stürzte beim Abstieg vom Gipfel auf rund 8300 Metern in den Tod. R.I.P.

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Kanadischer Bergsteiger stirbt am K 2 https://blogs.dw.com/abenteuersport/kanadier-stirbt-am-k-2/ Sat, 07 Jul 2018 15:51:25 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=41325

K 2, vom Basislager aus gesehen

Wieder eine traurige Nachricht aus dem Karakorum: Der Kanadier Serge Dessureault ist am K 2, dem zweithöchsten Berg der Erde, aus einer Höhe von 6700 Metern  in den Tod gestürzt. Das teilte der pakistanische Alpinclub mit. Die Leiche des 53-Jährigen sei ins vorgeschobene Basislager gebracht worden. Dessureault leitete eine Expedition aus Quebec. Die vier Teilnehmer wollten als erste Bergsteiger aus dieser kanadischen Provinz den 8611 Meter hohen Gipfel des K 2 erreichen. Sie wollten über die sogenannte Abruzzi-Route (den Südostgrat) aufsteigen.

2007 auf dem Everest

R.I.P.

Dawa Sherpa vom nepalesischen Veranstalter Seven Summit Treks schrieb auf Facebook, Serge sei von unterhalb eines Kamins auf Höhe von Lager 2 abgestürzt. Dabei kann es sich eigentlich nur um den House-Kamin handeln, eine Kletterpassage durch einen Felsriss, die 1938 erstmals von dem US-Amerikaner Bill House gemeistert worden war.

Dessureault arbeitete als Feuerwehrmann in Montreal. 2007 hatte er den Mount Everest von der tibetischen Nordseite aus bestiegen. – Am vergangenen Wochenende war bei einem Lawinenunglück am 7338 Metern hohen Ultar Sar im Karakorum ein österreichischer Bergsteiger ums Leben gekommen.

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Achttausender-Saison in Pakistan läuft https://blogs.dw.com/abenteuersport/achttausender-saison-in-pakistan-laeuft/ Wed, 13 Jun 2018 14:20:49 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=41135

Nanga Parbat

Fast nahtlos ist die Frühjahrssaison an den höchsten Bergen Nepals in die Sommersaison an den Achttausendern Pakistans übergegangen. Die ersten Expeditionsteams haben die Basislager erreicht. So traf der südafrikanische Abenteurer Mike Horn bereits vor einer Woche auf der Diamir-Seite des Nanga Parbat ein. Inzwischen sind der 51-Jährige und seine Mitstreiter bereits einmal bis auf 5900 Meter aufgestiegen. Ebenfalls an dem 8125 Meter hohen Berg versucht sich Maya Sherpa. Im Mai hatte die 40 Jahre alte Sherpani am Kangchendzönga auf rund 8500 Metern umkehren müssen. Weniger als 100 Höhenmeter hatten Maya noch bis zum Gipfel gefehlt. Mit dem Rumänen Alex Gavan und dem Türken Tunc Findik haben sich zwei weitere bekannte Bergsteiger auf den Weg zum Nanga Parbat gemacht. Der 36 Jahre alte Gavan, im Frühjahr am Dhaulagiri gescheitert, hat bisher sechs Achttausender bestiegen.  Für den 46 Jahre alten Findik, den erfolgreichsten Höhenbergsteiger der Türkei, wäre der Nanga Parbat im Erfolgsfall sein zwölfter der 14 Achttausender.

Ziel: Gasherbrum-Neuland betreten

Die Gasherbrum-Gruppe

Die beiden Polen Adam Bielecki und Jacek Czech sowie der Deutsche Felix Berg werden im Gasherbrum-Massiv unterwegs sein. Akklimatisieren will sich das Trio am 8035 Meter hohen Gasherbrum II. Anschließend wollen die drei Bergsteiger versuchen, eine neue Route durch die Ostwand des 7925 Meter hohen Gasherbrum IV zu eröffnen.  Ein weiteres mögliches Ziel ist der noch unbestiegene 6955 Meter hohe Gasherbrum VII. Felix Berg hatte im Mai den Achttausender Cho Oyu in Tibet ohne Flaschensauerstoff bestiegen. Im Frühjahr 2017 hatten Bielecki und Berg gemeinsam mit dem Kanadier Louis Rousseau und dem Briten Rick Allen die selten begangene Annapurna-Nordwestwand durchsteigen wollen, hatten aber wegen schlechten Wetters aufgeben müssen.

Achttausender Nr. 8 für von Melle und Stitzinger?

Alix von Melle und Luis Stitzinger

Auch das deutsche Höhenbergsteiger-Ehepaar Alix von Melle und Luis Stitzinger – beide haben sieben bestiegene Achttausender auf dem Konto – steuern die Gasherbrum-Gruppe an. Die 46-Jährige und ihr drei Jahre älterer Ehemann wollen im Alpinstil den 8080 Meter hohen Gasherbrum I, auch Hidden Peak genannt, von Süden her besteigen. Ihre Ski haben sie mit im Gepäck. Zuvor versuchen Alix und Luis, mit einer Gruppe des Expeditionsveranstalters Amical Alpin den 7082 Meter hohen Urdok Kangri II erstmals zu besteigen.  Luis leitet die Gruppe.

Am K 2 (8611 Meter) und dem benachbarten Broad Peak (8051 Meter) schlagen mehrere Expeditionsteams ihre Zelte auf. So hat sich – wie schon im Sommer 2017 – der Pole Andrzej Bargiel die erste komplette Skiabfahrt vom Gipfel des K 2 vorgenommen, des zweithöchsten Berg der Erde.

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K 2-Winterexpedition gescheitert https://blogs.dw.com/abenteuersport/k-2-winterexpedition-gescheitert/ Mon, 05 Mar 2018 16:07:54 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=39879

„König der Achttausender“

Der K 2 bleibt der einzige im Winter noch unbestiegene Achttausender. Krzysztof Wielicki erklärte die polnische Winterexpedition am zweithöchsten Berg der Erde für beendet. „Priorität bei der Expedition hat die Sicherheit der Teilnehmer“, begründete der Expeditionsleiter auf Facebook seinen Entschluss. Adam Bielecki und Janusz Golab hätten bei einem Erkundungsaufstieg festgestellt, dass alle Seile hinauf nach Lager 1 auf der Abruzzi-Route blockiert seien. Man müsse davon ausgehen, dass Lager 1, 2 und 3 zerstört worden seien, so Wielicki. In der letzten Woche habe es 80 Zentimeter Neuschnee gegeben. Das habe die Lawinengefahr vor allem im oberen Bereich des Bergs erhöht. Zudem werde lediglich um den 11. März ein Schönwetterfenster erwartet, das aber voraussichtlich zu kurz sei, um einen Gipfelvorstoß zu wagen.

Viel Unruhe

Bielecki, nachdem er von einem Stein getroffen worden war

Die Expedition, bei der die besten polnischen Höhenbergsteiger vereint waren, lief nicht gerade rund. Erst war ein Teil des Teams in die Rettungsaktion für Elisabeth Revol und Tomek Mackiewicz am Nanga Parbat eingebunden. Dann wurden innerhalb weniger Tage zwei Bergsteiger durch Steinschlag auf der Basken-Route verletzt. Bielecki brach sich die Nase, konnte die Expedition jedoch fortsetzten. Rafal Fronia brach sich den Unterarm, er musste vorzeitig abreisen. Das Team schwenkte auf die Abruzzi-Route um. Für weitere Unruhe sorgte der Solo-Aufstieg von Denis Urubko, der nicht mit Expeditionsleiter Wielicki abgesprochen war. Der 44-Jährige erreichte eine Höhe von 7600 Metern, ehe Sturm und tiefer Schnee ihn stoppten. Nach der Rückkehr ins Basislager verließ Urubko die Expedition.

 

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Txikon verlässt Everest, Urubko den K 2 https://blogs.dw.com/abenteuersport/txikon-verlaesst-everest-urubko-den-k-2/ Wed, 28 Feb 2018 21:41:45 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=39811

Alex Txikon beendet Everest-Expedition

Anderthalb Wochen Afrika mit der Besteigung des 5895 Meter hohen Kilimandscharo liegen hinter mir. Allerhöchste Zeit, auf die beiden Winterexpeditionen am Mount Everest und K 2 zu blicken. Denn die sorgten während meiner Abwesenheit für jede Menge Gesprächsstoff, vor allem jene am K 2. Zunächst jedoch zum höchsten aller Berge. Der Spanier Alex Txikon hat – wie im Vorjahr – seinen Versuch abgebrochen, den Mount Everest im Winter ohne Flaschensauerstoff zu besteigen.  Ein Gipfelversuch in der vergangenen Woche endete auf 7850 Metern, knapp unterhalb des Südsattels, weil die Kälte sehr viel strenger und der Wind deutlich stärker waren als vorhergesagt. 

Keine schnelle Wetterbesserung in Sicht

Umkehr in der Lhotse-Flanke

„Die Wahrheit ist, dass dies keine leichten Augenblicke sind. Es war meine größte Hoffnung, von Lager 4 zum Gipfel aufzubrechen. Aber der Berg ist derjenige, der entscheidet“, sagte Alex. „Und es war unmöglich, bei diesen Verhältnissen weiter voranzukommen.  Am Ende ist es am wichtigsten für das gesamte Team, sicher zurückzukehren und weiter träumen und den Berg genießen zu können.“ Da das Permit für den Everest Ende Februar auslaufe und auch bis Mitte März keine Wetterbesserung in Sicht sei, habe man beschlossen, die Expedition abzubrechen.

Urubkos Umkehr auf 7600 Metern

Denis Urubko am K 2

Auch für Denis Urubko ist seine Winterexpedition beendet – allerdings aus völlig anderen Gründen. Der gebürtige Russe, der seit 2015 auch einen polnischen Pass hat, verließ heute im Streit die polnische Expedition am K 2, dem zweithöchsten Berg der Erde. Ende der vergangenen Woche hatte er – ohne Absprache mit Expeditionsleiter Krzysztof Wielicki – einen Solo-Gipfelversuch gewagt. Zuvor hatte er seinen leistungsstarken Teamkollegen Adam Bielecki davon  überzeugen wollen mitzukommen.  Doch der Pole, mit dem Urubko Ende Januar am Nanga Parbat die Französin Elisabeth gerettet hatte, lehnte ab.  Denis erreichte nach eigenen Angaben eine Höhe von rund 7600 Metern, knapp unterhalb der so genannten „Schulter“ des K 2. Wegen Sturms kehrte der 44-Jährige dort schließlich um.

Zerwürfnis mit Wielicki

Urubko (l.) und Wielicki (r.)

Urubko hatte schon im Vorfeld der Expedition in einem Interview mit alpinismonline.com erklärt, dass für ihn eine Winterexpedition nur dann erfolgreich sei, wenn der Gipfel vor Ende Februar erreicht sei. Offenkundig war er mit dem schleppenden Fortgang der Expedition unzufrieden und versuchte es auf eigene Faust. „Es war meine Chance etwas zu tun und nicht nur im Basislager herumzusitzen,“ sagte Urubko. „Ich denke, ich muss mich nicht entschuldigen. Die anderen sind auch keine Engel.“ Nach seiner Rückkehr ins Basislager verkündete die Teamleitung, dass Urubko die Expedition verlassen wolle. „Diese Entscheidung wurde von den Expeditionsteilnehmern akzeptiert, die keine Möglichkeit sahen, mit Denis nach seinem eigenmächtigen Solo-Gipfelversuch weiter zusammenzuarbeiten”, hieß es. Expeditionsleiter Wielicki untersagte Urubko sogar, die Internetverbindung der Expedition zu nutzen, „weil Denis kritische Äußerungen über unsere Expedition und deren Mitglieder an die Medien geschickt hatte und ich keinen Grund sah, ihm dies weiter zu ermöglichen.“ Zuvor hatte Wielicki Urubkos Versuch als „selbstsüchtig“ bezeichnet: “Denis denkt, dass es nur um ihn geht. Aber so ist es nicht. Er hat uns alle in Gefahr gebracht. Denn wenn irgendetwas schiefgeht, müssen wir natürlich versuchen, ihn zu retten.“

Urubko hat alle 14 Achttausender ohne Sauerstoff bestiegen. Zweimal gelangen ihm Wintererstbesteigungen von Achttausendern, beide übrigens jeweils im Februar: 2009 mit dem Italiener Simone an Makalu in Nepal und 2014 mit Moro und dem US-Amerikaner Cory Richards am Gasherbrum II in Pakistan. Die polnische Winterexpedition am K 2 geht weiter – ohne Urubko, den wohl stärksten Bergsteiger im Team.

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Schlechtes Wetter bremst Winterexpeditionen https://blogs.dw.com/abenteuersport/schlechtes-wetter-bremst-winterexpeditionen/ Tue, 13 Feb 2018 15:59:21 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=39561

Auf der Abruzzi-Route am K 2

„Das Wetter ist nicht gerade das beste“, schreibt Krzysztof Wielicki, der Leiter der polnischen Winterexpediton am K 2 auf Facebook. „Voller Wolken und Wind.“  Denis Urubko sei am Abruzzi-Sporn bis auf eine Höhe von 6500 Metern aufgestiegen, um den Zustand der Route zu überprüfen. Einige alte Seile müssten ausgetauscht werden. Die polnischen Bergsteiger hatten ihren ursprünglichen Plan, über die Basken-Route (auch Cesen-Route genannt) aufzusteigen, „aus Gründen der Sicherheit“ aufgegeben. Zuvor waren Adam Bielecki und Rafal Fronia durch Steinschlag verletzt worden. Während Bielecki weitermachen kann, musste Fronia wegen eines gebrochenen Unterarms die Expedition abbrechen.

Txikon und Co. warten im Basislager

Alex Txikon Ende Januar in der Lhotse-Flanke

Am Mount Everest warten der Spanier Alex Txikon, der Pakistani Muhammad Ali „Sadpara“ und ihr Sherpa-Team auf die Chance auf einen Gipfelversuch.  „Es sieht aus, als ob sich das Wetter nicht gerade zu unseren Gunsten entwickelt“, schreibt Alex. Ausreichend akklimatisiert sind die Bergsteiger. Ende Januar hatten Txikon und Ali den 7161 Meter hohen Pumori bestiegen. Einige Tage später waren Alex und Co. am Everest bis auf eine Höhe von 7850 Meter vorgedrungen, ehe das Wetter umschlug.

Erste Winterbesteigung des Gora Pobeda vermeldet

Gora Pobeda in Ostsibirien

Derweil vermeldeten der Italiener Simone Moro und seine Südtiroler Teampartnerin Tamara Lunger die erste Winterbesteigung des 3003 Meter hohen Gora Pobeda (auch Pik Pobeda genannt) im eiskalten Osten Sibiriens. „Es hat den ganzen Tag lang geschneit, aber die Sicht war gut”, ließen die beiden Bergsteiger auf Facebook wissen. “Es war extrem kalt! Wie kalt, wissen wir noch nicht. Wir werden es überprüfen und euch dann informieren.” Der Gora Pobeda liegt nur rund 140 Kilometer südlich des Polarkreises. Einheimische Rentier-Hirten hatten Moro und Lunger von der letzten bewohnten Siedlung bis zum Basislager begleitet.

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Schon wieder ein Zwischenfall am K 2 https://blogs.dw.com/abenteuersport/schon-wieder-ein-zwischenfall-am-k-2/ Fri, 09 Feb 2018 14:50:42 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=39547

Rafal Fronia

Für den polnischen Bergsteiger Rafal Fronia ist die Winter-Expedition am K 2 beendet. „Um 14 Uhr lokaler Zeit wurde Fronia beim Aufstieg nach Lager 1 (5900 Meter) von einem herabfallenden Stein am Unterarm getroffen, was zu einem Bruch führte“, teilt Expeditionsleiter Krzysztof Wielicki aus dem Basislager zu Füßen des zweithöchsten Bergs der Erde auf Facebook mit. „Nach dem Abstieg ins Basislager und der medizinischen Versorgung wartet er nun darauf, von einem Hubschrauber zum Krankenhaus nach Skardu geflogen zu werden.“ Fronia werde in die Heimat zurückkehren. Der polnische Bergsteiger hatte im Frühjahr 2017 den Achttausender Lhotse in Nepal ohne Flaschensauerstoff bestiegen. 

Cesen-Route (E), Abruzzi-Route (F)

Erst am Mittwoch war Adam Bielecki nach seiner Rückkehr von der Rettungsaktion am Nanga Parbat, von einem Stein getroffen worden, ebenfalls kurz vor Lager 1. Er hatte sich einen Nasenbruch zugezogen und mit mehreren Stichen genäht werden müssen. Bielecki will sich ein paar Tage ausruhen und dann wieder aufsteigen.

Update 10.2.: Nach den beiden Verletzungen durch Steinschlag gibt die polnische K 2-Winterexpedition „aus Gründen der Sicherheit“ die Cesen-Route auf – und kündigt an, sich einen anderen Aufstiegsweg zu suchen. Ich tippe auf die Normalroute über den Abruzzigrat.

 

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Schrecksekunde für Adam Bielecki am K 2 https://blogs.dw.com/abenteuersport/schrecksekunde-fuer-adam-bielecki-am-k-2/ Wed, 07 Feb 2018 15:11:27 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=39506

Gerade noch mal gut gegangen

„Das war knapp“, schreibt Adam Bielecki aus dem Basislager am K 2 auf Facebook. „Einige Dutzend Meter unterhalb von Lager 1 [auf 5800 Metern] wurde ich von einem großen Stein getroffen. Das Ergebnis ist eine gebrochene Nase und sechs Stiche, die von Piotr Tomala und Marek Chmielarski unter Telefonanleitung von Robert Szymczak professionell ausgeführt wurden. In ein paar Tagen sollte ich wieder in perfekter Verfassung sein.“ Zuvor hatte bereits Krzysztof Wielicki, der Leiter der polnischen Winterexpedition am zweithöchsten Berg der Erde, berichtet, dass Bielecki an Stirn und Nase verletzt worden sei, obwohl er einen Helm getragen habe. Wielecki betonte, dass der 34-Jährige nicht das Bewusstsein verloren habe und noch ins Basislager habe absteigen können: „Wir hoffen, dass er bald wieder bei Kräften sein wird.“

Urubko bis auf 6550 Meter

Das polnische Team ringt auf der Cesen-Route bei widrigen Verhältnissen zäh um jeden Meter. Am weitesten stieg bisher Denis Urubko auf. Er erreichte vor wenigen Tagen oberhalb von Lager 2 eine Höhe von rund 6550 Metern. Der K 2 ist der letzte noch verbliebene der 14 Achttausender, der noch niemals im Winter bestiegen werden konnte. Die polnischen „Ice Warriors“ wollen das ändern.

Von Rettungsaktion zurückgekehrt

Denis Urubko (l.) mit Elisabeth Revol (r.) nach der Rettung der Französin

Urubko und Bielecki waren am 2. Februar von ihrer Rettungsaktion am Nanga Parbat zurückgekehrt. Wie berichtet, war es ihnen gelungen, Elisabeth Revol sicher vom Berg zu bringen. Die Französin und der Pole Tomek Mackiewicz waren nach ihrem Gipfelerfolg in Bergnot geraten. Tomek war – schneeblind und schwer höhenkrank – auf 7200 Metern zurückgeblieben, unfähig weiter abzusteigen. Die Suche nach ihm war wegen des schlechten Wetters und der minimalen Wahrscheinlichkeit, ihn noch lebend aufzufinden, abgebrochen worden.

Txikon und Co. warten auf nächste Chance

Im Basislager zu Füßen des Mount Everest warten derweil der Spanier Alex Txikon, der Pakistani Muhammad Ali „Sadpara“ und ihr nepalesisches Team, auf die nächste Chance aufzusteigen. Ende Januar hatten sie eine Höhe von 7850 Metern erreicht, ehe sie von einem Wetterumschwung gezwungen worden waren umzukehren. Txikon und Ali wollen den höchsten Berg der Erde in diesem Winter ohne Flaschensauerstoff besteigen.

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Nanga-Parbat-Gipfelvorstoß am Donnerstag https://blogs.dw.com/abenteuersport/nanga-parbat-gipfelvorstoss-am-donnerstag/ Wed, 24 Jan 2018 15:07:21 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=39353

Tomek Mackiewicz am Nanga Parbat

Jetzt aber. „Wir sind auf 7300 (Metern). Furchtbarer Kampf“, wird Tomek Mackiewicz auf seiner Facebookseite im Telegrammstil zitiert. „Wenn das Wetter mitspielt, morgen Gipfel.“ Wenn nicht jetzt, wann dann, könnte man hinzufügen. Für diesen Donnerstag werden für den 8125 Meter hohen Gipfel des Nanga Parbat die mit Abstand niedrigsten Windgeschwindigkeiten in dieser Woche erwartet: 20 bis 25 Stundenkilometer. Dazu leichte Bewölkung und Temperaturen von minus 42 Grad Celsius. Danach soll der Wind wieder auffrischen und am Wochenende Sturmstärke erreichen.

Kühlen Kopf bewahren!

Der 43 Jahre alte Pole Mackiewicz und seine 37 Jahre alte französische Kletterpartnerin Elisabeth Revol, beide ohne Flaschensauerstoff unterwegs, stiegen über die noch unvollendete Messner-Route auf. Im Winter 2015 waren die beiden am Nanga Parbat schon einmal bis auf eine Höhe von 7800 Metern vorgedrungen, dort aber wegen des zu kalten und windigen Wetters umgekehrt. „Ich konnte den Gipfel fast schon mit meinen Fingern ‚spüren‘. Er war so nahe“, berichtete Elisabeth später. „Mein Herz schlug schneller, aber wir mussten abgeklärt bleiben.“ Kühlen Kopf sollten die beiden auch bei ihrem aktuellen Versuch bewahren.

Unruhige Nacht in Lager 2 am K 2

Denis Urubko in Lager 2

Das polnische Team am K 2, dem mit 8611 Metern zweithöchsten Berg der Erde, hat auf der Cesen-Route Lager 2 eingerichtet. Denis Urubko war der Erste, der den dafür vorgesehenen Felsvorsprung auf 6300 Metern erreichte und dort eine Nacht verbrachte: „Das Zelt wurde vom Sturm hin und her geschüttelt, aber irgendwie gelang es mir, genug zu schlafen.“ Anschließend stieg Denis ins Basislager ab. Drei weitere Teamkollegen werden die Nacht auf Donnerstag ebenfalls in Lager 2 verbringen, um sich so weiter zu akklimatisieren. Das Team unter Leitung von Altmeister Krzysztof Wielicki hat sich die erste Winterbesteigung des K 2 vorgenommen. Er ist der letzte verbliebene Achttausender, der noch niemals in der kalten Jahreszeit bestiegen wurde.

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