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Abenteuer Sport

mit Stefan Nestler

Ein Stück Bergsteiger-Geschichte

Erfolgsteam: Alex, Tamara, Simone, Ali (v.l.)

Erfolgsteam: Alex, Tamara, Simone, Ali (v.l.)

Der Nanga Parbat wird bald wieder ungestört Winterschlaf halten können. Nachdem der 8125 Meter hohe Berg in Pakistan in den vergangenen Wintern zunehmend zum Objekt der Begierde von Profibergsteigern aus aller Welt wurde, dürfte nun an dem Achttausender in der kalten Jahreszeit Ruhe einkehren. Ein weiteres der „letzten großen Probleme“ des Bergsteigens ist gelöst, nachdem dem Italiener Simone Moro, dem Spanier Alex Txikon und dem Pakistaner Muhammad Ali am Freitag die erste Winterbesteigung des Nanga Parbat gelungen ist. Ali stieg über felsiges Terrain zum höchsten Punkt, die anderen beiden über eine vereiste Rinne. Die Vierte im Bunde, die Südtirolerin Tamara Lunger, kehrte rund 100 Meter unterhalb des Gipfels um. Auch sie wählte im Gipfelbereich einen anderen Weg als Simone und Alex. Die 29-Jährige war schließlich am Ende ihrer Kräfte, nachdem sie sich schon am Morgen des Gipfeltags hatte übergeben müssen.

Auch der Abstieg ein Kraftakt

Ali (l.) und Alex (r.) auf dem Gipfel

Ali (l.) und Alex (r.) auf dem Gipfel

Der Weg von Lager 4 auf etwa 7100 Metern zum Gipfel sei „sehr hart und lang“ gewesen, sagte Alex Txikon. Das Gipfeltrapez habe sich als „steiler als erwartet“ erwiesen und als „wirklich eisig“. Nach einer weiteren Nacht im letzten Hochlager stiegen die vier Bergsteiger in einem Rutsch bis ins Basislager auf 4300 Metern ab – auch das ein Kraftakt.
Das Viererteam, das sich erst gewissermaßen auf der Zielgeraden zusammengefunden hatte, schrieb Bergsteiger-Geschichte. Insgesamt mehr als 30 Expeditionen hatten sich in den letzten Jahrzehnten am Nanga Parbat im Winter die Zähne ausgebissen. Damit ist nun auch der 13. von 14 Achttausendern in der kalten Jahreszeit bestiegen. Nur der K 2, mit 8611 Metern der zweithöchste Berg der Erde, hat noch eine weiße Winterweste.

Erste große Wintererfolge für Ali und Txikon

Die unterschiedlichen Aufstiegswege

Die unterschiedlichen Aufstiegswege

Der 40-jährige Muhammad Ali, nach seinem Heimatort auch Ali „Sadpara“ genannt, ist der erste Pakistaner, dem eine Winterbesteigung eines Achttausenders gelungen ist. Für den 34 Jahre alten Alex Txikon war der Nanga Parbat bereits Nummer elf in seiner Achttausender-Sammlung und sein erster großer Winter-Erfolg. 2011 und 2012 hatte sich Alex im Winter vergeblich am Gasherbrum I versucht. Beim zweiten Anlauf waren seine Mitstreiter, der Österreicher Gerfried Göschl, der Schweizer Cedric Hählen und der Pakistaner Nisar Hussain während eines Gipfelversuchs spurlos verschwundenIm Winter 2015 hatte Txikon gemeinsam mit Muhammad Ali und dem Italiener Daniele Nardi am Nanga Parbat eine Höhe von 7850 Metern erreicht. Nardi gehörte auch in diesem Winter zum Team, reiste aber – wie berichtet – im Streit ab.

König der Winterbergsteiger

Ali (l.) und Simone (r.) am höchsten Punkt

Ali (l.) und Simone (r.) am höchsten Punkt

Simone Moro ist der König der Winter-Höhenbergsteiger. Der 48-Jährige kann seine bereits vierte Wintererstbesteigung eines Achttausenders feiern. Vor seinem Coup am Nanga Parbat war dem Italiener dieses Kunststück bereits an der Shishapangma (2005), am Makalu (2009) und am Gasherbrum II (2011) gelungen. „Wenn du dich im Winter an irgendeinem Berg im Himalaya versuchst, fühlst du dich nicht einfach nur als Bergsteiger, sondern wie ein Entdecker“, sagte mir Moro einmal in einem Interview. „Du kletterst nicht nur, du betrittst Neuland. Das ist Alpinismus pur, wie in früheren Zeiten.“

Datum

28. Februar 2016 | 22:10

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