Skardu – Abenteuer Sport https://blogs.dw.com/abenteuersport Blog über Expeditionen und Grenzerfahrungen Wed, 06 Mar 2019 10:38:57 +0000 de-DE hourly 1 Aufräumen nach Erdbeben im Hindukusch https://blogs.dw.com/abenteuersport/aufraeumen-nach-erdbeben-im-hindukusch/ Tue, 27 Oct 2015 15:40:47 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=30935 Das Dorf Gandao in Nord-Pakistan

Das Dorf Gandao in Nord-Pakistan

Wieder hat es eine Bergregion getroffen. Knapp ein halbes Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal, das fast 9000 Menschen das Leben kostete, bebte gestern im Grenzgebiet zwischen Nord-Afghanistan und Nord-Pakistan die Erde. Die Zahl der registrierten Toten stieg inzwischen auf fast 400, mehrere tausend Menschen sollen verletzt worden sein. Wie nach dem Beben in Nepal sind auch in Pakistan und Afghanistan die Rettungsteams in viele entlegene Bergtäler noch gar nicht vorgedrungen. Straßen sind durch Erdrutsche blockiert. Allein entlang des Karakorum-Highway, der Hauptverbindungsachse nach Norden, wurden 45 Erdrutsche gezählt. Mehr als die Hälfte der dort blockierten Stellen sind inzwischen wieder freigeräumt. Auch aus der vielen Bergsteigern bekannten Gegend um die Stadt Skardu, Ausgangspunkt der meisten Expeditionen in den Karakorum, wurden Erdrutsche gemeldet.

Bis nach Nepal zu spüren

Karte-Beben

Der Stern markiert das Zentrum des Bebens (© USGS)

Das Zentrum des Bebens lag nach Angaben des US Geological Survey und des deutschen Geoforschungszentrums Potsdam 212 Kilometer unter dem Hindukusch: in der afghanischen Provinz Badachschan, knapp 30 Kilometer nördlich des 6843 Meter hohen Kuh-e Bandaka. Das USGS teilte mit, das Beben sei Folge einer „Aufschiebung“, sprich eine Erdscholle schob sich am Rande einer anderen nach oben. Die Erdstöße erreichten eine Stärke von 7,5. Zum Vergleich: das Beben in Nepal am 25. April wurde mit 7,8 gemessen. Auch in Tadschikistan, in der westchinesischen Provinz Xinjiang, in Nordindien und Nepal waren die Erschütterungen noch zu spüren. Das ganze Ausmaß der Schäden wird wohl erst in einigen Wochen absehbar sein. Meine Gedanken sind bei den vom Erdbeben heimgesuchten Menschen in den Bergen Afghanistans und Pakistans.

]]>
Nanga Parbat bleibt im Winter unbestiegen https://blogs.dw.com/abenteuersport/nanga-parbat-bleibt-im-winter-unbestiegen/ Sat, 15 Mar 2014 21:40:45 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=25505 Obrycki (l.) und Dunaj im Krankenhaus von Skardu

Obrycki (l.) und Dunaj im Krankenhaus von Skardu

„Zeit, nach Hause zu gehen!“ Jacek Teler bringt es auf den Punkt. Auch die polnische Winterexpedition zum Nanga Parbat ist erfolglos geblieben. Nach dem Lawinenunglück vor einer Woche war auch die letzte Chance dahin, noch einmal zu einem Gipfelversuch aufzubrechen. Am nächsten Donnerstag beginnt der Frühling. In Skardu blühen bereits die Kirschbäume, schreibt Jacek in seinem Blog. Er hat seine Teamgefährten Pawel Dunaj und Michal Obrycki zum Militärkrankenhaus der Stadt begleitet, wo die Verletzungen der beiden behandelt wurden. Beiden geht es den Umständen entsprechend gut. Pawel hat es bei der Lawine deutlich schlimmer erwischt: vier Rippen gebrochen, die Lunge zusammengeklappt. Alles in allem hatten Dunaj und Obrycki jedoch Glück im Unglück. Sie leben.

Wird Tomek wiederkommen? Bestimmt!

Tomasz Mackiewicz

Tomasz Mackiewicz

Tomek Mackiewicz blieb zu Füßen des Achttausenders zurück, um das Basislager abzubauen. Damit geht auch die letzte der vier Winterexpeditionen zu Ende. Die polnischen Bergsteiger waren im Dezember die ersten am Berg und sind jetzt die letzten, die zusammenpacken. Ihre Ausdauer ist wirklich bewundernswert. Wie schon im letzten Winter war es auch in diesem Jahr Tomek vorbehalten, von allen Aspiranten am höchsten aufzusteigen. Gemeinsam mit David Göttler erreichte er auf 7200 Metern den Mazeno-Grat. 2013 war Mackiewicz bei seinem letzten Versuch im Alleingang bis auf 7400 Meter aufgestiegen. Vier Jahre in Serie hat sich Tomek im Winter am Nanga Parbat versucht – und das obwohl er keine finanzstarken Sponsoren im Hintergrund hat. Ich würde fast wetten, dass er in neun Monaten wieder nach Pakistan reist.

Der Nanga Parbat bleibt auch nach 21 Versuchen in 25 Jahren im Winter unbestiegen. Wie der K 2, der ebenfalls noch niemanden in der kalten Jahreszeit auf sein Haupt gelassen hat. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Eines Tages.

]]>
Auf dem Weg zum K 2 (Teil 2): Inshallah https://blogs.dw.com/abenteuersport/auf-dem-weg-zum-k-2-teil-2-inshallah/ Wed, 23 Jun 2010 07:22:01 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport2/2010/06/23/auf-dem-weg-zum-k-2-teil-2-inshallah/ Nichtsahnend saß ich im Restaurant meines Hotels Masherbrum in Skardu und unterhielt mich mit einem Pakistaner, der einige Jahre in Deutschland gelebt hatte. Plötzlich explodierte mein Bauch. Ohne Vorwarnung. Durchfall, wie ich ihn vorher noch nie erlebt hatte. Die Nacht verbrachte ich auf dem Klosett meines Zimmers, geschüttelt von Darmkrämpfen. Im Stundentakt schluckte ich die Tabletten, die ich in meine Reiseapotheke gepackt hatte. Sie zeigten keine Wirkung. Erst gegen Mittag des folgenden Tages hatte ich überhaupt die Chance, für kurze Zeit das Hotel zu verlassen. Ich fand eine Apotheke und kaufte ein indisches Präparat gegen Diarrhoe. Es färbte meinen Urin tiefbraun, und mir wurde speiübel. Aber das Medikament wirkte.


Hauptstraße in Skardu, links mein Bergführer Syed

Mutter auf Zeit

Eigentlich hatten wir schon mit einem Jeep zum Ausgangspunkt der Trekkingtour weiterfahren wollen, doch entgegen der Absprache waren keine Träger verfügbar. Eine Fügung des Himmels, denn ich brauchte diesen zusätzlichen Rasttag dringend. Als wir am nächsten Morgen mit vollgepacktem Jeep starteten, fühlte ich mich zwar schlapp, aber deutlich auf dem Weg der Besserung. „Hi, I’m Fida. I will be your mother in the next weeks.” Mit diesen Worten stellte sich mir unser Koch vor. Bis vor kurzem hatte Fida ein chinesisches Fast-Food-Restaurant in Lahore betrieben, war aber pleite gegangen. Nun arbeitete er als Expeditions- und Trekkingkoch im Karakorum, um Geld für einen zweiten Versuch zu sparen.
Von Skardu aus lagen knapp 130 Kilometer vor uns, über nicht asphaltierte Pisten voller Schlaglöcher. Obwohl wir einige wirklich heikle Stellen passieren mussten, blieb ich ruhig. Ich war viel zu schwach, um mich aufzuregen und fügte mich in mein Schicksal. Inshallah, so Gott will! Mit diesen Worten beendete Syed fast jeden dritten Satz. Mein Bergführer erzählte, dass er vor kurzem einen japanischen Studenten zum K 2-Basislager hatte begleiten sollen. Bei der Ankunft in Askole, dem letzten Dorf vor dem Baltoro-Gletscher, warf der Japaner das Handtuch. Er wollte sofort zurück. Sein Bedarf an Abenteuer sei gedeckt.


Regenbogen über dem Tal von Askole

13 Träger

Als wir in Askole eintrafen, bauten wir schnell die Zelte auf. Noch immer brachte ich nichts Essbares herunter. Nach einer Stunde Schlaf fühlte ich mich besser. Ich machte sogar einen kleinen Spaziergang ins Dorf, wo mich einige Kinder empfingen, die ständig „Photo-Rupies, Photo-Rupies!“ brüllten. Als ich zum Lagerplatz zurückkehrte, waren die Träger damit beschäftigt, die Lasten abzuwiegen und zu verteilen. 25 Kilogramm pro Mann. Dabei diskutierten sie lautstark, wer welche Ladung schultern sollte.
Früh am nächsten Morgen brachen wir auf: Syed, Fida und ich – sowie 13 Träger. Ich hatte nicht gedacht, dass so viele Träger nötig wären, doch das Gepäck summierte sich: Zelte, Küchenausrüstung, Kerosin, Lebensmittel.

Ich war alles andere als im Vollbesitz meiner Kräfte, aber irgendwann fand ich meinen Gehrhythmus. Unser Weg führte uns zunächst durch eine fast wüstenähnliche Landschaft. Die kleinen Sträucher rechts und links wurden seltener und verschwanden schließlich ganz. Es regnete in Strömen, die Gipfel hingen in Wolken. Der schmale Pfad wand sich nun entlang des Braldo-Flusses. Wegen des heftigen Regens war der Gletscherfluss so angeschwollen, dass die Wassermassen an einer Stelle auf einer Länge von fünf Metern den Weg weggespült hatten. Wir mussten auf einer kleinen Felsleite hinüberklettern. Irgendwie schwindelte ich mich auf die andere Seite. Genau dort fiel später am Tag ein Träger einer anderen Gruppe, der sieben Plastikstühle auf dem Rücken trug, ins Wasser, konnte sich aber glücklicherweise noch an Land retten. Völlig durchnässt erreichte er einige Stunden nach uns Jhola.

Zwei Gräber

Der Zeltplatz liegt auf 3200 Metern Höhe. 2004 war er erst ein Jahr alt, finanziert vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen. Die Zelte standen auf abgesteckten Parzellen, es gab sogar rund 20 Toilettenhäuschen und Solarstrom.
Ich aß ein wenig und zog mich dann zurück. Völlig erschöpft von der fast achtstündigen Wanderung und immer noch geschwächt, fiel ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf. Am folgenden Morgen hatte wenigstens der Dauerregen aufgehört. Ich fühlte mich deutlich besser.
Irgendwann entdeckte ich am Wegesrand das Grab eines Trägers, der in den Braldo gestürzt, ertrunken und hier wieder angespült worden war. Über eine weitere letzte Ruhestätte stolperte ich fast. Da erst erkannte ich den Kopf eines Esels, der notdürftig im Sand verscharrt worden war.


Ende einer Dienstreise

Unfreiwilliger Abendsport

Der Tag endete in Paiju, auf 3450 Metern. Von diesem Camp aus sieht man direkt auf die Zunge des Baltoro-Gletschers. Auch eine große italienische Expeditionsmannschaft hatte dort ihre Zelte aufgeschlagen. Nur ein Bergsteiger sprach deutsch: Karl Unterkircher. Der sympathische Südtiroler (der leider vier Jahre nach unserer Begegnung, im Juli 2008, im Alter von 37 Jahren am Nanga Parbat beim Sturz in eine Gletscherspalte ums Leben kam) lud mich zum Essen mit den Italienern ein: Aufgetischt wurden echter Parmesan und Parmaschinken, perfetto!


Träger in Pakistan, diskussions- und tanzfreudig

Ich hatte gehört, dass sich in Paiju die Pakistaner abends träfen, um zu singen und zu tanzen – auch um sich gegenseitig ein wenig Mut für die nächsten gefährlichen Tage auf dem Eis zu machen. Dass ein neugieriger Trekker mittanzen muss, hatte mir niemand erzählt. Und so fand ich mich, ehe ich mich versah, in einem etwa fünf Meter breiten Kreis wieder, den rund hundert Träger, Köche und Bergführer gebildet hatten. Ein Mann stand in der Mitte und sang die Strophen. Beim Refrain stimmten alle ein und klatschten wild im Takt, während mich der Sänger herumwirbelte. Alles drehte sich vor meinen Augen, die Beine schmerzten. Nach der vierten Wiederholung des Refrains hatte die Menge ein Einsehen. Ich durfte den Kreis verlassen. Außer Atem, mit wackligen Knien taumelte ich zum Zelt zurück. In meinem Rücken hörte ich die Rufe der Träger: „Very good dance! Excellent dance!“

P.S. Unten könnt Ihr den ersten Teil meiner Reportageserie hören, die 2004 in DW-Radio gesendet wurde. Wundert euch nicht: Die Stücke entsprechen nicht den Blog-Texten. Es kann also sein, dass ihr Sachen hört, die ihr schon im letzten Eintrag gelesen habt.

Radio-Reportageserie (2004): Auf dem Weg zum K 2 (Teil 1)

]]>