<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Gleichberechtigung &#8211; Bildungswege</title>
	<atom:link href="https://blogs.dw.com/bildungswege/?feed=rss2&#038;tag=gleichberechtigung" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://blogs.dw.com/bildungswege</link>
	<description>Fünf Blogger, fünf Länder, ein Dialog. In diesem Blog diskutieren fünf junge Leute aus Irak, Deutschland, Argentinien, Russland und Kenia über Bildungschancen in ihren Heimatländern und über ihre eigenen Bildungswege.</description>
	<lastBuildDate>Fri, 20 Jul 2012 11:55:22 +0000</lastBuildDate>
	<language>de-DE</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	
	<item>
		<title>Von Rabenmüttern und unmännlichen Vätern</title>
		<link>https://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1259</link>
		<pubDate>Wed, 23 May 2012 14:00:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[wojcikn]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Kathrin | Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Elternzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetzgebung]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Mütter]]></category>
		<category><![CDATA[Väter]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1259</guid>
		<description><![CDATA[ [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1269" aria-labelledby="figcaption_attachment_1269" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Schild_FrauKind.jpg" rel="lightbox[1259]"><img class="size-medium wp-image-1269" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Schild_FrauKind-300x300.jpg" alt="Verkehrsschild für Fußgänger, Mutter mit Kind (Foto: Kathrin Biegner)." width="300" height="300" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Schild_FrauKind-300x300.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Schild_FrauKind-150x150.jpg 150w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Schild_FrauKind-1024x1024.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Verkehrsschild mit Vorurteil: Wo sind die Väter?</p></div>
<p>María hat meinen <a href="http://blogs.dw.com/educationblog/?p=421#comments">Eintrag vom 14. Mai kommentiert</a>: Sie zeigte sich überrascht über meine Beschreibung von Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Tatsächlich haben mich diese Zahlen selbst überrascht, als ich sie zum ersten Mal hörte. Insbesondere da ich persönlich noch nie wegen meines Geschlechts diskriminiert worden bin. Auch meine Eltern behandeln meinen Bruder und mich gleich. Unterschiede fallen mir höchstens bei Familienfesten auf, die nämlich hauptsächlich von Frauen vorbereitet werden. Männer über 30 lassen sich selten in der Küche blicken. Damit kann ich aber leben. Schließlich helfe ich im Gegenzug ja auch nicht, wenn Bauarbeiten anstehen.<span id="more-1259"></span></p>
<p>María hat recht damit, dass die deutsche Gesetzgebung Eltern viele Möglichkeiten bietet, damit sie sich gleichberechtigt um ihre Kinder kümmern können. Es gibt auch immer mehr Väter, die diese Möglichkeiten auch nutzen. Mütter oder Väter, die in Elternzeit gehen, haben das Recht ihre Stelle bis zu drei Jahre nach der Geburt ihres Kindes wieder aufzunehmen. Diese Zeit können sie auch unter sich aufteilen. Viele Eltern können auch eine weitere Möglichkeit nutzen: Teilzeit-Arbeit.</p>
<p>Soweit die Theorie, die Praxis sieht leider meistens anders aus. Einige Arbeitsstellen haben zum Beispiel derart hohe Ansprüche, dass sie von einem Arbeitnehmer in Teilzeit nicht erfüllt werden können. Außerdem ist es schwierig, Veränderungen in einem Unternehmen oder einer Branche zu verfolgen, wenn man mehrere Jahre in Elternzeit ist.</p>
<div id="attachment_1275" aria-labelledby="figcaption_attachment_1275" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Spielplatz-Kathrin-001.jpg" rel="lightbox[1259]"><img class="size-medium wp-image-1275" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Spielplatz-Kathrin-001-300x199.jpg" alt="Kathrin Biegner auf einem Spielplatz (Foto: Kathrin Biegner)." width="300" height="199" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Spielplatz-Kathrin-001-300x199.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Spielplatz-Kathrin-001-1024x682.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Väter werden als &#039;unmännlich&#039; angesehen, wenn sie in Elternzeit gehen.&quot;</p></div>
<p>Zudem gibt es kulturelle Barrieren. Frauen haben oft Angst davor, als „Rabenmutter“ zu gelten, wenn sie arbeiten gehen, anstatt sich um die Familie zu kümmern. Väter hingegen müssen manchmal mit gegensätzlichen Vorurteilen kämpfen: Sie werden als „unmännlich“ angesehen, wenn sie in Elternzeit gehen, da sie dann traditionell weibliche Aufgaben übernehmen und ihre „männliche Pflicht“ &#8211; Geld zu verdienen &#8211;  scheinbar vernachlässigen.</p>
<p>Hinzu kommt, dass Männer oft mehr verdienen als ihre Ehefrauen, so dass es finanziell schwierig für eine Familie werden könnte, wenn der Vater in Elternzeit geht. Denn zum einen arbeiten Männer generell oft in Branchen, in denen höhere Gehälter gezahlt werden, zum anderen verdienen Männer in Deutschland für dieselbe Arbeit acht Prozent mehr als eine gleich qualifizierte Frau. Ein Blick auf die Statistik zu den generellen Gehaltsunterschieden in Deutschland ergibt schließlich: Frauen verdienen 23 Prozent weniger als Männer. Wie <a href="http://blogs.dw.com/educationblog/?p=421#comments">María in ihrem Kommentar</a> schreibt, sollten wir uns &#8211; verglichen mit Argentinierinnen &#8211;  dennoch glücklich schätzen: In ihrem Heimatland liegt der Unterschied bei bis zu 35 Prozent.</p>
<p>Unterschiede gibt es übrigens auch in Deutschland selbst, und zwar weiterhin zwischen Ost und West. In der DDR war es üblich, dass Frauen zur Arbeit gingen und dementsprechend gab es auch ein gut ausgebautes Kinderbetreuungssystem. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde das westliche Bildungssystem in Ostdeutschland eingeführt. Kulturelle Einstellungen verändern sich aber scheinbar nicht so schnell. Auch heute noch arbeiten in Ostdeutschland mehr Frauen als in Westdeutschland.</p>
]]></content:encoded>
			</item>
		<item>
		<title>Einblicke in das Leben dreier Frauen</title>
		<link>https://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1173</link>
		<pubDate>Tue, 22 May 2012 13:30:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[wojcikn]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Hellgurd | Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitslosigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Frauenrechte]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Jobsuche]]></category>
		<category><![CDATA[Schulpflicht]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1173</guid>
		<description><![CDATA[ [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1175" aria-labelledby="figcaption_attachment_1175" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Some-school-teachers.jpg" rel="lightbox[1173]"><img class="size-medium wp-image-1175" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Some-school-teachers-300x228.jpg" alt="Lehrerinnen im Irak (Foto: Hellgurd S. Ahmed)." width="300" height="228" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Some-school-teachers-300x228.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Some-school-teachers-1024x779.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Gleichberechtigung im Irak: Besser, aber noch nicht gut genug </p></div>
<p>Für meine Recherche über die Situation der Frauen im Irak habe ich mich am vergangenen Wochenende mit drei sehr unterschiedlichen Frauen getroffen. So konnte ich ein besseren Überblick darüber bekommen, wie sie ihre eigene Situation einschätzen, und wie frei sie sich im Irak fühlen. Einige Höhepunkte dieser Gespräche würde ich gerne mit Euch teilen.</p>
<p>Als erstes habe ich mich mit einer Freundin getroffen, die als Grundschullehrerin arbeitet. Sie ist verheiratet und hat ein Kind. Sie fühlt sich als freie Frau. Dennoch: „Wir haben noch nicht genügend Freiheiten – auch wenn es in den vergangenen Jahrzehnten viel besser geworden ist“, sagt sie. <span id="more-1173"></span></p>
<p>„Ich denke, es ist besser wenn Frauen jemanden heiraten, der den gleichen Beruf hat oder zumindest einen ähnlichen – dann kann man sich gegenseitig besser verstehen. Ich habe ein Kind, da ist es manchmal nicht ganz einfach einem Beruf nachzugehen. Ich muss mein Kind zur Kindertagesstätte schicken und ich bin mir nicht sicher, ob es dort gut erzogen wird. Aber ich habe keine andere Wahl“, meinte meine Freundin.</p>
<div id="attachment_1179" aria-labelledby="figcaption_attachment_1179" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/me-when-interviewing.jpg" rel="lightbox[1173]"><img class="size-medium wp-image-1179" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/me-when-interviewing-300x225.jpg" alt="Hellgurd beim Interview (Foto: Hellgurd S. Ahmed)." width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/me-when-interviewing-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/me-when-interviewing-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Das bin ich - während der Interviews</p></div>
<p>Als nächstes sprach ich mit einer jungen, arbeitslosen Frau, die vor einem Jahr ihren Abschluss an einer Medienhochschule gemacht hatte. Anfangs hatte sie einen Job in der Politik, allerdings sei ihr dort übel mitgespielt worden, erzählte sie. „Meine Arbeit war davon abhängig, ob sie gerade Lust hatten, mir eine Aufgabe zu geben oder nicht. Oder sie überlegten, ob meine Spezialisierung im Moment gerade populär war oder eben nicht“, sagte sie verärgert.</p>
<p>Die dritte Frau, mit der ich sprach, war eine ältere Frau, die niemals eine Schule besucht hatte. Sie hatte Tränen in den Augen, als sie mir davon erzählte. „Mein Sohn“, sprach sie mich sanft an, „als ich jung war, lebte ich mit meiner Familie in einem Dorf. Dort gab es keine Schule – wir wussten noch nicht einmal so genau, was das sein sollte, eine Schule. Unterrichtet wurde nur in den Moscheen – unsere Männer und Jungs lernten dort Schreiben und Lesen. Manchmal mussten sie dafür auch das Dorf verlassen. Damals durften nur sehr wenige Frauen zur Schule gehen – und nur in den großen Städten“, sagte sie.</p>
<div id="attachment_1181" aria-labelledby="figcaption_attachment_1181" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/The-old-woman-hope-a-bright-future-for-our-next-generation-one-of-her-generations-photo.jpg" rel="lightbox[1173]"><img class="size-medium wp-image-1181" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/The-old-woman-hope-a-bright-future-for-our-next-generation-one-of-her-generations-photo-300x225.jpg" alt="Mädchen aus Irak (Foto. Hellgurd S. Ahmed)." width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/The-old-woman-hope-a-bright-future-for-our-next-generation-one-of-her-generations-photo-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/The-old-woman-hope-a-bright-future-for-our-next-generation-one-of-her-generations-photo-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Neustart für die nächste Generation</p></div>
<p>“Ich bin sehr traurig, dass ich das Leben nicht richtig genießen kann. Ich fühle mich wie eine Blinde: Ich kann nicht Lesen noch Schreiben und kann daher nicht am modernen Leben teilhaben. Zum Glück kann ich zumindest miterleben, wie meine Kinder und die zukünftige Generation nun ein vollwertiges Leben leben können. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie manchmal jemand in meinem Dorf einen Brief bekam, aber keiner ihn lesen konnte. Dann mussten wir warten, bis die Männer nach Hause kamen. Damals war das völlig normal, aber wenn ich das mit dem heutigen Leben vergleiche, muss ich sagen, dass es ein Desaster war“, erzählte sie schweren Herzens.</p>
<p>Ich finde, diese drei Lebensgeschichten zeigen deutlich, welchen Stellenwert Frauen in meinem Land haben. Und sie zeigen auch, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten viel geändert hat. Ich hoffe, dass wir jetzt eine gerechtere Gesellschaft sind, aber wir müssen uns noch mehr bemühen. Gerade die junge Generation sollte daran arbeiten, dass unsere Politiker umdenken.</p>
]]></content:encoded>
			</item>
		<item>
		<title>Können Gesetzesänderungen Vorurteile aufheben?</title>
		<link>https://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1145</link>
		<comments>https://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1145#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 22 May 2012 09:00:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[wojcikn]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[María | Argentinien]]></category>
		<category><![CDATA[Argentinien]]></category>
		<category><![CDATA[Berufswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Rollenklischee]]></category>
		<category><![CDATA[Studium]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1145</guid>
		<description><![CDATA[ [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1151" aria-labelledby="figcaption_attachment_1151" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Estafanía-Mariana-and-Clara-my-German-classmates.jpg" rel="lightbox[1145]"><img class="size-medium wp-image-1151" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Estafanía-Mariana-and-Clara-my-German-classmates-300x225.jpg" alt="Estafanía, Mariana and Clara - my German classmates (Foto: Maria Cruz)." width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Estafanía-Mariana-and-Clara-my-German-classmates-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Estafanía-Mariana-and-Clara-my-German-classmates-1024x768.jpg 1024w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Estafanía-Mariana-and-Clara-my-German-classmates.jpg 1600w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Estafanía, Mariana and Clara aus meinem Deutschkurs</p></div>
<p>Während einer Pause meines Deutschkurses vergangenen Samstagmorgen diskutierte ich mit den anderen Teilnehmerinnen, wie Berufe, die früher vorwiegend Männern vorbehalten waren, heute von Frauen ausgeübt werden. Ganz ohne Spannungen verläuft das nicht und macht umso mehr deutlich, wie dringend wir eine grundlegende gesellschaftliche Veränderung brauchen (siehe dazu auch meinen vergangenen <a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1039">Eintrag</a>).</p>
<p>Diese subtile Antipathie begegnet Frauen jeden Tag. Ein Beispiel: Mariana studiert Biologie. Sie erzählte mir, wie sie im Physikkurs einmal die Aufgabe bekam, einen Schaltkreis zu bauen. Der Lehrer kommentierte die Aufgabenstellung: „Mal sehen, ob die Frauen das hinkriegen.“ Er ging wie selbstverständlich davon aus, dass das nur „was für Männer“ sei.<span id="more-1145"></span></p>
<p>Diese verzerrte Wahrnehmung zieht sich durch alle Generationen. Estefania beispielsweise studiert Lebensmitteltechnik. Auch sie erzählte mir von den Gruppenarbeiten in ihrem Seminar zu Elektronik und Magnetismus. Und wie ihre männlichen Kommilitonen sie ausschlossen, in der Annahme, dass sie das nicht kann.</p>
<p>„Einer meinte sogar zu mir, er verstehe gar nicht, warum Frauen überhaupt studieren &#8211; wenn doch ihre Ehemänner für sie sorgen können“, sagte sie. Solchen Argumenten sind Frauen in Argentinien tagtäglich ausgesetzt. Dabei handelt es sich sowohl um ein individuelles als auch um ein strukturelles Problem. Die pharmazeutische und biochemische Fakultät der Universität von Buenos Aires zum Beispiel hat nur eine einzige Damentoilette im gesamten Gebäude. In jeder Pause bildet sich davor lange Schlange.</p>
<p>Ähnliches gilt für die Berufsauswahl, die oft von den zu erwartenden Gehältern bestimmt wird. Vor 30 Jahren verdienten beispielsweise Ärzte in Argentinien sehr viel Geld. Heutzutage gilt das allerdings nicht mehr. „Und das ist der Grund, warum fast ausschließlich Frauen Medizin studieren”, kommentierte mein Vater während unseres Mittagessens.</p>
<div id="attachment_1155" aria-labelledby="figcaption_attachment_1155" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/My-sister-Pilar-and-her-classmates-in-Neonatology-class.jpg" rel="lightbox[1145]"><img class="size-medium wp-image-1155" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/My-sister-Pilar-and-her-classmates-in-Neonatology-class-300x225.jpg" alt="Meine Schwester Pilar und ihre Kommilitoninnen im Neonatologie-Kurs (Foto: Maria Cruz)." width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/My-sister-Pilar-and-her-classmates-in-Neonatology-class-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/My-sister-Pilar-and-her-classmates-in-Neonatology-class.jpg 960w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Meine Schwester Pilar und ihre Kommilitoninnen im Neonatologie-Kurs</p></div>
<p>„Was meinst Du damit?“ fragte ich. „Na, es scheint ja offensichtlich so zu sein, dass Männer sich für einen Beruf entscheiden, der sich auch auszahlt”, sagte meine Schwester.  Was mich daran am meisten schockierte war, mit welcher Selbstverständlichkeit sie das sagte: Männer sollen das Geld nach Hause bringen; Frauen dürfen zwar studieren &#8211; aber deswegen noch lange nicht gut verdienen?</p>
<p>Das sind die täglichen Kämpfe, mit denen wir Frauen es in Argentinien aufnehmen müssen. Obwohl wir Zugang zu Bildung haben, müsste noch jede Menge getan werden, damit die Berufswelt gerechter wird.</p>
<p>Zum einen glaube ich, dass wir eine veränderte Gesetzgebung bräuchten, die Frauen und Männer bereits bei der Familiengründung gleichstellen. Nehmen wir zum Beispiel den Mutterschaftsurlaub: Heutzutage bekommen Schwangere nur einen sehr kurzen Zeitraum zugesprochen. Wie anders wäre es, wenn der Partner dabei berücksichtigt werden würde? Gesetzesänderungen würden nicht nur die Umstände ändern, sondern auch die Werte und Vorstellungen innerhalb der Gesellschaft. Es ist ein weiter Weg, aber ich glaube, dass die ersten Schritte schon gemacht sind: Frauen können studieren &#8211; und kämpfen anschließend für eine Gleichberechtigung in der Berufswelt.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>https://blogs.dw.com/bildungswege/?feed=rss2&#038;p=1145</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
