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	<title>Lernen &#8211; Bildungswege</title>
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	<description>Fünf Blogger, fünf Länder, ein Dialog. In diesem Blog diskutieren fünf junge Leute aus Irak, Deutschland, Argentinien, Russland und Kenia über Bildungschancen in ihren Heimatländern und über ihre eigenen Bildungswege.</description>
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		<title>Visionäre Bildungskonzepte sind gut und schön, aber&#8230;</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Jun 2012 10:00:37 +0000</pubDate>
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<p>Am Mittwoch habe ich das das dritte Plenum des Deutsche Welle Global Media Forums besucht. Da ging es um Bildung als Meilenstein für nachhaltige Entwicklung. Denis Goldberg, ein Gesellschaftsaktivist aus Kapstadt in Südafrika meinte: &#8222;Bildung sollte sich stärker am Ziel der Nachhaltigkeit orientieren, schließlich sind wir darauf angewiesen.&#8220; Das heißt zum Beispiel, dass man Projekte in Angriff nehmen sollte, die das Problem der Überbevölkerung in den Blick rücken. Einer seiner Vorschläge ist darüber aufzuklären, dass man soziale Sicherungsnetze wie Rentenversicherungen ausbauen muss. Denn nur so kann man die Menschen davon abbringen zu glauben, dass das Kinderkriegen der alleinige Weg ist die eigene Zukunft abzusichern.</p>
<p>Damit hat er schon recht. Aber ich finde trotzdem, dass in der ganzen Debatte etwas fehlt. <span id="more-2883"></span></p>
<p>Die anderen Diskussionsteilnehmer haben sich dann mehr mit der Frage beschäftigt, wie man junge Leute &#8211; Kinder und Teenager &#8211; dazu bringen kann, dass sie mehr Interesse für Bildung entwickeln. Also angefangen bei Lesegewohnheiten bis zu den neuen Medien und neuen Technologien, die man im Bildungssektor nutzt. Auch das alles ist gut und schön.</p>
<p>Aber das geht schon über die eigentlichen Probleme hinaus. Ich finde, wir dürfen nicht die Grundlagen der Persönlichkeitsentwicklung aus den Augen verlieren: Wenn in Regionen, in denen Armut herrscht, ein Kind nicht zur Schule geht und auch nicht anderswo Bildung erfährt, dann ist das aller Wahrscheinlichkeit deshalb so, weil das Kind hungert.</p>
<p>Neben diesen grundlegenden Problemen müssen wir uns mit der Frage beschäftigen, welche Möglichkeiten und Chancen wir den Menschen bieten. Professor Barbara Ischinger vom Bildungsdirektorat der OECD hat da drei Stufen vorgestellt, wie man den Nutzen von vermittelten Fähigkeiten maximieren kann: Kurzfristig geht es einfach darum einzelne Fähigkeiten in der Praxis anzuwenden; mittelfristig unterschiedliche Fähigkeiten zu trainieren; und langfristig ist dann das Ziel, Fähigkeiten zu erarbeiten, die ganz genau auf die jeweilige landesspezifische Wirtschaftssituation zugeschnitten sind.</p>
<p>Mir kam sofort der Gedanke, dass ich diese Ideen gut auf die Nichtregierungsorganisation anwenden kann, für die ich arbeite. Wir entwickeln nämlich eine neue Online-Plattform, bei der es um berufliche Ausbildung geht. Unser Ziel ist Informationen über verschiedene Karrierewege zu liefern, mit den Schwerpunkten Wissenschaft und Energiewirtschaft. Eine der Fragen, über die wir gerade diskutieren, ist, ob wir Trainingsprogramme für bestimmte berufliche Fähigkeiten anbieten sollen oder nicht. Schließlich wollen wir ja Teenager ermutigen, eine akademische Laufbahn einzuschlagen.</p>
<div id="attachment_2881" aria-labelledby="figcaption_attachment_2881" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Traditional-educational-outlets-seem-to-lose-protagonism-in-presence-of-new-technologies.-Nonetheless-what-happens-to-those-who-cant-have-access-to-these_.jpg" rel="lightbox[2883]"><img class="size-medium wp-image-2881" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Traditional-educational-outlets-seem-to-lose-protagonism-in-presence-of-new-technologies.-Nonetheless-what-happens-to-those-who-cant-have-access-to-these_-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Traditional-educational-outlets-seem-to-lose-protagonism-in-presence-of-new-technologies.-Nonetheless-what-happens-to-those-who-cant-have-access-to-these_-300x200.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Traditional-educational-outlets-seem-to-lose-protagonism-in-presence-of-new-technologies.-Nonetheless-what-happens-to-those-who-cant-have-access-to-these_-1024x682.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Traditionelle Bildungseinrichtungen wie Bibliotheken scheinen in der heutigen Bildungsdiskussion keine Rolle mehr zu spielen</p></div>
<p>In der Tat müssen aber junge Leute heute auch oft viel früher anfangen zu arbeiten, weil sie in finanziell instabilen Verhältnissen aufwachsen (wenn sie denn überhaupt die Möglichkeit haben, diesen Verhältnissen zu entfliehen). Und das sprach ein anderer Diskussionsteilnehmer an: Im Bildungssystem muss Durchlässigkeit herrschen, also dass jeder ein berufliches Trainingsprogramm absolviert und dann damit die Chance bekommt, sich in diesem Fach an der Uni einzuschreiben. Menschen eine Berufsausbildung zu bieten, ihnen Arbeit zu geben &#8211; das ist die Grundlage für wirtschaftliche Absicherung. Es muss solche Perspektiven geben, auch bei höherer Bildung und bei der Arbeit.</p>
<p>Wir übersehen oft und gerne einige elementare Probleme, wenn wir über Bildungsstrategien nachdenken. Verashni Pillay, die Online-Chefin von Mail &amp; Guardian in Südafrika, hat das bei der Konferenz mit klaren Worten ausgedrückt: &#8222;Lasst uns erst die grundlegenden Probleme lösen, bevor wir noch und noch mehr futuristische Sichtweisen auf das Thema Bildung in die Diskussion werfen.&#8220;</p>
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		<title>&#8222;Edutainment&#8220; wird bisher viel zu selten genutzt</title>
		<link>https://blogs.dw.com/bildungswege/?p=2693</link>
		<pubDate>Tue, 26 Jun 2012 12:57:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[dahmannk]]></dc:creator>
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				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2717" aria-labelledby="figcaption_attachment_2717" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Dramatizing-one-of-the-LBE-plays1.jpg" rel="lightbox[2693]"><img class="size-medium wp-image-2717" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Dramatizing-one-of-the-LBE-plays1-300x198.jpg" alt="" width="300" height="198" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Dramatizing-one-of-the-LBE-plays1-300x198.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Dramatizing-one-of-the-LBE-plays1-1024x678.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Das Learning-by-Ear-Team präsentiert eine Radio-Novela als Theaterstück</p></div>
<p>Endlich bin ich in Bonn, um am Global Media Forum der Deutschen Welle teilzunehmen. Diese Woche schreibe ich von hier meine Blogs rund um die Themen Bildung, Kultur und Medien. Die Konferenz war bisher sehr interessant. Ich war heute bei einem Workshop, wo es darum ging, wie Lernen Spaß machen kann. Es ging um ein Projekt der Deutschen Welle: Learning by Ear. <span id="more-2693"></span></p>
<p>Das Programm Learning by Ear basiert auf einer ganz tollen Art des Lernens. Hier werden nämlich Formate wie Features und Radio-Novelas verwendet. Ich habe ja schon an zwei Global Media Forums teilgenommen und habe diesen speziellen Workshop immer sehr unterhaltsam gefunden. Normalerweise gibt es bei den Workshops größtenteils Powerpoint-Präsentationen und Gespräche. Aber dieser Workshop ist immer anders: Das Learning-by-Ear-Team hat eine der Radio-Novelas als Theaterstück live aufgeführt, so dass das Publikum einen kleinen Vorgeschmack auf die Serien bekommen konnte, die natürlich alle in erster Linie als Radio-/Audio-Fassungen produziert sind.</p>
<p>Ich war übrigens nicht nur Besucher des Projekts Learning by Ear, sondern saß auch beim Panel mit auf der Bühne, um über meine Arbeit mit Jugendlichen und den Medien in den Slums von Nairobi zu erzählen. Neben mir saß dort auch ein Mitarbeiter des afghanischen Learning-by-Ear-Programms. Er hat betont, wie wichtig solche Programme in Ländern wie Afghanistan sind. In diesen Kulturen kann man nicht offen über so heikle Themen wie Sexualität oder auch die Rollen von Männern und Frauen in der Gesellschaft sprechen. Hier  ist dieses &#8222;Edutainment&#8220;, also diese unterhaltsame Form der Bildung, eine sehr effektive Methode, um Botschaften zu vermitteln und das Publikunm zu informieren. Die Hörer merken nicht einmal, dass sie es hier mit einem Bildungsprogramm zu tun haben &#8211; sie würden die Radio-Novelas einfach als Unterhaltungssendung bezeichnen. </p>
<div id="attachment_2705" aria-labelledby="figcaption_attachment_2705" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/One-of-the-scenes-from-LBE-radio-play.jpg" rel="lightbox[2693]"><img class="size-medium wp-image-2705" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/One-of-the-scenes-from-LBE-radio-play-300x198.jpg" alt="" width="300" height="198" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/One-of-the-scenes-from-LBE-radio-play-300x198.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/One-of-the-scenes-from-LBE-radio-play-1024x678.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Bildung und Unterhaltung gleichzeitig: Edutainment</p></div>
<p>Der wichtigste Punkt für mich ist aber, Medien als Brücke zu sehen, mit denen man in solchen Kulturen und Gesellschaften Informationen transportieren kann. Das trifft auf Afghanistan ebenso zu wie auf Afrika. Denn viele Menschen in Afrika haben Zugang zu einem Radio oder besitzen ein Handy &#8211; aber überraschenderweise haben genau diese Menschen oft keinen Zugang zu Bildung. Wenn man Medien nutzt, kann man zumindest eine bestimmte Art der Bildung und Ausbildung transportieren, und das über technische Hilfsmittel, die diesen Leuten zugänglich sind. Dann kann man diese Lücke schließen. </p>
<p>Für das Publikum war es sehr interessant zu erfahren, ob solche Formate für Afrika und Asien überhaupt funktionieren, wie effektiv sie sind. Bei Learning by Ear wird ein ganz breites Spektrum abgedeckt: Gesundheit, Umwelt, Gender-Fragen, Arbeit und Arbeitlosigkeit, Technologien und viele andere Themen. anderen Themen. Derartige &#8222;Edutainment&#8220;-Formate sind eine immer noch kaum erschlossene Informationsquelle für den Bildungssektor. Klar, man muss schon zusätzliche Arbeit hineinstecken und auch Zeit, wenn man es zum Beispiel in den Lehrplan von Schulen integrieren will. Aber hierfür braucht man vor allem ein bisschen Offenheit der Pädagogen.</p>
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		<title>Das eigene Wissen nutzen&#8230;</title>
		<link>https://blogs.dw.com/bildungswege/?p=2537</link>
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		<pubDate>Thu, 21 Jun 2012 18:00:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[hodalid]]></dc:creator>
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				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2543" aria-labelledby="figcaption_attachment_2543" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/015975416_10100.jpg" rel="lightbox[2537]"><img class="size-medium wp-image-2543" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/015975416_10100-300x168.jpg" alt="Maria" width="300" height="168" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/015975416_10100-300x168.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/015975416_10100.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Neue Lehrmethoden für technische Berufe einzuführen, ist nicht einfach bei uns</p></div>
<p>Zu Beginn dieser Woche habe ich mich mit meiner Kollegin Patricia über das Thema Bildung in unserem Land unterhalten. Patricia koordiniert ein regionales Programm zur Förderung von Bildung im technischen Bereich: Dazu gehört die Industrietechnologie, Mathemathik, aber auch das Schulmanagement. Die verschiedenen Gruppen, die sich der einzelnen Fachgebiete annehmen, arbeiten dabei aber nicht mit Schülern oder Studenten, sondern mit den Lehrern und Schuldirektoren. Das Ziel ist es, die Ausbilder zu trainieren, damit der Bildungsstandard sich erhöht.</p>
<p><span id="more-2537"></span></p>
<p>Patricia hat mir dann von der Arbeit ihrer Kollegen Gabriel und Alejandro erzählt. Die beiden Männer leiten den Bereich Schulmanagement und pflegen einen eher alternativen Bildungsansatz. Es sei eine ganz schöne Herausforderung, neue Lehrmethoden im technischen Bereich einzuführen, hat mir Patricia erzählt. „Meine Kollegen wollen die Studenten dazu ermutigen, ihr bereits vorhandenes Wissen zu nutzen. Und wenn du das zu einem Ingenieur sagst, schüttelt er nur den Kopf. Die Lehrer denken, dass ihre Wissenschaft ein hartes Fach ist, das nicht durch Diskussion erlernt werden kann.“ Aber das Problem gebe im gesamten Bereich der Bildung. Die Lehrer orientieren sich immer an dem einen Vorzeigestudenten. „Wir versuchen dieses alte Konzept abzulösen: und zwar durch einen individuelleren Ansatz der Bildung“, erzählte Patricia.</p>
<p>Und ich weiß genau was sie meint.</p>
<div id="attachment_2545" aria-labelledby="figcaption_attachment_2545" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Sergiu-a-classmate-from-Berlin-giving-a-presentation-on-a-sculpture-in-Florence.jpg" rel="lightbox[2537]"><img class="size-medium wp-image-2545" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Sergiu-a-classmate-from-Berlin-giving-a-presentation-on-a-sculpture-in-Florence-300x200.jpg" alt="Maria " width="300" height="200" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Sergiu-a-classmate-from-Berlin-giving-a-presentation-on-a-sculpture-in-Florence-300x200.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Sergiu-a-classmate-from-Berlin-giving-a-presentation-on-a-sculpture-in-Florence-1024x685.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">In Berlin haben wir miteinander und voneinander gelernt</p></div>
<p>In Berlin habe ich selber das erste Mal andere Lehrmethoden erlebt. Ich glaube, man kann das in etwa so beschreiben: Es gab keine Professoren, sondern nur Texte, die gelesen wurden. Und das Wissen haben wir uns gemeinsam durch Diskussionen und Fragen erarbeitet. Ein klassischer Tag in dieser Lehrweise hat mit einer Vorlesung von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter begonnen, der seine Interpretation der Kapitel zum Besten gegeben hat, die wir vorher gelesen hatten. Danach konnten wir alle Fragen stellen, und so konnte eine Diskussion entstehen. Danach haben wir in unseren Seminaren weiter darüber debattiert und eigene Ideen entwickelt. Am Ende eines jeden Seminars gab es auch keine Prüfungen. Wir mussten Hausarbeiten zu einem Thema schreiben. Dieser Ansatz des Lernens hat meine Meinung unwiderruflich geändert: Ich glaube fest daran, dass auf diese Art und Weise das kritische Denken von Studenten gefördert wird. Wir haben dort gelernt zu hinterfragen und nicht einfach nur alles das hinzunehmen, was uns eine Person erzählt. Es geht doch darum die Fähigkeit zu entwickeln, eine fruchtbare Diskussion führen zu können. Außerdem fördert es die Kreativität und stärkt die Argumentationsfähigkeiten.</p>
<p>Ich habe darüber nachgedacht, was Emmy in ihrem letzten <a title="Bildung &quot;tötet&quot; die Kreativität" href="http://blogs.dw.com/bildungswege/?p=2459" target="_blank">Eintrag </a>geschrieben hat über die Bildung in Kenia, die die Kreativität tötet. Ich denke, dass es etwas damit zu tun hat, dass Bildung oft viel zu theoretisch vermittelt wird. Und darum ging es ja auch bei meinem Gespräch mit Patricia: Wie kann ich einen anderen, liberalen Ansatz der Bildung in einem Fach einführen, das eigentlich auf harten Fakten basiert? Es geht mir nicht darum, dass ich den Wert und die Stärke von Theorie untergraben möchte: Ich fände es nur gut, wenn man mehr Wert darauf legt, dass Studenten sich ihrer eigenen Fähigkeiten bewusst werden und sie motiviert werden diese auch zu nutzen.</p>
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		<title>Der Aufbau einer Lerngemeinschaft</title>
		<link>https://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1699</link>
		<pubDate>Sat, 02 Jun 2012 18:00:40 +0000</pubDate>
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<div></div>
<div id="attachment_1711" aria-labelledby="figcaption_attachment_1711" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Valeria-at-Integration-center-with-a-group-of-small-kids.jpg" rel="lightbox[1699]"><img class="size-medium wp-image-1711" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Valeria-at-Integration-center-with-a-group-of-small-kids-300x225.jpg" alt="Maria Cruz" width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Valeria-at-Integration-center-with-a-group-of-small-kids-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Valeria-at-Integration-center-with-a-group-of-small-kids.jpg 720w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Valeria mit Kleinkindern im Integrationszentrum El Dique</p></div>
<p>Nachdem der Zirkus-Workshop in Barrio Mosconi war, ist er nach El Dique gezogen. El Dique ist ein weiterer armer Stadtteil im Bezirk Ensenada. Jetzt, da ich in beiden Stadtteilen gewesen bin, kann ich sagen, dass die Lebensbedingungen in El Dique noch dramatischer sind: illegal gebaut Häuser und überall verdreckte Straßen. Die Direktorin der Grundschule in Barrio Mosconi hatte uns schon davon erzählt und sie sagte auch, dass in El Dique viel mehr Menschen leben. Daher gibt es dort auch ein „Community Integration Center“ – ein Integrationszentrum, das die Regierung aufgebaut hat. Dort kümmert man sich um Gesundheitsfragen, soziale Entwicklung, Kunstprojekte, Bildung und Sport. Und dort haben dann auch unsere Zirkuskurse stattgefunden.</p>
<p>Ich denke, dass es wichtig ist über diese Orte zu sprechen. Ich denke oft, dass ich so leidenschaftlich gerne lerne, weil ich das Glück hatte, immer Anregungen zu bekommen und auch herausgefordert zu werden. Bei uns zu Hause hat es mir an Nichts gefehlt. Ich habe immer Unterstützung gefunden. Als ich mich das erste Mal mit den Mitarbeitern vom Integrationszentrum in El Dique unterhalten habe, haben sie mir davon berichtet, was ihre Aufgaben sind: Sie unterstützen die Kinder emotional, versuchen sie herauszufordern und dazu zu motivieren eine Ausbildung zu beginnen.</p>
<p><span id="more-1699"></span></p>
<p>Den Kinder und Teenager, die aus sozial schwachen Familien stammen, fehlt es nicht nur an Interesse an der Schule, sondern sie wollen gar nicht lernen, um irgendwas an ihren Lebensumständen zu verbessern. Meistens sind ihre Eltern bildungsfern und arbeitslos. Eine Situation, die sich dann wie in einem Teufelskreis wiederholt. Und die wirtschaftliche Lage macht es nicht gerade besser. Sie fragen sich dann natürlich, warum sie überhaupt lernen sollen, wenn sie danach eh keine Jobs finden. Und warum sollte es bei ihnen besser funktionieren, als bei ihren Eltern? Es ist wirklich schwer, jemanden, der so ein schweres Schicksal hat, davon zu überzeugen, dass sich die Dinge auch ändern können.</p>
<p>Genau aus diesem Grund, schätze ich die Arbeit des Integrationszentrums sehr. Ich hatte einmal die Möglichkeit mich</p>
<div id="attachment_1709" aria-labelledby="figcaption_attachment_1709" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/El-Dique-neighbouhood-1.jpg" rel="lightbox[1699]"><img class="size-medium wp-image-1709" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/El-Dique-neighbouhood-1-300x225.jpg" alt="Maria Cruz" width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/El-Dique-neighbouhood-1-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/El-Dique-neighbouhood-1.jpg 720w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">El Dique ist ein trostloser Ort</p></div>
<p>mit Valeria vor Ort zu unterhalten. Sie ist die Koordinatorin eines Programms mit dem Namen „El Envion“. Dort will man den Kindern einen kleinen Anstoß geben, etwas zu verändern. Valeria sagt, dass sie sich bemühen, interessante Aktivitäten anzubieten: Fotografieren sei sehr beliebt. Die Zirkuskurse seien der Renner. Aber auch die Malerei werde gut angenommen. „Wir unterstützen sie auch in ihren Schulfächern, so wie Mathe oder Sprachen“, erzählt Valeria. Manche der Kids wollen für die Kurse sogar die Schule schwänzen, aber Valeria erklärt ihnen dann, dass die Schule sehr wichtig ist. „Wir sind einfach für die Kinder da und versuchen sie zu motivieren. Aber am Wichtigsten ist, dass die Kinder nicht die Schule sausen lassen. Wenn sie mit der Schule fertig sind, holen wir einen Ausbildungsberater dazu und sprechen über ihre Zukunftswünsche.“ Valeria ist wirklich sehr engagiert.</p>
<p>Auch ich kann sagen: Wenn die Kinder motiviert werden, dann lernen sie auch. Wenn sie Unterstützung finden, dann gehen sie auch den nächsten Schritt. Aber was, wenn die Kinder völlig alleine sind? Wenn sie keine zu Hause haben? Wenn sie keine Familie haben? Wie sieht die Situation in euren Ländern aus?</p>
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		<title>Ein Jahr für das Selbststudium</title>
		<link>https://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1681</link>
		<pubDate>Fri, 01 Jun 2012 10:00:48 +0000</pubDate>
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				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1687" aria-labelledby="figcaption_attachment_1687" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Or-enjoy-summer-before-university.jpg" rel="lightbox[1681]"><img class="size-medium wp-image-1687" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Or-enjoy-summer-before-university-300x198.jpg" alt="Pavel Mylnikov" width="300" height="198" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Or-enjoy-summer-before-university-300x198.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Or-enjoy-summer-before-university.jpg 600w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Eigentlich sollte man die Zeit vor der Uni genießen</p></div>
<p>Hellgurds <a title="Die Akzeptanz für Musik im Irak wächst!" href="http://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1571" target="_blank">Artikel </a>über das Musikstudium hat mich nachdenklich gemacht: Wie viele junge Menschen haben wohl das Gefühl, dass ihr Studium nicht gefragt ist? Aber auch das was Kathrin in ihrem <a title="Der Abstieg geht schnell, ein Aufstieg ist kaum möglich im deutschen Schulsystem " href="http://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1521" target="_blank">Artikel </a>über den Schüler Simon schreibt, der Sorge hat nicht versetzt zu werden, macht mich nachdenklich. Das alles erinnert mich an ein Thema, das mit Bildung jenseits der Universität zu tun hat und unter Schulabgängern ziemlich weit verbreitet ist: ein Jahr Auszeit.</p>
<p>So wie ich das verstanden habe, ist es in westlichen Ländern völlig normal ist sich ein Jahr Zeit für sich zu nehmen: Man kann seinen Horizont erweitern, indem man einen Halbtagsjob annimmt oder einfach etwas Neues lernt. Außerdem kann man finanziell unabhängig werden oder einfach nur reisen. Ein weiteres Ziel ist es, in dieser Auszeit seine Zukunft zu planen. Aber warum ist dieses positive Phänomen in vielen Ländern, auch in Russland, so unbekannt?</p>
<p><span id="more-1681"></span></p>
<p>Also, ich denke es liegt daran, dass die Anzahl der Unis und Hochschulen einfach dramatisch zugenommen hat in den letzten zwei Jahrzehnten. Es scheint, als wäre es schon ein Trend geworden, zu studieren. Wenn du kein Diplom hast oder nicht zur Uni gehst nach der Schule, giltst du als Versager. Aber was ist mit den Leuten, die vielleicht eine Lernschwäche haben oder gar kein Interesse an einer Weiterbildung haben? Für diese Menschen kommen dann vielleicht Handwerksberufe infrage. Das Problem dabei ist nur, dass das Berufsschulsystem in den frühen 1990er Jahren im „neuen Russland“ immer weiter abgebaut wurde. Und es ist echt schwer das wieder aufzubauen. Dabei wäre es so wichtig, wenn wir den Markt nicht übersättigen wollen mit immer mehr Uni-Abgängern, die wenig berufliche Fähigkeiten mitbringen.</p>
<div id="attachment_1685" aria-labelledby="figcaption_attachment_1685" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Pavel-1.jpg" rel="lightbox[1681]"><img class="size-medium wp-image-1685" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Pavel-1-300x265.jpg" alt="Pavel Mylnikov" width="300" height="265" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Pavel-1-300x265.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Pavel-1-1024x907.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Ich wünsche mir, dass wir auch in Russland eine Auszeit nach der Schule nehmen können</p></div>
<p>Hinzu kommt, dass alle Jungs über 18 Jahre ein Jahr zur Armee gehen müssen. Es gibt Mittel und Wege den Wehrdienst zu verschieben und zur Uni gehen ist einer davon. Die meisten Jungen beenden die Schule mit 17, dann müssen sie sofort an die Uni, ansonsten werden sie eingezogen. Warum nicht doch zur Armee? Man vermutet, dass es in der russischen Armee viel Gewalt gegen junge Wehrpflichtige gibt und dann auch noch Korruption. Die meisten Eltern wollen daher, dass ihre Söhne lieber studieren. Ich frage mich immer wieder, warum man das System der Armee nicht ändert. Das ist doch genau das, was in einer Zivilgesellschaft passiert, wenn man mit der Situation nicht zufrieden ist.</p>
<p>Der dritte Grund, warum es in Russland keine Auszeit gibt nach der Schule, ist Geld. Wer reisen will, braucht Geld, und viele Familien können sich das nicht leisten. Teenager haben in der Regel nicht so viel sparen können, um sich selber zu finanzieren. Die Familien bevorzugen es dann das wenige Geld, das sie haben, in die Ausbildung ihrer Kinder zu investieren. Das Selbststudium ist einfach nicht beliebt. Aber Bob Dylan hat ja schon gesungen „the times, they are a-changing “, die Zeiten ändern sich. Ich hoffe, dass wir das in Russland wirklich mal ändern. Ein Jahr Auszeit bedeutet Erfahrung, bedeutet Unabhängigkeit…bedeutet auch eine reifere Persönlichkeit.</p>
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