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Abenteuer Sport

mit Stefan Nestler

Entschlossen zum Everest-Gipfelversuch

Alex Txikon

Alex Txikon

Alex Txikon wirkt euphorisch. „Ich fühle mich nicht müde“, schreibt der 35 Jahre alte Baske, nachdem er vom Everest-Südsattel auf 7950 Meter in einem Rutsch bis ins Basislager auf rund 5300 Meter abgestiegen ist. „Mein Körper signalisiert mir, dass es geht, dass wir beim nächsten Mal zum Gipfel gehen werden. Bald werdet ihr die Nachricht unseres Angriffs erhalten.“ Zusammen mit den Sherpas Norbu, Nuri, Chhepal, Phurba und Pemba war Alex erstmals bis Lager 4 aufgestiegen.

Dem Himmel ganz nah

Txikon und Co. brechen nachts von Lager 2 Richtung Südsattel auf, das Thermometer zeigt rund minus 30 Celsius. „Ich bin ein bisschen nervös“, beschreibt Alex sein Gefühl, bevor er mit seinen Mitstreitern in die sternenklare Nacht hinaustritt. „Ich will mich nicht durch Erfrierungen um die Chance bringen, beim nächsten Aufstieg den Gipfel anzugreifen.“ Entschädigt werden die Bergsteiger durch das Bild, das sich ihnen bietet. „In einer Nacht wie dieser bist du dem Himmel so nah, dass es scheint, du könntest nach den Sternen greifen.“

200 Prozent Konzentration

Im "Tal des Schweigens"

Im „Tal des Schweigens“

In klirrender Kälte, verstärkt durch Wind, kämpft sich das Sechser-Team durch die Lhotseflanke. „Erst um 11 Uhr erreichen uns endlich die ersten Sonnenstrahlen und wärmen uns“, schreibt Alex. Wenig später stehen die Bergsteiger auf dem Südsattel. Txikon deponiert 15 Kilogramm Ausrüstung in Lager 4, Zelt, Gaskartuschen, Seile – und kehrt sofort wieder zurück: „200 Prozent Konzentration für den Abstieg.“ Nach einer kurzen Pause in Lager 2 beschließt Alex, noch bis ins Basislager abzusteigen – ohne seine Sherpa-Freunde, die sich zu erschöpft fühlen und erst am nächsten Tag folgen wollen. „Im Laufe der Jahre lernst du einfach, deine Stärke einzuschätzen“, sagt Alex. „Ich wusste, dass ich es schaffen konnte, wenn im Khumbu-Eisfall nicht wieder etwas zusammengebrochen wäre.“ Genau das war beim vorherigen Aufstieg geschehen, das Team hatte Schwierigkeiten gehabt, einen neuen Weg durch das Eislabyrinth zu finden.

Geplatzte Fingerspitzen

Diesmal geht alles gut. 18 Stunden nach dem nächtlichen Aufbruch erreicht Alex das Basislager. „Meine Füße schmerzen, die Fingerspitzen sind geplatzt, von der intensiven Kälte und der Arbeit, die wir geleistet haben. Die Augen, die Lippen … ich sehe aus wie Christus. Aber glücklich.“ Und bereit, beim nächsten Mal ohne Flaschensauerstoff bis zum Gipfel auf 8850 Metern aufzusteigen. Jetzt heißt es aber zunächst einmal, den angekündigten Sturm auszusitzen und Kräfte zu sammeln.

Datum

6. Februar 2017 | 10:19

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