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Abenteuer Sport

mit Stefan Nestler

Ganz oben auf dem Nanga Parbat?

Mingma Gyalje Sherpa am Nanga Parbat

Mingma Gyalje Sherpa ist sich nicht sicher. Er könne nicht mit hundertprozentiger Gewissheit sagen, ob er am 11. Juni mit seinem Team wirklich den 8125 Meter hohen Gipfel des Nanga Parbat erreicht habe, schreibt der 31 Jahre alte Nepalese heute auf Facebook und relativiert damit Berichte über den ersten Gipfelerfolg der Sommersaison an den Achttausendern Pakistans. Er habe sich auf die Ortskenntnisse eines pakistanischen Bergsteigers verlassen, der den neunthöchsten Berg der Erde 2005 bestiegen habe und mit dem er 2016 auf Gasherbrum I und II gewesen sei, schreibt Mingma. Doch der Pakistani habe das Team zunächst in eine andere Rinne geführt, als ursprünglich geplant. Das habe den Anstieg härter und länger gemacht habe. Als sie schließlich den höchsten Punkt eines Grats erreicht hätten, habe der Pakistani erklärt, dies sei der Gipfel. „Aber dieser Ort sah nicht so aus wie der schneebedeckte Gipfel, den ich von Bildern anderer Bergsteiger in Erinnerung hatte“, schreibt Mingma.

Erfrierung am Zeh

Unerwünschtes Souvenir

Deshalb hätten sie zwei weitere mögliche Gipfelpunkte bestiegen, die ihn aber auch nicht restlos überzeugt hätten. Eine dritte Stelle, die als Gipfel in Frage gekommen sei, hätten sie nicht mehr erreichen können, weil seinen Kunden der Flaschensauerstoff ausgegangen sei. Zu diesem Zeitpunkt waren die Bergsteiger nach den Worten Mingmas bereits 20 Stunden unterwegs, und es wurde dunkel. Sie stiegen ab. 43 Stunden nach ihrem Aufbruch erreichten sie wieder Lager 3. Mingma bezahlte den langen Auf- und Abstieg mit einem angefrorenen Zeh. „Das ist mein Geschenk vom Nanga Parbat.“

Im Zweifel ein weiterer Versuch

„Ich stecke immer noch in einem Dilemma mit unserem Gipfel“, räumt der Chef des Expeditionsveranstalters Dreamers Destination ein. Er wolle die 14 Achttausender besteigen und dabei Gipfelbilder vorweisen können, die zweifelsfrei bestätigten, dass er oben gewesen sei. Er werde, so Mingma, lieber noch einmal zum Nanga Parbat zurückkehren, als für eine Kontroverse um seine Leistung zu sorgen. Diese Einstellung ehrt den Sherpa. Sie scheint in letzter Zeit bei einigen Bergsteigern abhanden gekommen zu sein, die Vorgipfel für Gipfel erklären, ohne mit der Wimper zu zucken. Vielleicht stellt sich am Ende ja doch heraus, dass der Sherpa-Bergführer mit seinem Team den höchsten Punkt des Nanga Parbat erreicht und er damit seinen elften Achttausender bestiegen hat. Die „Gipfelbilder“ sollen jetzt geprüft werden.

Datum

18. Juni 2017 | 20:50

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