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Abenteuer Sport

mit Stefan Nestler

Nanga Parbat: Revols Zorn nach der Rettung

Elisabeth Revol bei der Pressekonferenz in Chamonix

„Wir hätten  Tomek retten können.“ Mit diesem Satz hat die französische Bergsteigerin Elisabeth Revol eine Debatte ausgelöst. Könnte ihr polnischer Seilpartner Tomek Mackiewicz, den sie nach dem gemeinsamen Gipfelerfolg am Nanga Parbat schneeblind und schwer höhenkrank auf 7200 Metern hatte zurücklassen müssen, noch leben, wenn die Rettung Ende Januar schneller angelaufen  wäre? Am Abend des 25. Januar hatte Revol mehrere Notrufe abgesetzt.   „Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, wenn man eine solche Rettungsaktion startet“, sagte Elisabeth am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Chamonix. „Tatsächlich hat es aber 48 Stunden gedauert, bis etwas passierte. Deshalb trage ich eine Menge Wut in mir. Tomek hätte gerettet werden können, wenn es sich um eine echte Rettungsaktion gehandelt hätte, rechtzeitig ausgeführt und organisiert.“  

Preis in die Höhe getrieben

Der Zorn der 37-Jährigen richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Bergsteiger der polnischen K 2-Winterexpedition, die ihr entgegengestiegen und sie in Sicherheit gebracht hatten, und auch nicht gegen die Hubschrauberpiloten, sondern gegen die pakistanischen Organisatoren der Rettungsaktion. Ludovic Giambiasi, ein Freund Revols, hatte von Frankreich aus versucht, die Suche nach den beiden in Not geratenen Bergsteigern anzuschieben. Er  sprach von „Verzögerungen und Problemen“.  So sei der Preis von 15.000 auf 40.000 Dollar hochgetrieben worden, „bar auf den Tisch“. Die Regierung der Provinz Gilgit-Baltistan setzte nach eigenen Angaben eine Kommission ein, die die Vorwürfe untersuchen soll.

In Not geratene Bergsteiger müssen nach unten

Revol wird mit dem Hubschrauber weggeflogen

Im Vergleich zu Nepal, wo die Hubschrauberrettung von den höchsten Bergen privat organisiert ist und mit westlicher Unterstützung inzwischen auch ziemlich professionell funktioniert, hinkt Pakistan noch hinterher. Das pakistanische Militär hält wegen der seit Jahrzehnten andauernden Spannungen mit Indien den Daumen auf den Luftverkehr im Norden des Landes. Das für Rettungseinsätze zuständige Unternehmen Askari Aviation ist eine Tochtergesellschaft des Army Welfare Trust. Die Hubschrauber werden von der Armee bereitgestellt und von ehemaligen Piloten der Luftwaffe geflogen.  Für eine Rettung am langen Seil aus Höhen von über 7000 Metern, wie sie inzwischen fast routinemäßig am Mount Everest praktiziert wird, fehlen sowohl die in Nepal eingesetzten entkernten Spezialhubschrauber, als auch das auf diese heikle Art der Rettung spezialisierte Personal. 2005 war es einem pakistanischen Hubschrauber-Team gelungen, den slowenischen Topbergsteiger Tomaz Humar am Seil aus 6000 Meter Höhe in der Rupalwand des Nanga Parbat in Sicherheit zu bringen. Routine sind solche Einsätze in Pakistan jedoch nicht. Expeditionen, deren Mitglieder in großer Höhe in Not geraten, werden von Askari Aviaton ausdrücklich dazu verpflichtet, einen Versuch zu unternehmen, die Bergsteiger bis auf eine sichere Hubschrauber-Landungshöhe unterhalb von 5500 Metern hinunterzubringen.

Datum

9. Februar 2018 | 1:27

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1 Kommentar

1 Kommentar

  • Ich kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Es ist doch jedem Bergsteiger bekannt, dass die Rettung in einigen Ländern ein Lotteriespiel ist. In unserem Sport wird es immer unkalkulierbare Restrisiken geben. Eben leider auch die Rettung.

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