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Abenteuer Sport

mit Stefan Nestler

Neues aus dem Karakorum

In den letzten Wochen war ich selbst viel in den Alpen unterwegs. Deshalb habe ich es ein wenig versäumt, euch über die Expeditionen im Karakorum auf dem Laufenden zu halten. Der Österreicher Gerfried Göschl hat inzwischen den Gasherbrum I in Pakistan bestiegen, jenen Achttausender, an dem er im vergangenen Winter gescheitert war. Der Aufstieg zum G I soll aber nur die Ouvertüre gewesen sein für seinen Versuch am K 2.


Ralf Dujmovits am Nordpfeiler des K 2

Datum

15. Juli 2011 | 8:13

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Schilda in Österreich

Bill Gates kauft den Mount Everest und tauft ihn in Windows 8000 um. Quatsch! Noch jedenfalls. Aber vielleicht nimmt sich das chronisch arme Nepal ja ein Beispiel an Österreich. Dort waren nämlich zwei Berge zum Verkauf ausgeschrieben: der Große Kinigat (2690 Meter) und der Roßkopf (2600 Meter) in Osttirol. Beide Gipfel nahe der 840-Seelen-Gemeinde Kartitsch gehörten der österreichischen Bundesimmobiliengesellschaft (BIG). Und die wollte sie verscherbeln, einzeln oder im Paket, zum Mindestkaufpreis von 121.000 Euro für eine Gesamtfläche von 1.214.483 Quadratmeter. Für jemandem mit einer gut gefüllten Geldbörse „Peanuts“.

Datum

14. Juli 2011 | 11:29

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Kleiner Vorgeschmack

Verdammt, kommen wir denn gar nicht vorwärts? Noch immer scheint der Gipfel der 3772 Meter hohen Wildspitze, des zweithöchsten Bergs Österreichs, weit entfernt. Und dann dieser Matsch-Schnee. Alle drei Schritte sinke ich tief ein. „Du musst dich leicht machen“, rät mir Bergführer Hans Miller, der in unserer Vierer-Seilschaft direkt vor mir die Spur zieht. Aber wie soll das gehen? Diät während der Bergtour? Über den Schnee schweben? Hans ist etwa einen Kopf größer als ich. Wenn er bis zum Schaft seiner Bergschuhe einbricht, hänge ich schon bis zum Knie im Loch.

Datum

13. Juli 2011 | 21:03

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Toter Mann

Ein Sprung vom Zehn-Meter-Turm ins Schwimmbecken wäre für mich als Kind niemals in Frage gekommen. Selbst vom Fünf-Meter-Brett wählte ich einst den schmachvollen Rückzug. Vorne angekommen hatte mich beim Blick in die Tiefe der Mut verlassen. Drei Meter, das war das höchste der Gefühle. Und jetzt soll ich freiwillig in diese Gletscherspalte auf dem Hangender Ferner rutschen, deren breiter Schlund nicht zu übersehen, deren Tiefe ich aber nicht abschätzen kann? Kneifen gilt nicht, wäre auch schwer nachvollziehbar. Schließlich bin ich genau deshalb ins Tiroler Pitztal gereist. Der Spaltenbergungskurs gehört zu meiner Vorbereitung auf die Expedition zum Siebentausender Putha Hiunchuli, zu der ich Ende September aufbrechen werde.

Datum

12. Juli 2011 | 10:33

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Im Duft des Windes

Ich würde nicht so weit gehen, mich als Kulturbanausen zu bezeichnen. Aber sicher bin ich nicht der Typ, der stundenlang durch Museen rennt, eher eine Vernissage als das Stadion besucht oder endlos über einen Pinselstrich philosophieren kann. Kunst muss mich ansprechen, meine Sinne rühren oder mich überraschen. Genau das widerfuhr mir vor einer Woche bei einem Ausflug in die Südtiroler Berge. Auf 2200 Metern Höhe, auf der Röschitzalm oberhalb von St. Ulrich im Grödnertal, hat der Bildhauer Wilhelm Senoner sieben lebensgroße Bronzefiguren platziert. Die Ausstellung heißt nicht umsonst „Im Duft des Windes“.


Bronzegesellen auf der Bergkuppe

Datum

4. Juli 2011 | 14:45

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Wie Comici

Mit den Fußspitzen stehe ich sicher auf einem kleinen Felsvorsprung, die Fersen hängen in der Luft. „Du musst immer erst nach unten schauen“, hat mir Bergführer Albin Markart aus Wolkenstein in Südtirol eingeschärft. „Wichtig ist, dass du einen sicheren Stand hast. Dann kannst du dich auf den nächsten Schritt konzentrieren.“ Der Dolomit-Fels fühlt sich unter meinen Händen angenehm warm an. Die Wand liegt in der Sonne. Hier ist schon Emilio Comici geklettert.


Dolomiten-Kletterei

Datum

30. Juni 2011 | 18:03

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Sonnenaufgang mit Weichei

Der Wecker gehört nicht zu meinen Freunden. Manchmal wird er sogar zum Feind. Wie heute morgen, als er um 3.40 Uhr klingelt. Eine unchristliche Zeit, die mit meinem Biorhythmus in etwa so vereinbar ist wie das Oktoberfest für einen Antialkoholiker. Doch die Sonne schert sich nun einmal nicht um Morgenmuffel. Wer sie aufgehen sehen will, muss früh aus den Federn. Am Vorabend habe ich meine Bergklamotten bereits so weit vorbereitet, dass ich, noch im Halbschlaf, nur hineinschlüpfen muss. Den Blick in den Spiegel schenke ich mir, nach einem Zombie ist mir am frühen Morgen nicht zu Mute.


Langkofel im ersten Sonnenlicht

Datum

25. Juni 2011 | 21:26

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Bedrohte Sprache

Eigentlich wollten wir heute den Sonnenaufgang auf einem Berg im Grödnertal in Südtirol genießen. Doch Petrus hatte noch nicht zu Ende geweint. Erst im Laufe des Vormittags verzogen sich die letzten Wolken über Wolkenstein und machten den Blick frei auf die Felsen der Sella-Gruppe. Zeit, sich mit den Menschen dieser Region vertraut zu machen. Das Grödnertal ist eines der wenigen Gebiete Europas, in denen gleich drei Sprachen gesprochen werden: Italienisch, Deutsch und Ladinisch.


Ich sehe, dass ich wenig sehe

Datum

24. Juni 2011 | 21:34

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Noch hundert Tage

Es war Zufall, dass mein heutiger Termin bei der Kardiologin genau auf den Tag fiel, an dem es noch hundert Tage bis zum Beginn der Expedition zum 7246 Meter hohen Putha Hiunchuli in Nepal sind. Nicht ganz zufällig hatte ich um den Routine-Check nachgesucht. Schließlich sollte man vor einer Tour wie dieser so viele Risiken wie möglich ausschließen. Und in extremer Höhe dürfte sich eine schwache oder anfällige Pumpe schnell als extremer Nachteil herausstellen.
Nach eingehender Untersuchung und Belastungs-EKG attestierte mir die Herzspezialistin, dass ich gut in Form sei. „Achten Sie darauf, dass Sie sich genügend Zeit nehmen, um sich zu akklimatisieren“, gab mir die Ärztin mit auf den Weg. Sie weiß, wovon sie spricht. Ihr Bruder hat immerhin drei Achttausender bestiegen. „Gesund ist das nicht gerade“, sagte die Kardiologin und lächelte.


Aufstiegsroute liegt auf der Hand, oder?

Datum

22. Juni 2011 | 14:08

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They always come back

Der Karakorum füllt sich. Einige Expeditionsteams haben sich auf den Weg zu den Achttausendern in Pakistan gemacht. Unter den Anwärtern befinden sich prominente Namen. So will der Österreicher Gerfried Göschl mit seinem Landsmann Günther Unterberger, dem Kanadier Louis Rousseau und dem Spanier Alex Txikon zunächst („zur Akklimatisation“) den Gasherbrum I besteigen, um sich anschließend am K 2 an einer neuen Route durch die Ostwand zu versuchen. Im März waren Göschl, Rousseau und Txikon mit ihrem Plan gescheitert, den G I erstmals im Winter zu besteigen.

Datum

21. Juni 2011 | 12:43

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Gelesen: Kein Weg zurück

„Das stärkste Buch über ein Bergunglück seit Jon Krakauers ‹In eisige Höhen›“? Mit dieser Formulierung aus einer Rezension, mit der auf dem Einband von Graham Bowleys „Kein Weg zurück“ geworben wird, tue ich mich schwer. Kann ein Buch über eine Tragödie, die Menschenleben kostete, wirklich „stark“ sein? Es geht um das Drama am K 2, bei dem im August 2008 in der Gipfelregion des zweithöchsten Bergs der Erde elf Bergsteiger ums Leben kamen.


Datum

20. Juni 2011 | 14:28

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Berg(ischer)lauf

Noch 104 Tage bis zum Beginn der Expedition zum Putha Hiunchuli. Heute wollte ich meine Kondition ein bisschen genauer unter die Lupe nehmen. Testgelände war die Sengbachtalsperre, vor den Toren Kölns im Bergischen Land gelegen. Die Runde ist etwa zehn Kilometer lang und hat familiäre Tradition: Meine Eltern gingen dort mit uns häufig an Wochenenden wandern, um nicht zu sagen sehr häufig. Und auch meine eigenen Kinder sammelten dort erste Wandererfahrung.


Laufen im Bergischen Land

Datum

18. Juni 2011 | 15:51

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Mit dem Kamel zum K 2

Das Ehepaar mit der weltweit größten Achttausender-Erfahrung ist wieder unterwegs. Gerlinde Kaltenbrunner, die 13 der 14 höchsten Berge der Welt bestiegen hat, und ihr Ehemann Ralf Dujmovits, der schon auf allen Achttausendern stand, haben sich auf den Weg zum K 2 gemacht. Sie wollen den zweithöchsten aller Berge über die selten versuchte chinesische Nordseite besteigen. Heute Mittag, kurz vor ihrem Abflug vom Frankfurter Flughafen Richtung Asien, telefonierte ich noch mit Gerlinde und Ralf (Unten könnt ihr die beiden auch hören).


Gerlinde und Ralf

Datum

15. Juni 2011 | 20:05

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Jimmy Roberts, Vater des Trekkings in Nepal

Im Gipfelhang des Putha Hiunchuli

„Die Gipfelkuppe war deutlich steiler als die unteren Hänge, aber ohne wirkliche technische Schwierigkeiten“, schrieb James Owen Merion, genannt „Jimmy“ Roberts. Der Engländer bestieg gemeinsam mit dem Sherpa Ang Nyima am 11. November 1954 erstmals den Putha Hiunchuli – jenen 7246 Meter hohen Berg in Nepal, an dem auch ich mich im Rahmen einer kommerziellen Expedition im Herbst versuchen will. Am Gipfel genoss Roberts die Aussicht: „Um 13.13 Uhr, vier Stunden nachdem wir das oberste Lager verlassen hatten, schauten wir voller Dankbarkeit auf im Süden gelegene Meer grüner Hügel, Täler und das Land, das wir sechs Wochen zuvor durchquert hatten.“

Datum

11. Juni 2011 | 17:41

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Der müde Everest

Vielleicht erinnert ihr euch noch an das Telefonat, das ich vor der „Besteigungs-Saison“ mit dem Mount Everest führte. Jetzt will ich doch mal nachhören, wie es ihm so ergangen ist. Ich wähle über das seit neuestem bestehende Breitbandnetz seine Handynummer. Er meldet sich erst nach dem zehnten Klingeln mit müder Stimme.

Hallo, hier Chomolungma, wer da?

Hier ist Stefan. Habe ich dich etwa geweckt? Es muss bei dir doch schon Mittag sein?

Ich habe zur Abwechslung mal länger in den Federn gelegen. Nach dem Stress der vergangenen Monate habe ich mir den kleinen Schönheitsschlaf ja wohl mehr als verdient.


War es so schlimm?

Datum

7. Juni 2011 | 8:33

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