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Abenteuer Sport

mit Stefan Nestler

Eine Geschichte

Ich habe im Blog darüber berichtet: Der Brite Peter Kinloch erreichte am 25. Mai den Gipfel des Mount Everest. Beim Abstieg verlor der 28-Jährige seine Sehfähigkeit und wurde immer schwächer. Zwölf Stunden lang kämpften Bergführer David O’Brien und drei Sherpas um das Leben ihres Gefährten. Dann musste Expeditionsleiter Dan Mazur die „schlimmste Entscheidung seines Lebens“ treffen. Er rief die Helfer zurück. Kinloch starb einsam auf 8600 Metern. War es eine „Tragödie“, wie die Zeitungen titelten? Ich gehe vorsichtig mit diesem Wort um. Jeder, der den Mount Everest besteigen will, muss das Risiko einkalkulieren, dass er nicht zurückkehrt. Und doch hat mich Peter Kinlochs Geschichte beschäftigt. Ich habe versucht, mir vorzustellen, wie er sich in seinen letzten Stunden gefühlt hat. Und ich habe angefangen zu schreiben. Keinen journalistischen Beitrag, sondern diese Geschichte.

Verdammt


Wie ruhig es plötzlich geworden ist. Nur noch das Lied des Windes, der über den Grat pfeift. Ich liege in meinem Schneeloch. Verdammt. Warum ich? Ich hatte Gott doch die Hand geschüttelt, auf dem Gipfel des Mount Everest, 8850 Meter hoch, an der Pforte zum Himmel. Hat er mich falsch verstanden?

Datum

9. Juni 2010 | 20:11

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Bergmüll, Müllberg?

Leichen sind Müll – zumindest nach Lesart der nepalesischen Behörden. Jede Expedition zum Mount Everest, dem höchsten Berg der Erde, muss bei der Abreise eine Müll-Kaution von 4000 US-Dollar hinterlegen. Erst wenn die Bergsteiger nachweisen, dass sie den wiederverwertbaren Müll zurückgebracht und Bio-Abfall verbrannt oder regelgerecht entsorgt haben, erhalten sie das Geld zurück. Leichen gehören zur letztgenannten Kategorie. Bleiben sie am Berg, behalten die Behörden die Kaution ein.


Jahr für Jahr sterben Bergsteiger beim Versuch, den Mount Everest zu besteigen. Auf aktuell mehr als 5000 Besteigungen kommen 220 Todesfälle. Lassen die Kletterer ihr Leben in der sogenannten „Todeszone“, also oberhalb von 8000 Metern, ist es schwer bis unmöglich, die Leichen zu bergen. Hannelore Schmatz war 1979 die erste Deutsche, die den Gipfel des Everest erreichte. Beim Abstieg starb sie an Erschöpfung. Jahrelang passierten Bergsteiger auf dem Weg zum höchsten Punkt die als „German woman“ bekannte, im Schnee sitzende Leiche, ehe sie vom Sturm weggeweht wurde.

Datum

5. Juni 2010 | 11:09

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Rätsel wohl ungelöst

“Es klingt seltsam, aber ich konnte mir den Gedanken nicht verkneifen, dass der Berg sich bemühte, sein Geheimnis für sich zu behalten.“ So beschrieb der Australier Duncan Chessell seinen gescheiterten Versuch, auf der tibetischen Nordseite des Mount Everest die Leiche des seit 1924 verschollenen Briten Andrew Irvine ausfindig zu machen – und natürlich dessen Fotoapparat. Die wohl meistgesuchte Kamera der Welt soll das Rätsel lösen, über das sich Generationen von Alpinhistorikern den Kopf zermartert haben. Was geschah wirklich am 8. Juni 1924, nachdem Irvine und George Leigh Mallory zu ihrem Gipfelversuch aufgebrochen waren? Die beiden kehrten nicht zurück. Mallorys Leiche wurde 1999 gefunden, seine Kamera nicht. Seitdem konzentrieren sich die Hoffnungen der Spurensucher auf die Leiche Irvines, wo immer sie auch liegen mag.
Nach seiner Rückkehr ins Basislager sagte Duncan Chessell, wie aus dem Nichts habe es zu schneien begonnen. Anderthalb Meter Schnee hätten sich über den Berg gelegt. Eine Suche nach Irvine sei unmöglich gewesen.


Der Australier Duncan Chessell

Datum

31. Mai 2010 | 16:33

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Verdienstvoll

Eigentlich habe ich es nicht so mit Orden. Sie haben für mich einen leicht militaristischen Beigeschmack. Und ich frage mich, was wird mit einem Orden befriedigt? Die Eitelkeit des Empfängers oder das schlechte Gewissen des Verleihers? Das Bundesverdienstkreuz wurde inzwischen mehr als 240.000 Mal vergeben, und sicher gab es da auch viele fragwürdige Empfänger. Der mächtigste Fußballfunktionär der Welt, Sepp Blatter, etwa erhielt es 2006 allein dafür, dass der Weltverband FIFA „durch die Vergabe der WM ein großes Vertrauen in uns Deutsche gesetzt hat“, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel damals sagte. Worin Blatters großer Verdienst bestand, ist mir bis heute nicht ganz klar, außer dass er dem Bund große Verdienste in Form von WM-Euros bescherte.

Datum

30. Mai 2010 | 13:23

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Nicht ohne dich

Ich bin euch noch schuldig, wie es dem Bergsteigerpaar Alix von Melle und Luis Stitzinger am 8485 Meter hohen Makalu ergangen ist. Ein erster Gipfelversuch am 24. Mai scheiterte wegen Schneefalls. Alix und Luis legten auf rund 8000 Metern ein Materialdepot an, um am folgenden Tag einen weiteren Versuch zu starten. Als sie zu ihrem obersten Lager zurückkehrten, mussten sie zunächst zwei Ukrainer aus ihrem Zelt verscheuchen, die es sich dort bequem gemacht hatten.


Die geplante Aufstiegsroute

Datum

29. Mai 2010 | 12:04

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Land der verbotenen Berge

Schokoladentäfelchen, Kamellen – vor dem buddhistischen Altar steht noch ein Körbchen mit der Beute aus dem Rosenmontagszug. Die beiden Mönche aus Bhutan, die vor dem Altar eine religiöse Reinigungszeremonie durchführen, schließen die Bevölkerung Kölns in ihre Gebete mit ein.


Die Mönche Kinzang Thinlay (l.) und Nima waren zu Gast in Köln

Geheimtipp Bhutan

Drei Monate lang war die Domstadt gewissermaßen ein Teil Bhutans. Im Museum für Ostasiatische Kunst wurden kostbare Statuen und sogenannte Thangkas, buddhistische Rollbilder, aus den Klöstern Bhutans gezeigt. Die Ausstellung war ein Renner, rund 40.000 Besucher wurden gezählt. Etwa so viele Touristen kommen derzeit auch in den ostasiatischen Staat – pro Jahr. Das kleine Königreich im Osten des Himalaya gilt immer noch als Geheimtipp. Das Land pflegt einen sanften Tourismus. Jeder Besucher muss 200 Dollar pro Tag berappen, dafür erhält er jedoch „Bhutan all inclusive“: Quartier, Verpflegung und Fremdenführer.

Datum

27. Mai 2010 | 14:51

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Gipfelfoto


Da fröstelt es mich schon beim Hingucken. Ein Traumtag auf dem Mount Everest sieht sicher anders aus. Gerlinde hat heute dieses Gipfelfoto übermittelt. Noch am Montag stieg sie gemeinsam mit Ralf ins Basislager der Normalroute auf dem östlichen Rongbuk-Gletscher ab. Am Dienstag kehrten sie dann in ihr eigenes Lager auf dem zentralen Rongbuk-Gletscher zurück. Dort warteten bereits – früher als geplant – die Yaks und ihre Treiber auf die beiden Bergsteiger. Schnell wurde alles für die Rückreise zusammengepackt. Sicher werden wir in den nächsten Tagen noch einen detaillierten Bericht Gerlindes und Ralfs über ihre Erlebnisse erhalten.

Datum

26. Mai 2010 | 12:28

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Gerlindes 13. Streich

Gerlinde Kaltenbrunner hat ohne Atemmaske den Gipfel des Mount Everest erreicht. Das berichtete der italienische Bergsteiger Silvio Mondinelli, der ebenfalls am höchsten Punkt war.

Ralf musste wegen Erkältung passen

(Update 17.30 Uhr) Inzwischen ist Gerlindes Gipfelerfolg auch von Amical Alpin, der Firma von Gerlindes Ehemann Ralf Dujmovits, bestätigt worden. Danach hatte Ralf in der Nacht entschieden, im letzten Lager auf 8300 Metern Höhe auf seine Frau zu warten. Der 48-Jährige hatte sich eine Erkältung zugezogen, die für ihn einen Gipfelversuch unmöglich machte.


Gerlinde bei einer Akklimatisierungstour oberhalb der tibetischen Orts Nyalam

Datum

24. Mai 2010 | 11:45

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Der reale Wahnsinn

Auf dem Gipfel des Mount Everest geht es in diesen Tagen zu wie am ersten Tag des Sommerschlussverkaufs. Allein der Veranstalter International Mountain Guides hat 30 Expeditionsmitglieder auf den höchsten Punkt gebracht. Der beinamputierte Kolumbianer Nelson Cardona hat auf einer Prothese den Gipfel erreicht. Oder auch Khalid Sulaiman Alsiyabi als erster Bergsteiger des Sultanats Oman. Apa Sherpa hat seinen Rekord auf nun 20 Everest-Besteigungen gesteigert.

Datum

23. Mai 2010 | 23:40

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Paarweise

Vor ein paar Tagen auf der Heimfahrt vernahm ich im Radio eine mir vertraute Stimme. Reinhold Messner gab eines seiner – geschätzt – fünf Interviews pro Tag. Ich amüsierte mich über die (wie so oft vergeblichen) Versuche der Moderatorin, den Redefluss der lebenden Bergsteigerlegende zu unterbrechen. Aus eigener Erfahrung weiß ich wie schwer das ist. Dann horchte ich auf. Reinhold war kurz angebunden. Die Frage: Ob er jemals seine Partnerin auf einen schwierigen Berg mitgenommen habe? „Nein, nur bis ins Basislager. Bei meiner Frau, mit der ich seit mehr als 20 Jahren zusammenlebe, waren die Rollen klar verteilt. Sie kümmerte sich um die Erziehung der Kinder.“ Und Messner schob noch nach, dass er es toll finde, dass Gerlinde Kaltenbrunner gemeinsam mit ihrem Ehemann Ralf Dujmovits am Mount Everest eine schwierige Route versuche. „Ich hatte nie eine solche Partnerin.“ Fast klang der 65-Jährige ein bisschen neidisch.


Gerlinde und Ralf

Datum

21. Mai 2010 | 8:37

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Liebesbeweis

Der Traum von der Durchsteigung der Nordwand des Mount Everest ist für Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits geplatzt. Schweren Herzens und nach langer Diskussion entschied sich das Ehepaar, vom zentralen Rongbukgletscher zum Nordsattel aufzusteigen und von dort aus auf dem tibetischen Normalweg zu versuchen, den 8850 Meter hohen Gipfel zu erreichen. Selbstverständlich ohne Atemmaske, aber eben doch auf einer sportlich weniger anspruchsvollen Route. Was war geschehen?


Abschied von der „Supercouloir“-Route

Datum

17. Mai 2010 | 15:55

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Pasabán besteigt ihren 14. Achttausender

Die Zahl 17 hat ihr Glück gebracht. Am 17. April bestieg die Spanierin Edurne Pasabán in Nepal die Annapurna, ihren 13. Achttausender. Am heutigen 17. Mai erreichte sie mit ihrem Team um 07.30 Uhr MESZ den höchsten Punkt der Shishapangma in Tibet, 8027 Meter hoch. Es sei ein sehr emotionaler Augenblick gewesen, schreibt die 36 Jahre alte Baskin in ihrem Blog. Sie habe ihre Teamkameraden umarmt und Freudentränen geweint.


Pasabán auf dem Gipfel der Shishapangma

Datum

17. Mai 2010 | 9:41

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By fair means

Dieser Berg wurde im Gegensatz zum Mount Everest nie in Fesseln gelegt. Er entstand und verschwand. Ich habe ihn bestiegen, als Erster, als Einziger: Free Solo, eine reine Eiskletterei, ohne Eisschrauben, sogar ohne Seil, eine Speedbesteigung, auf der Magic Line, durch eine wie ein gerader Strich nach oben ziehende Rinne zum höchsten Punkt. Keine Hochträger, keine Zwischenlager, keine Atemmaske. Bei minus 30 Grad, perfekter Sicht, Windstille im Gipfelbereich.
Mount Nestler habe ich ihn getauft, seine Höhe: ca. 5,30, vielleicht auch 5,40 Meter. Er stand in der Arktis, irgendwo zwischen dem 89. Breitengrad und dem Nordpol, etwa auf dem 160. Längengrad. Wahrscheinlich hatte er sich erst ein paar Tage vorher in die Höhe geschoben, einige Tage später ist er möglicherweise wieder in sich zusammengebrochen. Warum ich ihn bestiegen habe? Weil er da war.


Nestler auf Mount Nestler

Datum

15. Mai 2010 | 16:52

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Gelesen: Psychovertikal

Klappern gehört zum Geschäft. Das gilt auch für Profibergsteiger. Sie wollen wahrgenommen werden. Und so gibt es jede Menge Bergbücher, in denen Kletterer ihre „Heldentaten“ (oder was sie dafür halten) verkaufen und ihr Seelenleben ausbreiten. Unter diesen Werken finden sich nach meinem Geschmack wenige sehr gute, einige gute, viele überflüssige und schlechte. In meinem Blog werde ich von Zeit zu Zeit neue Bergbücher kurz vorstellen. Erwartet keine ausführliche Rezension, ich will euch einfach den einen oder anderen Tipp geben. Die aus meiner Sicht überflüssigen Bücher lasse ich weg, es reicht, wenn ich mich gelangweilt habe.


Datum

14. Mai 2010 | 15:34

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Schlaflos in Innsbruck

Wer einen Achttausender besteigen will, muss nicht nur das Bergsteigen beherrschen, sondern auch geduldig sein. Tagelang, manchmal wochenlang warten die Gipfelanwärter auf das kleine Wetterfenster, das eine Chance für einen Gipfelversuch bietet. Auch Gerlinde (Kaltenbrunner) und Ralf (Dujmovits) müssen sich im vorgeschobenen Basislager auf dem zentralen Rongbukgletscher auf der tibetischen Nordseite des Mount Everest in Geduld üben. Starker Wind und extreme Kälte im Gipfelbereich lassen es noch nicht zu, dass die beiden wie geplant in die Nordwand einsteigen. „Die ersten Tage nach unserer Rückkehr (von einer Akklimatisierung-Tour auf der Normalroute bis auf eine Höhe von 7600 Metern) waren notwendig, um auszurasten und uns zu regenerieren nach den Tagen und Nächten in der Höhe“, schreibt Gerlinde in ihrem Tagebuch. „Nun aber wären wir mehr als erholt und warten sehnlich auf gute Nachrichten von Charly Gabl.“


Karl Gabl an seinem Arbeitsplatz in Innsbruck

Datum

12. Mai 2010 | 22:24

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