More DW Blogs DW.COM

Abenteuer Sport

mit Stefan Nestler

Langes Abenteuer, kurzer Sport

Auf den ersten Blick scheinen Bergsteiger und Bergarbeiter kaum etwas miteinander gemein zu haben: Die einen steigen dem Himmel, die anderen dem Erdinnern entgegen. Bergsteiger leisten sich den Luxus, das Nutzlose zu erobern, Bergarbeiter schuften tief unter der Erdoberfläche hart, um ihre Familien über die Runden zu bringen. Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten: Beide gehen ein mehr oder weniger kalkulierbares Risiko ein, leben mit der Gefahr, am oder im Berg zu bleiben, zumindest aber im Notfall auf Hilfe von außen angewiesen zu sein. Bei der Rettung der 33 chilenischen Kumpel, die nach einem Grubenunglück mehr als zwei Monate lang in 600 Metern Tiefe ausgeharrt hatten, wurde eine Seilwinde benutzt. Bei mir wurden Erinnerungen an Bilder von Bergungsaktionen an großen Bergwänden wach – auch wenn dort keine Rettungskapsel verwendet wurde, die wie eine bunte Zigarre aussah.

Datum

14. Oktober 2010 | 8:53

Teilen

Feedback

2 Kommentare

Fish and Chips and Interview

Manchmal fällt einem ein Interview in die Frittentüte. Mir widerfuhr das jetzt in Frankfurt. Wenn immer möglich, schaufele ich mir alljährlich einen Tag für die größte Buchmesse der Welt frei: Kontakte pflegen, Gespräche mit Autoren führen, nach neuen Berg- und Abenteuerbüchern stöbern. Drei Stunden lang war ich bereits mehr oder weniger erfolglos durch die Hallen getrekkt. Mein Eindruck: Die Verlage setzen immer mehr auf Stars und Sternchen. Fast jeder A- oder B-Promi darf, unabhängig von seiner Begabung dazu, ein Buch schreiben. Oder schreiben lassen. Bergsteiger gehören außerhalb der Szene eher selten zur besagten Gattung. Folglich muss man sie meist auf der Messe mit der Lupe suchen. Diesmal half auch das nicht.


Einer der wenigen Stände mit Abenteuerbüchern

Datum

8. Oktober 2010 | 14:29

Teilen

Feedback

Comments deactivated

Vierter 8000er für Alix

Wie uns die tödlichen Unfälle der vergangenen Tage wieder vor Augen geführt haben, ist und bleibt Extrembergsteigen ein Risikosport. Doch an dieser Stelle will ich dem vielleicht entstandenen Eindruck entgegentreten, fast jedes Projekt ende mit einem Unglück. Allein am Cho Oyu, wo vorgestern Walter Nones ums Leben kam, waren und sind in diesem Herbst rund 450 Bergsteiger unterwegs, die meisten natürlich auf der Normalroute.


Alix auf dem Gipfel des Cho Oyu

Datum

5. Oktober 2010 | 6:08

Teilen

Feedback

Comments deactivated

Achttausender mit Trauerflor

Die Nachmonsun-Saison im Himalaya läuft – und hat ihre ersten Opfer gefordert. Beim Versuch, den 8188 Meter hohen Gipfel des Cho Oyu in Tibet über die Südwestwand zu erreichen, kam gestern der Südtiroler Walter Nones ums Leben. Der 38 Jahre alte Bergführer aus Südtirol hatte bei schwierigen Verhältnissen versucht, den Berg alleine zu besteigen, nachdem zwei Expeditionskameraden umgekehrt waren. Als die beiden kein Lebenszeichen mehr von Nones erhielten, stiegen sie erneut auf. Sie fanden seine Leiche in einer Spalte auf rund 7000 Metern.


Walter Nones, 1971-2010

Datum

4. Oktober 2010 | 14:58

Teilen

Feedback

Comments deactivated

Kurt Albert ist tot

Nun ist aus den Vermutungen also doch traurige Gewissheit geworden. Die Ärzte konnten das Leben Kurt Alberts nicht mehr retten.


Die Kletterszene trauert um einen echten Pionier: Kurt Albert ist im Alter von 56 Jahren gestorben. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberpfalz erlag er am Dienstagabend den schweren Verletzungen, die er sich am Sonntag bei einem 18-Meter-Sturz zugezogen hatte. Albert war einer von drei Führern einer 17-köpfigen Gruppe, die in den „Höhenglücksteig“, einen beliebten Klettersteig im Frankenjura, eingestiegen war. Warum Albert an einer eher leichten Stelle abstürzte, ist noch unklar. Ein Rettungshubschrauber brachte ihn ins Krankenhaus, wo die Ärzte zwei Tage lang versuchten, sein Leben zu retten, am Ende vergeblich.

Rotpunkt

Kurt Albert gehörte zu den Pionieren des Freikletterns. Schon mit 14 begann er, in den Felsen seiner heimatlichen Fränkischen Schweiz zu klettern. Klassische Touren in den Alpen wie der Walkerpfeiler an den Grandes Jorasses im Mont-Blanc-Gebiet oder die Eiger-Nordwand folgten in den nächsten Jahren. 1975 begann Albert, Routen, die er im Vorstieg, also mit Seilsicherung von unten, frei geklettert war, am Einstieg mit einem roten Punkt zu markieren. Heute ist „Rotpunkt“ ein fester Begriff im Vokabular der Freikletterer.


Verfechter eines sauberen Kletterstils

Datum

29. September 2010 | 9:01

Teilen

Feedback

Comments deactivated

Kurt Albert lebensgefährlich verletzt

An dieser Stelle konntet ihr zwei Stunden lang einen Nachruf auf den Extremkletterer Kurt Albert lesen. Mehrere Fachmagazine, Internetseiten und auch Spiegel online hatten zuvor gemeldet, der 56-Jährige sei an den schweren Verletzungen gestorben, die er sich am Sonntag bei einem 18-Meter-Sturz von einem Klettersteig im Frankenjura zugezogen hatte. Die Polizei in Regensburg widersprach den Meldungen. Kurt Albert sei bei dem Sturz lebensgefährlich verletzt worden und werde weiter auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Erlangen behandelt.


Kurt Albert verunglückte im Frankenjura

Datum

28. September 2010 | 13:29

Teilen

Feedback

Comments deactivated

Gelesen: Jenseits des Berges

Besser als Steve House hätte ich es nicht auf den Punkt bringen können: „Eine große alpinistische Unternehmung hat alles, was zu einer guten Geschichte gehört: ein würdiges Ziel, Einsatzbereitschaft und Hingabe, Krise, Kampf und Entschluss.“

Der 40 Jahre alte US-Amerikaner liefert seit Jahren Stoff für gute Geschichten. Denn Steve House ist einer der besten Bergsteiger der Welt. So durchstieg er mit seinem Seilpartner Vince Anderson 2005 die mächtige Rupalwand am Achttausender Nanga Parbat in Pakistan erstmals im Alpinstil, also ohne Atemmaske, Hochträger und Lagerkette. Völlig zu Recht erhielten die beiden dafür den Piolet d’Or, den Goldenen Eispickel, den „Oscar“ der Profibergsteiger.

Datum

27. September 2010 | 13:07

Teilen

Feedback

Comments deactivated

Hoch steigen, weit fliegen

Andy träumt von Monaco. Im fünften Anlauf will der Südtiroler Andreas Frötscher nach all den Strapazen erstmals auch das Ziel der X-Alps in der Stadt der wirklich Reichen und vermeintlich Schönen erreichen.


Mit Gleitschirm und zu Fuß über die Alpen

Denn diese Regel des extremen Rennens kennt kein Wenn und Aber: 48 Stunden, nachdem der Sieger angekommen ist, werden die X-Alps gestoppt. Bei der letzten Auflage 2009 waren innerhalb dieser Frist nur zwei Starter in Monaco gelandet. Andy beendete das Rennen 288 Kilometer vor der Stadt an der Cote d’Azur.

Datum

23. September 2010 | 13:21

Teilen

Feedback

Comments deactivated

Schachspielen mit dem Tod


Auf der Suche nach dem verlorenen Paradies?

Bei der Zeitungslektüre an diesem Sonntagmorgen stolperte ich über ein Zitat. Es fand sich in einer Reportage über den italienischen Rennarzt Claudio Costa. Seit 38 Jahren flickt der Chirurg aus Italien bei Motorrad-Rennen gestürzte Fahrer wieder zusammen. 600 bis 700 Sturzopfer landen pro Saison in der mobilen Klinik Costas direkt an der Strecke. Einige der Fahrer verdanken Costa ihr Leben. Der 69-Jährige wurde nun nach dem Sinn des gefährlichen Sports gefragt. „Die Piloten spielen Schach mit dem Risiko des Todes“, antwortete Costa, „wahrscheinlich, um in sich selbst die Fragmente des verlorenen Paradieses zu finden”. Gilt das nicht auch für andere Risiko-Sportler?

Datum

19. September 2010 | 11:27

Teilen

Feedback

1 Kommentar

Hiro, der Stehauf-Mann

Ob er – wie Katzen sprichwörtlich – sieben Leben hat, weiß ich nicht. Drei aber hat Hiro sicher. Zweimal ist Hirotaka Takeuchi dem Tod nämlich bereits von der Schippe gesprungen. 2005 war ich nahe dabei. Ich berichtete in Tibet, vom Basislager auf dem Zentralen Rongbukgletscher aus, über den Versuch Gerlinde Kaltenbrunners, Ralf Dujmovits’ und ihres japanischen Freunds Hiro, die Nordwand des Mount Everest zu durchsteigen. Die Wetterverhältnisse ließen es nicht zu. Das Trio beschloss, zum Nordsattel und von dort aus über die tibetische Normalroute zum Gipfel auf 8850 Metern aufzusteigen. Wenige Wochen zuvor war den drei Bergsteigern die erste Überschreitung der 8027 Meter hohen Shishapangma gelungen: durch die Südwand hinauf, auf der Nordseite hinunter.


Ralf und Gerlinde bringen Hiro 2005 zurück ins Basislager

Datum

17. September 2010 | 19:57

Teilen

Feedback

Comments deactivated

Gelesen: Über alle Berge

Es gibt Bücher, die mag ich einfach schon, bevor ich eine Seite darin gelesen habe. So erging es mir bei „Über alle Berge“, einer kleinen, aber feinen Sammlung von 15 Geschichten über das Wandern. Schon der Leinen-Einband des Büchleins, ein schönes Gemälde einer Berglandschaft, hat es mir angetan. Ich fühlte mich geradezu eingeladen, mich bei einem Glas Wein in meinen gemütlichen Sessel zu setzen und zu schmökern.

Datum

14. September 2010 | 18:19

Teilen

Feedback

Comments deactivated

Sieger der rheinischen Herzen

Die beiden „Rheinsteiger“ haben das Ziel des Transalpine-Run in Sexten in den Dolomiten erreicht. Auch auf der letzten Etappe über 33,4 Kilometer mit 1269 Höhenmetern im Aufstieg ließen sich Jochen und Gert nicht mehr die Butter vom Brot nehmen. Mit ihrer Zeit von 4:00.36 Stunden landeten die Kölner auf dem Schluss-Stück in ihrer Altersklasse auf dem 24. Rang.


Das Training im Siebengebirge hat sich für Gert (l.) und Jochen ausgezahlt

Datum

11. September 2010 | 20:29

Teilen

Feedback

Comments deactivated

Balsam auf die Männer-Seele

Die „Rheinsteiger“ haben Witterung aufgenommen. „Das Ziel kommt in Reichweite und jetzt muss das Ding auch eingetütet werden“, schreibt Gert nach der sechsten Etappe. 4:37.25 Stunden brauchten er und Jochen für die 39,7 Kilometer von Sand in Taufers durch das Ahrntal hinauf zum 2275 Meter hohen Kronplatz und dann hinunter nach St. Vigil. Auf die wieder Schnellsten (die Namen lasse ich diesmal weg, ihr wisst schon wer) verloren die beiden Kölner gut 70 Minuten. In der Tageswertung ihrer Altersklasse bedeutete das Platz 24, im Gesamtklassement rückten sie auf den 22. Rang vor. Unter allen Teams schoben sich die „Rheinsteiger“ auf Platz 42.

Datum

10. September 2010 | 7:34

Teilen

Feedback

Comments deactivated

Stangls Gipfellüge: „Unerklärlich, enttäuschend, schädlich“

Ich habe mal bei Gerlinde (Kaltenbrunner) und Ralf (Dujmovits) nachgefragt, was sie von Christian Stangls Fuschnummer am K 2 halten.


Gerlinde und Ralf daheim in Bühl

Schließlich hatten die beiden zur gleichen Zeit wie Stangl mehrere Wochen im Basislager des K 2 verbracht. Allerdings befanden sie sich bereits auf der Heimreise, als der 44-Jährige zu seinem letzten Versuch aufbrach.
Hier Gerlindes und Ralfs Antwort, die kurz und bündig ausfiel: „Christian Stangl haben wir persönlich gekannt, sein Verhalten ist uns unerklärlich. Die Lüge über seinen Gipfelerfolg finden wir äußerst enttäuschend und schadet dem Alpinsmus und der Profi-Alpinszene.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Datum

9. September 2010 | 11:20

Teilen

Feedback

Comments deactivated

Gereizte Sehnen, zwitschernde Knie

Fünf Lauftage in den Alpen haben Spuren hinterlassen. Nach der fünften von acht Etappen des Transalpine-Runs klagte Gert über eine Sehnenreizung am linken Fuß. In den Tagen zuvor war eher Jochen, der andere Läufer des „Rheinsteigerteams“ der Geplagte gewesen: Blasen an den Füßen, Rückenprobleme.
Angesichts der Belastungen der vergangenen Tage kann das kaum verwundern. So war der fünfte Tagesabschnitt von Prettau im Südtiroler Ahrntal nach Sand in Taufers zwar mit 34,5 Kilometern im Vergleich zu vorhergehenden Etappen relativ „kurz“, doch das Höhenprofil hatte es in sich. Hinauf zur 2537 Meter hohen Bretterscharte, dann insgesamt 2408 Meter bergab. Da zwitschern die Knie.


Fünf Etappen, fünfmal Tagessieger: die Schotten Symonds und Owens

Datum

9. September 2010 | 7:27

Teilen

Feedback

Comments deactivated