More DW Blogs DW.COM

Abenteuer Sport

mit Stefan Nestler

Rätselraten am Nanga Parbat

Elisabeth Revol und Tomek Mackiewicz

Elisabeth Revol und Tomek Mackiewicz

Der Himmel über dem Nanga Parbat ist klar, aber ich stochere im Nebel. Aus den wild umherwirbelnden Informationen im Internet versuche ich mir zusammenzureimen, welche Bergsteiger am höchsten Berg der Erde gerade wo sind. Die Sonne ist in Pakistan längst untergegangen, ich gehe also davon aus, dass die Bergsteiger inzwischen in ihren Zelten Schutz gesucht haben. Wie weit der Pole Tomek Mackiewicz und die Französin Elisabeth Revol bei ihrem ersten Gipfelverstoß gekommen sind, ist unklar. Der Pakistaner Arslan Ahmed, der zum Team gehört hatte, wegen gesundheitlicher Probleme aber vorzeitig abgereist war, hatte um 10.30 Uhr Ortszeit zum letzten Mal Kontakt zu Tomek. „Da waren sie auf 7400 Metern und er sagte mir, wir sind nahe dran“,  schreibt mir Arslan. Seitdem seien alle Versuche, Mackiewicz und Revol per Satellitentelefon zu erreichen, erfolglos geblieben. Angeblich hatten die beiden die Messner-Route verlassen und waren auf der Buhl-Route Richtung Gipfel gestiegen, also auf dem langen Weg, den Hermann Buhl bei der Erstbesteigung 1953 nahm. Bei seinem legendären Alleingang hatte Buhl am Gipfeltag 1300 Höhenmeter überwunden und anschließend ein Biwak auf knapp 8000 Metern im Stehen überlebt.

„Nanga Dream“-Team auf 7200 Metern

Auf der anderen Seite des Bergs, der Rupalseite, hat das polnische „Nanga Dream“-Team heute auf der Schell-Route gute Fortschritte gemacht. Ihr GPS-Ortungsgerät zeigt, dass sie bis auf eine Höhe von 7200 Metern aufgestiegen sind – sprich bis zum Mazenograt, von wo aus sie auf die Diamir-Seite des Bergs hinunterblicken können. Das Team könnte, wenn alles perfekt läuft, am morgigen Samstag den Gipfel erreichen.
So weit sind der Spanier Alex Txikon, der Italiener Daniele Nardi und der Pakistaner Ali Sadpara noch nicht. Sie stiegen heute auf der Kinshofer-Route in einem Zug vom Basislager bis Lager 2 auf 6100 Meter auf. Die Italiener Simone Moro und Tamara Lunger, die auf der Messner-Route aufgestiegen waren, sind inzwischen ins Basislager zurückgekehrt. Der Grund: Der Wind habe wieder aufgefrischt, der Wetterumschwung komme möglicherweise früher als erwartet. Eigentlich sollte das stabile Winterwetter am Nanga Parbat noch bis Sonntag halten. Es bleibt spannend.

Update 17.30 Uhr: Tomek and Elisabeth sind unversehrt in Lager 4 auf 7200 Metern. „Sie sind sehr müde und ruhen sich aus“, twittert Arslan Ahmed und ergänzt, dass er keine weiteren Informationen bekanntgeben darf.

Datum

22. Januar 2016 | 16:56

Teilen