Annapurna – Abenteuer Sport https://blogs.dw.com/abenteuersport Blog über Expeditionen und Grenzerfahrungen Wed, 06 Mar 2019 10:38:57 +0000 de-DE hourly 1 Nelson und Morrison gelingt historische Skiabfahrt vom Lhotse https://blogs.dw.com/abenteuersport/nelson-und-morrison-gelingt-skiabfahrt-vom-lhotse/ Thu, 04 Oct 2018 16:30:15 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=42143

Jim Morrison im Lhotse-Couloir

So viel steht fest, 2018 wird als ein ganz besonderes Jahr für Skibergsteiger in die Geschichte eingehen. Schließlich wurden bereits zwei der „letzten“ großen Ski-Probleme an den höchsten Bergen der Welt gelöst. Erst gelang im vergangenen Juli dem Polen Andrzej Bargiel  im Karakorum in Pakistan – wie berichtet – die erste komplette Skiabfahrt vom 8611 Meter hohen Gipfel des K 2, des zweithöchsten Bergs der Erde. Und jetzt knackten Hilaree Nelson und Jim Morrison eine weitere Nuss, an der sich zuvor einige der besten Skibergsteiger die Zähne ausgebissen hatten. Die beiden US-Amerikaner befuhren am Lhotse, dem mit 8516 Metern vierthöchsten aller Berge, mit ihren Skiern die so genannte „Dream Line“: vom Gipfel durch das schmale, rund 45 bis 50 Grad steile Lhotse-Couloir bis hinunter nach Lager 2 im Western Qwm auf 6400 Metern. „Wir haben es geschafft“, schreibt Jim zu einem Foto seiner Skispitzen, das er heute auf Instagram postete: „Das sind die Skispitzen, kurz vor dem ersten Schwung, der jemals vom Gipfel des Lhotse gemacht worden ist. Am Gipfel auf fast 28.000 Fuß Höhe lag Pulverschnee und es war supersteil. Einige vorsichtige Schwünge und ein Umsteige-Sprung brachten mich in das Couloir, wo ich mir einen Traum erfüllte, auf den ich mein Leben lang hingearbeitet haben.“

„Höhepunkt meiner Skibergsteiger-Karriere“

Lhotse-Couloir (vom Everest aus gesehen)

Am 30. September, also am vergangenen Sonntag, seien Nelson und er mit den Skiern vom Gipfel nach Lager 2 abgefahren, berichtet Morrison. Sie seien dort um 14.22 Uhr Ortszeit eingetroffen. Jims Lebensgefährtin Hilaree kann es noch gar nicht fassen: „Ich bin immer noch dabei, die Erlebnisse des gesamten letzten Monats aufzuarbeiten. Doch ohne jeden Zweifel war dies einer der Höhepunkte meiner 20 Jahre andauernden Skibergsteiger-Karriere.“ Hilaree Nelson, von der Zeitschrift „National Geographic“ 2018 zur „Abenteuerin des Jahres“ gekürt, ist eine äußerst erfahrene Skibergsteigerin. So gelang der Mutter zweier Söhne 2017 mit Morrison und Chris Figenshau die erste Skiabfahrt vom 6451 Meter hohen Papsura, auch „Peak of Evil“ (Gipfel des Bösen) genannt, im indischen Teil des Himalaya. 2012 erreichte sie innerhalb von 24 Stunden die Gipfel von Mount Everest und Lhotse.

Lazo und Pugovkin geben an der Annapurna auf

Derweil haben die Russen Vitaly Lazo und Anton Pugovkin ihre Ski-Expedition an der 8091 Meter hohen Annapurna abgebrochen. Es habe zu viel Schnee auf den Hängen des Achttausenders im Westen Nepals gelegen, ließen die beiden wissen. Viele Eislawinen und Schneebretter seien abgegangen. Lazo und Pugovkin haben sich im Rahmen ihres Projekts „Freeriden in der Todeszone“ vorgenommen, fünf der 14 Achttausender ohne Flaschensauerstoff zu besteigen und anschließend mit Skiern vom Gipfel abzufahren. Im Herbst 2017 gelang den beiden am 8163 Meter hohen Manaslu der erste Erfolg. Neben der Annapurna stehen noch Mount Everest, K 2 und Nanga Parbat auf der To-do-Liste der Russen.

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Skiversuche an Annapurna und Lhotse https://blogs.dw.com/abenteuersport/skiversuche-an-annapurna-und-lhotse/ Tue, 18 Sep 2018 14:42:53 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=41993

Anton Pugovkin (l.) und Vitaly Lazo (r.)

„Freeriden in der Todeszone“ haben die beiden Russen Vitaly Lazo und Anton Pugovkin ihr ambitioniertes Projekt getauft. Ihr Ziel: Fünf der 14 Achttausender ohne Flaschensauerstoff besteigen und anschließend mit Skiern vom Gipfel abfahren. Im Herbst 2017 gelang den beiden am 8163 Meter hohen Manaslu der erste Erfolg, in dieser Herbstsaison soll Teil zwei des Projekts an der 8091 Meter hohen Annapurna folgen. Außerdem stehen noch Mount Everest, K 2 und Nanga Parbat auf der To-do-Liste der Russen.

Nach einigem Hin und Her um den Materialtransport per Hubschrauber sind Vitaly und Anton offenbar heute endlich von Pokhara zum Annapurna-Basislager geflogen. Die bisher einzige erfolgreiche Besteigung der Annapurna mit anschließender Skiabfahrt über die Nordseite des Bergs war im Frühjahr 1995 den beiden slowenischen Brüder Davo und Andrej Karnicar gelungen, auch sie hatten auf Atemmasken verzichtet.

Nelson und Co. wollen „Dream Line“ abfahren

Oberhalb des Khumbu-Eisbruchs

Schon in weiter fort geschrittenem Stadium befindet sich eine US-Skiexpedition zum 8516 Meter hohen Lhotse. Die Route durch den Khumbu-Eisfall ist bereits eingerichtet, das Team stieg bis Lager 2 auf 6400 Metern auf, um sich zu akklimatisieren. Expeditionsleiter Jim Morrison, Hilaree Nelson, Dutch Simpson und Nicholas Kalis haben ein Ski-Permit der nepalesischen Regierung, das ihnen erlaubt, über die Nordflanke des Achttausenders abzufahren. Die vollständige Skiabfahrt über die so genannte „Dream Line“ – vom Gipfel durch das Lhotse-Couloir bis hinunter ins Western Cwm – ist bisher noch niemandem gelungen. Hilaree Nelson, von der Zeitschrift „National Geographic“ 2018 zur „Abenteuerin des Jahres“ gekürt, ist eine äußerst erfahrene Skibergsteigerin. So gelang ihr 2017 mit Morrison und Chris Figenshau die erste Skiabfahrt vom 6451 Meter hohen Papsura, auch „Peak of Evil“ (Gipfel des Bösen) genannt, im indischen Teil des Himalaya. 2012 erreichte sie innerhalb von 24 Stunden die Gipfel von Everest und Lhotse. Am höchsten Berg der Erde versucht sich in diesem Herbst übrigens niemand.

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Everest und Co.: Gipfelerfolge und eine traurige Nachricht https://blogs.dw.com/abenteuersport/everest-und-co-gipfelerfolge-und-eine-traurige-nachricht/ Sun, 13 May 2018 11:31:58 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=40679

Südseite des Mount Everest

Der Mount Everest ist erstmals in dieser Frühjahrssaison bestiegen worden. Heute erreichten acht nepalesische Bergsteiger von der Südseite des Bergs aus den höchsten Punkt auf 8850 Metern. Pasang Tenjing Sherpa, Pasdawa Sherpa, Lakpa Dendi Sherpa, Jen Jen Lama, Siddi Bahadur Tamang, Pemba Chhiri Sherpa, Tenzing Gyaljen Sherpa und Datuk Bhote legten Fixseile bis zum Gipfel und bereiteten damit den Weg für die Kunden der kommerziellen Expeditionsteams.

 

„Mann ohne Finger“ am Gipfel

Kim Hong-bin

Von der Annapurna wird der Gipfelerfolg des Südkoreaners Kim Hong-bin gemeldet. Für den 53-Jährigen ist es der zwölfte Achttausender. Kim hatte sich 1991 am 6190 Meter hohen Denali in Alaska, dem höchsten Berg Nordamerikas, so schwere Erfrierungen zugezogen, dass alle zehn Finger hatten amputiert werden müssen. Er wurde an der Annapurna von vier Sherpas begleitet.

 

Keine Spur von Petrov 

R.I.P.!

Derweil hat die Lebensgefährtin des seit zehn Tagen am Achttausender Shishapangma vermissten bulgarischen Bergsteigers Boyan Petrov darum gebeten, die Suche nach dem 45-Jährigen oberhalb von Lager 3 zu beenden. Das sei zu gefährlich für die Retter, schrieb Radoslava Nenova auf Facebook. Angeblich will das Sherpa-Team am Montag dennoch zum Gipfel aufsteigen, wenn es das Wetter zulässt. Petrov war am 29. April zu einem Gipfelversuch aufgebrochen, allein und ohne Flaschensauerstoff. Er hatte bereits zehn der 14 Achttausender ohne Atemmaske bestiegen. Damit ist er der erfolgreichste Höhenbergsteiger Bulgariens.

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Fingerlos auf die Annapurna? https://blogs.dw.com/abenteuersport/fingerlos-auf-die-annapurna/ Wed, 25 Apr 2018 14:49:28 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=40331

Kim und Co., im Hintergrund die Annapurna

„Der Mann ohne Finger“ will sich seinen zwölften Achttausender holen. Kim Hong-bin ist der einzige ausländische Bergsteiger, dem die Regierung Nepals in diesem Frühjahr ein Permit für den Achttausender Annapurna erteilt hat. Das bedeutet jedoch nicht, dass der 53-jährige Koreaner alleine unterwegs sein wird. Auf dem Bild von der Nordseite des 8091 Meter hohen Bergs, das die südkoreanische Zeitung No Cut News veröffentlichte, zähle ich neben Hong-bin 20 weitere Personen. „Er hat wohl ein großes Basislager-Unterstützungsteam dabei“, schreibt mir Billi Bierling von der Bergsteiger-Chronik Himalayan Database. Am Berg werde der Koreaner von vier Sherpas begleitet.

Unfall am Denali    

Kim Hong-Bin

Kim Hong-bin hatte sich 1991 am 6190 Meter hohen Denali in Alaska, dem höchsten Berg Nordamerikas, so schwere Erfrierungen zugezogen, dass alle zehn Finger hatten amputiert werden müssen. 2017 bestieg er im Frühjahr den Lhotse und im Sommer den Nanga Parbat. Es waren seine Achttausender Nummer zehn und elf. Neben der Annapurna fehlen Kim in seiner Sammlung nur noch der Gasherbrum I und der Broad Peak, beide in Pakistan gelegen. Bei optimalem Verlauf könnte er alle drei Berge noch in diesem Jahr besteigen.

Paralympics-Starter

Der 1,76 Meter große Südkoreaner, der in der Stadt Gwanju im Süden des Landes lebt, hat sich von seiner Behinderung nie bremsen lassen. Kim fährt auch Skirennen. So startete er 2002 für Südkorea bei den Paralympischen Spielen in Salt Lake City und belegte in Slalom und Super G jeweils den neunten Platz. Noch im Winter 2017 gewann er – mit 52 Jahren – bei den koreanischen alpinen Ski-Meisterschaften der Behindertensportler Gold im Slalom.

Auf den Seven Summits

2012 auf dem Gipfel des K 2

Den Mount Everest bestieg Kim Hong-bin im Frühjahr 2007. Knapp zwei Jahre später, Anfang 2009, komplettierte er mit dem Mount Vinson in der Antarktis seine Sammlung der „Seven Summits“, der höchsten Berge aller Kontinente. „Wenn der Unfall am Denali nicht passiert wäre, wäre ich ein ganz normaler Bergsteiger geblieben“, sagte Hong-bin einmal. „Die Not ließ mich das scheinbar Unmögliche versuchen. Ich habe die Behinderung, die mir ein Berg beibrachte, dadurch überwunden, dass ich Berge bestieg.“

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Nives Meroi: „Macht es mit Geduld und Leidenschaft!“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/nives-meroi-macht-es-mit-geduld-und-leidenschaft/ Sun, 11 Jun 2017 11:14:36 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36641

Nives Meroi (r.) und Romano Benet beim IMS 2016 in Brixen

Es gibt Bergsteiger, denen man ihre Erfolge ganz besonders gönnt. Wie Nives Meroi und Romano Benet aus Italien. Ohne viel Aufhebens darum zu machen, haben die beiden 55-Jährigen Achttausender nach Achttausender bestiegen und sind dabei sich und ihrem Stil treu geblieben: Immer waren sie im kleinen Team unterwegs, ohne Sherpa-Unterstützung, und stets verzichteten sie auf Flaschensauerstoff. Mit der Besteigung der Annapurna haben Nives und Romano heute genau vor einem Monat ihre Achttausender-Sammlung abgeschlossen – 19 Jahre nach ihrem ersten Erfolg am Nanga Parbat, acht Jahre nachdem Romano an aplastischer Anämie erkrankte, einer Sonderform der Blutarmut. Zwei Knochenmark-Transplantationen waren nötig, um sein Leben zu retten.

Zusammen mit zwei Spaniern und zwei Chilenen erreichten Meroi und Benet am 11. Mai den 8091 Meter hohen Gipfel der Annapurna. Damit wurden sie das erste Ehepaar, das die 14 höchsten Berge der Welt allesamt gemeinsam bestiegen hat.  Nives war zudem nach der Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner die zweite Frau, die ohne Atemmaske auf allen Achttausendern stand. Inzwischen sind Nives und Romano wieder zurück in Italien – und Nives hat mir auf meine Fragen geantwortet, die ich den beiden nach ihrem Erfolg an der Annapurna geschickt hatte.

Es war nach 2006 und 2009 euer dritter Versuch an der Annapurna. Wie habt ihr den Aufstieg erlebt? Habt ihr von euren vorhergehenden Versuchen profitiert?

Dank unserer früheren Versuche kannten wir die Gefahren und Risiken des Bergs, die wir, soweit möglich, umgehen wollten.

Nordwestansicht der Annapurna (links der Hauptgipfel)

Was ging in euch vor, als ihr den Gipfel der Annapurna erreicht und realisiert habt, dass ihr es wirklich geschafft habt: alle 14 Achttausender als Ehepaar bestiegen, ohne Flaschensauerstoff und Sherpa-Unterstützung?

Auf dem Gipfel eines Achttausenders bist du erst „halb oben“. Erst wenn du wieder sicher ins Basislager zurückgekehrt bist, kannst du wirklich „Gipfelerfolg“ sagen. Und das gilt besonders für die Annapurna. Ich erinnere mich an den Morgen, als ich im Basislager aufwachte und es erst einmal eine Weile dauerte, bis ich Traum und Realität auseinander halten konnte und mir bewusst wurde, dass wir wirklich erfolgreich waren. Die Annapurna ist gnädig zu uns gewesen und hat uns eine ganz besondere Besteigung gegönnt, um unsere „Perlenkette der Achttausender“ abzuschließen. Ein Aufstieg „wie aus früheren Zeiten“ – sechs Bergsteiger, die ihre Kräfte gebündelt und diesen Berg im Alpinstil bestiegen haben.

Nives und Romano 2009 am Kangchendzönga

Ihr habt in den zurückliegenden Jahren so hart dafür gearbeitet, um euch euren großen Traum zu erfüllen, besonders nach Romanos lebensbedrohlicher Erkrankung. Seid ihr nun euphorisch über das, was ihr erreicht habt, oder doch eher ausgebrannt, erschöpft?

Natürlich sind wir dankbar und glücklich, dass wir unsere „Perlenkette“ geschlossen haben. Aber gleichzeitig ist es uns bewusst, dass dies nur eine Etappe auf unserem Weg in den Bergen ist. Nicht das Ziel.

Gibt es eine Botschaft, die ihr für junge Bergsteiger habt, die auch Abenteuer an den höchsten Bergen der Erde suchen?

Macht es mit Geduld und Leidenschaft! Schritt für Schritt, ohne nach Abkürzungen zu suchen, in einer ehrlichen Auseinandersetzung mit dem Berg und euch selbst.

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Meroi und Benet machen die 14 voll https://blogs.dw.com/abenteuersport/meroi-und-bennet-machen-die-14-voll/ Thu, 11 May 2017 09:05:24 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36167

Nives und Romano (2009 am Kangchendzönga)

Sie haben es geschafft. Nives Meroi und Romano Benet haben ihren 14. Achttausender bestiegen. Das italienische Ehepaar gehörte zu einer Gruppe von sechs Bergsteigern, die heute um 10.30 Uhr Ortszeit den Gipfel der Annapurna erreichten. Das berichtet der Spanier Alberto Zerain, der nach eigenen Worten mit seinem Landsmann Jonatan Garcia ebenfalls oben war. Außerdem hätten zwei Chilenen den höchsten Punkt auf 8091 Metern erreicht. Nives Meroi und Romano Benet, beide 55 Jahre alt, sind das erste Ehepaar, das gemeinsam die Gipfel der 14 höchsten Berge der Welt erreicht hat – ohne Flaschensauerstoff und Sherpa-Unterstützung. Es war ihr dritter Versuch an der Annapurna nach 2006 und 2009.

Erste Italienerin ohne Atemmaske auf dem Everest

Nives war 19 Jahre alt, als sie Romano kennenlernte. Erst wurde er ihr Seilpartner, dann auch ihr Lebenspartner. Seit 28 Jahren sind die beiden verheiratet. 1998 bestiegen sie mit dem Nanga Parbat ihren ersten Achttausender. 2003 gelang ihnen im Karakorum die Trilogie aus Gasherbrum I, II und Broad Peak innerhalb von nur 20 Tagen. 2007 war Meroi die erste Italienerin, die den Mount Everest ohne Atemmaske bestieg.

Schwere Krankheit überlebt

Nordwestansicht der Annapurna (links der Hauptgipfel)

Doch es gab auch Rückschläge. 2009 hatte Nives noch gute Chancen, die erste Frau auf allen Achttausendern zu werden. Am Kangchendzönga verließen Romano plötzlich auf 7500 Metern die Kräfte. Er versuchte, Nives zu überreden, alleine weiterzuklettern. Sie weigerte sich, stieg stattdessen mit ihm ab. Der Grund für Benets Schwäche war ein Schlag ins Kontor: Aplastische Anämie, eine Sonderform der Blutarmut. Zwei Knochenmark-Transplantationen waren nötig, um Romanos Leben zu retten. Sie kehrten in den Himalaya zurück. 2014 bestiegen sie den Kangchendzönga. Dann 2016 den Makalu und jetzt als letzten Achttausender in ihrer Sammlung die Annapurna. Herzlichen Glückwunsch, Nives und Romano!

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Zum Tode Ueli Stecks: Einer der Besten, aber kein Hasardeur https://blogs.dw.com/abenteuersport/zum-tode-ueli-stecks-einer-der-besten-aber-kein-hasardeur/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/zum-tode-ueli-stecks-einer-der-besten-aber-kein-hasardeur/#comments Sun, 30 Apr 2017 13:57:58 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36009

Ueli Steck (1976-2017)

Ueli Steck ist tot. Abgestürzt irgendwo am Everest. Unglaublich, ich kann es gar nicht fassen. Was ist passiert? Die genauen Umstände sind noch nicht klar. Die Leiche des 40-Jährigen wurde irgendwo zwischen Lager 1 (6100 Meter) und 2 (6400 Meter) gefunden. Steck sei alleine am Nuptse geklettert, abgerutscht und rund 1000 Meter abgestürzt, berichtet die in Kathmandu erscheinende Zeitung „The Himalayan Times“. In der vergangenen Woche hatte Ueli noch via Facebook von einem „schnellen Tag“ berichtet, mal eben vom Basislager bis auf 7000 Meter und wieder zurück. Das angehängte Foto zeigte ihn mit Trailrunning-Schuhen. Typisch Ueli, twitterte ich mit einem Augenzwinkern – und dem Gedanken: Nur einer wie er kann das erlauben, „the Swiss Machine“, der „Speedy Gonzales“ unter den Höhenbergsteigern, unbestritten einer der Besten.

Risiko akzeptieren

Ueli am Everest oberhalb von Lager 2

Ich habe Ueli oft getroffen oder mit ihm telefoniert. Er scheute das Risiko nicht, aber er war auch kein Hasardeur. So hatte ihn wohl sein größter Coup, die Solo-Durchsteigung der Annapurna-Südwand im Herbst 2013, sogar in eine tiefe persönliche Krise gestürzt: Er hatte das Gefühl, bei diesem Projekt die Schraube überdreht zu haben, weil er das Risiko eigentlich nicht mehr kontrollieren konnte. Risikomanagement war ein Thema, das ihn beschäftigte. „Sobald wir in die Berge gehen, egal auf welchem Niveau du es betreibst, besteht ein gewisses Risiko, dass ein Unfall passiert“, sagte er mir einmal. „Da gibt es für mich nur Schwarz-Weiß. Entweder ich akzeptiere das oder eben nicht. Wenn ich es nicht akzeptiere, darf ich nicht mehr in die Berge fahren. Und da sind mir halt das Bergsteigen und die Erlebnisse, die ich dabei habe, einfach zu wichtig und geben mir zu viel. Deshalb akzeptiere ich das Risiko.“

Ueli Steck: An der Annapurna, das war zu viel

„Mein Traumding“

Schnell unterwegs

Vor fünf Wochen, bevor Ueli Richtung Nepal abreiste, haben wir noch miteinander telefoniert. Er freute sich darauf, zum Mount Everest zurückkehren. Sein traumatisches Erlebnis dort im Frühjahr 2013 – den Angriff wütender Sherpas gegen ihn, Simone Moro und Jonathan Griffith im Hochlager – hatte er abgehakt. Voller Optimismus schaute er nach vorn. Sein Projekt, die Everest-Lhotse-Überschreitung, hatte es in sich, typisch Ueli halt: Über den selten begangenen Westgrat und das Hornbein-Couloir den Gipfel erreichen, dann zum Südsattel ab- , und (über die vom gebürtigen Kasachen Denis Urubko 2010 eröffnete Variante) zum 8611 Meter hohen Gipfel des Lhotse aufsteigen – wie immer bei seinen Achttausender-Projekten ohne Flaschensauerstoff.  „Das wäre mein Traumding“, sagte Ueli und blieb doch Realist: „Es müssen perfekte Verhältnisse herrschen, das Wetter muss gut und stabil sein. Ich glaube, es ist wichtig, dass man Ideen hat, aber am Ende am Berg entscheidet, was möglich ist und was nicht.“

Auf der gleichen Frequenz

Auf schmalem Grat

Wir vereinbarten, wieder miteinander zu sprechen, wenn er seine Akklimatisationsphase am Everest beendet haben würde. Nun werden wir nie mehr miteinander sprechen können. Weder über seine Projekt und Träume, noch über alles andere. Das macht mich traurig. Nicht nur, weil er ein großartiger Bergsteiger war, sondern auch, weil ich das Gefühl hatte, dass wir auf der gleichen Frequenz funken. Ueli wird mir fehlen, meine Gedanken sind bei seiner Frau Nicole und seiner Familie.

Eine Katze hat sieben Leben, wie viele er denn habe, fragte ich Ueli einmal. Er nahm sich Zeit für die Antwort: „Ja, wie viele Leben habe ich? Ich habe jetzt schon ein paar Mal Glück gehabt. Aber ich zähle das nicht, da machst du dich nur verrückt.“

Ueli Steck: Hatte schon ein paar Mal Glück gehabt

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Die magische 14 https://blogs.dw.com/abenteuersport/die-magische-14/ Fri, 21 Apr 2017 12:50:35 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=35887

Drei 8000er auf einen Blick: Everest, Lhotse, Makalu (v.l.n.r.)

Es ist nur eine Zahl, aber eine, die in der Welt der Höhenbergsteiger eine wichtige Rolle spielt.  Wer alle 14 Achttausender bestiegen hat, zählt etwas in der Szene – umso mehr, wenn er oder sie es ohne Flaschensauerstoff geschafft hat. Der Kreis ist noch ziemlich exklusiv: Laut 8000ers.com, der Internetseite des deutschen Himalaya-Chronisten Eberhard Jurgalski, haben bisher 34 Bergsteiger die Sammlung vervollständigt, 15 von ihnen komplett ohne Atemmaske. In diesem Frühjahr könnte sich die Liste verlängern.

Nicht mit der Brechstange

Nives Meroi und Romano Benet

Nives Meroi und Romano Benet aus Italien versuchen, die Annapurna zu besteigen. Im Erfolgsfall wären die beiden 55-Jährigen das erste Ehepaar, das gemeinsam die Gipfel der 14 höchsten Berge der Welt erreicht hätte – ohne Flaschensauerstoff und Sherpa-Unterstützung. Es ist ihr dritter Versuch an der Annapurna nach 2006 und 2009. „Beide Male brachen wir die Aufstiege ab, weil die Bedingungen zu gefährlich waren. Romano und ich sind Experten in der ‚Kunst der Flucht ohne Scham‘“, sagte mir Nives im vergangenen Jahr. „Und wir werden es erneut auf diese Weise angehen.“ Also nicht mit der Brechstange.

Latorres Mission

Ferran Latorre

Nur noch der Mount Everest fehlt dem Spanier Ferran Latorre in seiner Achttausender-Sammlung. Die anderen 13 hat er ohne Atemmaske bestiegen. Latorre wählt den Aufstieg über die nepalesische Südseite. „Der Everest ist meine Mission, der Everest ist mein Traum“, schrieb der 46 Jahre alte Katalane auf Facebook und zitierte aus dem Song „Mission“ seiner Lieblingsband „Rush“: „Jeder von uns zahlt einen sagenhaften Preis für unsere Visionen vom Paradies. Aber ein Geist mit einer Vision ist ein Traum mit einer Mission.“

Scharte auswetzen

Ralf Dujmovits am Cholatse

Einen Traum hat auch Ralf Dujmovits noch nicht aufgegeben. Der 55-Jährige hat zwar bereits als erster und bisher einziger Deutscher alle 14 Achttausender bestiegen, jedoch nur 13 von ihnen ohne Flaschensauerstoff. Am Everest griff Ralf 1992 oberhalb des Südsattels zur Atemmaske. Das empfindet er als Scharte, die es auszuwetzen gilt. Nach seiner erfolgreichen Akklimatisation am Sechstausender Cholatse im Khumbu-Gebiet fliegt Dujmovits am Samstag nach Lhasa, um von dort aus ins Basislager auf der tibetischen Nordseite weiterzureisen. Es ist sein nach eigenen Worten „definitiv letzter Versuch“, die Achttausender-Sammlung ohne Flaschensauerstoff zu komplettieren.

Starker Oldie

Carlos Soria (r.) am Dhaulagiri (mit Sito Carcavilla l.)

Ebenfalls nur noch einen Gipfel vom 14-Achttausender-Glück ohne zusätzlichen Sauerstoff ist Peter Hamor entfernt. Der 52 Jahre alte Slowake will in diesem Frühjahr den Dhaulagiri besteigen. Dort versucht sich auch der Spanier Carlos Soria, der sehr bald als ältester Bergsteiger im 14er-Club auftauchen könnte. Der Dhaulagiri wäre für den 78-Jährigen sein 13. Achttausender. Gelänge ihm das, würde ihm nur noch die Shishapangma fehlen. Carlos bestieg seinen ersten Achttausender, den Nanga Parbat, mit 51 Jahren. Der leistungsstarke Senior hält bereits die Altersrekorde am K 2 (65 Jahre), Broad Peak (68), Makalu (69), Gasherbrum I (70), Manaslu (71), Lhotse (72), Kangchendzönga (75) und an der Annapurna (77).  Soria ist inzwischen im Basislager zu Füßen des Dhaulagiri eingetroffen. Man erwarte einige Tage schlechtes Wetter „wie üblich in diesen Bergen“, twittert sein Team: „Jetzt heißt es warten und warten auf den richtigen Moment.“

Update 25. April: Es ist derzeit wirklich so viel im Himalaya los, dass mir doch glatt ein weiterer Bergsteiger, der in diesem Frühjahr die 14 Achttausender voll machen kann, durchgeflutscht ist. Der Iraner Azim Gheychisaz will den Lhotse besteigen, ohne Atemmaske. Die anderen 13 hat er bereits ohne Flaschensauerstoff bestiegen, zuletzt 2016 den Everest. Es war sein zweiter Gipfelerfolg auf dem höchsten Berg der Erde, nachdem er ihn beim ersten Mal 2005 noch mit Atemmaske bestiegen hatte.

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Annapurna-Nordwestwand statt Cho-Oyu-Nordwand https://blogs.dw.com/abenteuersport/annapurna-nordwestwand-statt-cho-oyu-nordwand/ Fri, 14 Apr 2017 16:26:49 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=35801

Annapurna-Nordwestwand

Plan B musste her. Weil China in diesem Frühjahr Bergsteigern, die sich innerhalb der vergangenen drei Jahre mehr als einen Monat am Stück in Pakistan aufgehalten haben, kein Visum für Tibet erteilt, mussten der Kanadier Louis Rousseau, der Brite Rick Allen, der Pole Adam Bielecki und der Deutsche Felix Berg umdisponieren. Das Team wurde in Kathmandu von der neuen Vorschrift überrascht. Bielecki hatte sich unter anderem 2015/2016 vergeblich an der Winterbesteigung des Nanga Parbat versucht, Berg war im Sommer 2016 am Mustagh Tower im Karakorum geklettert. Nichts wurde daher aus dem Vorhaben, eine neue Route durch die in Tibet gelegene Nordwand des Cho Oyu zu legen. Das Quartett suchte nach einem Alternativziel in Nepal und wurde fündig.

Direkter Weg bis zum Gipfel

Rousseau und Co. entschieden sich für einen Versuch in der selten begangenen Nordwestwand der 8091 Meter hohen Annapurna. 1985 waren Reinhold Messner und Hans Kammerlander durch einen Großteil der Wand geklettert, waren dann aber im oberen Bereich über den Nordwestgrat zum Gipfel gestiegen. Auch bei späteren Versuchen, die Wand direkt zu durchsteigen, blieb das obere Dreieck unberührt. „Nun wollen wir zum Gipfel“, sagt Felix Berg.

Perfekter Teamgeist“

Zum Akklimatisieren auf den Tilicho Peak

Die Tage der Ungewissheit seien anstrengend gewesen, schreibt mir der 36 Jahre alte Deutsche: „Sobald die Entscheidung fiel, ging alles sehr schnell. Die Wand ist eindrücklich, wohl höher als am Cho Oyu, die Annapurna legendär – damit kommt die Motivation ja schnell von selbst.“ Alle im Team seien „sehr begeistert“. Das bestätigt auch Louis Rousseau. Die Stimmung sei gut, es werde viel gescherzt. „Wir sind wirklich motiviert“, schreibt mir der 40-Jährige. „Perfekter Teamgeist. Alle Konzentration jetzt auf die Annapurna!“ Um sich zu akklimatisieren, wollen Louis, Felix, Rick und Adam zuvor den 7134 Meter hohen Tilicho Peak im Annapurna-Gebiet besteigen.

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Norbert Joos ist tot https://blogs.dw.com/abenteuersport/norbert-joos-ist-tot/ Mon, 11 Jul 2016 11:36:01 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=33175 Norbert Joos /1960-2016)

Norbert Joos (1960-2016)

Wieder ist einer der ganz Großen des Höhenbergsteigens aus dem Leben gerissen worden: Der 55 Jahre Schweizer Norbert Joos stürzte am 4049 Meter hohen Piz Bernina in Graubünden in den Tod. Nach Schweizer Medienberichten hatte Joos eine Gruppe auf den 4049 Meter hohen Gipfel geführt. Beim Abstieg stürzte die Dreierseilschaft, zu der Joos gehörte, 160 Meter tief ab. Joos konnte nur noch tot geborgen werden, die beiden anderen, eine Bergsteigerin und ein Bergsteiger aus Italien, überlebten schwer verletzt.

Hirnschlag am Kangchendzönga

Joos hatte 13 der 14 Achttausender bestiegen, allesamt ohne Flaschen-Sauerstoff. Lediglich der Mount Everest fehlte ihm noch. Nach seinem fünften gescheiterten Versuch am Everest sagte der Schweizer 2008 den Achttausendern endgültig Adieu. Zwei Jahre zuvor hatte er beim Abstieg vom Kangchendzönga einen Hirnschlag erlitten. Trotzdem versuchte er sich ein weiteres Mal am Everest. „Ich musste einfach noch mal hinfahren und spüren, was möglich war. Sonst hätte ich den Everest ständig im Kopf gehabt. So aber ist es okay für mich“, sagte Joos später in einem Interview. Das kommerzielle Bergsteigen am höchsten Berg der Erde sah er kritisch: „Als echter Bergsteiger sollte man den Everest meiden.“

„Das können nur junge Spinner“

Als das „Wichtigste, was ich als Bergsteiger erreicht habe“, bezeichnete Joos die Erstbegehung des Annapurna-Ostgrates mit der ersten Überschreitung des Achttausenders von Süden nach Norden im Herbst 1984, gemeinsam mit seinem Schweizer Landsmann Erhard Loretan (der 2011 tödlich abstürzte). „Klar waren wir damals sehr gute Bergsteiger, aber wir hatten auch Glück“, erinnerte sich Joos später. „Mit meiner heutigen Erfahrung würde ich das nicht mehr machen. Das können nur junge Spinner.“

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Schachmatt am Gipfel der Annapurna https://blogs.dw.com/abenteuersport/schachmatt-am-gipfel-der-annapurna/ Fri, 13 May 2016 15:59:11 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=32683 Jost Kobusch an der Annapurna

Jost Kobusch an der Annapurna

Es klingt wie ein Aprilscherz mit einmonatiger Verspätung. Bevor der Deutsche Jost Kobusch am 1. Mai – wie berichtet – auf den 8091 Meter hohen Gipfel der Annapurna stieg, spielte er nach eigenen Worten knapp unterhalb des höchsten Punktes mit dem israelischen Bergsteiger Nadav Ben-Yehuda eine Partie Schach. „Wir hatten zuvor während der Schlechtwetterphasen im Basislager täglich mindestens zwei Partien gegeneinander gespielt“, sagt Jost. Dabei sei die Idee zu einem Schach-Duell am Gipfel geboren worden. Nadav, der mit Flaschensauerstoff aufstieg, erreichte den höchsten Punkt knapp vor Jost, der ohne Atemmaske unterwegs war. „Als wir uns kurz unterhalb des Gipfels begegneten, habe ich ihm gesagt: Moment, wir müssen noch eine Runde Schach spielen“, erzählt mir der 23 Jahre alte Deutsche. „Wir haben auf meinem Smartphone gespielt, 20 Meter unterhalb des Gipfels.“

Einige ziemlich dumme Züge

Die Partie geriet zu einer Art Blitzschach. „Wir haben schnell, schnell gemacht. Nach sieben Minuten hat einer von uns beiden gewonnen.“ Wer, verrät Kobusch nicht. „Das ist Ehrensache.“ Schachspielen in extrem dünner Luft auf 8000 Metern, sagt Jost, sei in etwa so gewesen, „als würdest du versuchen, betrunken ein mathematisches Problem zu lösen: Slow-Motion-mäßig, manchmal auch mit ziemlich dummen Zügen.“ Kobusch will das Spiel als höchste jemals gespielte Schachpartie für das „Guinness-Buch der Rekorde“ anmelden. Ein US-Bergsteiger habe das Spiel gefilmt und könne es auch bezeugen.

Bergsteiger gesehen, wo keine waren

Beim Aufstieg nach Lager 4

Beim Aufstieg nach Lager 4

Für den 23-Jährigen war der Erfolg an der Annapurna der erste an einem Achttausender. „Bis zum Gipfel ist es mir relativ leicht gefallen, erst beim Abstieg habe ich Probleme bekommen“, erzählt Jost. Aufgrund der großen Kälte habe es am Vorabend ewig gedauert, Schnee zu schmelzen. „Zwei Stunden für anderthalb Liter Wasser. Und die habe ich noch geteilt. Also hatte ich nur 750 Milliliter für den gesamten Gipfeltag.“ Völlig dehydriert und erschöpft, habe er sogar einmal kurz halluziniert: „Ich sah vor mir Bergsteiger absteigen, die nicht da waren.“ Kobusch fing sich wieder und erreichte sicher das Basislager.

Vielleicht nächstes Jahr zum Lhotse

Zu Hause in Deutschland schmiedet er bereits wieder Achttausender-Pläne. „Heute dachte ich bei mir, ich habe ja noch ein Permit für den Lhotse, vielleicht könnte ich ja nächstes Jahr noch einmal dorthin gehen.“ Bereits im vergangenen Jahr hatte er in Nepal den vierthöchsten Berg der Erde besteigen wollen. Das Basislager zu Füßen von Everest und Lhotse war jedoch am 25. April von einer riesigen Lawine getroffen worden, die das schwere Erdbeben am Siebentausender Pumori ausgelöst hatte. 19 Menschen waren ums Leben gekommen. Das Video (siehe unten), das Jost von der Lawine gedreht hatte, ging um die Welt. Als Fernziel hat sich Kobusch vorgenommen, alle 14 Achttausender zu besteigen, wenn möglich ohne Atemmaske. „Ich hoffe, dass ich auch die hohen Achttausender ohne Flaschensauerstoff besteigen kann.“

Sein Schachpartner von der Annapurna, Nadav Ben-Yehuda, hatte 2012 für Schlagzeilen gesorgt. Der Israeli war am Mount Everest 300 Meter vor dem Gipfel umgekehrt, um den türkischen Bergsteiger Aydin Imrak zu retten, der kollabiert war. Ben-Yehuda hatte Imrak hinunter nach Lager 4 am Südsattel geholfen und sich dabei selbst Erfrierungen zugezogen.

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Nummer 12 für „Best Ager“ Soria https://blogs.dw.com/abenteuersport/nummer-12-fuer-best-ager-soria/ Mon, 02 May 2016 10:14:51 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=32511 Annapurna I (l.)

Annapurna I (l.)

Das war ein außergewöhnliches Wochenende an der Annapurna. Am Samstag und Sonntag erreichten nach Angaben der in Kathmandu erscheinenden Zeitung „The Himalayan Times“ insgesamt 30 Bergsteiger den 8091 Meter hohen Gipfel. Das macht immerhin zwölf Prozent der bisher erst rund 250 Annapurna-Besteigungen. Der zehnthöchste Berg der Erde gilt als gefährlichster der 14 Achttausender. 72 Menschen Bergsteiger ließen dort bereits ihr Leben.

Kobuschs erster Achttausender

Zu den 14 ausländischen Bergsteigern, die am Wochenende am höchsten Punkt standen, gehörte auch der Deutsche Jost Kobusch. Für den 23-Jährigen war es der erste Gipfelerfolg an einem Achttausender. Kobusch hatte im vergangenen Jahr weltweit Schlagzeilen gemacht: mit seinem Video der Lawine, die nach dem Erdbeben das Everest-Basislager getroffen und 19 Menschen getötet hatte. Im Vergleich zu dem jungen Deutschen ist der Spanier Carlos Soria, der am Wochenende ebenfalls die Annapurna bestieg, gleich in doppelter Hinsicht ein „alter Hase“: Für ihn war es der Achttausener Nummer zwölf – und Carlos hat stolze 77 Jahre auf dem Buckel. Er ist einfach nicht zu bremsen.

Carlos Soria

Carlos Soria

Fit wie ein Turnschuh

Soria war ein Spätzünder an den Achttausendern. Seinen ersten, den Nanga Parbat, bestieg er mit 51 Jahren – und so richtig los legte er erst in einem Alter, in dem sich viele zur Ruhe setzen. Carlos hält die Altersrekorde am K 2 (65 Jahre), Broad Peak (68), Makalu (69, damals stieg er solo und ohne Flaschensauerstoff auf), Gasherbrum I (70), Manaslu (71), Lhotse (72), Kangchendzönga (75) – und jetzt auch an der Annapurna (77). Theoretisch könnte sich Soria jetzt, bestens akklimatisiert, auch noch am Dhaulagiri versuchen. Der 8167 Meter hohe Berg liegt nur rund 25 Kilometer Luftlinie von der Annapurna entfernt. Außerdem fehlt nur noch die Shishapangma in der Achttausender-Liste des „Best Agers“ unter den Bergsteigern. Sollte er auch noch diese beiden letzten Aufgaben erledigen, wäre er der mit Abstand älteste Mensch, der auf allen 14 Achttausendern stand. Bisher hält diesen „Rekord“ der Pole Piotr Pustelnik, der 2010 als 58-Jähriger seinen letzten Achttausender bestieg.

Update 17. Mai: Carlos Soria hat seinen Versuch am Dhaulagiri abgebrochen und das Projekt auf 2017 vertagt. Carlos wurde auf Twitter mit den Worten zitiert: „Die Verhältnisse (am Berg) sind sehr kompliziert.“

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Steck: „Nur so kann ich den Menschen Nepals helfen“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/steck-nur-so-kann-ich-den-menschen-nepals-helfen/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/steck-nur-so-kann-ich-den-menschen-nepals-helfen/#comments Wed, 02 Sep 2015 12:22:05 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=30487 Ueli Steck

Ueli Steck

Noch 20 Tage, dann kehrt Ueli Steck nach Nepal zurück. In das Land, in dem der 38 Jahre alte Schweizer Topbergsteiger in ein und demselben Jahr sowohl seinen vielleicht spektakulärsten Erfolg als Bergsteiger feierte als auch die größte Todesangst erlebte, die nichts mit den eigentlichen Risiken des Bergsports zu tun hatte. Im Frühjahr 2013 griffen aufgebrachte Sherpas in einem Hochlager am Everest Ueli und seine Teamgefährten Simone Moro und Jonathan Griffith an und bedrohten sie mit dem Tod. Im Herbst 2013 stieg Steck auf die 8091 Meter hohe Annapurna, den Achttausender mit der höchsten Todesrate: im Alleingang durch die extrem gefährliche Südwand, über eine teilweise neue Route, wie immer ohne Flaschensauerstoff. Nur 28 Stunden benötigte Ueli für Auf- und Abstieg.

Dass er wieselflink die Berge hinaufjagen kann, bewies Steck auch in diesem Sommer, als er – wie hier berichtet – in nur 62 Tagen alle 82 Viertausender der Alpen bestieg und die Entfernung zwischen den Bergen ohne Motorkraft zurücklegte: zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Gleitschirm. Ich habe mit Ueli über seinen Parforceritt durch die Alpen gesprochen – und auch über sein neues spannendes Vorhaben in Nepal, am Fast-Achttausender Nuptse, in Sichtweite des Mount Everest.

Ueli während seines "82 Summits"-Projekts

Ueli während seines „82 Summits“-Projekts

Ueli, du hast mir vor deinem Projekt „82 Summits“ erzählt, du wolltest die Risiko-Schraube ein bisschen zurückdrehen, einfach nur Spaß haben. Hattest du diesen Spaß in den 62 Tagen, die du gebraucht hast, um alle Viertausender der Alpen zu besteigen?

Es war eigentlich eines der besten Projekte, das ich jemals gemacht habe. Jeden Tag hat es Spaß gemacht. Dazu kam, dass ich ausgesprochenes Glück mit dem Wetter hatte.

Wie groß war die sportliche Belastung und damit auch für dich der sportliche Wert?

Am Ende hatte ich 117.000 Höhenmeter gemacht, das ist schon eine gewisse Belastung. Der sportliche Wert ist im Augenblick noch schwer abzuschätzen. Aber es hat für mich schon einen recht großen Wert, weil ich immer alles unter Kontrolle hatte. Ich konnte mich immer gut erholen und hatte nie Probleme mit meinem Körper.

Dir ist ja dein ursprünglicher Partner bei dem Projekt, der deutsche Bergsteiger Michi Wohlleben, recht früh abhanden gekommen, weil er sich verletzt hat. Du warst anschließend mit vielen unterschiedlichen Partnern am Berg unterwegs, unter anderen mit deiner Frau Nicole. Hast du das genossen?

Das hat eigentlich das Projekt in eine komplett andere Richtung gelenkt. Das war super genial, mit so unterschiedlichen Leuten zu klettern. Wenn ich etwa mit meiner Frau unterwegs war, ging es vor allem um das Erlebnis einer schönen Bergtour. Mit Andy Steindl konnte ich dann mal wieder richtig Gas geben. So ergab sich jeden Tag ein anderer Ansatz.

Du bist jetzt richtig gut durchtrainiert, warst oft genug auf über 4000 Metern, damit bist du auch akklimatisiert – beste Voraussetzungen, um die ganz hohen Berge anzugehen.

Ich glaube schon, dass ich jetzt eine gute Basis und einen guten Trainingszustand habe, um nach Nepal zu gehen.

Die Nuptse-Gipfel von Süden aus

Die Nuptse-Gipfel von Süden aus

Planst du immer noch, im Herbst mit dem US-Amerikaner Colin Haley die so genannte „Babanov-Route“ am 7804 Meter hohen Nuptse East im Alpinstil zu versuchen?

Genau. Wir fliegen am 22. September nach Nepal. Und dann schauen wir mal, was sich dort ergibt.

Worin liegt für dich der besondere Reiz dieses Projekts?

Es ist eine technisch anspruchsvolle Route, die noch nie wiederholt wurde. Als Valeri Babanov und Yuri Kosholenko diese Route (im Jahr 2003 über den Südostpfeiler) erstbegingen, nutzten sie Fixseile. Ich habe das Gefühl, dass es jetzt wirklich möglich ist, diese schwierige Route auch im Alpinstil zu begehen. Und das reizt mich.

Du startest mit einem Kletterpartner. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass es am Ende doch wieder ein Soloprojekt wird?

(Lacht) Nein, damit bin ich fertig. Beim 82-Summits-Projekt war es ja schon wieder so, dass der Michi ausgestiegen ist. Aber nein, solche Aktionen wie an der Annapurna mache ich nicht mehr.

Für dich wird es auch eine Rückkehr in eine Region, in der du im Frühjahr 2013 alles andere als gute Erfahrungen gemacht hast. Du wurdest im Everest-Hochlager von aufgebrachten Sherpas angegriffen. Hast du immer noch ein mulmiges Gefühl?

Ich werde das natürlich niemals vergessen. Es ist in meinem Hinterkopf. Aber ich habe jetzt ein paar Jahre Zeit gehabt, mich damit zu beschäftigen, mit Leuten darüber zu sprechen und das Ganze einzuordnen. Es waren nur ein paar Extremisten. Aber es gibt überall auf der Welt ein paar komische Leute. Für mich ist das erledigt, und ich schaue nach vorne.

Ueli an der Annapurna

Ueli an der Annapurna

In der Zwischenzeit ist viel in Nepal passiert: zwei tödliche Lawinen am Everest; das verheerenden Erdbeben; in der Folge in diesem Herbst wenig Trekkingtouristen, kaum Expeditionen. Willst du mit deinem Projekt auch ein Signal geben: Leute, ich habe keine Angst, dorthin zu fahren?

Ich habe natürlich immer noch ein bisschen Angst: Gibt es noch einmal ein solches Erdbeben? Es ist nicht lustig, wenn du dann in den Bergen unterwegs bist. Auf der anderen Seite ist es die einzige Möglichkeit, wie ich den Leuten in Nepal richtig helfen kann – indem ich wieder dorthin reise, ihnen Arbeit bringe und damit Möglichkeiten für sie schaffe, dass das Leben weitergeht.

Steht man als Profi-Bergsteiger, der oft in Nepal war, in der Verantwortung, dem Land jetzt, wo es ihm wirklich schlecht geht, auch etwas zurückzugeben?

Für mich ist es selbstverständlich, dass ich versuche zu helfen – in dem Rahmen, in dem es mir möglich ist. Ich bin nicht der Meinung, dass man einfach nur Hilfsgüter schicken sollte. Das bringt einem Land wie Nepal schlussendlich nichts. Am Anfang ist es wichtig, und es ist ja auch passiert. Aber die Leute müssen Arbeit haben, damit sie zu etwas kommen. Das war mir immer wichtig, deshalb bin ich auch immer wieder nach Nepal gekommen: damit es für die Leute, die ich kenne und unterstützt habe, auch weitergeht.

P.S. An der Stelle möchte ich euch noch einmal an unser Hilfsprojekt „School up!“ erinnern. Alle Details findet ihr auf der rechten Seite des Blogs, Berichte darüber auf der oberen Leiste. Danke!

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https://blogs.dw.com/abenteuersport/steck-nur-so-kann-ich-den-menschen-nepals-helfen/feed/ 2
Don Bowie: „Einige Dörfer Nepals noch fast ohne Hilfe“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/don-bowie-einige-doerfer-nepals-noch-fast-ohne-hilfe/ Sun, 14 Jun 2015 08:00:37 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=29851 Don Bowie

Don Bowie

Er ist einfach da geblieben – um zu helfen. Als das verheerende Erdbeben am 25. April Nepal traf, hielt sich der kanadische Bergsteiger Don Bowie im Basislager zu Füßen der Annapurna auf. Seit zehn Jahren ist Don an den Achttausendern unterwegs. Drei von ihnen hat er bisher bestiegen, allesamt ohne Flaschensauerstoff: den K 2 (2007), den Gasherbrum I (2010) und den Cho Oyu (2011). Spontan entschied sich der 45-Jährige nach den Erdstößen, die Annapurna-Expedition abzubrechen und seine Erfahrungen als Höhenbergsteiger und Bergretter zu nutzen, um den Erdbebenopfern in entlegenen Dörfern Nepals zu helfen. Seitdem ist Don fast pausenlos in den Bergen des Himalaya-Staates unterwegs. Für seine Hilfsaktion sammelt er übrigens auch über das Internet Spenden. Ich habe Don Bowie in Nepal erreichen können.

Don, wo hältst du dich gerade auf?

Außerhalb von Kathmandu, aber ich arbeite derzeit in vielen Distrikten: Gorkha, Nuwakot, Rasuwa, Sindhulpachowk, Dhading und Dolakha.

Als das Erdbeben Nepal erschütterte, warst du gerade an der Annapurna. Wie hast du die Erdstöße erlebt?

Wir alle waren gerade am Vortag aus unserem Hochlager heruntergekommen. Wir erholten uns im Basislager, als der Boden zu wackeln begann. Das Annapurna-Basislager auf der Nordseite liegt direkt unter einem sehr steilen Felsvorsprung, der eine Krone aus Eistürmen trägt. Es war an diesem Tag ein bisschen neblig, deshalb hatten wir keine gute Sicht, aber wir hörten die Felsbrocken, die sich gelöst hatten und herunter donnerten. Alle im Lager rannten weg, um nicht von ihnen getroffen zu werden.

Empfindest du eine besondere Verantwortung, den Menschen in Nepal zu helfen, weil du als Bergsteiger in dem Land so viel Zeit auf Expeditionen verbracht hast?

Ich glaube nicht, dass mich meine vielen Aufenthalte in Nepal dazu bewegt haben, sondern dass die Motivation daher kam, dass ich wusste, dass da eine ganze Nation verletzt war. Und wir wollten sehen, ob wir wenigstens ein bisschen helfen können. Da ich Erfahrung in der Bergrettung habe und auch andere Teammitglieder nützlichen Fertigkeiten besaßen, wurde uns klar, dass wir nicht länger an der Annapurna bleiben und einfach weiter klettern konnten. Außerdem hatten wir noch ein Fernseh-Produktionsteam dabei, das die Botschaft des Erdbebens in Nepal und was dort gebraucht wurde, hinaus in die Welt senden konnte.

Don im Einsatz in einem Bergdorf Nepals

Don im Einsatz in einem Bergdorf Nepals

Du hast den Transport von Hilfsgütern in sehr entlegene Bergregionen Nepals organisiert. Was wird in diesen Dörfern am meisten gebraucht?

Erst wenn du deinen Fuß in jedes einzelne dieser Dörfer gesetzt und mit den Menschen dort Zeit verbracht hast, verstehst du wirklich, was am dringendsten nötig ist. Jedes Dorf, jede Stadt hatte unterschiedliche Bedürfnisse – je nachdem, wie hart der Ort von dem Beben getroffen wurde, in welcher Gegend er lag, wie schwer die Lebensmittelläden betroffen und wie zerstört die Häuser waren. Wir haben versucht, jedes einzelne Problem anzugehen. Aber die allergrößte Schwierigkeit, besonders in der Region Gorkha, ist, dass die Menschen durch Erdrutsche komplett abgeschnitten und isoliert sind. Unser vorrangiges Ziel war es, die Leute dort mit Essen und anderen Hilfsgütern zu versorgen, bevor der Monsun zuschlägt.

Gibt es immer noch Dörfer, die noch keine Hilfe seit dem Erdbeben am 25. April erhalten haben?

Ich war erst kürzlich in Dörfern, die bis dahin wenig bis keine Hilfe bekommen hatten. Einige kleine Hubschrauber hatten es bis in diese Gebiete geschafft, aber häufig hatten die richtig hoch gelegenen Bergdörfer keinen geeigneten Landeplatz selbst für kleine Hubschrauber. So gibt es immer noch viele Dorfgemeinschaften, die kaum Hilfe erhalten haben. Deshalb haben wir Träger und Maultiere organisiert, um die Hilfsgüter in diese Gebiete zu bringen. Allerdings besteht die Herausforderung darin, die Wege wieder frei zu räumen und sicher zu machen, sodass die Leute von Dorf zu Dorf wandern können, ohne von Erdrutschen bedroht zu werden.

Wie hast du die Menschen in den entlegenen Dörfern erlebt? Waren sie traumatisiert, hoffnungslos, wütend?

Die Menschen in Nepal sind unglaublich widerstandsfähig. Als wir in diese kleinen Städte gekommen sind, um den Menschen Hilfsgüter zu bringen, haben sie uns Tee, Essen und sogar Schlafplätze in ihren beschädigten Häusern angeboten. Sie waren extrem freundlich und häufig wirklich erfreut, einfach zu wissen, dass es da draußen Menschen gibt, die an sie denken und ihnen helfen wollen. Wir konnten sehen, dass es ihnen Trost spendete.

Bist du mit der Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden zufrieden? Was könnte besser laufen?

Wir waren meistens in Gorkha unterwegs und haben gerade erst damit begonnen, unsere Hilfe auf andere Gebiete auszudehnen. In Gorkha hat uns die lokale Regierung unglaublich gut bei unserer Arbeit unterstützt. Wir konnten sogar einige Teams abstellen, die Seite an Seite mit den lokalen Behörden und der Polizei gearbeitet haben. Die Behörden, besonders in Gorkha, wo wir am meisten unterwegs waren, haben ihre Sache wirklich großartig gemacht und auch selbst die Initiative ergriffen, um Hilfe in die Dörfer zu bringen – und das in einer Weise, die uns wirklich beeindruckt hat.

Gefahr von Erdrutschen

Gefahr von Erdrutschen

Nepal hat eine Kampagne gestartet, mit dem Ziel, dass Touristen trotz der Folgen des Erdbebens ihren Urlaub in dem Land verbringen. Was hältst du davon?

Ich glaube, es gibt noch immer größere Bedenken, ob die Regionen, die in erster Linie Touristen- und Trekkinggebiete sind, wirklich sicher sind. Wenn der Monsun einmal richtig angekommen ist, werden einige Erdrutsche schlimmere Ausmaße haben. Darüber machen wir uns sehr große Sorgen. Ich kann sehr gut verstehen, dass es für die lokale Wirtschaft enorm wichtig ist, den Tourismus wiederherzustellen. Wir arbeiten sehr hart mit einigen Organisation wie dem WFP (Welternährungsprogramm), den Vereinten Nationen und auch der lokalen Regierung zusammen, um die Wege instandzusetzen und die Dörfer wieder an das Straßennetz anzuschließen. Im Augenblick sind viele Gebiete schwer getroffen. Es gibt jedoch auch Regionen wie die Annapurna-Runde, die weitgehend intakt geblieben sind. Ich denke, diese relativ wenig beschädigten Regionen sollten in der Lage sein, den Tourismus zu unterstützen. Auch wenn du dir die größeren Touristenzentren wie Pokhara oder auch Thamel ansieht, bekommst du den Eindruck, dass es sich um sichere Orte handelt. Mein Team und ich selbst haben einige Zeit lang an diesen Orten gelebt und sind überzeugt, dass die Infrastruktur dort für einen rentablen Tourismus in der Herbstsaison sorgen kann. Für andere Regionen wird das wegen des Ausmaßes der Schäden und auch der Erdrutsche wohl kaum gelten.

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Nepal hofft auf Comeback im Herbst https://blogs.dw.com/abenteuersport/nepal-hofft-auf-comeback-im-herbst/ Wed, 03 Jun 2015 15:22:06 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=29689 Manaslu, „Berg der Seele“

Manaslu, „Berg der Seele“

„Come back! Damit Nepal ein Comeback feiert.“ So könnte man die Appelle all jener überschreiben, die in irgendeiner Form vom Tourismus in Nepal leben oder damit zu tun haben. Die Veranstalter von Trekkingreisen und Expeditionen signalisieren, dass sie die meisten ihren für die Nach-Monsun-Saison im Herbst geplanten Touren realisieren wollen. „Das verheerende Erdbeben hatte das Leben in Nepal erschüttert, aber so langsam kehrt das Leben wieder zur Normalität zurück“, schreibt Dominik Müller, Chef des deutschen Veranstalters Amical alpin.

Manaslu-Expeditionen finden statt

Die ausgeschriebenen Trekkingtouren im Khumbu-Gebiet am Mount Everest seien ebenso wenig gefährdet wie jene im Gebiet um die Achttausender Annapurna, Dhaulagiri und Kangchendzönga. Massive Schäden gebe es auf der Manaslu-Runde. Da Amical dort aber ohnehin kein Lodge-, sondern ein Zelttrekking plane, sei auch diese Tour „machbar“, so Dominik. Die Expedition auf den 8163 Meter hohen Manaslu werde ebenfalls durchgezogen. Auch der neuseeländische Veranstalter Himalayan Experience steuert den achthöchsten Berg der Erde an. „Ich veranstalte wie sonst auch eine Manaslu-Expedition im Herbst“, schreibt mir Russell Brice, der Chef von Himex.

Ama Dablam

Ama Dablam

Der US-Anbieter Alpenglow Expeditions lockt seine Kunden mit Preisnachlässen nach Nepal. Für alle, die bis Ende Juni buchen, wird die Herbst-Expedition zum Siebentausender Ama Dablam um zehn Prozent, die zum Achttausender Makalu um fünf Prozent billiger. „Massenweise Stornierungen von Reisen nach Nepal wären für die ohnehin zerstörte Wirtschaft des Landes verheerend“, heißt es bei Alpenglow.

Probleme in Langtang-Gebiet

Eine Delegation des Veranstalters DAV Summit Club, die sich vor Ort ein Bild von der Lage in den Trekkinggebieten Nepals gemacht hatte, ist inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt. „Trekkingtourismus im Everest-Gebiet kann ab Oktober ohne Einschränkungen stattfinden“, heißt in einem ersten Fazit des Summit-Clubs. Das gelte auch für das Annapurna-Gebiet, wo die Erdbeben-Schäden bis Oktober repariert sein dürften. Östlich des Everest und westlich der Annapurna sei das Beben glimpflich ausgegangen. „Im starken Maße betroffen sind dagegen sind die Regionen Langtang und Manaslu mit dem nördlich angrenzenden Tsum Valley. In diesen Regionen werden im Herbst keine Trekking-Reisen stattfinden können“, so die Vertreter des Summit Club.

Botschafter des guten Willens

Der neue nepalesische Tourismusminister Kripa Sur Sherpa hat 14 bekannte Bergsteiger aus aller Welt nominiert, die als „Botschafter des guten Willens“ Werbung für Nepal machen sollen. Dazu gehören der Südtiroler Reinhold Messner, die Japanerin Junko Tabei (die erste Frau auf dem Everest), Peter Hillary und Jamling Tenzing Norgay (die Söhne der Everest-Erstbesteiger) und auch Ralf Dujmovits, der erste und bisher einzige Deutsche, der alle 14 Achttausender bestiegen hat.

P.S. Sorry, dass ich in der letzten Woche nichts gepostet habe. Die FIFA-Krise hat mich extrem beschäftigt. Hier noch ein Film, den der deutsche Bergsteiger Jost Kobusch vor einigen Tagen in einem vom Erdbeben getroffenen Dorf in Nepal gedreht hat:

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