Wielicki – Abenteuer Sport https://blogs.dw.com/abenteuersport Blog über Expeditionen und Grenzerfahrungen Wed, 06 Mar 2019 10:38:57 +0000 de-DE hourly 1 Gipfelversuch am Nanga Parbat? https://blogs.dw.com/abenteuersport/gipfelversuch-am-nanga-parbat/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/gipfelversuch-am-nanga-parbat/#comments Thu, 18 Jan 2018 13:36:39 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=39247

Elisabeth Revol (l.) und Tomek Mackiewicz am Nanga Parbat

„Wir sind akklimatisiert. Wir versuchen, den Gipfel zu erreichen.” Mit diesen Worten wird Tomek Mackiewicz auf seiner Facebook-Seite zitiert. Nach rund zwei Wochen mit starkem Wind habe sich das Wetter am Nanga Parbat gebessert, die Bedingungen seien gut. Tomek und seine Kletterpartnerin Elisabeth Revol seien wahrscheinlich heute in Richtung ihres Materialdepots auf 6700 Metern aufgebrochen, heißt es weiter.

Abflauender Wind

Nanga Parbat

Der 43 Jahre alte Pole und die 37 Jahre alte Französin wollen die so genannte Messner-Route vollenden – „die einzige Route, die im Winter im Alpinstil möglich ist“, wie mir Tomek im vergangenen November schrieb. Diesen Weg durch die Nordostwand hatten im Jahr 2000 die Südtiroler Reinhold und Hubert Messner, Hanspeter Eisendle und Wolfgang Tomaseth bis auf eine Höhe von 7500 Metern erstmals begangen. Die Meteorologen sagen für die kommenden Tage am Nanga Parbat klares Wetter mit abnehmendem Wind voraus. So werden für Samstag am Gipfel auf 8125 Metern Temperaturen von minus 31 Grad Celsius und Windgeschwindigkeiten von rund 40 Stundenkilometern erwartet. Ab kommendem Dienstag soll der Wind noch weiter abflauen, dann soll es jedoch wieder etwas kälter werden.

K 2: Polen wollen Lager 1 einrichten

Einstieg zur Cesen-Route

Das polnische Team am K 2, dem ebenfalls in Pakistan gelegenen zweithöchsten Berg der Erde, blieb heute im Basislager. Am Freitag und Samstag wollen die Bergsteiger die Cesen-Route weiter sichern und Lager 1 auf 6200 Metern einrichten. Der 8611 Meter hohe K 2 ist der letzte noch verbliebene Achttausender, der noch nie im Winter bestiegen worden ist. Die polnische Expedition unter Leitung von Altmeister Krzysztof Wielicki will das ändern.

Zur Vorbereitung auf den Pumori

Alex Txikon im Anstieg am Pumori – im Hintergrund Everest, Lhotse und Nuptse (v.l.)

In Nepal hat derweil der Spanier Alex Txikon sein Basislager zu Füßen des Mount Everest in entgegengesetzter Richtung verlassen. Der 36 Jahre alte Baske stieg heute mit dem Pakistani Muhammad Ali „Sadpara“ sowie den Nepalesen Nuri and Temba Bhote am 7161 Meter hohen Pumori nach Lager 2 auf 6200 Metern auf. Das Trio will den Berg laut Alex in „minimalistischem und schnellem Stil“ besteigen, um sich weiter zu akklimatisieren. Anschließend werden sich Txikon und Co. wieder dem eigentlichen Ziel zuwenden, der Besteigung des Everest ohne Flaschensauerstoff. Der Spanier war am Montag mit fünf Sherpas nach Lager 2 auf 6500 Metern aufgestiegen.

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Winterexpeditionen: Kurz vor, über, weit über dem Basislager https://blogs.dw.com/abenteuersport/winterexpeditionen-kurz-vor-ueber-weit-ueber-dem-basislager/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/winterexpeditionen-kurz-vor-ueber-weit-ueber-dem-basislager/#comments Mon, 08 Jan 2018 15:53:18 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=39087

Polnisches K 2-Team am Concordiaplatz

Drei Winterexpeditionen zu Achttausendern, drei unterschiedlichen Phasen. In Pakistan erreichte das polnische Team unter Leitung von Krzysztof Wielicki heute nach dem Trekking über den Baltoro-Gletscher den Concordiaplatz und dürfte am morgigen Dienstag im Basislager zu Füßen des K 2, des letzten im Winter noch unbestiegenen Achttausenders, seine Zelte aufschlagen. Bereits vor sechs Tagen bezogen der Spanier Alex Txikon, der Pakistani Muhammad Ali „Sadpara“ und ihr nepalesisches Sherpa-Team das Basislager auf der Südseite des Mount Everest. Sie sind dabei, eine Route durch den Khumbu-Eisbruch zu legen. Wie schon im letzten Jahr beteiligt sich auch Alex an den Arbeiten (wie das Video unten zeigt).

Wie hoch waren Revol und Mackiewicz?

Die neuesten Informationen zur Winterexpedition am Nanga Parbat sind noch nicht bestätigt. Die russische Internetseite „russianclimb.com“ twitterte gestern, der Pole Tomek Mackiewicz und die Französin Elisabeth Revol hätten auf der so genannten „Messner-Route“ bereits Lager 3 auf 7300 Metern erreicht. Die Information stammt laut russianclimb von einem Mitarbeiter der pakistanischen Agentur, die für die beiden Bergsteiger aus dem Westen die Expedition organisiert hat.

Starker Wind

Nanga Parbat

Die Ehefrau Tomeks konnte mir gegenüber diese Angaben nicht bestätigen. Sie habe am Freitag erfahren, dass Mackiewicz und Revol bis auf eine Höhe von 6600 Meter aufgestiegen und dann wieder ins Basislager zurückgekehrt seien. Dort wollten sie warten, bis in einigen Tagen die starken Winde abgeflaut seien. Das würde sich mit der aktuellen Wettervorhersage für den Nanga Parbat decken. Die sagte für heute am 8125 Meter hohen Gipfel Windgeschwindigkeiten von 80 bis 90 Stundenkilometern voraus, für die kommenden drei Tage sogar von 100 bis 135 km/h. Das polnisch-französische Duo hatte bereits vor Weihnachten das Basislager auf der Diamir-Seite des Bergs erreicht.

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Polnische K 2-Winterexpedition: Eine Frage der Ehre https://blogs.dw.com/abenteuersport/polnische-k-2-winterexpedition-eine-frage-der-ehre/ Thu, 21 Dec 2017 14:10:33 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=38939

K 2, vom Basislager aus gesehen

Die „Ice Warriors“, wie die polnischen Winter-Bergsteiger im Himalaya und Karakorum einst ehrfurchtsvoll genannt wurden, wollen es noch einmal wissen. Die letzte noch verbliebene Wintererstbesteigung eines Achttausenders soll unter allen Umständen eine polnische werden. Der Staat sponsert das Prestigeprojekt am K 2,  dem mit 8611 Metern zweithöchsten Berg der Erde: Das Sport- und Tourismusministerium Polens hat mit einer Geldspritze von einer Million Zloty (knapp 240.000 Euro) den größten Batzen der Kosten übernommen. „Weil wir das Geld bekamen, mussten wir auch die Idee einer nationalen Expedition umsetzen“, sagte Expeditionsleiter Krzysztof Wielicki gegenüber desnivel.com (s. Video unten). Alle Bergsteiger des K 2-Winter-Teams sind Polen – selbst Denis Urubko, ein eifriger Pässe-Sammler: Der gebürtige Kasache erhielt 2013 die russische und 2015 zusätzlich auch noch die polnische Staatsangehörigkeit.  

Winter- und K 2-Experten

Denis Urubko

Expeditionsleiter Wielicki ist ein Pionier des Winter-Bergsteigens an den höchsten Bergen der Welt. Mit seinem polnischen Landsmann Leszek Cichy bestieg er 1980 mit dem Mount Everest den ersten Achttausender überhaupt in der kalten Jahreszeit. Zwei weitere Wintererstbesteigungen ließ er noch folgen: 1986 mit Jerzy Kukuczka am Kangchendzönga und 1988 im Alleingang am Lhotse. Der inzwischen 67-Jährige hat für den K 2 eine Mannschaft von zehn Bergsteigern zusammengestellt, die mehr Winterexpertise vereint als jede andere Expedition zuvor. Ihn selbst mitgerechnet, sind gleich fünf Wintererstbesteiger von Achttausendern mit von der Partie: außer Wielicki noch Urubko (Makalu, Gasherbrum II), Adam Bielecki (Gasherbrum I, Broad Peak), Artur Malek (Broad Peak) und Janusz Golab (Gasherbrum I). Und auch K 2-Erfahrung ist in dem polnischen Team reichlich vorhanden: Fünf  der zehn polnischen Bergsteiger, die sich am 29. Dezember auf den Weg nach Pakistan machen, standen bereits – jeweils im Sommer – auf dem Gipfel des „Chogori“, wie die einheimischen Balti den Berg nennen.

Flaschensauerstoff nur für den Notfall

Drei ernsthafte Versuche gab es bisher, den K 2 im Winter zu besteigen, alle scheiterten unterhalb von 8000 Metern an schlechtem Wetter. Am weitesten kamen noch Teammitglieder einer internationalen Expedition, die ebenfalls von Wielicki geleitet wurde, im Winter 2002/03 auf der chinesischen Nordseite. Beim einzigen Gipfelversuch war für Denis Urubko und Marcin Kaczkan (er gehört ebenfalls zum diesjährigen Team) in Lager 4 auf 7650 Metern Endstation.  Diesmal will Wielicki es auf der pakistanischen Südseite über die Cesen-Route (Südsüdostgrat) versuchen, „wenn es die Verhältnisse zulassen“. Als Alternative kommt der Abruzzi-Sporn (Südostgrat) in Frage. Atemmasken sind nur für den Notfall vorgesehen. Flaschensauerstoff sei „nicht nötig, wenn du gut akklimatisiert bist. Das ist der Schlüssel“, sagte mir Krzysztof, als wir im Februar auf der Messe ISPO in München über die anstehende Winterexpedition zum K 2 sprachen.

„Die Tore schießen andere“

„König der Achttausender“

Er selbst will auch am Berg unterwegs sein, wohl aber nicht bis zum Gipfel steigen. Er werde beim Klettern „nicht die erste Geige“ spielen, meinte Wielicki im polnischen Rundfunk. „Die Tore schießen andere.“ In erster Linie ist der Pole, der als fünfter Mensch weltweit alle 14 Achttausender bestieg, am K 2 als Expeditionsleiter gefordert. So wird er die schwere Entscheidung fällen müssen, wer aus seinem Team aus Topbergsteigern, wenn sich die Gelegenheit bietet, das Gipfelteam bilden soll. „Die größten Chancen haben sicherlich Denis Urubko, Janusz Golab und Adam Bielecki“, sagte Wielicki der „Neuen Zürcher Zeitung“.

Kreis würde sich schließen

Neun der 13 bisherigen Wintererstbesteigungen von Achttausendern gingen auf das Konto ausschließlich polnischer Gipfelteams. An einer weiteren war ein polnischer Bergsteiger beteiligt: Piotr Morawski 2005 mit dem Italiener Simone Moro an der Shishapangma. Die Wintererstbesteigung des Makalu 2009 ließe sich, wenn man ein Auge zudrückt, ebenfalls noch dazuzählen, auch wenn der heutige Pole Denis Urubko (damals an der Seite Moros erfolgreich) zu dieser Zeit noch Kasache war. Nachdem die prestigeträchtige erste Winterbesteigung des Nanga Parbat 2016 nicht auf das Konto polnischer Bergsteiger ging, ist es aus Sicht der „Ice Warriors“ geradezu eine Frage der Ehre, dass sich dies am K 2 nicht wiederholt. Für Altmeister Krzysztof Wielicki würde sich mit einem Erfolg der Kreis für die polnischen „Eiskrieger“ schließen: „Das wäre eine nette Geschichte. Wir starteten mit dem höchsten, dem Everest, und könnten dem zweithöchsten, dem K 2, aufhören.“

P.S.: Der Spanier Alex Txikon will am Freitag seine Pläne für den kommenden Winter bekanntgeben. Wenn ich Geld setzen sollte, würde ich auf eine Everest-Expedition mit Simone Moro, Tamara Lunger und Muhammad Ali „Sadpara“ wetten. 😉

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Everest-Winterpionier Wielicki: „Akklimatisation ist der Schlüssel“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/everest-winterpionier-wielicki-akklimatisation-ist-der-schluessel/ Wed, 08 Feb 2017 20:25:31 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=35007 Krzysztof Wielicki

Krzysztof Wielicki

Krzysztof Wielicki wirkt skeptisch. „Ich glaube, dass sie ein Problem kriegen, weil sie bisher nur in Lager 3 übernachtet haben und nicht auf 8000 Metern“, antwortet mir der Pole, als ich ihn auf der Sportartikelmesse ISPO in München treffe und ihn nach den Chancen des Basken Alex Txikon am Mount Everest frage. Txikon, der den höchsten Berg der Erde in diesem Winter ohne Flaschensauerstoff besteigen will, hockt im Basislager in den Startlöchern für seinen ersten Gipfelversuch. „Meiner Meinung nach sollte man vorher am Südsattel geschlafen haben“, sagt Wielicki. „Ich wünsche ihm viel Glück und hoffe, dass nichts passiert. Hauptsache, sie kommen sicher zurück. Ob mit oder ohne Gipfelerfolg.“

Wielicki about Txikon: They can have a problem

Am Gipfel Flasche leer

Wielicki (l.) und Cichy nach ihrem Gipfelerfolg

Wielicki (l.) und Cichy nach ihrem Gipfelerfolg

Der inzwischen 67-Jährige weiß, wovon er spricht. Mit seinem Landsmann Leszek Cichy gelang Wielicki am 17. Februar 1980 am Everest die erste Winterbesteigung eines Achttausenders überhaupt. Oberhalb des Südsattels nutzten sie Flaschensauerstoff, “weil wir nicht wussten, dass es ohne geht”, erzählt Krzysztof. „Unser Expeditionsleiter [Andrzej Zawada] sagte, hier ist die Flasche. Die müsst ihr tragen. Eine Flasche, neun Kilo! Als wir den Gipfel erreichten, stellten wir fest, dass die Flaschen leer waren.“

Nie wieder Atemmaske

Trotz einer Durchflussmenge von nur zwei Litern pro Minute habe der Sauerstoff nur für drei, vier Stunden gereicht. „Die Maske war gefroren. Ich habe überhaupt nicht gemerkt, dass ich Sauerstoff atme“, erzählt Wielicki. „Es war schrecklich. Ich habe danach nie wieder Flaschensauerstoff benutzt.“ Auch ohne Atemmaske blieb der Pole ein Pionier. 1986 gelang ihm mit seinem Landsmann Jerzy Kukuczka die erste Winterbesteigung des Kangchendzönga (8586 Meter). 1988 bestieg Krzysztof den Lhotse (8516 Meter) nicht nur erstmals im Winter, sondern auch als Erster solo. 1996 wurde Wielicki der fünfte Mensch, der auf allen 14 Achttausendern gestanden hatte.  Flaschensauerstoff sei „nicht nötig, wenn du gut akklimatisiert bist“, findet der Pole. „Das ist der Schlüssel.“

Wielicki: It was horrible

Immer noch Finanzierungsprobleme

K 2

K 2

Im Winter 2017/2018 will Krzysztof Wielicki eine polnische Winterexpedition zum K 2 leiten, dem einzigen Achttausender, der noch nicht in der kalten Jahreszeit bestiegen wurde. Noch immer ist die geplante Finanzierung durch polnische Regierungsunternehmen nicht endgültig unter Dach und Fach. „Wir sind schon etwas enttäuscht von der Regierung“, sagt Wielicki. „Aber wir werden kämpfen, und ich hoffe, dass wir die Probleme überwinden können.“ Derzeit stünden 14 Namen auf seiner Kandidatenliste, am Ende werde er voraussichtlich ein Achterteam zusammenstellen.

Wielicki: I hope we can overcome the problem

„Die schwierigste Herausforderung“

Denis Urubko

Denis Urubko

Adam Bielecki, dem 2012 die erste Winterbesteigung des Gasherbrum I (8080 Meter) und 2013 des Broad Peak (8051 Meter) gelang, werde sicher dazugehören, sagt Wielicki. Und auch Denis Urubko, Wintererstbesteiger des Makalu (8485 Meter) und des Gasherbrum II (8034 Meter): „Er möchte mit. Und wir wollen ihn auch. Ich denke, er wird uns begleiten.“ Urubko ist zwar in Kasachstan geboren, hat inzwischen aber einen russischen und einen polnischen Pass. Wielicki und Urubko waren im Winter 2002/2003 schon einmal gemeinsam am K 2, dem mit 8611 Metern zweithöchsten Berg der Erde. Auch damals leitete Wielicki die Expedition, bei der das Team über die chinesische Nordseite aufstieg. Urubko erreichte eine Höhe von 7650 Metern, ehe er und sein Seilpartner vom schlechten Wetter gestoppt wurden und die Expedition abgebrochen wurde. Diesmal ist ein Versuch über die pakistanische Seite des K 2 geplant. „Entweder über den Abruzzengrat oder über die Cesen/Basken-Route, je nach den Verhältnissen in der Wand“, sagt Krzysztof Wielicki. „Ich denke, wenn wir von Winterexpeditionen an den Achttausendern reden, ist es die letzte und schwierigste Herausforderung.“

Wielicki: K 2 the last and most difficult challenge

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Txikon will Everest im Winter besteigen https://blogs.dw.com/abenteuersport/txikon-will-everest-im-winter-besteigen/ Fri, 16 Dec 2016 15:05:03 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=34487 Alex Txikon

Alex Txikon

Da war ich wohl zu vorschnell. Noch vor anderthalb Wochen hatte ich eine ruhige Winterzeit an den höchsten Bergen der Welt prophezeit. Jetzt wird es doch eine spektakuläre Expedition geben. Der Baske Alex Txikon will den Mount Everest im Winter besteigen, und das ohne Flaschensauerstoff. Das melden übereinstimmend spanische Medien. Der 35-Jährige werde von dem international noch relativ unbekannten 28 Jahre alten spanischen Kletterer Carlos Rubio begleitet, der sich bisher eher einen Ruf als Extremskifahrer gemacht hat. Außerdem gehören als Kameramänner die beiden Bergsteiger Aitor Barez und Pablo Magister zum Team.

Nach dem Nanga Parbat nun der Everest-Coup?

Txikon will am 25. Dezember nach Kathmandu aufbrechen und in der ersten Januarwoche im Basislager auf der nepalesischen Südseite des Mount Everest eintreffen. Fünf Sherpas sollen für das spanische Team den Weg durch den Khumbu-Eisbruch präparieren. Alex Txikon hatte Ende Februar gemeinsam mit dem Italiener Simone Moro und dem Pakistaner Ali Sadpara die Wintererstbesteigung des Nanga Parbat geschafft. Nun will der Baske also noch höher hinaus.

Fünf-Sterne-Risiko

Mount Everest

Mount Everest

Der Mount Everest ist bisher 15-mal im meteorologischen Winter bestiegen worden. Für die Wetterforscher beginnt die kalte Jahreszeit bereits am 1. Dezember, während der kalendarische Winter erst mit der Wintersonnenwende am 21. oder 22. Dezember startet. Die Polen Krzysztof Wielicki und Leszek Cichy erreichten am 17. Februar 1980 den Gipfel des Everest, ihnen gelang damit die erste Winterbesteigung eines Achttausenders überhaupt. Seit Ende 1993 war kein Mensch mehr  im Winter auf dem 8850 Meter hohen Gipfel. Der Einzige, der den höchsten Berg der Erde bisher im Winter ohne Atemmaske bestieg, war der Sherpa Ang Rita am 22. Dezember 1987. Das Wetter an diesem Tag war ungewöhnlich gut. Die große Kälte im Winter sorgt normalerweise dafür, dass der Luftdruck im Gipfelbereich noch weiter absinkt. Ein Aufstieg ohne Atemmaske liegt dann im absoluten Grenzbereich des Möglichen. Fünf-Sterne-Risiko.

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Winter-Ebbe an den höchsten Bergen https://blogs.dw.com/abenteuersport/winter-ebbe-an-den-hoechsten-bergen/ Wed, 07 Dec 2016 14:44:20 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=34403 Nanga Parbat

Nanga Parbat

Der Nanga Parbat fällt in den Winterschlaf zurück. Hatten sich in den vergangenen Jahren regelmäßig mehrere Expeditionen an dem 8125 Meter hohen Berg in Pakistan getummelt, um ihn erstmals im Winter zu besteigen, sieht es derzeit so aus, als bliebe der „Nackte Berg“ in den nächsten Monaten auch ein einsamer. Selbst der Pole Tomasz Mackiewicz wird in diesem Winter zur Abwechslung mal nicht sein Wohnzimmer – wie in den letzten sechs Jahren – mit einem kalten Zelt am Nanga Parbat tauschen.

Hauptargument ist weg

Erfolgsteam: Alex, Tamara, Simone, Ali (v.l.)

Erfolgsteam: Alex, Tamara, Simone, Ali (v.l.)

„Die Expedition zum Nanga Parbat wird auf 2017/2018 verschoben“, schreibt Tomek auf Facebook. Er habe vergeblich versucht, finanzielle Unterstützung der polnischen Regierung für einen weiteren Versuch zu erhalten. Die Argumentation dürfte ihm auch deutlich schwerer gefallen sein, nachdem die Winterbastion Nanga Parbat 2016 gefallen ist:  Nach zahllosen gescheiterten Versuchen gelang dem Italiener Simone Moro, dem Basken Alex Txikon und dem Pakistaner Muhammad Ali „Sadpara“ Ende Februar endlich die erste Winterbesteigung des neunthöchsten Bergs der Erde. Das vierte Teammitglied, die Südtirolerin Tamara Lunger, drehte knapp unterhalb des Gipfels um, weil es ihr schlecht ging.

K 2-Winterexpedition erst 2017/2018

K 2

K 2

Doch nicht nur am Nanga Parbat, auch an den anderen Achttausendern ist Winter-Ebbe angesagt. Eine ursprünglich für den K 2, den einzigen noch nie im Winter bestiegenen Achttausender, geplante polnische Expedition unter Leitung des Winter-Altmeisters Kryzsztof Wielicki wurde ebenfalls um ein Jahr auf 2017/2018 vertagt. Auch in diesem Fall fehlte zunächst das Geld. Immerhin soll die Finanzierung durch zwei staatliche Unternehmen inzwischen stehen.

 

Lunger macht Pilotenschein

Tamara Lunger

Tamara Lunger

Vielleicht versucht sich im übernächsten Winter ja auch Tamara Lunger am Mount Everest. Nach ihrem „fast Nanga-Gipfel im Winter“ war berichtet worden, dass die 30-Jährige jetzt den Everest als Winterziel ins Auge fasse. Schon in diesem Jahr? „Nein“, schreibt mir Tamara. „Ich bin in Amerika für meinen Hubschrauber-Pilotenschein.“

Geheimnis um Winterziel

Und sonst? Der indische Bergsteiger Arjun Vajpai hat via Facebook eine Winterexpedition auf einen Siebentausender in seinem Heimatland angekündigt. Um welchen Berg es sich handelt, ließ er offen. Der 23-Jährige hat bereits fünf Achttausender bestiegen: den Mount Everest (als noch 16-Jähriger im Jahr 2010), Lhotse und Manaslu (beide 2011) sowie im Frühjahr 2016 den Makalu und im Oktober den Cho Oyu.

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Polnische Winterexpedition zum K 2 offenbar verschoben https://blogs.dw.com/abenteuersport/polnische-winterexpedition-zum-k-2-offenbar-verschoben/ Tue, 20 Sep 2016 18:10:19 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=33623 K 2

K 2

Der K 2 wird wohl ein weiteres Jahr lang der einzige im Winter noch unbestiegene Achttausender bleiben. Die ursprünglich für nächsten Winter geplante polnische Expedition zum zweithöchsten Berg der Erde werde erst 2017/2018 über die Bühne gehen, berichtet „Taternik“, die Zeitschrift des Polnischen Bergsteigerverbands PZA. Die Zeit, um die Expedition logistisch vorzubereiten, sei zu knapp geworden. Immerhin, so „Taternik“, stehe jetzt die Finanzierung durch zwei staatliche Unternehmen. Anfang September hatte der designierte Expeditionsleiter Krzysztof Wielicki in einem Interview mit dem polnischen Rundfunk noch beklagt, dass ein Loch von 700.000 polnischen Zloty (gut 160.000 Euro) im Etat klaffe und dass die Zeit davonlaufe.

Winter-Legende Wielicki

Krzysztof Wielicki

Krzysztof Wielicki

Wielicki hatte Ende Januar gegenüber dem spanischen Bergsteiger-Internetportal desnivel.com angekündigt, er wolle eine polnische Winterexpedition auf die pakistanische Seite des 8611 Meter hohen K 2 führen. Der 66-Jährige gehört zur großen Generation der polnischen Winterbergsteiger. Wielicki gelang mit seinem Landsmann Leszek Cichy 1980 die erste Winterbesteigung des Mount Everest. Er ließ zwei weitere Winter-Premieren an Achttausendern folgen: 1986 mit Jerzy Kukuczka am Kangchendzönga und 1988 solo am Lhotse.

Bisher sind alle Versuche gescheitert, den K 2 im Winter zu besteigen – zuletzt im Winter 2011/2012, als sich eine russische Expedition am „Chogori“ (wie die pakistanischen Balti den Berg nenen) die Zähne ausbiss. Im Winter 2003 hatte Wielicki eine polnische Winterexpedition geleitet, die es auf der chinesischen Nordseite des K 2 bis auf eine Höhe von etwa 7650 Metern geschafft hatte.

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Schuldig oder Sündenbock? https://blogs.dw.com/abenteuersport/broad-peak-bericht-pza/ Mon, 23 Sep 2013 16:12:49 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=23337

Broad Peak

Der polnische Bergsteigerverband (PZA) hat seinen Abschlussbericht über das Drama nach der ersten Winterbesteigung des Achttausenders Broad Peak im vergangenen März vorgelegt. Darin werden schwere Vorwürfe gegen die beiden überlebenden Bergsteiger Adam Bielecki und Artur Malek erhoben. Nach Ansicht des Verbands hätten sich die beiden nach Erreichen des Gipfels nicht von ihren Gefährten Maciej Berbeka und Tomasz Kowalski trennen dürfen. Dass sie zudem bewusst in Kauf genommen hätten, den Blickkontakt zu Berbeka und Kowalski zu verlieren, sei ein „grundlegender Fehler und ein Verstoß gegen die alpinistische Ethik“ gewesen, heißt es in dem PZA-Bericht. Der 58 Jahre alte Berbeka und der 27 Jahre alte Kowalski waren erst für vermisst und später für tot erklärt worden. Polnische Bergsteiger fanden im Juli die Leiche Kowalskis auf einer Höhe von 8000 Metern und bestatteten sie dort unter Steinen. Berbeka bleibt verschollen.

Keine Umkehrzeit vereinbart

Der polnische Verband bemängelt, dass der Gipfelangriff unzureichend vorbereitet gewesen sei. Die Bergsteiger hätten weder über die richtige Taktik diskutiert, noch eine Umkehrzeit vereinbart. Bielecki hatte den höchsten Punkt erst um 17.20 Uhr erreicht, die anderen noch später. Bei Einbruch der Nacht waren die Temperaturen auf minus 30 Grad Celsius und darunter gefallen.

Am Rande der Panik

Expeditionsleiter Wielicki

Adam Bielecki sieht sich in der Rolle des Prügelknaben. „Ja, ich bin vorausgelaufen, weil ich Angst hatte“, räumt Adam Bielecki in einem Interview ein. „Ich war am Rande der Panik und kämpfte um mein Leben.“ Fairerweise müsse das in die Beurteilung mit einbezogen werden, meint Expeditionsleiter Krzysztof Wielicki. Helden ließen sich nicht mit Gewalt schaffen: „Es stellt sich die Frage: Was ist besser? Als ein Feigling leben oder ein Held sein und sterben?“ In dem Bericht des Bergsteigerverbands wird Bielecki vorgeworfen, seine Gefährten nicht darüber informiert zu haben, dass er alleine absteigen wolle.

Keine Kritik an Wielicki

Dagegen wird Artur Malek dafür gelobt, dass er in Lager vier auf 7400 Metern ausgeharrt habe, um auf die beiden Vermissten zu warten. Weitgehend ungeschoren kommt Expeditionsleiter Wielicki davon. Die Rettungsaktion, die er im Basislager für Kowalski und Berbeka eingeleitet habe, sei angemessen gewesen, heißt es.

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Drama am Broad Peak bleibt unklar https://blogs.dw.com/abenteuersport/drama-am-broad-peak-bleibt-unklar/ Sun, 24 Mar 2013 18:15:54 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=20607

Broad Peak

Wie ein Schatten liegt der Tod von Maciej Berbeka und Tomasz Kowalski über der polnischen Winterexpedition zum Broad Peak. Das sportliche Ziel hatte das Team unter Leitung der Himalaya-Legende Krzysztof Wielicki erreicht. Die erste Winterbesteigung des Achttausenders in Pakistan war geglückt. Doch dann kehrten zwei der vier Gipfelstürmer nicht zurück. Schweren Herzens musste Wielicki die beiden für tot erklären. Fragen waren offen geblieben. Nach der Rückkehr nach Polen haben die Bergsteiger zumindest versucht, das Drama am Broad Peak zu erklären.

Keine Anzeichen von Schwäche

Berbeka, Kowalski, Adam Bielecki und Artur Malek brachen am Gipfeltag um 5.15 Uhr Ortszeit von Lager 4 in 7400 Metern Höhe auf. Relativ spät. Sie hätten ausreichend Zeit gebraucht, so die Bergsteiger, um sich von den Strapazen des Vortags zu erholen, an dem sie 1200 Meter aufgestiegen seien. Außerdem hätten sie bei den ersten Vorstößen schlechte Erfahrungen damit gemacht, bei den extrem niedrigen Nachttemperaturen zu früh aufzubrechen. Richtig viel Zeit verlor das Quartett dann aber vor dem so genannten „Rocky Summit“, dem Vorgipfel auf 8027 Metern Höhe. Dort habe es „unvorhergesehene technische Schwierigkeiten“ gegeben, die bei Sommerbesteigungen nicht aufträten. 16 Uhr war es bereits, elf Stunden waren sie schon geklettert. Expeditionsleiter Wielicki fragte per Funk nach, ob es nicht schlauer sei, wegen der fortgeschrittenen Stunde umzukehren. Es war der erfahrene Berbeka, der antwortete, dass alle entschlossen seien, zum Gipfel weiterzusteigen. Niemand aus dem Gipfelteam habe zu diesem Zeitpunkt Anzeichen von Schwäche gezeigt, sagten die beiden Überlebenden.

Eigentlich perfekte Winterbedingungen

Broad Peak (mit Schatten des K 2)

Nachdem sie die letzte große Hürde überwunden hatten, stieg jeder so schnell er konnte Richtung Gipfel. Bielecki erreichte den höchsten Punkt um 17.20 Uhr, Malek, eine halbe Stunde später, Berbeka und Kowalski noch einmal zehn Minuten später. Wegen der großen Höhe und der Gefahr, sich Erfrierungen zuzuziehen, sei es nicht möglich gewesen, auf die langsameren Begleiter zu warten, sagten Bielecki und Malek. Offenkundig hielten alle die spätere dramatische Wendung nicht für möglich. Die Temperaturen seien bei Einbruch der Nacht auf minus 29 bis 35 Grad Celsius gefallen. Aber es habe kein Wind geweht, der Himmel sei klar gewesen. Eigentlich perfekte Bedingungen für Bergsteigen im Winter.

Funkstille mit Berbeka

Warum Kowalski später nur noch dahinschlich, ist unklar. Wahrscheinlich war er höhenkrank, in Verbindung mit der niedrigen Temperatur verließen ihn so schnell die Kräfte, dass er kaum mehr in der Lage war abzusteigen. Rätselhaft bleibt auch, ob Kowalski und Berbeka zusammenblieben. Berbeka funkte nicht mehr. Kowalski erwähnte lediglich, er habe den vor ihm absteigenden Maciej mehrmals gesehen. Möglich, dass Berbeka später in einer der zahlreichen Gletscherspalten verschwand oder abstürzte.

Am Ende ihrer Kräfte

Bielecki erreichte Lager 4 um 22.10 Uhr, Malek um 2 Uhr nachts. Beide waren völlig erschöpft. Bielecki wollte Malek entgegensteigen, kehrte aber um, nachdem er für 30 Höhenmeter 40 Minuten gebraucht hatte. Ähnlich erging es Malek, als er am nächsten Morgen nach den beiden Vermissten suchen wollte. Der pakistanische Bergsteiger Karim Hayat stieg noch einmal bis zu einer Höhe von 7700 Metern auf. Trotz guter Sicht fand er keine Spur von Berbeka und Kowalski.

Untersuchungskommission eingesetzt

Die meisten Todesfälle beim Himalaya-Bergsteigen sind Folge individueller Fehler. Doch wer will den ersten Stein werfen? Es war Berbekas und Kowalskis eigene Entscheidung, den Gipfelversuch fortzusetzen, obwohl klar war, dass sie im Schein ihrer Stirnlampen würden absteigen müssen. Auch über jene Passagen, die ihnen schon beim Aufstieg im Hellen Probleme bereitet hatten. Am Rocky Summit hätte die Option bestanden, nur den Fittesten oder die beiden Schnellsten zum Gipfel steigen zu lassen. Auch als Bielecki ihnen später bei seinem Abstieg entgegen kam und klar war, dass das Ziel der Expedition erreicht war, hätten Berbeka und Kowalski noch kehrtmachen können. Doch der Gipfel war so nah. Ignorierten sie womöglich Alarmsignale ihres Körpers? Was genau mit ihnen in den letzten Stunden ihres Lebens geschah, bleibt spekulativ. Daran wird auch die Kommission des polnischen Bergsteigerverbands, die das Drama am Broad Peak untersuchen soll, wohl kaum etwas ändern können.

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Erfolg und Drama am Broad Peak https://blogs.dw.com/abenteuersport/wintererfolg-und-drama-am-broad-peak/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/wintererfolg-und-drama-am-broad-peak/#comments Sat, 09 Mar 2013 20:52:45 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=20235

Broad Peak (mit Schatten des K 2)

Die Freude über die erste Winterbesteigung des Broad Peak währte nur kurz. Vier polnische Bergsteiger erreichten am frühen Dienstagabend den Gipfel des Achttausenders im Karakorum, zwei von ihnen bezahlten den Erfolg mit ihrem Leben. „Wenn ich alle Umstände, die äußeren Bedingungen, meine Erfahrung, die Geschichte des Himalaya-Bergsteigens, das Wissen um Physiologie und Höhenmedizin und meine Beratungen mit Ärzten und Co-Organisatoren der Expedition in Polen berücksichtige, muss ich Maciej Berbeka und Tomasz Kowalski für tot erklären“, schreibt Expeditionsleiter Krzysztof Wielicki. Das Team werde das Basislager abbauen und den Heimweg antreten.

Viel zu langsam

Die Gipfelmannschaft war spät dran. Erst zwischen 17 und 18 Uhr Ortszeit gelangten Artur Malek, Adam Bielecki, Maciej Berbeka und Tomasz Kowalski auf den höchsten Punkt auf 8051 Metern. Damit war klar, dass sie in der Dunkelheit und bei eisigen Temperaturen um minus 36 Grad Celsius würden bis zu Lager IV auf 7400 Metern absteigen müssen. Offenkundig trennte sich das Quartett anschließend. Bielecki erreichte als Erster gegen 21 Uhr die Zelte, Malek um 2 Uhr nachts. Zu dieser Zeit waren Kowalski und Berbeka gerade erst auf dem Sattel auf 7900 Metern angekommen. Sieben Stunden hatten sie für eine Strecke benötigt, für die sie unter normalen Umständen nur etwa eine Stunde gebraucht hätten.

Keine Chance für Rettungaktion

Kowalski funkte, dass er erschöpft sei und Atemprobleme habe. Um 6.30 Uhr gab es den letzten Kontakt zu ihm. Kowalski beklagte, dass er Schwierigkeiten habe, seine Steigeisen zu befestigen. Danach herrschte Funkstille. Kein Lebenszeichen mehr von Berbeka und Kowalski. Malek und ein pakistanischer Helfer blieben noch bis zum Abend in Lager IV, stiegen dann jedoch Richtung Basislager ab, weil sich eine Schlechtwetterfront mit Schneefall und Windgeschwindigkeiten von 100 Stundenkilometern näherte. Jede Rettungsaktion hätte auch die anderen Bergsteiger in Lebensgefahr gebracht.

Berbekas dritte Wintererstbesteigung

Maciej Berbeka (1954-2013)

Tomasz Kowalski wurde nur 27 Jahre alt. An den ganz hohen Bergen hatte er vor der Besteigung des Broad Peak noch keine großen Spuren hinterlassen – im Gegensatz zu Maciej Berbeka. Der hatte in den 1980er Jahren für Furore gesorgt. 1984 gelang ihm mit Ryszard Gajewski die erste Winterbesteigung des Manaslu. 1985 bestieg er mit Maciej Pawlikowski erstmals den Cho Oyu in der kalten Jahreszeit. Außerdem erreichte Berbeka die Gipfel des Mount Everest und der Annapurna. Im Winter 1988, also vor 25 Jahren, schaffte es Berbeka bereits auf den 8028 Meter hohen Vorgipfel des Broad Peak – im Alleingang. Jetzt gelangte der inzwischen 58-Jährige auch auf den Hauptgipfel. Doch von dieser, seiner dritten Wintererstbesteigung eines Achttausenders kehrte Berbeka nicht mehr zurück. R.I.P.

P.S. Nach der Winterbesteigung des Broad Peak bleiben nur noch zwei Achttausender, die nicht in der kalten Jahreszeit bestiegen wurden: der K 2 und der Nanga Parbat. Bei zehn der zwölf erfolgreichen Wintererstbesteigungen von Achttausendern waren polnische Bergsteiger mit beteiligt. Für den 29-Jährigen Adam Bielecki war der Broad Peak der zweite Wintererfolg im Karakorum. 2012 hatte er mit seinem polnischen Landsmann Janusz Golab den Gasherbrum I bestiegen.

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https://blogs.dw.com/abenteuersport/wintererfolg-und-drama-am-broad-peak/feed/ 1
Viermal Nanga Parbat, einmal Broad Peak https://blogs.dw.com/abenteuersport/viermal-nanga-parbat-einmal-broad-peak/ Tue, 22 Jan 2013 15:52:36 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=19195

Schneehöhle der Polen in Lager 1

Aller guten Dinge sind drei. Das mögen sich die Polen Tomasz Mackiewicz and Marek Klonowski gedacht haben. Schon 2011 und 2012 versuchten sie, den Nanga Parbat erstmals im Winter zu besteigen. Vergebens. Jetzt sind sie wieder vor Ort und wollen den 8125 Meter hohen Gipfel in Pakistan über die Rupalwand ersteigen. Um sich zu akklimatisieren, sind sie bereits bis zu ihrem Lager 2 auf 5750 Meter auf- und dann wieder abgestiegen. Wie in den letzten beiden Jahren haben die Polen auch diesmal ihre Expedition „Justice for all“, Gerechtigkeit für alle, getauft. Warum, erschließt sich mir noch nicht. Ich hoffe, dass sie auf meine Anfrage reagieren. Die Rupalwand hat sich auch der französische Bergsteiger und Snowboarder Joel Wischnewski vorgenommen.

Alleine hoch, mit dem Snowboard runter

Ganz ehrlich, von ihm hatte ich vorher noch nie etwas gehört oder gelesen. Wischnewski hat den Mund sehr voll genommen: Nach eigenen Worten will er den Nanga Parbart solo und im Alpinstil besteigen, also ohne Sauerstoff, Fixseile und feste Hochlager. Und als würde das noch nicht reichen, will Wischnewski  – wenn es die Verhältnisse zulassen – nach dem möglichen Gipfelerfolg so weit wie möglich mit dem Snowboard abfahren. Sagt er jedenfalls. Nach eigenen Angaben ist er bereits bis auf eine Höhe von 4300 Metern aufgestiegen.

Zwei Teams auf der Diamir-Seite

Basislager auf der Diamir-Seite

Auf der anderen Seite des Bergs, an der Diamir Flanke, warten die Mitglieder zweier weiterer kleiner Expeditionen auf ihre Chance, dem Nanga Parbat erstmals im Winter aufs Dach zu steigen. Die beiden Ungarn David Klein und Zoltan Acs sowie der US-Amerikaner Ian Overton befinden sich wie die Teams auf der Rupalseite noch in der Akklimatisierungsphase. Sie stiegen bis auf eine Höhe von 5100 Metern auf und dann wieder ins Basislager ab. Dort haben sie inzwischen Gesellschaft erhalten. Auch der Italiener Daniele Nardi und die Französin Elisabeth Revol wollen über die Diamir-Seite zum höchsten Punkt aufsteigen. 

Der Chef weiß, wie es geht 

Krzysztof Wielicki (2010 in Brixen)

Verglichen mit dem Nanga Parbat erhält der Broad Peak in diesem Winter deutlich weniger Besuch: eine Expedition.  An die dürfte sich der Achttausender im Karakorum jedoch schon fast gewöhnt haben. Den dritten Winter in Folge versuchen Bergsteiger aus Polen, den 8051 Meter hohen Berg erstmals in der kalten Jahreszeit zu besteigen. Geleitet wird die fünfköpfige Mannschaft diesmal von der lebenden Himalaya-Legende Krzysztof Wielicki. Der 63-Jährige hatte in den 1980er und 90er Jahren alle 14 Achttausender bestiegen. Dabei gelangen ihm auch drei Winter-Erstbesteigungen: 1990 am Mount Everest (mit Leszek Cichy), 1996 am Kangchendzönga (mit Jerzy Kukuczka) und 1998 am Lhotse (solo). Der Mann weiß also, wie es geht.

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Winter-Wahrheiten und ein (halbes) Märchen https://blogs.dw.com/abenteuersport/winter-wahrheiten-und-ein-halbes-marchen/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/winter-wahrheiten-und-ein-halbes-marchen/#comments Mon, 03 Dec 2012 16:29:01 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=18463

Winter am Nanga Parbat

Der Winter steht kalendarisch vor der Tür, meteorologisch ist er längst im Haus. Für die Wetterfrösche beginnt die kalte Jahreszeit nämlich schon am 1. und nicht erst am 21. Dezember. Das passt zum heutigen Blick aus dem Fenster: Selbst hier im Rheinland fallen Schneeflocken. Sie bleiben jedoch nicht lange liegen. Das ist an den höchsten Bergen der Welt naturgemäß anderes. Auch in diesem Winter werden sich wieder einige wetterfeste Bergsteiger an jenen Achttausendern im Karakorum versuchen, die noch nie im Winter bestiegen wurden. 

Gerechtigkeit für alle? 

Am 8125 Meter hohen Nanga Parbat werden nach derzeitigem Stand mindestens zwei Expeditionen unterwegs sein. Am zweiten Weihnachtstag brechen die Ungarn David Klein und Zoltan Acs zusammen mit dem US-Amerikaner Ian Overton nach Pakistan auf. Sie wollen über die Diamir-Flanke aufsteigen – über dieselbe Route, auf der im vergangenen Winter der Italiener Simone Moro und der Kasache Denis Urubko bis auf eine Höhe von 6000 Meter gelangt waren, ehe sie wegen Dauerschneefalls hatten umkehren müssen. Über die so genannte Schell-Route am westlichen Rand der Rupal-Wand streben fünf Polen unter Leitung von Tomasz Mackiewicz gipfelwärts. Es ist die zweite Auflage der „Justice For All Nanga Panga Winter Expedition“. Im vergangenen Winter waren Maciewicz und Co gescheitert. Was eine Nanga-Parbat-Besteigung mit Gerechtigkeit für alle zu tun hat, erschließt sich mir nicht ganz. 

Wielicki am Broad Peak

Broad Peak (mit Schatten des K 2)

Auch der Achttausender Broad Peak im Karakorum wartet noch auf seine erste Winterbesteigung. Wie schon Anfang dieses Jahres will auch 2013 eine polnische Expedition den 8051 Meter hohen Berg angehen. Geleitet wird sie von der lebenden Legende Krzysztof Wielicki. Dem heute 62-Jährigen war 1980 mit seinem Landsmann Leszek Cichy die erste Winterbesteigung des Mount Everest gelungen. Auch den Kangchendzönga (1996 mit Jerzy Kukuczka) und den Lhotse (1990 solo) bestieg Krzysztof in der kalten Jahreszeit. Der Mann weiß also, wie es geht.

Erst im Frühjahr  

Denis Urubko

Im Internet kursieren derzeit Meldungen, der Kasache Denis Urubko und der Russe Alexej Bolotov wollten in diesem Winter am Mount Everest eine neue Route erschließen – und das im Alpinstil. Das wäre ein echter Leckerbissen. Stimmt auch alles – bis auf die Jahreszeit. Wir werden uns bis zum Frühjahr gedulden müssen. Er wolle „Mitte Mai in Topform den Gipfel des Mount Everest“ erreichen, sagte Denis in einem Interview mit der kasachischen Internetseite sports.kz. Die beiden sind sicher ein schlagkräftiges Team. Der 39 Jahre alte Urubko hat alle 14 Achttausender ohne Flaschensauerstoff bestiegen. Zudem gelangen ihm mit Simone Moro die ersten Winterbesteigungen der Achttausender Makalu und Gasherbrum II. Der 49-jährige Bolotov wurde bereits zweimal mit dem Piolet d’Or geehrt, dem Oscar der Bergsteiger. 2001 gelang ihm außerdem die Erstbesteigung des 8410 Meter hohen Lhotse-Westgipfels. Ein Jahr später stand er auf dem Gipfel des Mount Everest, ohne zur Atemmaske gegriffen zu haben.

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Auch Lenin war am Gipfel https://blogs.dw.com/abenteuersport/auch-lenin-war-am-gipfel/ Sun, 10 Jun 2012 22:42:10 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=15281

Viel los auf Polens höchstem Berg, dem Rysy

Alle Augen richten sich auf die Ukraine und Polen. Na klar, dort schlägt derzeit das europäische Fußballherz. Jogis Jungs haben mir gestern ein paar graue Haare mehr verschafft. Da sich die Farbe auf meinem Körpergipfel seit längerem durchgesetzt hat, fällt das kaum auf. Und hinterher, wenn Deutschland (hoffentlich) den Titel geholt hat, fragt ohnehin niemand mehr danach, wem das 1:0 gegen Portugal auf die Haare geschlagen ist.

Vor der letzten EM 2008 in Österreich und der Schweiz hatte Bundestrainer Joachim Löw seinen Kader noch auf der Zugspitze präsentiert und das Unternehmen EM-Titelkampf „Gipfelsturm“ getauft. Diesmal verzichtete der Coach auf Höhenluft und Bergbezug. Die Ukraine und Polen gelten eben im Gegensatz zum letzten EM-Ausrichter nicht als Eldorado der Bergsteiger. Und ganz ehrlich, bis heute hatte ich keine Ahnung, welche Erhebungen in den beiden EM-Gastgeberländern die höchsten sind.

Mehr wander- als wunderbar

Die Howerla, höchster Berg der Ukraine

Der Rysy liegt in der Hohen Tatra und wird als höchster Berg Polens geführt – obwohl der Hauptgipfel (2503 Meter) in der Slowakei liegt. Doch der 2499 Meter hohe Nordwestgipfel gehört zu Polen und ist höher als alles andere, was das Land zu bieten hat. Schwer zu besteigen ist er nicht. 1899 trug sich die in Polen geborene spätere Physik- und Chemie-Nobelpreisträgerin Marie Sklodowska Curie ins Gipfelbuch ein, 1913 auch Lenin, der spätere Gründer der Sowjetunion.

Noch leichter ist der höchste Berg der Ukraine zu erklimmen, der eigentlich eher ein Hügel ist. 2061 Meter misst die Howerla, in den Karpaten im Westen des Landes gelegen. Auf den höchsten Punkt führt ein Wanderweg.

Polnische Topbergsteiger

Krzysztof Wielicki (2010 in Brixen)

Dass auch Länder mit unspektakulären Bergen Ausnahmebergsteiger hervorbringen kann, beweist vor allem Polen. Polnische Kletterer haben an den Achttausendern Geschichte geschrieben. Stellvertretend seien Jerzy Kukuczka und Krzysztof Wielicki genannt. Kukuczka war der zweite Mensch nach Reinhold Messner, der alle 14 Achttausender bestieg: bis auf den Mount Everest alle ohne Atemmaske, fast alle auf neuen, schwierigen Routen, vier Achttausender erstmals im Winter. Kukuczka stürzte 1989 in der Lhotse-Südwand ab. Im Gegensatz zu ihm lebt Krzysztof Wielicki noch. Auch er stand auf den Gipfeln aller 14 Achttausender. 1980 gelang Wielicki mit Leszek Cichy die erste Winterbesteigung des Mount Everest.

Kinga wie Wanda

Und erst vor wenigen Wochen sorgte eine polnische Bergsteigerin für Schlagzeilen. Kinga Baranowska bestieg mit dem Lhotse ihren achten Achttausender. Damit zog die 36-Jährige mit ihrer legendären Landsfrau Wanda Rutkiewicz gleich, die 1992 von ihrem Versuch, den Kangchendzönga zu besteigen, nicht mehr zurückkehrte.

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Gute Zeiten, schlechte Zeiten https://blogs.dw.com/abenteuersport/gute-zeiten-schlechte-zeiten/ Sun, 12 Dec 2010 10:49:03 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport2/2010/12/12/gute-zeiten-schlechte-zeiten/ Es gibt ein paar untrügliche Zeichen, die mich daran erinnern, dass ich älter werde. Etwa, dass ich mich blind wie ein Maulwurf fühle, wenn ich meine Lesebrille verlegt habe. Oder dass ich mich dabei ertappe, von alten, besseren Zeiten zu schwärmen. Krzysztof Wielicki ist da schon viel weiter, sprich weiser. „Ich will nicht behaupten, dass es heute schlechter ist, nur anders“, sagt die lebende polnische Bergsteigerlegende.


Krzysztof Wielicki, Pionier des Extrembergsteigens im Himalaya

60 Jahre alt ist Wielicki. Vor gut 30 Jahren, im Februar 1980, gelang Krzysztof mit seinem Landsmann Leszek Cichy die erste Winterbesteigung des Mount Everest. 1984 am Broad Peak war er der erste Bergsteiger, der einen Achttausender an einem Tag bestieg. Und Wielicki setzte weitere Marken: 1986 bestieg er mit Jerzy Kukuczka erstmals den Kangchendzönga im Winter. 1988 ließ er die erste Solobesteigung des Lhotse folgen, und dann noch im Winter, auch das eine Premiere. 1990 bestieg Wielicki als Erster im Alleingang den Dhaulagiri. 1996 war der Pole der fünfte Mensch, der alle 14 Achttausender bestiegen hatte, lediglich am Everest hatte er Flaschen-Sauerstoff benutzt.

Exodus in den Himalaya

„Es war das goldene Zeitalter der polnischen Bergsteiger“, erzählt Krzysztof (Im Bild links mit Leszek Cichy nach der Winterbesteigung des Mount Everest). „Heute haben wir den Kapitalismus in Polen. Die Leute müssen arbeiten und haben einfach keine Zeit mehr für lange Expeditionen.“ Die wirtschaftliche Lage in seiner Heimat sei in den 1970er und 80er Jahren verheerend gewesen. Gleichzeitig seien die politischen Fesseln etwas gelockert worden, sodass vor allem Sportler ins Ausland reisen konnten. „Es war wie ein Exodus“, sagt Wielicki. „Wir flohen in den Himalaya.“ Bis zu 20 Expeditionen aus Polen waren Jahr für Jahr an den höchsten Bergen der Welt unterwegs. „Paradox ist, dass wir in der schlechtesten Zeit für Polen die größten Erfolge im Bergsteigen gefeiert haben.“

Eltern mussten Zeitung lesen

Und dann spricht Krzysztof doch von den alten als „besseren Zeiten“. Es habe keinen Druck gegeben, weder von Sponsoren, noch von den Medien. „Wir sind nur für uns selbst geklettert. Wir wollten unsere Träume verwirklichen.“ Als Wielicki und Co. zu ihren Expeditionen aufbrachen, war Internet noch ein Fremdwort. Erst wenn die Bergsteiger zurückkehrten, gaben sie Interviews. „Meine Eltern wussten gar nicht, dass ich im Himalaya unterwegs war. Sie haben es zwei Monate später in der Zeitung gelesen.“


Hoppe, hoppe, Bergsteiger: Wielicki mit Simone Moro (l.) und Denis Urubko (r.)

Schneller ein Star und unter der Erde

Die heutige Generation der Extrembergsteiger beneidet Krzysztof nicht: „Wenn du etwas Spektakuläres machen willst, musst du ein größeres Risiko eingehen. Und du musst ein Profi sein, kannst nicht noch einen normalen Job nebenher haben.“ Häufig bleibe dabei allerdings die Erfahrung auf der Strecke. Früher hätten sich die Bergsteiger erst über Touren in den Alpen oder im Kaukasus an die Achttausender herangetastet. „Die Erfahrung ist das Wichtigste. Sie vermittelt dir eine Idee davon, was und wie du es tun sollst. Heute haben die Menschen keine Geduld mehr. Sie wollen so schnell wie möglich Erfolge. Nach zwei, drei Jahren sind sie Stars. Und ein oder zwei Jahre später sterben sie in den Bergen.“

Süchtig nach den hohen Bergen

Auch mit 60 Jahren hat Krzysztof Wielicki die Bergschuhe noch nicht an den Nagel gehängt. „Ich habe noch kein Zeichen erhalten, dass ich damit aufhören sollte. Ich fühle mich immer noch gut.“ 2006 bestieg Krzysztof zum zweiten Mal den Achttausender Gasherbrum II in Pakistan. Im nächsten Jahr will er sich wieder am Broad Peak versuchen. „Ich kann nicht ohne das Bergsteigen im Himalaya sein. Das ist einfach mein Leben.“

P.S. Im unten stehenden Interview mit Krzysztof zum Hören mute euch wieder einmal mein lausiges Englisch zu. Dafür aber es ist unverfälscht und authentisch.

Interview mit dem polnischen Bergsteiger Krzysztof Wielicki

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Walk and talk https://blogs.dw.com/abenteuersport/walk-and-talk/ Thu, 04 Nov 2010 17:56:01 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport2/2010/11/04/walk-and-talk/ Kaum waren wir losgegangen, lag auch schon der erste flach, ausgerutscht auf einer zugefrorenen Pfütze. Der italienische Extrembergsteiger Simone Moro eilte dem Unglücksraben, der sich dabei das Knie verdreht hatte, schnell zu Hilfe. Typisch Moro. „Wenn du zu Hause jemand hilfst, machst du das auch auf 8000 Metern“, erzählt mir der 43-Jährige etwas später beim Aufstieg zur 2545 Meter hohen Großen Pfannspitze, einem Wandergipfel mitten im Brixener Skigebiet.



Moro (2.v.r.) hilft, Urubko (l.) weiß den Gestürzten in guten Händen

IMS Walk nennt sich diese Veranstaltung des International Mountain Summit in Brixen, die Schule machen sollte. Ein paar Stunden lang wandern Menschen wie du und ich mit den besten Bergsteigern der Welt durch die Südtiroler Bergwelt. Neben Simone Moro ist sein Freund und Seilgefährte Denis Urubko mit von der Partie. Der Kasache hat alle 14 Achttausender ohne Atemmaske bestiegen. Mit Moro gelang ihm die erste Winterbesteigung des Makalu. Dritter im Bunde ist Krzystof Wielicki, lebende Bergsteiger-Legende aus Polen, 1980 der erste Mensch, der einen Achttausender im Winter bestieg, und dann gleich den Mount Everest.

Große Bergsteiger-Familie

Während wir in mäßigem Tempo aufsteigen, stehen die drei Extrembergsteiger geduldig und offen Rede und Antwort, erzählen von ihren Erlebnissen und scheinen sich ehrlich zu freuen, mit so vielen Gleichgesinnten unterwegs zu sein. „Das ist ganz anders als bei einem Vortrag, wo es nur heißt: Applaus und aus“, sagt Denis Urubko. „Hier kommst du mit vielen Mitgliedern der großen Bergsteiger-Familie ins Gespräch.“ Auch die Sonne scheint das toll zu finden, jedenfalls wärmt sie uns mit einer für Anfang November ungewöhnlichen Intensität.


Berge, so weit das Auge reicht

Wenn ich wieder ins rheinische Flachland zurückgekehrt bin, werde ich im Blog ausführliche Geschichten über Moro, Urubko und Wielicki folgen lassen. Ich würde diesen großartigen Bergsteigern und interessanten Menschen nicht gerecht, wenn ich die Interviews mit ihnen hier und jetzt in einem einzigen Artikel „verbraten“ würde. Aber den Mund will ich euch natürlich ein bisschen wässrig machen.

Der dritte Pickel

Denis Urubko erzählte mir beispielsweise von seiner Besteigung des Achttausenders Cho Oyu im Mai 2009. Mit seinem kasachischen Landsmann Boris Dedeshko hatte der 37-Jährige den Gipfel über eine neue direkte Route durch die Südwand erreicht – und das bei miserablem Wetter. „Das war die gefährlichste Kletterei meines Lebens“, sagt Denis. „Manchmal träume ich heute noch davon. Dann werde ich wach und kann nicht mehr einschlafen.“
Mit Simone Moro sprach ich über seine Angewohnheit, fast immer mit Freunden auf Expedition zu gehen. „Unsere Freundschaft ist wie der dritte Eispickel“, sagt Simone über Denis. „Das Team ist das Geheimnis meiner Abenteuer.“


Krzystof Wielicki, Simone Moro und Denis Urubko (v.l.)

Einfach die Träume gelebt

Krzystof Wielicki ist im Januar 60 Jahre alt geworden. Doch er wirkt 15 Jahre jünger und topfit. Nach wie vor ist er regelmäßig an den Achttausendern unterwegs. „Ich kann nicht ohne das Klettern im Himalaya sein“, gesteht der Pole. „Das ist mein Leben.“ Wir reden darüber, wie sich das Bergsteigen in den vergangenen drei Jahrzehnten verändert hat. „Wir waren privilegiert, haben einfach unsere Träume gelebt“, meint Wielicki. „Heute haben es die Bergsteiger schwerer.“


Abstieg vor Dolomitenkulisse

Die anderen Wanderer und ich aber haben es selten leichter als heute gehabt, mit drei Topbergsteigern ins Gespräch zu kommen – und dann auch noch bei herrlichem Herbstwetter und toller Aussicht. Der Teilnehmer, der so unsanft in die Tour gestartet war, erreichte übrigens auch den Gipfel – ohne weiteren Sturz.

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