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	<title>Berufswahl &#8211; Bildungswege</title>
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	<description>Fünf Blogger, fünf Länder, ein Dialog. In diesem Blog diskutieren fünf junge Leute aus Irak, Deutschland, Argentinien, Russland und Kenia über Bildungschancen in ihren Heimatländern und über ihre eigenen Bildungswege.</description>
	<lastBuildDate>Fri, 20 Jul 2012 11:55:22 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Visionäre Bildungskonzepte sind gut und schön, aber&#8230;</title>
		<link>https://blogs.dw.com/bildungswege/?p=2883</link>
		<pubDate>Fri, 29 Jun 2012 10:00:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[dahmannk]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[María | Argentinien]]></category>
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		<description><![CDATA[ [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2879" aria-labelledby="figcaption_attachment_2879" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Some-of-the-topics-discussed.jpg" rel="lightbox[2883]"><img class="size-medium wp-image-2879" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Some-of-the-topics-discussed-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Some-of-the-topics-discussed-300x200.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Some-of-the-topics-discussed-1024x682.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Viele reden über neue Technologien, verlieren aber die eigentlichen Probleme aus dem Blick...</p></div>
<p>Am Mittwoch habe ich das das dritte Plenum des Deutsche Welle Global Media Forums besucht. Da ging es um Bildung als Meilenstein für nachhaltige Entwicklung. Denis Goldberg, ein Gesellschaftsaktivist aus Kapstadt in Südafrika meinte: &#8222;Bildung sollte sich stärker am Ziel der Nachhaltigkeit orientieren, schließlich sind wir darauf angewiesen.&#8220; Das heißt zum Beispiel, dass man Projekte in Angriff nehmen sollte, die das Problem der Überbevölkerung in den Blick rücken. Einer seiner Vorschläge ist darüber aufzuklären, dass man soziale Sicherungsnetze wie Rentenversicherungen ausbauen muss. Denn nur so kann man die Menschen davon abbringen zu glauben, dass das Kinderkriegen der alleinige Weg ist die eigene Zukunft abzusichern.</p>
<p>Damit hat er schon recht. Aber ich finde trotzdem, dass in der ganzen Debatte etwas fehlt. <span id="more-2883"></span></p>
<p>Die anderen Diskussionsteilnehmer haben sich dann mehr mit der Frage beschäftigt, wie man junge Leute &#8211; Kinder und Teenager &#8211; dazu bringen kann, dass sie mehr Interesse für Bildung entwickeln. Also angefangen bei Lesegewohnheiten bis zu den neuen Medien und neuen Technologien, die man im Bildungssektor nutzt. Auch das alles ist gut und schön.</p>
<p>Aber das geht schon über die eigentlichen Probleme hinaus. Ich finde, wir dürfen nicht die Grundlagen der Persönlichkeitsentwicklung aus den Augen verlieren: Wenn in Regionen, in denen Armut herrscht, ein Kind nicht zur Schule geht und auch nicht anderswo Bildung erfährt, dann ist das aller Wahrscheinlichkeit deshalb so, weil das Kind hungert.</p>
<p>Neben diesen grundlegenden Problemen müssen wir uns mit der Frage beschäftigen, welche Möglichkeiten und Chancen wir den Menschen bieten. Professor Barbara Ischinger vom Bildungsdirektorat der OECD hat da drei Stufen vorgestellt, wie man den Nutzen von vermittelten Fähigkeiten maximieren kann: Kurzfristig geht es einfach darum einzelne Fähigkeiten in der Praxis anzuwenden; mittelfristig unterschiedliche Fähigkeiten zu trainieren; und langfristig ist dann das Ziel, Fähigkeiten zu erarbeiten, die ganz genau auf die jeweilige landesspezifische Wirtschaftssituation zugeschnitten sind.</p>
<p>Mir kam sofort der Gedanke, dass ich diese Ideen gut auf die Nichtregierungsorganisation anwenden kann, für die ich arbeite. Wir entwickeln nämlich eine neue Online-Plattform, bei der es um berufliche Ausbildung geht. Unser Ziel ist Informationen über verschiedene Karrierewege zu liefern, mit den Schwerpunkten Wissenschaft und Energiewirtschaft. Eine der Fragen, über die wir gerade diskutieren, ist, ob wir Trainingsprogramme für bestimmte berufliche Fähigkeiten anbieten sollen oder nicht. Schließlich wollen wir ja Teenager ermutigen, eine akademische Laufbahn einzuschlagen.</p>
<div id="attachment_2881" aria-labelledby="figcaption_attachment_2881" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Traditional-educational-outlets-seem-to-lose-protagonism-in-presence-of-new-technologies.-Nonetheless-what-happens-to-those-who-cant-have-access-to-these_.jpg" rel="lightbox[2883]"><img class="size-medium wp-image-2881" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Traditional-educational-outlets-seem-to-lose-protagonism-in-presence-of-new-technologies.-Nonetheless-what-happens-to-those-who-cant-have-access-to-these_-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Traditional-educational-outlets-seem-to-lose-protagonism-in-presence-of-new-technologies.-Nonetheless-what-happens-to-those-who-cant-have-access-to-these_-300x200.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Traditional-educational-outlets-seem-to-lose-protagonism-in-presence-of-new-technologies.-Nonetheless-what-happens-to-those-who-cant-have-access-to-these_-1024x682.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Traditionelle Bildungseinrichtungen wie Bibliotheken scheinen in der heutigen Bildungsdiskussion keine Rolle mehr zu spielen</p></div>
<p>In der Tat müssen aber junge Leute heute auch oft viel früher anfangen zu arbeiten, weil sie in finanziell instabilen Verhältnissen aufwachsen (wenn sie denn überhaupt die Möglichkeit haben, diesen Verhältnissen zu entfliehen). Und das sprach ein anderer Diskussionsteilnehmer an: Im Bildungssystem muss Durchlässigkeit herrschen, also dass jeder ein berufliches Trainingsprogramm absolviert und dann damit die Chance bekommt, sich in diesem Fach an der Uni einzuschreiben. Menschen eine Berufsausbildung zu bieten, ihnen Arbeit zu geben &#8211; das ist die Grundlage für wirtschaftliche Absicherung. Es muss solche Perspektiven geben, auch bei höherer Bildung und bei der Arbeit.</p>
<p>Wir übersehen oft und gerne einige elementare Probleme, wenn wir über Bildungsstrategien nachdenken. Verashni Pillay, die Online-Chefin von Mail &amp; Guardian in Südafrika, hat das bei der Konferenz mit klaren Worten ausgedrückt: &#8222;Lasst uns erst die grundlegenden Probleme lösen, bevor wir noch und noch mehr futuristische Sichtweisen auf das Thema Bildung in die Diskussion werfen.&#8220;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Ein Kunststudium für Künstler!</title>
		<link>https://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1375</link>
		<pubDate>Fri, 25 May 2012 11:30:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[wojcikn]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Hellgurd | Irak]]></category>
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		<description><![CDATA[ [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1385" aria-labelledby="figcaption_attachment_1385" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/me-playing-a-solo.jpg" rel="lightbox[1375]"><img src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/me-playing-a-solo-e1337943133312-300x219.jpg" alt="Geigensolo, Foto: Hellgurd S. Ahmed" width="300" height="219" class="size-medium wp-image-1385" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/me-playing-a-solo-e1337943133312-300x219.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/me-playing-a-solo-e1337943133312-1024x748.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Praxisorientiertes Lernen: mein Geigensolo</p></div>
<p>Die Kunsthochschulen im Irak haben in den vergangenen Jahren einige Fortschritte gemacht und es gibt mittlerweile viele gute Absolventen. Doch das sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass es immer noch Probleme gibt, über die wir dringend reden sollten. In diesem Blogeintrag möchte ich über das Kunststudium in meinem Land im Allgemeinen sprechen – darauf folgend dann über meine persönlichen Erfahrungen. <span id="more-1375"></span></p>
<p>Ich habe an einer Kunsthochschule studiert. Allerdings bin ich der Ansicht, dass man nicht früh genug damit anfangen kann, sich mit Kunst zu beschäftigen. Wenn sich jemand beispielweise für Musik interessiert, sollte er so früh wie möglich ein Instrument erlernen, am besten zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr. So bekommt man einen natürlichen und selbstverständlichen Zugang zur Musik und ich bin sicher, dass das auch auf andere Kunstbereiche gilt.</p>
<p>Aber warum sollte der Staat eigentlich überhaupt ein Kunststudium ermöglichen? Geht es darum, Künstler zu fördern und ihnen anschließend einen entsprechenden Beruf zu ermöglichen?</p>
<div id="attachment_1383" aria-labelledby="figcaption_attachment_1383" class="wp-caption alignright" style="width: 225px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Kids-should-enter-to-music-in-an-early-age.jpg" rel="lightbox[1375]"><img src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Kids-should-enter-to-music-in-an-early-age-e1337942975279-225x300.jpg" alt="Kleiner Junge mit Geige, Foto: Hellgurd S. Ahmed" width="225" height="300" class="size-medium wp-image-1383" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Kids-should-enter-to-music-in-an-early-age-e1337942975279-225x300.jpg 225w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Kids-should-enter-to-music-in-an-early-age-e1337942975279-768x1024.jpg 768w" sizes="(max-width: 225px) 100vw, 225px" /></a><p class="wp-caption-text">Früh übt sich....</p></div>
<p>Ich habe leider das Gefühl, dass es im Irak scheinbar kein Interesse an professionell ausgebildeten Künstlern gibt. Stattdessen wird der Fokus eher darauf gelegt, Kunstlehrer auszubilden, die vielleicht höchstens einmal eine Nationalhymne oder Volkslieder komponieren. Oder die in der Grundschule Kunst unterrichten – als bildender Künstler hat man ansonsten kaum Möglichkeiten einen künstlerischen Beruf auszuüben.</p>
<p>Und dennoch haben wir unter den Kunsthochschulabsolventen viele gute Künstler. Das hat jedoch weniger mit der Qualität der Lehre oder der Dozenten zu tun, als vielmehr mit der Leidenschaft und Zielstrebigkeit der einzelnen Leute.</p>
<p>Ein anderes Problem ist die Vertiefung des jeweiligen Studienfaches. Jeder Bereich in der Kunst hat mehrere Verzweigungen – davon merkt man an den Kunsthochschulen im Irak aber leider nichts. Für die Studenten ist das ziemlich verwirrend und kann dazu führen, dass sie im Laufe des Studiums vergessen, warum sie überhaupt Kunst studieren wollten. Stattdessen müssen sie zahllose Fächer belegen, die absolut gar nichts mit ihrer Spezialisierung oder ihren Interessen zu tun haben. </p>
<div id="attachment_1387" aria-labelledby="figcaption_attachment_1387" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/me-with-some-of-my-coleagues.jpg" rel="lightbox[1375]"><img src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/me-with-some-of-my-coleagues-300x225.jpg" alt="Hellgurd S. Ahmed und Kommilitonen, Foto: Hellgurd S. Ahmed" width="300" height="225" class="size-medium wp-image-1387" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/me-with-some-of-my-coleagues-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/me-with-some-of-my-coleagues-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Meine Kommilitonen und ich</p></div>
<p>Ich musste zum Beispiel einen Kurs in meiner Muttersprache belegen – dabei kann ich die doch schon recht gut, und ich habe auch nicht vor, Lehrer oder ähnliches zu werden. Also warum muss ich meine Studienzeit damit verschwenden? Ist das eine neue Form der Bildungsdiktatur? Und wie soll ich mich auf meine Spezialisierung konzentrieren, wenn ich stattdessen 16 verschiedene Fächer belegen muss?</p>
<p>Das ist auch der Grund, warum ich mich bereits ab dem ersten Semester gelangweilt habe. Und sogar vergessen habe, warum ich mich überhaupt eingeschrieben hatte. Schließlich wollte ich doch eigentlich Geiger werden – und nicht Sprachlehrer oder Pädagoge. Vielen meiner Kommilitonen ging es genauso.</p>
<p>Wenn Du dann trotzdem endlich Deinen Abschluss gemacht hast, bist Du total verwirrt. Selbst wenn Du ein guter Künstler oder Musiker bist, wirst Du keine Möglichkeit gehabt haben, Deine Fähigkeiten zu verbessern. Das tötet Deine Liebe und Leidenschaft für die Kunst.</p>
<p>Für jemanden, der wirklich gerne Lehrer werden möchte, ist dieses Bildungssystem sicherlich gut geeignet – aber ganz bestimmt nicht für diejenigen, die Künstler werden wollen.</p>
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			</item>
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		<title>Falsche Erwartungen</title>
		<link>https://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1337</link>
		<pubDate>Thu, 24 May 2012 11:30:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[wojcikn]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[ [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1339" aria-labelledby="figcaption_attachment_1339" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Traditional-models-or-new-ways.jpg" rel="lightbox[1337]"><img class="size-medium wp-image-1339" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Traditional-models-or-new-ways-300x232.jpg" alt="Russische Flugzeuge (Foto: Pavel Mylnikov)." width="300" height="232" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Traditional-models-or-new-ways-300x232.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Traditional-models-or-new-ways.jpg 800w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Am Boden bleiben? Oder seinen Visionen folgen?</p></div>
<p>Ich habe <a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1173">Hellgurds letzten Eintrag</a> gelesen – und darüber nachgedacht, wie es eigentlich für uns in Russland weiter geht, wenn wir einen Universitäts-Abschluss in der Tasche haben. Ich habe mich beispielsweise entschieden, zwei Abschlüsse zu machen – einfach aus dem Grund, weil mich zwei unterschiedliche Studienrichtungen interessieren und weil es mir gelungen ist, beide Studiengänge unter einen Hut zu kriegen. Zusätzlich habe ich noch Online-Kurse an einer amerikanischen Universität belegt, weil die Qualität der Lehre in meiner Heimatstadt mir unzureichend erscheint, und weil ich mich auch für den globalen Stellenwettbewerb rüsten möchte.<span id="more-1337"></span></p>
<p>Was mir allerdings Sorgen macht ist, dass ich viele Leute an der Uni kennengelernt habe, die sich nicht aufgrund ihrer Interessen für einen Studiengang entschieden haben, sondern aufgrund der derzeit gefragten Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt. Dabei vergessen sie anscheinend, dass diese nach ihrem Abschluss schon wieder ganz andere sein können. Meiner Meinung nach wird man nur dann Erfolg haben, wenn man nicht nur dem Kopf, sondern auch dem Herzen folgt.</p>
<p>Gleichzeitig lassen sich viele von Vorurteilen einschränken: Man solle bloß nicht in seiner Heimatstadt studieren, denn das würde bedeuten, dass man dort für immer bleiben und niemals in einer anderen Stadt oder im Ausland arbeiten könnte. Dabei haben wir doch immer eine Wahl, die Welt liegt uns zu Füßen! Entweder ist man ein offener und interessierter Mensch und lässt sich nicht von Vorurteilen leiten und kann daher auch seinen Wohnort wechseln und gleichzeitig mit seiner Familie in Kontakt bleiben. Oder man bleibt engstirnig und folgt dem Weg, den schon die Großeltern gegangen sind.</p>
<p>In unserem Blog wird gerade viel über Gender und gerechte Bezahlung diskutiert. In Russland verdient man im öffentlichen Dienst entweder ziemlich gut oder ziemlich miserable – das gilt sowohl für Frauen als auch Männer. Wenn man viel Geld verdient, ist man sehr wahrscheinlich in der höheren Laufbahn gelandet – und das ist eine Falle. Denn in Russland streben zu viele nach dieser höheren Anstellung, insbesondere aufgrund der exzellenten Bezahlung. Wir haben aber ein Sprichwort, das besagt: Zuviele Köche verderben den Brei. Und die Anzahl an Beamten in der höheren Laufbahn sagt leider überhaupt nichts über deren Qualifikation aus. Andere Berufe im öffentlichen Sektor wie zum Beispiel Ärzte oder Lehrer werden wiederum viel schlechter bezahlt, besonders im europäischen Vergleich. Hier finden sich weniger Männer, da das Rollenklischee vom männlichen Brötchenverdiener immer noch weit verbreitet ist.</p>
<div id="attachment_1343" aria-labelledby="figcaption_attachment_1343" class="wp-caption alignright" style="width: 199px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/A-worker-in-my-friends-cafe.jpg" rel="lightbox[1337]"><img class="size-medium wp-image-1343" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/A-worker-in-my-friends-cafe-199x300.jpg" alt="Neueröffnetes Café in Russland (Foto: Pavel Mylnikov)." width="199" height="300" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/A-worker-in-my-friends-cafe-199x300.jpg 199w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/A-worker-in-my-friends-cafe.jpg 402w" sizes="(max-width: 199px) 100vw, 199px" /></a><p class="wp-caption-text">Das Glück selbst in die Hand nehmen: Selbständig im eigenen Café</p></div>
<p>In der Privatwirtschaft ist es anders – hier ist das Einkommen abhängig von der guten oder eben schlechten Leistung, die man erbringt! Eine Freundin von mir hat früher einmal in einer öffentlichen Bibliothek gearbeitet, bis ihr bewusst wurde, dass sie von ihrem Gehalt nur gerade so eben über die Runden kommt. Mittlerweile hat sie ihr eigenes Café eröffnet und zusätzlich zu dieser neuen Herausforderung macht ihr die neue Arbeit auch viel mehr Spaß. Allerdings musste sie mit sehr vielen bürokratischen Hürden kämpfen, um ihr Unternehmen registrieren zu lassen – und diese Hürden betreffen alle Selbständigen in Russland, egal ob weiblich oder männlich.</p>
<p>Ein weiteres Beispiel ist die Chefin meiner Sprachschule. Ihre Karriere begann sie als gewöhnliche Lehrerin, dann ist es ihr aber gelungen eine eigene Schule zu eröffnen und mittlerweile wächst ihr Unternehmen stetig, mit steigender Anzahl an Kursen und neuen Angeboten für Sprachschüler.</p>
<p>Ein weiterer Freund von mir ist ein vielversprechender, begabter Student. Er hat sich entschieden in unserer Hauptstadt zu studieren, weil ihm die örtliche Universität nicht wirklich die Türen zur wissenschaftlichen Welt öffnen konnte. Es würde mich kaum überraschen, wenn er in naher Zukunft einen bedeutenden Wirtschaftswissenschaftspreis gewinnt. Damit möchte ich gar nicht sagen, dass er irgendwie privilegiert ist. Es geht vielmehr darum, dass er einfach das macht, was ihn wirklich interessiert.</p>
<p>Mein Fazit: Anstatt sich nur zu beklagen und sich zu beschweren, wie unbefriedigend das Leben sei, sollte man lieber seinem Herzen folgen und das machen, was einen wirklich interessiert. Ich bin sicher, dass man dann auch Erfolg haben wird!</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Und was ist mit den Jungs? Kritische Anmerkungen zur Gleichberechtigung</title>
		<link>https://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1213</link>
		<pubDate>Wed, 23 May 2012 09:00:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[wojcikn]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Emmy | Kenia]]></category>
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		<category><![CDATA[Schule]]></category>

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				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1221" aria-labelledby="figcaption_attachment_1221" class="wp-caption alignleft" style="width: 200px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Girls-and-boys-generally-have-equal-chances-to-attend-school-these-days.jpg" rel="lightbox[1213]"><img class="size-medium wp-image-1221" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Girls-and-boys-generally-have-equal-chances-to-attend-school-these-days-200x300.jpg" alt="Schultafel mit Tagesaufgaben in Kenia (Foto: Emmy Chirchir)." width="200" height="300" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Girls-and-boys-generally-have-equal-chances-to-attend-school-these-days-200x300.jpg 200w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Girls-and-boys-generally-have-equal-chances-to-attend-school-these-days-682x1024.jpg 682w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px" /></a><p class="wp-caption-text">Gleiche Rechte für Mädchen - und Jungs!</p></div>
<p>Wir machen immer wieder den gleichen Fehler: Für uns ist der Begriff Gender gleichbedeutend mit den Belangen von Frauen. Die Gleichstellung der Geschlechter wird einfach mit Frauen und deren Kampf für Gleichberechtigung gleichgesetzt.</p>
<p>Soweit ich zurückblicken kann, haben Menschen um die Rechte der Frauen gekämpft. Auch große Institutionen wie die UNO setzen sich für die Rechte der Frauen ein &#8211; und das zu Recht. Sonst hätten wir heutzutage sicherlich nicht solche Fortschritte in Bezug auf die Emanzipation der Frauen zu verbuchen.</p>
<p>Allerdings kommt es mir so vor, dass damit die Belange der Jungen vergessen worden sind! Die Betonung auf die Mädchen und deren Förderung verlagert den Schwerpunkt weg von den Jungen. Hunderte von westlichen und lokalen Organisationen haben es sich zum Ziel gesetzt, Mädchen zu schützen, zu fördern und für die Emanzipation der Frauen zu kämpfen. <span id="more-1213"></span></p>
<p>Doch wer kümmert sich eigentlich um die Jungen? Wo sind die Organisationen, die sich um deren Bedürfnisse mit speziellen Bildungsprogrammen kümmern? Ich finde, dass auch Jungen ein Recht auf zusätzliche Förderung außerhalb der Familie haben!</p>
<p>Aus den Blogeinträgen meiner Kollegen und aus Gesprächen mit verschiedenen Leuten habe ich das Gefühl, dass die Erziehung von Jungen und Mädchen in der heutigen Gesellschaft nicht wirklich differenziert betrachtet wird.</p>
<div id="attachment_1227" aria-labelledby="figcaption_attachment_1227" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Boys-and-girls-in-school2.jpg" rel="lightbox[1213]"><img class="size-medium wp-image-1227" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Boys-and-girls-in-school2-300x199.jpg" alt="Schüler in Kenia stehen vor der Schule, Foto: Emmy Chirchir." width="300" height="199" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Boys-and-girls-in-school2-300x199.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Boys-and-girls-in-school2-1024x682.jpg 1024w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Mädchen und Jungen - gleiche Schule, andere Benotung</p></div>
<p>Zwar versuchen Bildungsinstitutionen und auch die Regierung mit verschiedenen Initiativen, Mädchen den Schulbesuch zur erleichtern. So stellte beispielsweise Ministerpräsident Raila Odinga vor einem Monat Geld für Damenbinden und Unterwäsche für Mädchen aus benachteiligten Familien zur Verfügung, damit diese zur Schule gehen können. Ein weiteres Beispiel für derartige Initiativen ist die unterschiedliche Bewertung von Schulnoten, da es oft heißt Mädchen hätten nicht so gute Noten wie Jungen.</p>
<p>Wie ich in meinem <a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/?p=337">ersten Blogeintrag</a> erwähnt habe, müssen Schüler sowohl für eine weiterführende Schule als auch für ein Studium eine nationale Prüfung bestehen. Die Regierung senkte hier die erforderliche Mindestpunktzahl für Mädchen, um sicherzustellen, dass sie – trotz einer geringeren Punktzahl &#8211; zum Studium zugelassen werden. Das macht es aber einfacher für die Mädchen, oder?</p>
<p>Ich finde, dass Mädchen und Jungen dann nicht auf dem gleichen Spielfeld spielen. Durch diese Art von Förderung wird von Frauen weniger erwartet. Doch wenn es später darum geht, eine Anstellung zu finden und beide Geschlechter schließlich das gleiche Spielfeld betreten, werden Frauen eventuell Schwierigkeiten haben, da sie bisher eine weichere Behandlung gewohnt waren.</p>
<p>Und trotz der vielen Maßnahmen, die bereits ins Leben gerufen wurden, gibt es weiterhin Geschlechter-Unterschiede, wie <a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1039">Maria in ihrem Blogeintrag </a>schreibt. Hellgurd erwähnt auch etwas sehr interessantes: <a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/?p=961">Er stellt fest, dass es schwieriger für Jungen und Mädchen ist befreundet zu sein</a>, wenn sie älter werden. Da stimme ich ihm zu. Sobald ein Mädchen die Schule verlässt, wird von der Gesellschaft (vor allem von der männlichen) erwartet, dass die Frau &#8222;in ihre Schuhe passt&#8220; und &#8222;nicht gegen die Regeln&#8220; verstößt, die von der Gesellschaft festgelegt sind.</p>
<p>Die Situation in Kenia ist vielleicht nicht so schlimm wie im Irak. Aber es gibt immer noch Bereiche in der Berufswelt, die weiterhin in der Domäne der Männer liegen, wie zum Beispiel im Bauingenieurwesen.</p>
<p>Bin ich also dennoch für eine zusätzliche Förderung von Mädchen? Natürlich bin ich dafür. Aber die Verantwortung liegt bei uns Frauen, wir müssen unsere Agenda selbst bestimmen und uns für Mädchen einsetzen. Meiner Meinung nach sollten Mädchen keine besonderen Gefälligkeiten bekommen, da das sicherlich nicht zu mehr Gerechtigkeit beiträgt. Zusätzlich sollte die Jungenpädagogik nicht aus den Augen verloren werden und gleichbedeutend sein. Schließlich leben wir nicht in einer Welt, die nur aus Frauen besteht!</p>
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		<title>Können Gesetzesänderungen Vorurteile aufheben?</title>
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		<pubDate>Tue, 22 May 2012 09:00:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[wojcikn]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[María | Argentinien]]></category>
		<category><![CDATA[Argentinien]]></category>
		<category><![CDATA[Berufswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
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				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1151" aria-labelledby="figcaption_attachment_1151" class="wp-caption alignleft" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Estafanía-Mariana-and-Clara-my-German-classmates.jpg" rel="lightbox[1145]"><img class="size-medium wp-image-1151" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/Estafanía-Mariana-and-Clara-my-German-classmates-300x225.jpg" alt="Estafanía, Mariana and Clara - my German classmates (Foto: Maria Cruz)." width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Estafanía-Mariana-and-Clara-my-German-classmates-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Estafanía-Mariana-and-Clara-my-German-classmates-1024x768.jpg 1024w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/Estafanía-Mariana-and-Clara-my-German-classmates.jpg 1600w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Estafanía, Mariana and Clara aus meinem Deutschkurs</p></div>
<p>Während einer Pause meines Deutschkurses vergangenen Samstagmorgen diskutierte ich mit den anderen Teilnehmerinnen, wie Berufe, die früher vorwiegend Männern vorbehalten waren, heute von Frauen ausgeübt werden. Ganz ohne Spannungen verläuft das nicht und macht umso mehr deutlich, wie dringend wir eine grundlegende gesellschaftliche Veränderung brauchen (siehe dazu auch meinen vergangenen <a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/?p=1039">Eintrag</a>).</p>
<p>Diese subtile Antipathie begegnet Frauen jeden Tag. Ein Beispiel: Mariana studiert Biologie. Sie erzählte mir, wie sie im Physikkurs einmal die Aufgabe bekam, einen Schaltkreis zu bauen. Der Lehrer kommentierte die Aufgabenstellung: „Mal sehen, ob die Frauen das hinkriegen.“ Er ging wie selbstverständlich davon aus, dass das nur „was für Männer“ sei.<span id="more-1145"></span></p>
<p>Diese verzerrte Wahrnehmung zieht sich durch alle Generationen. Estefania beispielsweise studiert Lebensmitteltechnik. Auch sie erzählte mir von den Gruppenarbeiten in ihrem Seminar zu Elektronik und Magnetismus. Und wie ihre männlichen Kommilitonen sie ausschlossen, in der Annahme, dass sie das nicht kann.</p>
<p>„Einer meinte sogar zu mir, er verstehe gar nicht, warum Frauen überhaupt studieren &#8211; wenn doch ihre Ehemänner für sie sorgen können“, sagte sie. Solchen Argumenten sind Frauen in Argentinien tagtäglich ausgesetzt. Dabei handelt es sich sowohl um ein individuelles als auch um ein strukturelles Problem. Die pharmazeutische und biochemische Fakultät der Universität von Buenos Aires zum Beispiel hat nur eine einzige Damentoilette im gesamten Gebäude. In jeder Pause bildet sich davor lange Schlange.</p>
<p>Ähnliches gilt für die Berufsauswahl, die oft von den zu erwartenden Gehältern bestimmt wird. Vor 30 Jahren verdienten beispielsweise Ärzte in Argentinien sehr viel Geld. Heutzutage gilt das allerdings nicht mehr. „Und das ist der Grund, warum fast ausschließlich Frauen Medizin studieren”, kommentierte mein Vater während unseres Mittagessens.</p>
<div id="attachment_1155" aria-labelledby="figcaption_attachment_1155" class="wp-caption alignright" style="width: 300px"><a href="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/My-sister-Pilar-and-her-classmates-in-Neonatology-class.jpg" rel="lightbox[1145]"><img class="size-medium wp-image-1155" src="http://blogs.dw.com/bildungswege/files/My-sister-Pilar-and-her-classmates-in-Neonatology-class-300x225.jpg" alt="Meine Schwester Pilar und ihre Kommilitoninnen im Neonatologie-Kurs (Foto: Maria Cruz)." width="300" height="225" srcset="https://blogs.dw.com/bildungswege/files/My-sister-Pilar-and-her-classmates-in-Neonatology-class-300x225.jpg 300w, https://blogs.dw.com/bildungswege/files/My-sister-Pilar-and-her-classmates-in-Neonatology-class.jpg 960w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p class="wp-caption-text">Meine Schwester Pilar und ihre Kommilitoninnen im Neonatologie-Kurs</p></div>
<p>„Was meinst Du damit?“ fragte ich. „Na, es scheint ja offensichtlich so zu sein, dass Männer sich für einen Beruf entscheiden, der sich auch auszahlt”, sagte meine Schwester.  Was mich daran am meisten schockierte war, mit welcher Selbstverständlichkeit sie das sagte: Männer sollen das Geld nach Hause bringen; Frauen dürfen zwar studieren &#8211; aber deswegen noch lange nicht gut verdienen?</p>
<p>Das sind die täglichen Kämpfe, mit denen wir Frauen es in Argentinien aufnehmen müssen. Obwohl wir Zugang zu Bildung haben, müsste noch jede Menge getan werden, damit die Berufswelt gerechter wird.</p>
<p>Zum einen glaube ich, dass wir eine veränderte Gesetzgebung bräuchten, die Frauen und Männer bereits bei der Familiengründung gleichstellen. Nehmen wir zum Beispiel den Mutterschaftsurlaub: Heutzutage bekommen Schwangere nur einen sehr kurzen Zeitraum zugesprochen. Wie anders wäre es, wenn der Partner dabei berücksichtigt werden würde? Gesetzesänderungen würden nicht nur die Umstände ändern, sondern auch die Werte und Vorstellungen innerhalb der Gesellschaft. Es ist ein weiter Weg, aber ich glaube, dass die ersten Schritte schon gemacht sind: Frauen können studieren &#8211; und kämpfen anschließend für eine Gleichberechtigung in der Berufswelt.</p>
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