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Bildungswege

Fünf Blogger - fünf Länder - ein Dialog

Frauen haben weniger Rechte

Die Universitäten sind offen für Männer und Frauen - für den Arbeitsmarkt gilt das nicht

Im Irak habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich Entfaltungsmöglichkeiten für Männer und Frauen geschlechtsspezifisch stark unterscheiden.  Hier spielen  das soziale Umfeld, das Alter, der Wohnort und der religiöse Glaube eine große Rolle. Gleichheit besteht  bei uns – mehr oder weniger – in der frühen Kindheit, aber es sind deutliche Unterschiede im Umgang mit Jungen und Mädchen spürbar.

Ich finde, dass die Chancen, die Männern eingeräumt werden, geradezu grenzenlos sind. 

Männern stehen immer mehrere Wege offen und es wird ihnen sogar zugestanden, Regeln zu brechen. Frauen werden hingegen stark begrenzt. Das verstärkt sich besonders um die Zeit ihres vierzehnten Geburtstags herum. Frauen müssen für ihre Rechte und ihre Freiheiten kämpfen. Viele haben sich selbst geopfert und damit anderen Frauen zu mehr Freiheiten verholfen.

Wegen des Kriegs zwischen dem Irak und dem Iran habe ich selbst nie den Kindergarten besucht. Ich musste aus meinem Heimatland fliehen. Heute bin ich Kindergärtner und ich glaube an die Gleichheit von Kindern. Die Kinder sind meistens sehr glücklich, und ich glaube, ihre Freiheit unterscheidet sich deutlich von den Erfahrungen, die wir in der Vergangenheit gemacht haben. Im Kindergarten wird es den Jungen und Mädchen gestattet, ihre Zeit miteinander zu verbringen. Sie spielen, singen und essen zusammen.

Ob Junge oder Mädchen - die Kleinen genießen noch viele Freiheiten

Das mag jetzt merkwürdig erscheinen, weil es doch eigentlich recht gewöhnlich ist. Aber was soll man tun, wenn das Recht darauf nicht besteht? Für manche Dinge müssen wir immer noch die Erlaubnis der Eltern erfragen. Selbst für kleine Unternehmungen, die wir mit den Kindern planen.

Als ich in der Grundschule war, fand ich es leicht, mit Mädchen Freundschaften zu schließen, später wurde das immer schwerer. In der weiterführenden Schule hatte ich das Gefühl, dass viele Mädchen gerne mit Jungs befreundet sein wollten. Aber das stand den Mädchen einfach nicht zu.

Bei uns gibt es Grundschulen, die Jungen und Mädchen gemeinsam besuchen. Auch in der Mittelstufe gibt es viele gemischte Schulen, aber es gibt nur wenige gemischte Gymnasien. Die Universitäten und andere weiterführende Bildungseinrichtungen und Institute sind wieder für beide Geschlechter offen. Ich kenne so viele Frauen, die ihren Abschluss gemacht haben, aber jetzt arbeitslos sind, weil sie keine Chance auf Arbeit bekommen. Einige arbeiten freiberuflich, aber manchmal erlauben die Eltern das nicht.

Männer haben in der Arbeitswelt ganz andere Chancen. Männer können tun und lassen, was sie wollen. Die Frauen hingegen müssen immer darauf achten, nicht gegen Regeln zu verstoßen, die ihnen von ihren Eltern oder ihren Ehemänner auferlegt worden sind. Frauen können sich auf einige Stellen der Regierung bewerben, aber – bedingt durch ihre Rolle in der Gesellschaft – darf eine Frau nie mehr verdienen als ihr Ehemann. Sollte dies doch schon mal vorkommen, muss sie ihr Geld mit dem Ehemann teilen oder darf es nur für wirklich notwendige Dinge ausgeben.

Datum

Mittwoch, 16.05.2012 | 11:27

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