Höhenkrankheit – Abenteuer Sport https://blogs.dw.com/abenteuersport Blog über Expeditionen und Grenzerfahrungen Wed, 06 Mar 2019 10:38:57 +0000 de-DE hourly 1 Vermisst am Kili: Demut und Respekt https://blogs.dw.com/abenteuersport/vermisst-am-kili-demut-und-respekt/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/vermisst-am-kili-demut-und-respekt/#comments Fri, 02 Mar 2018 15:00:10 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=39835

Kili im Morgenlicht

Das Gipfelzertifikat liegt zu Hause, ich könnte also eigentlich einen Haken hinter den Kilimandscharo machen. Doch der höchste Berg Afrikas beschäftigt mich auch noch eine halbe Woche nach der Heimkehr. Zu zwiespältig waren meine Gefühle während der acht Tage am Kili. Auf der einen Seite durfte ich gastfreundliche und hilfsbereite Tansanier, ein harmonisches Expeditionsteam und eine wirklich beeindruckende Natur erleben. Der Aufstieg durch die verschiedenen Vegetationsstufen bescherte mir viele unvergessliche Momente. Auf der anderen Seite offenbarten sich mir aber auch einmal mehr die Kehrseiten des Massen-Bergtourismus.

Exkremente am Wegesrand

Karawane zur Kibo Hut

Obwohl Jahr für Jahr rund 30.000 Menschen versuchen, den Kilimandscharo zu besteigen, fehlen sowohl ein schlüssiges Hygiene-, als auch ein Müllkonzept. So gibt es zwar etwa an der Kibo Hut auf 4700 Metern einige einfache Toiletten, doch es fehlt Wasser, um sich die Hände zu waschen. Die wenigen Toilettenverschläge entlang der Marangu-Route sind nicht viel mehr als Makulatur. Hinter fast jedem Felsbrocken neben dem Weg liegen menschliche Exkremente und Klopapier. Viele Gipfelaspiranten werfen zudem ihren Müll einfach achtlos in die Gegend.

Bessere Chancen für Dicke?!

Am Ende am Boden

Noch niemals zuvor habe ich an einem Berg so viele unvernünftige, sich selbst überschätzende Gipfelanwärter gesehen wie an dem Fast-Sechstausender südlich des Äquators. Zum Beispiel jenen britischen Teenager, der bereits auf 4000 Metern mit glasigem Blick herumtorkelte und meinte, er sei nur müde. Sein Expeditionsleiter ignorierte zunächst unseren Hinweis, der Junge sei höhenkrank. Derselbe Expeditionsleiter hatte mir am Vortag erklärt, dass nach seiner Erfahrung dicke Menschen besonders gute Chance hätten, den Gipfel zu erreichen. Seine Begründung: Dicke bewegten sich auch im normalen Alltag langsam, und das sei schließlich genau die richtige Taktik am Kilimandscharo.

Rolltragen im Dauereinsatz

Ich sah Koreaner, die schon nach dem Aufstieg zur Kibo Hut so ausgezehrt und erschöpft aussahen wie Hermann Buhl 1953 nach seinem legendären Solo-Gipfelgang am Nanga Parbat. Wenige Stunden später brachen sie Richtung Uhuru Peak auf, gefüttert mit Diamox, wie die leeren Blister auf der Toilette bewiesen. Einige mussten hinterher den Berg heruntergetragen und anschließend mit Rolltragen abwärts transportiert werden. Kein Tag verging ohne solche Rettungsaktionen. Wobei es eine Bergrettung im engeren Sinn am Kili noch gar nicht gibt. Überdrucksäcke zur Erstversorgung an der Kibo Hut? Fehlanzeige. Als unser Arzt von der Uni-Marburg bei einem Höhenkranken vorübergehend Flaschensauerstoff einsetzte, wurde er vom plötzlich sehr nervösen Offizier vor Ort gefragt, ob der Patient denn auch wirklich in Lebensgefahr schwebe.

Landeplätze, aber keine Hubschrauber

Hubschrauber-Landeplatz

Auf der Marangu-Route existieren zwar einige Hubschrauber-Landeplätze, die bisher aber nur von Vögeln angeflogen werden. Nach dem Abtransport mit der Rolltrage werden die Höhenkranken an der Horombo Hut auf 3700 Metern in einen Jeep umgeladen und über eine staubige Piste ins Flachland gefahren. Schwere Fälle können nur im Universitätskrankenhaus der Stadt Moshi behandelt werden. Der Transport kostet viel Zeit, die im extremen Notfall über Leben oder Tod entscheiden kann.

Todesfälle werden totgeschwiegen

Gletscher im ersten Tageslicht

Über die Bergsteiger, die am Kilimandscharo an der Höhenkrankheit sterben, redet man nur hinter vorgehaltener Hand. In der Woche vor unserer Ankunft auf der Horombo Hut seien dort zwei Bergsteiger nach ihrem Gipfelgang gestorben, wurde uns erzählt. Die beiden hätten sich schlafen gelegt und seien nicht mehr aufgewacht. Hatten sie sich selbst über- und den angeblichen „Wanderberg“ unterschätzt, wie so viele am Kilimandscharo? Ich traf „Gipfelstürmer“, die den höchsten Punkt in nur drei (!) Tagen erreicht hatten. Die meisten nahmen sich fünf Tage Zeit, um die rund 4000 Meter zum Gipfel zu überwinden – auch das eigentlich zu kurz, um sich vernünftig zu akklimatisieren.

Hauptsache Gipfelzertifikat

Letzter Blick auf den Kili

Ich vermisste am Kilimandscharo vor allem zweierlei: Demut und Respekt. Demut vor dem wenn auch technisch leichten, so doch hohen Berg. Respekt vor den Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit und der Möglichkeit, höhenkrank zu werden. Demut vor der Natur, die wir als Geschenk betrachten sollten. Respekt gegenüber den einheimischen Guides, die so viel mehr Kili-Erfahrung haben als die Gäste aus dem Ausland. Stattdessen: Mit Tunnelblick auf den Gipfel. Hauptsache, das Gipfelzertifikat hängt demnächst an der Wand.

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Tag der Entscheidung https://blogs.dw.com/abenteuersport/tag-der-entscheidung-2/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/tag-der-entscheidung-2/#comments Fri, 23 Feb 2018 12:52:41 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=39757

Sonnenaufgang mit Blick auf den Mawenzi

Jetzt gilt es. Heute Abend um 23 Uhr werden wir aufbrechen. So wie es jetzt, wenige Stunden zuvor, aussieht, werden bis auf Gerd, unseren Ältesten mit 76 Jahren, wohl alle noch verbliebenen 20 Expeditionsteilnehmer einen Gipfelversuch machen. Zuvor nimmt Christian Kreisel aus dem Marburger Ärzteteam bei allen weitere Blutproben. Christian wird als möglicher Nothelfer in der Kibo Hut zurückbleiben.

 

Es wird kalt

Letzte Instruktionen von Elias Lyimo (Mitte) und Expeditionsleiter Rainer Brähler (l.)

„Wir peilen an, im Idealfall um 6 Uhr Gilman’s Point auf 5681 Metern zu erreichen und um 8 Uhr am höchsten Punkt auf 5895 Meter, dem Uhuru Peak, zu stehen“, sagt Elias Lyimo, der uns als einer von mehreren Bergführern begleiten wird. Das Thermometer wird in der Nacht deutlich unter den Gefrierpunkt fallen, wir werden uns also warm anziehen müssen. Für jeden Gipfelaspiranten steht je ein Träger bereit, mit dem zusammen wir jederzeit absteigen können, sollte es uns schlecht gehen.

Zwei Koreaner in Rolltragen

Höhenkranker Koreaner

Wie nötig dies sein kann, beobachtete ich heute Mittag auf der Kibo Hut. Ein Südkoreaner, der um Mitternacht Richtung Gipfel aufgebrochen war, musste heruntergetragen werden – unfähig, auch nur einen weiteren Schritt selbstständig zu gehen. Er und eine weitere Bergsteigerin der koreanischen Expedition wurden später per Rolltragen talwärts transportiert.

 

Langsam, aber stetig

5000 Meter geknackt

Wir hatten heute einen weiteren Tag zur Akklimatisierung auf 4720 Metern. 17 Teilnehmer stiegen den staubigen Vulkanabhang bis auf eine Höhe von 5030 Metern hinauf. „Ich habe es geschafft“, freute sich Monika, als sie am Umkehrpunkt eintraf. Die 64-Jährige, die schon als Kind davon träumte, den Kilimandscharo zu besteigen, geht konsequent ihr eigenes, etwas langsameres Tempo und erreichte damit bisher stets das Tagesziel. „Die Guides sagen, dass ich gute Chancen habe, auch den Gipfel zu schaffen. Mal sehen!“

Ehrlich bleiben!

Seit gestern zeigten sich bei einigen Expeditionsteilnehmern Symptome der Höhenkrankheit wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit. Alle erholten sich relativ schnell. Dennoch stellt Bergführer Elias klar: „Wenn wir euch fragen, wie es euch geht, dann bleibt bei der Wahrheit! Und wenn wir euch empfehlen abzusteigen, fangt nicht an zu diskutieren, sondern dreht um!“ Also, Daumen drücken!

P.S.: Ich werde mich morgen voraussichtlich erst wieder nach dem Abstieg zur Horombo Hut auf 3700 Metern melden. Alles weitere wäre Zugabe! 😉

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Auf du und du mit dem zellulären Stress https://blogs.dw.com/abenteuersport/auf-du-und-du-mit-dem-zellulaeren-stress/ Wed, 21 Feb 2018 14:12:56 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=39725

Empfehlung in der Horombo Hut

„Wahrscheinlich hat es hier noch nie eine Expeditionsgruppe gegeben, die so viel medizinisches Fachpersonal und entsprechende Ausrüstung hatte“, sagt Harald Renz. Der Professor von der Philipps Universität Marburg erklärt den Bergsteigern verständlich, was im Körper geschieht, wenn jemand höhenkrank wird. „Der in dieser Höhe fehlende Sauerstoff sorgt für zellulären Stress. Die spannende Frage ist, wie der Körper mit diesem Stress umgeht. Welche rund 200 der zur Verfügung stehende 20.000 Gene die Zellen in Gang setzen.“ Aus diesem Grund hat das Ärzteteam uns mehrmals Blut abgezapft und in spezielle Röhrchen gefüllt. „So haben wir von jedem je einen Stoffwechsel-Fingerabbruch auf jeder Höhe,“, erklärt der Mediziner. Wenn wir morgen zur Kibo Hut auf 4700 Metern aufgestiegen sind, werden wir eine weitere Blutprobe abgeben, die letzte dann nach dem Gipfelgang am Samstag. Die ersten Ergebnisse der Analyse werden in etwa einem halben Jahr vorliegen. „Wir erhoffen uns Erkenntnisse über die genetischen Prozesse, die zur Höhenkrankheit führen“, sagt Harald Renz.

Empfehlung vor dem Gipfelgang

Harald Renz erklärt die Höhenkrankheit

Christian Kreisel wird mit auf die Kibo Hut aufsteigen und dort gewissermaßen der medizinische Vorposten sein. Tim Jäcker bleibt in der Horombo Hut. Wenn einer der Bergsteiger höhenkrank werden sollte, kann er also auf 4700 Metern notbehandelt und anschließend auf 3700 Meter hinuntergebracht werden. „Sollte der Zustand ernst sein, werde ich dafür sorgen, dass ihr mit dem Krankenwagen sofort ins Tal gebracht werdet und werde gegebenenfalls auch mitfahren“, sagt der Arzt. Christian Kreisel wird kurz vor dem Gipfelgang auf der Kibo Hut in der Nacht von Freitag auf Samstag einen letzten medizinischen Check machen und jedem einzelnen empfehlen, ob er aufsteigen kann oder doch lieber absteigen sollte. „Wer aufsteigt, obwohl ich ihm abgeraten habe, muss es mir schriftlich geben, dass er auf eigene Verantwortung den Gipfel in Angriff nimmt“, stellt Kreisel klar.

Eigenverantwortung ist gefragt

Unsere Gruppe an den Zebra Rocks

„Es ist zum einen wichtig, dass das Schnaufen funktioniert“, erklärt Harald Renz. „Zum anderen muss euer Gehirn weiterhin in der Lage sein, vernünftige Entscheidungen zu fällen. Also horcht in euch hinein! Der Gipfel ist nicht alles.“ Man spürt, dass die Spannung unter den Gipfelaspiranten steigt. Es gibt Nachfragen, ob etwa die Sauerstoffsättigung, die man mit dem Pulsoxymeter misst, ein verlässlicher Wert ist, um das Risiko einzuschätzen, höhenkrank zu werden. „Der Wert kann einen Hinweis geben, mehr nicht“, sagt Renz. „Jemand kann einen Wert von 91 Prozent Sauerstoffsättigung haben und trotzdem Gefahr laufen, höhenkrank zu werden.“ Manfred, selbst Arzt und einer der Bergsteiger, versucht, das Ärzteteam aus Marburg aus der Verantwortung zu nehmen: „Letztlich muss doch jeder von uns selbst entscheiden, wie weit er geht. Wir allein tragen die Verantwortung für unser Handeln, nicht die Ärzte.“

Länger akklimatisiert als die meisten anderen

Dilettant in der Wand 🙂

Heute sind wir noch einmal bis auf eine Höhe von 4100 Metern aufgestiegen, um uns weiter zu akklimatisieren. Ziel der gemütlichen Wanderung waren die „Zebra Rocks“, eine beeindruckende schwarz-weiß gestreifte Felsformation. „Wir haben uns einen Tag länger auf 3700 Meter aufgehalten, als die Gruppen es normalerweise machen. Ich glaube, das hat sich ausgezahlt,“ sagt Harald Renz. „Viele, die gestern noch über Kopfschmerzen und Schlafstörungen klagten, fühlen sich heute gut.“

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Keilkissen in den Rucksack? https://blogs.dw.com/abenteuersport/keilkissen-in-den-rucksack/ Wed, 05 Jul 2017 21:13:53 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36889

Olympus Mons, Mars-Bergriese

Gegen den höchsten Berg des Mars ist der Mount Everest ein Zwerg. Der Olympus Mons ragt 26 Kilometer über die Oberfläche des roten Planeten hinaus. Das ist jedoch nicht der Grund, warum sich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit der Höhenkrankheit befasst. Für eine – wie ich finde, sehr interessante – Studie werden Bergsteiger gesucht, die zwischen dem 7. und 20. August nach einer Nacht auf der Gnifetti-Hütte (3647 Meter) zur Margherita-Hütte aufsteigen. Die „Capanna Regina Margherita“ steht auf dem Gipfel der Signalkuppe in den Walliser Alpen und ist mit 4554 Metern das höchstgelegene Gebäude Europas. Die Wissenschaftler des DLR wollen herausfinden, ob es gegen die Höhenkrankheit hilft, wenn man mit erhöhtem Oberkörper schläft. Die Probanden sollen Keilkissen nutzen, die dafür sorgen, dass sie um 30 Grad erhöht liegen. Auf Intensivstationen in Krankenhäusern werden solche Kissen seit langem erfolgreich eingesetzt.

Bergsteiger, die im August 2017 zur Schutzhütte Regina Margherita aufsteigen und an der Studie teilnehmen möchten, können sich entweder vorab per Mail unter ams@dlr.de anmelden oder sich an der Talstation in Alagna sowie der Gnifetti-Hütte bei den DLR-Mitarbeitern melden. Ich habe mit Dr. Ulrich Limper gesprochen, der die Studie leitet. Der 35-jährige Arzt arbeitet seit drei Jahren beim DLR.

Dr. Limper, warum interessiert sich überhaupt ein Zentrum für Luft- und Raumfahrt für die gesundheitlichen Probleme von Bergsteigern? Gibt es etwa Gemeinsamkeiten zwischen Astronauten und Bergsteigern?

Aufstieg zur Margherita-Hütte

Beginnen wir mit den Astronauten: Sie haben Probleme mit ihren Augen, wenn sie von Langzeitmissionen in der Raumstation zurückkehren. Das wird als „VIIP-Syndrom“ bezeichnet, das steht für Visual Impairment and Intracranial Pressure (Sehbeeinträchtigung und erhöhter Hirndruck). Die Sehkraft ist eingeschränkt. Man hat herausgefunden, dass in der Schwerelosigkeit das Blut in den Kopf steigt und dort oben verweilt, weil die Schwerkraft fehlt, um es wieder herunterzuziehen. Die Höhenerkrankung hat eine ganz ähnliche Ursache. Wenn Sauerstoffmangel herrscht, weiten sich die Gefäße zum Gehirn hin, die Arterien, um noch mehr Blut zum Gehirn zu transportieren. Die Venen, die das Blut wieder vom Kopf wegführen, haben offenbar nicht die Fähigkeit, sich entsprechend zu weiten. Daher staut sich das Blut im Kopf, und es kommt zu den üblichen Symptomen der Höhenkrankheit wie Übelkeit und Kopfschmerz.

Außerdem werden sich Astronauten in der Zukunft, etwa wenn man an die Mission zum Mars denkt, in künstlichen Atmosphären aufhalten, die jenen im Hochgebirge ähneln: niedriger Druck, bis zu einem bestimmten Level auch Sauerstoffmangel. Das macht es für uns als Weltraummediziner so spannend, über Bergsteiger nachzudenken.

Die Capanna Regina Margherita auf 4554 Metern

Da liegt der Schluss nahe, dass Bergsteiger eigentlich super qualifiziert sein müssten, ins All zu starten.

Natürlich sind das noch einmal ganz andere Herausforderungen. Aber prinzipiell haben Sie recht. Höhenbergsteiger sind oft sehr kontrollierte Menschen, die auch mit Extremsituationen umgehen und sehr rational handeln können. Immer wenn die Europäische Weltraumorganisation neue Astronauten sucht, gibt sie in einem ersten Schritt einen Fragebogen aus, wo diese Dinge abgefragt werden. Man kann Punkte sammeln, wenn man in seiner Freizeit etwa bergsteigen oder tauchen geht, also all diese Dinge tut, bei denen man seinen Körper unter Kontrolle haben muss.

Ein Kissen unter dem Kopf als Rezept gegen Höhenkrankheit? Das klingt fast zu einfach, um wahr zu sein? 

Es ist eben ein sehr pragmatischer Ansatz. Wir gehen nicht davon aus, dass wir damit die Höhenkrankheit vermeiden können, sondern es soll ein Puzzleteil im Gesamtkonzept sein. Wir wollen zeigen, dass die Leute, die das Kissen gewissermaßen als physikalische Therapie nutzen, weniger höhenkrank werden als jene, die darauf verzichten. Wir gehen davon aus, dass sich das Blut nachts im Kopf noch mehr staut, weil man flach liegt und das Blut dadurch noch weniger abfließt. Deswegen geht es den Bergsteigern auch morgens schlechter als abends. Das hat eine Studie belegt, die wir im vergangenen Jahr durchgeführt haben. 

Ganz neu ist der Ansatz nicht. Ich zitiere aus dem Buch „Höhenanpassung“ von Klaus Mees aus dem Jahr 2005: „Hilfreich ist oft auch die Hochlagerung des Oberkörpers, z. B. mit Rucksack oder Kleidungsstücken unter Isomatte oder Schlafsack.“

Everest-Krankenstation

Es stimmt, diese Empfehlung gibt es. Aber wir wollen auch wissenschaftlich beweisen, dass es hilft. Wenn Sie auf eine Berghütte steigen, werden sie niemanden finden, der es wirklich macht. Auch wenn Sie sich im Internet Bilder ansehen von höhenkranken Bergsteigern im Everest Base Camp oder sonstwo: Die liegen alle komplett flach, sie tragen eine Sauerstoffmaske im Gesicht und haben einen Sättigungsclip am Finger, aber fast niemand wird mit dem Oberkörper hoch gelagert. Wenn wir beweisen können, dass das Schlafen mit erhöhtem Oberkörper wirklich eine einfache und wirksame Maßnahme gegen die Höhenkrankheit ist, könnte man sie auch mit deutlich größerer Vehemenz vertreten.

Sie messen bei den Probanden lediglich Sauerstoffsättigung und Puls und ermitteln mit einem Fragebogen, ob Symptome der Höhenkrankheit vorliegen. Ist dieses Verfahren nicht zu grob, um Mikroprozesse, die sich unter Umständen im Gehirn abspielen, zu erfassen?

Über den Mechanismus der Höhenkrankheit werden wir hinterher nichts sagen können, sondern nur darüber: Funktioniert die Methode oder funktioniert sie nicht? Wollten wir den Mechanismus erforschen, würde es mehr Sinn machen, statt auf eine Berghütte in eine Höhenkammer des DLR zu gehen, wo man alle Bedingungen kontrollieren und sich die Mikroprozesse genau ansehen kann. Wir haben jedoch mit unserer Studie einen ganz pragmatischen Ansatz. Es bringt jedem Bergsteiger etwas, wenn wir den Therapieerfolg beweisen, oder eben nicht. Daher macht es auch Sinn, die Studie so einfach wie möglich durchzuführen. Wir nehmen ja keine Probanden mit, sondern arbeiten mit Bergsteigern, die sowieso auf den Hütten sind. Wir gehen davon aus, dass die Leute umso mehr mitmachen, je weniger sie sich in ihrer Bergsteigerei belastet fühlen.

Sollte sich Ihre Hypothese bestätigen, darf das Keilkissen im Rucksack von Höhenbergsteigern und Mars-Astronauten künftig nicht mehr fehlen, oder?

Es wäre zumindest nicht verkehrt, es mitzunehmen.

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Mountainbiker und Bergläufer für Kibo-Studie gesucht https://blogs.dw.com/abenteuersport/mountainbiker-und-berglaeufer-fuer-kibo-studie-gesucht/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/mountainbiker-und-berglaeufer-fuer-kibo-studie-gesucht/#comments Thu, 06 Apr 2017 14:08:32 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=35721

Kilimandscharo

Statistisch gesehen, gehört der Kilimandscharo zu den Top-Bergzielen weltweit. Jahr für Jahr versuchen sich mehrere zehntausend Menschen am höchsten Berg Afrikas. So sollen allein 2016 mehr als 30.000 Besucher den höchsten Punkt auf 5895 Meter erreicht haben. Der „Kibo“ gilt als Wanderberg, mehrere einfache Routen führen auf den Gipfel. Nur während der Regenzeiten April/Mai und Oktober/November reißt der Touristenstrom etwas ab. Viele Anbieter bieten Touren auf das Dach Afrikas als Wochentrip an – auch diese kurze Verweildauer sorgt dafür, dass der Berg bei den kommerziellen Kunden so beliebt ist. Weniger bekannt ist, dass am Kilimandscharo alljährlich mehrere hundert schwer höhenkranke Touristen gerettet werden müssen, für rund zwei Dutzend von ihnen kommt jede Hilfe zu spät. In vielen Jahren sind es auch deutlich mehr.

4000 Höhenmeter in wenigen Tagen

Christian Kreisel

Die Regierung Tansanias hält die genaue Zahl der Todesfälle unter Verschluss. Würde sie bekannt, könnte das dem boomenden Bergtourismus schaden. Viele unterschätzen ganz einfach das Risiko, am Kibo höhenkrank zu werden. Dabei liegt es eigentlich auf der Hand. Schließlich überwinden die Gipfelaspiranten innerhalb weniger Tage gut 4000 Höhenmeter. Der Arzt Christian Kreisel vom Universitätsklinikum Gießen und Marburg will jetzt eine schnellere und sichere Diagnose der Höhenkrankheit entwickeln – mit einer Studie am Kilimandscharo. Die bisher üblichen Tests seien teilweise zu grob, sagt mir der 37-Jährige, der selbst den Berg schon sechsmal bestiegen hat: „Ich möchte die Maschen des Siebs verkleinern.“

Zahlreiche Tests

Kreisel sucht für seine Studie 25 Sportler – Mountainbiker oder Bergläufer. Sie sollen in der Zeit vom 24. September bis 1. Oktober 2017 den höchsten Berg Afrikas besteigen. Geplant sind ein dreitägiges Trainingslager auf 3700 Metern, eine Übernachtung auf 4800 Metern und ein Gipfelversuch. Vor und während der Reise werden zahlreiche medizinische und auch psychologische Tests gemacht. Dabei erhalten die Athleten Daten über ihre Leistungsfähigkeit in großer Höhe, die ihnen auch bei künftigen Bergsport-Projekten nützlich sein dürften.

„Sport am Kilimandscharo war bisher nur wenigen Eliteathleten vorbehalten,“ sagt Rainer Braehler, Organisator der „Kilimanjaro Summit Challenge“, „aber ist jetzt im Rahmen der Studie für ambitionierte Amateure unter medizinischer Aufsicht sicher möglich.“ Wer Interesse hat, kann sich auf der Homepage des Projekts über die Einzelheiten informieren und sich dort auch ab sofort bewerben.

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Verbindungsoffizier stirbt an Höhenkrankheit https://blogs.dw.com/abenteuersport/verbindungsoffizier-stirbt-an-hoehenkrankheit/ Tue, 17 Jan 2017 14:36:49 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=34745 Mount Everest

Mount Everest

Todesfall bei der Winterexpedition am Mount Everest: Es traf jedoch keinen der Bergsteiger, sondern einen Regierungsmitarbeiter. Nach Angaben der in Kathmandu erscheinenden Zeitung „The Himalayan Times“ starb der Verbindungsoffizier, der die Winterexpedition des Basken Alex Txikon im Auftrag des Tourismusministeriums begleiten sollte, an der Höhenkrankheit. Der Mann sei auf dem Flug von Dukla (4600 Meter hoch) nach Lukla (2860 Meter) gestorben, wo er im Krankenhaus behandelt werden sollte. Die Spanier Alex Txikon und Carlos Rubio wollen in diesem Winter den Mount Everest ohne Flaschensauerstoff besteigen. Das Team hat – wie berichtet – inzwischen oberhalb des Khumbu-Eisbruchs Lager 1 auf 6050 Metern eingerichtet.

Abkassieren und fernbleiben

In den Regeln für Expeditionen in Nepal, festgeschrieben im so genannten „Tourism Act“, legt fest, dass jedes Team von einem Verbindungsoffizier begleitet werden muss. Dafür muss jede Expedition 3000 Dollar abdrücken – und dem Regierungsvertreter im Basislager ein Zelt zur Verfügung stellen und ihn versorgen. Dass die Verbindungsoffiziere jedoch wirklich den Weg bis zum Fuße des Bergs finden, ist eher die Ausnahme. Und wenn sie es bis dorthin schaffen, bleiben sie meist nur kurz. Die „Himalayan Times“ fragte nach der Frühjahrssaison 2016 bei den Everest-Expeditionen nach: Von den abgestellten 32 Verbindungsoffizieren hatten 17 das Basislager erreicht. Sechs von ihnen kehrten noch am selben Tag zurück, fünf weitere in den folgenden drei Tagen. Nur sechs Verbindungsleute hielten sich länger als zwei Wochen am Fuße des Bergs auf. Viele Expeditionen treffen ihren Verbindungsoffizier nur zweimal kurz:  beim Briefing vor und beim De-Briefing nach der Tour, jeweils in Kathmandu.

NMA: ein Verbindungsoffizier pro Berg

R.I.P.

R.I.P.

Nachdem sich ein indisches Ehepaar 2016 seine Everest-Urkunden mit gefälschten Gipfelfotos erschlichen hatten, war erneut eine Diskussion über das fragwürdige System der Verbindungsleute entbrannt. Die Regierungsvertreter hatten mit ihrer Unterschrift bestätigt, dass die indischen Bergsteiger auf dem Gipfel gewesen seien. Der nepalesische Bergsteigerverband NMA hat der Regierung vorgeschlagen, nur noch einen Verbindungsoffizier pro Berg zu entsenden. Dieser soll aber dann auch wirklich im Basislager aufschlagen und seine Pflichten erfüllen. Der Verbindungsoffizier der Everest-Winterexpedition hatte seine Aufgabe offenbar ernst genommen.

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Oswald Oelz: „Bergsteiger sind nicht belehrbar“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/oswald-oelz-bergsteiger-sind-nicht-belehrbar/ Fri, 04 Nov 2016 13:22:12 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=34157 Oswald Oelz

Oswald Oelz

„Ich werde bergsteigen, bis ich tot bin“, sagt Oswald Oelz, als wir uns kürzlich beim International Mountain Summit in Brixen gegenüber sitzen. Der 73 Jahre alte gebürtige Österreicher lebt als Ruheständler in einem alten Bauerhaus im Zürcher Oberland in der Schweiz. „Ich habe eine Farm mit Schafen, Papageien, Enten, Gänsen, Hühnern. Ich schreibe, lese viel, gehe bergsteigen. Und ich reise in der Welt herum.“ Oswald, genannt „Bulle“ Oelz, bestieg 1978 den Mount Everest, mit derselben Expedition, bei der Reinhold Messner und Peter Habeler den höchsten Berg der Erde erstmals ohne Flaschensauerstoff bestiegen. Oelz gelangen Erstbegehungen in den Alpen, in Alaska, Jordanien und im Oman. Bis 2006 arbeitete er als Chefarzt am Triemlispital in Zürich. Der Professor forschte auch im Bereich Höhenmedizin.

Oswald Oelz, Sie sind Bergsteiger und Arzt, Sie haben beide Welten kennengelernt. Es gibt immer wieder Todesfälle in den hohen Bergen wegen Höhenhirn- oder -lungenödemen. Hat die Bergsteigerwelt nichts gelernt in den vergangenen Jahrzehnten?

Die Bergsteigerwelt hat insofern nichts gelernt, dass sie immer noch dort hinaufsteigt, wo der Mensch eigentlich nicht hingehört. Oberhalb einer Höhe von 5300 Metern ist der Mensch auf die Dauer nicht überlebensfähig. Trotzdem geht er dort hinauf. Das ist ein Reiz, ein Kitzel. Wenn er sich ausreichend akklimatisiert, kann er auch kürzere oder längere Zeit dort oben bleiben. Das Problem ist, dass einerseits auch wenig höhentaugliche Leute dort hinaufsteigen wollen und dass sie andererseits zu schnell zu hoch steigen. Das typische Beispiel ist der Kilimandscharo, wo man in fünf Tagen oder noch weniger auf fast 6000 Meter hinaufsteigt. Dort gibt es eine ganz hohe Todesrate. Es sterben pro Jahr – das wird von der Regierung strikt unter Verschluss gehalten – ca. zwanzig so genannte Bergsteiger.

Oelz auf dem Gipfel des Mount Everest

Oelz auf dem Gipfel des Mount Everest

Am Everest haben angeblich zwei Drittel der Gipfelaspiranten leistungssteigernde Mittel im Gepäck, die ihnen verschrieben wurden. Wer trägt die Hauptverantwortung für das Doping, die Bergsteiger selbst oder eher die Ärzte, die ihnen diese Medikamente mitgeben?

Ich habe keine Ahnung, wie viel am Everest gedopt wird. Aber ich habe keine Zweifel, dass dort ganz viel „Three D“ verwendet wird. Die Amerikaner haben diesen Ausdruck geprägt für Diamox, Dexamethason und Dexedrine. Die Bergsteiger nehmen Diamox lange Zeit, dann Dexamethason, ein Kortisonpräparat, wenn es in die Höhe geht, und schließlich, um die letzten Kräfte zu mobilisieren, Amphetamin – also jenes Gift, das schon im zweiten Weltkrieg den Stuka-Piloten gegeben wurde, um sie richtig aggressiv zu machen. In der Geschichte des Alpinismus sind viele Bergsteiger an den Folgen dieser Amphetamine gestorben, am Nanga Parbat und anderen Bergen, weil sie sich über ihre Limits gepusht haben. Das wird offenbar von Ärzten verschrieben. Andererseits ist das natürlich auch auf krummen Wegen erhältlich. Heute kann man alles bekommen, was man will, wenn man nur dafür bezahlt.

Diamox und Dexamethason sind doch eigentlich Notfallpräparate.

Das ist sicherlich auch eine Ursache des Übels. Diamox halte ich noch für das harmloseste. Wenn jemand diesen brutalen Anstieg auf den Kilimandscharo in fünf Tagen herauf und herunter macht, dann ist er ein ziemlich sicherer Kandidat für Höhenkrankheit. Das kann man zu einem guten Teil vermeiden, wenn man Diamox nimmt. Es hat wenige Nebenwirkungen. Das Bier schmeckt grausig, das ist die schlimmste Nebenwirkung. Man muss ein bisschen mehr Wasser trinken, weil es wasserausscheidend wirkt. Aber sonst empfehle ich persönlich Diamox, wenn mich jemand fragt, der auf den Kilimandscharo will und die Höhe nicht so gut verträgt.

Beim Klettern in Jordanien

Beim Klettern in Jordanien

Sie waren 1978 auf dem Mount Everest, zusammen mit Reinhard Karl (Karl war der erste Deutsche auf dem Everest, 1982 starb er in einer Eislawine am Cho Oyu). Vier Jahre später haben Sie am Cho Oyu ein Höhenhirnödem gehabt, das Ihnen fast das Leben gekostet hätte. Wie ist so etwas zu erklären? Sie mussten doch eigentlich davon ausgehen, dass Sie die Höhe gut vertragen.

So gut wie zum Beispiel Reinhold Messner habe ich die Höhe nicht vertragen, aber doch recht ordentlich, wenn ich mich akklimatisiert habe. Aber ich hatte immer diesen Zeitdruck. Ich war ja im Spital tätig. Ich wollte dann in der wenigen Zeit, die ich fürs Bergsteigen übrig hatte, so schnell wie möglich so hoch wie möglich hinaufsteigen. 1982 hatte ich ein schweres Hirnödem. 1985 am Makalu sind wir innerhalb von neun Tagen von Zürich bis in eine Höhe von 7000 Metern am Berg vorgedrungen. Da hatte ich ein lebensbedrohliches Höhenlungenödem. Ich wäre gestorben, wenn ich nicht dort zum ersten Mal eine Therapie ausprobiert hätte, die dann auch gewirkt hat. Ich nahm das Herzmedikament Nifedipin, das den erhöhten Blutdruck im Lungenkreislauf senkt, der besonders beim Höhenlungenödem entscheidend ist. Das hat mir das Leben gerettet. Ich habe anschließend die entsprechenden Studien gemacht, und wir haben zeigen können, dass man mit diesem Medikament einerseits bei Leuten, die für Höhenlungenödeme prädisponiert sind, eine Prophylaxe betreiben kann. Das ist in meinen Augen kein Doping. Und dass es andererseits, wenn jemand schon ein Höhenlungenödem hat, die Situation ganz drastisch verbessert. Inzwischen hat man herausgefunden, dass man den gleichen Effekt mit Viagra erzielen kann. Das macht in der Lunge die Gefäße auf, nicht nur weiter unten. So sinkt der erhöhte Druck im Lungenkreislauf, und den Leuten geht es besser. Das ist natürlich lustiger, als ein Herzmedikament zu nehmen.

Sie sprechen von Prophylaxe. Wird sie wirklich praktiziert?

Ich kenne solche Leute. Wir haben 1989 im „New England Journal of Medicine“, dem führenden Journal in der Medizinszene, eine Arbeit publiziert, in der wir gezeigt haben, dass Leute mit Neigung, also einer Prädisposition zum Höhenlungenödem durch eine Prophylaxe mit diesem Herzmedikament bis zu einem gewissen Grad geschützt sind. Solchen Leuten, die z.B. schon in den Alpen auf einer Höhe von 3000, 3500 Metern ein Höhenlungenödem erlitten hatten, kann man das als Prophylaxe empfehlen. Es wäre natürlich gescheiter, ihnen zu sagen: Lasst dieses blöde Bergsteigen und geht schwimmen oder langlaufen oder was auch immer! Aber die Leute sind ja nicht belehrbar. Die wollen dann irgendein Medikament.

Peinliches Schauspiel

„Peinliches Schauspiel“

Sie hatten das Privileg, zu einer Zeit im Himalaya unterwegs zu sein, als es noch eine verlassene Bergregion war, in der es keinen Tourismus gab. Wie denken Sie darüber, was heute dort los ist?

Ich verfolge das, was heute im Himalaya passiert, mit Faszination. Es ist unglaublich, was die jungen, wirklich guten Kletterer an den schwierigen Wänden der Siebentausender machen. Was ich mit größter Trauer verfolge, ist, was am Everest und an den kaufbaren Achttausendern stattfindet. Diese unendlichen Schlangen von Kunden, die von den Sherpas da hochgezogen werden, das finde ich ein peinliches Schauspiel.

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Zwei Tote am Everest https://blogs.dw.com/abenteuersport/zwei-tote-am-everest/ Sat, 21 May 2016 19:24:51 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=32775 ButterlampenKein guter Tag am Mount Everest. Gleich zwei Todesfälle musste der nepalesische Veranstalter Seven Summit Treks am Samstag vermelden. Zunächst starb am Südsattel auf knapp 8000 Metern der Niederländer Eric Arnold, später dann die Australierin Maria Strydom , beide waren offenkundig höhenkrank. Arnold, 35 Jahre alt, hatte den Gipfel erreicht und war im Abstieg, die 34 Jahre alte Strydom hatte ihren Gipfelversuch offenbar abgebrochen.

Kindsheitstraum

Everest_SonnenaufgangEric Arnold hatte war seit vier Jahren regelmäßig zum Mount Everest aufgebrochen. 2012 war er dem Gipfel schon einmal bis auf 250 Höhenmeter nahe gekommen. 2013 stoppte ihn eine Verletzung bereits vor Beginn der Expedition. 2014 und 2015 erhielt er keine Gelegenheit zu einem Gipfelversuch, weil beide Saisons nach Lawinenunglücken vorzeitig abgebrochen wurden. Es sei sein Kindheittraum gewesen, den Everest zu besteigen, sagte Arnold in einem Fernseh-Interview vor seinem fünften Anlauf: „Früher hing ein Everest-Poster über meinem Bett.“ Dieser Traum habe ihn nie verlassen.

Mit dem Ehemann unterwegs

Maria Strydom, eine Universitätsdozentin aus Melbourne, hatte gemeinsam mit ihrem Mann Robert Gropel drei der „Seven Summits“, der höchsten Berge aller Kontinente, bestiegen: Den Aconcagua (6962 Meter, Südamerika), den Denali (6190 Meter, Nordamerika) und den Kilimandscharo (5895 Meter, Afrika). Auch am Everest war das australische Paar gemeinsam unterwegs.

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Hansjörg Auer: „Gerry fehlt“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/hansjoerg-auer-gerry-fehlt/ Wed, 23 Dec 2015 13:14:48 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=31559 Auf dem Gipfel: Fiegl, Blümel, Auer (v.l.)

Auf dem Gipfel: Fiegl, Blümel, Auer (v.l.)

Es ist ein alpinistisches Glanzlicht, über dem ein Schatten liegt. Ende Oktober kletterten – wie berichtet – die Österreicher Hansjörg Auer, Alexander Blümel und Gerhard Fiegl als Erste durch die Südwand des 6839 Meter hohen Nilgiri South im Annapurna-Massiv in Nepal. Bei fünf Expeditionen zuvor hatten sich Spitzenkletterer aus Japan, Tschechien und der Slowakei die Zähne an der Wand ausgebissen. Der Erfolg des österreichischen Trios schlug in eine Tragödie um: Drei Tage nach seinem 27. Geburtstag stürzte der offenkundig höhenkranke Gerry beim Abstieg vom Gipfel mehrere hundert Meter tief in den Tod – vor den Augen seiner beiden entsetzten Teamgefährten. Einige Tage später wurde die Suche nach Fiegl abgebrochen.

Hansjörg Auer hat sich bei der Expedition sechs Zehen angefroren. Das Gefühl in den Zehen sei inzwischen zurückgekehrt, erzählt mir der 31-Jährige. Er könne wieder klettern. Im Frühjahr will er mit seinem Landsmann David Lama zu einem „lässigen, sehr schwierigen Ziel“ aufbrechen. Wo es liegt, verrät er noch nicht. Ich habe mit Hansjörg über die Geschehnisse Ende Oktober gesprochen.

Hansjörg, mit der Erstbegehung der Südwand des Nilgiri South ist euch ein echtes Glanzlicht gelungen. Auf dem Abstieg aber stürzte euer Teamgefährte Gerry Fiegl in den Tod. Drängt dieses tragische Ende alles andere in den Hintergrund?

Im Moment natürlich schon, weil zu einer schönen Tour ein positiver Ausgang gehört. Und Gerrys Tod war das Schlimmste, was passieren konnte. Alex und ich versuchen, uns vor allem an den Aufstieg zu erinnern, als es Gerry noch gut ging. Die Linie und die Kletterei waren wirklich außergewöhnlich.

In der Wand auf etwa 5900 Metern

In der Wand auf etwa 5900 Metern

Lass‘ uns zunächst über die Durchsteigung der Wand reden. Wie waren die Verhältnisse in der Wand und die Schwierigkeiten, die ihr überwinden musstet?

Die Wand sieht von weitem eisfrei aus, doch es gibt dort sehr viel so genanntes „black ice“, schwarzes Eis. Wir haben unsere Route im rechten Teil gewählt, der eigentlich eine schattige Westwand in der Südwand ist. Deshalb hing dort viel Eis und es war eine sehr steile Kletterei – viel schwieriger als etwa am Kunyang Chhish East. [Hansjörg gelang 2013 mit seinem Bruder Matthias und dem Schweizer Simon Anthamatten die Erstbesteigung des 7400 Meter hohen Gipfels im Karakorum]. Der erste Tag war brutal. Wir fanden unterhalb von 6500 Metern keinen Biwakplatz, deshalb krochen wir erst um fünf Uhr am Nachmittag in den Biwaksack. Am zweiten Tag kletterten wir über einen Felsturm, der mit etwa 6780 Metern höher war, als wir vermutet hatten. Anschließend mussten wir über einen sehr exponierten, steilen Grat, teilweise auch abseilen. Nach einem weiteren Biwak sind wir dann zum Südgipfel aufgestiegen, relativ kurz, technisch nicht zu schwer.
Der Abstieg über den Südwestgrat war schwieriger, als wir erwartet hatten. Es ist immer problematisch, wenn man auf hohen Bergen die „goldene“ Regel verlassen muss, auf der Aufstiegsroute auch wieder zurückzukehren. Aber am Nilgiri South war es nicht anders möglich, weil die Aufstiegsroute viel zu schwierig war. Außerdem war im unteren Wandteil die Steinschlaggefahr so hoch, dass wir uns ihr nicht ein zweites Mal aussetzen wollten.

Ihr habt beim Aufstieg dreimal biwakieren müssen. Seid ihr auf dem Zahnfleisch oben eingetroffen?

Alex und mir ging es gut. Am ersten Tag waren wir alle am Limit, aber die beiden anderen Aufstiegstage dauerten nicht so lange. Doch am Ende hat sich alles um Gerry gedreht. Wir haben versucht, es so hinzukriegen, dass es für ihn in seinem Gesundheitszustand möglich war.

Am Nilgiri Spire (6780 m)

Am Nilgiri Spire (6780 m)

Gerry ging es am Gipfel plötzlich sehr schlecht. War euch da schon bewusst, dass er wahrscheinlich höhenkrank war?

Am Morgen des Gipfeltags haben wir erstmals gemerkt, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Wir dachten erst, er sei einfach nur erschöpft. Es waren nur noch etwa 200 Höhenmeter. Wir hofften, dass ihm die Euphorie des Gipfelerfolgs helfen würde und wir dann so schnell wie möglich auf der anderen Seite absteigen könnten. Gerry war ein ausgezeichneter Bergsteiger und Kletterer, aber das war nicht mehr der leistungsstarke Gerry, wie wir ihn kannten. Wir mussten auf 6500 Metern erneut biwakieren.

Ihr habt dann versucht, eine Rettungsaktion per Helikopter zu organisieren. Woran ist sie gescheitert?

Am Gipfeltag wehte der Wind mit 45, am Tag danach mit 70 Stundenkilometern. Dazu war es sehr, sehr kalt. Bei diesen Bedingungen ist eine Rettungsaktion an so einem exponierten Grat einfach nicht möglich.

Nach der Biwaknacht seid ihr Richtung Basislager abgestiegen. Wie ist das Unglück passiert?

In der Nacht war es schon echt schlimm. Wir haben versucht, Gerry zu helfen, so gut es ging, wobei uns schon klar war, dass es sehr eng würde. Am nächsten Morgen ging es Gerry wieder einigermaßen, und wir stiegen weiter über den steilen, eisigen Grat ab. Wir konnten nicht einfach abseilen, sondern mussten den Grat abklettern. An einer vermeintlich leichteren Stelle ist er dann abgestürzt. Im Nachhinein ist es fast schon erstaunlich, dass Gerry es in seinem Zustand noch von knapp 7000 auf etwa 6000 Meter herunter geschafft hat. Das ist wohl seiner Leistungsfähigkeit und seinem Ehrgeiz anzurechnen.

Aufstiegs- (r.) und Abstiegsroute (l.) mit Biwakplätzen

Aufstiegs- (r.) und Abstiegsroute (l.) mit Biwakplätzen

Warum hattet ihr Gerry nicht am Seil?

Wir waren im Alpinstil unterwegs, das heißt einfach Reduktion auch von Material. Dann bist du gewohnt, in einfacherem Gelände seilfrei zu gehen, damit du schneller vorwärts kommst. Wenn du dich zu dritt anseilst, müsstest du alles sichern. Du kannst am Südwestgrat des Nilgiri South nicht einfach wie in den Alpen am kurzen Seil gehen.

War euch direkt klar, dass Gerry den Absturz unmöglich überlebt haben konnte?

Ja. Aber am Anfang will man es einfach nicht glauben. Man sitzt da und weiß nicht, was man machen soll. Man weint, geht hundert Meter weiter, setzt sich wieder hin und weint erneut. Man kann es wahrscheinlich ein Leben lang nicht verstehen, aber versucht es zu akzeptieren. Das Risiko ist bei unserem Sport einfach da.

Glaubst du, dass das Unglück deine eigene Risikobereitschaft verändern wird?

Ich glaube nicht. Ich habe mich in den vergangenen Jahren immer wieder sehr intensiv mit dem Thema Gefahr auseinandergesetzt. Das musst du einfach, wenn du auch free solo kletterst – wie ich in diesem Jahr am Heiligkreuzkofel. [Hansjörg kletterte an dem Berg in den Dolomiten die schwierige Route „Mephisto“ erstmals im Alleingang und ohne Absicherung.]  Natürlich kann ich jetzt nicht gleich zur Tagesordnung übergehen. Gerry war ein guter Freund, er fehlt. Aber ich hoffe, dass es mit der Zeit besser wird. Die Leidenschaft fürs Klettern ist einfach so stark, dass ich wieder auf Expedition gehen werde.

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Kinder auf dem Everest? Unverantwortlich! https://blogs.dw.com/abenteuersport/kinder-auf-dem-everest-unverantwortlich/ Mon, 10 Aug 2015 15:10:04 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=30283 Windfahne-EverestEin Zwölfjähriger auf dem Everest? Professor Thomas Küpper kann nur den Kopf schütteln. Ich habe den international renommierten Höhenmediziner von der Universität Aachen gefragt, was er davon hält, dass – wie hier berichtet – der derzeit noch elf Jahre alte US-Amerikaner Tyler Armstrong im nächsten Frühjahr auf den Mount Everest steigen will. „Man sollte Anzeige wegen Kindesmissbrauch stellen“, schreibt mir der Mediziner, der auch den Weltverband der Bergsteiger und Kletterer (UIAA) berät, empört zurück.

Keine Erkenntnisse über Behandlung

Prof. Thomas Küpper

Prof. Thomas Küpper

Ich wollte von ihm wissen, ob es wissenschaftliche Erkenntnisse darüber gibt, wie speziell Kinder auf große Höhe reagieren: Ist bei ihnen das Risiko größer, höhenkrank zu werden? Muss man Spätfolgen befürchten? „Grundsätzlich gibt es keine Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen hinsichtlich Symptomen und Häufigkeit der Höhenkrankheit, auch nicht hinsichtlich der Akklimatisationszeiten“, schreibt mir der Wissenschaftler. „Allerdings gibt es KEINE Kenntnisse, wie insbesondere schwere Höhenkrankheiten bei Kindern zu behandeln wären.“ Mit anderen Worten: Sollte sich Tyler Armstrong am Everest ein Lungen- oder Hirnödem zuziehen, würden ihm wahrscheinlich die bei Erwachsenen üblichen Notfallpräparate verabreicht, ohne dass hinreichend untersucht ist, ob und wenn ja, in welcher Dosierung dies bei Kindern sinnvoll ist.

Höheres Risiko von Erfrierungen

Doch die Höhenkrankheit sei nicht die einzige Gefahr, schreibt Professor Küpper. „Dessen ungeachtet hat ein Kind aufgrund anderer Physiologie und Körperproportionen jedem Umwelteinfluss weniger entgegenzusetzen und ist beispielsweise viel mehr unterkühlungsgefährdet.“ Allein das sollte meiner Meinung nach für Eltern eigentlich schon Grund genug sein, ihre Kinder nicht extremer Höhe auszusetzen. Für Professor Küpper gibt es in dieser Frage kein Wenn oder Aber. Für ihn wäre die Besteigung des Mount Everest durch einen Zwölfjährigen „völliger Unsinn und reiner Narzismus der Eltern“.

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Was das Auge über das Gehirn verrät https://blogs.dw.com/abenteuersport/studie-hoehenmedizin-uniklinik-tuebingen/ Thu, 13 Jun 2013 09:12:09 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=22185

Forschung auf der Margherita-Hütte

Gabriel Willmann hat schon Everest-Geschichte geschrieben. Mit einem Rekord der besonderen Art: Vor fünf Jahren trug der Mediziner im Rucksack acht Mäuse bis auf eine Höhe von 8400 Metern. Weil die Käfigheizung nicht richtig funktionierte, musste Willmann gut 400 Meter unter dem Gipfel umkehren, der Mäuse willen. Für sein Experiment war es wichtig, dass die Tiere lebten. Im Auftrag der Welt-Antidoping-Agentur WADA untersuchte der bergsteigende Wissenschaftler 2008, wie sich der extreme Sauerstoffmangel auf die Steuerung von Genprozessen auswirkt. Die WADA erhoffte sich von den Ergebnissen, Gen-Dopern auf die Schliche zu kommen. Damals arbeitete Willmann in einer Forschungsgruppe der Universität Pennsylvania. Heute ist der 35-Jährige als Augenarzt an der Universitätsklinik Tübingen beschäftigt – und ist der Höhenmedizin treu geblieben, nur dass er jetzt sein wissenschaftliches Auge vor allem auf das menschliche Auge wirft. Willmann hatte die Idee zu einer neuen Studie, deren Ergebnisse auch international Wellen schlagen.

Augenklinik auf dem Gipfel

Willmann und Co. ließen 14 Testpersonen innerhalb von 24 Stunden zur Capanna Regina Margherita aufsteigen. Die Hütte steht auf dem Gipfel der Signalkuppe im Monte-Rosa-Gebiet, 4559 Meter hoch. „Wir konnten da oben praktisch eine komplette Augenklinik mit modernsten Untersuchungsgeräten aufbauen“, erzählt Willmann. Per Hubschrauber brachten die Wissenschaflter 1,2 Tonnen Material auf die Hütte. „Ideale Bedingungen für eine Feldstudie.“ Deren Ergebnisse legen einen überraschenden Schluss nahe: Die akute Bergkrankheit (Acute Mountain Sickness – AMS) und das lebensbedrohliche Höhenhirnödem (High Altitude Cerebral Edema – HACE) haben möglicherweise nicht denselben Ursprung. Bisher ging man davon aus, dass AMS eine milde Form oder Vorstufe des gefährlichen Höhenhirnödems ist.

Undichte Netzhaut, aber sonst gesund

Dr. Gabriel Willmann

Die Tübinger Augenärzte stellten fest, dass bei jeder zweiten Testperson nach dem schnellen Aufstieg zur Margherita-Hütte Netzhaut-Gefäße in den Randbereichen Flüssigkeit verloren. Zudem wurde die Hälfte aller Probanden akut höhenkrank. Je 50 Prozent also – aber nicht dieselben. Vier der sieben Testpersonen mit undichten Netzhautgefäßen fühlten sich pudelwohl und litten nicht an AMS. Es gebe also, so Willmann, offenbar nicht zwangsläufig einen Zusammenhang. „Wir haben erstmals gezeigt, dass die Leckagen unabhängig von der AMS auftreten können.“ Bleibt für den Laien die Frage, was das mit einem Hirnödem zu tun hat? „Das Auge ist entwicklungsgeschichtlich ein Teil des Gehirns. Der Gefäßaufbau ähnelt sich sehr“, erklärt Willmann. Was also in großer Höhe mit der Netzhaut geschehe, könnte analog auch im Gehirn passieren. „Ins Gehirn kann ich aber nicht so einfach hineinsehen wie ins Auge.“

Leckagen schlossen sich wieder

Die von den Tübingern erstmals nachgewiesenen undichten Netzhautgefäße sind übrigens nicht die Ursache dafür, dass mancher Trekker oder Expeditionsbergsteiger in großer Höhe über massive Sehstörungen klagt. Die auf der Margherita-Hütte beobachteten Leckagen hätten an den Rändern der Netzhaut gelegen, sagt Willmann. Der plötzliche Verlust der Sehkraft in großer Höhe habe andere Ursachen, etwa eine Blutung im Zentrum der Netzhaut. „Was mit den Leckagen in größerer Höhe passiert, auf 6000 oder 7000 Metern, können wir jedoch nicht sagen.“ Bei den Testpersonen auf der Margherita-Hütte schlossen sich die undichten Stellen nach dem Abstieg wieder.

Viele offene Fragen

Das ist die gute Nachricht. Die weniger gute lautet: Selbst wenn du als Höhenbergsteiger nicht akut höhenkrank wirst, kann dich offenbar ein Höhenhirnödem erwischen. Ich möchte von dem Tübinger Wissenschaftler wissen, ob nun jemand, bei dem Leckagen an der Netzhaut nachgewiesen wurden, damit rechnen muss, dass auch seine Hirngefäße schneller undicht werden. „Das ist zwar eine mögliche, sehr interessante Hypothese, mehr jedoch nicht“, antwortet Gabriel Willmann. „Es gibt viele spannende Fragestellungen, die noch geklärt werden müssen!“ Da müssen Willmann und seine Kollegen von der Universitätsklinik Tübingen wohl wieder in den Himalaya reisen. Es gibt sicher Schlimmeres für bergsteigende Wissenschaftler.

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Deutscher Bergsteiger stirbt am Aconcagua https://blogs.dw.com/abenteuersport/deutscher-bergsteiger-stirbt-am-aconcagua/ Fri, 25 Jan 2013 16:04:26 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=19255

Aconcagua

Was ich kürzlich über den Kilimandscharo schrieb, gilt auch für den Aconcagua. Wie der höchste Gipfel Afrikas wird auch der höchste Berg Südamerikas gerne unterschätzt. Der Normalweg von der Nordseite her führt, ohne dass die Bergsteiger wirklich klettern müssen, auf den höchsten Punkt. Der liegt jedoch auf 6962 Metern, und genau darin liegt die Gefahr. In dieser Höhe wird der Sauerstoff nur noch mit etwa 40 Prozent des Drucks in die Lungen gepresst wie auf Meereshöhe. Wer nicht ausreichend akklimatisiert ist oder Symptome der Höhenkrankheit ignoriert, riskiert sein Leben. Gestern starb am Aconcagua ein 53 Jahre alter Deutscher. Er war bereits der dritte Bergsteiger innerhalb weniger Wochen, der bei dem Versuch, diesen Fast-Siebentausender zu besteigen, sein Leben ließ.

Dritter Todesfall in dieser Saison 

Ein anderes Expeditionsmitglied habe den Deutschen morgens im Lager „Nido de Cóndores“ (Kondor-Nest) auf 5500 Metern tot in seinem Zelt aufgefunden, heißt es in argentinischen Medienberichten. Offiziell ist die Todesursache noch nicht geklärt, aber das klingt verdächtig nach tödlich verlaufener Höhenkrankheit. Bereits zur Jahreswende waren zwei Freunde aus den USA, 41 und 42 Jahre alt, am Aconcagua unter ähnlichen Umständen ums Leben gekommen.

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Cory allein im (Kranken-) Haus https://blogs.dw.com/abenteuersport/cory-allein-im-kranken-haus/ Thu, 03 May 2012 15:34:38 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=14289

Cory Richards (r.) - mit Simone Moro

Cory Richards versteht die Welt nicht mehr. Der kanadische Bergsteiger war am vergangenen Wochenende in einer spektakulären Rettungsaktion (hier geht’s zum Video) vom Mount Everest gebracht und nach Kathmandu geflogen worden. Richards hatte am Berg über Brustschmerzen und Atembeschwerden geklagt. Der Verdacht: ein lebensbedrohliches Höhenlungenödem. In Kathmandu erholte sich der 30-Jährige nach eigenen Angaben schnell. Seine Expeditionskollegen aber entschieden, dass Richards nicht zurückkehren solle. „Das ist sehr hart für mich“, sagt der Kanadier.

Doch nicht höhenkrank?

„Ich bin frustriert, dass das Team eine Entscheidung über mich getroffen hat, trotz zahlreicher positiver Untersuchungsergebnisse, die auf nichts Nachteiliges hindeuten“, beklagt sich Cory. „Die Ärzte sagen, dass meine Probleme nicht mit der Höhe zusammenhängen.“ Richards wollte gemeinsam mit dem sehr erfahrenen US-Bergsteiger Conrad Anker den Everest über den selten begangenen Westgrat besteigen. Die Route war 1963 von den beiden US-Amerikanern Tom Hornbein und Willi Unsoeld eröffnet worden.

Durch den Eisbruch

Cory 2011 am Gasherbrum II

Bei einer Akklimatisierungstour auf der Normalroute hatte Richards in Lager 2 auf 6400 Metern über Atemnot geklagt. Cory erhielt Flaschen-Sauerstoff, seine Teammitglieder transportierten ihn anschließend mit einem Plastikschlitten hinunter nach Lager 1 auf 6000 Metern. Der ursprünglich von dort geplante Rettungsflug mit einem Spezialhubschrauber musste wegen schlechten Wetters abgeblasen werden. Richards Kameraden brachten ihn auch noch durch den gefährlichen Khumbu-Eisbruch. Mehrfach musste er den Schlitten verlassen. Vom Basislager aus brachte dann ein Rettungshubschrauber Cory Richtung Kathmandu. Simone Moro hatte den Flug organisiert. Der Italiener hatte mit Richards und dem Kasachen Denis Urubko im Februar 2011 den Gipfel des Gasherbrum II im Karakorum erreicht. Es war die erste Winterbesteigung eines Achttausenders in Pakistan.

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Erster Todesfall am Everest https://blogs.dw.com/abenteuersport/erster-todesfall-am-everest/ Thu, 19 Apr 2012 14:58:50 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=14137 Früh trägt der Mount Everest Trauer. Kaum sind die ersten Bergsteiger auf der nepalesischen Seite des höchsten Bergs der Erde erstmals durch den Khumbu-Eisbruch hinauf nach Lager 1 auf gut 6000 Metern aufgestiegen, gibt es den ersten Toten zu beklagen. Allerdings nicht oben im Western Kwm, dem „Tal des Schweigens“, sondern im Basislager auf 5300 Metern. Karsang Namgyal Sherpa starb allem Anschein nach an den Folgen der Höhenkrankheit. „Ein paar Minuten vor seinem Tod zog er sich in sein Zelt zurück und informierte die anderen Sherpas, dass er sich nicht wohl fühle“, sagt Dambar Parajuli, Chef des Expeditionsveranstalters Prestige Adventure aus Kathmandu. In den Tagen zuvor habe es keine Hinweise gegeben, dass der 40-Jährige krank sein könnte.

Ang Ritas Sohn

Karsang Namgyal galt als äußerst erfahrener Sherpa. Mehrmals hatte er den Gipfel des Mount Everest erreicht, erstmals 1995. Karsang trat damit in die Fußstapfen seines Vaters Ang Rita Sherpa, einer lebenden Everest-Legende. Der „Schneeleopard“, wie Ang Rita genannt wurde, hatte zwischen 1983 und 1996 zehn Mal den höchsten Berg der Erde bestiegen, stets ohne Atemmaske. Karsang war der älteste seiner beiden Söhne. Der jüngere, Chhewang, verdient sein Geld ebenfalls als „Climbing Sherpa“.

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Bierpille gegen Höhenkrankheit https://blogs.dw.com/abenteuersport/bierpille-gegen-hohenkrankheit/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/bierpille-gegen-hohenkrankheit/#comments Sun, 01 Apr 2012 07:03:40 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=13907

Kleine Pille, große Wirkung

Bahnbrechende Entdeckung: Wissenschaftler der Universität Kathmandu haben eine Pille auf Bierbasis entwickelt, die gegen Höhenkrankheit helfen soll. „Die positiven Testergebnisse haben uns selbst überrascht“, sagt Hein Schmitz, ein in Köln geborener Pharmakologe, der das Forschungsprojekt leitet. In einem aufwändigen Verfahren hatte sein Team die Wirkstoffe des obergärigen Biers Kölsch extrahiert und in Tablettenform überführt. „Gegen einen Kater hilft schließlich auch ein Bier am nächsten Morgen“, erklärt Schmitz, warum er auf die Idee kam, Bier in Tablettenform gegen Höhenkrankheit einzusetzen. Diese beginne bekanntlich auch mit pochenden Kopfschmerzen. Getestet wurde die Wirkung an Bergsteigern, die im vergangenen Herbst versucht hatten, den Mount Everest zu besteigen.

Vorübergehend orientierungslos

„Im Vergleich zu den Kletterern, die von uns Placebos erhielten, fielen die Bergsteiger mit Bierpillen in einen deutlich tieferen, erholsameren Schlaf“, berichtet Schmitz. Eine Prophylaxe gegen Höhenkrankheit sei das. „Zudem steigerte das Präparat eindeutig den Durst. Die Bergsteiger tranken mehr, das Blut wurde flüssiger.“ Der Wissenschaftler räumte ein, dass bei einigen Probanden eine vorübergehende Orientierungslosigkeit aufgetreten sei. „Aber diese Nebenwirkung ist zu vernachlässigen, da die meisten am Everest ohnehin an Fixseilen aufsteigen“, meint Schmitz. „Da kann man sich nicht verlaufen.“ Er plant bereits eine weitere Forschungsreihe, in der er die von ihm entwickelte Bierpille mit Viagra kombinieren will, dessen Schutzwirkung gegen Höhenkrankheit in mehreren Studien nachgewiesen wurde. „Die Bergsteiger stehen bei mir Schlange, um an den Tests teilnehmen zu können.“

 

Mein Blog feiert am heutigen 1. April seinen 2. Geburtstag 🙂

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