Ueli Steck – Abenteuer Sport https://blogs.dw.com/abenteuersport Blog über Expeditionen und Grenzerfahrungen Wed, 06 Mar 2019 10:38:57 +0000 de-DE hourly 1 Dani Arnold: „Ein bisschen Risiko darf sein“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/dani-arnold-ein-bisschen-risiko-darf-sein/ Mon, 08 Oct 2018 13:07:43 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=42205

Dani Arnold in Köln

Wieder einmal ist er eine Wand geradezu hinaufgesprintet. Im August durchkletterte der Schweizer Dani Arnold die Grandes-Jorasses-Nordwand solo und ohne Seilsicherung in der neuen Rekordzeit von 2:04 Stunden. Die Erstbegeher der Route über den Walker-Pfeiler um den Italiener Riccardo Cassin hatten dafür 1938 drei Tage benötigt. Auch in der Matterhorn-Nordwand hält der 34-Jährige seit drei Jahren die Bestzeit: 1:46 Stunden. Für seinen ersten Paukenschlag hatte Dani 2011 gesorgt, als er Ueli Stecks Rekord in der Eiger-Nordwand um 20 Minuten unterboten und den Gipfel nach 2:28 Stunden erreicht hatte. Steck hatte sich die Bestzeit 2015 zurückgeholt (2:22 Stunden).

Dani Arnold ist Bergführer und lebt mit seiner Frau Denise im Kanton Uri  im 4000-Seelen-Dorf Bürglen, in dem mehr als 200 Einwohner (kein Witz, er hat es mir gegenüber bestätigt) den Namen Arnold tragen. Ich habe Dani in meiner Heimatstadt Köln getroffen – vor seinem Auftritt als Hauptredner des Kölner-Alpintags.

Dani, wie gefällt dir die Bezeichnung „Usain Bolt der Alpen-Nordwände“?

Ich finde sie ein bisschen übertrieben. Ich bin sicher sehr schnell unterwegs, aber es gibt noch viele andere sehr, sehr gute Bergsteiger. Ich glaube, es stimmt einfach nicht, dass ich der beste bin.

Grandes-Jorasses-Nordwand

Aber vielleicht der schnellste. Du hältst schließlich an zwei der drei klassischen Nordwände in den Alpen den Geschwindigkeitsrekord. Kommst du, wenn du so schnell kletterst, auch manchmal in einen Rauschzustand, wie etwa beim Laufen, wenn irgendwann ein „Flow“ einsetzt und alles wie von selbst zu gehen scheint? 

Ja, so ein Gefühl gibt es schon. Ich fühle mich dann frei und leicht. Wenn zum Beispiel in der Eiger-Nordwand der Wasserfall-Kamin, das brüchige Band und der brüchige Riss kommen, dauert es normalerweise ewig, bis man dort durchgeklettert ist. Wenn man aber solo und auf Geschwindigkeit unterwegs ist, dann folgt einfach eine Stelle nach der anderen. Und man hat dann wirklich auch das Gefühl, es sei schnell.

Du bist im Sommer den Walker-Pfeiler an den Grandes Jorasses in zwei Stunden vier Minuten geklettert, 17 Minuten schneller als der vorherige Rekordinhaber Ueli Steck. Du bist komplett ohne Seil und Sicherung geklettert. Wieviel Risiko darf aus deiner Sicht sein?

Es geht nicht ohne Risiko, das ist ganz klar. Auf der anderen Seite war es mein Ziel, am Walker-Pfeiler auf jedes Sicherungsmaterial zu verzichten. Es sollten einfach nur der Berg und ich sein. Ich musste erst einmal herausfinden: Traue ich mich überhaupt? Ist es noch sicher? Ich habe mich dann für den Weg entschieden. Und ich habe nie das Gefühl gehabt, dass ich ein Riesen-Risiko eingegangen bin. Ich glaube, man kann nicht pauschal sagen, dass weniger Material gleich ein höheres Risiko bedeutet.

Dani Arnold: Weniger Material nicht gleich mehr Risiko

Wie hast du dich vorbereitet? Kanntest du jeden Kletterzug auf dieser Route?

Die Route ist 1200 Meter lang. Ich habe das Talent, dass ich mir sehr gut Stellen und Kletterbewegungen merken kann. Ich weiß zum Beispiel, wie im Rebuffat-Riss, einer der schwierigen Stellen dort, die Griffe aussehen, mit welcher Hand ich welchen Griff klettern muss. Dazu braucht man auch noch eine, ich sage mal, „rollende Planung“ und außerdem sehr viel Selbstvertrauen.

In der Wand

Du hast einmal gesagt, es gebe ein Recht auf Risiko. Wie hast du das gemeint?

Wenn man für etwas lebt, sich seriös darauf vorbereitet und sich dann in einen Gefahrenbereich begibt, wird das von der Gesellschaft nicht akzeptiert. Das finde ich nicht richtig. Schließlich geht man diese Dinge doch nicht einfach fahrlässig an, aus Unwissenheit oder Dummheit. Wenn man sich wirklich auf etwas vorbereitet und es seriös durchzieht, darf man auch ein bisschen Risiko eingehen, denn es lohnt sich zu hundert Prozent.

Dani Arnold: Das Recht auf Risiko

Wenn man sich deine Speedrekorde ansieht, stößt man immer wieder auf den Namen Ueli Steck, weil es seine Rekorde waren, die du gebrochen hast. Er ist im vergangenen Jahr am Nuptse mit 40 Jahren in den Tod gestürzt. War das für dich Warnung oder Mahnung?

Er hat genau das Gleiche gemacht wie ich jetzt. Und da denkt man natürlich sofort: Hej, das kann mir auch passieren. Ich glaube jeder Unfall – nicht nur von Ueli, sondern auch von anderen Bergsteigern – bleibt im Gehirn drin. Das bedeutet nicht, dass man nun einen komplett anderen Weg geht. Aber ich bin mir trotzdem sicher, dass ich jetzt nicht mehr so viel Risiko eingehe wie noch vor fünf oder zehn Jahren.

Dani kurz vor dem Ausstieg aus der Wand

Beim Klettern und Bergsteigen auf höchstem Niveau besteht immer die Gefahr, die Schraube eines Tages zu überdrehen. Hast du Schutzmechanismen dagegen?

Die Gefahr, dass man irgendwann einen Schritt zu weit geht, liegt auf der Hand. Das macht mir auch ein bisschen Angst, weil ich natürlich immer versuche, das Optimum zu erreichen und noch ein bisschen mehr. Um gegenzusteuern, gehe ich z.B. fischen oder ich verbringe einfach mal Zeit mit Freunden und Familie, wo wir das Thema Bergsteigen gar nicht ansprechen. Das hilft mir, aktiv ein bisschen davon wegzukommen. Es dreht sich sonst alles ums Bergsteigen und auch um dieses mehr, mehr, mehr. Ich muss dann andere Gedanken haben und es auch mal gut sein lassen.

Dani Arnold: Es auch mal gut sein lassen

In der breiten Öffentlichkeit bist du vor allem wegen deiner Speedaufstiege bekannt. Dabei bist du ja ein kompletter Kletterer. Du gehörst z.B. zu den Wintererstbesteigern des Cerro Egger in Patagonien, du warst mit den Huber-Brüdern auf Expedition im Karakorum. Stört es dich, dass man dich öffentlich häufig auf das Geschwindigkeitsklettern reduziert?

Es stört mich schon ein bisschen. Auf der anderen Seite kann ich durch das Speedklettern jetzt vom Bergsteigen leben, weil es ausreichend Vorträge und Sponsoren gibt. Von daher ist es schon wichtig. Wenn ich an einem Abend einen 90-Minuten-Vortrag halte, nutze ich die Bekanntheit über das Speedklettern, um auch meine Herzensgeschichten zu erzählen, wie zum Beispiel über das Mixed-Klettern in Schottland, diese ganz, ganz schweren Klettereien.

Dani Arnold (3.v.r.) 2015 mit Thomas und Alexander Huber, ihrem pakistanischer Begleiter Rasool, Mario Walder und Seppi Dabringer (v.r.)

Wirst du in den nächsten Jahren wieder auf große Expeditionen gehen?

Ganz bestimmt. Schwierigkeitstechnisch und auch in Sachen Geschwindigkeit wird es nicht unendlich lange so weitergehen. Da werden dann diese Geschichten an neuen Bergen in unbekannten Regionen aufkommen. Mit den Huber-Brüdern habe ich wirklich zwei Super-Leute gefunden, mit denen ich super gerne unterwegs bin. Das ist mir fast wichtiger, als wenn jemand extrem stark ist. Man muss eine gute Zeit zusammen haben. Und das haben wir.

Wäre auch mal ein Achttausender für dich interessant?

Bestimmt. Bis jetzt hatte ich noch nie ein Bedürfnis, dort hochzusteigen, aber so langsam kommt es. Ich möchte gerne mal erleben, wie es sich anfühlt.

Hast du ein Traumziel, einen Berg, zu dem du unbedingt noch hin willst?

Eigentlich nicht. Die Eiger-Nordwand z.B. war für mich nicht dieses eine große Ziel. Ich habe viele, viele Ideen. Wenn es dann in der Vorbereitung konkreter wird, fokussiert man sich auf einen Berg. Und dann wird dieser plötzlich mein Berg, und es gibt keinen anderen mehr.

Beim Eisklettern in den Helmcken Falls in Kanada

Du hast die drei großen Alpen-Nordwände solo und in großer Geschwindigkeit bestiegen, damit hat sich ein Kreis geschlossen – es sei denn, du willst dir den Eiger-Rekord wieder zurückholen. Machst du jetzt einen Haken hinter das Speedklettern?

Mit dem Rekord in der Grandes-Jorasses-Nordwand hat sich das schon ein bisschen erledigt. Mit größter Wahrscheinlichkeit werde ich nicht mehr an den Eiger zurückgehen. Ich möchte mir das Ganze aber offen lassen. Im Moment habe ich tatsächlich kein konkretes Speedprojekt, aber das kann sich bei mir schlagartig ändern. Ich glaube, ich habe damit noch nicht ganz abgeschlossen.

Wann werden wir dich wieder auf großer Expedition erleben?

Im Winter möchte ich Richtung Russland oder China zum Eisklettern aufbrechen. Ich war noch nie im Hochwinter dort. Ich möchte auch die Menschen in diesen extrem kalten Regionen treffen. Das fasziniert mich auch. Es gibt sicher kalte Finger dort! (lacht)

Kannst du auch ganz normal bergsteigen, ohne Hintergedanken an eine krasse Route?

Ja. Es gibt diese Tage, an denen ich keine Ambitionen habe und es einfach nur genießen kann. Ich liebe halt immer noch dieses Draußen-sein.

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David Göttler: „Mehrere Achttausender im Visier“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/david-goettler-mehrere-achttausender-im-visier/ Tue, 04 Sep 2018 13:56:14 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=41931

David Göttler

Sie haben zwei Zuhause. Den Winter verbringen der deutsche Profibergsteiger David Göttler und seine Lebensgefährtin Monica Piris in Chamonix am Mont Blanc, den Sommer in Monicas Heimat Nordspanien, zwischen Bilbao und Santander, „da, wo Spanien noch richtig grün ist“, schwärmt David. In diesem Sommer war Göttler – wie berichtet – mit leeren Händen aus Pakistan zurückgekehrt. Das schlechte Wetter hatte ihm und seinem Teamkameraden, dem Italiener Hervé Barmasse, am 7932 Meter hohen Gasherbrum IV im Karakorum einen Strich durch die Rechnung gemacht. Gestern feierte Göttler in Spanien seinen 40. Geburtstag – nicht in den Bergen, sondern auf der Baustelle, wie er mir erzählt, als ich ihm nachträglich gratuliere: „Ich habe meinen Trainingsraum fertiggestellt. Von daher war es auch ein guter Tag.“

40 Jahre, David, das ist schon eine Marke. Viele blicken dann auf ihr Leben zurück oder schmieden Pläne für die Zukunft. Du auch?

Für mich war es eigentlich ein ganz normaler Geburtstag. Allerdings grübelt man schon ein bisschen darüber nach, dass jetzt vielleicht die Mitte des Lebens erreicht ist. Ich habe nicht das Gefühl, etwas verpasst oder falsch gemacht zu haben. Aber ich freue mich auch auf die nächsten 40 Jahre. Mein Vater wird im nächsten Winter 79 Jahre alt und ist noch jeden Tag in den Bergen unterwegs, mit dem Gleitschirm oder Snowboard oder beim Klettern. Wenn ich von diesen Genen nur ein bisschen geerbt habe, dann habe ich noch weitere 40 gute Jahre vor mir. Gerade im Höhenbergsteigen kann ich jetzt noch in den nächsten Jahren gute Sachen machen. Und darauf freue ich mich total.

David mit Ueli Steck (l.) im Frühjahr 2016

Hast du vielleicht gestern auch an Ueli Steck gedacht, mit dem zusammen du im Frühjahr 2016 an der Shishapangma-Südwand warst. Er ist im vergangenen Jahr am Nuptse tödlich abgestürzt – mit vierzig Jahren. Machst du dir Sorgen, du könntest auch selbst einmal die Schraube überdrehen?

Ich versuche eigentlich immer, sehr bewusst mit dem Risiko umzugehen – wie Ueli es übrigens auch getan hat.  Ich habe gestern im Laufe des Tages schon mal an ihn gedacht, aber eher mit Blick auf meine Zukunft: Es wäre so schön gewesen, mit ihm neue Ziele planen zu können.

Welche Ziele hast du dir denn gesteckt?

Ich habe mir erst mal vorgenommen, im Flachland einen Marathon in einer vernünftigen Zeit zu laufen. Das werde ich wahrscheinlich Anfang Dezember angehen. Auf längere Sicht, für die nächsten etwa fünf Jahre, habe ich ein paar Achttausender, die mich besonders interessieren. Auch der Gasherbrum IV, an dem Hervé und ich in diesem Sommer waren, ist noch auf der Liste.

Yoga im Basislager

Welche Achttausender hast du konkret im Visier?

Ich habe mich noch nicht entschieden, in welcher Reihenfolge ich sie angehe. Aber einer der Achttausender auf meiner Liste ist der Kangchendzönga, an dessen faszinierender Nordseite 2003 meine Achttausenderkarriere begann und an dem ich mich gerne noch einmal versuchen möchte. Dann der Nanga Parbat, ein super spannender Berg, an dem ich schon einmal im Winter war (2014 hatte er mit dem Polen Tomek Mackiewicz ein Höhe von 7200 Metern erreicht). Der Mount Everest ohne Sauerstoff ist für mich ebenfalls noch ein Ziel, auch wenn dort so viele Menschen unterwegs sind. Ich würde es gerne mal ausprobieren, wie sich die letzten quasi 400 Höhenmeter mehr anfühlen im Vergleich zu den anderen Achttausendern, die ich bisher gemacht habe (David hat bisher fünf 8000er bestiegen: Gasherbrum II, Broad Peak, Dhaulagiri, Lhotse und Makalu). Auch der Gasherbrum I, den ich mir in diesem Sommer vom G IV aus angesehen habe, bietet noch viele Möglichkeiten für neue oder ungewöhnliche Touren jenseits des Normalwegs.

Mit Herve Barmasse (r.)

Du warst mit Herve Barmasse am Gasherbrum IV. Wie ist es euch dort ergangen?

Es war vom Wetter her eine super merkwürdige Saison im Karakorum. Die Leute wurden vielleicht von der Nachricht geblendet, dass es am K 2 so viele Gipfelerfolge wie nie zuvor gab. Aber auch am K 2 ist der Kommerz inzwischen angekommen: Von unten bis oben wird der Weg gesichert, viele Sherpas sind im Einsatz, treten die Spur und stellen die Lager auf. Fast alle waren mit Sauerstoff oben. An den anderen Achttausendern sah es ganz anders aus. Am Gasherbrum I und am Gasherbrum II etwa waren jeweils nur zwei Bergsteiger am Gipfel, Luis Stitzinger und Gianpaolo Corona am G I, Adam Bielecki und Felix Berg am G II. Das schlechte Wetter und die daraus resultierenden schwierigen Bedingungen am Berg haben uns auch am Gasherbrum IV zu schaffen gemacht und einen wirklichen Gipfelversuch verhindert.

Wie hoch seid ihr gekommen?

Unseren höchsten Punkt haben wir noch während der Akklimatisationsphase mit 7100 Metern erreicht, unterhalb der Ostwand. Beim Gipfelversuch sind wir nur bis Lager 1 auf 6000 Metern gekommen. Es hat die ganze Nacht geschneit, am Morgen immer noch, dazu null Sicht. Wegen zu hoher Lawinengefahr sind wir dann umgekehrt.

Unterwegs am Gasherbrum IV

Nicht nur ihr seid wegen des anhaltend schlechten Wetters mit leeren Händen heimgekehrt. Wie schon in den letzten Jahren waren die Verhältnisse in der klassischen Sommersaison im Karakorum  problematisch. Sollte man wegen der Auswirkungen des Klimawandels später im Jahr anreisen?

Wir haben im Basislager darüber diskutiert. Vielleicht muss man wirklich nicht mehr zu diesen „Old-School-Wetterfenstern“ anreisen, in denen früher die besten Verhältnisse herrschten. Das Klima verschiebt sich. Nicht nur niederschlagsreiche, sondern auch zu heiße und trockene Sommer sind für viele Projekte eher schlecht. Ich denke, man muss vielleicht künftig wirklich experimentieren und zu anderen Zeiten in den Karakorum reisen. In der klassischen Sommersaison scheint es immer schwieriger zu werden. 

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Erfolge an Everest und Lhotse ohne Atemmaske, drei 8000er in 25 Tagen https://blogs.dw.com/abenteuersport/erfolge-an-everest-und-lhotse-ohne-atemmaske-drei-8000er-in-25-tagen/ Thu, 24 May 2018 11:20:21 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=40913

Tenjing Sherpa am Everest

Das Schönwetterfenster im Himalaya ist beeindruckend lang. Seit der ersten Besteigung des Mount Everest in diesem Frühjahr am 13. Mai durch das Sherpa-Team, das auf der Südseite die Fixseile bis zum Gipfel gelegt hatte, erreichten Tag für Tag Bergsteiger den höchsten Punkt auf 8850 Metern. Mehrere hundert Gipfelerfolge wurden inzwischen gezählt. Heute gelang es auch Tenjing Sherpa, und das ohne Flaschensauerstoff.  Der 26-Jährige will direkt anschließend noch den Lhotse besteigen, falls es die Verhältnisse zulassen.  Laut Iswari Poudel, Geschäftsführer des Expeditionsveranstalters „Himalayan Guides“ gelangte heute neben Tenjing auch Lakpa Dendi Sherpa ohne Atemmaske auf den Gipfel. Es sei bereits Lakpas dritter (!) Aufstieg zum Gipfel des Everest in dieser Saison gewesen, sagte Poudel.

Colibasanu und Hamor geben auf

Horia Colibasanu (r.) und Peter Hamor (l.)

Der Brite Jon Griffith, der Tenjing Sherpa als Fotograf und Filmer auf den Gipfel begleitete, nutzte beim Aufstieg Flaschensauerstoff.  Die beiden wollen mit ihrer Expedition an den vor einem Jahr am Fast-Achttausender Nuptse abgestürzten Schweizer Top-Bergsteiger Ueli Steck erinnern. Ueli und Tenjing hatten 2017 eine Everest-Lhotse-Traverse ohne Flaschensauerstoff über den Everest-Westgrat geplant. Genau das hatten sich für dieses Frühjahr auch der Rumäne Horia Colibasanu und der Slowake Peter Hamor vorgenommen. Sie erklärten heute ihre Expedition für beendet. Die Lawinengefahr auf der Route sei zu groß, begründete Horia die Entscheidung. Die beiden waren bis auf eine Höhe von 7500 Metern aufgestiegen.

Lämmle ohne Atemmaske auch auf dem Lhotse

Thomas Lämmle auf dem Lhotse

Bereits am vergangenen Sonntag erreichte der deutsche Bergsteiger Thomas Lämmle den 8516 Meter hohen Gipfel des Lhotse, nur acht Tage nach seinem Erfolg am Makalu. „Im gleichen Stil: Alleine, ohne Sauerstoff, und ich habe die ganze Ausrüstung (Zelt, Kocher, Essen, Schlafsack, etc.) selbst getragen“, schrieb Lämmle gestern auf Facebook. Für den 52-Jährigen aus der Stadt Waldburg in Baden-Württemberg war der Lhotse der siebte Achttausender nach Cho Oyu (2003), Gasherbrum II (2005 und 2013), Manaslu (2008), Shishapangma (2013), Mount Everest (2016) und Makalu.

Drei der vier höchsten Berge der Welt in 25 Tagen

Nima Jangmu Sherpa

Eine außergewöhnliche Leistung gelang auch Nima Jangmu Sherpa. Die 27-Jährige erreichte gestern als erste Frau aus Nepal den 8586 Meter hohen Gipfel des Kangchendzönga. Damit bestieg die Sherpani innerhalb von 25 Tagen die drei höchsten Berge Nepals, die gleichzeitig drei der vier höchsten der Welt sind. Am 29. April hatte Nima Jangmu bereits auf dem Lhotse gestanden, am 14. Mai auf dem Mount Everest – jeweils mit Atemmaske. Drei Achttausender in einer Saison hatte 2008 auch die Französin Elisabeth Revol bestiegen. Zwischen ihren Aufstiegen am Broad Peak, Gasherbrum I und Gasherbrum II, ohne Flaschensauerstoff und Sherpa-Unterstützung, hatten nur 16 Tage gelegen.

Neben Nima Jangmu Sherpa gelang einer weiteren Bergsteigerin aus dem Team des nepalesischen Veranstalters „Imagine“ ein Gipfelerfolg am Kangchendzönga. Die Chinesin Dong Hong Juan stand auf ihrem 13. Achttausender.

Update 25. Mai: Nach Informationen von Iswari Paudel, Chef von Himalayan Guides Nepal Treks & Expedition P. Ltd., hat Tenji Sherpa nach seinem gestrigen Everest-Gipfelerfolg beschlossen, auf die Besteigung des Lhotse zu verzichten und ins Basislager abzusteigen.

Update 1. Juni: Billi Bierling informiert mich, dass Tenjing oberhalb des Südgipfels (8750 Meter) und Lakpa Dendi oberhab des Südsattels (7900 Meter) Flaschensauerstoff genutzt hätten. Das heißt: keine Everest-Gipfelerfolge ohne Atemmaske in dieser Frühjahrssaison.

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Zwei Teams versuchen Everest-Lhotse-Traverse https://blogs.dw.com/abenteuersport/zwei-teams-versuchen-everest-lhotse-traverse/ Fri, 13 Apr 2018 15:29:16 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=40197

Halo über dem Everest-Basislager

Die Basislager auf beiden Seiten des Mount Everest füllen sich langsam, aber sicher. Für die nepalesische Südseite hat die Regierung in Kathmandu bisher rund 275 Permits an ausländische Bergsteiger ausgestellt. Die Route durch den Khumbu-Eisfall steht. Mingma Gyalje Sherpa, Chef und Expeditionsleiter des Veranstalters „Imagine“, ist begeistert von der Arbeit der „Icefall Doctors“: „Die Route nach Lager 1 ist die bisher beste überhaupt. Normalerweise haben sie (die Mitglieder des Sherpa-Teams) an 20 Stellen Leitern über Gletscherspalten gelegt, doch diesmal mussten sie nur an drei Stellen maximal zwei Leitern verbinden.“ Wie der 32-Jährige auf Facebook mitteilt, gilt es allerdings noch, zwei große Spalten zwischen Lager 1 auf rund 6000 Metern und Lager 2 auf 6400 Metern zu überwinden. „Dafür müssen wahrscheinlich mindestens drei bis fünf Leitern zusammengebunden werden.“

Im Gedenken an Ueli Steck

In memoriam Ueli Steck (1976-2017)

Neben den kommerziellen Expeditionen, die allesamt über die Normalrouten aufsteigen werden, wollen sich gleich zwei Teams an einer Everest-Lhotse-Überschreitung ohne Flaschensauerstoff versuchen. Der 26 Jahre alte Tenjing Sherpa will den Traum seines im vergangenen Jahr verstorbenen Kletterpartners Ueli Steck vollenden. Der Schweizer war am 30. April 2017 bei einem Akklimatisierungs-Soloaufstieg am Nuptse in den Tod gestürzt. Ueli hatte mit Tenjing über den Westgrat zum Gipfel des Mount Everest und von dort via Südsattel auf den Lhotse steigen wollen. Der britische Bergsteiger Jon Griffith sollte das Projekt als Fotograf und Kameramann begleiten. Auch jetzt ist er wieder mit dabei. „Ich bin aufgeregt, Uelis Kletterpartner Tenjing Sherpa bei seinem Versuch zu filmen, das zu beenden, was Ueli begonnen hat, in seinem Stil“, schreibt Jon auf Facebook. „Für mich bedeutet es auch, die Erinnerung an einen meiner besten Freunde zu bewahren und gleichzeitig die nepalesische Klettergemeinde auf die große Bühne zu heben.“

Rumänisch-slowakisches Duo

Horia Colibasanu (r.) und Peter Hamor (l.)

Auch der 41 Jahre alte Rumäne Horia Colibasanu und der 53-jährige Slowake Peter Hamor haben sich in diesem Frühjahr die Everest-Lhotse-Überschreitung über den Everest-Westgrat vorgenommen, ebenfalls ohne Atemmaske. Beide sind inzwischen im Basislager eingetroffen. Colibasanu hatte im Mai 2017 als erster Bergsteiger in der Frühjahrssaison den Everest von der Nordseite aus ohne Flaschensauerstoff bestiegen. Es war sein achter Achttausender. Zur gleichen Zeit hatte Hamor am Dhaulagiri seine Sammlung der 14 Achttausender vervollständigt. Nur am Everest hatte Peter eine Atemmaske benutzt.

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Lebe wohl, Ueli! https://blogs.dw.com/abenteuersport/lebe-wohl-ueli/ Tue, 23 May 2017 22:22:04 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36381

Eiger-Nordwand im Abendlicht

Ich glaube, er war ein total glücklicher Mensch, als es passiert ist“, sagte Robert Bösch, der Schweizer Fotograf und Bergsteiger, bei der Gedenkfeier für seinen Freund Ueli Steck, der am 30. April am Nuptse aus einer Höhe von rund 7600 Metern in den Tod gestürzt war. Jede SMS von Ueli zuvor aus dem Everest-Basislager habe die Botschaft vermittelt: Alles stimmt, Motivation und Fitness. Bösch glaubt, dass es ein spontaner Entschluss des 40-Jährigen gewesen sei, zur Akklimatisierung nicht, wie ursprünglich geplant, zum Everest-Südsattel aufzusteigen, sondern auf den Nuptse. „Die Verhältnisse müssen gut gewesen sein, sonst wäre er nicht so schnell so weit oben gewesen“, sagte Robert. Ganz sicher sei Steck „im Flow“ geklettert. Warum er abgestürzt sei, lasse sich nicht klären. „Das ist egal, das ist eben Bergsteigen. Das Quäntchen Glück, das er gebraucht hätte, hat er diesmal nicht gehabt.“

Mensch wie du und ich“

Ueli Steck (1976-2017)

Rund 600 Menschen waren der Einladung der Familie Steck gefolgt, im Kursaal des Congress Centers Interlaken des tödlich verunglückten Topbergsteigers zu gedenken. Vielen stand der Schock auch nach über drei Wochen noch ins Gesicht geschrieben. Neben der Familie um Stecks Ehefrau Nicole, Uelis Eltern und die beiden Brüder waren auch viele Wegbegleiter aus der Bergsteiger-Szene gekommen: die Schweizer Stephan Siegrist, Roger Schaeli und Evelyne Binsack, die US-Amerikanerin Melissa Arnot-Reid, der Brite Jonathan Griffith, um nur einige zu nennen. Jon erinnerte daran, dass Ueli, selbst als er längst ein internationaler Star gewesen sei, keinerlei Allüren gehabt habe. „Er war ein Mensch wie du und ich. Er setzte sich einfach gerne hin und redete mit den Leuten“, sagte Griffith. Steck sei ein starker Mann gewesen, der seine Herausforderungen gelebt habe. „Sein Motto war: Nichts ist unmöglich. Ich vermisse seine Präsenz und Energie. Ich vermisse ihn als Freund und Mentor.“

Lieber Tiger als Schaf

Ueli Steck wenige Tage vor seinem tödlichen Absturz

Bei der bewegenden Gedenkfeier wurde auch an Uelis Lieblingsspruch erinnert, den er einst auf einem Schild an der Annapurna entdeckte und der ihn fortan durchs Leben begleitete: „Es ist besser, einen Tag lang ein Tiger zu sein, als tausend Jahre lang ein Schaf.“ Ueli – das belegten nicht nur die Redebeiträge, sondern auch die Bilder und Filmsequenzen, die gezeigt wurden – schlüpfte deutlich länger als einen Tag in die Rolle des Tigers. Steck inspirierte andere Menschen – ob beim Speedklettern in den klassischen Nordwänden der Alpen oder mit seinen Soloprojekten in den Südwänden der Achttausender Annapurna und Shishapangma. „Er hat eine riesige Lücke hinterlassen“, sagte sein früher Weggefährte Ueli Bühler. „Wenn es einen Trost gibt“, ergänzte Robert Bösch, „dann den, dass es im Tal des Schweigens passiert ist, umgeben von den höchsten Bergen.“ Dort, wo sich Ueli Steck am wohlsten fühlte.

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Göttler und Barmasse klettern durch Shishapangma-Südwand https://blogs.dw.com/abenteuersport/goettler-und-barmasse-klettern-durch-shishapangma-suedwand/ Tue, 23 May 2017 06:52:28 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36353

David Göttler am höchsten erreichten Punkt (im Hintergrund der Gipfel)

Wenige Meter haben bis ganz oben gefehlt, aber die Wand haben sie durchklettert. David Göttler und Hervé Barmasse stiegen am Sonntagmorgen in die Shishapangma-Südwand ein und kletterten in 13 Stunden bis knapp unter den 8027 Meter hohen Gipfel. „Eine letzte etwa zehn Meter lange Traverse und dann noch fünf Meter hoch auf den Gipfel waren uns von der Lawinengefahr her zu heikel“, schreibt mir David nach der Rückkehr ins Basislager. Ursprünglich hatten der 38-Jährige Deutsche und sein ein Jahr älterer Teampartner aus Italien eine neue Route durch die Südwand eröffnen wollen. Wie schon im Vorjahr, als David es mit dem Schweizer Ueli Steck versucht hatte, vereitelte das Wetter auch diesmal den Plan.

In Uelis Stil

David Göttler (l.) und Herve Barmasse (r.)

Wir hatten nur ein sehr kurzes Wetterfenster von ca. 24 Stunden mit wenig Wind und ohne Niederschlag“, schreibt Göttler. „Deshalb haben wir uns entschlossen, super leicht und schnell über die Girona-Route den Gipfel zu probieren.“ Die Route war 1995 von einem spanischen Team erstbegangen worden. Auch im Frühjahr 2016 war David mit Steck auf diesem Weg aufgestiegen, allerdings nur bis auf eine Höhe von 7800 Meter. Im vergangenen Februar hatten sich Steck, Göttler und Barmasse bei einem Intensiv-Trainingslager in Nepal gemeinsam auf ihre Expeditionen vorbereitet. Ueli war am 30. April am Nuptse in den Tod gestürzt. In ihren Gedanken sei er in der Shishapangma-Südwand mit dabei gewesen, sagt David. „Was mich persönlich glücklich macht ist, dass ich dieses Mal in dem Stil, den ich von Ueli gelernt habe, nach ganz oben gekommen bin. Und, dass Hervé und ich dort oben noch einen klaren Kopf hatten und auf die letzten Meter verzichtet haben. Diese Meter waren einfach, aber eben unserer Meinung nach bei diesen Bedingungen zu gefährlich.“

Wir wollen wiederkommen“

Einen weiteren Versuch, doch noch eine neue Route durch die Shishapangma-Südwand zu eröffnen, wird es nicht mehr geben – zumindest nicht in diesem Jahr. „Der Wetterbericht ist für die kommende Woche bis hin zum Ende des Monats nicht vielversprechend. Es kommt zwar um den 27. Mai herum nochmal weniger Wind, dafür aber Niederschlag“, schreibt Göttler. „Deshalb denken wir, dass wir keine Chance mehr für die neue Route haben. Wir werden hier für dieses Jahr zusammenpacken. Wir wollen aber wiederkommen.“ Beide kehren zufrieden aus Tibet heim, sagt David: „Für Hervé und mich war es eine der besten Leistungen, die wir bisher erbracht haben.“

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Steck im Kloster Tengboche eingeäschert https://blogs.dw.com/abenteuersport/steck-im-kloster-tengboche-eingeaeschert/ Thu, 04 May 2017 19:43:10 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36079

Kloster Tengboche

Das hätte ihm sicher gefallen. Im Kloster Tengboche im Khumbu-Gebiet, auf fast 4000 Metern, mit Blick auf Mount Everest, Lhotse und Ama Dablam, hat die Familie Ueli Stecks bei einer buddhistischen Trauerfeier Abschied von dem Schweizer Topbergsteiger genommen. Der 40-Jährige war am Sonntag am 7861 Meter hohen Nuptse in den Tod gestürzt. „Wie es der nepalesischen Tradition entspricht, wurde der Verstorbene in einer rund drei Stunden dauernden eindrücklichen Zeremonie eingeäschert“, teilte Stecks Familie auf Facebook mit.  An der Zeremonie hätten Uelis Frau Nicole, seine Eltern und Schwiegereltern teilgenommen. „Die Familie empfand das Zeremoniell als ausgesprochen feierlich und eindrucksvoll, als traurig und zugleich erlösend.“ Einen Teil der Asche werde die Familie mit zurück in die Schweiz nehmen, wo eine öffentliche Abschiedsfeier für Freunde, Bekannte und Weggefährten geplant sei. Ort und Zeit stünden noch nicht fest. Auf der Homepage Ueli Stecks wurde ein Online-Kondolenzbuch eingerichtet.

Akklimatisierungs-Plan kurzfristig geändert

Ueli Steck am Everest oberhalb von Lager 2

Die Familie äußerte sich auch zu dem Unfall. Steck sei am vergangenen Samstag bis Lager 2 auf 6400 Metern aufgestiegen. „Sein ursprünglicher Plan war, am nächsten Tag zur weiteren Akklimatisation auf der Everest-Normalroute zum knapp 8000 Meter hohen Südsattel aufzusteigen, um noch am gleichen Tag wieder ins Lager 2 zurückzukehren. Vom Lager 2 aus stellte Ueli fest, dass die Verhältnisse in der Nuptse-Wand ideal waren, weshalb er sich noch am Abend entschied, am folgenden Tag nicht zum Südsattel, sondern zum Nuptse aufzusteigen.“

Steck sei dann am Sonntag um 4.30 Uhr Ortszeit gemeinsam mit dem Franzosen Yannick Graziani von Lager 2 aus aufgebrochen. Während Graziani auf der Everest-Normalroute weiter aufgestiegen sei, sei Ueli in Richtung Nuptse abgebogen. „Uelis Unglück geschah auf rund 7600 Metern um etwa 9.00 Uhr (lokale Zeit). Seine Leiche wurde schließlich vom italienischen Helikopterpiloten Maurizio Folini auf einer Höhe von rund 6600 Metern geborgen und ins Spital von Kathmandu überführt. Die Absturzursache ist weiterhin unbekannt.“

Wo genau stieg Steck auf?

Nuptse-Nordflanke (vom Genfer Sporn am Everest aus)

Auch unter den Bergsteigern auf der Everest-Nordseite wird weiter über den tödlichen Unfall diskutiert. Ralf Dujmovits, der – wie berichtet – in diesem Frühjahr seinen achten und, wie er sagt, letzten Versuch macht, den höchsten Berg der Erde ohne Atemmaske zu besteigen, hielt sich zur Akklimatisierung am Everest-Nordsattel auf 7000 Metern, als ihn die Nachricht von Stecks Unfall am Nuptse erreichte: „Sein Tod hat mich sehr berührt – ich bin unendlich traurig.“ Dem 55 Jahre alten Deutschen war am Nuptse im September 1996 zusammen mit Axel Schlönvogt die zweite Begehung der Route über den Nordpfeiler gelungen, die 1979 von einer britischen Expedition unter Leitung von Doug Scott eröffnet worden war und die inzwischen, so Dujmovits, „leider zu einer Art Normalweg“ verkommen sei. „Ob Ueli allerdings diese Route, die inzwischen während des Vormonsuns oftmals mit Fixseilen versichert wird, begehen wollte, weiß ich nicht bzw. erscheint mir etwas Ueli-unlike“, schreibt mir Ralf. „Die argentinischen Brüder Benegas haben rechts des Pfeilers (also westlich) 2003 ein sehr schönes Couloir erstbegangen (Route ‚The Crystal Snake‘). Das würde mehr Uelis Stil entsprechen. Oder hat er eine neue Route noch weiter westlich ausgekundschaftet?“ Letztlich, so Dujmovits, könne er jedoch nur spekulieren. Steck hatte sich die Überschreitung von Everest und Lhotse vorgenommen, hatte aber auch eine Besteigungsgenehmigung für den Nuptse.

Dujmovits: „Einer der stärksten Allrounder“

Ralf Dujmoivts (im April am Cholatse)

„Ueli habe ich immer als sehr bodenständig, lebendig, ehrlich und freundlich erlebt“, schreibt Ralf über Steck. „Einer der stärksten Allround-Bergsteiger unserer Zeit, der sowohl bergsportspezifisches Training als auch Professionalität auf ein neues Niveau gehoben hat. Enttäuscht war ich über seinen Umgang mit dem Lawinen-Unfall 2014 an der Shisha Pangma. Sowohl der Öffentlichkeit als auch einem Kollegen gegenüber Fehler einzugestehen, hätte ihm sicher noch mehr Glanz verliehen.“

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Ines Papert zu Ueli Stecks Tod: „Es war SEIN Leben!“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/ines-papert-zu-ueli-stecks-tod-es-war-sein-leben/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/ines-papert-zu-ueli-stecks-tod-es-war-sein-leben/#comments Wed, 03 May 2017 09:36:07 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36059

Ueli Steck wenige Tage vor seinem tödlichen Absturz

Warum wählte Ueli Steck den Nuptse, um sich zu akklimatisieren? Das ist eine Frage, die ich mir stelle, seitdem sich am Sonntag die Nachricht vom Tod des Schweizers wie ein Lauffeuer verbreitete. Einige Tage zuvor war der 40-Jährige Richtung Everest-Westschulter geklettert. Das machte Sinn, schließlich plante er bei seiner Everest-Lhotse-Traverse den Aufstieg über Westgrat und Hornbein-Couloir zum höchsten Punkt. Aber der Nuptse? Nicht gerade die klassische Tour, um sich zu akklimatisieren. Und mit welchem Mehrwert, als nur weitere Höhenmeter zu machen?

Reinhold Messner mutmaßt, Ueli habe vielleicht nicht nur die angekündigte Traverse, sondern das „große Hufeisen“ im Visier gehabt, also die noch niemals versuchte Rundtour über Nuptse, Lhotse und Everest und die Grate dazwischen. Dafür sehe ich nach dem, was ich bisher gehört und gelesen habe, keinen Anhaltspunkt. Der Franzose Yannick Graziani schrieb in seinem Blog, dass Ueli ihn drei Tage vor seinem Tod gefragt habe, ob er nicht Lust habe, ihn auf den Nuptse zu begleiten. Der 43-Jährige, der in diesem Frühjahr den Everest ohne Flaschensauerstoff besteigen will,  lehnte ab. Es sei wirklich nur um eine Akklimatisationstour gegangen, ließ mich Yannicks Team auf Nachfrage wissen: „Ueli hat niemals über das Hufeisen geschrieben oder geredet. Er wartete darauf, dass sich sein Sherpa-Freund Tenji von seiner Erfrierung erholte, um mit ihm zusammen zur Westschulter aufzusteigen.“

Ich hatte am Montag einige Topbergsteiger angeschrieben und gefragt, wie sie Ueli erlebt haben. Zwei weitere Antworten erreichten mich.

Auer: „Ueli hat uns inspiriert und ermuntert“

Hansjörg Auer

Der 33 Jahre alte Österreicher Hansjörg Auer wurde in den USA von der Nachricht über Stecks Tod überrascht:

„Ueli war jemand, der sein Tun am Berg mit voller Passion und hohem persönlichen Einsatz betrieben hat. Er hat nicht nur viele Alpinisten inspiriert, sondern uns auch immer wieder mit seinen Ideen ermuntert, diesen notwendigen Schritt weiter zu gehen, um unsere Kultur des Bergsteigens neu zu definieren. Ich durfte mit ihm einige Male darüber diskutieren und werde sein sehr persönliches, wertschätzendes und aufmunterndes Email nach meinem Verlust von Gerry [Fiegl] am Nilgiri South [Fiegl stürzte im Herbst 2015 beim Abstieg von dem 6839 Meter hohen Berg im Westen Nepals in den Tod] nie vergessen. Lebe wohl, Ueli!“

Papert: „An den Grenzen des Menschenmöglichen“

Ines Papert

Nachdenkliche Worte fand die 43 Jahre alte deutsche Spitzenkletterin Ines Papert:

„Ich verliere Tränen über Uelis Verlust. Er hat im Alpinismus Unglaubliches bewegt und neue Maßstäbe gesetzt.

Aber kein Mensch ist unsterblich, auch nicht Ueli. Die Nachricht hat mich dennoch sehr hart getroffen, auch wenn sie nicht völlig unerwartet kam. Ich war über die Jahre immer ein wenig in Sorge und fragte mich, wie weit man das Limit pushen kann, ohne dabei Gefahr zu laufen, sein Leben zu verlieren. Ich bin sicher, es war ihm bewusst, wie nah er sich an der Kante befindet. Dies zu kritisieren, ist absolut vermessen, denn es war SEIN Leben, das Leben in den Bergen. Er hat es ERLEBT und war dabei sicher glücklich. 

Doch hoffte ich immer, dass er mit seinem Zugang zum Alpinismus nicht zu viele Nachahmer finden würde. Leichtigkeit (light and fast) bis zu einem gewissen Maß kann das Risiko an hohen Bergen enorm reduzieren. Doch je weiter man das Spiel treibt, umso näher ist man dem Tod. Dessen war sich Ueli bewusst, denn er war nicht nur unglaublich motiviert und stark sondern auch ein intelligenter Mensch. 

Es liegt viele Jahre zurück, dass wir gemeinsam die Route „Blaue Lagune“ an den Wendenstöcken [Gebirgsgruppe in den Urner Alpen in der Schweiz] geklettert sind, dass wir uns in der Pizzeria im Val di Cogne [Seitental des Aosta-Tals in Italien] nach dem Klettern getroffen haben und über ethische Fragen im Mixed-Klettern diskutiert haben. Er stand damals ganz am Anfang seiner Karriere, doch seine Begeisterung oder fast Besessenheit für das Klettern und die Herausforderung grenzwertiger Ambitionen war deutlich spürbar. Seinen Erfolg konnte ich später nur noch aus den Medien verfolgen, er hatte sich komplett in eine andere Richtung entwickelt, als ich selber.

Ich habe ihn immer sehr bewundert, wie weit er seinen Körper und Geist an die Grenzen des Menschenmöglichen treiben konnte. Gleichzeitig hatte ich immer die Befürchtung, es würde eines Tages schief gehen. Ein wenig tröstlich ist, dass er dort geblieben ist, wo sein Zuhause war: in den Bergen der Welt.“ 

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Siegrist: „Nur das Schwierigste war Ueli gut genug“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/siegrist-nur-das-schwierigste-war-ueli-gut-genug/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/siegrist-nur-das-schwierigste-war-ueli-gut-genug/#comments Mon, 01 May 2017 14:22:53 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36039

R.I.P., Ueli!

Die Bergsteigerszene ist noch immer wie paralysiert. So richtig begreifen kann es noch niemand, dass Ueli Steck nicht mehr unter uns ist. Der 40 Jahre alte Schweizer war gestern in unmittelbarer Nähe des Mount Everest tödlich abgestürzt. Seine Leiche wurde zu Füßen des Nuptse West gefunden und nach Kathmandu geflogen. Dort werden seine Frau, seine Eltern und weitere Verwandte erwartet. Nach Informationen der Zeitung „Himalayan Times“ soll Ueli in Nepal beigesetzt werden. Warum Steck abstürzte, wird wahrscheinlich niemals geklärt werden können. Schließlich war er wieder alleine unterwegs, um sich weiter auf die geplante Everest-Lhotse-Überschreitung vorzubereiten. Sein Teampartner Tenjing Sherpa hatte sich Erfrierungen zugezogen und Ueli nicht begleiten können.

„Wir hatten mehr als einmal Glück“

Ueli Steck

„Uns verband die gleiche Passion und unzählige gemeinsame Erlebnisse“, schreibt mir Stephan Siegrist. Der 44-jährige Schweizer lebt im selben Dorf wie Steck, in Ringgenberg am Brienzer See. Gerade in jungen Jahren waren die beiden häufig als Team unterwegs. „Wir haben viele Tage und Monate im In- und Ausland zusammen verbracht, manche Biwak-Nächte gemeinsam ‚durchfroren‘. Einige Erstbegehungen sind uns zusammen gelungen. Wir hatten auch mehr als einmal Glück, dass wir nicht gemeinsam abgestürzt sind.“

Inspirierender Ausnahmesportler

Stephan Siegrist

Ueli und er hätten „viele lustige Stunden beim Bergsteigen wie auch privat“ verbracht, erinnert sich Stephan. „Solche Erlebnisse und Seilschaften verbinden – auch wenn unsere Wege im Sport  über die Jahre andere Richtungen einschlugen. Auch waren wir nicht immer gleicher Meinung und verstanden den Alpinismus nicht immer gleich.“ Dennoch habe er Ueli „für sein kompromissloses Verfolgen eines Projekts, seinen Ehrgeiz und seinen Durchhaltewillen“ bewundert, sagt Siegrist. „Nur das Schwierigste war ihm gut genug – bis zum Schluss. Das machte seine Persönlichkeit als Bergsteiger aus. Er war ein inspirierender Ausnahmesportler.“

Göttler: „Auf ihn war hundertprozentig Verlass“

Ueli Steck (l.) und David Göttler (2016)

Das würde auch der deutsche Bergsteiger David Göttler unterschreiben. „Ich schätze mich glücklich, die letzten zwei Jahre mit Ueli immer wieder unterwegs gewesen zu sein und von seiner Art gelernt zu haben“, schreibt mir der 38-Jährige aus dem Basislager zu Füßen der Shishapangma-Südwand, durch die er gemeinsam mit dem 39 Jahre alten Italiener Hervé Barmasse eine neue Route eröffnen will. Im Frühjahr 2016 war David mit Ueli Steck an diesem Projekt gescheitert, weil das Wetter nicht mitgespielt hatte. Göttler, Barmasse und Steck hatten sich in diesem Februar mit einem Intensivtrainingslager im Khumbu-Gebiet gemeinsam auf ihre jeweiligen Expeditionen vorbereitet. „Ich verliere mit Ueli einen Freund und Seilpartner, auf den immer hundertprozentig Verlass war und mit dem ich noch viele gemeinsame Träume teilen wollte. Danke Ueli, für dieses kurze Stück gemeinsamen Wegs!“

Der Preis des Abenteuers

Für Oswald „Bulle“ Oelz, einen alten Weggefährten Reinhold Messners, ist Ueli Steck ein weiterer Freund, den er am Berg verloren hat. „Irgendwann einmal passiert es auch den Allerbesten“, sagte der 74 Jahre alte gebürtige Österreicher, der in der Schweiz lebt, dem Sender SRF. „Das ist der Preis des wirklichen Abenteuers. Da ist das tödliche Scheitern immer inbegriffen.“

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Zum Tode Ueli Stecks: Einer der Besten, aber kein Hasardeur https://blogs.dw.com/abenteuersport/zum-tode-ueli-stecks-einer-der-besten-aber-kein-hasardeur/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/zum-tode-ueli-stecks-einer-der-besten-aber-kein-hasardeur/#comments Sun, 30 Apr 2017 13:57:58 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36009

Ueli Steck (1976-2017)

Ueli Steck ist tot. Abgestürzt irgendwo am Everest. Unglaublich, ich kann es gar nicht fassen. Was ist passiert? Die genauen Umstände sind noch nicht klar. Die Leiche des 40-Jährigen wurde irgendwo zwischen Lager 1 (6100 Meter) und 2 (6400 Meter) gefunden. Steck sei alleine am Nuptse geklettert, abgerutscht und rund 1000 Meter abgestürzt, berichtet die in Kathmandu erscheinende Zeitung „The Himalayan Times“. In der vergangenen Woche hatte Ueli noch via Facebook von einem „schnellen Tag“ berichtet, mal eben vom Basislager bis auf 7000 Meter und wieder zurück. Das angehängte Foto zeigte ihn mit Trailrunning-Schuhen. Typisch Ueli, twitterte ich mit einem Augenzwinkern – und dem Gedanken: Nur einer wie er kann das erlauben, „the Swiss Machine“, der „Speedy Gonzales“ unter den Höhenbergsteigern, unbestritten einer der Besten.

Risiko akzeptieren

Ueli am Everest oberhalb von Lager 2

Ich habe Ueli oft getroffen oder mit ihm telefoniert. Er scheute das Risiko nicht, aber er war auch kein Hasardeur. So hatte ihn wohl sein größter Coup, die Solo-Durchsteigung der Annapurna-Südwand im Herbst 2013, sogar in eine tiefe persönliche Krise gestürzt: Er hatte das Gefühl, bei diesem Projekt die Schraube überdreht zu haben, weil er das Risiko eigentlich nicht mehr kontrollieren konnte. Risikomanagement war ein Thema, das ihn beschäftigte. „Sobald wir in die Berge gehen, egal auf welchem Niveau du es betreibst, besteht ein gewisses Risiko, dass ein Unfall passiert“, sagte er mir einmal. „Da gibt es für mich nur Schwarz-Weiß. Entweder ich akzeptiere das oder eben nicht. Wenn ich es nicht akzeptiere, darf ich nicht mehr in die Berge fahren. Und da sind mir halt das Bergsteigen und die Erlebnisse, die ich dabei habe, einfach zu wichtig und geben mir zu viel. Deshalb akzeptiere ich das Risiko.“

Ueli Steck: An der Annapurna, das war zu viel

„Mein Traumding“

Schnell unterwegs

Vor fünf Wochen, bevor Ueli Richtung Nepal abreiste, haben wir noch miteinander telefoniert. Er freute sich darauf, zum Mount Everest zurückkehren. Sein traumatisches Erlebnis dort im Frühjahr 2013 – den Angriff wütender Sherpas gegen ihn, Simone Moro und Jonathan Griffith im Hochlager – hatte er abgehakt. Voller Optimismus schaute er nach vorn. Sein Projekt, die Everest-Lhotse-Überschreitung, hatte es in sich, typisch Ueli halt: Über den selten begangenen Westgrat und das Hornbein-Couloir den Gipfel erreichen, dann zum Südsattel ab- , und (über die vom gebürtigen Kasachen Denis Urubko 2010 eröffnete Variante) zum 8611 Meter hohen Gipfel des Lhotse aufsteigen – wie immer bei seinen Achttausender-Projekten ohne Flaschensauerstoff.  „Das wäre mein Traumding“, sagte Ueli und blieb doch Realist: „Es müssen perfekte Verhältnisse herrschen, das Wetter muss gut und stabil sein. Ich glaube, es ist wichtig, dass man Ideen hat, aber am Ende am Berg entscheidet, was möglich ist und was nicht.“

Auf der gleichen Frequenz

Auf schmalem Grat

Wir vereinbarten, wieder miteinander zu sprechen, wenn er seine Akklimatisationsphase am Everest beendet haben würde. Nun werden wir nie mehr miteinander sprechen können. Weder über seine Projekt und Träume, noch über alles andere. Das macht mich traurig. Nicht nur, weil er ein großartiger Bergsteiger war, sondern auch, weil ich das Gefühl hatte, dass wir auf der gleichen Frequenz funken. Ueli wird mir fehlen, meine Gedanken sind bei seiner Frau Nicole und seiner Familie.

Eine Katze hat sieben Leben, wie viele er denn habe, fragte ich Ueli einmal. Er nahm sich Zeit für die Antwort: „Ja, wie viele Leben habe ich? Ich habe jetzt schon ein paar Mal Glück gehabt. Aber ich zähle das nicht, da machst du dich nur verrückt.“

Ueli Steck: Hatte schon ein paar Mal Glück gehabt

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Ueli Steck tödlich verunglückt https://blogs.dw.com/abenteuersport/ueli-steck-toedlich-verunglueckt/ Sun, 30 Apr 2017 12:19:16 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36011

Ueli Steck (1976-2017)

Ein schwarzer Tag für den Bergsport: Der großartige Schweizer Bergsteiger Ueli Steck ist am Everest in den Tod gestürzt. Das bestätigte das Management des 40-Jährigen. R.I.P, Ueli! Hier zunächst die offizielle Mitteilung:

Ueli Steck ist beim Versuch, den Mount Everest und den Lhotse zu besteigen, ums Leben gekommen. Seine Familie hat heute von seinem Tod Kenntnis erhalten. Die genauen Umstände sind derzeit noch unbekannt. Die Familie ist unendlich traurig und bittet die Medienschaffenden, aus Respekt und Rücksicht gegenüber Ueli derzeit auf Spekulationen über die Umstände von dessen Tod zu verzichten.

Sobald gesicherte Erkenntnisse über die Ursachen von Uelis Stecks Tod vorliegen, werden die Medien darüber informiert werden. Die Familie bittet die Medienschaffenden um Verständnis, dass sie derzeit keine weiteren Auskünfte erteilen wird.

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Zwei schnelle Männer am Everest: Jornet und Steck https://blogs.dw.com/abenteuersport/zwei-schnelle-maenner-am-everest-jornet-und-steck/ Tue, 25 Apr 2017 15:02:38 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=35923

Kilian Jornet (r.) und Emilie Forsberg (l.) in Kathmandu

„Ich fühle mich wirklich akklimatisiert und stark in der Höhe“, sagte Kilian Jornet. Und das schon bevor er am Wochenende Richtung Himalaya startete. Als Training für seine Achttausender-Expedition war der Speed-Spezialist mit seiner schwedischen Freundin Emelie Forsberg in Norwegen geklettert und am Tag vor dem Abflug noch bei der Trofeo Mezzalama gestartet, einem der klassischen Rennen für Skibergsteiger. Dabei hatte Kilian im Team mit den Schweizern Martin Anthamatten und Werner Marti bei den Männern den zweiten Rang belegt, Emelie hatte den Wettbewerb der Frauen an der Seite der Schweizerin Jennifer Fiechter und der Französin Laetitia Roux gewonnen. Über die nepalesische Hauptstadt Kathmandu reisten Jornet und Forsberg nach Tibet. Innerhalb der nächsten zwei Wochen wollen sie den Cho Oyu besteigen, mit 8188 Metern der sechsthöchste Berg der Erde. „Wenn alles klappt, könnten wir etwa am 7. oder 8. Mai auf dem Gipfel stehen“, sagte Emelie, für die es die erste Erfahrung an einem Achttausender ist. Und Kilian ergänzte: „Für mich wird es eine gute Vorbereitung für den Everest, weil ich dann bei der Ankunft dort noch besser akklimatisiert sein werde.“

Leicht und schnell

Kilian Jornet 2016 am Everest

Der 29 Jahre alte Katalane präzisierte seinen Plan für eine Speed-Besteigung des höchsten Bergs der Erde. Die peilt er für Ende Mai an. Begleitet wird Jornet diesmal am Everest nur von Kameramann Sébastien Montaz-Rosset. Er wolle entweder über das Norton- oder das Hornbein-Couloir zum Gipfel aufsteigen, sagte Kilian, „natürlich abhängig von den Bedingungen am Berg“. Zunächst plant er weitere Akklimatisierungstouren vom vorgeschobenen Basislager auf 6300 Metern aus. Dann will Jornet für seinen Speedversuch zum Kloster Rongbuk auf 5000 Metern zurückkehren, der letzten dauerhaft bewohnten Siedlung unterhalb des Gipfels. Von dort aus will er den Berg, wenn möglich, in einem Zug besteigen, ohne Flaschensauerstoff. „Leicht und schnell. Es gibt Leute, die meinen, das ist Wahnsinn“, sagt Kilian. „Aber für mich ist der Berg ein Raum, in dem jeder frei sein sollte, das zu tun, was er meint, schaffen zu können. Ich mag es, leicht unterwegs zu sein. Auf diese Weise verbringt man weniger Zeit in der Höhe und wird nicht so schnell müde, auch wenn einem bewusst sein sollte, dass die Expedition risikoreicher wird.“ Im Herbst vergangenen Jahres hatten die Schneemassen am Everest verhindert, dass Jornet überhaupt einen ernsthaften Speed-Versuch machen konnte.

Steck: „Sehr gute Bedingungen“

Ueli Steck oberhalb von Lager 2

Auch Ueli Steck ist ein schneller Mann, der übrigens auch schon mit Jornet gemeinsam im Eiltempo bergsteigen war. Der Schweizer Topbergsteiger ist schon seit fast zwei Wochen auf der Südseite des Mount Everest. Gerade hat der 40-Jährige zwei Nächte in Lager zwei auf 6400 Metern verbracht. „Schönes Wetter und warm“, schreibt Ueli auf Facebook. „Ich habe die Chance ergriffen und einen Blick Richtung Westschulter geworfen. Bisher sind die Bedingungen sehr gut. Aber das kann sich innerhalb eines Monats natürlich ändern.“ Sein Kletterpartner Tenjing Sherpa hat sich nach Uelis Worten Erfrierungen zugezogen. „Hoffentlich heilen sie bald aus, so dass wir wieder gemeinsam am Berg unterwegs sein können.“ Steck hat sich für dieses Frühjahr die Everest-Lhotse-Überschreitung vorgenommen. Wenn es die Bedingungen zulassen, will er über den selten begangenen Westgrat und das Hornbein-Couloir den Gipfel erreichen, dann zum Südsattel ab- , und (über die vom gebürtigen Kasachen Denis Urubko 2010 eröffnete Variante) zum 8611 Meter hohen Gipfel des Lhotse aufsteigen – wie immer bei seinen Achttausender-Projekten ohne Flaschensauerstoff. In dieser Aneinanderreihung ist die Traverse noch nie versucht worden. „Das wäre mein Traumding“, sagte mir Ueli vor der Expedition. „Aber ich bin auch realistisch und habe genug Erfahrung, um zu wissen, dass es nur klappen kann, wenn sehr, sehr viel stimmt. Es müssen perfekte Verhältnisse herrschen, das Wetter muss gut und stabil sein. Ich glaube, es ist wichtig, dass man Ideen hat, aber am Ende am Berg entscheidet, was möglich ist und was nicht.“

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Shishapangma-Südwand, die Zweite! https://blogs.dw.com/abenteuersport/shishapangma-suedwand-die-zweite/ Wed, 05 Apr 2017 13:04:00 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=35705

Shishapangma-Südwand

Diese Wand hat ihn gepackt. Das zweite Frühjahr in Folge wird der deutsche Profibergsteiger David Göttler versuchen, eine neue Route durch die Südwand der 8027 Meter hohen Shishapangma in Tibet zu eröffnen. Nach seinem gescheiterten Anlauf 2016 mit dem Schweizer Ueli Steck ist der 38-Jährige diesmal mit Hervé Barmasse unterwegs. Der 39 Jahre alte Italiener ist ein sehr erfahrener Kletterer, der in den letzten Jahren vor allem mit neuen Routen an seinem Hausberg, dem Matterhorn, für Schlagzeilen gesorgt hat. Auch im Karakorum und in Patagonien gelangen Hervé bereits spektakuläre Erstbegehungen. Auf einem Achttausender hat Barmasse bisher noch nicht gestanden. Ich erwische Göttler per Telefon am Tag seiner Abreise in den Himalaya, auf dem Weg zum Flughafen.

David, du bist auf dem Sprung nach Nepal. Mit welchem Gefühl startest du?

David Göttler

Ich bin sehr, sehr positiv gestimmt und total motiviert. Ich glaube, ich habe selten so viel an Zeit, Training und Vorbereitung für eine Expedition investiert. Es könnte eine neue Route an einem Achttausender herausspringen. Ich war im letzten Jahr schon einmal an der Shishapangma-Südwand und weiß, wie es dort aussieht, und dass es absolut möglich ist. Ich empfinde eine ziemliche Anspannung, aber in einem sehr positiven Sinn.

Du hat im Februar mit Hervé Barmasse und Ueli Steck intensiv im Khumbu-Gebiet trainiert. Hat sich dieses Vortraining in Nepal aus deiner Sicht bewährt?

Erst wenn wir jetzt nach zwei Wochen wieder aus dem Khumbu zurückkehren werden, kann ich sagen, ob es sich wirklich so ausgezahlt hat, wie wir uns das erhoffen. Aber wenn ich davon ausgehe, wie es sich zu Hause in den Bergen um Chamonix auf 4000 Metern angefühlt hat, kann ich schon jetzt sagen, dass ich einen sehr positiven Effekt spüre.

Barmasse, Steck, Tenji Sherpa und Göttler (v.l.n.r.)

Ihr werdet noch gut zwei Wochen in Nepal verbringen, bevor ihr nach Tibet zur Shishapangma weiter reist. Was genau plant ihr, um euch weiter zu akklimatisieren?

Wir wollen nicht so eine trainingsintensive Zeit wie im Februar verbringen, als wir wirklich viel herumgerannt sind, sondern wir wollen diesmal ein bisschen mit den Kräften haushalten. Aber natürlich werden wir uns bewegen. Wir haben unsere Sachen vom Februar in Chukhung [4730 Meter hoch gelegenes Dorf im Khumbu-Gebiet] deponiert. Dort werden wir wieder unser „Basislager“ aufschlagen. Von dort aus werden wir auf jeden Fall wieder den Island Peak [technisch relativ einfacher 6180 Meter hoher Berg] besteigen und die üblichen Pässe überqueren. Aber wir werden nichts wirklich Anspruchsvolles machen. Das heben wir uns für die Shishapangma auf.

Im vergangenen Jahr warst du mit Ueli Steck an der Südwand, jetzt mit Hervé Barmasse. Dasselbe geographische Ziel, auch exakt dasselbe sportliche Ziel?

Ich möchte die Idee aus dem letzten Jahr von der neuen Route durch die Shishapangma-Südwand jetzt mit Hervé realisieren. Das ist unser Ziel. 2016 endete es ja, bedingt durch das instabile Wetter, mit zwei Eintagesversuchen. Ich hoffe, dass wir in diesem Frühjahr in Tibet stabileres Wetter haben und diese neue Route wenigstens mal ernsthaft versuchen können – und hoffentlich auch schaffen.   

Steck und Göttler in der Shishapangma-Südwand (2016)

Ihr wart im letzten Jahr sehr schnell unterwegs. Nehmt ihr euch diesmal mehr Zeit?

Auf der neuen Route können wir nicht so schnell sein. Es ist technisches Gelände, die Schlüsselstelle, die man auf Fotos erkennt, ist ziemlich weit oben. Wir planen, insgesamt etwa drei Tage in der Wand zu sein. Da hat man automatisch nicht mehr diese hohe Geschwindigkeit, weil man Zelt, Schlafsack, Matte, Kocher und Essen braucht. Das ist ein riesiger Klotz am Bein, oder besser gesagt auf dem Rücken, und macht einen langsamer. Es wird nicht realisierbar sein, diese technisch doch anspruchsvolle Route in einem Tag hinaufzuklettern und abzusteigen. 

Erwägt ihr, wie Ueli und du im letzten Jahr, im Erfolgsfall eine Überschreitung des Gipfels und den Abstieg über die Nordseite der Shishapangma?

Wir wollen eher über die Südseite absteigen. Auch weil ich jetzt aus dem letzten Jahr zwei Abstiegs-Optionen kenne. Das ist vom Logistischen her deutlich einfacher. Eine Überschreitung haben wir diesmal jedenfalls nicht vordergründig im Sinn.

David auf dem Shishapangma-Grat

Glaubst du, dass sich eure Chancen dadurch erhöht haben, dass du im letzten Jahr schon mal dort warst?

Auf alle Fälle. Für solche anspruchsvollen Ziele muss man vielleicht immer zwei, drei Jahre investieren, um die Bedingungen besser kennenzulernen. Ich glaube, ich habe jetzt ein viel besseres Gespür für die Wand. Ich weiß ganz genau, was uns dort erwartet. Das ist zum einen mental ein Vorteil. Zum anderen konnte mich dementsprechend auch anders vorbereiten.

Aber das Wetter könnt ihr nicht beeinflussen.

Natürlich nicht. Ich hadere immer wieder damit, weil ich so viel in die Vorbereitung investiere und versuche, alle Unwägbarkeiten auszuschalten. Aber am Ende lasse ich mich auf ein Spiel ein, bei dem ich viele Komponenten nicht beeinflussen kann, wie das Wetter oder die Verhältnisse. Wenn so etwas passiert wie das Erdbeben 2015, ist man machtlos.

Die Spielregeln haben sich nicht geändert: Egal wie gut oder fit ich bin, am Ende hängt es davon ab, ob wir ein Wetterfenster von drei, vier Tagen bekommen, währenddessen wir einen ordentlichen Versuch machen können. Auf der einen Seite hadere ich damit ein bisschen, auf der anderen Seite ist es das, was das Expeditionsbergsteigen auch ausmacht, dass man eben nicht diese Sicherheit hat.

Hervé Barmasse

Du bist nun erstmals mit Hervé auf Expedition? Stimmt die Chemie zwischen euch beiden?

Ja. Es ist einfach immer gut, mit einem Italiener unterwegs zu sein, da hast du immer eine Gaudi. Wir sind etwa gleich alt, wir haben auch viele Gemeinsamkeiten im Leben, so wie wir aufgestellt sind. Wir kennen uns schon länger, haben zusammen trainiert und waren auch schon gemeinsam unterwegs. So etwas Großes haben wir jedoch noch nie zusammen gemacht. Aber ich habe ein super Gefühl. Ich glaube, wir funktionieren sehr gut als Team. Das wird dieses Mal auch sehr wichtig sein. Außer Hervé und mir werden nur noch ein Koch und ein Küchenjunge im Basislager sein. Das wird einsamer als zum Beispiel am Nanga Parbat im Winter. Ich freue mich schon riesig darauf, dieses ungefilterte, pure Expeditions-Feeling in so einem kleinen Team zu erleben.

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Steck vor Everest-Expedition: „Eher spät als früh“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/steck-vor-everest-expedition/ Tue, 21 Mar 2017 11:30:19 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=35523

Ueli Steck

Er schaut nach vorn, nicht zurück. „Was 2013 am Everest passiert ist, werde ich nie mehr vergessen“, sagt mir der Schweizer Topbergsteiger Ueli Steck. „Aber ich glaube, dass ich damit absolut kein Problem haben werde. Es ist vorbei. Ich bin sehr motiviert und fahre mit einem sehr guten Gefühl.“ Im Frühjahr 2013 hatte ein aufgebrachter Sherpa-Mob Steck, den Italiener Simone Moro und den Briten Jonathan Griffith im Hochlager angegriffen und mit dem Tod bedroht. Jetzt kehrt Ueli zum höchsten Berg der Erde zurück. Sein Ziel: die Überschreitung von Mount Everest und Lhotse.

Der 40-Jährige wird mit Tenji Sherpa klettern, mit dem er bereits 2012 den Everest ohne Flaschensauerstoff bestiegen hatte. Der 24-Jährige gehöre „zu einer neuen Generation von Sherpas, die auch wirklich Spaß am Bergsteigen hat und nicht nur Business machen will“, sagt Ueli. „Ich freue mich darauf, mit ihm unterwegs zu sein. Wie berichtet, hatte Steck im Februar als Vorbereitung ein Intensivtrainingslager mit dem Deutschen David Göttler und dem Italiener Hervé Barmasse im Khumbu-Gebiet absolviert. Anschließend kehrte Ueli für einige Wochen in die Schweiz zurück. Am 8. April startet er Richtung Kathmandu.

Ueli, im Februar beim Trainingslager in Nepal bist du 250 Kilometer über 15.000 Höhenmeter gelaufen und geklettert. Wie viel ist seitdem dazugekommen?

Berglauf im Khundu (vom Cho La hinunter nach Gokyo, im Hintergrund der Gokyo Ri)

Das kann ich nicht so genau sagen. Ich habe eh nicht mehr so viel Volumen gemacht, sondern mich auf intensive Trainings konzentriert. Aber letzte Woche habe ich noch mal 10.000 Höhenmeter gemacht. Insgesamt dürften etwa 25.000 Höhenmeter dazugekommen sein.

Wie sieht dieses intensive Training aus?

Hauptsächlich mache ich Intervall- und Schwellentraining. Das sind relativ kurze Belastungen, aber in einer hohen Pulsfrequenz. Dabei geht es darum, den Maximalpuls zu verschieben.

Wie würdest du deinen derzeitigen körperlichen Zustand beschreiben?

Wenn du mich heute fragst, ist er eigentlich perfekt. Ich kann jetzt auch nicht mehr viel verändern, es geht nur noch um Feintuning. Eine große Leistungssteigerung kriege ich nicht mehr hin, bevor ich abreise. Aber im Moment bin ich topfit, die Leistungsparameter sind eigentlich sensationell. Ich habe geplant, dass ich das jetzt sehr wahrscheinlich jedes Jahr so machen werde.

Ueli und Tenji auf dem Island Peak

Wie geht die Akklimatisation in Nepal weiter?

Ich werde direkt ins Basislager gehen. So wie ich es einschätze, kann ich vielleicht am zweiten Tag nach Ankunft sofort nach Lager 2 [auf 6400 Metern] aufsteigen und dort Zeit verbringen. Für mich ist es wichtig, dass ich, bevor es richtig losgeht, auch mal zwei Nächte auf dem Südsattel auf knapp 8000 Metern geschlafen habe. Aber ich werde sicher während der Akklimatisierung auch auf die Westschulter steigen, um zu sehen, wie die Verhältnisse sind.

Liebäugelst du immer noch mit einem Aufstieg über die Westschulter?

Es wäre schon das Eleganteste, wenn wir die Überschreitung über das Hornbein-Couloir zum Gipfel, dann hinunter zum Südsattel und hinauf zum Lhotse machen könnten. Das wäre mein Traumding. Aber ich bin auch realistisch und habe genug Erfahrung, um zu wissen, dass es nur klappen kann, wenn sehr, sehr viel stimmt. Es müssen perfekte Verhältnisse herrschen, das Wetter muss gut und stabil sein. Ich glaube, es ist wichtig, dass man Ideen hat, aber am Ende am Berg entscheidet, was möglich ist und was nicht.

Everest (l.) und Lhotse (Mitte)

Die Überschreitung von Everest und Lhotse ist noch niemals ohne Flaschensauerstoff gelungen. Wie groß schätzt du die Chance ein?

Da muss schon etwas ziemlich schief gehen, damit die Überschreitung über die Normalroute nicht geht. Doch wir haben es im letzten Jahr an der Shishapangma gesehen: Wenn das Wetter nicht passt, hast du einfach keine Chance. Wie hoch die Chance tatsächlich ist, weiß man niemals im Vorfeld. Aber ich glaube, dass es für mich sehr gut machbar ist.

Viele erwarten für dieses Frühjahr eine Rekordsaison am Everest, sprich der Berg wird richtig voll. Das klingt nicht gerade nach idealen Voraussetzungen für sein so ambitioniertes Projekt wie eine Überschreitung.

Wie viele Leute am Berg sind, hat überhaupt keinen Einfluss. Es ist egal, wenn die Leute am Fixseil im Stau stehen. Du brauchst dich ja nicht einzuklinken, sondern kannst nebenher gehen.

Könnte es vielleicht ein Rezept sein, möglichst früh in der Saison den Aufstieg zum Gipfel in Angriff zu nehmen?

Früh in der Saison stellt sich ja häufig das Problem, dass es noch sehr kalt ist. Wenn du ohne Flaschensauerstoff gehst, sollte es jedoch relativ warm sein. Von daher ist früh sehr wahrscheinlich keine Option. Ich werde eher spät gehen. Lassen wir mal das erste Wetterfenster vorbeiziehen, dann sind schon mal die meisten oben gewesen, und man hat mehr Ruhe am Berg. Ich glaube, dass es eher darauf hinausläuft.

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Expeditionsvorbereitung der besonderen Art https://blogs.dw.com/abenteuersport/expeditionsvorbereitung-der-besonderen-art/ Tue, 21 Feb 2017 11:00:30 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=35115

Barmasse, Steck, Tenji Sherpa und Göttler (v.l.n.r.)

Was für eine hochkarätige Trainingsgruppe! Der Schweizer Ueli Steck, der Nepalese Tenji Sherpa, der Deutsche David Göttler und der Italiener Hervé Barmasse bereiteten sich zehn Tage lang gemeinsam im Dorf Chukhung im Everest-Gebiet auf ihre Expeditionen im Frühjahr vor. Steck und Tenji Sherpa planen die Überschreitung von Mount Everest und Lhotse. Ohne Flaschensauerstoff ist das bisher noch niemandem gelungen. Göttler und Barmasse wollen in Tibet eine neue Route durch die Shishapangma-Südwand eröffnen. Beim gemeinsamen Training standen Bergläufe im Vordergrund. „Ich bin drei Mal von Chukhung (4730 Meter) aus auf den Gipfel des Island Peak (6180 Meter) gerannt“, schreibt Ueli. Er sei insgesamt rund 12.000 Höhenmeter geklettert und gelaufen und habe dabei eine Distanz von rund 150 Kilometern zurückgelegt. „Meinem Körper und meiner Seele geht es großartig“, sagt Steck. „Ich genieße es wirklich, mit so guten Freunden hier in Nepal zu sein. Einfach klettern und rennen und sonst nichts.“

„Persönliches Experiment“

Ueli (l.) und Tenji auf dem Island Peak

Derzeit setzen die vier Bergsteiger ihr Trainingsprogramm in der Gegend rund um Namche Bazaar fort, dem 3440 Meter hoch gelegenen Hauptort der Khumbu-Region. Anschließend werden sie für vier Wochen nach Europa zurückkehren. Eine ungewöhnliche Form der Vorbereitung. „Es ist ein persönliches Experiment von uns allen“, schreibt mir David Göttler auf meine Frage, ob in der Zwischenzeit nicht der Akklimatisierungseffekt wieder verpufft. „In der Zeit daheim wollen wir möglichst oft maximal hoch schlafen oder bergsteigen. Wir sind uns fast sicher, dass es was bringt in Sachen schnellere Akklimatisation, wenn wir dann im April wieder hierherkommen für die eigentlichen Expeditionen. Wir werden sehen, ob der Plan aufgeht.“

Hervés Traum

Training für die Shishapangma-Südwand

David und Ueli waren im Frühjahr 2016 bei ihrem Versuch, eine neue Route durch die Shishapangma-Südwand zu eröffnen, vom schlechten Wetter gestoppt worden. „Mich hat die Südwand wirklich begeistert, und ich will da einfach nochmal hin“, schreibt Göttler. „Hoffentlich haben wir dieses Jahr besseres Wetter!“ Da Steck wegen seines Everest-Lhotse-Projekts diesmal nicht als Partner zur Verfügung stand, hat sich David mit Hervé Barmasse zusammengetan. Der 39-Jährige ist ein sehr erfahrener Kletterer, der in den letzten Jahren vor allem mit neuen Routen an seinem Hausberg, dem Matterhorn, für Schlagzeilen gesorgt hat. Auch im Karakorum und in Patagonien gelangen Hervé bereits spektakuläre Erstbegehungen. Im vergangenen Jahr hatte sich Barmasse zweimal operieren lassen müssen. „Er ist wieder zurück im Spiel“, schreibt David über den Italiener, der noch nie auf einem Achttausender gestanden hat. „Es bleibt mein Traum, meinen ersten Achttausender auf einer neuen Route zu besteigen“, hatte mir Hervé bei einem Treffen im November 2012 erzählt. Daran dürfte sich nichts geändert haben.

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