Tibet – Abenteuer Sport https://blogs.dw.com/abenteuersport Blog über Expeditionen und Grenzerfahrungen Wed, 06 Mar 2019 10:38:57 +0000 de-DE hourly 1 Zu jung für Todesgefahr https://blogs.dw.com/abenteuersport/zu-jung-fuer-todesgefahr/ Thu, 06 Aug 2015 13:30:09 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=30253 Tyler Armstrong (2013 am Aconcagua)

Tyler Armstrong (2013 am Aconcagua)

Tyler Armstrong will den Rekord. Oder sind es vielleicht doch eher seine Eltern, die es wollen? Oder alle drei? Wie auch immer, die Familie des elfjährigen (!) US-Amerikaners hat angekündigt, dass Tyler im nächsten Frühjahr versuchen werde, den Mount Everest zu besteigen. Verrückt! Dann wäre Tyler zwölf Jahre und vier Monate alt, anderthalb Jahre jünger als sein Landsmann Jordan Romero, der 2010 den Everest von Tibet aus bestieg und seitdem als jüngster Besteiger des höchsten Bergs der Erde geführt wird.

Tränen im Hochlager

Jordan Romero (2010)

Jordan Romero (2010)

Schon damals gab es – wie ich finde, absolut notwendig – eine Debatte darüber, ob es verantwortbar ist, dass ein so junger Mensch auf den Everest steigt und dabei sein Leben riskiert, womöglich noch angetrieben von überehrgeizigen Eltern. Ein Bergsteiger, der 2010 auch am Everest unterwegs war, erzählte mir, dass Jordan im Zelt auf 7000 Metern Höhe bitterlich geweint habe und seine Eltern ohne Unterlass auf ihn eingeredet hätten. Später wiederholte Romero gebetsmühlenartig, es sei sein eigener Wunsch gewesen, den Everest zu besteigen.

Butterweiche Regel

Everest-Nordseite

Everest-Nordseite

Als Reaktion auf die weltweite Kritik am Aufstieg des Teenagers verkündete die China Tibet Mountaineering Association im Sommer 2010, dass sie künftig nur noch Everest-Permits für Bergsteiger ausstellen werde, die älter als 18 Jahre sind. Allzu lange wurde die Regel jedoch nicht eingehalten. 2014 bestieg die Inderin Malavath Poorna von Tibet aus den Everest. Mit 13 Jahren und elf Monaten war sie nur einen Monat älter als Romero und wurde so die jüngste Frau oder eher das jüngste Mädchen, das jemals auf dem Dach der Welt stand.

Wenn Tyler Armstrong sich im nächsten Frühjahr wirklich auf den Weg zum Everest machen sollte, wird er – wenn überhaupt – wohl auch nur auf der tibetischen Nordseite eine Chance erhalten. In Nepal gilt nach den Regeln für Expeditionen, die seit 2002 unverändert Bestand haben, ein Mindestalter von 16 Jahren.

Temba Tsheri: „Zu wenig Erfahrung“

Temba Tsheri Sherpa

Temba Tsheri Sherpa

So alt, nämlich 16 Jahre, war im Mai 2001 Temba Tsheri Sherpa, als er von Süden aus als damals jüngster Bergsteiger aller Zeiten zum Gipfel des Everest aufstieg. „Ich denke, ich hatte damals nicht genug Erfahrung. Das war mein erster Versuch überhaupt an einem Achttausender“, sagt mir der 30-Jährige im Rückblick selbstkritisch. „Ich hätte eigentlich vorher mehr Bergerfahrung sammeln müssen.“ Auf meine Frage, ob er sein eigenes Kind so früh auf den Everest steigen lassen würde, antwortet Temba Tsheri: „Vielleicht nicht.“

Der Sherpa war immerhin ein Jugendlicher, als er den Everest bestieg. Tyler Armstrong wäre dagegen als Zwölfjähriger immer noch ein Kind. Als solches verspricht ihm die UN-Kinderrechtskonvention „wegen seiner mangelnden körperlichen und geistigen Reife“ besonderen Schutz und besondere Fürsorge. „Wenn man die Gefahr als Kriterium nimmt, müsste Tylers Aufstieg verboten werden. Denn sein Leben ist am Everest gefährdet”, findet Temba Tsheri.

Ausnahme-Permits

Tylers Eltern scheinen sich nicht um die Gesundheit ihren Filius‘ zu sorgen. Armstrong bestieg 2012 schon als Achtjähriger den Kilimandscharo, den mit 5895 Metern höchsten Berg Afrikas, ausgestattet mit einem „Special Permit“, weil die Altersgrenze dort eigentlich bei zehn Jahren liegt. Auch am 6962 Meter hohen Aconcagua, dem höchsten Berg Südamerikas, erwirkten die Eltern eine Ausnahme vom Alterslimit 14 Jahre. Ende 2013 wurde Tyler der jüngste Aconcagua-Besteiger aller Zeiten: mit neun Jahren. Und jetzt auf den Everest? Wenn das so weiter geht, wird bestimmt demnächst im Basislager eine Kindertagesstätte aus der Taufe gehoben, für die ganz jungen Gipfelaspiranten. Direkt neben dem Seniorenzentrum, für die Ü80er, die sich den Altersrekord schnappen wollen.

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Keine Tibet-Expeditionen im Herbst https://blogs.dw.com/abenteuersport/keine-tibet-expeditionen-im-herbst/ Tue, 04 Aug 2015 14:30:45 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=30239 Auf dem Cho Oyu (8188 Meter)

Auf dem Cho Oyu (8188 Meter) in Tibet

China macht Tibet für den Rest des Jahres für Bergsteiger dicht. “Das stimmt”, bestätigt mir Dawa Steven Sherpa vom nepalesischen Expeditionsveranstalters Asian Trekking per Email. „Die chinesischen Behörden haben beschlossen, in diesem Herbst keine Permits (Besteigungsgenehmigungen) auszustellen, weil sie weitere seismische Aktivität in der Region befürchten und deswegen annehmen, dass die Berge in einem gefährlichen Zustand sein könnten.“ Zudem sei die Straße von Kathmandu über Kodari nach Tibet wegen der Schäden durch das verheerende Erdbeben im Frühjahr immer noch gesperrt. „Deshalb wäre es auch nicht möglich, Material und Logistik für die Expeditionen von Nepal nach Tibet zu transportieren“, schreibt Dawa Steven. Die China Tibet Mountaineering Association (CTMA) wolle erst im Frühjahr 2016 wieder Permits für die hohen Berge Tibets ausstellen.

Xi kommt

Die Shishapangma (8027 Meter) in Tibet

Die Shishapangma (8027 Meter) in Tibet

Auch der Schweizer Veranstalter Kari Kobler hat seine ursprünglich für Herbst geplanten Expeditionen zum Cho Oyu und zur Shishapangma aus dem Programm genommen. Neben den Erdbebenschäden an der Straße nach Tibet nennt mir Kari einen weiteren Grund dafür, dass China keine Permits ausstellt: „Der chinesische Staatspräsident besucht Tibet in den ersten zwei September-Wochen.“ Vor 50 Jahren, im September 1965, hatte China das zuvor besetzte Tibet zur „Autonomen Region“ erklärt. Mit einigen Veranstaltungen in Tibet feiert sich die chinesische Regierung selbst. Um mögliche Proteste von Tibetern im Keim zu ersticken, wird es wahrscheinlich ein großes Aufgebot an Sicherheitskräften geben – erst recht, wenn Präsident Xi Jingping persönlich aufkreuzt. Ausländische Augenzeugen waren auch schon bei ähnlichen Anlässen in der Vergangenheit unerwünscht. Dies dürfte der Hauptgrund für die Absage aller Expeditionen sein, wie das Beispiel von International Mountain Guides (IMG) zeigt.  Der US-Veranstalter hatte wegen der Folgen des Bebens in Nepal direkt über die tibetische Hauptstadt Lhasa zum Cho Oyu reisen wollen, erhielt aber unter Hinweis auf die Jubiläumsfeiern in Tibet ebenfalls kein Permit.

Ausweichziel Manaslu

Der Manaslu (8163 Meter) in Nepal

Der Manaslu (8163 Meter) in Nepal

„Aufgrund der derzeit brüchigen politischen Lage in Tibet können wir keinen garantierten Zugang unserer Expeditionen gewährleisten“, teilt auch der neuseeländische Veranstalter Himalayan Experience  mit. Himex hat den Cho Oyu für kommenden Herbst gestrichen und durch eine Expedition zum Manaslu ersetzt. Der achthöchste Berg der Erde ist ein beliebtes Ausweichziel, wenn China die Grenze nach Tibet schließt. Schon im Herbst 2012 waren viele Veranstalter auf den Manaslu ausgewichen. Auch in diesem September und Oktober dürfte es im Basislager zu Füßen des „Bergs der Seele“ eng werden. Viele der westlichen Anbieter, darunter auch der deutsche Veranstalter Amical alpin, machen sich in der anstehenden Nach-Monsun-Zeit mit ihren Kunden auf den Weg zum Manaslu. Die Behörden Nepals haben trotz des Erdbebens im Frühjahr mit fast 9.000 registrierten Toten und über 22.000 Verletzten keine Bedenken, Permits für Achttausender-Expeditionen auszustellen.

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Everest-Permits hier und dort https://blogs.dw.com/abenteuersport/everest-permits-hier-und-dort/ Wed, 06 May 2015 14:04:29 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=29385 Südseite des Mount Everest

Südseite des Mount Everest

Die Basislager auf beiden Seiten des Mount Everest haben sich elf Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal geleert. Die Bergsteiger sind auf der Rückreise. Was geschieht nun mit ihren Permits, den Besteigungsgenehmigungen, wo sie doch nicht einmal einen Versuch machen konnten, den höchsten Berg der Erde zu besteigen? In Nepal hat das Sagarmatha Pollution Control Commitee (SPCC) die Regierung aufgefordert, die Permits von 2015 auch im kommenden Jahr anzuerkennen.

Zu hohes Risiko

Das SPCC ist dafür zuständig, das ein Team darauf spezialisierter Sherpas die Route durch den Khumbu-Eisbruch einrichtet und instand hält. Das Komitee verteidigte seinen Beschluss, die „Icefall Doctors“ nicht mehr ins Basislager zurückgeschickt zu haben. Das Erdbeben am 25. April hatte eine Lawine vom Pumori ausgelöst, die 19 Menschen im Basislager das Leben gekostet hatte. „Das Risiko ist in der gegenwärtigen Situation nicht verantwortbar“, heißt es in der Erklärung des SPCC. Außerdem sei das Zeitfenster bis zum Beginn des Monsuns inzwischen zu knapp. „Viele Icefall Doctors und andere Sherpas, die für die Expeditionen arbeiteten, beklagen in ihren Familien Tote oder Verletzte“, teilt das SPCC mit.

Regierung prüft

Die Permits in Nepal gelten bis Ende Mai. Die Verantwortlichen in Kathmandu halten sich in der Frage bedeckt. „Die Regierung prüft, ob es besser ist, das Geld [11.000 US-Dollar je Expeditionsteilnehmer] zurückzuerstatten oder die Gültigkeit der Permits zu verlängern“, sagte Tulsi Prasad Gautam, Generaldirektor des nepalesischen Tourismusministeriums. Das werde mindestens zwei Monate dauern. Nachdem die Everest-Saison 2014 wegen des Lawinenunglücks mit 16 Toten vorzeitig zu Ende gegangen war, hatten die Behörden die Permits bis 2019 verlängert – für diese Entscheidung allerdings elf Monate benötigt.

China reagiert unbürokratisch

Everest-Nordseite

Everest-Nordseite

Wie man unbürokratisch und schnell reagiert, haben die chinesischen Behörden vorgemacht – bisher nicht gerade für ein solches Verhalten bekannt. Nachdem sie in der vergangenen Woche alle Aktivitäten an den Bergen Tibets gestoppt hatten, verkündeten sie, dass die Permits für den Everest sowie die beiden anderen tibetischen Achttausender Cho Oyu und Shishapangma drei Jahre lang gültig bleiben. Es werde nur eine Bearbeitungsgebühr von 500 bzw. 300 Dollar fällig.  Die Expeditionen erhielten zudem ein Schreiben, in dem der chinesisch-tibetische Bergsteiger-Verband CTMA seine Entscheidung begründet, die Saison abzubrechen: „Das verheerende Erdbeben in Nepal hat die Beschaffenheit von Eis und Schnee im ganzen Himalaya verändert. Die Auflage wird instabil und gefährlich, zu jeder Zeit können Lawinen abgehen. Die Nachbeben dauern an, dazu gibt es schlechtes Wetter. Weitere Unglücke werden folgen. Das Risiko beim Bergsteigen steigt erheblich.“ Viele Sherpas aus Nepal wollten in ihre Heimat zurückkehren, so die CTMA. Und schließlich zeige der Beschluss, die Saison zu beenden, auch den „Respekt vor den Toten“ auf der Südseite des Mount Everest.

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Kostenloser Rückflug aus Tibet für alle Sherpas? https://blogs.dw.com/abenteuersport/kostenloser-rueckflug-fuer-alle-sherpas/ Mon, 04 May 2015 12:25:34 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=29347 Der Potala-Palast in Lhasa

Der Potala-Palast in Lhasa

China zeigt sein freundliches Gesicht. Für den 10. Mai plane die chinesische Regierung, „den gesamten Sherpas (also nicht nur den Hochträgern, sondern auch den Köchen und Küchenhelfern) einen kompletten Charterflug von Lhasa nach Kathmandu kostenlos zur Verfügung zu stellen“, schreibt mir Ralf Dujmovits und spricht von einer „großzügigen Geste“ – trotz  der zu erwartenden Propaganda der Chinesen. Der erfolgreichste deutsche Höhenbergsteiger ist inzwischen wie viele andere westliche Bergsteiger, die in Tibet auf Expedition waren, in Lhasa eingetroffen. „Die China Tibet Mountaineering Association (CTMA) trägt großzügig die Kosten für den Rücktransport nach Lhasa, Unterbringung und Verpflegung. Und sie kümmert sich um die Visaformalitäten der gesamten gestrandeten Bergsteiger an allen tibetischen Gipfeln“, berichtet der 53-Jährige. Der Landweg von Tibet nach Nepal ist neun Tage nach dem verheerenden Erdbeben blockiert. Chinesische Helfer versuchen seit gestern, vom nepalesischen Grenzort Kodari aus mit schwerem Gerät die Verbindungsstraße nach Kathmandu freizuräumen.

Zimmergroße Felsblöcke

Das ABC am Everest vor der Absage der Saison

Das ABC am Everest vor der Absage der Saison

Ursprünglich hatte Ralf zusammen mit der kanadischen Bergsteigerin Nancy Hansen den Everest von Norden aus ohne Flaschensauerstoff besteigen wollen. Als die Erde in Nepal bebte, waren die beiden gerade oberhalb des Chinese Base Camp auf etwas 5200 Metern unterwegs. „Wir rannten um unser Leben, als zimmergroße Felsblöcke von den über uns liegenden Moränenhängen zu uns herunter donnerten“, schreibt Ralf. Als die chinesischen Behörden schließlich vier Tage später alle Berge Tibets sperrten, weil sie die Gefahr weiterer Beben für zu groß erachteten, hielten sich Ralf und Nancy bereits im vorgeschobenen Basislager (ABC) auf 6400 Metern auf. Sie seien dann sofort zurückgekehrt. „Am ehesten beschreibt ‚Leere‘ meine und unsere Stimmung“, sagt Ralf. „Tausende Menschen sind auf beiden Seiten des Himalaya-Hauptkamms gestorben, Zehntausende sind obdachlos, und große Not und unüberschaubares Elend liegt vor den Überlebenden. Nancy und ich möchten kein einziges Wort der Enttäuschung äußern. Wir hatten Hoffnungen und Träume – und sind (auf der Everest-Nordseite) in erster Linie mit dem Leben davon gekommen.“ Dominik Müller, Chef des Expeditionsveranstalters Amical alpin, berichtet auf Facebook, dass am Samstag vom Nordsattel eine große Lawine abgegangen sei: „Es war richtig, alle Aktivitätan am Berg einzustellen.“

Noch immer viele Vermisste

Dujmovits und Hansen planen, von Lhasa aus nach Kathmandu zu fliegen. Ralf will sich im östlich der nepalesischen Hauptstadt gelegenenen Distrikt Sindhupalchowk ein Bild von der Lage zu machen. Er hatte dort zusammen mit der Nepalhilfe Beilngries vor einigen Jahren den Bau zweier Schulen auf den Weg gebracht. „Beide sollen schwer beschädigt oder zerstört sein“, schreibt Ralf. Das Erdbeben hatte diese Region, in der auch der Langtang-Nationalpark liegt, besonders schwer getroffen. Die Regierung hat dort bis heute bereits mehr 2800 Tote registriert. Mehrere hundert Menschen werden noch vermisst. Darunter sind zahlreiche Trekkingtouristen, auch aus Deutschland. Insgesamt stieg die Zahl der Toten auf über 7300.

P.S.: Auch die Nepalhilfe Beilngries hat ein Spendenkonto für die Lawinenopfer eingerichtet: Volksbank Bayern Mitte eG, IBAN: DE05 7216 0818 0004 6227 07, SWIFT-BIC: GENODEF1INP, Kennwort:„Erdbeben“.

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Everest-Saison in Tibet beendet https://blogs.dw.com/abenteuersport/everest-saison-in-tibet-beendet/ Wed, 29 Apr 2015 14:29:49 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=29283 Die Nordseite des Mount Everest

Die Nordseite des Mount Everest

Eines möchte ich vorausschicken. Angesichts des Leids in Nepal nach dem Erdbeben vom vergangenen Samstag – inzwischen wurden mehr als 5000 Tote und 10.000 Verletzte gezählt – ist das, was auf der tibetischen Nordseite des Mount Everest geschieht, eher belanglos. Doch ich berichte eben auch über die Folgen der schrecklichen Tragödie für die Bergsteiger in der Region – und in Tibet halten sich noch mehrere hundert auf, darunter auch viele Sherpas aus Nepal. Alle machen sich jetzt auf den Heimweg. Egal, ob sie wollen oder nicht, sie müssen. „Es ist offiziell: Der Everest ist für diese Saison geschlossen“, schreibt Expeditionsleiter Dominik Müller, Chef des deutschen Veranstalters Amical Alpin, aus dem „Chinese Basecamp“ auf der Nordseite des Mount Everest. Müller hatte bereits gestern seine Expedition abgebrochen, einen Tag vor dem entscheidenden Treffen der Expeditionsleiter mit Vertretern des chinesisch-tibetischen Bergsteiger-Verbands CTMA im Basislager auf 5150 Meter Höhe.

Straße nach Nepal gesperrt

Andere Bergsteiger bestätigen, dass die chinesischen Behörden alle weiteren Aktivitäten am höchsten Berg der Erde und auch den anderen Bergen Tibets untersagt hätten. „Träume sind gerade geplatzt“, schreibt der österreichische Bergsteiger Alois Fuchs in seinem Internet-Tagebuch. „Es wird angenommen, dass sich die Erdbebentätigkeit Richtung Mount Everest (Tingri) verschiebt und noch nicht abgeschlossen ist. Die Gefahr von Steinschlag und Lawinen kann niemand genau abschätzen, und deshalb wurden alle Berge in dieser Gegend gesperrt. Das bedeutet für uns: Mount Everest gestrichen, Gepäck sammeln, Flüge umbuchen und im BC (Basislager) auf die Kollegen warten, welche sich noch im ABC (Vorgeschobenes Basislager) befinden.“ Dort hält sich derzeit auch noch Ralf Dujmovits auf, der erfolgreichste deutsche Höhenbergsteiger. Auch Ralf werde jetzt seine Sachen packen, bestätigt sein Büro in Deutschland. Nach Angaben von Adrian Ballinger, Chef des US-Veranstalters Alpenglow Expeditions, ist die Straße von Tibet nach Nepal gesperrt. Sein Team wird deshalb wie viele andere auch über die tibetische Hauptstadt Lhasa ausreisen.

Zu wenig Operationsmaterial

Matthias Baumann bestätigt, dass die Straßenverbindung zwischen beiden Ländern erneut unterbrochen sei. „Es hat neue Erdrutsche gegeben, einige Regionen sind abgeschnitten“, berichtet mir der deutsche Arzt und Bergsteiger telefonisch aus Nepal. Der Unfallchirurg hilft in einem Krankenhaus vor den Toren Kathmandus. „Wir operieren vor allem Arm- und Beinbrüche, auch Rückenbrüche.“ Es fehle an OP-Materialien wie Platten, Nägeln und Schrauben. Er versuche jetzt, Nachschub aus Deutschland zu organisieren. „Wir haben hier so viele Brüche, da ginge jedem Krankenhaus auf der Welt das Material aus.“ Matthias schläft im Zelt. „Das machen hier sehr viele Menschen.“ Er habe bereits am ersten Tag seines Aufenthalts drei Nachbeben gezählt. Die Versorgung der Erdbebenopfer in Kathmandu sei nach seiner Einschätzung „ganz ordentlich, aber in viele Bergregionen ist man noch gar nicht vorgedrungen. Es gibt viel zu wenige Hubschrauber.“ Jene Helikopter, die bei der gestern abgeschlossenen Rettungsaktion am Mount Everest im Einsatz waren, werden also dringend benötigt. Am Dienstagabend wurde gemeldet, dass in der Region Langtang eine Matschlawine abgegangen sei, mindestens 250 Menschen würden vermisst.

Erst wenn die Hubschrauber frei sind

Obwohl sich viele Bergsteiger auf den Heimweg gemacht haben, ist die Saison auf der nepalesischen Seite des Mount Everest offiziell noch nicht beendet – trotz des schlimmen Lawinenunglücks nach dem Beben. „Unser Team wird in den nächsten Tagen im Basislager bleiben und dann entscheiden, ob wir weitermachen oder nicht“, schreibt etwa Russell Brice, Leiter des neuseeländischen Veranstalters Himalayan Experience. Er habe sich heute am Flughafen von Kathmandu mit Vertretern des Nepalesischen Bergsteigerverbands NMA und dem Tourismusminister getroffen. „Er erlaubte uns, Material nach Lager eins zu fliegen – aber erst, wenn die Hubschrauber nicht mehr für Rettungseinsätze benötigt werden. Das sehen wir natürlich ganz genauso.“

P.S.: Matthias Baumann sagte mir, dass sich auf seiner Facebook-Seite der Fehlerteufel eingeschlichen habe. Die richtige Kontoverbindung seiner Hilfsaktion für die Erdbebenopfer in Nepal sei jene, die auf seiner Homepage  stehe: Himalayan Project e.V., Kreissparkasse Biberach, IBAN DE82 6545 0070 0007 8203 31, BIC: SBCRDE66, Kennwort: „Erdbeben Opfer“.

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Dominik Müller: „Wir hängen in der Luft“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/dominik-mueller-wir-haengen-in-der-luft/ Tue, 28 Apr 2015 15:15:55 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=29267 Nordseite des Mount Everest

Nordseite des Mount Everest

Er könne nicht einfach weitermachen, als sei nichts geschehen, sagt Dominik Müller. Der Chef des deutschen Expeditionsveranstalters Amical alpin hat heute seine Expedition auf der tibetischen Nordseite des Mount Everest abgeblasen – nach Rücksprache mit seinen Kunden, die auch nicht hätten weitermachen wollen. „Wenn ich in die Gesichter unseres Kochs, der Küchenjungen und all der anderen Sherpas hier schaue, kann ich nicht mit gutem Gewissen weiter aufsteigen“, berichtet Dominik per Telefon aus dem „Chinese Base Camp“, wo sich nach seiner Schätzung noch 250 bis 300 Leute aufhalten. Der Koch habe sein Haus in Kathmandu verloren, viele anderen hätten bisher nicht einmal Kontakt zu ihren Familien herstellen können. „Wir können doch hier nicht auf einer schönen Insel sitzen und auf Friede, Freude, Eierkuchen machen. Und um uns herum gibt es Tausende von Toten.“  

Eine SMS, kein offizielles Dokument

Dominik Müller

Dominik Müller

Noch immer, so Müller,  gebe es Verwirrung darüber, ob der Everest nun endgültig geschlossen sei: „Heute früh hat Thomas Lämmle, unser Expeditionsleiter am Cho Oyu, einen Anruf der chinesischen Behörden erhalten, dass alle tibetischen Berge ab 9 Uhr gesperrt sind und die Frühjahrssaison gestrichen ist.“ Daraufhin fragte Dominik beim chinesisch-tibetischen Bergsteiger-Verband CTMA an, ob dies auch definitiv für den Everest gelte. „Ich erhielt per SMS die Antwort: Everest is closed“, sagt der 44-Jährige. „Aber hier im Basislager gibt es keinen Verbindungsoffizier oder sonst jemanden, der ein offizielles Dokument dazu hat oder der sagt: ‚Ja, er ist zu hundert Prozent geschlossen.‘ Wir hängen ein bisschen in der Luft.“ In den bisherigen Gesprächen hätten die chinesischen Beamten vor allem auf die Gefahr von Nachbeben verwiesen. Außerdem seien nach ihren Angaben durch die Erdstöße neue Spalten aufgerissen worden. Der Nordsattel sei in diesem Jahr sehr gefährlich.

Dujmovits im vorgeschobenen Basislager

Das Team der chinesischen Bergsteiger, das die Fixseile auf der Normalroute verlegen sollte, hat nach Dominiks Worten das Basislager verlassen und ist in tiefer gelegene Orte gebracht worden – für ihn ein weiteres Zeichen dafür, dass es am Everest wohl nicht weitergehen wird. „Sähen die Behörden noch eine Chance, wäre da noch der Drang nach oben, wäre das für die Fixseile zuständige Team noch hier, und man würde es ins ABC (Vorgeschobenes Basislager) schicken, um dort ein paar Tage abzuwarten.“ Er gehe davon aus, dass die gesamte Infrastruktur abgezogen werde. Im ABC auf 6200 hält sich unter anderen noch Ralf Dujmovits auf, der als bisher einziger deutscher Höhenbergsteiger alle 14 Achttausender bestiegen hat. Ralf hatte das Lager erreicht, bevor die chinesischen Behörden das Gros der Bergsteiger zurückpfiffen.

Weg nach Nepal abgeschnitten

Müllers Kunden werden Anfang Mai über Lhasa und Peking nach Deutschland zurückkehren. Dominik selbst will weiter bei den Sherpas seines Teams im Basislager bleiben. „Es geht um die Sherpas und deren Familien“, sagt Dominik. „Sie haben uns so oft unterstützt. Da ist es für mich selbstverständlich, in dieser schwierigen Situation bei ihnen zu sein und dafür zu sorgen, dass sie auch heimkommen.“ Nach seinen Informationen ist der Weg von Tibet nach Kathmandu noch abgeschnitten.

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Rettungsaktion am Everest abgeschlossen https://blogs.dw.com/abenteuersport/rettungsaktion-am-everest-abgeschlossen/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/rettungsaktion-am-everest-abgeschlossen/#comments Tue, 28 Apr 2015 08:21:31 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=29239 Piloten im Dauereinsatz

Piloten im Dauereinsatz

Alle Bergsteiger aus den Hochlagern am Mount Everest sind in Sicherheit. Am Morgen wurden auch die letzten 17 Bergsteiger, neun Sherpas und acht Ausländer, mit dem Hubschrauber aus Lager 1 auf 6100 Metern ins Tal geflogen. Ein Sprecher des nepalesischen Tourismusministerium sagte, insgesamt seien mehr als 200 Bergsteiger am Everest gerettet worden. Es war die bisher umfangreichste Rettungsaktion in der Geschichte des Höhenbergsteigers. Der Vertreter des Ministeriums bezifferte die Zahl der Toten am höchsten Berg der Erde auf mindestens 19 und sprach von zwei Lawinen. Damit dürften die verheerende vom Samstag gemeint sein, die vom Pumori abgegangen und das Everest-Basislager verwüstet hatte, und wahrscheinlich eine weitere am Sonntag nach einem Nachbeben. Dem Vernehmen nach waren am Tag nach dem Hauptbeben Tag drei Sherpas im Khumbu-Eisbruch ums Leben gekommen.

Messner spricht von Zwei-Klassen-Rettung

Reinhold Messner

Reinhold Messner

Für Diskussionen hat Bergsteiger-Legende Reinhold Messner gesorgt. Der  70 Jahre alte Südtiroler sieht eine Zwei-Klassen-Rettung in Nepal. „Es ist zynisch, dass man um die Bergsteiger am Mount Everest, die sich für 80.000 bis 100.000 Dollar diese Besteigung kaufen können, einen solchen Hype macht“, sagte Messner in einem Radiointerview. Am Mount Everest gebe es genügend Ärzte und Essen. Außerdem könne man die Betroffenen mit dem Hubschrauber ausfliegen. Andernorts werde die Hilfe dringender benötigt: „Im Kathmandutal und in den Schluchten drum herum ist eine viel größere Katastrophe passiert.“

Das stimmt natürlich, doch im Gegensatz zu diesem Gebiet hat sich die Hubschrauberrettung am Everest seit mehreren Jahren etabliert. Die Rettungsmaschine dort läuft einfach wie geschmiert. In Sicherheit gebracht wurden außerdem nicht nur reiche Geldsäcke, sondern auch wenig betuchte Sherpas – außerdem zahlreiche Verletzte. Jede Rettung eines Menschen, egal ob er einen dicken oder schmalen Geldbeutel hat, ist eine gute Nachricht. Und ich bin mir sicher, dass die Hubschrauber-Rettungspiloten jetzt auch in andere Regionen weiterfliegen, um dort zu helfen. Mein Dank und Respekt gilt allen Piloten, die unermüdlich im Einsatz waren – und auch allen anderen, die bei der Rettung mit angepackt haben.

Amical bricht Expeditionen in Tibet ab

Everest-Nordseite

Everest-Nordseite

Im Basislager auf der chinesischen Nordseite gehen die Diskussionen zwischen chinesischen Behördenvertretern und Expeditionenleitern weiter. Im Raum steht ein Ende aller Expeditionen. Die chinesische Regierung fürchtet weitere Nachbeben. Der Expeditionsveranstalter Amical alpin hat nach Angaben seines Büros in Deutschland die Everest-Expedition in Tibet abgebrochen. Expeditionsleiter Dominik Müller wolle vorerst noch im Basislager bleiben und dann die Sherpas seines Teams zurück nach Kathmandu begleiten. Amical erklärte auch seine Expedition am Achttausender Cho Oyu unter Hinweis auf eine entsprechende Anordnung der chinesischen Regierung für beendet.

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Dujmovits wählt Everest-Normalroute – „so schwer es mir fällt“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/dujmovits-everest/ Mon, 19 May 2014 20:34:33 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=26165 Ralf Dujmovits

Ralf Dujmovits

„Es wäre ein Traum gewesen, diese schöne Route zu nehmen, aber ich traue mich nicht in das Bröselzeug hinein.“ Ralf Dujmovits klingt ein wenig enttäuscht, als er mich aus dem vorgeschobenen Basislager (ABC) auf der tibetischen Nordseite des Mount Everest über Satellitentelefon anruft. Eigentlich wollte der 52-Jährige über die Route aufsteigen, die Reinhold Messner bei seinem Alleingang 1980 eröffnet hatte: unterhalb des Nordgrats, dann durch den oberen Teil des Norton-Couloirs, aufs Gipfelplateau. Der Wind sei schuld, dass er seinen Plan aufgegeben habe, erklärt Ralf: „ Es bläst seit 14 Tagen. Im oberen Bereich des Norton-Couloirs, dort wo es am steilsten ist, gibt es eine felsige Unterbrechung. Dort liegt kein Schnee, wahrscheinlich ist es eher sandig.“ Auch die Stelle, an der Messner einst aus der Rinne in die Gipfelflanke stieg, sei schneefrei. Diese Herausforderung auf über 8000 Metern sei ihm zu groß, da er alleine und ohne Flaschensauerstoff unterwegs sein werde. „Das ist mir zu schwierig, zu spannend. Ich bin nicht mehr der Jüngste, dafür reichen meine Kräfte nicht.“ Er werde es jetzt über den Normalweg versuchen, „so schwer es mir fällt.“

Allein am Berg

Wenig Schnee im und am Norton-Couloir

Wenig Schnee im und am Norton-Couloir

Dujmovits ist der erste und bislang einzige Deutsche, der alle 14 Achttausender bestiegen hat. Nur am Everest, 1992, griff er zu Flaschensauerstoff. Diese Scharte würde Ralf gerne noch auswetzen. Dieser sechste Versuch am Everest werde aber definitiv sein letzter sein, hat der erfolgreichste deutsche Höhenbergsteiger vor seiner Abreise gesagt.

Ralf fühlt sich fit, von Erkältungen oder anderen Krankheiten blieb er bisher verschont. Seine Akklimatisation ist abgeschlossen, sie verlief nicht ganz nach Plan. Eigentlich wollte Dujmovits am Wochenende noch eine zweite Nacht in seinem Lager auf 7600 Metern übernachten, doch es war zu windig. Deshalb stieg er am Sonntag wieder ins ABC auf 6400 Metern ab. Zuvor hatte er auf 7700 Metern einen Materialsack deponiert, mit Zelt, Schlafsack, Kocher und Essen. „Ich trage mein Zeug selbst“, sagt Ralf. „Gestern war ich am Berg komplett allein.“

Nicht im Stau stehen

Blick auf den Nordsattel, dahinter der Changtse

Blick auf den Nordsattel, dahinter der Changtse

Auch das ABC sei noch ziemlich verwaist. Eine chinesische Gruppe sei dort, dazu gesellten sich ein paar vereinzelte Bergsteiger. Das seien nicht gerade die Vorboten der ersten großen Besteigungswelle der Saison, über die im Internet spekuliert werde, sagt Ralf. Er erwartet eher den 25. und 26. Mai als mögliche Gipfeltage. Ein erstes Wetterfenster öffne sich zwar wohl schon am 23. Mai, „voraussichtlich aber noch mit zu viel Wind, um ohne Atemmaske aufzusteigen“. Wahrscheinlich konzentriere sich die Mehrheit der insgesamt neun Gruppen auf den späteren Termin. Wann er selbst aufbrechen wird, lässt Dujmovits deshalb noch offen. „Ohne Flaschensauerstoff kann ich es mir nicht leisten, im Stau zu stehen.“ Er will sich auch noch mit dem erfahrenen Innsbrucker Meteorologen Charly Gabl beraten. Möglicherweise gebe es Anfang Juni ja noch ein weiteres Schönwetterfenster.

Zwei Sherpas brachen ab

Die Nachricht von der verheerenden Lawine im Khumbu-Eisbruch, bei der am Karfreitag 16 Nepalesen ums Leben kamen, habe sich natürlich auch auf der Nordseite schnell herumgesprochen, erzählt der 52-Jährige: „Fast alle nepalesischen Sherpas, die für die Teams hier arbeiten, haben bei dem Unglück Angehörige oder Freunde verloren. Zwei, drei Tage lang herrschte eine sehr traurige Stimmung im Basislager. Zwei Sherpas brachen ihre Expeditionen ab. Einer von ihnen ist inzwischen wieder zurückgekehrt. Ansonsten haben wir von der Unruhe auf der Südseite nicht so viel mitbekommen.“

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Hilfe für Familien der Everest-Lawinenopfer https://blogs.dw.com/abenteuersport/hilfe-fuer-familien-der-everest-lawinenopfer/ Fri, 09 May 2014 19:36:25 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=26035 Schneefahne vom Gipfel des Mount Everst

Schneefahne vom Gipfel des Mount Everest

Warten auf die Ruhe nach dem Sturm. Derzeit bläst es heftig in der Gipfelregion des Mount Everest – mit Windgeschwindigkeiten bis zu 60 Knoten (etwa 110 Stundenkilometer). An einen Gipfelversuch eines der etwa zehn Teams auf der tibetischen Nordseite des Bergs ist nicht zu denken. Erst ab dem 16. Mai, also in einer Woche, zeichnet sich ein Schönwetterfenster mit wenig Wind ab. Auf der Südseite haben nach Information des US-Expeditionsleiters Eric Simonsen die „Icefall doctors“ ihre Leitern und Seile aus dem Khumbu-Eisbruch geholt. Bis zur nächsten Saison wird das Material in einem Lager in Gorak Shep deponiert, der letzten ständig bewohnten kleinen Ortschaft nahe dem Mount Everest auf 5200 Metern. Einen Aufstieg auf den 8850 Meter hohen Gipfel wird es damit von der nepalesischen Seite aus in diesem Frühjahr definitiv nicht mehr geben. In Kathmandu übergab dieser Tage der Japaner Ken Noguchi im Namen seiner Umweltschutz-Organisation „Seven Summits Actions for Sustainable Society“ einen Scheck über 100.000 US-Dollar an Ang Tshering Sherpa, den Präsidenten des Nepalesischen Bergsteigerverbands (NMA).

NMA soll Hilfe koordinieren

Mit dem Geld, das Noguchi in Japan sammelte, sollen die Familien der 16 Lawinenopfer vom Everest (seht unten das bewegende Video der New York Times „Letzte Minuten am Everest“)  unterstützt werden. Die nepalesische Regierung hat die NMA beauftragt, dafür Sorge zu tragen, dass die Kinder dieser Familien weiter ausgebildet werden.

Ang Tshering kündigte an, dass sein Verband dafür einen Hilfsfond gründen werde, in den die NMA ebenfalls 100.000 Dollar einzahlen werde und in den Spendengelder aus aller Welt fließen könnten. In vielen Ländern haben Bergsteiger Sammlungen für die Familien der Opfer organisiert – wie der Tübinger Arzt und Bergsteiger Matthias Baumann, der im Basislager war, als die Lawine von der Westschulter hinabdonnerte:

Ken Noguchi war 1999 mit 25 Jahren der damals jüngste Bergsteiger, der die „Seven Summits“ bestiegen hatte, die höchsten Berge aller Kontinente. Die Absage einer kompletten Saison auf der nepalesischen Seite des Everest wie in diesem Frühjahr dürfe sich nicht wiederholen, sagte der 40 Jahre alte Japaner: „Wenn es noch einmal passiert, werden die Ausländer einen Bogen um den Everest machen.“ Oder aber auf die tibetische Seite des Bergs wechseln. Das hat der blinde österreichische Bergsteiger Andy Holzer vor. „Der Grund ist, dass ich dem Chaos, das auf nepalesischer Seite entstanden ist, entgehen möchte. Ich will nicht zum Spielball der nepalesischen Regierung und der Sherpas werden“, sagte der 47-Jährige nach seiner Rückkehr aus Nepal.

P.S.: Wer Matthias Baumanns Video bis zu Ende geguckt hat, weiß es schon. Für alle anderen hier die Konto-Nummer seiner Hilfsaktion für die Sherpa-Familien: Himalayan Project e.V., Kreissparkasse Biberach IBAN DE45 6545 0070 0007 0581 89, BIC SBCRDE66, Kennwort: Sherpa Lawinenopfer.

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Neues aus dem Norden (des Everest) https://blogs.dw.com/abenteuersport/neues-aus-dem-norden-des-everest/ Sun, 04 May 2014 16:45:51 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=26011 Everest Nord

Everest Nord

Es wird Zeit, auf die Nordseite des Mount Everest zu blicken. Nachdem die Saison auf der nepalesischen Südseite wegen des Lawinenunglücks im Khumbu-Eisbruch mit 16 Toten vorzeitig zu Ende gegangen ist, läuft auf der tibetischen Seite des Everest bisher alles nach Plan. Rund 100 Bergsteiger haben sich beim Chinesisch-Tibetischen Bergsteigerverband (CTMA) die Genehmigung geholt, in diesem Frühjahr den höchsten Berg der Erde von Norden her zu besteigen. Die Mitglieder einer Expedition aus Malta sind Mitte der Woche bereits bis Lager zwei auf 7500 Metern aufgestiegen. „Wir warten auf unser Gipfelfenster“, meldete Expeditionsleiter Greg Attard. „Die Mannschaft präsentiert sich sehr gut. Jeder ist erschöpft, aber aufgeregt und bei guter Gesundheit.“

Tibeter legen Fixseile bis zum Gipfel

Auch für die Teams auf der Nordseite arbeiten teilweise nepalesische Sherpas. Bisher gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass sie wegen des Lawinenunglücks vorzeitig in ihre Heimat zurückkehren. Im Gegensatz zur Südseite sind sie auf der anderen Seite des Bergs nicht dafür zuständig, die Normalroute bis auf den Gipfel hinauf zu sichern. Diese Aufgabe übernimmt ein Team junger Tibeter, die an der 1999 gegründeten „Tibetischen Bergführerschule“ in Lhasa  ausgebildet wurden.  Alex Abramov leitet die russische „7-Summits-Club“-Expedition, die nach seinen Worten mit 19 Mitgliedern die größte auf der Nordseite ist. Vom vorgeschobenen Basislager auf 6400 Metern aus verbreitet Abramov Optimismus: „Alles ist perfekt, das Wetter ist schön, die Sonne scheint, nur nachmittags schneit es manchmal.“

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Ralf Dujmovits: Mount Everest, die Sechste! https://blogs.dw.com/abenteuersport/ralf-dujmovits-interview-everest/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/ralf-dujmovits-interview-everest/#comments Mon, 14 Apr 2014 09:45:22 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=25783 Ralf Dujmovits und der Mount Everest (2012)

Ralf Dujmovits und der Mount Everest (2012)

Wie konnte der portugiesische Seefahrer Fernando Magellan im Jahr 1520 an der Südspitze Südamerikas so viele Lagerfeuer sichten, dass er die Region Feuerland taufte? Eigentlich hätte der dort übliche Dauerregen doch jede Flamme gelöscht haben müssen. Gerlinde Kaltenbrunner, Ralf Dujmovits, Ralf Gantzhorn und Rainer Pircher jedenfalls hatten während ihrer Expedition zum Monte Sarmiento in Feuerland nur zwei halbe Tage, die regenfrei waren. Dazu Windgeschwindigkeiten von 150 Stundenkilometern auf 1800 Meter Höhe. So wurde nichts aus dem Plan, den Hauptgipfel des 2246 Meter hohen, pyramidenförmigen Bergs über die Nordwand zu besteigen. Das Team hatte nicht nur kein Wetterglück, sondern auch noch Pech dazu. Eine Schneehöhle auf 1600 Metern, in der die Bergsteiger beim ersten Versuch ihr Material deponiert hatten, war beim zweiten Aufstieg verschwunden.

Kein Problem mit Übergepäck

„Wir hatten sie markiert, mit GPS-Daten und einer Lawinensonde, die zwei Meter herausstand. Aber wahrscheinlich ist die Schneehöhle aufgrund des sehr warmen Wetters und des starken Regens zusammengebrochen und mit dem ganzen Hang abgegangen“, erzählt mir Ralf nach seiner Rückkehr. „Den einzigen Vorteil, den der Verlust des ganzen Materials hatte, war, dass wir auf dem Heimweg kein Problem mit Übergepäck hatten.“ Der 52-Jährige ist nur für einen kurzen Zwischenstopp daheim. Schon heute fliegt er weiter nach Nepal und reist von dort aus nach Tibet. Erneut will Dujmovits versuchen, den Gipfel des Mount Everest ohne Flaschensauerstoff zu erreichen. Der höchste aller Berge ist der einzige der 14 Achttausender, den er (1992) mit Atemmaske bestiegen hat.

„Definitiv mein letzter Versuch“

Ralf am Everest-Südsattel

Ralf 2012 am Everest-Südsattel

Ralf, vor zwei Jahren hast du wörtlich gesagt: „Ich werde für alle Zukunft auf eine Besteigung des Everest ohne künstlichen Sauerstoff und ohne Sherpa-Unterstützung verzichten. Ich habe es Gerlinde versprochen.“ Warum der Sinneswandel?

Du weißt ja, man soll niemals nie sagen. Ich habe vielleicht damals diesen Fehler gemacht. Ich habe mich schon im letzten Herbst sehr gut auf den Mount Everest vorbereitet, als mein australischer Kollege (Andrew Lock) schließlich abgesagt hat. Ich habe gesehen, dass ich mich wirklich noch einmal zu echter Höchstform trainieren kann. Das wollte ich für den Nanga Parbat nutzen, aber auch das hat nicht geklappt. Dennoch habe ich gemerkt, dass ich die nötige Fitness noch erreichen kann. Deshalb packe ich es noch einmal an und gehe zum Mount Everest. Selbst wenn man über 50 Jahre alt ist, sollte man so einer Chance nicht aus dem Weg gehen.

Ist es für dich immer noch eine Scharte, die du auswetzen willst, dass du den Everest nur mit Flaschensauerstoff geschafft hast?

Ein Stück weit schon. Es juckt mich nach wie vor. Ich würde es gerne noch schaffen. Ich mache jetzt wirklich definitiv (lacht) meinen letzten Versuch ohne Sauerstoff und werde damit für mich das Kapitel Everest abschließen. Egal wie es jetzt ausgeht. Es ist jetzt mein sechster Anlauf am Everest, und ich hoffe, dass es dann noch mal klappt. Ich werde wirklich alles geben, und dann sehen wir, wie es ausgeht.

Ralf Dujmovits: Definitiv mein letzter Versuch am Everest

Mit Gerlinde und Hirotaka Takeuchi (r.) 2005 an der Nordwand

Mit Gerlinde und Hirotaka Takeuchi (r.) 2005 an der Everest-Nordwand

Du hast bereits dreimal erfolglos versucht, den Everest ohne Flaschensauerstoff zu besteigen, davon zweimal über die Nordseite. Auch in diesem Frühjahr wählst du den Weg über die tibetische Seite. Warum?

Ich werde nicht wieder die Route nehmen, die ich zweimal mit Gerlinde versucht habe, über die Kombination aus Japaner-Couloir und Hornbein-Couloir („Supercouloir“) in der Nordwand (2005 und 2010), sondern möchte weiter links unterwegs sein. Das heißt, ich steige erst einmal auf dem Normalweg bis zum Nordsattel auf und möchte von dort aus in das Norton-Couloir queren. Das Couloir hat oben einen schrägen Ausstieg, den schon Reinhold Messner 1980 bei seiner damaligen Solobegehung genutzt hat. Das war allerdings im Herbst. Ich habe 2010 gesehen, dass auch im Frühsommer dort deutlich bessere Verhältnisse herrschten als im Supercouloir. Ich möchte schauen, ob es jetzt wieder so ist. Wenn es passt, würde ich gerne diese Route gehen.

Und wenn es nicht passt, wäre dann die Normalroute für dich eine Alternative?

Ich denke, es hängt sehr stark von den Verhältnissen ab, wie es mir geht, wie ich mich akklimatisiert habe. Ich muss mir das wirklich offenlassen. Ich will mich nicht zu sehr festlegen und einschränken. Ich bin, wie gesagt, inzwischen mit über 50 nicht mehr ganz der Jüngste. Ich muss ausloten, wo ich stehe. Und das werde ich erst vor Ort am Berg sehen.

Es werden sicherlich wieder viele Bergsteiger am Everest unterwegs sein. Beeinträchtigt dich das nicht, wenn du ohne Flaschensauerstoff steigst?

Das ist eben der Vorteil auf dieser anderen Route, wo sonst niemand wäre. In dem Moment, wo man auf der Normalroute – sowohl auf der nepalesischen als leider auch auf der tibetischen Seite – unterwegs ist, läuft man Gefahr, in die Staus mit den Bergsteigern zu geraten, die mit Flaschensauerstoff unterwegs sind. Da hat man eigentlich auf Grund des Problems mit der großen Kälte als Aufsteiger ohne Sauerstoff fast keine Chance. Das Problem dort oben ist ja nicht alleine der mangelnde Sauerstoffpartialdruck. Indem man schnell atmet, geht die Körperwärme verloren. Und wenn man in der großen Höhe den Körper über so lange Zeit quasi kalt atmet, hat man wirklich große Chancen, sich Erfrierungen einzuhandeln. Das würde ich gerne ausschließen, indem ich auf einer Route unterwegs bin, in der ich ganz genau in meinem Tempo gehen kann.

Ralf im Januar am Nanga Parbat

Ralf im Januar am Nanga Parbat

Bei unserem letzten Gespräch sagtest du, du wolltest oben am Berg völlig unabhängig agieren. Auch bei deinem Versuch am Nanga Parbat wolltest du im oberen Teil solo steigen. Fühlst du dich inzwischen an den höchsten Bergen alleine wohler?

Sagen wir es so: Ich weiß, dass ich mein Tempo gehen können muss. Das heißt, ich möchte mich niemandem mehr anschließen. Ich bin langsamer geworden, das weiß ich und habe es auch 2012 am Everest gesehen. Aber wenn ich mein Tempo durchgehen kann –  ich gehe wirklich über viele Stunden ein ganz gleichmäßiges Tempo, ohne dass ich ein einziges Mal anhalte -, dann komme ich sehr gut vorwärts. Ich höre auch sehr genau in mich hinein. Ich empfinde es inzwischen wirklich als Erleichterung, wenn ich es so machen kann. Früher habe ich mich in Gesellschaft wohler und sicherer gefühlt. Aber es ist letztlich doch immer nur eine Scheinsicherheit, die man hat. Und die Einsamkeit macht mir inzwischen mit dem zugenommenen Alter nichts mehr aus.

Ralf Dujmovits: Ich muss mein Tempo gehen können

Es ist ein schmaler Grat zwischen Beißen können und verbissen sein. Wie hoch ist der Druck, den du dir selbst machst?

Stefan, ich gehe das genauso entspannt an, wie ich es auch sonst immer gemacht habe. Ich werde mir sicher Mühe geben, meinen Plan umzusetzen. Aber ich habe so oft umgedreht und würde auch noch einmal umdrehen. Das Allerwichtigste, das ich habe, ist meine Gesundheit, alle meine Zehen und Finger. Ich klettere unglaublich gerne, und das möchte ich mir auch weiterhin bewahren. Dafür würde ich gar nichts riskieren. Ich werde es versuchen, mir alle Mühe geben, aber ich möchte vor allen Dingen wieder gesund herunterkommen.

Ralf Dujmovits: Ich würde noch einmal umdrehen

Du hast es angesprochen, seit 1992 warst du fünfmal am Mount Everest. Jetzt ist es dein sechster Versuch. Entwickelt man bei so vielen Besuchen so etwas wie ein Verhältnis zu einem Berg? Kann er einem ans Herz wachsen?

Natürlich. Er wächst einem sogar sehr stark ans Herz. Auch wenn es der Everest ist, von dem man so viel Schlechtes und Negatives gehört hat. Aber ich war sehr oft in völliger Ruhe dort unterwegs, auch mit Gerlinde. 2012 bin ich quasi völlig allein zum Südsattel aufgestiegen, noch vor den großen Massen. Man kann dort schon noch seine Ruhe finden und damit dann auch diese Beziehung zum Berg ein Stück weit leben. Für mich hat diese Beziehung zum Everest auch mit der unglaublichen Höhe zu tun, die gleichzeitig irrsinnige Weitblicke zulässt. Ich spüre einfach, wie mir das Herz aufgeht, wenn ich da oben unterwegs sein kann. Ich genieße das. Ich kann es inzwischen auch genießen, weil ich frei bin von diesen ganzen Zwängen. Natürlich gab es auch nach dem Erfolg 1992, allerdings mit Sauerstoff, diese ganzen Rückschläge. Dann baut sich so eine Geschichte auf, die natürlich auch zu mir gehört, die ein Teil von mir ist, die mir etwas bedeutet, die mir wichtig ist. Und ich kehre jetzt wirklich noch einmal gerne zum Everest zurück.

Ralf Dujmovits: Everest ist Teil meiner Geschichte

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Todesfall an der Shishapangma https://blogs.dw.com/abenteuersport/todesfall-an-der-shishapangma/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/todesfall-an-der-shishapangma/#comments Thu, 16 May 2013 11:31:05 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=21727

Shishapangma (8027 Meter)

Die traurigen Nachrichten aus dem Himalaya reißen nicht ab. Am Achttausender Shishapangma in Tibet ist ein deutscher Bergsteiger an einem Höhenhirnödem gestorben. Der Expeditionsveranstalter Amical alpin teilt mit, der Bergsteiger aus dem Chiemgau habe zu einer Gruppe von sechs Teilnehmern gehört, die zusammen mit dem Expeditionsleiter Thomas Lämmle und dem Sherpa Pasang am 10. Mai den 8013 Meter hohen Zentralgipfel der Shishapangma erreicht habe. Beim Abstieg hätten sich bei dem Bergsteiger zunächst Symptome eines Höhenlungenödems gezeigt.

Bis auf 7500 Meter abgeseilt

„Eine sofortige notfallmedizinische Behandlung, sowie der weitere Abstieg zeigten zunächst wenig Wirkung“, heißt es bei Amical. Thomas Lämmle, ein Sportwissenschaftler, der sich sehr gut mit Höhenmedizin auskennt, beschloss, die anderen Teilnehmer vorzuschicken und den höhenkranken Bergsteiger, am Seil gesichert, langsam hinunterzubringen. In der folgenden Nacht habe sich  aus dem Höhenlungenödem ein Höhenhirnödem entwickelt, das Lämmle sofort mit einem Notfallpräparat behandelt habe. Es sei ihm gelungen, den Teilnehmer bis zum nächsten Morgen auf eine Höhe von 7500 Metern abzuseilen. Doch die Bemühungen, das Leben des Bergsteigers zu retten, waren erfolglos. „Ein Notfallzelt und Sauerstoff waren bereits zum Verunfallten unterwegs, als dieser tragischerweise am 11. Mai 2013 um 11:23 Uhr in den Armen des Expeditionsleiters verstarb“, teilt Amical mit.

Everest-Besteigung abgeblasen

Lämmle erkrankte bei der Rettungsaktion ebenfalls an einem Höhenlungenödem, außerdem zog er sich Erfrierungen an den Zehen zu. „Beides ist nicht so schlimm – mittlerweile bin ich in einer Klinik in Kathmandu gewesen -, aber eine Besteigung des Everest ohne Flaschensauerstoff wird nicht möglich sein“, schreibt Lämmle in seinem Blog.  Er hatte bereits am 30. April den Hauptgipfel der Shishapangma erreicht. Ursprünglich wollte Lämmle innerhalb von vier Monaten vier Achttausender besteigen: nach der Shishapangma den Everest und anschließend im Karakorum noch den Gasherbrum II und den Gasherbrum I. Lämmle will sich jetzt zu Hause erholen, um am 8. Juni nach Pakistan zu starten.

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Expedition wie am Schnürchen https://blogs.dw.com/abenteuersport/melle-stitzinger-laemmle-shisha/ Sat, 04 May 2013 19:59:05 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=21419

Alix (r.) und Luis auf der Shishapangma

Es gibt so Tage, an denen einfach fast alles passt. Auch an einem Achttausender. Einen solchen erwischten Alix von Melle und Luis Stitzinger am vergangenen Dienstag an der Shishapangma in Tibet. Es sei „ein idealer Gipfeltag“ gewesen, berichtet Luis im Expeditionstagebuch der beiden deutschen Höhenbergsteiger. Sie weichen vom Normalweg ab und steigen über die 2006 vom Basken Iñaki Ochoa de Olza eröffnete Variante durch die Nordostwand Richtung Gipfelgrat. Dort erleben die beiden doch noch ein paar Schrecksekunden.

Heftige Böen am Gipfelgrat

Aufstieg mit Skiern

Plötzlich aufkommender Wind ist schuld. „Die Böen erreichen Geschwindigkeiten, die uns ein paar Mal regelrecht von den Füßen heben“, schreibt Luis. Doch so plötzlich, wie der Wind aufgefrischt hat, verschwindet er auch wieder. Alix, Luis und ihr deutscher Landsmann Thomas Lämmle nutzen die Flaute und steigen zum höchsten Punkt auf 8027 Metern auf. Für die 41-Jährige und ihren 44 Jahren alten Ehemann ist es der sechste Achttausender, für Lämmle der vierte. „Wir sind glücklich und freuen uns über die tolle Aussicht über die tibetische Hochebene und das Himalaya-Gebirge. Vom Mount Everest über Lhotse und Nuptse bis zum Cho Oyu sind trotz Quellwolken noch viele Gipfel zu sehen“, schwärmt Luis. Während Alix zu Fuß absteigt, schnallen sich Luis und Thomas ein Stück unterhalb des Gipfels die Ski an und fahren ab. „Die ganze Expedition hat wirklich wie am Schnürchen geklappt, kein Tag des Wartens wegen schlechten Wetters oder anderer Verzögerungen“, freut sich Luis.

Vier in vier Monaten 

Thomas am Gipfel

Thomas Lämmle, Jahrgang 1965, hat sich dieses Jahr einiges vorgenommen: Innerhalb von vier Monaten will der Bergführer und Sportwissenschaftler vier Achttausender besteigen. Nach der Shishapangma wechselt Thomas zum Mount Everest, den er ebenfalls ohne Flaschen-Sauerstoff meistern will. Anschließend stehen im Karakorum in Pakistan noch die Achttausender Gasherbrum II und I (in dieser Reihenfolge) auf der Agenda des fünffachen Familienvaters aus dem Allgäu.

Apropos Familie: Chhang Dawa Sherpa hat mit der Shishapangma seine Achttausender-Sammlung komplettiert und ist damit seinem älteren Bruder Mingma Sherpa gefolgt, dem dieses Kunststück 2011 als erstem Nepalesen gelungen war. Zwei Brüder auf allen Achttausendern, das gab es noch nie. Chhang Dawa ist darüber hinaus mit 30 Jahren und neun Monaten der jüngste Bergsteiger, der die 14 höchsten Gipfel der Welt erstiegen hat.

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Nummer sechs für Alix und Luis https://blogs.dw.com/abenteuersport/nummer-sechs-fur-alix-und-luis/ Thu, 02 May 2013 08:59:44 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=21381

Alix (l.) und Luis 2012 am Manaslu

Das halbe Dutzend ist voll. Das deutsche Höhenbergsteiger-Ehepaar Alix von Melle und Luis Stitzinger erreichte nach eigenen Angaben am Dienstag um 13.30 Uhr den 8027 Meter hohen Gipfel der Shishapangma in Tibet. Für beide war es der sechste Achttausender. Alix hatte zuvor den  Gasherbrum II (2006), den Nanga Parbat (2008), den Dhaulagiri (2009), den Cho Oyu (2010) und den Broad Peak (2011) bestiegen, jeweils auf den Normalwegen, ohne Flaschensauerstoff. Die 41-Jährige ist die erfolgreichste Höhenbergsteigerin Deutschlands. Ihr Ehemann Luis Stitzinger hatte den Cho Oyu bereits im Jahr 2000 erklommen. Die anderen vier Achttausender hatte der 44-Jährige zusammen mit Alix gemeistert. Die beiden kündigten für die nächsten Tage einen detaillierten Bericht an. Dann erfahren wir auch, ob Luis wie geplant mit den Skiern vom Gipfel abgefahren ist. Dafür spricht ein Blogeintrag des Österreichers Rupert Hauer, der mit den beiden Deutschen unterwegs war: „Die Abfahrt von der Shishapangma mit dem ganzen Gepäck war nicht so genussvoll wie bei einer Lungauer Skitour, aber schnell.“ Herzlichen Glückwünsch, Alix und Luis!

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Wundertüte Tibet https://blogs.dw.com/abenteuersport/permits-expeditionen-tibet/ Mon, 28 Jan 2013 13:18:23 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=19309

Shishapangma (8027 Meter)

Sicher ist in Tibet nur die Unsicherheit. Die Serie der Selbstverbrennungen von Tibetern reißt nicht ab, und so bleibt die politische Lage in der seit 1951 von China besetzten Himalaya-Region angespannt. Dies hatte 2012 auch Folgen für Bergsteiger und Trekkingurlauber: China schottete in der zweiten Jahreshälfte Tibet für ausländische Besucher weitgehend ab, erteilte kaum noch Einreisegenehmigungen und wenn doch, dann nur unter strengen Bedingungen. Die Veranstalter kommerzieller Expeditionen wichen auf Ziele in Nepal aus. Für dieses Frühjahr haben sie die tibetischen Achttausender Cho Oyu und Shishapangma wieder im Programm – und sind vorsichtig optimistisch, diesmal nicht vor verschlossenen Türen zu stehen. 

Positive Signale 

Auf dem Cho Oyu (8188 Meter)

„Im Moment gehen alle von einer Öffnung Tibets aus“, schreibt mir Dominik Müller, Chef von Amical Alpin. Das deckt sich mit der Aussage von Eberhard Andres, bei Hauser Exkursionen zuständig für Tibet-Trekkingtouren. „Es gibt positive Signale“, sagt Andres. „Aber im Augenblick erhält man dazu aus Tibet keine vernünftige Aussage. Wir gehen zwar davon aus, dass es klappt. Doch wir können den Kunden nicht hundertprozentig garantieren, dass die Permits erteilt werden.“ Christoph Schnurr, Bergführer und Produktmanager beim DAV Summit Club, informiert mich, dass „laut Auskunft unserer Agentur (in Nepal) derzeit Permits für die Besteigung der Shishapangma vergeben werden“. Ang Tshering Sherpa, Ehrenpräsident des Nepalesischen Bergsteigerverbands (NMA), hatte im Dezember in Lhasa mit Vertretern der China Tibet Mountaineering Association (CTMA) über Grenzschließungen und Visafragen gesprochen. „Die CTMA versicherte mir, dass die Expeditionen künftig glatt laufen würden“, schrieb Ang Tshering anschließend. Das alles hört sich eher an, als wollten sich die tibetischen Behörden in diesem Frühjahr die fetten Einnahmen aus dem Bergtourismus nicht entgehen lassen. 

Keine Permits für Februar und März 

Im Februar und März bleibt Tibet jedoch erst einmal dicht. Nach Angaben der tibetischen Agenturen Explore Tibet und Tibettravel teilte das Tourismusbüro in Lhasa in der vergangenen Woche mit, dass bis Ende März keine Genehmigungen erteilt würden. Beide Agenturen verweisen darauf, dass es seit 2008 nie anders gewesen sei und die Behörden dann jeweils im April Permits für Ausländer ausgestellt hätten. „Aber es gibt keine offizielle Stellungnahme, wann Tibet in diesem Jahr wieder geöffnet wird“, heißt es bei Tibettravel. „Am besten verschieben Sie ihre für Februar und März geplanten Tibetreisen auf Mai.“ Denn sicher ist, dass nichts sicher ist.

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