Dhaulagiri – Abenteuer Sport https://blogs.dw.com/abenteuersport Blog über Expeditionen und Grenzerfahrungen Wed, 06 Mar 2019 10:38:57 +0000 de-DE hourly 1 Erfolgreiche Saisonbilanz am „Herbst-Everest“ Manaslu https://blogs.dw.com/abenteuersport/erfolgreiche-saisonbilanz-am-herbst-everest-manaslu/ Sat, 06 Oct 2018 17:27:14 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=42165

Schlange am Manaslu

Ich hatte ein Déjà-vu. Als ich die Bilder der Menschenschlange sah, die in diesem Herbst dem Gipfel des 8163 Meter hohen Manaslu entgegenstieg, zuckte ich erneut zusammen. Ganz so wie 2012, als der erfolgreichste deutsche Höhenbergsteiger Ralf Dujmovits die Schlange der Everest-Gipfelanwärter in der Lhotse-Flanke abgelichtet hatte. Wie sich die Bilder doch gleichen! Kein Wunder, ist der Manaslu doch in den letzten Jahren immer mehr zu einem „Herbst-Everest“ mutiert: Mehrere hundert Bergsteiger bevölkern das Basislager, die Route wird bis zum Gipfel mit Fixseilen gesichert. Und wenn das Wetter passt, wird es eng auf dem höchsten Punkt.

Mehr als 200 Gipfelerfolge, ein Todesfall

Gedränge am Gipfel

Nach Angaben der Zeitung „The Himalayan Times“ haben in diesem Herbst mindestens 120 ausländische Bergsteiger und mehr als 100 sie begleitende Sherpas den Gipfel des achthöchsten Bergs der Erde erreicht. Ein Todesfall war zu beklagen. Ein 43 Jahre alter Tscheche wird vermisst. Nach seinem Gipfelerfolg verliert sich seine Spur.

Soria scheitert zum neunten Mal

An den anderen Achttausendern, die in diesem Herbst in den Katalogen der kommerziellen Anbieter standen, war deutlich weniger los. Während in Tibet von Cho Oyu und Shishapangma Gipfelerfolge im niedrigen zweistelligen Bereich gemeldet wurden, blieb der höchste Punkt des Dhaulagiri, wie der Manaslu im Westen Nepals gelegen, in diesem Herbst bisher unberührt. Ein 24 Jahre alter Sherpa war vor zweieinhalb Wochen bei einem Lawinenunglück an dem Achttausender ums Leben.

Soria muss wiederkommen

„Ich habe den Dhaulagiri noch nie mit so viel Schnee und so gefährlich erlebt“, sagte der Spanier Carlos Soria auf desnivel.com, nachdem er seine Expedition abgebrochen hatte. Der 79-Jährige versuchte sich bereits zum neunten Mal an dem 8167 Meter hohen Berg. Im nächsten Frühjahr will Carlos erneut zum Dhaulagiri zurückkehren. Außer diesem Berg fehlt ihm nur noch die Shishapangma in seiner Achttausender-Sammlung.

Zu viel Schnee am Dhaulagiri

„Der Tropensturm aus Pakistan, der hier im Marshyangdi-Tal mehr als 48 Stunden sein Unwesen getrieben hatte, hat viel Schnee auf unserer schwer erarbeiteten Route hinterlassen“, schrieb die deutsche Bergsteigerin Billi Bierling, die mit ihrem Team des Schweizer Anbieters „Kobler & Partner“ ebenfalls den Weg zurück nach Kathmandu antrat. Auch der Spanier Sergi Mingote, der nach seinem Gipfelerfolg am Manaslu eigentlich noch den Dhaulagiri anhängen wollte, packte wegen der zu hohen Lawinengefahr zusammen. 

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Sherpa stirbt in Lawine am Dhaulagiri https://blogs.dw.com/abenteuersport/sherpa-stirbt-in-lawine-am-dhaulagiri/ Thu, 20 Sep 2018 17:08:06 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=42037

R.I.P.

Tragischer Zwischenfall am Achttausender Dhaulagiri im Westen Nepals: Eine Lawine erfasste gestern ein siebenköpfiges Sherpa-Team des Veranstalters „Seven Summit Treks“, das gerade dabei war, zwischen Lager 2 (6400 Meter) und Lager 3 (7400 Meter) Fixseile zu legen. „Sechs (Sherpas) überstanden den Lawinenabgang unverletzt, doch von dem erst 24 Jahre alten Dawa Gyaljen, geboren in der Nähe des (Achttausenders) Makalu, fehlt jede Spur“, schrieb der Spanier Luis Miguel Lopez Soriano auf Facebook. Luis begleitet seinen 79 Jahre alten Freund Carlos Soria, der in diesem Herbst bereits zum zehnten und nach eigenen Worten wohl letzten Mal versucht, den Dhaulagiri zu besteigen. Der 8167 Meter hohe Berg und die Shishapangma (8027 Meter) sind die letzten beiden Achttausender, die Carlos in seiner Sammlung fehlen.

Billi Bierling und Herbert Hellmuth am Dhaulagiri

Dhaulagiri

Auch Billi Bierling bestätigte den Lawinentod Dawa Gyaljens. Sie habe Lager 2 erreicht, sei aber wegen des Zwischenfalls ins Basislager zurückgekehrt, schrieb Billi heute auf Twitter. Die 51 Jahre alte deutsche Bergsteigerin und Journalistin, die in Kathmandu als Nachfolgerin der verstorbenen legendären Elisabeth Hawley die Bergsteigerchronik „Himalayan Database“ leitet, gehört zu einer Gruppe des Schweizer Expeditionsveranstalters „Kobler & Partner“. Billi hat bereits fünf Achttausender bestiegen: 2009 den Everest, 2011 Lhotse und Manaslu, 2014 den Makalu und 2016 den Cho Oyu. Am Manaslu und Cho Oyu verzichtete sie auf Flaschensauerstoff.

Ebenfalls am Dhaulagiri unterwegs ist der Deutsche Herbert Hellmuth, der mit seinem russischen Teamkollegen Sergey Baranov ein Permit für eine Skiabfahrt vom Gipfel hat. Der 49-Jährige aus Bamberg hatte im vergangenen Mai den Kangchendzönga bestiegen, seinen dritten Achttausender nach Manaslu (2011) und Mount Everest (2013). Am K 2 hatte er 2015 auf 7000 Metern umkehren müssen.

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Moniz/Benegas: Doch noch Everest-Gipfelerfolg https://blogs.dw.com/abenteuersport/monizbenegas-doch-noch-everest-gipfelerfolg/ Sun, 20 May 2018 14:32:06 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=40833

Willie Benegas (l.) und Matt Moniz (r.)

Ende gut, alles gut. Heute erreichten der 20 Jahre alte US-Amerikaner Matt Moniz und sein Mentor, der 49 Jahre alte Argentinier Willie Benegas, den 8850 Meter hohen Gipfel des Mount Everest. „4.59 Uhr, Gipfel! Wir stehen auf dem Dach der Welt“, twitterte Matt. Am Mittwoch wollen die beiden auch noch den benachbarten Lhotse besteigen, den mit 8516 Metern vierthöchsten Berg der Erde. Wie berichtet, hatte das nepalesische Tourismusministerium zwischenzeitlich erwogen, Moniz und Benegas ihr Permit zu entziehen. Der Grund: Sie waren während eines Akklimatisierungsanstiegs mit Skiern die Lhotseflanke abgefahren – ohne ein so genanntes „Ski-Permit“ zu besitzen. Von dessen Existenz wussten jedoch nur wenige Eingeweihte. Nachdem sich auch rund 150 Climbing Sherpas in einem offenen Brief an das Tourismusministerium für Matt und Willie stark gemacht hatten, lenkten die Verantwortlichen ein und bewerteten das Vergehen als „sehr unschuldig begangenen Fehler“. Der Weg für den heutigen Everest-Gipfelversuch war frei.

Bulgare stirbt in Lager 3

R.I.P.

Seit dem ersten Gipfelerfolg der Saison am 13. Mai wurden inzwischen, Nord- und Südseite zusammengerechnet, knapp 500 Besteigungen gezählt. Derweil gab es am Everest einen weiteren Todesfall. Ein 62 Jahre alter Mazedonier kollabierte in Lager 3 und verstarb. Es war der fünfte Todesfall in dieser Saison an den Achttausendern.

Weitere Gipfelerfolge am Kangchendzönga

Kangchendzönga

Am 8586 Meter hohen Kangchendzönga erreichten heute mindestens elf Bergsteiger den höchsten Punkt. Das Team des Veranstalters „Asian Trekking“ wurde von Dawa Steven Sherpa angeführt. Am vergangenen Mittwoch hatten – wie berichtet – bereits fünf Bergsteiger auf dem dritthöchsten Berg der Erde gestanden, darunter auch der Deutsche Herbert Hellmuth. Maya Sherpa, die versucht hatte, als erste nepalesische Frau den Kangchendzönga zu besteigen, musste auf einer Höhe von rund 8500 Metern umkehren. Sie sei zu spät dran gewesen, zu müde und dann sei ihr auch noch der Flaschensauerstoff ausgegangen, berichtete die 40-Jährige auf Facebook.

Die drei höchsten Berge Nepals in einer Saison?

Nima Jangmu Sherpa (r.) und Mingma Gyalje Sherpa (l.)

In den nächsten Tagen versucht sich auch Nima Jangmu Sherpa am Kangchendzönga. Die 27-Jährige will gemeinsam mit Mingma Gyalje Sherpa, Chef des Veranstalters „Imagine“ aufsteigen. Gelangt sie bis zum Gipfel, hätte sie das Kunststück fertig gebracht, innerhalb einer Saison die drei höchsten Berge Nepals und damit drei der vier höchsten Gipfel der Welt bestiegen zu haben. Am 29. April hatte Nima Jangmu auf dem Lhotse gestanden, am 14. Mai auf dem Mount Everest.

Soria bricht Zelte am Dhaulagiri ab

Der spanische „Oldie“ Carlos Soria hat seine Dhaulagiri-Expedition für beendet erklärt. Der 79-Jährige war mit seinem Team bis auf eine Höhe von 7250 Metern aufgestiegen. Starker Wind hatte einen weiteren Aufstieg verhindert. Carlos will sich im Herbst an der Shishapangma versuchen, die ihm neben dem Dhaulagiri noch in seiner Achttausender-Sammlung fehlt. Für das Frühjahr 2019 plant Soria bereits seinen nächsten Versuch am Dhaulagiri. Es wäre sein zehnter.

Update 21. Mai: Matt Moniz und Willie Benegas erreichten auch den Gipfel des Lhotse, einen Tag nachdem sie auf dem Mount Everest gestanden hatten.

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Achttausender-Gipfelerfolge und ein Todesfall am Makalu https://blogs.dw.com/abenteuersport/achttausender-gipfelerfolge-und-ein-todesfall-am-makalu/ Tue, 15 May 2018 14:31:06 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=40739

Everest-Nordseite

Nun haben auch von der tibetischen Nordseite aus die ersten Bergsteiger aus Reihen der kommerziellen Teams den Mount Everest bestiegen. Der Schweizer Expeditionsleiter Kari Kobler berichtete, drei seiner Kunden hätten heute den höchsten Punkt auf 8850 Meter Höhe erreicht. Am Montag hatte das Team, das für das Legen der Fixseile über den Nordostgrat zum Gipfel verantwortlich war, seine Arbeit beendet. Auf der nepalesischen Südseite war dies schon einen Tag früher geschehen. Am Montag waren über die Südroute rund 50 Bergsteiger zum höchsten Punkt aufgestiegen. Darunter war auch der Australier Steve Plain. Der 36-Jährige stellte einen neuen Zeitrekord für die Besteigung der Seven Summits auf, der höchsten Berge aller Kontinente.

Und jetzt noch die Triple Crown?

Steve Plain

Plain komplettierte die Sammlung innerhalb von 117 Tagen und erreichte damit sein Ziel, die Seven Summits in unter vier Monaten zu besteigen. Bis dahin hatte der Pole Janusz Kochanski den Rekord mit 126 Tagen erreicht. Und Steve ist noch nicht müde. Heute, einen Tag nach ihrem Everest-Gipfelerfolg bestiegen er und der britische Expeditionsleiter Jon Gupta auch noch den benachbarten Lhotse. Damit fehlt Plain und Gupta zur so genannten „Triple Crown“, der Besteigung der drei höchsten Gipfel im Everest-Massiv innerhalb einer Saison, nur noch der 7861 Meter hohe Nuptse. Ein erster Gipfelversuch dort war Anfang Mai 200 Meter unterhalb des höchsten Punkts gescheitert. „Ich habe ihn nicht umsonst im letzten Jahr ‚Strong Steve‘ (starker Steve) genannt“, schreibt der Brite Tim Mosedale auf Facebook über Plain.

Sherpa stirbt am Makalu, Gipfelversuch am Dhaulagiri

Makalu

Derweil wird vom Achttausender Makalu ein Todesfall gemeldet. Nach Informationen der Zeitung „Himalayan Times“ starb ein 32 Jahre alter Sherpa im Basislager an den Folgen der Höhenkrankheit. Er hatte für eine chinesische Expedition gearbeitet. Am Dhaulagiri ist der 79 Jahre alte Spanier Carlos Soria mit seinem Team zu einem Gipfelversuch aufgebrochen. Carlos versucht sich bereits zum neunten Mal an dem 8167 Meter hohen Berg im Westen Nepals. Sollte er diesmal erfolgreich sein, wäre es sein 13. der 14 Achttausender. Neben dem Dhaulagiri fehlt Soria in seiner Sammlung nur noch die Shishapangma in Tibet.

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Gefahrenraum Zelt https://blogs.dw.com/abenteuersport/gefahrenraum-zelt/ Fri, 04 May 2018 09:37:40 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=40521

Camp 1 am Kokodak Dome (2014)

Das Zelt ist doch eigentlich ein Ort der Zuflucht und Geborgenheit. Und meistens fühlte ich mich auch sicher, wenn ich in den Bergen im Zelt lag. Doch es gab auch Ausnahmen. Etwa 2004 während meiner Reportagereise zum K 2, als ich im Basislager zu Füßen des zweithöchsten Bergs der Erde plötzlich aus dem Schlaf aufschreckte, weil der Gletscher unter meinem Zeltboden Geräusche machte, als wollte er mich im nächsten Augenblick verschlingen. Zehn Jahre später, bei der Erstbesteigung des Siebentausenders Kokodak Dome im Westen Chinas, schlugen wir unser Lager 1 auf gut 5500 Metern an ziemlich exponierter Stelle auf – und ich fragte mich: Was geschieht, wenn hier einmal ein richtiger Sturm wütet? Daran musste ich wieder denken, als ich Anfang der Woche vom Tod des Italieners Simone La Terra am Dhaulagiri erfuhr.

Ungutes Gefühl

Dhaulagiri

Ein heftiger Windstoß hatte den 36-Jährige mitsamt Zelt aus einer Höhe von rund 6900 Metern vom Nordostgrat in die Tiefe geweht. Sein Teampartner Waldemar Dominik war Augenzeuge des Unglücks. Der Pole hatte wegen des Lagerplatzes, den Simone ausgeguckt hatte, ein ungutes Gefühl gehabt und war weitergestiegen, um nach einer Alternative zu suchen. Als er zurückkehrte, sah er aus unmittelbarer Nähe, wie das Zelt von der Bö erfasst wurde. Dominik stieg zum Basislager ab und schlug Alarm. Die Leiche La Terras wurde am nächsten Tag auf einer Höhe von 6100 Metern entdeckt und geborgen.

Von Lawinen begraben

Manaslu

Dass Bergsteiger im Zelt sterben, ist keine Seltenheit. Objektiv gesehen, besteht das höchste Todesrisiko im Zelt darin, dass der Sensenmann in Form der Höhenkrankheit zuschlägt. Doch wie in La Terras Fall gibt es eben auch äußere Gefahren. In der Geschichte des Himalaya-Bergsteigens sind zahlreiche Bergsteiger ums Leben gekommen, weil sie, im Zelt liegend, von Lawinen erwischt wurden. Erinnert sei nur an die Lawine am 22. September 2012 am Achttausender Manaslu, die am frühen Morgen gleich zwei Hochlager traf und elf Bergsteiger tötete.

Knapp an der Tragödie vorbei

Alexander (r.) und Thomas Huber im Sommer 2015 im Karakorum

Mehr Glück hatten Alexander und Thomas Huber im Sommer 2015 am 6946 Meter hohen Latok III im Karakorum. Die „Huberbuam“ und ihre Teampartner Mario Walder und Dani Arnold wurden in ihrem Zelt von der Druckwelle einer Eislawine erfasst. „Wir hatten das Glück, dass wir eine kleine Plattform ausgeschaufelt hatten, um die Zelte perfekt zu positionieren. Und die kleine Kante, die dabei entstanden ist, hat uns das Leben gerettet. Sonst wären wir einfach weggeblasen worden“, erzählte mir Alexander Huber anschließend. „Es war viel, viel knapper, als ich es mir jemals hätte erträumen lassen. Und das ist doch schockierend.“

An der Felskante entlang geblasen

Auch bei der dritten Besteigung des Kangchendzönga 1979 durch eine britische Expedition fehlte nicht viel zu einer „Zelt-Tragödie“, als im Gipfelbereich ein Sturm losbrach. „Am 5. Mai um 1.30 Uhr morgens änderte der Wind die Richtung und nahm schnell an Stärke zu, wodurch der Mittelring des doppelwandigen Tunnelzeltes zerbrach“, schrieb Doug Scott damals. „Das Team hatte schnell Stiefel und Gamaschen an, aber um 2.30 Uhr wurde das Zelt zwei Fuß (ca. 60 Zentimeter) entlang der Felskante geblasen.“ Die Bergsteiger verließen im Eiltempo das Zelt. Wenig später wurde es vom Sturm zerrissen und verschwand in der Tiefe.

P.S.: Nach dem ersten Gipfelerfolg der Frühjahrssaison am Lhotse wurde am Donnerstag ein weiterer von einem anderen Achttausender gemeldet. Die „The Himalayan Times“ berichtete, die Chinesin Gao Xiaodan habe gemeinsam mit ihren Climbing Sherpas Nima Gyalzen Sherpa, Jit Bahadur Sherpa und Ang Dawa Sherpa den 8485 Meter hohen Gipfel des Makalu erreicht, des fünfthöchsten Bergs der Erde. Die 35-Jährige aus der Stadt Lanzhou, im Nordwesten Chinas gelegen, habe auf Flaschensauerstoff verzichtet. Gao hatte im Frühjahr 2017 erst den Mount Everest und drei Tage später anschließend auch noch den Lhotse bestiegen, jeweils mit Atemmaske.

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Lhotse-Gipfelerfolg, Todesfall am Dhaulagiri https://blogs.dw.com/abenteuersport/lhotse-gipfelerfolg-todesfall-am-dhaulagiri/ Mon, 30 Apr 2018 09:42:14 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=40447

Lhotse (in der Sonne)

Der frühe Achttausender-Vogel fängt den Wurm. Mingma Gyalje Sherpa ist wieder einmal seinem Ruf als Früh-Starter gerecht geworden und verbucht am 8516 Meter hohen Lhotse, dem vierthöchsten Berg der Erde, den ersten Achttausender-Gipfelerfolg dieser Frühjahrssaison. „Wir sind jetzt auf dem Gipfel des Lhotse“, schrieb der 32-Jährige am Sonntagfrüh auf Facebook. „Danke an das ‚Madisson‚-Team für seine harte Arbeit hinauf bis 7800 Meter und an unser Team für die weitere Arbeit bis zum Gipfel. Das Team von ‚Imagine Trek & Expedition‚ rockt.“ Mingma ist Chef und Expeditionsleiter des nepalesischen Veranstalters. 

Sechsmal in der Todeszone

Mingma Gyalje Sherpa

Auch im Frühjahr 2017 hatte Mingma am Dhaulagiri den ersten Gipfelerfolg der Saison gestartet. Am Ende des Jahres hatte er sechsmal die Achttausender-Grenze überquert:  am Dhaulagiri, Makalu, K 2, Broad Peak und zweimal am Nanga Parbat. Viermal erreichte er den Gipfel (Dhaulagiri, Makalu, K 2, Nanga Parbat), die fünfte Besteigung am Broad Peak ist umstritten. Für dieses Frühjahr hatte er sich vorgenommen, zwei chinesische Kunden auf den Lhotse zu führen und fünf weitere auf den Everest. Teil eins des Plans ist abgehakt.

Mit Zelt abgestürzt

R.I.P.

Derweil wird vom Dhaulagiri der erste Todesfall der Achttausender-Saison gemeldet. Die Leiche des Italieners Simone La Terra sei auf 6100 Meter Höhe gefunden worden, berichtet die Zeitung „Himalayan Times“. Eine Sturmböe habe das Zelt, in dem sich der 36-Jährige aufhielt, in den Abgrund gefegt. La Terra hatte bereits fünf Achttausender bestiegen.

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Carlos Soria: Dhaulagiri, Klappe, die neunte! https://blogs.dw.com/abenteuersport/carlos-soria-dhaulagiri-klappe-die-neunte/ Tue, 27 Mar 2018 10:22:44 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=40079

Carlos Soria

Carlos Soria ist nicht kleinzukriegen. Der inzwischen 79 Jahre alte Spanier ist erneut nach Nepal aufgebrochen, um seinen 13. der 14 Achttausender zu besteigen. Zum nun schon neunten Mal versucht sich Carlos am Dhaulagiri.  Im vergangenen Jahr hatten sich Soria und Co. bei ihrem einzigen Gipfelversuch im oberen Teil des 8167 Meter hohen Bergs verstiegen. Zudem hatte immer dichterer Nebel einen weiteren Aufstieg unmöglich gemacht. Starker Schneefall hatte später einen zweiten Versuch verhindert. „Diesmal bin ich sicher, dass wir erfolgreich sein werden“, verkündete der wohl fitteste aller Höhenbergsteiger-Senioren vor seiner Abreise nach Kathmandu optimistisch. 

Familienausflug ins Khumbu-Gebiet

Trekking mit Tochter und Enkeln

Soria will sich mit einer Trekkingtour im Khumbu-Gebiet akklimatisieren, die gleichzeitig ein Familienausflug wird: Seine Tochter Sonsoles und seine 10 Jahre alten Enkelkinder Andrea und Carlos werden ihn begleiten. Anschließend wird er sich dann mit drei spanischen Freunden und seinem Sherpa-Team auf den Weg zum Dhaulagiri machen, wo er Mitte April eintreffen will. Erst kurz vor dem Beginn der Expedition war es Carlos gelungen, einen Sponsor für seine Reise zum siebthöchsten Berg der Erde zu finden.

Shishapangma im Herbst?

Carlos 2017 am Dhaulagiri

Sollte ihm in diesem Frühjahr der langersehnte Erfolg am Dhaulagiri gelingen, will Soria im Herbst versuchen, auch die Shishapangma zu besteigen und damit seine Achttausendersammlung zu komplettieren. 2005 hatte Carlos auf dem Mittelgipfel der Shishapangma gestanden, der mit einer Höhe von 8008 Metern zwar auch jenseits der Achttausender-Marke liegt, aber eben 19 Meter ist als der Hauptgipfel. 2103 und 2014 war Soria mit leeren Händen von der Shishapangma zurückgekehrt.

Schon acht Altersrekorde an Achttausendern

Carlos hält die Altersrekorde am K 2 (65 Jahre), Broad Peak (68), Makalu (69, damals stieg er solo und ohne Flaschensauerstoff auf), Gasherbrum I (70), Manaslu (71), Lhotse (72), Kangchendzönga (75) und der Annapurna (77). Im Falle, dass er auch noch den Dhaulagiri und die Shishapangma besteigt, wäre Carlos Soria der mit Abstand älteste Mensch, der auf allen 14 Achttausendern stand. Bisher hält diesen „Rekord“ der Spanier Oscar Cadiach, der 2017 als 64-Jähriger den Broad Peak, seinen letzten Achttausender bestieg. Die Fitness scheint Carlos in den Genen zu liegen. „Meine Mutter wurde 96 Jahre alt,“ sagte der Spanier in einem Interview von desnivel.com. „Mit 90 schaffte sie es noch ohne Aufzug in den dritten Stock.“

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Der „dritte Mann“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/der-dritte-mann/ Sat, 16 Dec 2017 14:54:02 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=38879

Nach der Begegnung mit dem „Dritten Mann“ am Putha Hiunchuli (2011)

Ich habe es selbst erlebt. Es geschah im Herbst 2011 bei meinem gescheiterten Gipfelversuch am 7246 Meter hohen Putha Hiunchuli im Westen Nepals, auf gut 7000 Metern. Meine Teamgefährten waren außer Reichweite vorneweg, ich kämpfte mich alleine weiter nach oben, körperlich und geistig am Limit. „Please!“, hörte ich plötzlich hinter mir Pemba Nuru sagen, einen unserer beiden Climbing Sherpas. „Bitte was?“, fragte ich und drehte mich um. Aber dort war niemand. Seltsam. Wissenschaftler sprechen vom Phänomen des „Dritten Manns“. Schilderungen derartiger Halluzinationen gibt es zuhauf in Expeditionsberichten von den höchsten Bergen der Welt. Psychiater der Medizinischen Universität Innsbruck und Notfallmediziner des privaten Forschungszentrums Eurac Research in Bozen haben jetzt rund 80 derartige Beschreibungen aus der Alpinliteratur untersucht und nach eigenen Angaben eine neue Krankheit entdeckt: die „isolierte höhenbedingte Psychose“.

Sieben von acht

Bisher waren Höhenmediziner davon ausgegangen, dass organische Ursachen dafür verantwortlich sind, wenn Höhenbergsteiger plötzlich Personen sehen und hören oder Gerüche wahrnehmen, die eigentlich gar nicht da sind. Die Forscher aus Österreich und Südtirol fanden jedoch heraus, „dass es eine Gruppe von Symptomen gibt, die rein psychotisch sind, das heißt, dass sie zwar mit der Höhe zusammenhängen, jedoch weder auf ein Höhenhirnödem noch auf andere organischen Faktoren wie Flüssigkeitsverlust, Infektionen oder organische Erkrankungen zurückzuführen sind“, erklärt Hermann Brugger, Leiter des Instituts für Alpine Notfallmedizin in Bozen. Brugger hatte in einer früheren Studie festgestellt, dass sieben von acht Weltklasse-Bergsteigern, die oberhalb von 8500 Metern ohne Flaschensauerstoff unterwegs waren, schon einmal halluziniert hatten.

Beinahe gesprungen

Dhaulagiri

Die gute Nachricht der neuen Studie: Die „nackten“ Psychosen in der Höhe sind nur vorübergehend und hinterlassen keine Folgeschäden. Die schlechte: Am Berg können sie die Alpinisten in ernsthafte Gefahr bringen. So beschreibt der Slowene Iztok Tomazin, einer der Autoren der Studie, eine Halluzination, die er selbst während eines Gipfelversuchs am Achttausender Dhaulagiri im Dezember 1987 hatte. Mehrere Bergführer(-Geister) hätten ihm geraten, die Ostwand hinunterzuspringen. Innerhalb von wenigen Sekunden würde er einen flachen und sicheren Platz 2000 Meter tiefer erreichen und wäre alle Probleme los. „Ich wäre beinahe gesprungen, und das hätte hundertprozentig meinen Tod bedeutet“, schreibt Tomazin. Doch dann besann er sich und machte einen Test: Er sprang nur zwei Meter tief und stieß sich prompt an einem Felsband. Der Schmerz öffnete ihm die Augen, dass es vielleicht doch keine so gute Idee wäre, die ganze Wand hinunterzuspringen.

Weitere Forschungen in Nepal

„Vermutlich gibt es eine Dunkelziffer von Unfällen und Todesfällen infolge von Psychosen“, sagt Notfallmediziner Brugger. Deshalb sei es wichtig, Extrembergsteiger über die möglicherweise auftretenden Halluzinationen zu informieren. Außerdem sollten ihnen Strategien an die Hand gegeben werden, wie sie mit dem „Dritten Mann“ umgehen könnten, ohne in Gefahr zu geraten, ergänzt Katharina Hüfner, Psychiaterin an der Medizinischen Universität Innsbruck. Im nächsten Frühjahr wollen die Wissenschaftler zusammen mit nepalesischen Ärzten im Himalaya weiterforschen. So wollen sie unter anderem herausfinden, wie häufig diese Psychosen in großer Höhe auftreten. „Die höchsten Berge der Welt sind wahnsinnig schön“, sagt  Hermann Burger. „Wir wussten nur nicht, dass sie uns auch in den Wahnsinn treiben können.“

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Erstbesteigung des Burke Khang – ohne Burke https://blogs.dw.com/abenteuersport/erstbesteigung-des-burke-khang-ohne-burke/ Sun, 08 Oct 2017 10:38:04 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=38057

Burke Khang

Die ganz große Pointe fehlte. Der 6942 Meter hohe Burke Khang ist erstmals bestiegen worden – doch Bill Burke, der Mann, nach dem der Berg im Gokyo-Tal, nahe dem Mount Everest, benannt ist, stand nicht ganz oben. Nach Informationen des nepalesischen Expeditionsveranstalters Asian Trekking  erreichten der Nordire Noel Hanna sowie die Sherpas Naga Dorje Sherpa, Pemba Tshering Sherpa und Samden Bhote am Donnerstag den Gipfel des Burke Khang. Bill sei bis Lager eins aufgestiegen und habe nicht versucht, höher zu steigen, hieß es. Schade! Denn allein wegen seiner Hartnäckigkeit hätte er es eigentlich verdient gehabt, zu den Erstbesteigern „seines“ Bergs zu gehören. Zum vierten Mal – nach 2015 und 2016 jeweils im Herbst sowie im Frühjahr 2017 – war der inzwischen 75 Jahre alte US-Amerikaner zum Burke Khang gereist. Die früheren Versuche waren am schlechten Wetter oder den zu gefährlichen Bedingungen am Berg gescheitert.

Späte Höhenbergsteiger-Karriere

Bill Burke

Bill war erst im Seniorenalter, nach einer erfolgreichen Karriere als Jurist, zum Höhenbergsteiger geworden. Mit 67 Jahren hatte er den Mount Everest von der nepalesischen Südseite bestiegen, mit 72 von der tibetischen Nordseite aus. Vier Tage vor seinem zweiten Everest-Coup hatte die Regierung in Kathmandu verkündet, dass der noch unbestiegene Fast-Siebentausender nahe dem Mount Everest nun Burke Khang heiße. „Der genaue Grund für diese großzügige Geste wurde mir nie mitgeteilt“, erzählte Bill 2015 in einem Interview der Internetseite pythom.com.

Hanna war achtmal auf dem Everest

Der Nordire Noel Hanna, der jetzt am Burke Khang erfolgreich war, ist ein erfahrener Bergführer. Der 50-Jährige, der in Südafrika lebt, hat achtmal den Mount Everest bestiegen, zweimal mit seiner Ehefrau Lynn. Die beiden waren das erste Ehepaar, das den höchsten Gipfel der Erde sowohl von Norden, als auch von Süden erreichte. Noel hat die Seven Summits bestiegen, die höchsten Berge aller Kontinente, und ist auch ein erfolgreicher Ultra-Bergläufer.

Gipfelerfolge am Dhaulagiri

Dhaulagiri

Nachdem der Spanier Carlos Soria – wie berichtet – am 8167 Meter hohen Dhaulagiri gescheitert war, wurden jetzt doch noch Gipfelerfolge vom siebthöchsten Berg der Erde gemeldet. Am 29. September stand der Bulgare Bojan Petrov nach eigenen Angaben ganz oben. Für den 44-Jährigen war es sein zehnter Achttausender. Zwei Tage später, am 1. Oktober, erreichten der russische Bergsteiger Yuri Kruglov und Ang Phurba Sherpa sowie etwas später Dendi Sherpa den höchsten Punkt.

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Soria bricht Dhaulagiri-Expedition ab, Gipfelerfolge am Manaslu https://blogs.dw.com/abenteuersport/soria-bricht-dhaugaliri-expedition-ab-gipfelerfolge-am-manaslu/ Tue, 26 Sep 2017 16:53:39 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=37955

Carlos Soria am Dhaulagiri

Der wohl fitteste aller Höhenbergsteiger-Senioren muss weiter auf seinen 13. Achttausender warten. Carlos Soria erklärte seine Expedition am 8167 Meter hohen Dhaulagiri wegen der großen Schneemengen am Berg für beendet. Während des Aufstiegs des 78-Jährigen Spaniers und seiner Begleiter nach Lager eins seien nicht weit entfernt mehrere Lawinen abgegangen, ließ Carlos auf Facebook wissen. Die Lawinengefahr werde auch in den oberen Bereichen des Bergs fortbestehen. Zudem seien die Fixseile, die sie vorher angelegt hätten, von den Schneemassen begraben. „Wegen all dieser Widrigkeiten bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere Dhaulagiri-Expedition für diese Saison endgültig abzubrechen“, heißt es in Sorias Nachricht. Ein erster Gipfelversuch war vor anderthalb Wochen auf einer Höhe von rund 7800 Metern gescheitert, weil sich Carlos und Co. verstiegen hatten und der Nebel immer stärker geworden war.

Zwei fehlen weiterhin in der Sammlung

Dhaulagiri

Der Spanier hält die Altersrekorde am K 2 (65 Jahre), Broad Peak (68), Makalu (69, damals stieg er solo und ohne Flaschensauerstoff auf), Gasherbrum I (70), Manaslu (71), Lhotse (72), Kangchendzönga (75) und der Annapurna (77). Am Dhaulagiri ist er nun schon siebenmal gescheitert, zuletzt im vergangenen Frühjahr. Außerdem fehlt ihm noch die 8027 Meter hohe Shishapangma, um seine Achttausender-Sammlung zu komplettieren. Sollte ihm das Kunststück gelingen, wäre Carlos Soria der mit Abstand älteste Mensch sein, der auf allen 14 Achttausendern stand. Bisher hält diesen „Rekord“ der Pole Piotr Pustelnik, der 2010 als 58-Jähriger seinen letzten Achttausender bestieg.

Gipfelwelle am Manaslu rollt

Manaslu (l.) und Pinnacle East (r.)

Immerhin hatte Carlos den Dhaulagiri in diesem Herbst fast für sich. Das kann am nicht weit entfernten Manaslu derzeit niemand behaupten. Rund 500 (!) Bergsteiger haben im dortigen Basislager ihre Zelte aufgeschlagen. Am Montag vergangener Woche waren von dem 8163 Meter hohen „Berg der Seele“ die ersten Gipfelerfolge vermeldet worden. Gestern und heute berichteten mehrere Teams über die sozialen Netzwerke, dass auch sie den höchsten Punkt erreicht hätten. Und die große Welle ist erst jetzt richtig losgerollt. Unter denen, die zu ihrem Gipfelversuch aufgebrochen sind, ist auch das deutsche Höhenbergsteiger-Ehepaar Alix von Melle und Luis Stitzinger. Beide haben bisher sechs Achttausender bestiegen, fünf davon gemeinsam. Gestern war ein 46 Jahre alter Brite am Manaslu ums Leben gekommen. Nachdem er seinen Aufstieg wegen Anzeichen schwerer Höhenkrankheit abgebrochen hatte, verstarb er beim Abstieg auf gut 6000 Metern.

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Großer Andrang am Manaslu https://blogs.dw.com/abenteuersport/grosser-andrang-am-manaslu/ Wed, 06 Sep 2017 14:39:22 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=37439

Manaslu

Der Manaslu wird einmal mehr zum „Everest der Herbstsaison“. Das Basislager zu Füßen des achthöchsten Bergs der Erde (8163 Metern) dürfte in Kürze an die Zeltstadt am höchsten aller Berge im Frühjahr erinnern. Nach Angaben der Zeitung „The Himalayan Times“ erteilte das nepalesische Tourismusministerium bisher mindestens 135 Besteigungsgenehmigungen an ausländische Bergsteiger. Geht man davon aus, dass im Schnitt auf jeden ausländischen etwa ein einheimischer Climbing Sherpa kommt und sicher auch noch der eine oder andere Spätentschlossene dazu stößt, werden sich wohl – inklusive Küchenpersonal – zwischen 300 und 400 Menschen um die besten Stellplätze im Basislager streiten. Und auch auf der Normalroute über die Nordostflanke des Bergs dürfte es eng werden.

Ein Grund für den großen Andrang am Manaslu ist die Entscheidung der chinesischen Behörden von Anfang Juni, die Herbstsaison 2017 komplett abzusagen, um die Vorschriften für Bergsteiger „anzupassen und zu verbessern“. Das jedenfalls war die offizielle Begründung. Inoffiziell wird spekuliert, dass die Führung in Peking während des nur alle fünf Jahre stattfindenden Parteitags der chinesischen Kommunisten Mitte Oktober Unruhen in Tibet für möglich hält und dabei ungern westliche Zuschauer hätte.

Nächster Anlauf für von Melle und Stitzinger

Alix von Melle und Luis Stitzinger

Der Manaslu ist ein beliebtes Alternativziel, wenn China die Grenze nach Tibet für ausländische Bergsteiger schließt. Schon im Herbst 2012 und im Herbst 2015 waren viele kommerzielle Veranstalter auf den Manaslu ausgewichen. Knapp 1000-mal wurde der „Berg der Seele“ inzwischen bestiegen. Unter den Gipfelanwärtern in diesem Herbst sind auch Alix von Melle und Luis Stitzinger. Dem deutschen Bergsteiger-Ehepaar fehlt der Manaslu noch in der Achttausender-Sammlung. Die 46 Jahre alte Alix und der 48 Jahre alte Luis haben bisher jeweils sechs Achttausender bestiegen, fünf davon gemeinsam. Im Herbst 2012 hatten die beiden am Manaslu eine Höhe von knapp unter 8000 Metern erreicht. In der aktuellen Saison leitet Luis eine Expedition des deutschen Veranstalters Amical alpin.

Soria erneut am Dhaulagiri

Deutlich einsamer als am Manaslu geht es in diesem Herbst an den Achttausendern Dhaulagiri (8167 Meter) und Lhotse (8516 Meter) zu. Nach seinem gescheiterten Versuch im vergangenen Frühjahr versucht sich der Spanier Carlos Soria erneut mit seinem Team am Dhaulagiri. Der siebthöchste Berg der Erde wäre für den 78-Jährigen sein 13. Achttausender. Im Erfolgsfall würde ihm nur noch die Shishapangma fehlen. Carlos bestieg seinen ersten Achttausender, den Nanga Parbat, mit 51 Jahren. Der leistungsstarke Senior hält bereits die Altersrekorde am K 2 (65 Jahre), Broad Peak (68), Makalu (69), Gasherbrum I (70), Manaslu (71), Lhotse (72), Kangchendzönga (75) und an der Annapurna (77).

Koreanisch-spanischer Versuch an Lhotse-Südwand

Lhotse-Südwand

Wie Soria am Dhaulagiri versucht sich auch der Südkoreaner Sung Taek Hong an der Lhotse-Südwand zum wiederholten Mal. 2014 und 2015 war Sung jeweils im Herbst mit Versuchen gescheitert, die mehr als 3000 Meter hohe, äußerst schwierige Wand auf einer teilweise neuen Route zu besteigen. Diesmal ist der 51-Jährige mit dem 49 Jahre alten Spanier Jorge Egocheaga unterwegs. Jorge ist ein äußerst erfahrener Höhenbergsteiger, der auf allen 14 Achttausendern gestanden hat. Lediglich am Everest nutzte er Flaschensauerstoff.

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Der schnelle Mingma https://blogs.dw.com/abenteuersport/der-schnelle-mingma/ Sat, 17 Jun 2017 19:43:35 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36705

Mingma Gyalje Sherpa

Er verdient sich immer mehr den Beinamen „Der Frühstarter“. Während die meisten anderen noch damit beschäftigt sind, ihre Basislager im Karakorum einzurichten, führte Mingma Gyalje Sherpa, Chef des nepalesischen Expeditionsveranstalters Dreamers Destination, bereits am vergangenen Sonntag ein Team auf den 8125 Meter hohen Gipfel des Nanga Parbat. Der Erfolg am neunthöchsten Berg der Erde war gleichzeitig der erste der Sommersaison an den Achttausendern Pakistans. Auch in der zurückliegenden Frühjahrssaison in Nepal und Tibet hatte Mingma den ersten Achttausender-Erfolg vorgelegt: Der 31-Jährige erreichte am 30. April mit seinem Team den Gipfel des 8167 Meter hohen Dhaulagiri. Keine zwei Wochen später stand er mit Tashi Sherpa und einem Kunden aus China auf dem 8485 Meter hohen Hauptgipfel des Makalu – auch auf diesem Gipfel war Mingma der erste in diesem Frühjahr.

Bald Nummer zwölf?

Gipfel im Abendlicht

Der Nanga Parbat war Mingmas elfter Achttausender. Bis auf den Mount Everest – auf dem er bisher fünfmal stand – hat er sie allesamt ohne Atemmaske bestiegen. „Ich möchte auch den Everest wenigstens einmal ohne Flaschensauerstoff schaffen“, verriet mir der Sherpa unlängst. Zunächst aber schickt er sich an, Achttausender Nummer zwölf folgen zu lassen. Nach dem Nanga Parbat machte sich Mingma mit einem Team von Dreamers Destination auf den Weg zu Broad Peak und K 2. Sein Ziel: Er will auch diese beiden Achttausender in diesem Sommer besteigen. Der 8051 Meter hohe Broad Peak fehlt noch in Mingmas Sammlung. Den 8611 Meter hohen Gipfel des K 2, des zweithöchsten Bergs der Erde, hatte er bereits 2014 erreicht.

Bergsteiger aus Nepal ins Licht holen

Mingma im Mai auf dem Gipfel des Makalu

Mingma Gyalje Sherpa gehört zur neuen Generation von Sherpa-Unternehmern: Jung, gut ausgebildet, seriös und erfolgreich. Der 31-Jährige hat ein Bergführer-Zertifikat des Weltverbands UIAGM, sein Unternehmen Dreamers Destination genießt in der Szene einen sehr guten Ruf. Zudem ist Mingma ein ausgezeichneter Bergsteiger. So sorgte er im Herbst 2015 mit seiner Solo-Erstbegehung der Westwand des 6685 Meter hohen Chobutse für Schlagzeilen. Nepalesische Bergsteiger würden nicht ausreichend wertgeschätzt, findet Mingma: „Sie sind fast immer der Grund für erfolgreiche Expeditionen an Sieben- und Achttausendern. Meistens bleiben sie jedoch unsichtbar. Ich will sie ins Licht holen.“ Der Sherpa ist noch Single: „Ich möchte erst einmal dafür sorgen, dass ich mich später an schöne Bergtouren erinnern kann. Wenn ich eine Familie habe, werde ich dazu nicht mehr in der Lage sein.“

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Gipfelversuch in der Annapurna-Nordwestwand läuft https://blogs.dw.com/abenteuersport/gipfelversuch-in-der-annapurna-nordwestwand-laeuft/ Fri, 19 May 2017 14:53:46 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36295

Nordwestansicht der Annapurna (links der Hauptgipfel)

Das für das kommende Wochenende vorhergesagte Schönwetterfenster hat nicht nur am Mount Everest dazu geführt, dass zahlreiche Teams ihre Gipfelversuche gestartet haben. Auch an anderen Achttausendern haben Bergsteiger die Basislager verlassen. So hat am Makalu der Deutsche Thomas Lämmle, der allein und ohne Flaschensauerstoff unterwegs ist, heute sein Zelt bereits ziemlich weit oben, am Makalu La auf gut 7400 Metern aufgestellt. Am Dhaulagiri peilen der 78 Jahre alte Spanier Carlos Soria und seine Mitstreiter für Sonntag den Gipfel an. An der Annapurna sind der Pole Adam Bielecki, der Brite Rick Allen und der Deutsche Felix Berg am Mittwoch zu ihrem Gipfelversuch aufgebrochen.

„Schwierige Aktion“

Annapurna-Nordwestwand

Das Trio will – wie berichtet – eine neue Route durch die selten begangene Nordwestwand des 8091 Meter hohen Bergs eröffnen. Der Vierte im ursprünglichen Bunde, der Kanadier Louis Rousseau, war Anfang Mai in seine Heimat zurückgekehrt, weil sein Zeitbudget für die Expedition aufgebraucht war. Anschließend gelang es Adam, Rick und Felix im zweiten Anlauf, den 7134 Meter hohen Tilicho Peak zu besteigen, um sich weiter zu akklimatisieren. „Dabei erhaschten wir auch einen Blick auf die Annapurna-Nordwestwand, unser nächstes Ziel“, schrieb Felix Berg in seinem Blog.

Nach Angaben von Felix‘ Freundin war das Wetter gestern „nicht ideal“ mit viel Wind. Außerdem berichteten die drei Kletterer über viel Schnee und Lawinen. Sie biwakierten auf einem kleinen Eisplateau in der Wand auf etwa 6000 Metern Höhe. „Schwierige Aktion, wie erwartet“, hieß es. „Gut spannend.“ Also Daumen drücken!

Gheychisaz besteigt den Lhotse

Der Iraner Azim Gheychisaz hat heute nach eigenen Angaben ohne Flaschensauerstoff den 8516 Meter hohen Gipfel des Lhotse erreicht, des vierthöchsten Bergs der Erde. Damit habe er alle 14 Achttausender ohne Atemmaske bestiegen, ließ das Team des Iraners auf Facebook wissen. Laut der Bergsteiger-Internetseite „Altitude Pakistan“ stehen hinter der Besteigung des Manaslu im Jahr 2012 noch Fragezeichen.

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Gipfel, Gipfel, Gipfel … https://blogs.dw.com/abenteuersport/gipfel-gipfel-gipfel/ Tue, 16 May 2017 09:59:04 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36223

Dominik Müller am Everest

Es hagelt Erfolgsmeldungen aus Nepal. Vor allem vom Mount Everest. Dort erreichten am heutigen Dienstag Dutzende von Bergsteigern sowohl von der tibetischen Nordseite als auch der nepalesischen Südseite aus den höchsten Punkt auf 8850 Metern. Unter ihnen war auch der Rumäne Horia Colibasanu – der erste Bergsteiger, der den Everest in diesem Frühjahr ohne Flaschensauerstoff bestiegen hat. „Es war sehr, sehr hart und sehr, sehr kalt“, ließ der 40-Jährige via Facebook wissen. Für Colibasanu war es der achte Achttausender. Er stieg von Norden aus auf, ebenso wie der deutsche Expeditionsleiter Dominik Müller.  Der 46 Jahre alte Chef des Anbieters Amical alpin erreichte mit einem Kunden den Gipfel, beide nutzten Flaschensauerstoff.

Sherpa-Team auf dem Lhotse

Ebenfalls von Tibet aus stieg die Britin Mollie Hughes auf. 2012 hatte sie den Gipfel des Everest über die nepalesische Normalroute erreicht. Die 26-Jährige reihte sich als 15. in den Kreis der Bergsteigerinnen ein, die den höchsten Berg der Erde von beiden Seiten bestiegen haben. Die Erste war 1999 die Südafrikanerin Cathy O’Dowd.

Erstmals seit drei Jahren standen nach einem Bericht der Zeitung „Himalayan Times“ Bergsteiger auch wieder auf dem 8516 Meter hohen Gipfel des Lhotse. Ein Sherpa-Team legte Fixseile bis zum höchsten Punkt.

Hamor vervollständigt Achttausender-Sammlung

Peter Hamor

Peter Hamor hat am Dhaulagiri, dem siebthöchsten Berg der Erde, als erster Slowake seine Sammlung der 14 Achttausender komplettiert. Der 52-Jährige erreichte mit seinem Landsmann Michal Sabovcik den 8167 Meter hohen Gipfel. Bis auf den Everest bestieg Hamor alle Achttausender ohne Flaschensauerstoff. Für Sabovcik war es der erste Erfolg an einem Achttausender. Einen Gipfelversuche gab es auch am Kangchendzönga, dem dritthöchsten aller Berge. Unter anderen wollte das starke nepalesische Frauen-Trio Pasang Lhamu Sherpa Akita, Dawa Yangzum Sherpa und Maya Sherpa heute den 8586 Meter hohen Gipfel erreichen. Nach ersten Twittermeldungen mussten alle Bergsteiger rund 400 Meter unterhalb des Gipfels umkehren, weil ihnen die Fixseile ausgegangen waren.

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Gipfelerfolg am Dhaulagiri, Sherpa-Protest am Everest https://blogs.dw.com/abenteuersport/gipfelerfolg-am-dhaulagiri-sherpa-protest-am-everest/ Wed, 03 May 2017 14:58:52 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36073

Dhaulagiri

Der erste Gipfelerfolg an einem Achttausener in diesem Frühjahr wird vom Dhaulagiri vermeldet, dem siebthöchsten Berg der Erde. „Wir erreichten am Sonntag den Gipfel des Dhaulagiri“, schreibt Mingma Gyalje Sherpa, Chef des Expeditionsveranstalters Dreamers Destination, auf Facebook, „am selben Tag, als einer der besten Solo-Bergsteiger starb. Sehr traurig, diese Nachricht zu hören. RIP Ueli (Steck).“ Laut Mingma erreichte er mit zwei Kunden und zwei weiteren Sherpas den höchsten Punkt auf 8167 Metern. Für den 31 Jahre alten Mingma Gyalje Sherpa ist der Dhaulagiri der neunte Achttausender, den er bestiegen hat.

„Ignoranz der Regierung“

Mount Everest

Derweil kamen im Basislager zu Füßen des Mount Everest kamen nach einem Bericht der Zeitung „Himalayan Times“ mehrere hundert Sherpas zusammen, um gegen die Regierung Nepals zu protestieren. Die Sherpas mahnten ihre Everest-Gipfelzertifikate an, die ihnen seit der Frühjahrssaison 2016 vorenthalten werden. „Die Ignoranz der Regierung ist höchst bedauerlich und nicht hinnehmbar“, heißt es in einem Schreiben, das unter anderem an das Tourismusministerium geschickt wurde. Der Generaldirektor des Ministeriums, Dinesh Bhattarai, sagte, der Prozess, die umstrittene Vorschrift zu ändern, werde beschleunigt. Künftig sollten auch die Climbing Sherpas als Expeditionsmitglieder anerkannt werden und Gipfelzertifikate erhalten.

Bergsteiger zweiter Klasse?

Im vergangenen Jahr  waren den Einheimischen erstmals die Urkunden für den Everest und alle anderen Berge Nepals, die höher als 6500 Meter sind, verweigert worden – unter Hinweis auf die seit 2002 geltenden „Regeln für Expeditionen“. Darin heißt es, ein Gipfelzertifikat stehe jedem „Team-Mitglied einer erfolgreichen Expedition“ zu. Climbing Sherpas seien im Sinne des Gesetzes keine Expeditionsmitglieder, argumentierte die Regierung damals. Ein Schlag ins Gesicht der Sherpas.

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