Tibet – Abenteuer Sport https://blogs.dw.com/abenteuersport Blog über Expeditionen und Grenzerfahrungen Wed, 06 Mar 2019 10:38:57 +0000 de-DE hourly 1 Schärfere Expeditionsregeln an den Achttausendern Tibets https://blogs.dw.com/abenteuersport/schaerfere-expeditionsregeln-an-den-achttausendern-tibets/ Tue, 04 Dec 2018 15:08:35 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=42879

Tibetische Everest-Nordseite

Da dürfte den Expeditionsveranstaltern in Nepal vor Schreck der Stift aus der Hand gefallen sein. In den neuen „Regeln für ausländische Expeditionen“ in Tibet (die mir vorliegen) heißt es unter Punkt sechs: „Um eine gesunde und geordnete Entwicklung des Bergsteigens zu gewährleisten und das Auftreten von Bergunfällen  zu minimieren, werden Bergsteiger-Teams, die in Nepal organisiert wurden, vorübergehend nicht akzeptiert.“ Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfuhr, reiste eine Abordnung aus Nepal umgehend nach China, um zu erreichen, dass diese Vorschrift gestrichen oder wenigstens abgemildert wird. Offenbar waren die Delegierten der nepalesischen Veranstalter zumindest teilweise erfolgreich. Einige Agenturen sollen angeblich aber keine Genehmigung mehr erhalten. Die chinesische und die tibetische Bergsteiger-Vereinigung wollen nur noch mit Expeditionsveranstaltern zusammenarbeiten „die über einen guten sozialen Ruf verfügen, eine ausgeprägte Fähigkeit zur Teambildung, eine verlässliche Qualität der Dienstleistungen, ausgezeichnete fachliche Qualität, und die gesetzestreu sind“.

Pro Kunde ein Sherpa

Mülltonnen im Everest-Basislager

Vom Frühjahr 2019 an soll zudem an den Achttausendern Tibets die Regel gelten, dass jeder Kunde kommerzieller Expeditionen “von einem nepalesischen Bergführer“ begleitet werden muss. Neue Vorschriften gibt es auch in Sachen Umweltschutz und Bergrettung. So wird pro Everest-Anwärter künftig eine „Müll-Sammelgebühr“ von 1500 US-Dollar fällig, an Cho Oyu und Shishapangma müssen je 1000 Dollar berappt werden. Nepalesische Bergführer sind von dieser Gebühr ausgenommen, ebenso wie das Basislagerpersonal. Alle Expeditionsteilnehmer werden zudem verpflichtet, pro Person acht Kilogramm Müll vom Berg bei den zuständigen chinesischen Verbindungsoffizieren im Basislager abzugeben.

Rettungsteam im ABC

Für die Bergrettung an Everest, Cho Oyu und Shishapangma soll künftig ein Team zuständig sein, das von den tibetischen Behörden und dem örtlichen Expeditionsveranstalter „Tibet Yarlha Shampo Expedition“ gestellt wird. Während der Zeit der Gipfelversuche sollen sich vier bis sechs Rettungskräfte ständig in den vorgeschobenen Basislagern aufhalten.  Pro Expedition werden die chinesisch-tibetischen Behörden eine Kaution von 5000 US-Dollar einkassieren, die nur zurückgezahlt wird, wenn es innerhalb der Gruppe keine Unfälle gegeben hat und wenn alle Umweltschutzauflagen erfüllt worden sind.

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Bald nur noch E-Fahrzeuge im tibetischen Everest-Basislager? https://blogs.dw.com/abenteuersport/bald-nur-noch-e-fahrzeuge-im-tibetischen-everest-basislager/ Fri, 02 Nov 2018 13:29:32 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=42637

Nordseite des Mount Everest

Werden die Bergsteiger auf der tibetischen Nordseite des Mount Everest im nächsten Frühjahr mit Elektro-Buggies ins Basislager chauffiert, wie man sie von Golfplätzen kennt? Über entsprechende Pläne der tibetischen Provinzregierung berichten staatliche chinesische Medien. Schrittweise sollten alle Fahrzeuge ohne Elektromotoren aus dem Basislager verbannt werden, um die Luftverschmutzung zu reduzieren. „In der Hochsaison zählen wir in dem Lager durchschnittlich zwischen 200 und 400 Fahrzeuge pro Tag“, sagte Tang Wu, Vorsitzender der zuständigen Kommission. „Pro Jahr summiert sich das auf rund 20.000 Fahrzeuge.“

Mehr als 100.000 Besucher im Jahr

Das über eine asphaltierte Straße erreichbare „Chinese Base Camp“ hat sich mehr und mehr zu einer touristischen Attraktion entwickelt.  Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua besuchten 2017 mehr als 100.000 Menschen den Ausgangspunkt für Everest-Expeditionen auf der Nordseite des Bergs. Es liegt auf der Hand, dass dabei auch jede Menge Müll anfällt. Die Provinzregierung hat ein Unternehmen damit beauftragt, das Gelände zwischen dem Basislager auf 5200 Metern und dem vorgeschobenem Basislager auf 6500 Metern sauber zu halten.

Sonderprämien für Fäkalientransport

Mülltonnen im Everest-Basislager

Nach der letzten Frühjahrssaison wurden nach offiziellen Angaben 8,5 Tonnen Abfälle eingesammelt. Vor allem der Abtransport der Fäkalien habe sich schwierig gestaltet, hieß es. Die Einheimischen hätten die menschlichen Abfälle nicht auf ihre Yaks packen wollen, weil sie meinten, das bringe Unglück. Erst nach Sonderzahlungen hätten sich einige bereiterklärt, die Fäkalien wegzubringen.

Keine Neuigkeiten zum geplanten Bergsteigerzentrum

Ob der Plan mit den Elektro-Autos wirklich umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Vor knapp zwei Jahren war die Nachricht um die Welt gegangen, im Ort Gangkar, auch bekannt als Old Tingri, solle bis 2019 ein zwölf Fußballfelder großes Everest-Bergsteigerzentrum entstehen, mit Quartieren und Restaurants  für Bergsteiger, einem Landeplatz für Hubschrauberrettungsflüge, Büros für Expeditionsveranstalter, Werkstätten für Autos, Motorräder und Fahrräder sowie einem Bergsteiger-Museum. Danach hörte man nichts mehr davon.

Rettungsflüge auch auf der Everest-Nordseite?

Rettungshubschrauber aus Nepal an der Shishapangma

Hartnäckig halten sich dagegen die Gerüchte, dass es von 2019 an auch auf der tibetischen Nordseite des Everest Rettungsflügge geben soll. Im vergangenen Frühjahr hatten chinesische Rettungskräfte und nepalesische Hubschrauberpiloten zusammengearbeitet, um den am Achttausender Shishapangma in Tibet vermissten bulgarischen Bergsteiger Boyan Petrov zu finden. Am Ende blieb die Suche leider erfolglos, doch die Rettungsaktion könnte Modellcharakter haben für den höchsten aller Berge.

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Luo Jing macht die 14 Achttausender voll https://blogs.dw.com/abenteuersport/luo-jing-macht-die-14-achttausender-voll/ Sat, 29 Sep 2018 20:55:26 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=42121

Luo Jing (2016)

Auch vom Achttausender Shishapangma in Tibet wurden am heutigen Samstag die ersten Gipfelerfolge der Herbstsaison gemeldet. Ein Team des russischen Expeditionsveranstalters „7 Summits Club“ erreichte nach eigenen Angaben den 8027 Meter hohen Gipfel, ebenso ein Team des nepalesischen Anbieters „Seven Summit Treks“. Laut dessen Vorstandsmitglied Dawa Sherpa stand auch die Chinesin Luo Jing auf dem Gipfel der Shishapangma. Es war der letzte der 14 Achttausender, der der 42-jährigen noch in ihrer Sammlung fehlte.

Alle 14 in knapp sieben Jahren

Luo (r.) 2014 auf dem K 2

Luo ist damit nach der Südkoreanerin Oh Eun-sun, der Spanierin Edurne Pasaban, der Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner und der Italienerin Nives Meroi die fünfte Frau, die alle 14 Achttausender bestiegen hat. Kaltenbrunner und Meroi hatten bei allen ihren Aufstiegen auf Flaschensauerstoff verzichtet. Ihren ersten Achttausender bestieg Luo Jing im Herbst 2011, den Manaslu. Seitdem verging bei ihr kaum ein Jahr ohne Achttausender-Erfolg. In weniger als sieben Jahren machte sie die 14 voll: 2012 ließ sie den Makalu folgen, 2013 Kangchendzönga, Gasherbrum I und II. 2014 bestieg die Chinesin Dhaulagiri und K 2, 2016 Annapurna, Mount Everest und Cho Oyu. 2017 war der Lhotse dran, im Sommer 2018 dann Nanga Parbat, Broad Peak und jetzt im Herbst zum Abschluss die Shishapangma.

„Berge haben mich akzeptiert“

„Nachdem ich so viele Berge bestiegen habe, habe ich verstanden, dass ich nicht die Berge erobert habe, sondern dass die Berge mich akzeptiert haben“, sagte die Computer-Expertin aus Peking der Zeitung „China Daily“, im Sommer nach dem Erfolg am Broad Peak. Luo Jing ist die erste Frau aus China im „14-Achttausender-Klub“.

Ihr Landsmann Zhang Liang hatte die Achttausender-Sammlung als erster Chinese 2017 komplettiert. In diesem Sommer gelang ihm als zweitem Mensch nach dem Südkoreaner Park Joung-Seok der sogenannte „True Explorers Grand Slam“: Er bestieg den Denali, den höchsten Berg Nordamerikas, und damit den letzten ihm noch fehlenden Berg der „Seven Summits“. Damit hatte der 54-Jährige sowohl alle Achttausender, als auch die höchsten Berge aller Kontinente bestiegen – und zudem noch Nord- und Südpol erreicht.

Update 4.10.: Laut einem spanischen Bergsteiger, der zur gleichen Zeit an der Shishapangma war, erreichte Luo Jing „nur“ den 8008 Meter hohen Mittelgipfel, nicht den Hauptgipfel. Sollte sich dies bestätigen, hätte sie die 14 Achttausender noch nicht komplett.

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Gipfelerfolge auch vom Cho Oyu gemeldet https://blogs.dw.com/abenteuersport/gipfelerfolge-auch-vom-cho-oyu-gemeldet/ Wed, 26 Sep 2018 09:13:08 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=42081

Aufstieg zum Cho Oyu

Nach dem gestrigen ersten Gipfelerfolg der Herbstsaison am Manaslu ist offenbar auch am Achttausender Cho Oyu in Tibet der Bann gebrochen.  Zwei US-Veranstalter meldeten, dass ihre Teams den höchsten Punkt auf 8188 Metern erreicht hätten. „Das Team hat sich gerade am Gipfel des sechshöchsten Bergs der Erde eingecheckt“, twittert Mountain Madness. Auch der Expeditionsveranstalter Climbing the Seven Summits teilt mit: „Wir freuen uns sehr, dass das gesamte CTSS-Team derzeit bei perfektem Wetter auf dem Gipfel des Cho Oyu steht.“

Unter den heutigen Gipfelstürmern dürfte wohl auch Tendi Sherpa gewesen sein. Der 34-Jährige (den ich im vergangenen März in Kathmandu getroffen hatte), begleitet die Expedition als „Sirdar“, als Chef der Sherpa-Crew. Tendi hatte nach den ersten Aufstiegen in die Hochlager zur Akklimatisation von „ziemlich guten Verhältnissen am Berg“ berichtet. Gestern hatte der US-Anbieter International Mountain Guides verkündet, dass die Fixseile bis hinauf aufs Gipfelplateau gelegt seien. Einige Teams seien auf dem Sprung Richtung Gipfel.

Update 29. September: Auch ein siebenköpfiges Team des Anbieters „Kobler & Partner“ hat nach eigenen Angaben den Gipfel erreicht, mit dabei auch Unternehmensgründer Kari Kobler.

 

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48 Stunden, zwei deutsche Frauen, ein Gipfel: Mount Everest https://blogs.dw.com/abenteuersport/48-stunden-zwei-deutsche-frauen-ein-gipfel-mount-everest/ Fri, 20 Jul 2018 13:48:17 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=41441

Südseite des Mount Everest

Viel hätte nicht gefehlt, und die beiden deutschen Bergsteigerinnen hätten sich auf dem Dach der Welt die Hände schütteln können. Innerhalb von 48 Stunden erreichten im vergangenen Frühjahr erst Ingrid Schittich, dann Susanne Müller-Zantop den 8850 Meter hohen Gipfel des Mount Everest: Schittich am 15. Mai von der tibetischen Nordseite, Müller-Zantop am 17. Mai von der nepalesischen Südseite aus. Sie wussten nichts voneinander. Erst Billi Bierling, Chefin der Bergsteigerchronik „Himalayan Database“, machte die beiden darauf aufmerksam, dass sie sich auf dem Everest knapp verpasst hatten.

Älteste deutsche Frauen auf dem Everest

Ingrid Schittich am Everest

Eine weitere Gemeinsamkeit von Ingrid und Susanne ist, dass beide Bergsteigerinnen schon jenseits der 60 sind. Mit 63 Jahren ist Schittich nun die älteste deutsche Frau, die jemals den Gipfel des höchsten Bergs der Erde erreichte, Müller-Zantop mit 61 die zweitälteste. Der Kreis ist ohnehin ziemlich exklusiv. Vor der Frühjahrssaison 2018 hatten lediglich neun andere deutsche Bergsteigerinnen den Everest bestiegen – in der Mehrzahl deutlich jünger als Ingrid und Susanne. Auch in ganz Europa dürften die beiden unter den Everest-Besteigerinnen an der Spitze der Alterspyramide stehen (die Daten für das Frühjahr 2018 sind noch nicht veröffentlicht). Die weltweit bisher älteste Frau auf dem Everest war 2012 die damals 73-jährige Japanerin Tamae Watanabe.

Seven Summits komplettiert

Auf dem Gipfel

Sie habe zeigen wollen, „dass man auch im fortgeschrittenen Alter noch eine hohe körperliche Leistungsfähigkeit erreichen kann“, sagt Ingrid Schittich, die erst mit 49 Jahren begann, ernsthaft bergzusteigen. Für sie war es der dritte Anlauf am Everest: 2016 hatte sie – ebenfalls auf der Nordseite des Bergs – auf 7000 Metern, 2017 auf 7650 Metern umkehren müssen. Beide Male ging es ihr schlecht. Mit ihrem Gipfelerfolg in diesem Frühjahr komplettierte die 63-Jährige ihre Sammlung der „Seven Summits“, der höchsten Berge aller Kontinente.

Tiefe Zufriedenheit

„Beim Aufstieg dachte ich nur an die Anstrengung und es kamen auch Gedanken auf wie: Das mache ich nie wieder!“, erinnert sich die Ärztin aus München. „Am Gipfel war ich glücklich und empfand eine tiefe Zufriedenheit, dass ich mein Ziel erreicht hatte.“ Ingrid konnte den Moment auch wirklich genießen, da sie und ihre vier Gefährten aus dem Team des Schweizer Expeditionsveranstalters „Kobler & Partner“ auf dem Nordostgrat „ohne Staus oder Beeinträchtigungen durch andere Bergsteiger unterwegs“ waren. „Auch am Gipfel waren wir allein.“

Werbeplakat für Kosmetik am Gipfel

Eine Viertelstunde ganz oben

So hätte auch Susanne Müller-Zantop gerne den Augenblick auf dem höchsten Punkt der Welt erlebt. Doch es kam ganz anders. „Ich war beim Aufstieg glücklich und ungestört, habe nur wenig Leute getroffen“, sagt die deutsche Unternehmerin, die in Zürich in der Schweiz lebt. „Der Gipfel war dann ein Schock, ich starrte als Erstes auf ein Werbeplakat für chinesische Damenkosmetik. Es gab kaum Platz, so voll war es. Mein Sherpa zog Mantel, Schwert und Kappe eines Lama aus dem Rucksack, zog schnell alles über und filmte sich selbst. Ich war enttäuscht, es gab keine Möglichkeit für Ruhe, Umschau oder auch Andacht.“ Nach einer Viertelstunde ergriff Susanne die Flucht von dieser „Marketing-Plattform“, wie sie es nennt.

Fitter als früher

Susanne Müller-Zantop

Wie Ingrid Schittich war auch Müller-Zantop in Sachen extreme Höhe eine Spätberufene. 2016 bestieg sie den Cho Oyu. „Ich habe erst mit 60 die Achttausender-Welt entdeckt“, sagt Susanne. „Vielleicht bin ich jetzt erst reif dafür. Ich glaube, dass ich jetzt mental super stark bin, viel stärker als früher.“ Auch mit der Fitness habe sie am Everest keine Probleme gehabt. „Ich glaube, dass man kräftemäßig überhaupt nicht abbauen muss im Älterwerden. Ich bin vielleicht sogar stärker und fitter als früher.“

Ängste überwunden

Die Erlebnisse am Everest wirken bei beiden Bergsteigerinnen noch nach. „Man findet alles: lebende Legenden, junge Wilde, Abenteuersüchtige, Rekordsüchtige, Sinnsucher, und Touristen wie mich“, sagt Susanne Müller-Zantop. „Ich nehme viele Bilder mit und die Dankbarkeit dafür, dass ich zu den Privilegierten gehöre, die in ihrem Leben auf dem höchsten Punkt der Erde stehen durften. Ich nehme auch mit, dass ich mit meinen Ängsten (noch) besser umgehen kann als vorher. Und ich hatte wirklich viel Angst unterwegs.“

Anstrengung schnell vergessen

Ingrid Schittich war erstaunt, „dass nach zwei Tagen im Tal alle Anstrengung vergessen war und ich bereits überlegte, welche anspruchsvollen Gipfel ich noch bewältigen könnte. Zuvor habe ich es noch nie erlebt, dass eine Anstrengung so schnell vergessen ist.“ Sehr präsent ist dagegen noch das Erfolgserlebnis vom Mount Everest: „Das Glücksgefühl hält bisher immer noch an.“

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Immer noch keine Spur von Boyan Petrov https://blogs.dw.com/abenteuersport/immer-noch-keine-spur-von-boyan-petrov/ Sat, 12 May 2018 19:52:48 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=40669

Rettungshubschrauber aus Nepal an der Shishapangma

Niemand sagt es offen. Aber wenn man ehrlich ist, schwindet allmählich die Hoffnung, den erfolgreichsten bulgarischen Höhenbergsteiger, Boyan Petrov, am Achttausender Shishapangma in Tibet noch lebend zu finden. Am 3. Mai, also vor neun Tagen, war der 45-Jährige zuletzt per Teleskop vom Basislager aus gesichtet worden. Seitdem fehlt von Boyan jede Spur. Schlechtes Wetter hatte tagelang die Rettungsaktion verzögert. Am heutigen Samstag stiegen zwei Hubschrauber des auf Rettungseinsätze spezialisierten nepalesischen Unternehmens Simrik Air auf, um nach Petrov zu suchen. Ohne Erfolg. Was die Crewmitglieder zunächst nahe Lager 3 auf rund 7300 Meter Höhe als „verdächtige Objekte“ ausgemacht, fotografiert und gefilmt hatten, entpuppte sich bei anschließender Sichtung des Materials als Steine und Felsen. Die Hubschrauber-Teams waren wegen Treibstoffmangels gezwungen, in die nepalesische Hauptstadt zurückzukehren. „Wir stehen in Kathmandu für dieselbe Mission bereit“, teilte Simrik Air mit. Auch das Rettungsteam direkt am Berg, bestehend aus drei Sherpas und drei chinesischen Bergsteigern, hat Petrov noch nicht gefunden. Die Retter verbrachten die Nacht in Lager 2. Am Sonntag soll die Suche fortgesetzt werden.

Zehn Achttausender bestiegen

Boyan war am 29. April zu einem Gipfelversuch aufgebrochen, alleine und ohne Flaschensauerstoff. Petrov hat bereits zehn der 14 Achttausender ohne Atemmaske bestiegen. Allein in den vergangenen beiden Jahren hatte er fünf Gipfelerfolge an den höchsten Bergen der Welt gefeiert: 2016 an der Annapurna, am Makalu und Nanga Parbat, 2017 am Gasherbrum II und Dhaulagiri. Petrov arbeitet als Zoologe am Nationalmuseum für Naturgeschichte in der bulgarischen Hauptstadt Sofia und ist ein Spezialist für die Tierwelt in Höhlen. Der Bergsteiger hat zwei Krebserkrankungen überlebt. Seit 18 Jahren leidet Boyan als Folge einer damaligen Chemotherapie an Diabetes.

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Suche nach Boyan Petrov geht weiter https://blogs.dw.com/abenteuersport/suche-nach-boyan-petrov-geht-weiter/ Wed, 09 May 2018 14:43:30 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=40617

Shishapangma

Noch fehlt jede Spur von Boyan Petrov. Der erfolgreichste bulgarische Höhenbergsteiger wird – wie berichtet – seit Tagen am Achttausender Shishapangma in Tibet vermisst. Auch die bulgarische Regierung hat sich in die Rettungsaktion eingeschaltet. Ministerpräsident Bojko Borissov sagte, man stehe in ständigem Austausch mit den Behörden in Nepal und in China sowie mit der Familie Petrovs. Nach Angaben von Außenministerin Ekaterina Zaharieva steht inzwischen auch ein für große Höhen geeigneter Hubschrauber für die Suche nach dem 45-Jährigen zur Verfügung. Direkt am Berg ist ein Rettungsteam aus drei chinesischen Bergsteigern und drei Sherpas im Einsatz. Trotz schlechten Wetters seien die Retter bereits bis Lager 2 auf 6900 Metern aufgestiegen, hieß es.

Nichts ist unmöglich

Boyan Petrov vor gut drei Wochen

Petrov war am 29. April zu einem Solo-Gipfelversuch ohne Flaschensauerstoff aufgebrochen. Am 3. Mai, also vor sechs Tagen, wurde er zuletzt per Teleskop vom Basislager aus gesichtet, etwa in Höhe von Lager 3 auf rund 7300 Metern. Am vergangenen Samstag erreichte ein anderes Team das Lager und fand dort Boyans halb geöffnetes Zelt vor, mit seinem Schlafsack darin. Petrov hat bereits zehn der 14 Achttausender ohne Flaschensauerstoff bestiegen. Seine Lebensgefährtin Radoslava Nenova hofft weiter, dass Boyan lebt und gerettet werden kann: „Wir leben in einer Welt voller Möglichkeiten. Sagt mir nicht, etwas sei unmöglich!“, schreibt sie auf Facebook. Also weiter Daumen drücken für Boyan!

Update 11. Mai: Zwei Hubschrauber des auf Bergrettungen spezialisierten nepalesischen Unternehmens Simrik Air sind heute nach Tibet ins Shishapangma-Basislager geflogen. Sie sollen bei der Suche nach Petrov eingesetzt werden.

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Ralf Dujmovits: „Everest ad acta gelegt“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/ralf-dujmovits-everest-ad-acta-gelegt/ Wed, 21 Mar 2018 19:23:21 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=39989

Begeisterter Empfang für Ralf Dujmovits (r.)

Eine gemeinsame Woche Nepal liegt hinter Ralf Dujmovits und mir. Wie berichtet, weihten wir in Thulosirubari, einem kleinen Bergdorf rund 70 Kilometer östlich von Kathmandu, die ersten beiden Gebäudeteile der neuen Schule ein, die dank unseres Hilfsprojekts „School up!“ gebaut werden konnten. Und  wir legten den Grundstein für die zweite Bauphase. In Kathmandu führte ich einige Interviews – die mit den Expeditionsveranstaltern Arnold Coster und Mingma Gyalje Sherpa konntet ihr schon lesen, weitere folgen in Kürze. Ralf nutzte die Zeit, um alte Bekannte zu treffen und einige seiner Lieblingsorte in der Hauptstadt zu besuchen. Der 56-Jährige ist nach wie vor der einzige deutsche Bergsteiger, der alle 14 Achttausender bestiegen hat. Lediglich am Mount Everest griff er im Herbst 1992 zu Flaschensauerstoff. Siebenmal versuchte er hinterher, auch den höchsten Berg der Erde ohne Atemmaske zu besteigen, siebenmal scheiterte er – zuletzt im Frühjahr 2017 auf 8580 Metern auf der tibetischen Nordseite des Bergs.

Ralf, wir sind jetzt hier in Kathmandu, nicht weit weg vom Mount Everest, etwa 160 Kilometer Luftlinie. Juckt es dich da nicht doch ein bisschen?

Nein, im Moment gar nicht. Ich habe für mich diese Geschichte abgeschlossen. Ich beschäftige mich natürlich noch mit dem, was am Everest vor sich geht. Das ist nach wie vor sehr spannend. Aber für mich selbst habe ich die Sache ad acta gelegt.

Dujmovits: Habe Everest ad acta gelegt

Ralf am Everest

Du hast das Geschehen am Everest über Jahrzehnte verfolgt und auch miterlebt. Wie beurteilst du die Entwicklung der letzten Jahre?

Es scheint so, als kämen immer noch mehr Leute zum Everest. Ich hatte nach dem schweren Lawinenunglück 2014 im Khumbu-Eisbruch mit 16 Toten eigentlich erwartet, dass sich die Zahl reduziert. Dass die Leute die Gefahren vor allem auf der Südseite sehen, vor allem jene, dass es immer mehr Bergsteiger gibt, die sich dort oben gewissermaßen zu Tode stauen. Aber anscheinend passiert das Gegenteil. Die Agenturen sprechen von guten Buchungszahlen. Vor allem die nepalischen Agenturen sind sehr aktiv. Ich glaube, es gibt eher mehr Betrieb als jemals zuvor.

Hat das noch etwas mit Bergsteigen zu tun, was am Everest abgeht?

Das Bergsteigen bleibt natürlich etwas auf der Strecke, wenn so viele gleichzeitig an den Fixseilen nach oben zu steigen versuchen. Jeder sieht Bergsteigen anders. Es mag sein, dass der eine oder andere auch den Aufstieg mit 30 oder 40 anderen innerhalb von 50 Metern Fixseil als spannend empfindet. Meine Art wäre es nicht. Aber ich glaube, das muss man jedem selbst überlassen. Und solange die Regularien, die Zahl der Bergsteiger einzuschränken, nicht wirklich greifen, sogar eigentlich überhaupt nicht vorhanden sind,  wird sich die Situation auch nicht ändern.

Dujmovits: Meine Art wäre es nicht

Menschenschlange am Everest (2012)

Die Diskussion darüber wird seit Jahren geführt, um nicht zu sagen seit Jahrzehnten. Glaubst du, dass es jemals Regeln gibt, die dafür sorgen werden, dass am Everest weniger los ist?

Ich bin sehr skeptisch, weil die Regierung Nepals das Problem zu wenig ernst nimmt. Es geht vor allem ums Geld. Die Regeln, die zuletzt aufkamen, dass man versuchte, Menschen mit Behinderung auszuschließen,  waren zum einen völlig daneben. Zum anderen musste die Regierung diese Regelung später zurücknehmen. Das war wirklich kein Weg, eine Lösung zu finden. Ich glaube, es geht nur darüber, genau nachzufragen und es sich auch belegen lassen, ob die Leute schon auf einem Siebentausender oder möglichst sogar auf einem anderen Achttausender waren, bevor sie zum Everest kommen. Ich denke, nur darüber ließe sich die Zahl reduzieren. Solange aber einige nepalische Agenturen jeden mitnehmen, der das nötige Kleingeld hat, wird sich die Situation nicht ändern.

Es fällt auf, dass in den letzten Jahren die Kangchung-Seite des Everest, also die Ostflanke des Bergs,  total verwaist war, und dass auch die Versuche in der Nord- oder der Südwestwand an einer Hand abzuzählen waren. Man hat fast das Gefühl, als würden die Topbergsteiger einen Bogen um den Everest machen.

Es ist fast schon verpönt, am Everest als so genannter „richtiger“ Bergsteiger unterwegs zu sein. Die eher moderneren Ziele sind unbestiegene, schwierige Sechstausender und anspruchsvolle Routen an Siebentausendern. In Pakistan gibt es noch zehn unbestiegene Siebentausender. Ich glaube, dort werden auch die jüngeren, ambitionierten Bergsteiger ihre Ziele finden.

2014 im Everest-Hochlager

Kann man am Everest überhaupt von einer garantierten Sicherheit sprechen, wenn so viele Menschen auf einer Route aufsteigen, selbst wenn man dort zwei parallele Spuren legt?

Eine garantierte Sicherheit gab es noch nie. Aber auch das, was in den Prospekten als „99 Prozent Sicherheit“ verkauft wird, haut nicht hin, wenn so viele Leute gleichzeitig unterwegs sind. Es gibt einige Engpässe am Everest,  z.B. das „Gelbe Band“ (auf 7500 Metern unterhalb des Südsattels) oder der ausgesetzte Gipfelgrat. Dort werden sich auch weiterhin Staus bilden. Diese bleiben eine große Gefahr bei Wetterumstürzen, die nie auszuschließen sind.

Dujmovits: Staus bleiben große Gefahr

Denkst du, dass viele auch aus Sicherheitsgründen auf die Nordseite des Everest wechseln?

Die Tendenz, dass es auf der tibetischen Nordseite voller wird, ist abzusehen.  Einige große Veranstalter sind dorthin gewechselt. Kari Kobler ist schon lange drüben und macht dort wirklich eine sehr gute Arbeit. Die Chinesen nehmen ihren Job sehr ernst, sowohl als Organisator des Basislagers als auch hinsichtlich der Infrastruktur am Berg. Auf der Nordseite werden auch die Regularien ernster genommen. Es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um die Sicherheit der Bergsteiger. Von daher kann ich den Leuten aktuell nur raten: Geht auf die Nordseite!

Dujmovits: Geht auf die Nordseite!

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Coster: „Zu viel los im Khumbu-Eisbruch“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/coster-zu-viel-los-im-khumbu-eisbruch/ Thu, 15 Mar 2018 19:00:21 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=39915

Arnold Coster

Die Everest-Frühjahrssaison ist eingeläutet. An diesem Samstag werden acht so genannte „Icefall Doctors“ im Basislager auf der nepalesischen Südseite des höchsten Bergs der Erde eine Puja feiern, eine buddhistische Zeremonie, mit der die Götter um ihren Segen gebeten werden. Ab kommender Woche werden die für diese Aufgabe spezialisierten Sherpas dann die diesjährige Route durch den Khumbu-Eisfall vorbereiten. Anfang April werden die ersten kommerziellen Teams im Basislager erwartet. „Ich bin gespannt, wie voll es in diesem Jahr auf der Südseite sein wird, nachdem die Zahlen zuletzt alljährlich kontinuierlich gestiegen sind“, sagt mir Arnold Coster, als ich ihn heute in Kathmandu treffe. „Ich frage mich auch, wie viele Bergsteiger wirklich auf die tibetische Seite wechseln.“

Nur ein neuer Anbieter in Tibet

Tibetische Nordseite des Mount Everest

In Wahrheit sei nur der Veranstalter Altitude Junkies des Briten Phil Crampton dazugekommen, sagt Arnold: „Ansonsten sind es die normalen Anbieter auf der Nordseite, mich eingeschlossen, nur mit größeren Gruppen als bisher.“ Der 41 Jahre alte Niederländer wird ein international gemischtes Team aus zwölf Kunden leiten. Auch im vergangenen Jahr war Arnold bereits auf der tibetischen Nordseite. „Der Hauptgrund ist, dass mir im Khumbu-Eisbruch auf der Südseite einfach zu viel los ist. Da gibt es zu viele Leute, die zu langsam unterwegs sind, und damit gerätst du allzu leicht in einen Stau.“ Zudem seien die objektiven Gefahren auf der Nordseite deutlich geringer. Nach starkem Schneefall bestehe lediglich, wenn überhaupt, auf dem Weg zum 7000 Meter hohen Nordsattel Lawinengefahr, sagt Coster. Auf der Südseite dagegen sei die Lawinengefahr deutlich höher. Im Khumbu-Eisbruch sei sie ständig vorhanden, doch auch im darüber gelegenen Western Cwm, dem „Tal des Schweigens“, oder auch in der Lhotse-Flanke.

Dreimal auf dem Gipfel

Arnold auf Expedition

Seit 2004 lebt Coster in Nepal. Er ist mit Maya Sherpa verheiratet, einer der bekanntesten Bergsteigerinnen des Landes (mein Interview mit ihr folgt später). Sie haben zusammen eine sieben Jahre alte Tochter. Arnold wird in diesem Jahr zum 15. Mal eine Everest-Expedition leiten. Dreimal stand er bisher auf dem Gipfel auf 8850 Metern, so oft wie kein anderer Bergsteiger aus den Niederlanden. „Mein Job ist es, mich um meine Leute zu kümmern, nicht, selbst zum höchsten Punkt aufzusteigen“, sagt Arnold und verweist darauf, dass er bereits achtmal auf dem 8749 Meter hohen Everest-Südgipfel gewesen sei. „Sehr oft klettere ich mit meiner Gruppe los, drehe dann aber mit jemand um, der Hilfe braucht.“ 2016 kam jedoch für zwei seiner Kunden jede Hilfe zu spät. Innerhalb von 24 Stunden starben ein Niederländer, mit dem Coster befreundet war, und eine Australierin – und das, obwohl beide nach dem Gipfelversuch den Südsattel erreicht hatten. In den sozialen Netzwerken wurde Arnold hinterher beschuldigt, die Familien der Verstorbenen nicht rechtzeitig informiert zu haben.

Verbindungsoffizier gab sensible Information weiter

Im Khumbu-Eisbruch

„Das entsprach nicht der Wahrheit. Ich hatte vom Berg aus den Ansprechpartner für Notfälle informiert. Diese Information wurde nicht direkt an die Familien und Freunde weitergeleitet. Für diesen Fehler hat man mich dann zu Unrecht verantwortlich gemacht“, sagt Coster. „Dabei musste ich mich doch am Berg um die Rettung anderer Teammitglieder und die Bergung der Opfer kümmern.“ Dafür, dass die Familien den Tod ihrer Angehörigen aus dem Internet erfahren hätten, sei der Verbindungsoffizier im Basislager verantwortlich gewesen, so Arnold. Der habe nichts Besseres zu tun gehabt, als interne Informationen aus dem Funkverkehr in einem Zeitungsinterview preiszugeben.

Ziemlich dumm“

Von den neuen Bergsteiger-Regeln für Expeditionen in Nepal hält Coster nichts. Die Regierung hatte – wie berichtet – beschlossen, keine Permits mehr an doppelt Beinamputierte sowie Blinde zu vergeben sowie Solo-Aufstiege zu verbieten. Das Oberste Gericht Nepals hob inzwischen das Permit-Verbot für Behinderte wieder auf. Die Regeln seien „ziemlich dumm“, sagt Arnold, „weil diese Leute nicht die Probleme am Everest verursachen. Das große Problem auf der Südseite sind die unerfahrenen Leute.“ Viel mehr Sinn würde es etwa machen, wenn man den Everest-Anwärtern vorschreibe, zuvor mindestens einen Siebentausender in Nepal bestiegen zu haben, findet Coster: „Das könnte man gut kontrollieren, weil das (Tourismus-) Ministerium diese Besteigungen erfasst. Und zusätzlich bliebe der Bergtourismus als eine der wichtigsten Einnahmequellen Nepals erhalten.“

Dass solche Vorschläge ständig im Sande verliefen, liege daran, dass seit dem Ende der Monarchie in Nepal im Jahr 2008 im Schnitt alle sechs bis acht Monate die Regierung gewechselt habe. „Die Menschen hier hoffen – und ich hoffe es auch –, dass die neue Regierung endlich einmal über die volle Zeit im Amt bleibt. Eigentlich ist es sogar egal, um wen es sich handelt“, sagt Coster. „Wenn die Leute bleiben, kann man auch Pläne umsetzen. Aber wie soll das funktionieren, wenn ständig die Verantwortlichen wechseln?“

Neuerdings autofreie Zone im Touristenviertel Thames

P.S. Ihr fragt euch vielleicht, warum ich derzeit Nepal besuche. Morgen werden in Thulosirubari, 70 Kilometer östlich von Kathmandu, die ersten beiden Gebäudeteile der neuen Schule eingeweiht, die durch eure Spenden für unser Hilfsprojekt „School up!“ gebaut werden konnten. Zudem legen der deutsche Bergsteiger Ralf Dujmovits und ich den Grundstein für den zweiten Bauabschnitt. Anschließend werde ich über die Feier in dem kleinen Bergdorf berichten. Nebenher nutze ich die Gelegenheit, um in der Hauptstadt einige Interviews zur bevorstehenden Klettersaison zu führen. Die werde ich nach und nach im Blog veröffentlichen.

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Strengere Everest-Müllvorschriften in Tibet https://blogs.dw.com/abenteuersport/strengere-everest-muellvorschriften-in-tibet/ Tue, 06 Mar 2018 16:56:45 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=39893

Everest-Nordseite

Auf der tibetischen Nordseite des Mount Everest gelten ab sofort strengere Müllvorschriften. „Mit der rasant wachsenden Zahl von Bergsteigern werden auch immer mehr Abfälle beim Bergsteigen produziert“, heißt es in einer Mitteilung der Chinesisch-Tibetischen Bergsteiger-Vereinigung (CTMA) an die Expeditionsveranstalter, die mir vorliegt. „Es ist unsere Pflicht, die Umwelt zu schützen, damit auch kommende Generationen profitieren.“ Im Mai 2017 hatten Arbeiter und Freiwillige im Auftrag der tibetischen Behörden am Everest vier Tonnen Müll in einer Höhe zwischen 5200 und 6500 Metern gesammelt.

Acht Kilogramm Müll pro Bergsteiger

Müllsammlung auf der Everest-Südseite

Von diesem Frühjahr an muss jede Expeditionsgruppe als Sicherheit eine Müllgebühr von 5000 US Dollar hinterlegen. Die Expeditionen werden verpflichtet, pro Bergsteiger acht Kilogramm Abfall aus den Hochlagern zurück ins Basislager zu bringen. Für jedes Kilo weniger werden 20 Dollar in Rechnung gestellt, für jedes Kilo mehr zehn Dollar gutgeschrieben. Am Ende der Expedition wird dies mit der zuvor hinterlegten Summe verrechnet. Ab sofort ist es zudem nur noch erlaubt, am Gipfel Gebetsfahnen aufzuhängen, wenn alte Fahnen in gleicher Länge wieder mit heruntergebracht werden. Überwachen soll dies der Verbindungsoffizier im Basislager.

Permits nur noch an renommierte Veranstalter?

Die CTMA hatte angekündigt, die Bergsteigerregeln für Expeditionen zu überarbeiten. Es war erwartet worden, dass auch die Vorschriften für kommerzielle Veranstalter in Sachen Sicherheit und Besteigungsstil verschärft würden. Diese Reform steht noch aus, die Diskussionen innerhalb der CTMA dauern noch an. Aus gut informierten Kreisen verlautet, dass die tibetisch-chinesischen Behörden unter anderem daran denken, in den kommenden Jahren die Zahl der Expeditionen in Tibet zu reduzieren und nur an erfahrene und renommierte Agenturen Permits auszustellen.

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China sagt Herbstsaison an Tibets Achttausendern ab https://blogs.dw.com/abenteuersport/china-sagt-herbstsaison-an-tibets-achttausendern-ab/ Thu, 08 Jun 2017 19:19:34 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36615

Janusz Adamski

Das war keine gute Woche für Janusz Adamski. Erst kassierte die nepalesische Regierung seinen Pass ein und eröffnete dem Polen schließlich, dass er zehn Jahre lang nicht zum Bergsteigen in den Himalaya-Staat kommen dürfe. Und jetzt machten auch noch die chinesischen Behörden den 48-Jährigen zum Sündenbock dafür, dass sie im kommenden Herbst keine Bergsteiger zu den drei Achttausendern in Tibet lassen werden. Adamski, der „illegal“ den Everest am 21. Mai über die Nordseite bestiegen und dann auf die Südseite gewechselt sei, sei schuld daran, dass die Vorschriften „angepasst und verbessert“ werden müssten, heißt es in einer Erklärung des Chinesisch-Tibetischen Bergsteigerverbands CTMA. Damit die Probleme rechtzeitig bis 2018 gelöst seien, werde es im Herbst 2017 keine Besteigungsgenehmigungen geben.

Auch Moro hatte kein Permit für die Everest-Traverse

Janusz und der Everest

Adamski hatte kein Everest-Genehmigung des nepalesischen Tourismusministeriums, sondern lediglich ein Permit der CTMA, das ihm Auf- und Abstieg über die tibetische Nordroute erlaubte. Nach seinem Abstieg vom Gipfel hinunter auf die nepalesische Südseite hatte der Pole erklärt, dass weder die Behörden in China noch jene in Nepal Genehmigungen für eine grenzüberschreitende Gipfeltraverse ausgäben. „Es ist nicht die Schuld der Bergsteiger, dass die Beamten nicht daran interessiert sind, solche Lizenzen zu erteilen“, schrieb Adamski auf Facebook und verwies auf die Everest-Überschreitung Simone Moros im Jahr 2006, der ebenfalls dafür kein Permit gehabt habe.

In der Tat hatte der Italiener damals über Jahre vergeblich versucht, eine Genehmigung der chinesischen Behörden für sein Projekt zu erhalten. Simone war dann mit einem nepalesischen Permit auf der Südseite auf- und nach Tibet abgestiegen. Den chinesischen Behörden erklärte er anschließend, er habe sich im Gipfelbereich verirrt. Dann sei ihm der Flaschensauerstoff ausgegangen. Als er registriert habe, dass er den falschen Weg gewählt habe, so Simone, sei er schon zu weit unten gewesen, um umzukehren. Moro kam mit einer Geldstrafe wegen einer illegalen Besteigung davon.

Verhandlungen möglich

Nobukazu Kuriki

Doch es gab durchaus auch schon „legale“ Everest-Traversen mit Permits, etwa 2007 durch den Briten David Tait und den Sherpa Phurba Tashi. Und auch der Japaner Nobukazu Kuriki bewies in der gerade zu Ende gegangenen Everest-Frühjahrssaison, dass es möglich ist, mit den Behörden zu verhandeln. Ursprünglich hatte der 34-Jährige vorgehabt, von Tibet aus durch die Nordwand zum Gipfel zu klettern. Dann jedoch änderte er seinen Plan: Nobukazu stieg von der nepalesischen Südseite aus bis zum Westgrat auf, von wo er in die Nordwand queren wollte. Daraus wurde am Ende nichts. Doch der Japaner kehrte in seine Heimat zurück, ohne Probleme mit den chinesischen oder nepalesischen Behörden bekommen zu haben.

Entscheidung deutete sich schon im März an

Aber ist Adamskis illegale Überschreitung wirklich der Grund für die Absage der Herbstsaison an den tibetischen Achttausendern? Ich halte es eher für einen Vorwand der chinesischen Behörden. Schon Mitte März stand fest, dass sie keine Permits für Everest und Shishapangma erteilen würden, und wohl nur etwa 50 für den Cho Oyu. „Anscheinend soll es im Herbst eine Veranstaltung in Tibet geben. Da haben die Chinesen wohl Angst, dass es zu Unruhen kommen könnte und wollen deshalb so wenig Ausländer wie möglich in Tibet haben“, mutmaßte damals Dominik Müller, Chef des deutschen Expeditionsveranstalters Amical alpin. Zu dieser Zeit war kaum jemandem außerhalb Polens bekannt, dass die erste polnische Everest-Traverse geplant war. Janusz Adamski ließ übrigens heute via Facebook wissen, dass er sich einverstanden erklärt habe, sich bis zu seiner Ausreise aus Nepal nicht mehr öffentlich zu den Vorwürfen gegen ihn zu äußern.

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Göttler und Barmasse klettern durch Shishapangma-Südwand https://blogs.dw.com/abenteuersport/goettler-und-barmasse-klettern-durch-shishapangma-suedwand/ Tue, 23 May 2017 06:52:28 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36353

David Göttler am höchsten erreichten Punkt (im Hintergrund der Gipfel)

Wenige Meter haben bis ganz oben gefehlt, aber die Wand haben sie durchklettert. David Göttler und Hervé Barmasse stiegen am Sonntagmorgen in die Shishapangma-Südwand ein und kletterten in 13 Stunden bis knapp unter den 8027 Meter hohen Gipfel. „Eine letzte etwa zehn Meter lange Traverse und dann noch fünf Meter hoch auf den Gipfel waren uns von der Lawinengefahr her zu heikel“, schreibt mir David nach der Rückkehr ins Basislager. Ursprünglich hatten der 38-Jährige Deutsche und sein ein Jahr älterer Teampartner aus Italien eine neue Route durch die Südwand eröffnen wollen. Wie schon im Vorjahr, als David es mit dem Schweizer Ueli Steck versucht hatte, vereitelte das Wetter auch diesmal den Plan.

In Uelis Stil

David Göttler (l.) und Herve Barmasse (r.)

Wir hatten nur ein sehr kurzes Wetterfenster von ca. 24 Stunden mit wenig Wind und ohne Niederschlag“, schreibt Göttler. „Deshalb haben wir uns entschlossen, super leicht und schnell über die Girona-Route den Gipfel zu probieren.“ Die Route war 1995 von einem spanischen Team erstbegangen worden. Auch im Frühjahr 2016 war David mit Steck auf diesem Weg aufgestiegen, allerdings nur bis auf eine Höhe von 7800 Meter. Im vergangenen Februar hatten sich Steck, Göttler und Barmasse bei einem Intensiv-Trainingslager in Nepal gemeinsam auf ihre Expeditionen vorbereitet. Ueli war am 30. April am Nuptse in den Tod gestürzt. In ihren Gedanken sei er in der Shishapangma-Südwand mit dabei gewesen, sagt David. „Was mich persönlich glücklich macht ist, dass ich dieses Mal in dem Stil, den ich von Ueli gelernt habe, nach ganz oben gekommen bin. Und, dass Hervé und ich dort oben noch einen klaren Kopf hatten und auf die letzten Meter verzichtet haben. Diese Meter waren einfach, aber eben unserer Meinung nach bei diesen Bedingungen zu gefährlich.“

Wir wollen wiederkommen“

Einen weiteren Versuch, doch noch eine neue Route durch die Shishapangma-Südwand zu eröffnen, wird es nicht mehr geben – zumindest nicht in diesem Jahr. „Der Wetterbericht ist für die kommende Woche bis hin zum Ende des Monats nicht vielversprechend. Es kommt zwar um den 27. Mai herum nochmal weniger Wind, dafür aber Niederschlag“, schreibt Göttler. „Deshalb denken wir, dass wir keine Chance mehr für die neue Route haben. Wir werden hier für dieses Jahr zusammenpacken. Wir wollen aber wiederkommen.“ Beide kehren zufrieden aus Tibet heim, sagt David: „Für Hervé und mich war es eine der besten Leistungen, die wir bisher erbracht haben.“

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Dominik Müller am Everest: „Es war perfekt“ https://blogs.dw.com/abenteuersport/dominik-mueller-am-everest-es-war-perfekt/ https://blogs.dw.com/abenteuersport/dominik-mueller-am-everest-es-war-perfekt/#comments Thu, 18 May 2017 13:39:13 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36269

Dominik Müller am Everest (© www.third-pole.com)

Während für viele jetzt erst die entscheidende Phase am höchsten Berg der Erde beginnt, packt Dominik Müller bereits zusammen. Der deutsche Expeditionsleiter erreichte – wie berichtet – am Dienstag von der tibetischen Nordseite aus den 8850 Meter hohen Gipfel des Mount Everest, ebenso einer seiner Kunden. Zwei andere Mitglieder seines Teams kehrten auf 8550 bzw. 8600 Metern um. „Es hat keiner auch nur eine kleinste Blessur“, freut sich Dominik, als ich den 46 Jahre alten Chef des Expeditionsanbieters Amical alpin über Satellitentelefon im vorgeschobenen Basislager auf 6300 Metern  erreiche.

Dominik, zunächst einmal einen ganz herzlichen Glückwunsch. Wie waren das Wetter und die Bedingungen am Berg während eures Aufstiegs?

Für uns war es ein perfekter Gipfeltag. Windstill, warm, wie von meinen Meteorologen vorhergesagt. Die Route war super gesichert. Wir hatten keinen Stau, außer uns war noch ein US-Team unterwegs, dazu noch ein kleines russisches. Es hatte in den Vortagen geschneit, gerade vor den Felsstufen konnten wir gut über Schneebänder laufen. Damit kann man am Gipfeltag eine bis anderthalb Stunden Zeit sparen. Am Gipfel haben Sherpas, die von der Südseite aufgestiegen waren, Oben-ohne-Fotos mit Nepal-Fähnchen gemacht. So warm war es.

Der Everest war nach dem Cho Oyu und dem Manaslu dein dritter Achttausender. Wie hast du den Gipfelerfolg erlebt?

Ich konnte es total genießen. Ich habe jetzt die „Seven Summits (die höchsten Berge aller Kontinente) als Bergführer vollendet, auf jeden der sieben Gipfel habe ich Kunden geführt. Das können weltweit nicht so viele von sich sagen. Und dann noch dieser Gipfeltag! Blauer Himmel, nur ganz wenige Wölkchen, warm. Es war perfekt.

Dominik (2.v.l.) mit seinem Team

Andere hatten die Wetterverhältnisse vorher eher problematisch gesehen. Warum seid ihr trotzdem so früh aufgestiegen?

Weil meine Meteorologen ein perfektes Wetterfenster vorausgesagt haben, zwischen dem 15. und 17. Mai. Wir wollten eigentlich in der Nacht vom 16. auf den 17. zum Gipfel gehen. Dann hieß es: Dominik, gehe lieber einen Tag früher! Es wird windstill und warm. Beim Abstieg kommt vielleicht eine kleine Windspitze herein. Die ist dann aber mittags durch, und ihr könnt weiter absteigen. Und genauso war es.

Welchen Tipp hast du für alle parat, die noch unten auf ihre Everest-Chance in diesem Frühjahr warten?

Die Meteorologen erwarten für das Wochenende noch einmal ein Wetterfenster. Einige Teams sind im Aufstieg. Aber im Augenblick sehe ich vom Gipfel noch wahnsinnige Schneefahnen. Ich kann allen nur raten: Cool bleiben, abwarten und vielleicht auch den Meteorologen vertrauen! Ich denke, man sollte sich mit seinen Wetter-Fachleuten absprechen, irgendwann sagen, okay es passt für mich, und dann auch losgehen. Es ist typisch, dass im Basislager viel diskutiert wird. Manchmal wird auch etwas schlechtgeredet, das gar nicht so schlecht ist.

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https://blogs.dw.com/abenteuersport/dominik-mueller-am-everest-es-war-perfekt/feed/ 3
Kuriki ändert seinen Everest-Plan https://blogs.dw.com/abenteuersport/kuriki-aendert-seinen-everest-plan/ Wed, 17 May 2017 17:12:49 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36249

Nobukazu Kuriki

Nobukazu Kuriki hat die Everest-Seite gewechselt. Der 34 Jahre alte Japaner meldete sich heute via Facebook aus Gorak Shep, der 5207 Meter hoch gelegenen, letzten bewohnten Siedlung unterhalb des Everest auf der nepalesischen Südseite. Die nötigen Formalitäten mit den nepalesischen Behörden hat Kuriki offenbar erledigt. Zuvor hatte Nobukazu sein Zelt auf der tibetischen Nordseite aufgeschlagen: auf dem Zentralen Rongbuk-Gletscher unterhalb der Everest-Nordwand. Grund für seinen Ortswechsel, so Kuriki, sei, dass er seinen Aufstiegsplan geändert habe. Ursprünglich hatte der Japaner die Nordwand solo und ohne Flaschensauerstoff über die so genannte „Supercouloir-Route“ –  ein Rinnensystem, das sich fast durch die komplette Wand zieht – zum höchsten Punkt aufsteigen wollen.

Zu viel Blankeis in der Nordwand

Geplante Route Kurikis

Im unteren Wandbereich gebe es derzeit jedoch sehr viel Blankeis, schreibt Kuriki auf Facebook. Da er bei seinem Everest-Versuch im Herbst 2012 neun seiner zehn Finger wegen Erfrierung verloren habe, sei es für ihn zu gefährlich, dort zu klettern. Deshalb wolle er nun auf der Südseite bis zum Westgrat aufsteigen, erst von dort aus in die Nordwand queren und über das Hornbein-Couloir zum Gipfel steigen. „Tatsächlich ist es genau die Route, die ich schon im Herbst 2012 versucht habe“, schreibt Kuriki. „Ich fühle mich gerade, als wäre ich immer noch damals dort.“ Er werde am Freitag von Gorak Shep aus aufbrechen und hoffe, am 23. Mai, also am Dienstag kommender Woche, den Gipfel zu erreichen. Dann werde laut Wettervorhersage der Wind aus Westen abgeflaut sein. Für Kuriki ist es bereits der siebte Anlauf am Everest. Sechsmal hatte er zuvor, jeweils im Herbst, vergeblich versucht, den Gipfel zu erreichen, fünfmal von der nepalesischen, einmal – im vergangenen Jahr – von der tibetischen Seite aus.

Mehr als 2000 Höhenmeter in sechs Stunden

Kilian Jornet am Everest

Kilian Jornet, der wie Kuriki im Herbst 2016 auf der Nordseite gescheitert war, akklimatisiert sich derzeit auf der tibetischen Normalroute für seinen Versuch einer Speedbesteigung ohne Flaschensauerstoff. Am Montag ließ der Spanier auf Facebook wissen, dass er innerhalb von sechs Stunden vom vorgeschobenen Basislager auf 6300 Metern bis auf eine Höhe von 8400 Metern aufgestiegen sei. „Good vibrations“, gute Schwingungen, konstatierte der 29-Jährige. Kilian hatte sich mit einem Aufstieg auf den Achttausender Cho Oyu auf sein Everest-Projekt vorbereitet – bei Schneefall und äußerst schlechter Sicht: „Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich der Gipfel war, weil ich nur bis zu meinen Füßen sehen konnte.“

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David Göttler an der Shishapangma: 4 Fragen, 4 Antworten https://blogs.dw.com/abenteuersport/david-goettler-an-der-shishapangma-4-fragen-4-antworten/ Sun, 14 May 2017 07:19:55 +0000 http://blogs.dw.com/abenteuersport/?p=36187

Akklimatisierungsaufstieg für die Shishapangma-Südwand

David Göttler und Hervé Barmasse warten auf ihre Chance. Auf das Schönwetterfenster, das es ihnen erlaubt, in die Shishapangma-Südwand einzusteigen, wo sie – wie berichtet – eine neue Route klettern wollen. Im Gegensatz zum Mount Everest, wo sich derzeit auf beiden Seiten des Bergs Hunderte von Bergsteiger tummeln, sind der 38 Jahre alte Deutsche und der 39 Jahre alte Italiener in ihrem Basislager auf der Südseite der Shishapangma alleine. Ich habe David vier Fragen geschickt.

David, in welcher Phase befindet sich eure Expedition?

Wir haben unsere Akklimatisation am 9. Mai abgeschlossen. Da waren wir für eine Nacht auf einem Col (Pass) rechts der Shishapangma auf 6900 Metern. Jetzt sind wir im Basislager und warten auf ein gutes Wetterfenster. Die Möglichkeit für die neue Route haben wir uns gut aus dem ABC (dem vorgeschobenen Basislager) angeschaut und es hängt jetzt davon ab, was das Wetter hergibt.

David Göttler (l.) und Herve Barmasse (r.)

Wie sind die Verhältnisse am Berg?

Die Verhältnisse scheinen nicht so schlecht zu sein. Auf dem Pass waren sie sehr gut. Hoffentlich sind sie auch so in der Südwand. Da wir das Ganze ja im Alpinstil angehen wollen, waren wir dort ja noch nicht. 

Wie funktioniert ihr beide als Team? Wie ist eure Stimmung?

Die Stimmung ist super und positiv. Wir sind beide glücklich, das wir so gut und ohne Probleme auf 6900 Metern schlafen konnten. Auch die Route da hoch und runter war ein super Test für die Südwand. Wir haben viel Spaß, und es ist irgendwie etwas Besonderes für uns beide, hier so alleine zu sein. 

Wann wird es richtig ernst mit der neuen Route?

Das ist schwer zu sagen. Wir sind in ständigem Kontakt mit Karl Gabl (Meteorologe aus Österreich) und hoffen auf ein baldiges Wetterfenster. Im Moment ist es zwar endlich wärmer geworden (davor hatte es nachts minus 13 Grad im Basislager-Zelt), und es hat wenig Wind. Dafür aber täglich unberechenbare Bewölkung und Niederschlag. Nicht viel, aber für uns sind leider schon fünf Zentimeter Neuschnee und null Sicht wirklich schlecht. Hier sind keine Fixseile oder Wegmarkierungen, die uns den Weg weisen. Deshalb wird ein bisschen Neuschnee schnell zu einer ernsten Gefahr, wenn man sich in einer 2000 Meter hohen Wand befindet.  

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