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Abenteuer Sport

mit Stefan Nestler

Alpine Mentoren

Ausbildungstag im Mont-Blanc-Gebiet

„Ausbildung ist der beste Reiseproviant für die Reise zum hohen Alter“, hat schon der alte Aristoteles gewusst. Dass der Philosoph als Felskletterer die Klippen der Ägäis unsicher gemacht hätte, wäre neu. Aber sein weiser Spruch gilt auch für Bergsteiger und Kletterer: Wer gut ausgebildet ist, lebt länger. Steve House, der Topkletterer aus den USA, hat sich nach einem Sturz 2010, der ihn fast das Leben gekostet hätte, der Ausbildung junger, talentierter Kletterer verschrieben. Er gründete die gemeinnützige Organisation „Alpine Mentors“, um – so Steve – „dem Klettern etwas zurückzugeben und der heutigen Kletterjugend ein Mittel an die Hand zu geben, dass ich nicht hatte“. Der 43-Jährige hat internationale Topkletterer als Mentoren gewonnen, die bereit sind, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten am Berg an die nächste Generation weiterzugeben. Mit am Seil sind dieser Tage auch die deutschen Spitzenbergsteiger Ines Papert und David Göttler

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4. Oktober 2013 | 17:33

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Vor 100 Jahren: Paul Preuß stürzt in den Tod

Paul Preuss

Sein Name klingt wie ein Schimpfwort aus den Bergen. Doch der „Preuß“ ist keiner. Paul Preuß kommt 1886 in Altaussee zur Welt – im Salzkammergut, wo seine Eltern aus Wien und später er selbst und die beiden Schwestern die Sommermonate verbringen. Mit elf beginnt Paul bergzusteigen und sammelt Gipfel wie andere Briefmarken. Als Jugendlicher verblüfft er durch eine sehr spezielle Übung: Preuß stellt zwei Gläser mit der Öffnung nach unten auf einen Schrank und macht an ihnen Klimmzüge. Von 1908 an werden Pauls Touren immer extremer. Preuß klettert schwierigsten Touren in den Westalpen, den Dolomiten und im Wilden Kaiser. „Sein Klettern war am ehesten dem Tanzen zu vergleichen, so schwerelos, so ohne Mühe, so durchaus lustbetont ist es erfolgt“, erinnert sich später sein Freund Alexander Hartwich. 

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3. Oktober 2013 | 5:00

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Schon über 600 Gletscher weggeschmolzen

Da schmilzt er dahin

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, auch in der Öffentlichkeitsarbeit. Vor drei Jahren war der Weltklimarat (IPCC) auf dem Eis der Himalaya-Gletscher böse ausgerutscht. Im letzten Weltklimabericht hatte es geheißen, die Eismassen an den höchsten Bergen der Welt wären im Jahr 2035 mit großer Wahrscheinlichkeit komplett verschwunden. 2010 musste das IPCC kleinlaut einräumen, dass es sich um einen Zahlendreher handelte, gemeint war das Jahr 2350. Peinlich. Es hagelte Kritik. Kein Wunder, dass in der jetzt veröffentlichten Zusammenfassung des neuen Klimaberichts das Wort „Himalaya“ fehlt. Das IPCC verkündet lediglich, dass „die Gletscher in den vergangenen zwei Jahrzehnten fast auf der ganzen Welt weiter geschrumpft“ seien. Auch in der über 2000 Seiten langen, ausführlichen Fassung hält sich der Weltklimarat mit Prognosen für den Himalaya auffallend zurück. 

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1. Oktober 2013 | 14:44

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Vor 100 Jahren: Dülfers großer Coup

Totenkirchl (vom Stripsenkopf aus)

Geht es euch manchmal auch so? Ich habe einen Termin in meinem Hinterkopf unter einem bestimmten Datum abgespeichert, das sich dann jedoch als falsch erweist. Diesmal lag es allerdings nicht daran, dass ich, wie so oft, nicht in meinen Kalender gesehen habe. Vielmehr habe ich die Angaben eines Zeitungsartikels, den ich im Sommer gelesen und aufgehoben hatte, nicht nachgeprüft. Und so bin ich jetzt eigentlich zwei Tage zu spät dran, für den Jubiläumsartikel. Aber besser jetzt als gar nicht. Ich hebe mein Glas auf Hans Dülfer und Willi von Redwitz, die am 26. September 1913  im Wilden Kaiser erstmals die „direkte Totenkirchl-Westwand“ durchkletterten. Die Route – nach heutigem Maßstab, frei geklettert, im sechsten Grad – galt damals als die anspruchsvollste in den Alpen und eine der schwierigsten weltweit.

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28. September 2013 | 21:23

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Gelesen: Machtkampf am Everest

Warnung: Das ist keine Rezension! Ich bin diesmal völlig distanz-, scham- und prinzipienlos, befangen, verwickelt. Deshalb dürfte ich euch diese Anthologie (für alle Nichtgriechen: eine Blütenlese, sprich Sammlung ausgewählter Texte verschiedener Autoren) zum Sherpa-Angriff am Mount Everest eigentlich gar nicht ans Herz legen. Ich mache es trotzdem. Warum? Lupenreine PR.

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25. September 2013 | 13:11

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Schuldig oder Sündenbock?

Broad Peak

Der polnische Bergsteigerverband (PZA) hat seinen Abschlussbericht über das Drama nach der ersten Winterbesteigung des Achttausenders Broad Peak im vergangenen März vorgelegt. Darin werden schwere Vorwürfe gegen die beiden überlebenden Bergsteiger Adam Bielecki und Artur Malek erhoben. Nach Ansicht des Verbands hätten sich die beiden nach Erreichen des Gipfels nicht von ihren Gefährten Maciej Berbeka und Tomasz Kowalski trennen dürfen. Dass sie zudem bewusst in Kauf genommen hätten, den Blickkontakt zu Berbeka und Kowalski zu verlieren, sei ein „grundlegender Fehler und ein Verstoß gegen die alpinistische Ethik“ gewesen, heißt es in dem PZA-Bericht. Der 58 Jahre alte Berbeka und der 27 Jahre alte Kowalski waren erst für vermisst und später für tot erklärt worden. Polnische Bergsteiger fanden im Juli die Leiche Kowalskis auf einer Höhe von 8000 Metern und bestatteten sie dort unter Steinen. Berbeka bleibt verschollen.

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23. September 2013 | 18:12

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Domkletterer

Kölner Dom

Mehr noch als Kölsch und den FC lieben wir Kölner unseren Dom. Schließlich dauerte es über 600 Jahre (1248 bis 1880), bis die Kathedrale fertiggebaut war. Nicht umsonst gehört das Wahrzeichen unserer Heimatstadt zum Weltkulturerbe der UNESCO. Zwei junge Russen sorgten jetzt für Schlagzeilen, als sie in der Nacht in Turnschuhen ungesichert auf den Nordturm stiegen und anschließend spektakuläre Bilder ihrer illegalen Tour in ihren Blog setzten. „Eine tolle Kletterleistung“, räumt selbst Domprobst Norbert Feldhoff ein. Dennoch zeigte das Domkapitel als Hausherr der Kathedrale die beiden Russen an. Feldhoff verwies auf die Gefahr für Passanten am Boden, da Kletterer Steine lostreten könnten. „Das kann tödlich sein.“ Auch der Deutsche Alpenverein distanzierte sich auf meine Anfrage hin mit deutlichen Worten von den nächtlichen Dombesteigern.

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21. September 2013 | 11:14

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Olympisches Feuer geht auf Abenteuerreise

Junges Eis am Nordpol

Das olympische Feuer muss frieren. Noch nicht in Griechenland, wo es am 6. Oktober in den antiken Anlagen von Olympia für die Winterspiele 2014 in Sotschi entzündet wird, aber schon recht bald nach der Ankunft in Russland. Noch im Oktober wird ein von einem Atomreaktor angetriebener Eisbrecher die Fackel zum Nordpol chauffieren, von wo aus einige Läufer sie dann entlang der Rinne ein Stück weit tragen sollen. Mit dieser und anderen Stationen des Fackellaufs werde die „Schönheit Russland allen Russen und dem Rest der Welt“ präsentiert, sagt Dmitri Tschernyschenko, Chef des Organisationskomitees der Spiele in Sotschi. Der Nordpol ist nach russischer Lesart also bereits eingemeindet – auch wenn völkerrechtlich gesehen keineswegs klar ist, ob und welcher der Arktis-Anrainerstaaten Anspruch auf die unter dem Pol vermuteten riesigen Öl- und Gasvorräte hat.

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19. September 2013 | 15:52

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Uelis dritter Anlauf an der Annapurna

Ueli 2007 an der Annapurna

Mein (hier geäußertes) Bauchgefühl stimmte: Ueli Steck ist tatsächlich in den Himalaya zurückgekehrt, um sich wieder an einem Achttausender zu versuchen – viereinhalb Monate nach dem unseligen Sherpa-Angriff gegen ihn, Simone Moro und Jonathan Griffith in Lager 2 am Mount Everest.  Der 36-Jährige Topbergsteiger aus der Schweiz reiste gestern nach Kathmandu. Sein Ziel: die Südwand der 8091 Meter hohen Annapurna. „Bequem durchs Leben zu gehen, ist nach wie vor nicht mein Ziel“, schreibt Ueli auf seiner Homepage. „Darum versuche ich es ein drittes Mal an der Annapurna. Ich möchte meine Träume und Visionen in die Realität umsetzen. Die Annapurna ist eine davon.“ 2007 war er dort nur knapp dem Tod entronnen.

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17. September 2013 | 14:12

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193er-Seilschaft

Lange Schlange auf dem Ködnitzkees

Die Wolken hingen tief, es war kühl. Nicht gerade das ideale Wetter, um auch Neugierige oder Spontane dazu zu verleiten, zum über 3000 Meter hohen Ködnitzkees auf der Kalser Seite des Großglockners aufzusteigen. Dort sollte gestern – wie hier berichtet – die „längste Seilschaft der Welt“ gebildet werden. Ein Notar beurkundete die Teilnehmerzahl, damit die Aktion im Erfolgsfall im Guinness-Buch der Rekorde landet. Trotz des widrigen Wetters kam eine 600 Meter lange Seilschaft aus 193 Bergfreunden zusammen. „Die Übung ist gelungen“, sagte Peter Ladstätter, Bezirksleiter der Bergrettung Tirol, der die Veranstaltung organisiert hatte.

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15. September 2013 | 18:03

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Schwedens höchster Berg schmilzt dahin

Kebnekaise

Dem Kebnekaise in Lappland geht es an den weißen Kragen. Wenn nicht noch ein klimatisches Wunder geschieht, wird Schwedens höchster Gipfel bald nur noch die Nummer zwei im Lande sein. Forscher der Universität Stockholm vermaßen in diesem August den von einem kleinen Gletscher bedeckten Südgipfel des Kebnekaise und kamen dabei auf eine Höhe von nur noch 2099 Metern, ein historisches Tief (wenn man das bei einer Höhe sagen darf). In den vergangenen 18 Jahren sei die Eishaube im Schnitt um etwa einen Meter pro Jahr zusammengeschmolzen. „Das ist ein klarer Trend“, sagt Geograph Gunhild Rosqvist. Der Klimawandel sei schuld: „Es gibt keinen Zweifel, dass die Schmelze durch das wärmere Wetter verursacht wird.“

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13. September 2013 | 13:56

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Nie ohne Seil aufs Eis

Erst anseilen, dann losstapfen

Die längste Seilschaft der Welt. Das ist das Ziel einer Aktion am Großglockner, die, wenn alles klappt, im Guinness-Buch der Rekorde landen wird. Auf dem Ködnitzkees, dem auf der Kalser Seite gelegenen Gletscher unterhalb des höchsten Gipfels Österreichs, werden Mitglieder der Osttiroler Bergrettung am Samstag um 14 Uhr so viele Menschen wie möglich aneinander seilen. Jeder kann mitmachen, vorausgesetzt er trägt vernünftige Bergschuhe und einen Klettergurt mit Karabiner. Ein Notar wird im Auftrag der Guinness-Buch-Rekordwächter die Teilnehmer zählen. Anschließend ist noch eine Performance des Künstlers Dieter Remler geplant, die unter dem Motto steht: „Frei wie ein Adler mit dem Verstand eines Menschen.“ Die Aktion ist nur eine von mehreren an diesem Wochenende in Osttirol, das ganz im Zeichen der Sicherheit am Berg steht. Ich habe Kontakt zu Peter Ladstätter aufgenommen, dem Bezirksleiter der Bergrettung Osttirol. Er hat die Aktion auf dem Ködnitzkees organisiert.

Peter, worauf wollt ihr mit der geplanten längsten Seilschaft der Welt hinweisen?

Die Kernbotschaft, die wir hier transportieren möchten, lautet: Es muss Standard sein, Gletscher nur angeseilt zu betreten oder angeseilt zu überqueren. Viele wissen leider nicht, dass Gletschereis immer in Bewegung ist und daher auch die Spalten wandern“.

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12. September 2013 | 11:24

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Eingelocht

Abschlag bzw. Abstoß

Ich bin unter die Golfer gegangen. Nein, ich habe nicht im Lotto gewonnen. Nein, ich habe mir auch keine Verletzung zugezogen, die es mir verbieten würde, weiterhin auf Berge zu steigen. Und nein, ich lege nicht plötzlich Wert auf Etikette und verschreibe mich deshalb der „teuren Variante des Murmelspiels“, wie einst der englische Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton die elitäre Sportart nannte. Ich versuchte mich vielmehr in einer preiswerten Variante des Golfspiels: dem Fußballgolfen. In Elsdorf, 30 Kilometer von Köln entfernt, direkt gegenüber vom Braunkohle-Tagebau, der tiefe Wunden in die Landschaft reißt.

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9. September 2013 | 14:59

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Berge für Hillary und Tenzing

Edmund Hillary (l.) und Tenzing Norgay

Nepal hat eine große Tourismus-Offensive gestartet. Erst die Ankündigung, dass bald sechs neue Achttausender als eigenständige Berge anerkannt würden, fünf davon in Nepal. Und jetzt das: Zwei noch unbestiegene Berge in Nepal sollen nach den Erstbesteigern des Mount Everest benannt werden, also nach Sir Edmund Hillary (1919-2008) und Tenzing Sherpa (1914-1986). „Damit soll ihr Beitrag zur Entwicklung des Bergsteigens in Nepal gewürdigt werden“, sagte Ang Tshering Sherpa der frühere Präsident des Nepalesischen Bergsteigerverbands (NMA). Der 59-Jährige leitete eine Regierungskommission, die jetzt diesen Vorschlag machte. Der Berg, der künftig Peak Hillary heißen solle, sei 7681 Meter hoch, der Peak Tenzing sogar 7916 Meter. Dabei kann es sich eigentlich nur um Berge handeln, die bisher unter die Kategorie Nebengipfel fielen.

Datum

7. September 2013 | 22:20

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Everest-Song

Ich höre, was ich hören will. Zumindest, wenn ich englischsprachige Musik konsumiere. Leider zähle ich nicht zu den sprachbegnadeten Zeitgenossen, die englische Liedtexte auf Anhieb verstehen. In den Zeiten, in denen wir noch nicht verinternetzt waren, also vor ungefähr tausend Jahren, war das nicht weiter tragisch. Da konnte ich über Jahre glauben, dass Mrs. Robinson mich länger geliebt hatte, als ich dachte (Ich verstand: „She has loved you more than you will know…“), wo die Gute in Wahrheit doch von Jesus geliebt wurde (Simon and Garfunkel sangen nämlich: „Jesus loves you more than you will know…“). Heute ist es einfacher. Die Texte stehen schon im Netz, kaum dass ein Lied erstmals öffentlich geträllert worden ist. Als ich „On top of the world“ der US-Band Imagine Dragons im Radio höre und in der ersten Strophe auch „highest mountains“ vernehme, denke ich: Sieh an, ein Lied über den Everest! Das Internet belehrt mich eines Besseren: Die Berge müssen wieder einmal als Metapher für das Auf und Ab des Lebens und der Liebe herhalten.

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6. September 2013 | 17:10

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