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Bildungswege

Fünf Blogger - fünf Länder - ein Dialog

Gebildete Frauen sind „teuer“

Kinder auf dem Land haben weite Schulwege

Letzte Woche habe ich einen Fernseh-Beitrag gesehen, in dem  über Schulkinder berichtet wurde, die zehn Stunden unterwegs sind, um ihre Schule für gerade mal eine Stunde zu besuchen! Das klingt unglaublich, aber es passiert!  Das liegt daran, dass in abgelegenen Landesteilen die Schulen weit auseinander liegen und ein gutes Transportsystem fehlt. Doch die Überwindung dieser geografischen Hürde stellt nur ein Hindernis dar, wenn es um den Zugang zu Bildung geht. In vielen Gesellschaften wird besonders den Mädchen der Zugang erschwert.

In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts, hatte Bildung nichts mit dem zu tun, wie wir sie heute kennen. Meine Großmutter hat nie ein Klassenzimmer von innen gesehen. Tanten und Großmütter waren die Lehrerinnen von damals. Sie haben Tugenden und Werte, die Rollen von Frauen und Männern in der Gesellschaft und allgemeines Wissen zu Themen wie Tierhaltung oder Landwirtschaft vermittelt. In einigen Gemeinden wurde sogar Sexualerziehung in das „Curriculum“ aufgenommen. Also gefragt, ob meine Großmutter zur Schule gegangen ist, lautet die Antwort: Ja!

Bildung in Kenia: Mädchen und Frauen holen auf (Mit freundlicher Genehmigung von Givewatts)

Als damals die Kolonialherren die formale Bildung in Kenia eingeführt haben, waren es vorrangig die Jungen, die die Schule besucht haben. Die Mädchen sollten sich um die Betreuung der Kinder zu Hause und um den Haushalt  kümmern. Mit dem sozio-ökonomischen Wandel hat sich über die Jahre vieles in der Gesellschaft verändert hat.  Meine Eltern hatten die Chance, zur Schule zu gehen. Mein Vater  hat sogar für ein Jahr eine Uni in Großbritannien besucht. Um nicht den Anschluss zu verlieren, hat meine Mutter im Jahr 2008 ihren Bachelor gemacht und sich 2009 für ein Master-Programm eingeschrieben. Derzeit sitzt sie an ihrer Forschungsarbeit.

Neben meiner Mutter gibt es Hunderte von älteren Menschen, die jetzt zurück an die Uni gehen, um einen Bachelor-Abschluss zu erlangen. Viele dieser Studierenden sind Frauen. Natürlich werden dadurch Maßstäbe gesetzt: Die jüngeren Mädchen haben eine bessere Chance auf eine gute Ausbildung, da sie oft dem Vorbild der Mutter folgen.

In meiner Kultur, wo die Tradition des Brautpreises noch existiert, ist eine gut gebildete Frau ‚teuer‘. Ich weiß, dass sich das anhört, als würden Frauen mit Waren gleichgesetzt. Aber es ist  eine Art Wertschätzung der Frauen. Ich bin mit dieser Tradition nicht so ganz einverstanden. Oft kommt es zu Trennungen, wenn eine junge Frau besser ausgebildet ist, als ihr männlicher Partner. Ihr Preis ist einfach zu hoch. Auch können die meisten Männer es nicht akzeptieren, wenn Frauen gebildeter sind oder mehr Geld verdienen. Diese Konstellation wird normalerweise als Vorbote einer Katastrophe angesehen…..Ich habe einige Männer in meinem Land dazu befragt:
Gender and education in Kenya

Unabhängig davon muss Bildung als Menschenrecht betrachtet werden. Ich bin davon überzeugt, dass es so verstanden werden muss.

Datum

Freitag, 18.05.2012 | 14:19

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1 Kommentar

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  • Ich finde es toll, dass auch ältere Frauen in Kenia begonnen haben, ein Studium „quasi“ nachzuholen. Ich fände es interessant zu erfahren, was sie dazu motiviert. Bleibt zu hoffen, dass ihr Engagement auch damit belohnt wird, auf dem Arbeitsmarkt unterzukommen. Und dann auch möglichst zu Bedingungen und mit einer Entlohnung, die auch Männer bekommen.

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