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Bildungswege

Fünf Blogger - fünf Länder - ein Dialog

Nach der Schule: Ab in den Verein!

 

Pfadfinder am Lagerfeuer (Foto: Kathrin).

Pfadfinder: Gemeinschaft außerhalb der Schule erleben

Auch außerhalb der Schule und Universität habe ich sehr viel gelernt: Schwimmen, Turnen, Spielen, Tanzen. Das alles konnte ich in Vereinen in Deutschland mit anderen Kindern gemeinsam in meiner Freizeit lernen. Da während meiner Schulzeit der Unterricht nur halbtags war, hatten wir nachmittags frei. Und so haben wir uns dann einfach zum Spielen getroffen oder sind eben zu verschiedenen Vereinen in unserem Ort gegangen. Im Turnverein zum Beispiel haben meine Freunde und ich viele tolle Stunden erlebt: Ob es um Sport ging oder das Sommerzeltlager in den Schulferien.

Ich habe hier viele tolle Leute kennengelernt, so dass ich mich in der Gemeinschaft unseres Heimatorts immer sehr verwurzelt gefühlt habe. Immer wieder hört man, dass Kinder aus bildungsfernen und ärmeren Familien in Deutschland seltener in Sport- oder Musikvereine gehen als solche aus besser situierten Familien. Dabei kann man in Vereinen so viel lernen, nicht nur über Kultur, Sport, Natur oder Politik, sondern auch wie man miteinander umgeht. Eigentlich gibt es für Vereine keine Zugangsvoraussetzungen, anders als zum Beispiel in Schulen, wo man einen bestimmten Notendurchschnitt braucht. Im Vereinsleben besteht also die Möglichkeit, eine Gemeinschaft zu bilden, die über verschiedene Schichten und Herkunftsländer hinweg wirkt. Auch die Mitgliedsgebühren sind oft sehr niedrig oder werden bei finanziellen Problemen bezuschusst oder erlassen.

Gruppenbilung bei den Pfadfindern (Foto: Kathrin Biegner).

Vertrauenbilden in der Gruppe bei den Pfadfindern

Heute klagen viele Vereine darüber, dass zu wenige Kinder ihre Angebote wahrnehmen würden, weil diese weniger Zeit hätten, seitdem es auch nachmittags Unterricht gibt. Manche bieten nun zum Beispiel Fußball- oder Musikstunden in Schulen an. Die meisten versuchen aber weiterhin genügend Interessierte für ihre eigenen Angebote zu finden, wie beispielsweise die Pfadfinder.

Einige Freunde von mir engagieren sich in einer Pfadfindergruppe. Heute haben sie ihr 80. Jubiläum gefeiert. Morgens stand ein Gottesdienst auf dem Programm, im Anschluss gab es Kaffee und Kuchen. Eine Fotoshow hat Bilder aus den vergangenen Jahrzehnten gezeigt. Immer wieder hat man die Anwesenden mit leuchtenden Augen fragen gehört: „Weißt du noch?!“ Viele Erinnerungen lebten auf, die die Gruppenmitglieder miteinander verbinden. Auch die anstehende Nacht mit Grillen und Zelten wird sich wieder in ihre gemeinsamen Erinnerungen einfügen und ihr Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Und für manchen jungen Pfadfinder wird sie besonders in Erinnerung bleiben, denn es ist ihr erstes Jubiläumszelten, bei dem sie dabei sind.

Datum

Montag, 21.05.2012 | 11:04

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