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Bildungswege

Fünf Blogger - fünf Länder - ein Dialog

Hat man jemals ausgelernt?

Detail eines Büchertisches einer russischen Buchhandlung

Lebenslanges Lernen - ob mit Büchern oder mit Hilfes des Internets!

Mit einem Universitäts-Abschluss in der Tasche startet man ins Arbeitsleben, denn das Thema Bildung ist damit abgehackt (zumindest bis die eigenen Kinder in den Kindergarten kommen) – so denken zumindest viele in Russland. Nach der Universität hat man ausgelernt, findet einen Job und das Leben nimmt seinen Lauf. Manchmal diskutiere ich mit meinen Freunden darüber und freue mich dann, dass einige in meiner Generation einen modernen Ansatz verfolgen: Wir finden es wichtig, niemals mit dem Lernen aufzuhören und auch als Berufstätige Kurse und Seminare zu belegen oder zumindest häufiger mal den Job zu wechseln.

Ich bin der Meinung, dass der traditionelle Bildungsweg – Kindergarten, Schule, Universität – nicht alles sein kann. Dieser herkömmliche Bildungsweg ist zwar allgemein akzeptiert und der Staat stellt diesen mehr oder minder zur Verfügung (allerdings gibt es hier auch einige Probleme, von denen ich in meinem zweiten und dritten Eintrag berichtet habe).

Regale voller Bücher in einer kleinen Haus-Bibliothek (Foto: Pavel Mylnikov).

Konventioneller Hort des Wissens

Was aber ist die Alternative? Die Antwort ist simple: eigenverantwortliche Fortbildung! Es gibt so vieles, was man noch lernen kann! Früher ging man dafür in die Bibliothek, aber seit die Internetverbindungen in Russland in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und sich verbessert haben, nutzen die meisten Menschen lieber Internetdatenbanken als riesige Säle mit Büchern darin. Schließlich ist unser Leben dank des Internets viel dynamischer geworden. Die meisten Bibliotheken haben sich leider bisher nicht daran angepasst – einige stellen beispielsweise noch mit einmal eine Internetverbindung zur Verfügung oder sie beziehen keine oder nicht genügend fremdsprachige Fachmagazinen aus Wissenschaft und Wirtschaft. Bibliotheken werden nicht als Hort der Aufklärung verstanden, sondern als ein Ort, an dem man ein Buch abholt und sich mit diesem mehrere Tage beschäftigt.

Ich finde das wirklich schade und es ist daher auch kein Wunder, dass Bibliotheken fast nur von Schülern und Senioren genutzt werden – Berufstätige suchen sich etwas Zweckmäßigeres. Beispielsweise den Wissensreichtum im Internet, der besonders dann vielversprechend ist, wenn man eine Fremdsprache gut beherrscht (und auch den dazugehörigen Wortschatz des jeweiligen Interessensgebietes wie Medizin oder Wirtschaft) und einen guten Internet-Anschluss hat (auf dem Land ist das in Russland leider oft nicht der Fall).

Laptop mit einem Online-Kurs (Foto: Pavel Mylnikov).

Klick Dich schlau - Fortbildung im Internet

Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, liegt Dir die ganze Welt zu Füßen! Allerdings richten sich die meisten Onlinekurse an Akademiker. Diese Kurse werden vor allem von bekannten Auslandsuniversitäten angeboten, die meisten Universitäten in meinem Land sehen ihren Internetauftritt nur selten als eine zusätzliche Möglichkeit für Wissensvermittlung an. Für Schüler gibt es solche Programme bisher nicht, zumindest nicht in Russland.

Vereine oder Wissensgesellschaften außerhalb der Schule oder des staatlichen Bildungssystems sind eine weitere gute Fundgrube der Wissensvermittlung. Das einzige Limit sind die eigenen Interessen! Meine Freunde beispielsweise haben einen eigenen Buchladen und bieten dort Seminare für Literatur-Fans an – sie laden Dichter oder Professoren ein und im Publikum sitzen nicht nur Jugendliche, sondern ganze Familien!

Also nicht vergessen: Es geht nicht darum, sich fürs Leben zu bilden, sondern sich lebenslang zu bilden. Unabhängig vom Alter, Einkommen oder sozialen Umfeld.

Datum

Montag, 21.05.2012 | 16:00

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