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Bildungswege

Fünf Blogger - fünf Länder - ein Dialog

Unendliche Möglichkeiten und doch eingeschränkt

Emmy Chirchir

Keiner weiß was als nächstes kommt - die Unsicherheit geht um

Neulich hat jemand mir gesagt, ein Master sei so viel Wert wie ein Bachelor damals und ein PhD – also ein Doktortitel – so viel wie ein Master. Wie ich schon in meinem letzten Blogeintrag geschrieben hatte, ist der Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt viel größer geworden und der Kampf um einen Job immer härter. Es gibt immer mehr Leute, die einen Master-Abschluss haben. Die Frage ist aber: Was passiert mit den Leuten, die keine Chance haben die Bildungsleiter weiter aufzusteigen?

Es gibt Möglichkeiten. Diese Menschen können an einem College, einer Berufschule oder an einer „Technischen-Schule“ eine Ausbildung machen. Normalerweise dauert es dann zwei Jahre, und am Ende hat man ein einen Diplom-Abschluss. Ich weiß, dass das Wort Diplom in Deutschland anders benutzt wird. Aber in Kenia haben die Abschlüsse einen anderen Stellenwert als in Deutschland. Die höchste akademische Stufe ist ein PhD, dann kommt der Master, dann der Bachelor und dann kommen Diplom und Zertifikat.

Ich habe Verwandte, die diese Möglichkeiten genutzt haben. Sie haben ein Diplom gemacht, obwohl klar war, dass sie auf dem Markt nicht mit denen konkurrieren können, die einen Bachelor oder einen Master-Abschluss haben. Meine Cousins und Cousinen haben fast alle ein College besucht. Das dauert nicht so lange und ist auch nicht so teuer wie eine Uni. Und am Ende haben sich einige von ihnen selbstständig gemacht, sind Bauern geworden und einige Mädchen haben halt geheiratet.

In manchen Fällen kann aber auch die Regierung die Studiengebühren übernehmen. Man kann einen Kredit bekommen, manchmal auch ein Stipendium oder aber die Regierung gibt das Geld an einzelne Bezirke weiter und dort wird entschieden, wer das Geld bekommt. Ich selber habe auch einen Kredit von der Regierung bekommen, den ich derzeit noch zurückzahle. Er war genau ausreichend, um die staatlichen Hochschulgebühren zu bezahlen und um auch noch den Lebensunterhalt zu bestreiten.

In unserem Bildungssystem gibt es allerdings kaum noch Raum für Kreativität. Studienfächer wie Kunst, Tanz, oder Schauspiel sind so gut wie nicht vorhanden. Das wird bei uns einfach nicht ernst genommen. Unsere Eltern sind der festen Meinung, dass Kunst, Musik und Tanz zur Unterhaltung gehören und man dafür entweder ein Talent hat oder nicht. Ich glaube, man muss einen Mittelweg finden zwischen dem was man am Besten kann, was die Leidenschaft ausmacht und was aber auch eine Mahlzeit auf den Tisch bringt.

Datum

Sonntag, 03.06.2012 | 16:00

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