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Bildungswege

Fünf Blogger - fünf Länder - ein Dialog

Bildung für alle braucht Heldinnen und Helden

Lernen - totz aller Widerstände

Stell’ dir vor, du bist gerade fünf Jahre alt geworden und die Einschulung steht an. Darauf hast du dich schon lange gefreut! Du hast die Kinder aus der Nachbarschaft beobachtet,  die auf dem Weg  zur Schule sind:  Mit Rucksäcken, glitzernden Schuhen und strahlenden Gesichtern. Jetzt ist es bei dir auch so weit. Jetzt kannst du das Alphabet lernen und bald schon lesen und deinen Namen schreiben.  Doch dann bleibt alles nur eine Wunsch-Vorstellung!

Anstatt zur Schule zu gehen, musst du das Haus putzen und dich um deine kranken Eltern kümmern. Von jetzt auf gleich musst du erwachsen sein. Dieses Schicksal teilten  40 Kinder in Kibera, bevor sie Regynnah kennengelernt haben. Seither hat sich vieles für sie geändert.

In meinem Skype-Interview habe ich erzählt, wie beeindruckt ich von Menschen bin, die gegen alle Widerstände für Bildung und Ausbildung kämpfen – für die eigene oder die von anderen. Und der unermüdliche Einsatz von Regynnah ist eine Erfolgsgeschichte.

Regynnah ist 26 Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter und mit acht der 40 Kinder unter einem Dach. Alle Kinder sind von HIV betroffen – entweder sind sie selbst infiziert, sind Aids-Waisen oder ihre Eltern sind erkrankt. 2010 hat Regynnah die Organisation Angels of Hope Kibera gestartet. Während sich andere junge Frauen ihres Alters  mit Mode, Trends, ihren Freunden und der Uni beschäftigen, stehen für Regynnah diese Kinder an erster Stelle.

Regynnah sorgt dafür, dass ihnen Grundschulwissen vermittelt wird. Die Kinder lernen das Alphabet – lernen schreiben und  lesen. Vor allem aber haben sie ein Zuhause und Essen in ihren kleinen Mägen. Diese Grundlagen des Überlebens können ihre Eltern ihnen oftmals nicht bieten.

Die Hoffnung bleibt

Als ich mir die Schule anschaue, ist gerade Pause. Die Lehrerin ist gleichzeitig auch Köchin und serviert den Kindern einen Brei. Direkt nach der Pause läuft der Unterricht weiter. Heute geht es um  Quellen des Wassers – ein Element, an dem es in diesem Stadtteil mangelt.

Regynnahs hat einen ausgefüllten Alltag. Morgens begleitet sie die Kinder, die bei ihr wohnen, zur Schule. Sie verbringen dort gemeinsam den ganzen Tag und kehren abends zurück nach Hause. Ihre eigene Ausbildung behält Regynnah auch im Blick. Nach ihrem Abschluss an der weiterführenden Schule möchte sie an der Uni Kommunalentwicklung studieren. Am liebsten würde sie aber Journalistin werden, hat sie mir erzählt.

Menschen wie Regynnah haben erkannt, dass es sich nicht lohnt, darauf zu warten, dass die Regierung sich um die Schulbildung der Kinder von Kibera kümmert. Bis dahin wäre bereits eine ganze Generation ohne Bildung aufgewachsen und Kinder  – wie die von Angels of Hope Kibera – wären um Hoffnungen und Chancen betrogen worden.

Nach meiner Meinung braucht die Welt Heldinnen wie Regynnah, um Bildung für alle durchzusetzen.

Mehr über die Angels of Hope Kibera http://www.youtube.com/watch?v=oOtCFQotUEo&feature=youtu.be

Datum

Dienstag, 12.06.2012 | 14:49

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