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Bildungswege

Fünf Blogger - fünf Länder - ein Dialog

Das eigene Wissen nutzen…

Maria

Neue Lehrmethoden für technische Berufe einzuführen, ist nicht einfach bei uns

Zu Beginn dieser Woche habe ich mich mit meiner Kollegin Patricia über das Thema Bildung in unserem Land unterhalten. Patricia koordiniert ein regionales Programm zur Förderung von Bildung im technischen Bereich: Dazu gehört die Industrietechnologie, Mathemathik, aber auch das Schulmanagement. Die verschiedenen Gruppen, die sich der einzelnen Fachgebiete annehmen, arbeiten dabei aber nicht mit Schülern oder Studenten, sondern mit den Lehrern und Schuldirektoren. Das Ziel ist es, die Ausbilder zu trainieren, damit der Bildungsstandard sich erhöht.

Patricia hat mir dann von der Arbeit ihrer Kollegen Gabriel und Alejandro erzählt. Die beiden Männer leiten den Bereich Schulmanagement und pflegen einen eher alternativen Bildungsansatz. Es sei eine ganz schöne Herausforderung, neue Lehrmethoden im technischen Bereich einzuführen, hat mir Patricia erzählt. „Meine Kollegen wollen die Studenten dazu ermutigen, ihr bereits vorhandenes Wissen zu nutzen. Und wenn du das zu einem Ingenieur sagst, schüttelt er nur den Kopf. Die Lehrer denken, dass ihre Wissenschaft ein hartes Fach ist, das nicht durch Diskussion erlernt werden kann.“ Aber das Problem gebe im gesamten Bereich der Bildung. Die Lehrer orientieren sich immer an dem einen Vorzeigestudenten. „Wir versuchen dieses alte Konzept abzulösen: und zwar durch einen individuelleren Ansatz der Bildung“, erzählte Patricia.

Und ich weiß genau was sie meint.

Maria

In Berlin haben wir miteinander und voneinander gelernt

In Berlin habe ich selber das erste Mal andere Lehrmethoden erlebt. Ich glaube, man kann das in etwa so beschreiben: Es gab keine Professoren, sondern nur Texte, die gelesen wurden. Und das Wissen haben wir uns gemeinsam durch Diskussionen und Fragen erarbeitet. Ein klassischer Tag in dieser Lehrweise hat mit einer Vorlesung von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter begonnen, der seine Interpretation der Kapitel zum Besten gegeben hat, die wir vorher gelesen hatten. Danach konnten wir alle Fragen stellen, und so konnte eine Diskussion entstehen. Danach haben wir in unseren Seminaren weiter darüber debattiert und eigene Ideen entwickelt. Am Ende eines jeden Seminars gab es auch keine Prüfungen. Wir mussten Hausarbeiten zu einem Thema schreiben. Dieser Ansatz des Lernens hat meine Meinung unwiderruflich geändert: Ich glaube fest daran, dass auf diese Art und Weise das kritische Denken von Studenten gefördert wird. Wir haben dort gelernt zu hinterfragen und nicht einfach nur alles das hinzunehmen, was uns eine Person erzählt. Es geht doch darum die Fähigkeit zu entwickeln, eine fruchtbare Diskussion führen zu können. Außerdem fördert es die Kreativität und stärkt die Argumentationsfähigkeiten.

Ich habe darüber nachgedacht, was Emmy in ihrem letzten Eintrag geschrieben hat über die Bildung in Kenia, die die Kreativität tötet. Ich denke, dass es etwas damit zu tun hat, dass Bildung oft viel zu theoretisch vermittelt wird. Und darum ging es ja auch bei meinem Gespräch mit Patricia: Wie kann ich einen anderen, liberalen Ansatz der Bildung in einem Fach einführen, das eigentlich auf harten Fakten basiert? Es geht mir nicht darum, dass ich den Wert und die Stärke von Theorie untergraben möchte: Ich fände es nur gut, wenn man mehr Wert darauf legt, dass Studenten sich ihrer eigenen Fähigkeiten bewusst werden und sie motiviert werden diese auch zu nutzen.

Datum

Donnerstag, 21.06.2012 | 20:00

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1 Kommentar

1 Kommentar

  • Liebe María,

    ich glaube, dass du vollkommen recht hast. Es kommt sehr viel auf Lehrmethoden an. Auch darauf, diese zu wechseln, so dass man besser auf die unterschiedlichen Lernstärken der Schüler und Studierenden eingehen kann.

    Was ich aber gemerkt habe, ist, dass der Erfolg von Seminaren, die voll auf Diskussion und aktive Partizipation setzen, stark von der Vorbereitung der Teilnehmer abhängen – und von den Erwartungen der Dozenten. In Deutschland hatte ich in vielen Uni-Seminaren das Gefühl, dass die Dozenten gar nicht erwarteten, dass die Teilnehmer die Texte wirklich vorbereiteten. Deshalb war es dann für viele auch ok, wenn Referate nur den Inhalt von den Texten noch einmal zusammengefasst haben, die wir zu Hause hätten vorbereiten sollen. Für diejenigen, die die Texte bereits gelesen hatte, war das sehr langweilig.

    In meinem Auslandssemester in Kanada erlebte ich, dass die Studierenden den Stoff viel besser vorbereiteten und so konnte es zu intensiveren Diskussionen kommen. Und das erwarteten die Dozenten auch von uns.

    Kathrin

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