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Bildungswege

Fünf Blogger - fünf Länder - ein Dialog

Russland braucht weniger Gerede, mehr konkrete Veränderungen

Wir brauchen keine hochfliegenden Abstraktionen sondern gut geerdetes Handeln

Maria hat in ihrem letzten Eintrag geschrieben, dass der soziale Dialog in Argentien ihrer Meinung nach in die falsche Richtung geht. Ich glaube, jedes Land hat in einer bestimmten Entwicklungsphase mit solchen Problemen zu kämpfen. Wenn ich auf meine Studienzeit zurückblicke, war das so eine Phase. 

Manchmal wird einfach zu viel geredet,  statt dass wirklich gehandelt wird (ich spreche jetzt gar nicht nur vom Bildungssektor; das kann man auch überall anders im politischen und wirtschaftlichen Leben Russlands feststellen).

Bei allem notwendigen Respekt gegenüber den talentierten und brillianten Lehrern und Professoren, die frühere Generationen unterrichtet und mehreren russischen Genies (dem Mathematiker Grigori Perelman zum Beispiel) geholfen haben, ihr Potenzial zu entwickeln – ich würde dennoch gerne Veränderungen im Bildungssystem sehen. Interessant ist, dass viele meiner Kommilitonen genauso denken; ich glaube, der Wunsch nach einem neuen Bildungsmodell liegt in der Luft. Gleichzeitig sind aber die Verantwortlichen in den sozialen Institutionen ein wenig verwirrt, was die Zukunft bringt – und Ergebnis des Ganzen ist, dass sich die Gesellschaft mal voran und mal zurück bewegt. Das erinnert mich an eine Fabel: Drei Tiere unternehmen wahnsinnige Anstrengungen, um einen Karren zu bewegen, aber der rührt sich nicht vom Fleck, weil sich die Tiere nicht einigen können, in welche Richtung sie denn ziehen sollen.

Abschlussarbeiten bedeuten immer viel Papierkram

Was meine ich mit diesen Rückwärtsbewegungen? Ein Beispiel ist diese ganze Bürokratie, dieser ganze Papierkram, den man etwa als Student einreichen muss, wenn es um die Abschlussarbeit geht. Aber auch hier kann man schon sehen, dass die fortschrittlichen Kräfte stärker sind. Ich freue mich jedes Mal, wenn Leute etwas nicht aus abstrakten bürokratischen Gründen tun sondern für konkrete Ziele. Wenn ich zum Beispiel von Freunden höre, dass sie für ganz konkrete Menschen arbeiten (zum Beispiel wenn sie als Tutor für Studenten tätig sind oder eigene soziale Projekte starten). Das finde ich viel besser, als wenn sie für solche Abstraktionen arbeiten wie „Kunden“ oder „Unternehmen“. 
Ich hoffe, dass das Global Media Forum, das in Deutschland stattfindet und sich dieses Jahr mit dem Thema Bildung beschäftigt, auch konkrete Aktionen anstößt. Denn nicht nur meine Mitblogger sind dort dabei sondern auch viele andere Teilnehmer aus allen Teilen der Erde. Und ich hoffe, dass kleinere Organisationen und Einzelaktivisten, die in der Bildung aktiv sind, neue Motivation für ihre Arbeit schöpfen. Damit sie vielen anderen Menschen helfen zu lernen, sich weiterzubilden, und sie ermutigen, nicht nur einer unter vielen zu bleiben sondern für ihre eigenen Ideen und Ziele einzustehen.  
Es ist wie beim Schachspielen: Du lernst vorauszudenken, damit du nicht verlierst. Und wenn du erst einmal die Strategie des Schachspiels auf das richtigen Leben anwendest, wirst du sehen: Es hilft! 

Datum

Mittwoch, 27.06.2012 | 12:00

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