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Bildungswege

Fünf Blogger - fünf Länder - ein Dialog

Wie soziale Medien die Journalistik-Lehrpläne revolutionieren

Stimmungsvoller Auftakt beim Global Media Forum

Drei Tage lang habe ich nun auf dem Global Media Forum (GMF) verbracht. Ich habe meine Blogger-Kollegen getroffen, ich habe alte Freunde aus aller Welt wiedergesehen und neue Freunde gefunden. Ich habe gegessen und getanzt während der GMF-Bootsfahrt auf dem Rhein. Denn neben der ernsten Seite der Konferenz gab es ja auch einen spaßigen Teil.

Eines meiner Interessensgebiete als ausgebildete Journalistin und Medientrainerin ist der fortschreitende Einfluss der digitalen Welt auf den Journalismus. Deshalb habe ich an einem Workshop der DW AKADEMIE teilgenommen, mit dem Titel: „Neue Trainer für neue Medien?“ Dabei ging es darum, wie sich die journalistische Ausbildung auf die Veränderungen der Medienlandschaft einstellen muss.

Denn die Medienlandschaft hat sich rapide verändert. Und sie verändert sich kontinuierlich weiter wegen der großen technologischen Fortschritte, die überall auf der Welt gemacht werden. Die wachsende Bedeutung der sozialen Netzwerke zum Beispiel – wie stellen sich die Institutionen, die Medientrainer weiterbilden, auf diese Herausforderungen ein? Müssen wir vielleicht sogar von einem komplett neuen Medienbereich sprechen? Das hat natürlich große Auswirkungen auf das Arbeitsumfeld von Herausgebern, Journalisten und so weiter. Der Workshop konzentrierte sich auf Fragen wie: Was brauchen Trainer für ihren Unterricht, um ihre Studenten fit für die Zukunft zu machen? Welche Faktoren beeinflussen das Personalmanagement von Medien?

Eine der Fragen, die hochgekommen sind, war die Relation zwischen Medientrainern, die aus dem Ausland kommen, und Nachhaltigkeit. Man sieht ja häufig Trainer, die aus westlichen Ländern in Entwicklungsländer gehen, die mit den besten Übungsmethoden und hochwertiger technischer Ausstattung professionelle Seminare und Workshops vor Ort veranstalten.  Und wenn sie dann wieder weg sind, ist das Projekt, das sie begonnen haben, entweder auf Eis oder es stirbt nach kurzer Zeit. Dieses Problem hat eine lebhafte Diskussion während des Workshops entfacht. Die letztliche Schlussfolgerung lautete: Investitionen in Know-How sind niemals vergeblich, dennoch muss man dafür sorgen, dass die Menschen vor Ort selbst mehr Verantwortung übernehmen und die Programme und Projekte als ihre eigenen ansehen.

Ich selbst habe ähnliche Erfahrungen gemacht bei meinen Medientrainings, die ich für Menschen in Slums anbiete. Ich bin zwar auch Kenianerin, komme aber aus einem anderen Stadtteil oder sogar einem anderen Landesteil. Und ich stehe auch vor dieser Herausforderung. Da denke ich zum Beispiel: Es wäre doch eine tolle Idee, wenn meine Studenten in den Slums über ein bestimmtes Thema einen Film drehen würden. Und dann sind meine Studenten – die ja schließlich dort leben – mit diesem und jenem Detail, mit meinem Blick auf die Dinge gar nicht einverstanden, weil ich mich einfach mit ihrer Situation nicht gut genug auskenne oder mich nicht richtig hineinfühlen kann. Das Beste wäre wahrscheinlich, wenn man lokale Filmemacher und Storyteller unterstützen würde. Einer der Teilnehmer hat auch darauf aufmerksam gemacht, dass man immer und überall die Menschenwürde respektieren sollte, wenn man Filme dreht, vor allem in anderen Ländern. Filmemacher müssen die Kultur verstehen, in der sie drehen, und eine Leidenschaft fürs Storytelling haben. Damit stimme ich hundertprozentig überein. 

Bei Filmdrehs in fremden Kulturen ist immer Vorsicht geboten, um nicht die Gefühle oder gar die Würde der Gefilmten zu verletzen

Und noch eine Frage hat mich bei diesem Workshop sehr bewegt: Wie sollen neue Medien in die Lehrpläne journalistischer Ausbildung integriert werden? Medienakademien müssen ein Gleichgewicht finden zwischen dem dem Lehren neuer digitaler und traditioneller journalistischer Fähigkeiten. Auf der Konferenz waren sich die Teilnehmer ziemlich einig: Digitale Fähigkeiten sollten die journalistischen keinesfalls ersetzen. Und man sollte, auch wenn die Lehrpläne jetzt umgestrickt werden, um mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten, niemals die Grundlagen aus dem Blick verlieren.

Ich fand diesen Workshop besonders gut, denn hier ging es genau um die Themen, die meine Leidenschaft sind: Storytelling, Journalismus und Medientraining. Die Diskussionen auf der Konferenz waren für mich das Größte.

Datum

Donnerstag, 28.06.2012 | 11:35

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