More DW Blogs DW.COM

Bildungswege

Fünf Blogger - fünf Länder - ein Dialog

Wirbel um Bachelor und Master

Schulbücher in Russland

Englisch und Deutsch sind beliebte Fremdsprachen in russischen Schulen

Gerade habe ich Emmys Eintrag über das Bildungssystem in Kenia gelesen, wo sie auch beschreibt, wie es sich auf Jugendliche und ihre Zukunftspläne auswirkt.

In meiner Heimat ist es anders. Ich überspringe jetzt mal den Kindergarten. Das russische Schulsystem ist nach dem Schema 3-5-2 aufgebaut. Die ersten zwei Bausteine sind die Grundschule – 3 Jahre – und die Mittelschule – 5 Jahre. Diese beiden Schulen sind Pflicht. Danach kann man wählen: Entweder man verlässt die Schule und macht eine Berufsausbildung oder man hängt noch 2 Jahre auf der Oberschule dran, um dann die Zulassung fürs Universitätsstudium zu bekommen.

Ein Hochschulstudium, wie es bisher üblich war, dauert 5 Jahre. Aber Russland will sich ja an andere Länder angleichen, gerade an Europa, weil da viele wirtschaftlich wichtige Partnerländer sind. Deshalb werden jetzt die europäischen Standards eingeführt, also wie im Bologna-Prozess. Das heißt, man macht nach 4 Jahren seinen Bachelor-Abschluss. Und wer will, hängt einen Master dran, das dauert dann noch einmal 2 Jahre.

Viele Lehrer und Professoren halten davon nichts. Viele gehören ja auch zur Generation meiner Eltern, manche sind sogar so alt wie meine Großeltern. Die wehren sich natürlich gegen die Änderungen, weil sie sich auf ein komplett neues System umstellen müssen.

Naja, ich finde, wenn man offen für Neues sein will, gehört schon dazu, dass man auch mal fremde Methoden anwendet. Aber es sind dann doch die Studenten, die die Suppe auslöffeln müssen, die ihnen die Regierung eingebrockt hat mit irgendwelchen Programmen, die noch überhaupt nicht richtig ausgetestet sind und die die Professoren überhaupt nicht akzeptieren wollen.

Ich sag ja nicht, dass diese neuen Methoden schlecht oder unpassend sind. Es ist halt nur so, dass es in Hochschulen und Universitäten, unter Lehrkräften, Studenten und dann auch noch in der Verwaltung eine „alte Riege“ gibt, die Schwierigkeiten damit hat. Wer jetzt genau da blockiert, ob Lehrer A oder Student B oder Hochschule C, das kann ich nicht sagen. Aber irgendwie scheint es an allen Ecken und Enden ein bisschen zu haken.

Und wenn man als Student nach einigen Jahre plötzlich feststellt, dass dieses oder jenes Studium doch nicht gerade das Gelbe vom Ei ist, zumindest für einen selbst, dann ist es nur ganz natürlich, dass man wechseln will. Deshalb finde ich, dass es wirklich wichtig wäre, dass Studenten bei uns diese Möglichkeit zum Studienwechsel bekommen.

Datum

Donnerstag, 10.05.2012 | 11:49

Teilen

Hinterlasse einen Kommentar