More DW Blogs DW.COM

Abenteuer Sport

mit Stefan Nestler

Neues Ortungssystem für Nepal

Mahabir Pun

Mahabir Pun

Dieser Mann hat eine Vision. „Ich überlege, wie wir Nepal innerhalb von 30 Jahren zu einen entwickelten Land machen können“, schreibt Mahabir Pun auf Facebook. Der 59 Jahre alte Lehrer wurde in Nangi geboren, einem entlegenen Bergdorf im Westen Nepals. Nach dem Studium in den USA kehrte Mahabir in sein Heimatland zurück und gründete in Nangi eine weiterführende Schule. Und dann brachte er auch noch WLAN und damit das Internet mit in die Berge. Für seine Verdienste wurde Mahabir Pun bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ramon Magsaysay Award, einer Art asiatischer Nobelpreis.

Jetzt hat Mahabir ein neues Projekt gestartet. Im Gebiet um den Achttausender Annapurna wird im nächsten halben Jahr ein neues Ortungssystem für Trekkingurlauber getestet. Nicht ohne Grund. Das System wurde unter anderem entwickelt, um allein reisende Touristen, die in Schwierigkeiten geraten sind, orten und anschließend retten zu können. In den vergangenen Jahren verschwand insgesamt fast ein Dutzend ausländischer Trekkingtouristen in Nepal. Ich habe Mahabir geschrieben, um nähere Details zu seinem Projekt zu erfahren. Die Antwort kam prompt.

Mahabir, hast du das System selbst entwickelt?

E-Netwerking Research and Development“ ist eine Nicht-Regierungsorganisation, und ich bin ihr Vorsitzender. Wir haben das System mit unseren japanischen Partnern der International ICT Association entwickelt. Die Geräte kommen aus Japan, das Gesamtkonzept haben wir gemeinsam erarbeitet.

Warum habt ihr nicht ein GPS-System gewählt?

Mir ist natürlich klar, dass es auf dem Markt GPS- und GPRS (General Packet Radio Service)-Systeme gibt. Aber die haben drei Nachteile. Erstens müssen die Batterien innerhalb kurzer Zeit häufig aufgeladen werden. Zweitens arbeiten GPRS-Systeme nur, wo es Mobilfunknetze gibt. Und drittens sind diese Systeme teuer in der Anschaffung und im Betrieb. Die kleine Batterie in unserem Gerät „eTag“  muss nur alle drei Monate ausgetauscht werden. Die Relaisstationen werden über kleine Solarpanelen mit Strom versorgt. Deshalb eignet sich diese Ausrüstung für entlegene Gebiete, wo es keine GPRS-Signale gibt. Das System ist billiger als andere Ausrüstung. Auch die Betriebskosten sind niedrig.

Mahabir packt an, wenn es nötig ist

Mahabir packt an, wenn es nötig ist

Ihr setzt auf Signale, die per Radiowellen übermittelt werden. Benötigt man dafür wirklich alle zwei Kilometer eine Relaisstation (RSS)? Das klingt sehr aufwändig.

Die Relaisstation ist ein kleines Gerät mit einer Solarpanele und einer Drahtlos-Funkeinheit, das wir entlang der Wege auf Stangen, an Bäumen oder Gasthäusern befestigen. Die Funksignale, die das „eTag“ des Trekkers sendet, werden von der Relaisstation empfangen und an die nächste weiter übermittelt. Über eine elektronische Pforte gelangt die Identifikationsnummer des Trekkers dann ins Internet. Derzeit haben unsere RSS eine Sendeleistung von zehn Milliwatt, damit reichen sie zwischen zwei und drei Kilometer weit. Deshalb brauchen wir in diesem Abstand Relaisstationen. Später können wir die Sendeleistung steigern, so dass wir größere Gebiete abdecken. Es ist nicht zu aufwändig, weil es fast nichts kostet, die Stationen zu betreiben. Eine Relaisstation kostet in der Anschaffung ungefähr 400 US-Dollar, das „eTag“ etwa 30 US-Dollar.

Auf dem Gerät befindet sich auch ein SOS-Knopf. Wie nahe muss der Trekker an der Relaisstation sein, damit sein Signal empfangen wird?

Der SOS-Knopf funktioniert, wenn der Trekker ungefähr 150 bis 200 Meter von der Relaisstation entfernt vorbeiläuft. Grund ist die Sendeleistung des „eTag“ von derzeit nur einem Milliwatt.

Was kostet das Projekt insgesamt, wo kommt das Geld her?

Die Gesamtkosten liegen nach derzeitigem Stand bei 30.000 US-Dollar. Das Pilot-Projekt wird von der „Asiatic Pacific Telecommunity“ unterstützt, einer Organisation, der 38 Länder angehören.

Im Einsatz für den Fortschritt

Im Einsatz für den Fortschritt

Plant ihr, das System, wenn es funktioniert, auch in anderen Trekkingregionen einzusetzen, zum Beispiel im Khumbu-Gebiet rund um den Mount Everest?

Wenn das Pilotprojekt in einem halben Jahr abgeschlossen ist, wollen wir das nepalesische Tourismusministerium dazu bewegen, es für die Sicherheit von Trekkern, Bergführern und Trägern auch auf anderen Trekkingrouten einzusetzen. Ich will die Regierung bitten, einen Teil des Geldes, das sie von den Touristen ohnehin für Trekkinggenehmigungen und als Nationalparkgebühren erhält, als Abgabe für Technologie und Innovation umzuwidmen. Ich möchte den Trekkingtouristen diesen Dienst ohne Zusatzgebühr anbieten. Ich betreibe bei der Regierung Lobby-Arbeit dafür, dass die „eTags“ kostenfrei zusammen mit der Trekkinggenehmigung ausgegeben werden. Die Regierung hat ausreichend Geld, um das System zu realisieren, wenn sie es nur will. Deshalb brauche ich die Unterstützung von Leuten wie dir, um Druck auf die Regierung Nepals auszuüben, damit sie das Ortungssystem für die Sicherheit der Trekkingurlauber einführt.

Dieses System ist für Trekkingtouristen gedacht. In welcher Weise profitiert die lokale Bevölkerung davon?

Die Geräte können auch an Bergführer und Träger verteilt werden. Auf diese Weise können die Trekkingagenturen verfolgen, wo sich ihre Gruppen befinden. Im Notfall kann den Führern und Trägern ebenfalls geholfen werden, oder sie können für ihre Kunden das SOS-Signal senden, indem sie nahe an einer Relaisstation vorbeilaufen. Derzeit sehe ich noch keinen direkten Mehrwert für die lokale Bevölkerung. Aber vielleicht finden wir in der Zukunft noch Wege, wie sie auch von dem Ortungssystem profitieren kann.

Du träumst von einem Nepal mit freiem WLAN. Gibt es nicht drängendere Probleme, die gelöst werden müssen? Nepal gehört noch immer zu den ärmsten Ländern der Welt.

Es gibt unzählige dringende Probleme in Nepal, die uns deutlich mehr herausfordern, als Nepal zu einer „Free WiFi“-Zone zu machen. WLAN ist nur ein Instrument, das, richtig eingesetzt, dabei helfen kann, jedes System Schritt für Schritt zu verbessern. Mein Ziel ist es, WLAN zu nutzen, damit Bildungs- und Gesundheitsprogramme in den ländlichen Gegenden Nepals besser laufen.

Derzeit suche ich nach Möglichkeiten, in Nepal ein Ideen-Zentrum für Innovationen zu gründen, um die Entwicklung Nepals voranzutreiben. Ich engagiere mich auch stark dafür, Umwelttourismus in Nepal voranzubringen. Ich habe bereits Öko-Trekkingprogramme über fünf oder zehn Tage entwickelt, die vollständig von den Dorfgemeinden organisiert werden.

Datum

24. Januar 2014 | 18:44

Teilen